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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (9): The Times, They Are A-Changin‘

Gut, irgendwann muss es ja doch sein. Schieben wir es also nicht länger vor uns her: DER Song. „The Times, They Are A-Changin‘‘“.

Es dauerte, bis Dylan in Deutschland einschlug. Das gleichnamige Album, sein drittes, schaffte es nach der Veröffentlichung 1964 nicht einmal in die deutschen Charts, während es in Großbritannien auf Platz 4, in den USA auf Platz 20 schaffte. Übrigens blieben die Alben die ganzen 1960er Jahre hindurch, als Dylan angeblich die „Stimme seiner Generation“ war, hierzulande eher unbeachtet; jedenfalls hatte er meiner Generation erheblich weniger zu sagen als die Beatles, Stones usw.; und das lag paradoxerweise daran, dass er erheblich mehr zu sagen hatte: Sprachlich lagen die Songs weit jenseits der rudimentären Englischkenntnisse, über die damals selbst Gymnasiasten in Deutschland verfügten.

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Die unvermeidliche Aktualität von „Sexy Sadie“

Bekanntlich bezieht sich dieser von John Lennon komponierte Song der Beatles auf den Guru Maharishi Mahesh Yogi, der einige seiner Adeptinnen, ähm, sexualisiert belästigt haben soll. Das Geschlecht des Hochstaplers wurde im Lied zu Tarnzwecken – und gemeinerweise – verändert. Denkt man einen „er“, wo bei den Beatles eine „sie“ steht, könnte der Song direkt auf einen prominenten, ähm, Religionsfunktionär unserer Tage passen.

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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (3): It Ain’t Me, Babe

Das hier ist zunächst eines dieser frauenfeindlichen Lieder, die Anfang bis Mitte der 1960er Jahre Mode waren: „Girl“ von den Beatles, „Stupid Girl“ von den Stones, „Semi-Detached Suburban Mr James“ von Manfred Mann, und natürlich „Don’t Think Twice, It’s Alright“ vom Meister selbst. In allen diesen Songs wird mehr oder weniger deutlich eine männliche Aggressivität gegen das angebliche Ansinnen der Frau sichtbar, den Mann festzuhalten, zu zähmen, ja auszubeuten:

„Did she understand it when they said / That a man must break his back to earn his day of leisure / Will she still believe it when he’s dead?“ („Girl“); „I’m not talking about the way she digs for gold / Look at that stupid girl / Well, I’m talking about the way she grabs and holds / Look at that stupid girl“ („Stupid Girl“); „I can see you in the morning time / Washing day, the weather’s fine / Hanging things upon the line / As your life slips away …“ („Mr James“); und natürlich, ganz übel: „I gave her my heart, but she wanted my soul“ (Don’t Think Twice“).

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Beatles vs. Stones

Die letzte Ausgabe des „Spiegel“ (22. 5. 2010) war den Beatles gewidmet. Dagegen kann keiner wirklich etwas haben, und es wäre undankbar, darauf hinzuweisen, dass die Überschrift „50 Jahre Beatles“ Blödsinn ist, weil die Gruppe nicht 1960 in Hamburg, sondern 1957 in Liverpool gegründet wurde, oder zu nölen, weil der Untertitel lautet: „Ringo Starr und Paul McCartney über eine unsterbliche Band“, während der Artikel eigentlich heißen müsste: „Philipp Oehmke und Tobias Rapp erzählen Altbekanntes über die Beatles und haben aus Paul und Ringo auch nicht mehr herausbekommen als alle anderen Journalisten vor ihnen“.

Nein, das ist alles ganz hübsch, wenn auch wie gesagt kein bisschen neu, und – kurz und gut –  warum nicht? Besser als die periodischen Hitler-Homestories, mit denen das Leitmedium immer wieder Auflage zu machen versucht, ist das allemal. Eins aber hat mich richtig geärgert. Weiterlesen

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