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Donald Trump und seine deutschen Freunde

Ich finde es einigermaßen typisch, dass hierzulande weniger darüber diskutiert wird, was ein Präsident Donald Trump für Deutschland und Europa bedeutet, sondern vielmehr darüber, ob die medialen Reaktionen auf seine Wahl angemessen seien oder nicht.

Auf der Seite der Neuen Rechten und ihrer mehr oder weniger heimlichen Sympathisanten wird die „Arroganz der Eliten“ in den USA wie hierzulande kritisiert, die nun die mit klammheimlicher bis offener Schadenfreude begrüßte Quittung bekommen hätten. Manche Linksliberale – weniger in den USA, wo man die wahren Verhältnisse kennt, aber hierzulande – stimmen in diesen Chor ein und streuen sich Asche aufs Haupt: Ja, wir waren arrogant, nun müssen wir Buße tun und endlich die „Sorgen der Menschen“ ernst nehmen.

Falsch. Wenn „die Menschen“ sich bedroht fühlen durch Frauen und Ausländer, Schwule und Lesben, kurzum durch alles, was nicht aussieht wie sie und redet wie sie und sich benimmt wie sie; wenn „die Menschen“ Leute arrogant finden, die sich die Mühe gemacht haben, einen guten Schulabschluss zu bekommen, zu studieren und einen gut bezahlten Job in einem hart umkämpften Sektor der Volkswirtschaft zu ergattern – dann beweisen diese Leute, dass sie beschränkt sind.

Die neue politische Korrektheit lautet jedoch: Das darfst du nicht sagen. „Das Volk“, laut US-Gründervater Alexander Hamilton ein „großes Biest“ und laut Heinrich Heine ein „großer Lümmel“, ist heilig. Und zwar gerade denjenigen, die sich als konservativ bezeichnen, was geradezu irre ist. Aber das hat Methode. Schon länger muss derjenige, der Antisemiten als Antisemiten bezeichnet, sich dafür entschuldigen, diese „ultimative Keule“ benutzt zu haben. Im Fall Liane Bednarz, wo ein Journalist einen rufschädigenden Artikel über die Auseinandersetzungen im Vorfeld ihres mit Christoph Giesa geschriebenen Buchs veröffentlichte, wurde kaltschnäuzig reagiert, sie habe ja Leute als „Rechte“ bezeichnet, was schließlich auch berufsschädigend sei.

Aber genug davon: dass Ideen von links nach rechts und zurück wandern, ist nicht neu. Dass diejenigen, die noch gestern beklagten, Deutschland sei elitenfeindlich, heute der angeblichen Elite vorwerfen, volksfeindlich zu sein, gehört zu dieser Wanderungsbewegung. Was aber bedeutet Trump für Deutschland?

  1. TTIP ist tot. Darüber können sich Linke und Grüne freuen.
  2. Es steht ein großes Rapprochement mit Putin an: Darüber freuen sich Linke und auch der eine oder andere Sozialdemokrat.
  3. Die Nato steht zur Disposition. Punkt für die Linke, Wahlhilfe für Rot-Rot-Grün 2017.
  4. Trump will die Importzölle erhöhen. Das bedeutet für die zweitgrößte Exportnation der Erde: Arbeitsplätze sind in Gefahr.
  5. Amerika kehrt zu den fossilen Brennstoffen zurück. Auch das dürfte hierzulande Arbeitsplätze kosten.
  6. Trump will US-Unternehmen in die USA zurückholen, indem er ihnen Steuererleichterungen in Aussicht stellt. Arbeitsplätze gehen hier verloren. Das alles dürfte der antiamerikanischen Linken in die Hände spielen.

Warum also jubelt die Neue Rechte? Ich begreife es nicht. Oder vielmehr: ich begreife es schon: Sie hasst die Mitte mehr als die Linke; und sie hasst die Mitte auch mehr, als sie Deutschland liebt. So what else is new?

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127 thoughts on “Donald Trump und seine deutschen Freunde

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    Lieber Andreas Müller,
    sie scheinen ein klassischer Vertreter der “post-truth” – Bewegung zu sein; denn Sie verdrehen alles und bleiben dann auch noch in ihren Sprechblasen gefangen. Sätze wie:
    ” Wer über grenzenlose Zuwanderung schwadroniert und den Gegnern dieses Unsinns auch noch den Mund verbietet…..”
    Psychoanalytisch nennt man das eine Projektion.

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    @ Monika Frommel
    Es gibt keine linke Mehrheit in Deutschland. Im Moment gibt es nur eine nominale Mehrheit von Rot, Rot und Grün, die aber bei der nächsten Bundestagswahl ziemlich sicher verschwinden wird. Selbst die aktuelle Mehrheit hat sich aber wieder einmal als nichtsnutzig herausgestellt.
    Das ist der natürliche Zustand der Dinge in Deutschland: linke Mehrheiten sind immer ein Phantom, das einen rechten Backlash produziert. In Wahrheit segelten bereits in der “linken” Mehrheit viele unter falscher Flagge, sogenannte “pragmatische SPDler und realistische Grüne” zum Beispiel. Kretschmann ist beispielsweise ein autoritärer Konservativer und sollte sich da ehrlich machen, sich selbst und den anderen zuliebe. Seine “linke” Jugend steht dazu überhaupt nicht im Widerspruch.
    “Mit rechten Konzepten (auf die Sie nun setzen) ”
    Unsinn. Die Rechte ist von der Regierung und den linken Parteien gepusht worden. Wer über grenzenlose Zuwanderung schwadroniert und den Gegnern dieses Unsinns auch noch den Mund verbietet, mästet objektiv eine rechte Fundamentalopposition. Das ist in Schweden exakt dasselbe wie in Deutschland, aber die Schweden haben noch rechtzeitig die Notbremse gezogen. Ich habe damit nichts zu tun, bin nur der Überbringer der schlechten Nachrichten und poche darauf, dass Ideologen von links oder rechts kein Recht haben, ihren Gegnern mit fadenscheinigen Argumenten von Gut und Böse den Mund zu verbieten. Das kommt heute vielleicht Rechten zugute, aber morgen könnte es schon wieder andersherum sein.

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    Andreas Müller,
    Sie haben über “Linksliberale” polemisiert!Dazu habe ich mich geäußert.

    Ich vertiefe das nun: wenn es je eine linksliberale Dominanz gegeben haben sollte, dann am ehesten nach der Wahl von rot-grün 1997. Diese Stimmung kippte aber sehr schnell. Heute hätte rot-rot-grün keine Chance – rechnerisch ja, aber sozial nicht! Sog. linke Sozialdemokraten und “Linke” und empörte Grüne können nicht miteinander, sie können nur gemeinsam schimpfen-

    Schröder ist sozusagen der Test.
    We wurde im eigenen Lager bekämpft. Seine Reputation nach seinem Abgang derartig im Keller, dass man sieht, wie wenig ein solches Projekt realisierbar ist. Hätte er eine Schamfrist eingehalten (bevor er nach lukrativen Verträgen greift), wäre es langsamer, aber im Ergebnis genau so gelaufen, man sieht das bei Steinbrück. Er ist nur eine mildere Version des Modells Schröder.

    Es gibt pragmatische SPDler und einige realistische Grüne, es gibt auch – wenn auch sehr wenige – Pragmatiker bei der “Linken”, aber gemeinsam können sie nur auf Gefühle wie Empörung setzen. Das ist aber nicht umsetzbar in eine wirksame Politik mit Augenmaß. Wenn es dennoch geschieht, kommt prompt die ganz “linke” Empörung”.

    Es gibt also dieses Phantom, von dem Sie ausgehen, nur in der Phantasie. Real haben wir in Deutschland keinen Linksliberalismus, wie ihn die Demokraten lange Zeit zu bieten hatten. Aber auch dort zeigt die “Empörung” der Sanders-Leute und die Unfähigkeit, mit diesen Gruppen zusammen zu arbeiten, dass der sog. Linksliberalismus auch dort zusammen gebrochen ist.

    Mit rechten Konzepten (auf die Sie nun setzen) ist diesem Phänomen nicht beizukommen. es hilft nur Pragmatismus.

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    Das Problem an Trump ist weniger sein Hang zur Großspurigkeit und -mäuligkeit, auch nicht sein Vermögen oder seine Steuern, nicht mal seine Ignoranz, sondern es ist seine Inkompetenz. Niemand weiß was passieren wird, was er in der Lage ist einzusehen, was er noch lernen kann und was er kaputttrampeln wird. Ein Elefant im Porzellanladen mit einem Hang zur Cholerik – das ist,wa sman heute am wenigsten gebrauchen kann. Daraus resultiert eine hochgradige Unberechenbarkeit, die alle nervös macht. Keiner weiß,wie es weitergeht und was werden wird. Klar: es kann alles auch gut oder passabel werden. Dazu braucht man aber viel Gott- bzw.- Trumpvertrauen. Ein Abrutschen ins Irrationale.

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      …aber nebenbei: einen 70-Jährigen superreichen Gockel zum Präsidenten zu wählen…und zu hoffen, dass dann eine wie auch immer geartete Einkommensumverteilung stattfindet…Denn gewählt haben ihn ja logischerweise die unteren Mittelschichten und die Ärmeren, ohne die niemand gewählt werden kann. Irrational.

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        Ich halte das für falsch, was Sie sagen. Erstmal nennt man jemanden nicht Gockel. Wenn Trump ein superreicher Gockel ist, wie Sie sagen, sind Sie ein armer Gockel, und Mrs. Clinton ist eine superreiche Henne, die fünfmal so viele Wahlkampfspenden eingesammelt hat, angeblich, wie er, soll heißen, einige Spender, auch solche, die gern schon mal die Bank von England auf Grundeis setzen oder gegen Deutschland wetten, haben jetzt lange Gesichter und scheinen teilweise die Leute aufzuwiegeln und angeblich in die Städte zu karren. Erdogan würde das schon Putschversuch nennen.

        Dann kann Ihnen doch nur recht sein, was geplant ist: Höhere Zinsen, was dann irgendwann hier auch käme. Das würde bedeuten, dass die Immobilienpreise sinken, hoffentlich langsam, schnell wie eine Blase ist immer fatal.

        Zweitens suchten doch gerade Sie lange nach Arbeit, aber lassen wir das mal außen vor. Nehmen wir die Arbeitslosen in den USA. Es wäre gut für sie, wenn er wenigstens einen Teil der Arbeit zurückholen würde. Kürzlich las ich, dass das von Obama völlig unbehelligte Silicon Valley (klar, sie haben seinen Wahlkampf finanziert) einen Haufen Amerikaner rausgesetzt hat und haufenweise Visen (ich glaube, die heißen H-B1 Visen, aber das können Sie nachschauen) bekommen hat, um Asiaten für viel weniger Geld zu beschäftigen. Von einem Schwarzen wird reportiert, dass eine Firma, ich glaube Google (nicht sicher) ihn als Fahrer anstellte und ihm dafür einen Kleinbus kaufte. Sie zahlen ihm aber nicht genug, so dass er in dem Kleinbus schlafen muss. Damit er morgens nicht stinkt, darf er in der Firma die Dusche benutzen.
        Ich bitte Sie, Ziegler, Sie sind ein vernünftiger Mann. Kommen Sie von der Personalie weg, und beschäftigen Sie sich bitte mit den vielen Fehlentwicklungen in den USA und hier. Mein Sohn war der einzige Schüler in seiner Klasse (hier), der sich vor vier Jahren in einem Paper für Romney stark machte. Die Klasse bügelte ihn nieder, der Lehrer, ein glühender Obama-Fan, gab eine 1, weil es argumentativ korrekt und sachlich auf dem Boden war, das Paper, sprich durchaus brillant. Aber Romney wollte hier auch keiner. Schlecht, Romney Trump oder gut, besser, Obama. Einseitig. Bescheiden. Oft unbelesen. Dämlich wirkend.

        Was an den amerikanischen Universitäten so abgeht, ist eine Katastrophe. Das sind aber meistens laut schreiende Minderheiten, auch durchaus weiße AmerikanerInnen, aber Leute, die schon wissen, dass sie es nicht nach oben schaffen, die ihre Schulzeit damit verbracht haben, zu kiffen und sich halbnackt oder zugedröhnt auf FB zu präsentieren. Und FB würde sie nicht einstellen. Dann machen sie auf BDS oder auf Antiisraelismus oder auf OWS, und manche rutschen dabei langsam aber sicher in den Sumpf des linken Antisemitismus.

        Beachten Sie den Mann nicht, das machen schon unsere weitgehend einfallslosen Medien, lesen Sie doch mal über diesen immer größer werdenden Mülleimer dort. Im Straßenzustand haben wir inzwischen nachgezogen, das andere war auch auf dem Weg.

        Meine Güte. Obama ist ein attraktiver, intelligenter und charismatischer Mann, aber seine Politik ist fern von perfekt.
        Und Geld haben alle, die dort Präsident werden, entweder selbst erarbeitet oder durch Spenden und Stiftungen.
        Die Leute müssen hier gewaltig aufpassen, dass sie nicht noch tiefer in ihren Antiamerikanismus rutschen, der absolut ätzend ist. Und viele davon haben überhaupt keine Ahnung von den Vereinigten Staaten.

        Wie sagte Hillary in ihrer concession speech?:
        “God bless the United States of America.”
        Endlich schien sie wahrzunehmen, dass das Land etwas größer ist als New York City, der Beltway und das Silicon Valley zusammen. Ihre Stimmen dort haben nicht gereicht. Symbolfigur für die Verdummung: Lena Dunham. Sie “drohte”, nach Canada auszuwandern, sollte Trump gewinnen. Ich glaube, viele würden dem girl gern den Flug bezahlen, aber nach der Wahl sagte sie, sie bliebe doch. Sie hätte gar nicht gedacht, dass er es schafft. Leere Drohungen, wissen Sie, von Leuten, die mal ein Jahr Gartenarbeit machen sollten, damit sie wissen, wie sich Arbeit anfühlt. Oder wenn sie einem abhanden kommt, während solche nichtssagenden girls scheffeln im TV.

        Mein Kompliment an Sandra Maischberger, gebe es weiter, wer Lust dazu hat.

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        @Oleander
        Bitte nicht Lena Dunham oder Jenni Konner, die großartiges Fernsehen machen, mit deutschen TV-Nichtsnutzen wie Maischberger vergleichen. Für die Girls-DVDs geb ich freiwillig viel Geld aus, den GEZ-Müll bezahl ich nicht freiwillig.

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        @Oleander: Sie haben sicher Recht, dass es viele Gockel unter Präsidenten und Präsidentenanwärtern und -anwärterinnen gibt und dass man die besser nicht Gockel nennen sollte, weil man damit ja einen beleidigen und in seiner zarten Seele verletzen könnte. Ich wollte das auch eher auf die Wähler münzen, die sich selber in dem Mann wiedererkennen. Aber die Geldverteilung – der Privatbesitz der Superreichen – stellt schon ein echtes gesellschaftliches Problem dar. Ein Teil dieser unfassbaren Summen könnte gut man an anderen Stellen brauchen. Ob nun ein Superreicher der richtige ist, dieses Missverhältnis zu korrigieren, scheint mir unwahrscheinlich. Ich kann mich auch irren, wir werden sehen. Noch wissen wir wenig über einen Präsidenten Trump. Eine Personalie, sicher, aber eine erhebliche. Es wäre besser, ihn wie Sie sagen: nicht zu beachten, aber das wird schwierig.

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        …achso; bei der Arbeitsuche haben Sie was missverstanden. Ich war nicht auf Arbeitssuche, ich suche nie Arbeit. Die Arbeit sucht mich und hat mich wohl auch gefunden.

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      ich glaube eigentlich, dass das, was das englische Königshaus ist: eine rein symbolische Repräsentation von Reichtum, Würd eund goldenen Zeiten – dass so etwas nun auch in die pragmatisch-funktionale Politik übergeschwappt ist. Mit Trump wählt man eine Symbolfigur zur Repräsentation: superreich, viril, tatkräfitg und machtvoll. Der lässt sich von keinem etwas sagen, ist genau deshalb zwar dümmlich, aber ein starker Mann. Seine Wähler wollen auch so sein. So wie Putin. Solche Figuren haben gerade Konjunktur.

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