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BILD Dir Deine Meinung: Kein Judenhass

Man kann froh sein, dass der Springer Verlag vor den Gefahren des Antisemitismus geschĂŒtzt ist. Das hat auch historische GrĂŒnde. Der GrĂŒndungsverleger ließ in der Nachkriegszeit seine Berater einen Kanon festlegen, dem sein verlegerisches Imperium unterworfen sein sollte. Und dazu gehörte fĂŒr ihn, dass die judenfeindlichen Gesinnungen, die in den Vorurteilen der Menschen schlummern, nicht mehr politisch zum Tragen kommen sollten. Gut so.

Allerdings kam der Grundsatz damals aus der Feder eines alten Nazis, der sein Vertrauen genoss, ĂŒbrigens ebenso wie jĂŒdische Köpfe, die die eigenartige Melange in Axel CĂ€sars Freundeskreis offenbar zu ertragen wussten. Wie man das wissen kann? Nun, die Formulierung ist verrĂ€terisch. Man befĂŒrworte, heißt es dort, das Existenzrecht des jĂŒdischen Volkes. Ups, „des Volkes“?

Das Existenzrecht eines Volkes kann nur befĂŒrworten, wer auch das Gegenteil denken kann: den Völkermord, die sogenannte Endlösung. Was der umlackierte Nazis sagen wollte, betrifft das Exsitenzrecht des jĂŒdischen Staates, also von Israel. Das ist eine Nachricht, das ist ein Bekenntnis. Die verunglĂŒckte Formulierung sagt lediglich SelbstverstĂ€ndliches. FĂŒr jedes Volk, jede Religion. Weiterlesen

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So gehn die Feinde – die Feinde gehn so

Die Nachrichten dieser Tage erinnern mich an das Brecht-Wort: „Der Mensch, die Krone der Schöpfung, das Schwein.“ Ich sehe und höre Dinge aus dem Nahen Osten, aus der Ukraine, die das Menschenbild verĂ€ndern können. Es vergĂ€llt mir ein wenig die Freude darĂŒber, dass wir jetzt Weltmeister sind. Ja, ich gehöre zu den Miesepetern und Moraltussen, die zu anhaltendem Jubel ĂŒber die Niederlage der anderen nicht so recht geschaffen sind. Als Deutscher sieht man eine halbe Million alkoholisierter Fans unter der SiegessĂ€ule nicht ungebrochen. FrĂŒher war mehr Lametta bei MassenaufmĂ€rschen. Ja, die deutsche Krankheit: Nachdenklichkeit. Weiterlesen

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Vom Nutzen der Literatur

Ich nehme an, dass die meisten von uns in der Schule dieses „Gedicht“ des Pastors und Antifaschisten Martin Niemöller gelesen haben:

Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten, 
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie mich holten,
gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.

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Alles Kundschafter des Friedens: Warum Spionage wie Gegenspionage sein mĂŒssen

Meine englischen Freunde meinen, wenn sie „Blitz“ sagen, kein Aufleuchten im Gewitter, sondern den Blitzkrieg, den die deutsche Luftwaffe unter Hermann Göring gegen sie geflogen hat. Sie erinnern sich an Bomben ĂŒber London und Coventry und summen dabei von Vera Lynn „We‘ll meet again“, das sentimentale Lied jener, die im Kampf gegen Hitler ihr Leben lassen sollten. Es waren nicht wenige, und es waren nicht die schlechtesten. Ich frage erst gar nicht, ob sie uns, den Hunnen, die zweimal im letzten Jahrhundert die Welt in einen Krieg gestĂŒrzt haben, trauen. Ich frage vorsichtig nach Merkel. Und sie antworten mit der Gegenfrage, ob das die Dame sei, deren Familie freiwillig aus dem Westen in den Osten gezogen sei, die im Kommunismus groß wurde und dann Kohl, den Helden der Wiedervereinigung, aus lauter Dankbarkeit gestĂŒrzt habe. Ja, sage ich, eben jene. Man zeigt leicht gequĂ€lt eine steife Oberlippe. NatĂŒrlich trauen sie Merkel nicht. Weiterlesen

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Mit der Burka ins Internet

 

Mir geht  Peter Sloterdijks Abgesang auf den Humanismus nicht aus dem Kopf:

http://www.zeit.de/1999/38/199938.sloterdijk3_.xml

Einerseits erscheint er mir aus der Distanz von fĂŒnfzehn Jahren aktueller als Bill Joys Apokalypse aus wildgewordenen Robotern, Genen und Mikroorganismen; denn fĂŒr Sloterdijk ist die zentrale Frage jene des Mediums oder der Medien. Er verweist ausdrĂŒcklich, wenn auch ein wenig pompös archaisierend, auf „die aktuellen Vernetzungsrevolutionen“; das, was uns heute in Gestalt von Google und Facebook, Amazon und der NSA beschĂ€ftigt, und was Bill Joy – vielleicht, weil er fĂŒr Sun Microsystems arbeitete und darum betriebsblind war  – gar nicht auf dem Schirm hatte.

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Die Vierte Gewalt macht vor nichts halt

Das Konzil tagt, der Kongress tanzt. Zur jĂ€hrlichen Tagung des Journalistenvereinigung namens „Netzwerk Recherche“ reisen die Spitzen der schreibenden Zunft nach Hamburg, wo der NDR auf seinem KombinatsgelĂ€nde im  Norden der Stadt den professionellen Disputen der notorischen AufklĂ€rer Raum bietet. Man kann hier sehen, wie der nachkriegsbeseelte Geist der englischen Besatzer von einer deutschen BBC in einem Kombinats-Konstrukt untergebracht ist, das Erich Mielke erdacht zu haben scheint. Der ĂŒber GebĂŒhren zwangsfinanzierte Gigant ziert sich einmal im Jahr mit den investigativen Exoten, weil sie eben jene Idee vertreten, die er tagtĂ€glich mit FĂŒĂŸen tritt. Ein WeißwĂ€scherkongress. Aber das ist, wie Kipling sagt, ein anderes Thema.

Das Netzwerk selbst versteht sich als Vereinigung des Investigativen unter den Journalisten, also der creme de la creme. Weiterlesen

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Schirrmacher und Sloterdijk

Die heftige Diskussion um meinen Nicht-Nachruf auf Frank Schirrmacher –

http://starke-meinungen.de/blog/2014/06/17/das-ende-von-etwas/

– zeigt mir, dass es falsch wĂ€re, es bei diesem einen Text zu belassen.

Versuchen wir also, ĂŒber die Charakterisierung von Schirrmacher als Exponent einer „spielerischen Rechten“ hinaus zu kommen. Lassen wir ĂŒberhaupt die Frage der Einordnung auf einer ohnehin recht willkĂŒrlichen Rechts-Links-Skala beiseite. Zielen wir auf das, was den Publizisten in den letzten fĂŒnfzehn Jahren vor allem bewegt hat hat: die Frage des VerhĂ€ltnisses von Mensch und Technik, von Dr. Frankenstein und seinem Monster. Weiterlesen

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