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Die autoritÀre Revolte

Bei einem Vortrag in Schnellroda vor anderthalb Jahren erinnerte sich Björn Höcke an den 9. November 1989. Er und sein Vater hĂ€tten die Bilder aus Berlin im Fernsehen angeschaut und seien einander weinend in die Arme gefallen. „Als wir uns voneinander lösten, sagte mein Vater einen Satz, den ich nie vergessen werde. Er sagte: ‚Das ist das Ende des deutschen Volkes.‘“

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Nicht Fakten, sondern „Frames“ gewinnen Wahlen

Warum Trump gegen fast alle Voraussagen PrĂ€sident wurde – und was wir tun mĂŒssen, um den Siegeszug der Demagogen zu stoppen

Nicht Fakten, sondern Denkraster („Frames“) gewinnen Wahlen, postuliert die Linguistin Elisabeth Wehling. Die im amerikanischen Berkeley lehrende Linguistin Wissenschaftlerin Elisabeth Wehling stellte ihre Thesen am vergangenen Freitag auf der von Deutschlandfunk und der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung veranstalteten Konferenz „Formate des Politischen“ in Berlin vor. Anders als progressive hĂ€tten konservative Menschen eine grĂ¶ĂŸeres Ekel- und Angstempfinden, so Wehling. Das lasse sich bei Messungen mit dem Neuroscanner feststellen. Diese Ängste ließen sich durch entsprechende Signale verstĂ€rken. Abwehrmechanismen gebe es kaum, wenn die Botschaften direkt aufs Hirn zielen. Donald Trump, stellte Wehling fest, fahre eine klassische Framing-Strategie, wĂ€hrend Hillary Clinton den Fehler mache, auf politische AufklĂ€rung zu setzen. Prophetische Worte. Weiterlesen

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Ich verachte Euch!

Am Sonntag werdet Ihr wieder jubeln. Die AfD wird mit einem deutlich zweistelligen Ergebnis in den Schweriner Landtag einziehen. Was wir von dieser Partei zu erwarten haben, ist inzwischen kein Geheimnis mehr. Auf ihren Listen ziehen Rassisten, Antisemiten, Antidemokraten, Chauvinisten, gescheiterte Persönlichkeiten, Faulpelze und LĂŒgner in die Parlamente ein. Ihr wĂ€hlt diese Partei trotzdem. Oder besser: Genau deswegen. Euch stört nicht, dass an der AfD nichts Seriöses ist. Ihr findet das gut. Weil Ihr selbst genauso seid – und auch noch stolz darauf. DafĂŒr verachte ich Euch! Weiterlesen

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Wie Alice Schwarzer Ausgrenzung salonfÀhig macht

In einem Interview mit der Zeitschrift „Cicero“ macht Alice Schwarzer Stimmung gegen FlĂŒchtlingshelfer und bedient eine Rhetorik von rechten Rand. Solche Positionen sind kein einmaliger Ausrutscher, sondern gehören seit Jahrzehnten zum Repertoire von Deutschlands Vorzeige-Feministin. Eine Analyse von Arne Hoffmann.

Ehrenamtliche FlĂŒchtlingshelfer sind unverzichtbar, wenn es darum geht, FlĂŒchtlingen die Regeln des Zusammenlebens in Deutschland zu vermitteln. Zu diesem Ergebnis gelangte eine Anfang August herausgegebene Studie der Bertelsmann-Stiftung, die vom Berliner Institut fĂŒr empirische Integrations- und Migrationsforschung durchgefĂŒhrt wurde. Danach ist das Engagement zahlreicher Freiwilliger nach wie vor ungebrochen. SchĂ€tzungen zufolge helfen zwischen einer halben bis zu einer vollen Million Menschen in einer wahren „Explosion des bĂŒrgerschaftlichen Engagements“. ZurĂŒckgegangen, erfĂ€hrt man aus einem Artikel der „Welt“ ĂŒber diese Studie, sei „lediglich die Überbeanspruchung der Helfer, die im Winter Tag fĂŒr Tag rackern mussten, um die elementare Versorgung der GeflĂŒchteten sicherzustellen“. Die Mehrheit dieser Ehrenamtlichen sei ĂŒbrigens weiblich. Weiterlesen

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Birgit Kelle und der dĂŒnne Firnis der Zivilisation

Die konservative Autorin Birgit Kelle liefert reaktionÀren und rechtsradikalen alten MÀnnern schon lÀnger erfolgreich Empörungsvorlagen und hat daraus ein eintrÀgliches GeschÀftsmodell entwickelt. Immer wieder wehrte sie sich dagegen, mit AfD, Pegida und Co. in einen Topf geworfen zu werden. Mit ihrem neuen Text zeigt sie aber: Genau dort gehört sie hin. Weiterlesen

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Millionen Deutsche öffnen dem Faschismus die TĂŒr

Es wird Zeit, die RealitĂ€t anzuerkennen: Irgendwo zwischen fĂŒnf und zehn Millionen wahlberechtigte Deutsche sind bereit, dem Faschismus wieder die TĂŒr zu öffnen, wenn er im bĂŒrgerlichen Gewand an diese klopft. NatĂŒrlich wĂŒrden sie genau das bestreiten – aber das hat Methode. Sie sind Rassisten und behaupten, sie wollten doch nur nicht, dass unsere IdentitĂ€t verloren geht. Sie sind Nationalisten und behaupten, sie wollten nur keine ĂŒbergriffige BĂŒrokratie aus BrĂŒssel. Sie sind homophob und behaupten, sie wollten nur die traditionelle Familie schĂŒtzen. Sie sind antisemitisch und behaupten, sie wollten das christlich-jĂŒdische Abendland schĂŒtzen. Sie sind Antidemokraten und behaupten, sie wĂ€ren die einzig wahren Demokraten. Sie denken totalitĂ€r und behaupten, sie stĂŒnden in der Tradition von FreiheitskĂ€mpfern wie den Geschwistern Scholl oder wĂ€ren selber Opfer, die bald den Judenstern tragen mĂŒssten. Sie sind antiwestlich und antiamerikanisch und behaupten, sie wollten nur nicht von den „Kriegshetzern“ in einem Krieg gegen Russland getrieben werden. Sie hassen die Meinungsfreiheit und behaupten, sie wĂ€ren die letzten KĂ€mpfer fĂŒr die Meinungsfreiheit. Sie behaupten, sie wĂŒrden gegen Tabus kĂ€mpfen, verschweigen aber, dass sie nur gegen die Tabus der offenen Gesellschaft ins Felde ziehen, um spĂ€ter ihre eigenen – totalitĂ€ren, antidemokratischen, menschenverachtenden – Tabus durchzusetzen. Sie behaupten, sie wĂŒrden fĂŒr die Freiheit kĂ€mpfen, meinen damit aber nur ihre eigene Freiheit, andere zu diskriminieren und ihre Ansichten mit aller BrutalitĂ€t durchzusetzen. In Wahrheit sind sie die grĂ¶ĂŸten Gegner der Freiheit, in ihrem Denken deutlich nĂ€her an islamistischen Hasspredigern als an der Gemeinschaft der Demokraten. Weiterlesen

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Die Nashörner kommen – Menetekel einer rechtskonservativen Radikalisierung in vier Szenen

„Achse des Guten“, „Alternative fĂŒr Deutschland“, Hayek-Gesellschaft, Kirchenmilieu – wie Dominosteine bringen rechte Scharfmacher einst liberale oder moderat-konservative Gruppierungen zum Kippen. Ressentiment, Fanatismus und AggressivitĂ€t frĂ€sen sich ins ehedem staatstragende BĂŒrgertum. Wieso gehen Maß und Mitte massenhaft verloren?

EugĂšne Ionescos Novelle und TheaterstĂŒck „RhinocĂ©ros“ beschreibt die fortschreitende Verwandlung einer ganzen Stadt in eine Herde von Nashörnern. Im zweiten Akt entdeckt der Protagonist Behringer bei seinem erkrankten Freund Hans, der prototypisch fĂŒr die untere Mittelschicht steht, eine Beule am Kopf; spĂ€ter wird dessen Haut grĂŒn. Als er den Arzt rufen möchte, hindert ihn Hans daran, denn der fĂŒhlt sich gut – und erklĂ€rt, dass er die SchwĂ€che der Menschen verabscheue und das Recht der Natur ĂŒber die menschliche Moral stelle. Behringer versucht dagegen zu argumentieren, stĂ¶ĂŸt aber auf heftigen Widerstand. Sein Freund ist rationalen EinwĂ€nden nicht mehr zugĂ€nglich. Hans’ Verwandlung zum Nashorn wird immer deutlicher. Er droht Behringer damit, ihn zu zertrampeln, sollte er ihm im Weg stehen, woraufhin dieser flĂŒchten muss. Weiterlesen

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Nach Clausnitz – und davor: Braucht die Polizei uns BĂŒrger?

Clausnitz, Bautzen und Co sind in den Medien. Gestern waren es Heidenau und Freital, vorgestern Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda (ein kleines Erinnerungsvideo, wie die Bilder sich doch gleichen). Morgen werden es beliebige andere StĂ€dtenamen sein. Keine Frage: Der Hass, auch der tödliche – ob im rechten, linken oder islamistischen Gewand –, ist in unserer Mitte. Es sind unsere Nachbarn und Arbeitskollegen, Facebook-Freunde oder sogar Familienmitglieder, die sich ihm ungehemmt hingeben – und Politik, Polizei und Staatsanwaltschaft vor Probleme stellen. Wie gehen wir nun damit um? Sollen wir auf die Kraft des Rechtsstaats vertrauen und abwarten? Oder sollen wir ihn nach KrĂ€ften unterstĂŒtzen, auch wenn das heißt, regelmĂ€ĂŸig Menschen anzuzeigen – und damit im Einzelfall auch Existenzen zu gefĂ€hrden? Weiterlesen

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Warum die RosenmontagsumzĂŒge abgesagt wurden

Wegen des Wetters, so lautete die offizielle BegrĂŒndung, seien die NarrenumzĂŒge in Mainz, DĂŒsseldorf und anderen StĂ€dten abgesagt worden. Das kann ja gar nicht die Wahrheit sein, denkt man sich bei Pegida und der AfD. Und meint, das Volk aufklĂ€ren zu mĂŒssen. Weiterlesen

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RĂŒckblick auf den Ausblick – 2015 im RĂŒckspiegel

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich einen Jahresausblick fĂŒr das Jahr 2015 gewagt und angekĂŒndigt, dass ich 100 Euro an eine gemeinnĂŒtzige Einrichtung spenden werde, wenn ich nicht mit mindestens acht von zehn Vorhersagen richtig liege. Das Ziel habe ich, das lĂ€sst sich an dieser Stelle schon sagen, verfehlt. Daher freue ich mich ĂŒber VorschlĂ€ge fĂŒr SpendenempfĂ€nger in der Kommentarspalte. Hier nun aber ein Blick auf die Vorhersagen im Detail.

  1. In Sachen Europa

Meine Hypothese war, dass Syriza bei den Wahlen in Griechenland schwÀcher abschneidet, als gedacht, der proeuropÀische Kurs fortgesetzt und die AusteritÀtspolitik gleichzeitig abgeschwÀcht wird und der Euro bleibt. In Bezug auf Syriza lag ich offensichtlich daneben, der Rest hat sich allerdings bestÀtigt. Nur eben mit Syriza an der Spitze. Ich gebe mir mal einen halben Punkt. Weiterlesen

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