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Stéphane Hessel und die französische Drittklassigkeit

Ich schreibe das hier ungern. Denn ich bewundere St√©phane Hessel. Und weil ich ihn bewundere, habe ich mir die Lekt√ľre seines Pamphlets ‚ÄěEmp√∂rt euch!‚Äú lange verkniffen. Neulich aber war ich eingeladen zu einer Feier zu seinen Ehren. Da las ich das Buch. Und musste mir die Feier verkneifen.

Hessel beginnt mit einer Zustandsbeschreibung der franz√∂sischen Republik, einer ‚ÄěGesellschaft der in die Illegalit√§t Gedr√§ngten, der Abschiebungen, des Misstrauens gegen Zuwanderer, in der die Sicherung des Alters, die Leistungen der Sozialversicherung br√ľchig geworden sind, in der die Reichen die Medien beherrschen‚Äú.

Hm. Weiterlesen

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Atomausstieg: Merkel geht ins Risiko

Angela Merkel geht voll ins Risiko: Mit dem Atomausstiegplan vom 29. Mai hat sie entweder die Grundlage daf√ľr gelegt, 2013 auch in einer Koalition mit den Gr√ľnen weiterregieren zu k√∂nnen – oder den Z√ľnder an den Industriestandort Deutschland gelegt.

Gelingt die Energiewende und Strom bleibt weiter bezahlbar, nimmt sie den Gr√ľnen mittelfristig ihre Themen. Wenn 2021 oder 2022 der letzte Meiler abgeschaltet wird, warum dann noch Gr√ľn w√§hlen? Weiterlesen

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Stadt, Land, Schluss: Die Selbstaufgabe der CDU

Die CDU hat die Gro√üst√§dte aufgegeben. Das katastrophale Ergebnis in Bremen (20 Prozent, nach den Gr√ľnen auf Platz 3) liegt im Trend. Nur noch zwei von zehn gr√∂√üeren St√§dten haben einen CDU-B√ľrgermeister (D√ľsseldorf, Frankfurt).

Die Zukunft findet in diesem Jahrhundert in den St√§dten statt und das bedeutet f√ľr die CDU: ohne sie. Der Vorsitzende der Jungen Union Philipp Mi√üfelder fordert den Abschied vom Ziel der ‚Äěmodernen Gro√üstadtpartei‚Äú und verlangt eine Konzentration auf den l√§ndlichen Raum. Wenn es nach Generalsekret√§r Hermann Gr√∂he geht, spielen die St√§dte lediglich als Werbetr√§ger einer CDU gef√ľhrten Bundesregierung noch eine Rolle. Soviel Selbstaufgabe noch nie. Weiterlesen

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Obama und Netanjahu: Mister Planlos und Herr Neinsager

Eines muss man Benjamin Netanjahu lassen: Er hält seinen Kurs Рkomme, was und wer da wolle. Selbst der Druck eines US-Präsidenten ficht ihn nicht weiter an. Barack Obama fordert einen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967? Mir doch egal! Ich bleibe bei meinen Standpunkten, seien sie auch teilweise noch so umstritten. Hier geht es eben um Prinzipien, nämlich ein Israel in sicheren Grenzen. Und wer könnte ihm da widersprechen? Selbst der Chef im Weißen Haus nicht. Weiterlesen

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Warum unsere Leitkultur kapitalismusfeindlich ist

Warum, so fragte mich (und sich) neulich der kluge Gideon Böss, lieben wir den Kapitalismus nicht? Es ist in der Tat nicht ohne weiteres zu verstehen.

Dem Kapitalismus verdanken wir einen unerh√∂rten Wohlstand. Er war und ist in der Bundesrepublik Deutschland ‚Äď viel mehr als Einigkeit, Recht und Freiheit ‚Äď ‚Äědes Gl√ľckes Unterpfand‚Äú.¬† Weiterlesen

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Die Gr√ľnen auf dem Weg zur Volkspartei

Nummer zwei in Bremen, vor der CDU: Das ist doch was, da geht noch was. Die Gr√ľnen sind eindeutig auf dem Weg zur Volkspartei. Zwar darf nach der gewonnenen Wahl in Bremen und Bremerhaven auch die SPD wieder jubeln, doch die klaren Sieger sind wieder die Gr√ľnen.

Alles sieht danach aus, als ob sie sich dauerhaft √ľber 20 Prozent oder zumindest in dieser N√§he halten k√∂nnen. Alles sieht danach aus, als ob die Mitte der Bev√∂lkerung inzwischen da angekommen ist, wo die Gr√ľnen immer schon sind – gegen Atomkraft, f√ľr nachhaltige Wirtschaft, irgendwie freundlich, irgendwie angenehm, vor allem sympathisch. Weiterlesen

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Jagdszenen in Kreuzberg

Hemmungslose Nazis, die gezielt auf den K√∂pfen einiger Gegendemonstranten herumtrampeln. Hilflose Polizisten, die von Rechtsextremisten schlicht √ľber den Haufen gerannt werden.

Unbeteiligte Fahrg√§ste, die in panischer Angst aus dem U-Bahnhof Mehringdamm fl√ľchten: Der Neonazi-Aufmarsch am 14. Mai in Berlin war von schockierender Brutalit√§t und Aggressivit√§t gepr√§gt. In Berlins ach so beschaulichem Multikulti-Bezirk Kreuzberg haben sich regelrechte Jagdszenen abgespielt. H√§tte es noch eines Beweises f√ľr die im w√∂rtlichen Sinne ¬ĽSchlagkraft¬ę der Szene bedurft, an diesem Tag w√§re er vom rechten Mob erbracht worden. Weiterlesen

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Aristoteles f√ľr Arme

Keiner man√∂vriert so zielsicher hinter dem √úbergang von gesinnungsethisch hochstehender Gutmenschen-Philosophie zu atemberaubender Ignoranz wie der Aristoteles f√ľr Arme: Richard David Precht, der uns schon mit seiner Unkenntnis der sozialen Marktwirtschaft und der Bedienung aller vulg√§ren Klischees zum ‚ÄěNeoliberalismus‚Äú erstaunt hat, geruhte nun zum Fall Bin Laden bzw. zu dessen Ende festzustellen: ‚ÄěDer Staat darf sich nicht das Recht auf Selbstjustiz vorbehalten. Mit dem gleichen Recht k√∂nnten die Taliban in die USA gehen und George W. Bush auf seiner Ranch erschie√üen.‚Äú Weiterlesen

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Warum Diskussionen um Wörter Mumpitz sind

Zu den unangenehmsten Eigenschaften unserer spezifisch deutschen Leitkultur geh√∂rt der Streit um W√∂rter. Wie zum Beispiel der ewige Streit um das Wort ‚ÄěLeitkultur‚Äú, das Henryk M. Broder treffend als ‚ÄěLeidkultur‚Äú verfremdet hat.

Diese Neigung zum Streit um W√∂rter und Begriffe (und um die bei ‚ÄěFaust‚Äú vom Sch√ľler an Mephisto gestellte Fragte, ob denn beim Wort √ľberhaupt ein Begriff sein m√ľsse), ist vermutlich eine Folge der Pr√§gung des deutschen Denkens durch den unseligen Platon; in den angels√§chsischen L√§ndern ist sp√§testens seit Duns Scotus klar, dass W√∂rter halt nur W√∂rter sind, und dass ihnen nicht jene magischen Qualit√§ten zur Beschreibung irgendeiner real existierenden ‚ÄěEssenz‚Äú oder Wesenheit innewohnen, die ihnen der Idealismus andichtet. Deshalb gibt es dort keinen Streit um W√∂rter. Als der Richter am Obersten Gericht der USA Potter Stewart gebeten wurde, Pornographie zu definieren, antwortete er: ‚ÄěI know it when I see it.‚Äú Weiterlesen

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