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Ein Gespr√§ch im Hause Springer √ľber die Zukunft des Euro

Neulich traf ich im Bus auf dem Weg zur Arbeit einen Kollegen aus der Wirtschaftsredaktion, mit dem ich gelegentlich plaudere, um ein Gef√ľhl daf√ľr zu bekommen, wie in Fachkreisen √ľber die Zukunft der Gemeinschaftsw√§hrung gedacht wird. Der Kollege war nicht sehr gl√ľcklich √ľber einen Kommentar in der ‚ÄěWelt‚Äú, in dem die Europ√§ische Zentralbank (EZB) unter Mario Draghi wegen der Ank√ľndigung gro√üer Aufk√§ufe von Staatsanleihen der Krisenl√§nder als ‚Äětrojanisches Pferd der S√ľdl√§nder‚Äú bezeichnet worden war.

Der Kollege (K): Draghi hatte doch Recht. Und auch Angela Merkel und Francois Hollande haben Recht, wenn sie sagen, sie w√ľrden ‚Äěalles tun‚Äú, um den Euro zu retten. Wir machen uns gar keine Vorstellung davon, was passiert, wenn die Eurozone zerbricht. Das wird der Untergang Deutschlands als Exportnation bedeuten.

Ich: Weil wir bislang von einer im Verhältnis zu unserer nationalen Wirtschaftskraft unterbewerteten Währung profitieren? Weiterlesen

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Der Mensch ‚Äď ein Ersatzteillager

Halbg√∂tter in wei√ü? Welch ein Schei√ü. Mediziner galten fr√ľher als bessere Menschen, jedenfalls¬† besser als der gemeine Mechaniker. Das ist vorbei, seit wir wissen, dass man ihn schmieren kann, den Onkel Doktor.

Der Mensch galt fr√ľher als die Krone der Sch√∂pfung, und nicht als Maschine. Unsinn! Er ist ein Ersatzteillager. Schon im 18. Jahrhundert, das fasziniert von der aufkommenden Technologie der Uhren war, galt: l‚Äė homme machine. Aber es gibt Unterschiede.

Manche Menschen sind eine Swatch, andere wiederum eine Rolex. Weiterlesen

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22 Jahre lang Rentenbezug?

Frauen, die im Jahr 1947 geboren wurden, k√∂nnen sich √ľber 22,17 Jahre Rentenbezug freuen, M√§nner √ľber immerhin noch 18,81 Jahre. Das ist keine akademische Frage: ¬†In wenigen Monate wird die Generation der 1947 geborenen komplett in Rente sein.

Ihre Kinder, die 1970 geboren wurden, m√ľssen zwei Jahre l√§nger arbeiten als die Generation der V√§ter und M√ľtter. Und dennoch ist heute schon klar, dass auch sie noch einmal l√§nger Rente beziehen werden als ihre M√ľtter und V√§ter: 22,37 Jahre f√ľr Frauen und 19,02 Jahre f√ľr M√§nner. Weiterlesen

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Dogma oder Barmherzigkeit

In der Schule liebe ich ¬†Vertretungsstunden. In ihnen kann man¬† Dinge ausprobieren, f√ľr die sonst kein Raum ist. So versetzte ich eine 7. Klasse an einem Gymnasium im Osten Berlins in Aufregung, als ich ihr zu Beginn der Stunde mitteilte, die Schulverwaltung habe beschlossen, dass k√ľnftig nur noch die Sch√ľler in den Genuss der kirchlichen Feiertage kommen k√∂nnten, die Mitglied in einer christlichen Kirche sind.

‚ÄěGemein‚Äú und ‚Äěunfair‚Äú schallte es mir aus der Klasse entgegen. Ich fragte zur√ľck, ob sie denn w√ľssten, welche Feiertage denn dann wegfielen. Allgemeines Kopfsch√ľtteln.¬† Ich nutzte die Gunst des Augenblicks,¬† um mit ihnen alle kirchlichen Feiertage des Jahres durchzugehen und ihren historisch-theologischen ¬†Ursprung zu erkl√§ren. Dabei konnten mich nur vier Kinder unterst√ľtzen, die christlich getauft waren. Weiterlesen

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Die Banken in Volkes Hand

Wenn das Volk kein Brot hat, soll es doch Kuchen essen. Die Armut kommt von der Poverte. Und das Problem unserer Wirtschaft sind die Banken. Schon der zum Bundespräsidenten aufgestiegene Sparkassenpräsident Horst Köhler hat vom Monster des Kapitalmarktes gesprochen.

Banken sind so b√∂se, weil sie gierig sind. Sie nehmen Zinsen und Zinseszinsen. Ob das ethisch in Ordnung ist? Jesus jedenfalls hat die Geldwechsler aus dem Tempel getrieben; Tempelreinigung genannt. M√ľssen wir unsere Welt von den Banken reinigen? Bedingungsloses Grundeinkommen, Zinsverbot und Freibier f√ľr alle. Jedenfalls nicht Champagner und Koks f√ľr Banker. So geht das Piratenlied. Weiterlesen

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Religionskritik und Antijudaismus

Die ‚ÄěVorhautkriege‚Äú habe auch ihr Gutes. So sortiert sich unter den philosemitischen und prozionistischen Islamophoben derzeit einiges. Die einen begreifen, dass ihre Islamophobie sich eigentlich doch ganz gut durch Antisemitismus erg√§nzt. Die anderen opfern ihre Islamophobie ihrem Philosemitismus.
Nat√ľrlich sp√ľlt die gegenw√§rtige Diskussion um die Beschneidung eine Menge an Antisemitismus hoch. Wie zwischen legitimer Kritik an Israels Politik und antisemitischer ‚ÄěIsraelkritik‚Äú besteht zwischen legitimer, ja notwendiger Kritik an Br√§uchen, Texten oder Glaubensinhalten des Judentums und Antijudaismus ein gro√üer Unterschied. Darauf hinzuweisen, ist gerade inmitten der ‚ÄěVorhautkriege‚Äú nicht unwichtig. Und zwar nach beiden Seiten. Weiterlesen
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Wes Geistes Kind

Wie empfinden Sie das als Deutscher? Fragt mich in einem Londoner Club ein englischer Journalist. Keine Ahnung. Ich bin umso irritierter, je l√§nger ich √ľber die Frage nachdenke. Ich kann sie nicht beantworten. Ich wei√ü nicht, wie man als Deutscher empfindet. Oder wie man deutsch empfindet. Die Unterschiede zwischen den Nationen scheinen greifbar, und doch kriegt man sie nicht zu fassen.

Ich hasse es schon, als ‚Äěder‚Äú Deutsche verschlissen zu werden. Und f√ľr all meine Landsleute haften zu sollen; wom√∂glich sogar f√ľr vergangene Generationen. Was soll ich verschuldet haben, bevor ich auf der Welt war? Was errungen, als mich nicht mal Windeln umfingen? Reden wir von Erbs√ľnde? Oder, was nicht besser w√§re, von ererbten Verdiensten? Stolz, ein Deutscher zu sein? Weiterlesen

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Vorhautkriege

Am Montag bekam ich folgende Mail von einem jungen Blogger, den ich nicht zuletzt wegen seines Eintretens f√ľr Israel (aber keineswegs nur deshalb) bewundere:

Lieber Alan Posener,
das war ein ganz interessantes Wochenende. Ich habe am Samstag einen Artikel geschrieben, in dem ich gewisse Zweifel daran erkennen lasse, ob es tats√§chlich so selbstverst√§ndlich sein muss, dass man kleine Jungs beschneidet. Und schon war es vorbei mit der Entspanntheit in Teilen meines j√ľdisch-christlichen (was wollen die Christen √ľberhaupt?) Bekanntenkreises. Weiterlesen

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Neu: Beschneidungen sind nicht (mehr) kriminell

Ich habe meine Meinung geändert. Ich hatte unrecht. Vor einer Woche stand hier: Beschneidungen sind kriminell. Klare Kante, aber es wurde auch zu einem bedachten Umgang damit aufgefordert. Nun: Heute steht hier das Gegenteil. Warum?

Vertreter meiner j√ľdischen Mitb√ľrger haben sich emp√∂rt. Muslime in Deutschland haben sich emp√∂rt. Ich habe zugeh√∂rt und meine Meinung ge√§ndert. Es ist dem deutschen Nationalcharakter eigentlich ein Gr√§uel zuzugeben, dass er falsch lag. Aber es ist so. Weiterlesen

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Der Club der Guten. Oder: Die Neuerfindung der Vereinten Nationen

In den regnerischen Morgenstunden  des  24. Mai 2014,  im zweiten  Jahr nach seiner Wiederwahl,  hat  Präsident Barack Obama    beim Joggen im Park des Weißen Hauses  ein Erweckungserlebnis. Es ist  keine christliche Wiedergeburt in der Art seines  Vorgängers Georg W. Bush.

Nein, Obama hat eine Vision, die die Welt, wie wir sie bisher  kannten, von Grund auf  verändern sollte. Nach dem Duschen  ruft er sofort seinen engsten Mitarbeiterstab zusammen, um den Vertrauten der Macht  seine grandiose Idee zu unterbreiten. Noch am selben Tag werden wichtige  Schritte in die Wege geleitet. Eine hektische Geheimdiplomatie mit  Vertretern der befreundeten Staaten beginnt. Weiterlesen

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