Foto von Thomas Steffan – Own work, CC BY-SA 3.0 (Wikimedia Commons)
Wolfgang Schäfers schönes Stück über „Bohemian Rhapsody“ ließ mich aufhorchen, weil es kein Wort über den Text verliert. Das ist natürlich legitim. Der Song hat Anklänge an die italienische Oper, und bei der Oper ist es das Libretto oft, wenn nicht immer, im Verhältnis zur Musik untergeordnet, ist selten verständlich und häufig peinlich.
Als ich in den frühen 90ern Komposition und Klavier an der Münchner Musikhochschule studierte, war Künstliche Intelligenz Science-Fiction – das Höchste der Gefühle war es für mich, mit meinem Atari Noten auszudrucken. Ich stand am Anfang meines Weges, und dass ich später, neben meiner Musiker-Karriere, langjährig als Sachverständiger im musikalischen Urheberrecht arbeiten würde, ahnte ich noch nicht. Dass ich wiederum aus diesen Zusammenhängen Erkenntnisse gewinnen würde, die mir heute bei der Einordnung von KI helfen – Phantasterei.
An der Musikhochschule zählte das Handwerkliche und Praktische. Wissenschaftliche Textproduktion oder akademische Methodik spielten kaum eine Rolle, ich hätte für das Studium nicht einmal ein Abitur gebraucht (dafür gab es Aufnahmeprüfungen). Das Schreiben von Texten, methodische Strenge und sauberes Argumentieren standen nicht auf dem Lehrplan. Das habe ich mir erarbeitet, als ich meine ersten Gutachten schrieb. Weiterlesen
Transparent zur Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz am 4. November 1989. Bild: Deutsches Historisches Museum Berlin
Ruprecht Polenz hat sich kritisch mit meinen Zweifeln an der Brandmauer auseinandergesetzt. Zwei alte Männer mit ganz unterschiedlichen bundesrepublikanischen Biografien treibt die Frage um, wie Deutschland gegen extremistische Bedrohungen zu schützen ist. So funktioniert Demokratie.
Die Aufregung um das Foto idyllischen Einvernehmens zwischen Guido Heuer, dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, und Ulrich Siegmund, dem AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt und deren gemeinsame Ablehnung der Brandmauer macht die Sorgen von Politikern wie Ruprecht Polenz verständlich. In Sachsen-Anhalt muss damit gerechnet werden, dass einzelne CDU-Landtagsabgeordnete im Herbst spätestens im dritten Wahlgang die Wahl von Siegmund zum Ministerpräsidenten ermöglichen werden. Weiterlesen
Die Popband Queen in den 1970er Jahren. Foto: Christopher Hopper / Elektra Records, via Wikimedia Commons
Gibt es den perfekten Popsong? Nein, möchte man antworten – was ist schon perfekt. Selbst der brillanteste Song bedingt immer die Zeit, in der er entsteht und angenommen wird. Stücken, die aus der Zeit fallen, gelingt die musikalische Superlative eher selten. Wenn es dennoch so etwas gibt, dann „Bohemian Rhapsody“ von Queen. Sein Schöpfer: Freddie Mercury, einet der begabtesten Sänger der Popmusik des 20. Jahrhunderts.
Ende Februar und Anfang März habe ich in diesem Blog mein dreiteiliges Panorama der Sechziger Jahre veröffentlicht. Darin wurden historische Geschehnisse und Anekdoten in kurzen Absätzen aneinandergereiht. Derzeit schreibe ich an einer Fortsetzung über die Siebziger Jahre.
Daraus vorab ein Blick auf den 31. Oktober 1975. Weltweit erscheint an diesem Tag ein Song, der alle bisherigen Maßstäbe sprengt – „Bohemian Rhapsody“.
Der Leiter des Museums zum Genozid in Srebrenca mit der Broschüre „Die bosnische Tragoedie“ von Eva Quistorp, die schon 1993 vor dem Versagen der UNO warnte und militärisches Eingreifen forderte
Was haben der Bosnienkrieg, die Belagerung von Sarajevo und der serbische Völkermord von Srebrenica im Juli 1995 noch zu sagen, da Russland das alles in den Schatten stellt? Und was sagt die Gründungsgeschichte der Grünen für die Menschen auf dem Balkan und die Protestierenden in Serbien? Eine Reise-Erinnerung, bearbeitet von Jasmina Arielli
“Let us make solidarity in Europe great again.”
PROLOG: Eine Reise, in der Erinnerung wieder Stimme bekommt
Diese Reise begann mit einer Einladung: in Sarajevo und Belgrad über den Film „Petra Kelly – Act Now“ zu sprechen und darüber, was die Gründungszeit der Grünen heute für Zivilgesellschaft, Friedensbewegungen und ökologische Kämpfe in Bosnien und Herzegowina sowie in Serbien bedeuten kann. Weiterlesen
Arabische Studentin auf einem Unicampus in Jerusalem. Fotos: Biljana Vojinović
Es liegt nicht an den Juden, so viel sei vorab verraten. Eine reale Kurzgeschichte
Der jungen Frau begegnete ich bei einer privaten Angelegenheit. Gleich nach den ersten ausgetauschten Sätzen lächelten wir uns neugierig an: „Deinen Akzent kann ich nicht einordnen.“ „Ich deinen auch nicht. Meiner ist slawisch, und deiner?“ „Meine erste Sprache ist Hebräisch.“ Sie sah meinen perplexen Gesichtsausdruck und fügte hinzu: „Ich komme aus Tel Aviv.“
Ich war überrascht, aber gleichzeitig erfreut. „Das erste Mal in meinem Leben treffe ich eine Jüdin aus Israel“, sagte ich. Sie lächelte mich an: „Wenn ich sage, woher ich komme, denken alle, ich sei eine Jüdin. Aber nein, ich bin eine Palästinenserin. Ich heiße Viktoria, für meine Freunde Viki.“ Weiterlesen
Sommerwolken über trockener Landschaft. Bild von ClickerHappy auf Pixabay
Geht es nach AfD, Linken, Klimaschützern, Wirtschaftsvertretern und vielen Bürgern und Medien, stehen wir jeweils kurz vor dem dem Untergang. Weit gefehlt. Die Merz-Regierung hat sich gefangen und löst ihre Aufgaben. Die internationale Lage beruhigt sich. Die sommerliche Hitze trägt zur Abkühlung bei.
Es ist Auftrag von Journalisten, kritisch hinzusehen und gesellschaftliche und politische Entwicklungen zu hinterfragen. Und zu kritisieren gibt es eine Menge. Es ist jedoch nicht ihre Aufgabe, stets und ständig in ein allgemeines Krisengeheul einzustimmen und wahlweise das Ende der Demokratie, zumindest der schwarz-roten Koalition, die Klimaapokalypse oder die Machtergreifung von Faschisten zu beschreien. Deshalb der Versuch einer Ermutigung. Weiterlesen
Das neue extremistische Gesicht der Linkspartei: Luigi Pantisano. Foto: Wikimedia CC BY-SA 4.0
Mit der Linken, die sich auf ihrem Parteitag weiter radikalisiert und israelfeindlich positioniert hat und deren neuer Co-Vorsitzender die CDU in die faschistische Ecke rückt, dürfen Union, SPD und Grüne nicht kooperieren. Das macht die Regierungsbildung im Osten nach den Landtagswahlen schwieriger, ist aber zum Schutz der Demokratie zwingend.
Seit längerem hatte sich die Linke bemüht, als Teil der demokratischen Mitte anerkannt zu werden. Im Bundestag ermöglichte sie die Wahl von Friedrich Merz zum Kanzler im zweiten Wahlgang trotz seines „Sündenfalls“ vor der Wahl in der Migrationspolitik; in Thüringen und Sachsen stützt sie die CDU-geführten Minderheitsregierungen, auch in Sachsen-Anhalt gab es schon Gespräche über ein ähnliches Modell nach der Wahl im September. Doch damit muss jetzt Schluss sein. Weiterlesen
Bild: Der Orden des Weißen Adlers, die höchste polnische staatliche Ehrung (aus Wikipedia).
Vom Anlass (nicht Grund) des ukrainisch-polnischen Streites, auf dessen gestrigem Höhepunkt der polnische Präsident Karol Nawrocki (gesetzt von der Partei „Recht und Gerechtigkeit“ = Prawo i Sprawiedliwość, kurz: PiS) …
Positionsbestimmung im Zeitalter von Populismus, KI und der eigenen Bedeutungslosigkeit
Vor etwa drei Jahren fragte mich jemand, warum ich mich mit meinem ökonomischen Hintergrund entschieden habe, meine Zeit ausschließlich dem Klimawandel und den damit verbundenen Themen zu widmen. Es sei doch für eine Umkehr ohnehin zu spät – und ich würde mit meinen wissenschaftlich geprägten Aussagen „keinen Hund hinter dem Ofen hervorholen“.
Meine Antwort war einfach: das, was ich tue, ist für MICH der größte Hebel, mit dem ich meinen (kleinen) Einfluss auf die Welt ausüben könnte. Jede Leserin und jeder Leser meiner Bücher und meiner Essays und jede Zuhörerin und jeder Zuhörer meine Vorträge hat potenziell eine multiplikative Wirkung bei der Verbreitung meiner Themen.
Vor dem Iran kapituliert: US-Präsident Donald Trump
Für Häme und Schadenfreude über den Ausgang des Kriegs gibt es keinen Grund. Der Fehler von Trump war nicht, dass er ihn mit Israel geführt, sondern dass er ihn nicht erfolgreich zu Ende gebracht hat. Nun bedroht das iranische Regime weiter die Welt und mauert, bevor die Verhandlungen über sein Atomwaffenprogramm überhaupt beginnen.
Man stelle sich vor, die Nazis hätten tatsächlich Atombomben entwickelt, an denen sie arbeiteten, und die USA als schon damals stärkste Militärmacht der Welt hätten nicht eingegriffen. Fast ganz Europa wäre wahrscheinlich bis heute von der Wehrmacht besetzt. Niemand wäre aber damals nach den schrecklichen Erfahrungen mit dem Münchner Abkommen auf die Idee gekommen, mit dem Hitler-Regime zu verhandeln. Es gab nur einen Weg, die globale Bedrohung zu beseitigen: die völlige militärische Niederlage Nazi-Deutschland. Nicht anders ist es beim Iran. Weiterlesen