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Ein arabisch-muslimischer Israeli – ermordet am 7. Oktober 2023

Awad Darawshe behandelte beim Nova-Festival von den Terroristen Verletzte, bis er selbst ermordet wurde

Das ist Awad Darawshe. Bis vor wenigen Tagen wusste ich nicht, wer er war. Ich setze mich seit Jahren mit Israel, Antisemitismus und dem 7. Oktober auseinander. Ich habe unzählige Berichte dazu gelesen. Trotzdem war mir dieser junge Mann völlig unbekannt. Warum eigentlich? – Ein Gastbeitrag von Stefan Hensel

Awad war 23 Jahre alt. Er kam aus Iksal bei Nazareth. Er war israelischer Araber, Muslim und arbeitete als Sanitäter. Eigentlich wollte er Arzt werden. Seine Mutter erzählte später, dass sie ihn immer ihren „Sohn der Umarmungen“ nannte, weil er sie ständig in den Arm nahm. Ich weiß nicht warum, aber genau dieser Satz ist bei mir hängen geblieben. Vielleicht weil aus einem Namen plötzlich ein Mensch wird. Weiterlesen

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Keine Demo mit falschen Freunden. Bekenntnisse eines Demo-Muffels

Eine Demonstration. Konstantin Wecker sitzt auf der Bühne mit violettem Kopf. Schweiß in Fontänen verspritzend verkündet er „Man muss den Flüssen trauen“. So prügelt er „seine unerhörte poetische und musikalische Sensibilität für das Leben“ hinein in die Tasten des Flügels und hinaus in den Abendhimmel. Vor Tausenden Menschen, die seinen schweißgetränkten Flüssen trauen.

Wecker singt ein Plakat nach dem anderen, seine Band spielt dazu mit der tückischen Harmlosigkeit eines Kaffeehausorchesters. Als nächstes kommen die Bots: „Das weiche Wasser bricht den Stein“. Ich erwache schweißgebadet und muss brechen. Ein Blick ins dunkle Zimmer: Es war nur ein Alptraum. Gottseidank. Schnitt. Weiterlesen

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Schwul, queer, trans – egal

Regenbogenfahne als Symbol der Gleichberechtigung. Bild von Boris Štromar auf Pixabay

Dass es kaum noch jemand stört, dass der neue Berliner CDU-Spitzenkandidat homosexuell ist, zeigt, wie weit die Anerkennung und Gleichberechtigung sexueller Minderheiten gediehen ist. Gefahren drohen ihnen vor allem aus migrantischen Milieus. Und durch Übertreibungen.

Als Klaus Wowereit sich 2001 bei seiner Nominierung zum Regierenden Bürgermeister von Berlin outete, schlug das hohe Wellen. Ole von Beust, der damals Hamburger Bürgermeister wurde, traute sich nicht, es ihm nach zu tun, weil er Ressentiments in seiner CDU und der Stadtgesellschaft fürchtete. Dass Stefan Evers, der nun anstelle von Kai Wegner für die CDU in der Hauptstadt antritt, schwul ist, führt selbst bei Konservativen in seiner Partei nicht einmal mehr zu Schuterzucken. Es spielt keine Rolle. Und das ist, um Wowereit zu zitieren, gut so. Weiterlesen

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Beugt das Knie und huldigt dem (verrückten) König der Welt

 

US-Präsident Donald Trump

Ich stelle mir fast täglich die Frage, was einigermaßen vernünftige PoltikerInnen dazu bringt, auf das komplette rationale Denken zu verzichten und stattdessen das Wort „notwendige Diplomatie“ zu betonen, wenn sie von und mit Donald Trump sprechen und dessen Handlungen und verbale Entgleisungen kommentieren.

Trumps Macht beruht auf seiner kompromisslosen Bereitschaft, sämtliche Normen, Regeln und Gesetze darüber zu verletzen, wie sich ein Präsident als oberster Repräsentant seines Staates verhalten soll. Anstelle dessen tut er alles, was ihm ganz persönlich hilft, mehr Reichtum, Macht und Ruhm anzuhäufen. Dabei übt er Vergeltung an jedem und jeder, der oder die versucht, ihm in die Quere zu kommen. Weiterlesen

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Waren es wirklich die Migranten?

Bild von Alexander Fox | PlaNet Fox auf Pixabay

In Baden-Württemberg soll die Polizei in Zukunft die Staatsangehörigkeit von Tatverdächtigen grundsätzlich nennen. Ein weiteres Beispiel dafür, wie sich das politische Klima in Deutschland unter dem Druck von Rechtsaußen negativ verändert.

Ein Schaffner wird zusammengeschlagen, eine Frau wird vergewaltigt, ein Pkw rast in eine Menschenmenge – die erste Reaktion in Social Media ist meist nicht Sorge um die Opfer, sondern die Frage: Welche Nationalität hat der Tatverdächtige? Wenn es ein Deutscher war, erlischt in der AfD-Bubble das Interesse an dem Verbrechen sofort. Weiterlesen

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Faschismus ist keine Erklärung. Gegen falschen Alarmismus

Die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel – eine neue Benita Mussolini? Bild: Wikimedia

Thomas Zimmer hat in diesem Blog eine hymnische Besprechung des neuen Buchs „Faschismus ist keine Haltung“ des Historikers Ilko-Sascha Kowalczuk geschrieben. Aber ist dieser Begriff wirklich geeignet zu beschreiben und zu bekämpfen, was sich in Deutschland und Europa vollzieht? Ich habe da starke Zweifel. Eine Replik.

Historische Parallelen zu ziehen ist verführerisch und bequem. Gegen eine Wiederkehr des Faschismus zu sein erlaubt nicht nur, sich auf der richtigen Seite der Geschichte und des politischen Spektrums zu fühlen, bei den „Guten“ wider die „Bösen“. Es legitimiert in den Augen derer, die sicher zu sein glauben, ein neues 1933 stehe vor der Tür, auch so gut wie jedes Mittel: zu versuchen den Parteitag einer nicht verbotenen Partei zu verhindern und dabei Gewalt auszuüben wie am vergangenen Wochenende in Erfurt; Journalisten und die Pressefreiheit anzugreifen; die Freiheitsrechte anderer einzuschränken, also seinerseits undemokratische Methoden anzuwenden.

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Ilko-Sascha Kowalczuks neuer Weckruf

„Faschismus und faschistische Haltungen sind keine Meinungen, sondern müssen strikt strafrechtlich verfolgt werden. Jede Gesellschaft braucht Grenzen des Sagbaren, des Machbaren. Faschismus steht außerhalb der Grenzen, wie sie das Grundgesetz zieht.“ So steht es in den „Zehn Grundsätzen“, die der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk seinem neuen Buch „Faschismus ist keine Meinung – Stabil bleiben in autoritären Zeiten“ voranstellt.

Damit ist der Ton gesetzt für einen Rundumschlag über den neuen Hang zum Autoritären. Es ist eine erhellende und zugleich erschreckende Abrechnung mit den Akteuren und Verharmlosern des neuen erstarkenden Faschismus und zudem eine Argumentationshilfe für die Verteidiger von Freiheit und Demokratie. Dazu einige persönliche und sicher unvollständige Anmerkungen. Weiterlesen

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Der NATO-Gipfel darf nicht zum Kniefall vor Erdoğan werden

Image by Marek Studzinski from Pixabay

Das Treffen in Ankara könnte als jener Moment in die Geschichte eingehen, in dem sich das westliche Verteidigungsbündnis endgültig mit Erdoğans autoritärem nationalislamistischen System arrangiert hat. Genau das darf nicht geschehen.

Seit Jahren wird argumentiert, der türkische Präsident müsse eingebunden werden. Sein Land sei zu wichtig, um ihn zu verprellen. Wer widerspreche, gefährde den Zusammenhalt der NATO. Diese Argumentation ist nicht neu. Mit ihr wurde bereits in den vergangenen zwei Jahrzehnten Erdoğans Politik verharmlost.

Dabei hat Erdoğan nie einen Hehl daraus gemacht, dass er die freiheitlichen Werte des Westens ablehnt. Seine Aussage, Demokratie sei wie ein Zug, auf den man aufspringe, bis man sein Ziel erreicht habe, war Ausdruck seines politischen Verständnisses. Weiterlesen

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Die Pressefreiheit wird mit Fäusten und Worten attackiert

Im Visier von Linken: Aus einem Bericht von Apollo News über die Demonstrationen gegen den AfD-Parteitag

Wer wie linke Demonstranten in Erfurt Journalisten tätlich angreift, greift die Pressefreiheit an. Wer das Vertrauen in seriöse Medien untergräbt, nimmt der Pressefreiheit die Grundlage – so wie die AfD, indem sie alle klassischen Medien pauschal als „Lügenpresse“ diffamiert.

Beim Angriff auf Mitarbeiter von Apollo News und der „Jungen Freiheit“, die Demonstranten gegen den AfD-Parteitag filmen und interviewen wollten, handelt es sich nicht nurum Körperverletzung, sondern um einen Angriff auf die Pressefreiheit. Diese Angriffe sind ohne Wenn und Aber zu verurteilen. Wer Journalistinnen und Journalisten körperlich attackiert, weil sie filmen, fragen oder berichten wollen, greift nicht nur einzelne Personen an. Er greift unser aller Recht an, sich ein eigenes Bild zu machen. Weiterlesen

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Was haben Greta Thunberg und die Pink Panthers Berlin mit der Hamas zu tun?

Bild: Gemini-KI, nach Prompts von A.P.

In meinem letzten Beitrag untersuchte ich das psychologisch-politische Phänomen der Verdrängung und Übertragung anhand der Verdrängung der ethnischen Säuberung der deutschen Ostgebiete und der Übertragung der Wut und Trauer auf den jüdischen Staat, der angeblich die Araber aus dem früheren britischen Mandatsgebiet Palästina verdrängen wolle.

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Marilyn auf der Couch

Ein Beitrag zum 100. Geburtstag einer Diva

Buchcover Haarkötter Marilyn

Als eine ungeheure Vertiefung unserer Wahrnehmung erschien Walter Benjamin der Film. Vergleichbar nur mit der Bedeutung von Freuds Klassiker Psychopathologie des Alltagslebens mit seiner bahnbrechenden Interpretation scheinbar nebensächlicher Fehlleistungen und Ticks. Mit seinen Techniken wie etwa Zeitlupe, Zeitraffer sowie mikroskopischen close ups rücke der Film das „Optisch-Unbewusste“ erstmalig ins Licht des Bewusstseins.

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