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Fratze des Hasses

 Von Franz Eibl:

Die Hetze im Netz nimmt immer mehr zu. Facebook, als Buch der freundlichen Gesichter konzipiert, ist zu einer Fratze des Hasses geworden. Doch Staatsanwälte und Gerichte setzen im Kampf gegen Hassbotschaften jetzt Zeichen.

Die Aufnahme von Ermittlungen gegen den Nordeuropa-Chef von Facebook wegen Beihilfe zur Volksverhetzung ist ein wichtiges Signal. Denn es macht klar, dass soziale Medien kein rechtsfreier Raum sind, in dem nach Herzenslust beleidigt, verleumdet und gehetzt werden kann. In den allermeisten Demokratien endet die Meinungsfreiheit da, wo Pers√∂nlichkeitsrechte Dritter betroffen sind. Ebenso sind Aufrufe zum Rassen- oder Religionshass unter Strafe gestellt. Selbst in den USA, wo die Meinungsfreiheit traditionell am weitgehendsten ausgelegt wird, sind Rufsch√§digung, ‚Äěunmittelbare Gewaltaufrufe‚Äú und ‚ÄěObszonit√§ten‚Äú verboten. Weiterlesen

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Revolution oder Versklavung

Von Alexander Görlach: 

Nun ist der Hyperlink dran: die Politik in Europa bedroht unsere Freiheit. Es wird Zeit, dagegen aufzustehen!

Wenige Tage ist es her, seit der f√ľr die Digital-Wirtschaft zust√§ndige EU-Kommissar Guenther Oettinger die Netzneutralit√§t¬†beendete¬†und somit die gro√üen Telekommunikations-Riesen zu den T√ľrstehern des bis dahin freien Internets machte. Von diesem Teil-Erfolg befl√ľgelt geht es weiter: der¬†Hyperlink als zentraler Baustein des Internets¬†soll unter das Kuratel staatlicher Regulierung genommen werden. Damit w√ľrde der Freiheitsraum des Internets, f√ľnfundzwanzig Jahre nach seiner Entstehung, geschlossen.

Perry Barlow¬†schrieb am Beginn der digitalen √Ąra in seinem Internet-Manifest, dass die Politik aus diesem neu geschaffenen Raum, dem Cyber-Space, ausgeschlossen sei, dass sich hier nun eine neue √Ėffentlichkeit formiere, die sich selbst, nach neuen Metriken organisiere. Die klassische Politik hat dem Internet nie verziehen, dass es existiert. Weiterlesen

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Die Zeitungsverleger sollten von Apple lernen

Die Frage, wie man mit Journalismus Geld machen kann, ist f√ľr mich als Journalist nat√ľrlich von existenziellem Interesse. Aber auch wer sein Geld nicht in diesem Gewerbe verdient, sollte sich diese Frage stellen. Denn wenn das nicht geht, wird es entweder keinen Journalismus geben, oder nur Sensationsjournalismus, der nach wie vor Massenauflagen erzielen kann, oder nur staatlich subventionierten Journalismus.

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Mit der Burka ins Internet

 

Mir geht  Peter Sloterdijks Abgesang auf den Humanismus nicht aus dem Kopf:

http://www.zeit.de/1999/38/199938.sloterdijk3_.xml

Einerseits erscheint er mir aus der Distanz von f√ľnfzehn Jahren aktueller als Bill Joys Apokalypse aus wildgewordenen Robotern, Genen und Mikroorganismen; denn f√ľr Sloterdijk ist die zentrale Frage jene des Mediums oder der Medien. Er verweist ausdr√ľcklich, wenn auch ein wenig pomp√∂s archaisierend, auf ‚Äědie aktuellen Vernetzungsrevolutionen‚Äú; das, was uns heute in Gestalt von Google und Facebook, Amazon und der NSA besch√§ftigt, und was Bill Joy ‚Äď vielleicht, weil er f√ľr Sun Microsystems arbeitete und darum betriebsblind war¬† ‚Äď gar nicht auf dem Schirm hatte.

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Gesicht zeigen! Wider die Kultur des Anonymen im Netz

Vor einem Jahr ver√∂ffentlichte ich in der ‚ÄěWelt am Sonntag‚Äú einen harmlosen Artikel √ľber die Stuttgarter Wutb√ľrger, die den geplanten unterirdischen Bahnhof zum Teil mit rabiaten¬† ¬†Mitteln bek√§mpften. Ich riet ihnen zu mehr Gelassenheit und legte ¬†ihnen als Vorbild ihren schw√§bischen Landsmann, Dichter und Pfarrer Eduard M√∂rike (‚ÄěDoch in der Mitten / Liegt holdes Bescheiden‚Äú) ans Herz.

Es gab die √ľblichen Leserbriefe, die in der Printausgabe der Zeitung abgedruckt wurden. ¬†Pro und Kontra, sch√∂n ausgewogen, argumentativ und gem√§√üigt ¬†im Ton. Ganz anders in den Kommentareintr√§gen der Online-Ausgabe. Die Spalten quollen √ľber vor Hasstiraden, w√ľsten Beschimpfungen. Ein Leser drohte mir Schl√§ge an, sollte ich jemals wieder Stuttgarter Boden betreten. Weiterlesen

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Ist das Internet männlich?

Mark Zuckerberg hat kurz vor seinem B√∂rsengang Post bekommen.¬† Einer der gr√∂√üten Investoren weltweit kritisiert, dass es zu wenige Frauen in den F√ľhrungspositionen bei Facebook gibt. ‚ÄěWir sind entt√§uscht, dass im Verwaltungsrat von Facebook keine Frau vertreten sein wird‚Äú, schreibt Anne Sheehan vom Pensionsfonds kalifornischer Lehrer laut einem Bericht von Wall Street Journal Online.

Ihr Wort hat Gewicht, denn der Pensionsfonds zählt zu den größten der Welt. Über verschiedene Fonds ist die Rentenkasse bereits bei Facebook investiert und plant eigentlich auch, beim Börsengang weitere Anteile zu erwerben.  Weiterlesen

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E-Mail-Zensur und die tunesische Revolution

Es dauerte ein paar Stunden, bis ich herausgefunden hatte, warum die Emails sich nicht verschicken ließen. Ich war auf einer internationalen Konferenz in einem internationalen Hotel etwas außerhalb der tunesischen Hauptstadt Tunis. Das Internet funktionierte, ich konnte auch selber Emails empfangen. Doch wegschicken ließ sich nichts. Immer nur Fehlermeldungen.

Ein √§gyptischer Konferenzteilnehmer kl√§rte mich auf. Es liege nicht an meinen fehlenden Internetkenntnissen, sondern an der Regierung. Emails nach drau√üen w√ľrden blockiert. Warum, wisse er auch nicht genau. Doch er habe diverse Internet-Accounts √ľber diverse Server – und einer w√ľrde dann doch meist funktionieren. Willkommen also in der Diktatur! Weiterlesen

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Wikileaks: Deep Throat goes Internet

Was w√ľrde Mark Felt heute machen, der Informant, der Watergate ausgel√∂st hat? Sich wieder in zugigen Tiefgaragen mit Reportern treffen, um seine Insider-Informationen weiterzugeben? Ein heutiger Mark Felt w√ľrde seine CD einschieben und die Daten hochladen – zu Wikileaks.

Nun hat Felt damals eindeutig kriminelle Machenschaften enth√ľllt. Die derzeitige Depeschen-Aff√§re ist nur insofern illegal, als der Informant ein Dieb ist und Daten gestohlen hat. Das ist ein klarer und wichtiger Unterschied, der die F√§lle juristisch trennt. Doch f√ľr die Zukunft des Whistleblowing, also des Offenlegens von Dingen, die jemand nicht √∂ffentlich sehen will, ist die Richtung klar: Geheimnisverrat wird k√ľnftig √ľber das Netz betrieben. Weiterlesen

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Alle Blöden bloggen: das Internet als Medium infantiler Idioten

Jeder Berufsstand hat seine eigenen Idioten. In der Philharmonie ist es die Bratsche, die als Dummb√ľttel gilt. In der Gerichtsbarkeit denkt man niedrig vom Dorfrichter Adam, dem Amtsrichter in Kleinkleckersdorf. Im klassischen Journalismus war es der Gerichtsreporter, dem man jede Niedertracht zutraute. Das Internet erweist sich als der gro√üe Gleichmacher. Hier versagen auch die Edelsten und zeigen sich als die letzten Deppen.

Zu reden ist von dem PR-Chef eines renommierten Verlagshauses, zugleich Sohn des Verlegers selbst, der sich aus seinem publizistischen Olymp in die allgemeine L√§cherlichkeit gest√ľrzt hat. Eine Karriere ist vernichtet, wahrscheinlich auch ein gro√ües Erbe. Wir werden Zeugen eines K√∂nigsdramas, einer g√∂ttliche Trag√∂die, die uns Sterblichen zeigt, was die Blogosph√§re aus den charakterlich Schwachen machen kann. Weiterlesen

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Was heißt hier neutral?

Von Alexander G√∂rlach, Herausgeber und Chefredakteur „The European“:

Der Bundestag besch√§ftigt sich in seiner Enquete-Kommission zu Internet und digitaler Gesellschaft auch mit der Frage der Netzneutralit√§t. Die Web-Community beobachtet das Treiben sehr genau. Dort ist der Begriff Netzneutralit√§t f√ľr viele zu einer leuchtenden Monstranz geworden, in der verdichtet das Selbstverst√§ndnis einer ganzen Generation zum Ausdruck kommen soll.

Kein Wunder, dass die Emotionen hochschlagen, wenn es auf dieses Thema kommt. Die Parteien haben das bemerkt; sie sind keineswegs so sediert, dass ihnen emotionale Wogen im Land völlig entgingen. Aber haben die parlamentarischen Akteure verstanden, was mit Netzneutralität gemeint ist? Weiterlesen

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