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Putins Simulation militärischer Stärke und Strategie

Credit: IMAGO / SNA
„14.03.2022 Russian President Vladimir Putin listens to Deputy Prime Minister Dmitry Grigorenko during a meeting at the Kremlin in Moscow, Russia.“

Putin hat sich mit der Invasion der Ukraine verkalkuliert. Inzwischen steht sein zuvor stolzes Militär reichlich blamiert da. Erstmalig gibt mit dem Direktor der Nationalgarde Russlands nun einer von Putins Top-Leuten zu, dass alles langsamer verlaufe als geplant. Der evidente Gesichtsverlust dürfte Putin vor allem intern zunehmend unter Druck setzen.

Zwei Jahre nun sind es schon, in denen man wie ein Statist in einem Katastrophenfilm lebt. Erst Corona, nun der Krieg. Die Hoffnung, nach einem erneut langen, tunnelartigen und dunklen Herbst/Winter mit der weniger gefährlichen Omikron-Variante im Frühjahr und Sommer vielleicht von der pandemischen in eine endemische Lage zu gleiten und das Leben wieder etwas entspannter angehen zu können, hat der kriegslüsterne Mann im Kreml, hat Wladimir Putin zerschlagen. Weiterlesen

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Ausreden, Lügen, Relativierung, Schuldabwehr, schlampige Recherche, sprachliche Tricks: Es reicht

Noch einmal Erwin Wickert? Warum eigentlich? Warum ist es überhaupt wichtig, ob und wie sich Menschen, die dem Naziregime in jungen Jahren zu Diensten waren, in späteren Jahren mit jenem Regime auseinandersetzten? Das ist doch mittlerweile Geschichte. Richtig. Und weil Wickerts Unaufrichtigkeit – Lügen? Selbsttäuschung? Beides? – einigermaßen typisch ist für die Generation, die nach 1945 das Sagen hatte, ist Wickert denn doch wichtig.

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Der Nazi-Diplomat und sein allzu nachsichtiger Biograf

Erwin Wickert (1915 – 2008) war ein deutscher Autor und Diplomat. Der Journalist Ulli Kulke (Jahrgang 1952) hat ein Buch über ihn geschrieben. Vermutlich stammt das Faszinosum der Gestalt Wickerts für Kulke hauptsächlich aus der Tatsache, dass Wickert den Widerstand vieler Diplomaten gegen den „Nachruf-Erlass“ des damaligen Außenministers Joschka Fischer anführte. Denn Kulke, ein ehemaliger Linker – Mitgründer der „taz“, die damals wirklich links war, und Mitarbeiter der Bundesfraktion der Grünen, als sie noch radikal war – hatte irgendwann Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre ein Damaskus-Erlebnis und mutierte im Lauf der nächsten 20 Jahre vom Grünen zum Grünenhasser, vom Linken zum Rechten.

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„Du lass dich nicht verhärten…“ – Der Kampf gegen Corona braucht eine Ermutigung

Fotocredit: IMAGO / Jan Huebner

Ein Gastbeitrag von Friedrich Bockelmann

Seit dem Auftreten des Corona-Virus erleben wir einerseits einen rasanten medizinischen Fortschritt, andererseits in Teilen der Bevölkerung Wissenschaftsfeindlichkeit, Verschwörungsmythen und eine Abkehr von der Demokratie. Wie kann das weitergehen? Friedrich Bockelmann denkt nach.

Ein Blick in die jüngere Medizingeschichte und auf die Dimensionen der Pandemie zeigt: Wir stehen erst am Anfang einer langen Auseinandersetzung mit der Krankheit. Wir können sie aber gewinnen.

2012 wurde noch mit einer originellen Kampagne für die Masernschutzimpfung geworben. Jetzt geht es um den Kampf gegen Corona – und uns fällt nichts mehr ein. Zeit, eine alte Platte auszukramen und auf Wolf Biermann zu hören. Weiterlesen

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Nur „vergossene Milch“? Wie die FDP zwei Jahre später mit Kemmerich umgeht

Foto: IMAGO / Karina Hessland

Ein Gastbeitrag von Dorothee von Hoff

“Es interessiert einfach außerhalb Thüringens niemanden mehr. Niemand redet mehr darüber und das ist schon ziemlich lange so. Den meisten ist gar nicht klar, dass Kemmerich immer noch da ist.”, schrieb mir zum 5. Februar ein Parteifreund. Der 5. Februar, das war der zweite Jahrestag der Wahl des sechsten Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen, der zweite FDP Ministerpräsident in der Geschichte der Bundesrepublik.

Der wiedergewählte Landesvorsitzende traf sich mit dem renommierten thüringischen Journalisten Martin Debes zu einem Gespräch für die „ZEIT“. Die Lektüre lohnt sich und schmerzt den beteiligten Beobachter aber gleichermaßen. Kemmerich sagt: „Ich habe damit schon vor einer geraumen Weile meinen emotionalen Frieden gemacht.“ Alles also halb so wild, lediglich vergossene Milch? In der Landespartei möchte man nicht darüber reden. Weiterlesen

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Eine Frage des Charakters

Hans Werner Goldlust war zusammen mit Willy Haas Herausgeber der „Literarischen Welt“ in Berlin. Da dem assimilierten Juden sein Name wohl „zu jüdisch“ klang, nannte er sich Golz. 1929 heiratete Golz eine Katholikin aus Wien. Marianne, geboren Maria Agnes Belokosztolszky, war vor ihrer Ehe Operettensängerin gewesen. Kurz nach der Machtübergabe an die Nazis flohen Haas und Golz zusammen mit ihren Ehefrauen nach Prag. Als die Deutschen 1939 einmarschierten, floh Golz nach England. Marianne blieb zurück, um den Schwiegereltern zu helfen und den Haushalt aufzulösen. Obwohl sie die nötigen Papiere für die Auswanderung hatte, saß sie mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in der Falle.

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Die Impfpflicht – Ungeachtet Omikron ein Muss, nicht bloß Gebot der Zweckmäßigkeit!

Foto-Credit: IMAGO / Future Image

Der Deutsche Bundestag berät am Mittwoch über die Impfpflicht. Die Abgeordneten sollten ihre Beratungen möglichst weit fassen. Zur Debatte steht der Zusammenhalt in unserem Land und das Vertrauen der Bürger in die Demokratie. Zur Debatte steht unser Verständnis von Freiheit und wie wir Freiheit leben. Nicht zuletzt geht es darum, ob eine aufgeklärte Gesellschaft die Kraft aufbringt, Irrationalität und Desinformation Einhalt zu gebieten.

Zwei Jahre der Pandemie haben Binsenweisheiten zurück in unser Bewusstsein gerufen. Beseelt vom Streben nach persönlicher Erfüllung hatten wir verdrängt, dass der Mensch für sein Wohl und Wehe auf seine Mitmenschen angewiesen ist. Selbstbestimmung war uns der Güter höchstes; wir wurden daran erinnert, dass die freiheitliche Ordnung, die unsere Autonomie erst möglich macht, Bürger mit Gemeinsinn voraussetzt. Weiterlesen

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Querdenker – Hass und Verdrehungen wie in Orwells „1984“

Beitragsbild-Credit: IMAGO / U. J. Alexander

Querdenker“ und Rechte tragen oftmals Orwells Roman „1984“ wie eine Monstranz vor sich her und wähnen sich ebenfalls als Opfer einer Diktatur. Tatsächlich aber verhalten sich viele von ihnen selbst wie die dortigen Wahrheitsverdreher und sind oftmals ebenso rasend in ihrem Hass. Der Roman richtet sie.

Immer wieder verfasst der FAZ-Feuilletonist Claudius Seidl Beiträge, in denen er Texte oder Bücher gegen die Intention des jeweiligen Autors liest. Das ist stets sehr gewinnbringend. Ebenso lassen sich auch Bücher gegen diejenigen lesen, die sich auf sie berufen. Gerade jetzt bietet sich das wieder bei George Orwells dystopischem Klassiker „1984“ an. Es gibt keinen anderen Roman, den das rechte und inzwischen auch das Querdenker-Milieu so sehr vor sich herträgt. Und keinen, der exakt ihr eigenes Tun beschreibt: die Auslöschung von Fakten, die Erklärung von Irrealem zur Realität, von Wahrheit zur Lüge und vor allem: grenzenlosen, rasenden Hass. Wie beim täglichen „Zwei-Minuten-Hass“ in „1984“. Doch diejenigen, sich am stärksten auf den Roman berufen, sehen das bizarrerweise nicht. Weiterlesen

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Taxikrieg am BER

Landung am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER): Kaum sind wir durch die Sperre, werden wir angesprochen: „Brauchen Sie ein Berliner Taxi?“ Klar. Nichts gegen die örtlichen Taxifahrer aus dem Landkreis Dahme-Spree (LDS), aber sie kennen sich in Berlin doch nicht so aus, erstens, und zweitens erzählen sie nicht so interessante Geschichten.

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Carola Rackete und Alexander Lukaschenko

Warum ist Carola Rackete eine Heldin, Alexander Lukaschenko aber ein Schurke? Sie rettete Flüchtlinge aus dem Meer und brachte sie sie gegen den Willen der rechtspopulistischen italienischen Regierung in italienische Häfen; er sorgt dafür, dass sie erst gar nicht übers Meer flüchten müssen und bringt sie gegen den Willen der rechtspopulistischen Regierung an die polnische Grenze. Ich weiß, die Motive sind verschieden. Lukaschenko ist ein zynischer Diktator, der die EU spalten will, Rackete eine Idealistin, die Europas Ideale gegen die Wirklichkeit europäischer Flüchtlingspolitik hochhält. Aber praktisch gesehen, oder: vom Standpunkt eines Flüchtlings aus gesehen, macht Lukaschenko das, was die Europäische Union eigentlich machen müssten: Flüchtlinge zu Billigpreisen ausfliegen, statt sie zu zwingen, den Schleppern viel mehr Geld für eine Fahrt im Gummiboot übers Mittelmeer zu bezahlen – in der Hoffnung, von Menschen wie Rackete aufgegabelt zu werden.

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A-a-alles A-a-Antisemiten? Falsche Lehren aus dem Fall Gil Ofarim

Wurde Gil Ofarim im Leipziger Westin Grand antisemitisch beleidigt? Hat er sich das nur eingebildet? Hat er gar, aus anderem Grund verstimmt, die Antisemitismus-Karte gezogen, um sich an einem Mitarbeiter des Hotels zu rächen? Wir wissen es nicht. Allerdings hat man sich in den unsozialen Medien und den Kommentarspalten längst seine Meinung gebildet. Und die ist überwiegend hässlich.

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