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Der notwendige Mentalitätswandel

Von Prof. Dr. Michael von Brück, Denkwerk Zukunft:

Die Katastrophe, die Japan heimgesucht hat, zeigt erneut die Begrenztheit menschlichen Wissens und Könnens. Erdbeben und Tsunamis lassen sich nicht verhindern, sondern allenfalls in ihren Wirkungen mildern, und Fukushima ist die Folge von Naivität, Ignoranz und Gier. Naiv war es, darauf zu bauen, es werde schon nichts schief gehen; ignorant war es anzunehmen, die Atomkraft sei zuverlässig beherrschbar; und gierig war es, mittels vermeintlich billiger Energie einem Konsumrausch zu frönen. Ein Mentalitätswandel ist überfällig.

Er besteht vor allem darin, die Welt wieder räumlich und zeitlich als Einheit zu begreifen und bei allem Denken und Planen die nachfolgenden Generationen nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Maxime muss sein: Statt immer größerer Gütermengen und kommerzieller Dienste mehr Lebensqualität. Diese schließt die Qualität der Energiegewinnung und des Energieverbrauchs ein. Nicht die Menge unseres Konsums, sondern die Art und Weise, wie wir leben, entscheidet über unser Glück und Unglück.

Dies ist eine der zentralen Botschaften aller großen Religionen. Zwar sind auch sie verstrickt in Eigennutz, Unwissenheit und Gewalt. Aber sie bemühen sich, den Menschen vor Torheiten zu schützen, so auch der Torheit der Selbstüberhebung, die sich nicht zuletzt darin zeigt, durch Technik die Welt nach Belieben gestalten zu können. Für die Griechen war dies Hybris, in der jüdisch-christlichen Tradition sündhafte Selbstbezogenheit, im Buddhismus Ich-Sucht. Erkennt der Mensch wieder seine Grenzen, hätte die Katastrophe, die Japan heimgesucht hat, einen Sinn gehabt.

Prof. Dr. Michael von Brück ist Inhaber des Lehrstuhls für Religionswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der Originalbeitrag ist erschienen im Newsletter des Denkwerk Zukunft www.denkwerkzukunft.de/newsletter

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3 Gedanken zu “Der notwendige Mentalitätswandel;”

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    das Theologie nunmehr sich von Gott abwendet und fortan Gaia anbetet, gibt mir dann doch zu denken.

    … Lutheraner können mit allem und jedem … immer … werter ‚F.M.‘ 😉

  2. avatar

    Das Moral eine deutsche Tugend ist geschenkt, das Theologie nunmehr sich von Gott abwendet und fortan Gaia anbetet, gibt mir dann doch zu denken.

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