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Donald Trump und seine deutschen Freunde

Ich finde es einigerma√üen typisch, dass hierzulande weniger dar√ľber diskutiert wird, was ein Pr√§sident Donald Trump f√ľr Deutschland und Europa bedeutet, sondern vielmehr dar√ľber, ob die medialen Reaktionen auf seine Wahl angemessen seien oder nicht.

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O Tempora! O Morus! Oder: Wie man Shakespeare verfälscht

Da glaubt man, als Shakespeare-Biograph das Werk des Dichters zu kennen, und muss sich nun eines Besseren belehren lassen. Denn der Deutsche Taschenbuchverlag hat ein 65-seitiges Buch herausgegeben: ‚ÄěDie Fremden. F√ľr mehr Mitgef√ľhl‚Äú. Autor: William Shakespeare. Der Einband ist mit einem roten Aufkleber versehen: ‚ÄěWeckruf aus einer anderen Zeit. VON ERSCH√úTTERNDER AKTUALIT√ĄT‚Äú. Anders als die nicht ersch√ľtternden, nicht aktuellen sonstigen Produktionen dieses Dramatikers “aus einer anderen Zeit” wie ‚ÄěHamlet‚Äú, ‚ÄěDer Kaufmann von Venedig‚Äú, ‚ÄěRomeo und Julia‚Äú usw., muss man annehmen. Also: kaufen! Weiterlesen

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Die Irrfahrten des Sigmar Gabriel

¬†Irgendwie hat Sigmar Gabriel mit seinen Russland-Besuchen kein Gl√ľck. Als er vor genau einem Jahr Putin aufsuchte, um mit ihm √ľber die Weltlage zu plaudern, hatte dieser sich gerade als Kriegspartei in den Syrienkrieg¬† eingemischt und begonnen, die Stellungen der Freien Syrischen Armee zu bombardieren, was er in der √Ėffentlichkeit als “Krieg gegen den Terror” ausgab. Gabriel bedankte sich bei Putin, dass er Zeit f√ľr ihn gefunden habe, obwohl er “gerade mit dem Konflikt in Syrien¬† viel zu tun”¬† habe. Es klang so, als habe ein ungebetener Gast einen pflichtbewussten Beamten vom Aktenstudium abgehalten. Ein Jahr sp√§ter – September 2016 – die gleiche Situation. Putins Luftwaffe hatte gerade¬† ¬†einen Hilfskonvoi, der von der T√ľrkei aus nach Aleppo gestartet war, bombardiert und weitgehend zerst√∂rt. Dabei waren 20 Wei√ühelme (so hei√üen die freiwilligen Helfer in Syrien) get√∂tet worden. Gabriel bedankte sich artig, dass er den Angriff auf den humanit√§ren Konvoi mit Putin ¬†“er√∂rtern” k√∂nne. “Unbedingt”, antwortete Putin, “man habe viele Freunde in Deutschland.” Gabriel geh√∂rt bestimmt zu ihnen, Frank Walter Steinmeier auch. Gerhard Schr√∂der sowieso. Weiterlesen

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Zornige Alte

¬†Vor einiger Zeit bekam ich von einem ¬†alten Freund eine Mail, die mich verst√∂rte.¬† Er bat mich, ¬†die angeh√§ngte Petition gegen CETA und TTIP zu unterzeichnen. Als ich den Text ¬†las, wurde mir klar, dass hier politische Geisterfahrer unterwegs sind.¬† Es wimmelte nur so von Halbwahrheiten, Verleumdungen und Verschw√∂rungstheorien. Die amerikanischen Konzerne wurden pauschal ¬†beschuldigt, alle sozialen und √∂kologischen ¬†Errungenschaften Europas ihren Profitinteressen opfern zu wollen. Meine Erinnerung schweifte zur√ľck: Mit dem alten Freund hatte ich in den rebellischen 68er Jahren an Demonstrationen teilgenommen, bei denen die d√ľmmliche Parole “USA: SA – SS” skandiert wurde. Der Freund ist nun auch schon im Rentenalter, steht aber immer noch fest in der alten Kampffront. Antiamerikanismus kann einen¬† ein Leben lang begleiten. ¬†¬†Es ist offenbar ein w√§rmendes Gef√ľhl. Weiterlesen

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TTIP: die letzte Schlacht der Achtundsechziger

Im Oktober 2015 fand in Berlin eine der gr√∂√üten Demonstrationen der letzten Jahrzehnte statt. ¬†200.000 Menschen demonstrierten unter dem Motto “F√ľr einen gerechten Welthandel” gegen das Freihandelsabkommen der EU mit den USA, TTIP. Die Demonstranten waren dem Aufruf eines B√ľndnisses aus √ľber 60 Organisationen gefolgt, deren wichtigste Greenpeace, Foodwatch, Compact, Oxfam und¬† Attac sind. Auch die Gewerkschaft der Polizei (sic) und Brot f√ľr die Welt waren ¬†mit von der Partie.¬† Schaute man sich die Berliner Demonstranten genauer an, fiel auf, dass neben vielen jungen Teilnehmern – vermutlich aus dem studentischen¬† Milieu – viele Silberk√∂pfe unterwegs waren, Menschen zwischen 60 und 75, die auch schon anderenorts ¬†durch Militanz und Renitenz aufgefallen waren (Beispiel: Stuttgart 21). H√§tte man sie nach ihrer Protestbiografie gefragt, h√§tten sie sicher viel erz√§hlen k√∂nnen: von den Schlachten um Brokdorf, Wackersdorf und Wyhl; von der Freien Republik Wendland,¬† von der Rathausbesetzung in Bonn;¬† von der¬† Demo im Bonner Hofgarten gegen die NATO-Nachr√ľstung und vieles mehr. Vermutlich hat sie der antiamerikanische Unterton, der alle Proteste gegen TTIP begleitet, angezogen. Warum sollte man nicht noch im fortgeschrittenen Alter gegen den Staat ¬†auf die Stra√üe gehen, den man schon¬† als jugendlicher Rebell¬† ¬†als “Feind der Menschheit” bek√§mpft hat (“Nieder mit dem US-Imperialismus!”; “USA: SA – SS”). In der Werbeindustrie gilt die Devise: “Sex sells”. In der deutschen Protestkultur gilt: “Gegen die USA geht immer.” Weiterlesen

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