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Der Staat ist der größte Krisengewinnler

An dieser Tankstelle griff der Benzinpreiswahnsinn voll durch. Foto: Hauke Eilers-Buchta

Seit heute gilt die neue 12-Uhr-Regel an den Tankstellen. Benzin und Diesel dürfen nur noch einmal pro Tag teurer werden, und zwar mittags. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Die Bundesregierung verspricht sich davon mehr Transparenz und weniger hektische Preissprünge. Doch schon der erste Tag zeigt, wie begrenzt diese Hoffnung ist. ZDFheute berichtete am Mittwoch von einem deutlichen Preissprung von mehr als vier Cent zur Mittagszeit, mancherorts gab es Preissprünge von mehr als 20 Cent. Der ADAC hält ohnehin vor allem Veränderungen im Tagesverlauf für wahrscheinlich, nicht aber ein dauerhaft niedrigeres Preisniveau. Mit anderen Worten: Die Bühne wird neu dekoriert, das Stück bleibt dasselbe.

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Wer holt die Muslime aus ihren Ghettos?

Die Schriftstellerin und frühere Journalistin Safeta Obhodjas lebt seit 1992 in Deutschland. Foto: @ Claudia Taylor

Unsere Gastautorien, die aus Bosnien stammende Schriftstellerin Safeta Obhodjas, verzweifelt, weil viele Islam-Experten die Probleme bei der Integration von Muslimen zwar benennen, aber niemand sich zuständig fühlt, sie anzugehen.

Seit etlichen Jahren treten viele frei denkenden Menschen auf, die in der Medienlandschaft als kompetente Islam-Experten und Kenner der gesellschaftlichen Zerwürfnisse fungieren. Ihre Berichte und Analysen registrieren übereinstimmend eine auf der Strecke gebliebene Integration und fordern verstärkte Bemühungen. Sehr gefragt sind sie immer dann, wenn die Gesellschaft wieder einmal durch grausame Taten zugewanderter junger Männer erschüttert wird, seien es Terrorattacken oder Vergewaltigungen und Ermordungen junger deutschstämmiger Mädchen und Frauen, Krawalle in den Großstädten, Messerattacken, Tötungen usw. Weiterlesen

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Habermas oder Ratzinger? Eine Erinnerung aus aktuellem Anlass

Bild (c) Herder Verlag

Jürgen Habermas lebte lange genug, um eine Welt zu erleben, die sein Ideal eines vernunftgeleiteten, herrschaftsfreien Diskurses wie eine Diva ein altmodisches Kleid abgelegt hatte. Mehr als zwanzig Jahre zuvor allerdings hatte er im Dialog mit dem späteren Papst Joseph Ratzinger erlebt, vielleicht sogarzeigen wollen, dass die Vernunft gegen Dogmatiker machtlos ist.

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Dürfen Juden Terroristen töten oder nur Terroristen Juden?

Hinrichtung durch den Strang. Bild von ArtWithTammy auf Pixabay

Franz Josef Strauß forderte im „deutschen Herbst“ 1977, RAF-Mitglieder zu exekutieren. In muslimischen Staaten werden nicht nur Aufwiegler, sondern auch Ehebrecherinnen und vom Islam Abgefallene gesteinigt oder geköpft. Im Iran werden Gegner des Mullah-Regimes reihenweise an Kränen erhängt. Aber wenn das israelische Parlament ein Gesetz beschließt, das den Tod für terroristische Mörder vorsieht, ist die Hölle los.

Die Todesstrafe ist zurecht weltweit geächtet und im Grundgesetz verboten. Sie verstößt gegen das grundlegendste Menschenrecht: die Menschenwürde. Und gegen das Verbot grausamer, unmenschlicher Strafen. Der Staat wird, wo er sie vollstrecken lässt, selbst zum Mörder. Und doch gilt sie noch immer in vielen Ländern, auch in den meisten arabischen Staaten. Weiterlesen

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Die Linkspartei und Israel

KI-generiertes Symbolbild von Google Gemini

Wer in Kreisen sogenannter Kulturschaffender etwas auf sich hält, übt Kritik an Israel; in migrantischen, sprich muslimischen Milieus gilt dies ohnehin. Das Zauberwort in der Kultur- und Linksszene lautet derzeit „Antizionismus“. Der Begriff klingt weniger anstößig als dessen unschöner Verwandter Antisemitismus. Seit Kurzem hat dieser dezidierte Antizionismus in Deutschland auch eine politische Herberge: in der Partei „Die Linke“.

Deren niedersächsischer Landesverband erklärte sich jüngst mit nicht geringem Stolz zum „ersten antizionistischen Landesverband“ der Partei. Prominentestes Mitglied dort ist die Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Heidi Reichinnek. Doch was bedeutet Antizionismus eigentlich – und was geschieht derzeit bei den Linken?

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Die Bundesregierung macht einen Feind zum Freund

Syriens Machthaber Ahmed al-Sharaa. Official US State Department photo by Freddie Everett. Quelle: Wikemedia

Was sich gestern in Berlin abspielte, lässt uns fassungslos zurück: Ein Mann, der vor kurzem noch als Staatsfeind galt, wurde mit allen protokollarischen Ehren empfangen – Ahmed Al-Scharaa.

Der Weg vom führenden Al-Kaida-Terroristen zum Staatsgast vollzog sich in bemerkenswert kurzer Zeit. Eben noch als syrischer „Übergangspräsident“ bezeichnet, firmiert er nun in der Wortwahl der Bundesregierung schlicht als „Präsident“ – ohne jede demokratische Legitimation.

Schloss Bellevue. Kanzleramt. Händeschütteln. Lächeln. Kameras. Ein inszeniertes Schauspiel der Aufwertung – sichtbar für alle. Und doch wirkte es, als solle alles möglichst geräuschlos und zügig über die Bühne gehen. Weiterlesen

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Frohe Ostern??

Kreuzigung, Gemälde von Antonello da Messina, 1475, Königliches Museum Antwerpen. aus Wikimedia

Diese Woche finden sowohl das Pessachfest der Juden als auch das Osterfest der Christen statt. Beide bilden heute in weiten Teilen Europas religiöse Minderheiten. Doch bevor sie gänzlich verschwinden, lohnt es sich, einen Blick auf diese Frühlingsfeste zu werfen.

Pessach hatte und hat mehrere Bedeutungsebenen. Auf einer grundlegenden Ebene ist es eine Art, den Frühling zu feiern – die Wiedergeburt der Erde nach den Strapazen des Winters, das Erscheinen neuer grüner Triebe aus dem Boden, die Geburt einer neuen Tiergeneration, eine Gelegenheit, aufzuräumen und neu anzufangen. Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen – all das ist Teil eines Kreislaufs, wird aber dennoch geschätzt. Weiterlesen

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Wenn alle dem „Opfer“ glauben wollen

Justizia mit verbundenen Augen und Waage – Sinnbild der unbeeinflussten Rechtsprechung. Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay

Sexuell gequälte Frau – böser Mann: Eine solche Konstellation  ich selbst schon erlebt, bei einem engen Freund. Sogar verschärft: arme schwarze Frau – böser weißer Mann. Es endete beinahe mit einem fatalen Fehlurteil.

Der Freund kam am Abend zu mir, um bei mir zu übernachten. Er arbeitete bei einem Bildungsträger in Berlin und sollte in Hamburg eine Dependance aufbauen. An dem Tag hatte er nach einer Putzkraft gesucht, für einen 450-Euro-Job. Eine Frau aus Afrika habe sich vorgestellt, erzählte er. Sie sei aggressiv gewesen und habe zwischendurch mit ihrem Freund telefoniert. Danach sei es noch schlimmer geworden. Sie habe ihn massiv bedrängt, weil sie unbedingt den Job haben wollte, da sie Geld brauchte. Es sei ihm komisch vorgekommen, er habe eine andere Person angestellt. Weiterlesen

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Ein jüdisches Leben in Deutschland – „Irgendwann muss es auch mal gut sein“

Die Großmutter des Autors, Sarah Löwentraut – in Auschwitz ermordet. Foto: privat

Gerade sind in den USA Archives Unterlagen von NSdAP-Mitgliedern geöffnet worden. In Deutschland folgt in den sozialen Medien sofort der Reflex: Irgendwann muss es ja mal gut sein. Was haben wir damit zu tun?

Was wir damit zu tun haben: Hier stellvertretend ein jüdisches Leben in Deutschland. Ich bin Jahrgang 1960. Meine Mutter, Jahrgang 1925. Ihre Mutter, meine Großmutter Sarah Löwentraut wurde in Auschwitz ermordet. Ein Teil der Familie konnte nach Argentinien fliehen, der Kontakt brach in den vierziger Jahren ab.

Meine Mutter musste nach den Nürnberger Rassengesetzen als sogenannte Halbjüdin den Judenstern tragen, durfte nicht mehr zur höheren Schule gehen und war aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Sie hat irgendwann als Kind mal versucht, sich die Augen auszuwaschen. Braune Augen waren schlecht, blaue Augen waren gut. Die Folgen der Verfolgung begleiteten sie ein Leben lang: schweres psychosomatisches Asthma, Therapien ohne Erfolg. Nach dem Krieg blieb sie allein. Sie heiratete meinen späteren Vater – in eine große deutsche christliche Familie. Die Zustimmung bekam sie nur, weil der Patriarch sich schuldig fühlte: Er hatte Juden den Nazis ausgeliefert. Weiterlesen

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Der Fall Fernandes-Ulmen: Die Maßstäbe verrutschen

KI-Bild einer Jugendlichen. aiduck via Pixabay

Ist digitale sexualisierte Bloßstellung und Erniedrigung von Frauen dasselbe wie eine reale Vergewaltigung, gar schlimmer? Die erregte Debatte führt in die Irre und lenkt ab von der alltäglichen sexuellen Gewalt an Frauen und Kindern.

Paare tun sich vor, bei und nach Trennungen oft schreckliche Dinge an. Die Öffentlichkeit bekommt davon selten etwas mit, es sei denn, es kommt bei solche Ehedramen zu Gewalt- oder Tötungsdelikten. Die Schauspielerin Collien Fernandes wirft ihrem Ex-Partner Christian Ulmen nun „digitale Vergewaltigung“ vor. Über Jahre habe er gefälschte Sex-Bilder und -Videos von ihr verbreitet, die sie entwürdigen sollten. Der „Spiegel“ und andere Medien berichteten, seit Tagen wird darüber in den sozialen Medien heftig diskutiert. Es gab Demonstrationen, ein Gesetz soll umgehend geändert werden. Aber ist die Aufregung angemessen? Weiterlesen

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Rabbinergeschichten: Der moderne Hethiter

Liberaler Rabbi, Schriftsteller, Liedermacher, Jazz-Musiker und promovierter Experte für palästinensische Eisenbahnen Walter Rothschild. Foto: privat

Es war nur eine Zeile im Gemeindebrief, die all die Erinnerungen wieder hochkommen ließ. In der Liste der Verstorbenen sprang mir sein Name sofort ins Auge. Nennen wir ihn André. Dort standen sein Geburtsdatum und sein Sterbedatum, mehr nicht. Ich versuchte mehr herauszufinden, doch durfte mir aus Gründen des „Datenschutzes“ niemand etwas sagen, nicht einmal, ob er nahe Verwandte hinterlassen habe, die ich kontaktieren könnte. Jetzt, da er tot war, wollten ihn alle beschützen. Aber ich wusste, dass ihn niemand beschützt hatte, als er noch lebte.

Viele betrachten König David als Helden. Er mag zwar ein bedeutender politischer und militärischer Führer gewesen sein – aber er war kein netter Mensch. Selbst die Bibel macht dies deutlich. Er mag einige gute Gedichte verfasst haben oder auch nicht, aber er liebte Intrigen und Gewalt, war ein Kontrollfreak und völlig amoralisch. Er lebte, sowohl als Milizführer als auch später als König, nach dem Prinzip, dass ein Mann viele Ehefrauen haben darf, von denen nur eine seine eigene sein muss. Weiterlesen

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