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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (17): Idiot Wind

OK, also „Idiot Wind“. Kleiner Tipp: ich rede hier zwar selten von der Musik, aus Gründen, aber die Fassung auf „More Blood, More Tracks – The Bootleg Series Vol. 14“ ist viel schöner als die kanonische Aufnahme auf dem Album „Blood On The Tracks“. Vor allem singt Dylan auf dem ursprünglichen Take nicht ständig „yiddiot wind“, als wollte er etwas gegen „yids“ sagen (und nein, daraus werde ich keine Interpretation basteln).

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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (16): Blowin‘ In The Wind

Stephan Gatti hatte mich aufgefordert, etwas zu „Idiot Wind“ zu schreiben, und dem komme ich gern nach. Nur muss ich vorher etwas über die Bedeutung des Winds bei Bob Dylan schreiben. Weltberühmt wurde er schließlich als Songwriter des Mega-Hits „Blowin‘ In The Wind“. Nicht seine Version schaffte es in die Charts, sondern die gefälligere des New Yorker Folk-Trios „Peter, Paul & Mary“, die den gleichen Manager hatten wie Dylan: Albert Grossman. In der Folge wurde der Song von allen möglichen und unmöglichen Leuten gecovert. In Deutschland wurde vor allem die Version von Marlene Dietrich gern im Radio gespielt:

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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (15) A Hard Rain’s Gonna Fall

Als Bob Dylan den Nobelpreis für Literatur bekam, schickte er Patti Smith, um den Preis für ihn abzuholen. Der Meister selbst hatte „andere Verpflichtungen“. Beim offiziellen Bankett trug der US-Botschafter Dylans – übrigens hoch interessante, wenn auch teilweise aus einem Literaturtextbuch für Schüler abgeschriebene – Nobelpreisrede vor. Smith sang „A Hard Rain’s Gonna Fall“, begleitet vom Royal Symphony Orchestra. Und verhaspelte sich bei der zweiten Strophe. So von wegen: „But I’ll know my song well before I start singin’“. Vielleicht war es aber auch eine Freud’sche Fehlleistung. Denn bei ihrer ersten Begegnung anno 1974 hatte Dylan sie als „Poetin“ angesprochen; und sie, die Punk-Rebellin, hatte erwidert: „Ich hasse die Poesie!“

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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (14): Gotta Serve Somebody

Ich weiß noch, wie ich das erste Mal „Slow Train Coming“ hörte, im Sommer ´79. Das war ein Erweckungserlebnis. Augenblicklich wurde ich Christ. Nun gut, nominell war und bin ich ja Christ, genauer: atheistischer Anglikaner, aber ich hatte wieder mal ein Konversionserlebnis.

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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (13) Knockin‘ On Heaven’s Door

Diesen Song kann ich nicht leiden. Vielleicht weil er von so vielen deutschen Rockmusikern gespielt wird. Vermutlich mögen sie ihn, weil es nicht viel Text gibt, eigentlich nur: „Poch, poch, poche an der Himmelstür / Poch, poch, poche an der Himmelstür / Poch, poch, poche an der Himmelstür / Poch, poch, poche an der Himmelstür.“ Kein Rockmusiker, der noch etwas Selbstachtung hat, würde so einen Text auf Deutsch singen.

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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (12) I’ll Be Your Baby Tonight

Noch ein Song aus Bob Dylans Country-Phase, diesmal aus dem beliebten Genre: „Bleib doch über Nacht“. Dazu gehören etwa Dean Martins „Baby, It’s Cold Outside“, Eric Claptons „Lay Down Sally“ und natürlich „Let’s Spend The Night Together“ von den Rolling Stones.

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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (11) Things Have Changed

Die Versuchung, diesen späten Song als Coda zu „The Times, They Are A-Changin‘“ zu lesen, ist fast unwiderstehlich. Damals: Aufbruch, Rebellion, Veränderung als etwas Positives. Heute: Alter, Resignation, Gleichgültigkeit. Früher ging mir das alles nahe, aber die Dinge haben sich verändert.

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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (10): If Not For You

If not for you. Ein perfekter Song. Kein Versuch, besonders klug zu sein oder besonders ausgefallene Reime zu finden, kein böses Wort nirgends, einfach eine Feier der Liebe. Manche würden sagen: eine Schnulze. Aber Schnulzen enthalten oft eine große Wahrheit. George Harrison hat den Song gecovert und ihn vielleicht auf Gott bezogen, wie „He’s So Fine“ von den Chiffons, das er als „My Sweet Lord“ plagiiert hat. Aber hier geht es nicht um Halleluja und Hare Krishna, sondern einfach um Liebe und die Frage, wie viele Reime man auf „you“ hinkriegt.

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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (9): The Times, They Are A-Changin‘

Gut, irgendwann muss es ja doch sein. Schieben wir es also nicht länger vor uns her: DER Song. „The Times, They Are A-Changin‘‘“.

Es dauerte, bis Dylan in Deutschland einschlug. Das gleichnamige Album, sein drittes, schaffte es nach der Veröffentlichung 1964 nicht einmal in die deutschen Charts, während es in Großbritannien auf Platz 4, in den USA auf Platz 20 schaffte. Übrigens blieben die Alben die ganzen 1960er Jahre hindurch, als Dylan angeblich die „Stimme seiner Generation“ war, hierzulande eher unbeachtet; jedenfalls hatte er meiner Generation erheblich weniger zu sagen als die Beatles, Stones usw.; und das lag paradoxerweise daran, dass er erheblich mehr zu sagen hatte: Sprachlich lagen die Songs weit jenseits der rudimentären Englischkenntnisse, über die damals selbst Gymnasiasten in Deutschland verfügten.

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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (8): I Pity The Poor Immigrant

Früher hörte ich immer über dieses Lied hinweg: „Ich habe Mitleid mit dem armen Einwanderer“: Klar doch, wer nicht, noch ein Protestsong, ist schon in Ordnung, Bob. Erst kürzlich fiel mir auf, wie der angeblich bemitleidenswerte Zuwanderer beschrieben wird.

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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (7): Highway 61 Revisited

Was ist die beste Anfangszeile der Rockmusik? Na gut, „A-wop-bamalooma-a-lop-bam-boom!“ Klar. Aber gleich nach Little Richards Hymne auf den Analsex kommt: „God said to Abraham, kill me a son …“: Das ist Bob Dylans “Highway 61 Revisited”. Nostalgische Babyboomer fahren mit dem Cadillac oder der Harley-Davidson die Route 66 ab, von Chicago nach L.A.; und die „Blues Trail“ folgt der Highway 61 von New Orleans nach Chicago. Aber Dylans Highway 61 ist eine  Albtraumlandschaft, wo Mack the Finger seine nutzlosen Telefone und farbigen Schnürsenkel verhökert, die zweite Mutter es mit dem siebenten Sohn treibt, ein nackter Mann mit blutiger Nase vor dem Sozialamt flieht, Abraham täglich Isaak opfert, und wo Dylan auf seiner „Never ending tour“ unterwegs ist.

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