avatar

Die Perversion des Normalen. Wie Extremisten die bürgerliche Mitte zerstören

„Normal is not something to aspire to, it’s something to get away from.” Normal ist nicht etwas, was man anstreben sollte, sondern etwas, von dem man möglichst Abstand nehmen sollte. Soll Jodie Foster gesagt haben. Man könnte fast annehmen, sie hätte die Wahlplakate jener Partei gekannt, auf denen vor Jahr und Tag stand: „Deutschland – aber normal“.

Die „normalen“ Freunde dieser Partei sagen gerne: „Wenn der Faschismus wieder kommt, wird er nicht sagen: ich bin der Faschismus, sondern er wird sagen: ich bin der Antifaschismus.“ Was ist das? Eine absurde Verkehrung der Tatsachen, die Demokraten als Faschisten brandmarkt. Denn die Grundlage jeder Demokratie, insbesondere der deutschen, kann nur der konsequente Antifaschismus sein. Sonst hat sie keinerlei Legitimation. Das wussten die Väter des Grundgesetzes.

Weiterlesen

avatar

Fastenbrechen im Bundestag – Replik auf die Kritik

Gastautor und Jurist Waqar Tariq. Foto: privat

Am 16. März lud die Grünen-Fraktion, auf Initiative und unter Federführung ihrer religionspolitischen Sprecherin Lamya Kaddor, zu einem Iftar-Empfang ein, dem ersten in der Geschichte des deutschen Parlaments. Auf die Kritik daran auch unserer Autorin Canan Topcu antwortet als Gastautor Waqar Tariq als Vertreter des Liberal-Islamischen Bundes.

Als Vorstandsmitglied unserer Organisation habe ich an dem Iftar-Empfang teilgenommen, zu dem Muslime und Menschen anderer Religionen sowie Nicht-Religiöse eingeladen waren. Veranstaltungsort war das Foyer im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Weiterlesen

avatar

Könnte Pistorius die SPD retten?

Könnte er die SPD retten? Verteidigungsminister Boris Pistorus. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Über Jahrzehnte haben sich viele an den Sozialdemokraten abgearbeitet. Aber die wollten nicht hören, wechselten ständig erfolglos ihre Führung und machten ihr Programm immer linksgrüner, fern ihrer einstigen Wählerschaft. Die Dauer- wurde zur Existenzkrise. Ist jetzt, nach den Wahldebakeln in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, ihr Ende nahe?

1972 habe ich für Willy Brandt Wahlkampf gemacht: „Willy wählen!“ Aus vollstem Herzen, wie viele. Als Nicht-Juso. Da war die SPD auf der Höhe der Zeit, die an Mitgliedern (eine Millon!) und Wählerstimmen stärkste Partei. Die geistig führende, fortschrittliche Kraft in der (linken) Mitte der Gesellschaft. Sie wusste, was sie wollte. Die Mehrheit der Bürger wusste es auch und fand es gut. Weiterlesen

avatar

90 Prozent für die Anti-Israel-Koalition

Kann sich über den Wahlerfolg nicht wirklich freuen: CDU-Chef und Kanzler Friedrich Merz. Foto: Wikipedia CC BY 2.0

Bei der Wahl in Rheinland-Pfalz gibt es nur eine echte Gewinnerin: die AfD. Die CDU erobert das Land nur deshalb nach 35 Jahren zurück, weil die SPD eine weiteres Debakel erlebt. In einem sind aber fast alle Parteien einig: in der Weigerung, die Militäroperation gegen das iranische Terrorregime zu unterstützen.

Wieder ein Wahlabend mit vielen langen Gesichtern und hilflosen Versuchen der Parteimatadore, sich ihre Niederlagen und im Fall der CDU ihren Erfolg schön zu reden. Die SPD erleidet eine Woche nach ihrem Fast-Rauswurf in Baden-Württemberg das nächste historische Desaster. Die CDU erzielt ihr zweischlechtestes Ergebnis. Die Grünen fliegen aus der Regierung, die FDP aus dem Landtag, die Linke kommt nicht hinein. Jubeln kann nur die AfD, die ihren Stimmenanteil mehr als verdoppelt und ihr bestes Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland erreicht. Weiterlesen

avatar

Die Würste des Menschen sind unantastbar

 

Würste: Bild von jarmoluk auf Pixabay
Zu zwei Ausstellungen in Oldenburg und Aschaffenburg und zum Manierismus des Berliner Malers Johannes Grützke

„Kunst ist nicht modern, sondern immer!“, lautete das trotzige Motto des Johannes Grützke. Das Pathos der Moderne war stets noch der Opposition gegen das Jüngstvergangene abgerungen – so reagierte die Neue Sachlichkeit auf den Pomp des späten Kaiserreichs, der Futurismus gegen die inventarisierende Apotheose der Kunst in den Museen schlechthin. Grützke dagegen beharrte auf der überzeitlichen Gültigkeit künstlerischer Formgebung.

Weiterlesen

avatar

Lola versus Viktor von Schmuddelwitz

Bild von Chat-GTP KI- generiert nach Anweisungen von A.P. und Perplexity

Eine einfache Geschichte. Ein junger Mann, sexuell unerfahren, will endlich seine Unschuld verlieren („Unschuld“ ist ein relativer Begriff, schon klar) und gerät in eine schäbige Bar, wo man zu exorbitanten Preisen warmen Sekt verkauft und die Mädchen darauf warten, abgeschleppt zu werden. Und er wird abgeschleppt. Von Lola. Doch wie es sich herausstellt, ist Lola ein Mann.

Weiterlesen

avatar

„Ich freue mich sehr auf spannende Gäste“. Das ultimative Talkshow-Massaker

Fünf Alkoholiker aus sieben Ländern diskutieren die aktuelle Weltlage. Erinnern Sie sich noch? Von 1952 bis 1987 lief jeden Sonntag „Der internationale Frühschoppen“ im WDR unter der Leitung des Schankwirts Werner Höfer. Dazu rauchte und trank man, bis der Fernsehzuschauer nichts mehr sah und kein Wort mehr verstand.

Ich saß mit meinem Großvater vor dem Fernseher. Der rauchte abgeschnittene Senoussi-Zigaretten in einer silbernen Zigarettenspitze, meine Großmutter trank dazu Stonsdorfer Kräuterschnaps. Aufhören wollte Höfer nach eigener Aussage erst, „wenn ich mit dem Glase in der Hand tot umfalle“. Na, denn Prost. Anschnallen!

Weiterlesen

avatar

Merz auf Abwegen: Härte gegen Russland, Appeasement gegenüber den Mullahs

Autor Ali Ertran Toprak, Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde in Deutschland

Die deutsche Iran-Politik ist eine Katastrophe.
 Kaum geht es um das fürchterliche iranische Regime, entdeckt die Bundesregierung und ein erheblicher Teil der Öffentlichkeit plötzlich ihre Liebe zur Diplomatie. Gespräche! Verhandlungen! Deeskalation um jeden Preis! Krieg sei schließlich keine Lösung.


Dieselben Stimmen hatten im Fall Russlands bemerkenswert weniger Geduld mit genau diesen Argumenten.
Dort hieß es: Verhandeln? Naiv. Diplomatie? Illusion. Ein Regime, das nur Stärke versteht, könne man nicht mit guten Worten beeindrucken. Wirtschaftliche Schäden? Bedauerlich, aber eben der Preis für Freiheit und Prinzipien. Weiterlesen

avatar

Ist der Osten „zu rechts“? Und wenn ja, warum ?

Und: Wer machte eigentlich in den Westen aus der DDR?

Liegt es nicht auf der Hand, warum im Osten Deutschlands nach 40 Jahren DDR-Diktatur das Wort LINKS nicht für Freiheit und Fortschritt steht? Sondern dass eher die „andere Hälfte“ des in den linken und rechten Teil zerschnittenen Gemeinwesens für Freiheit und Fortschritt stünde?

Und dann gar noch das Wort „Sozialismus“!

Vaclav Havel 2009 (aus Wikipedia)

„Seltsame Schicksale können Worte haben!“ schrieb Vaclav Havel im Frühjahr 1989 Weiterlesen

avatar

Die Nashörner kommen – Menetekel einer rechtskonservativen Radikalisierung in vier Szenen

Bild von butti_s auf Pixabay

Vor zehn Jahren beschrieb der Publizist Andreas Püttmann in diesem Blog, wie rechte Scharfmacher einst liberale oder moderat-konservative Gruppierungen zum Kippen brachten und sich Ressentiments, Fanatismus und Aggressivität ins ehedem staatstragende Bürgertum frästen. Diese Entwicklung hat sich fortgesetzt. Wir veröffentlichen deshalb seine Analyse erneut.

Eugène Ionescos Novelle und Theaterstück „Rhinocéros“ beschreibt die fortschreitende Verwandlung einer ganzen Stadt in eine Herde von Nashörnern. Im zweiten Akt entdeckt der Protagonist Behringer bei seinem erkrankten Freund Hans, der prototypisch für die untere Mittelschicht steht, eine Beule am Kopf; später wird dessen Haut grün. Als er den Arzt rufen möchte, hindert ihn Hans daran, denn der fühlt sich gut – und erklärt, dass er die Schwäche der Menschen verabscheue und das Recht der Natur über die menschliche Moral stelle. Weiterlesen

avatar

Kann Bob Dylan singen?

Foto: Rowland Scherman National Archives / Public Domain

Kann Bob Dylan singen? Die Frage mag so altmodisch und irrelevant erscheinen wie die Frage, wer besser sei, die Beatles oder die die Stones, aber sie ist eben erst wieder, und zwar hier auf „Starke Meinungen“ aufgeworfen worden. In einem Stück, das eigentlich Ray Davies gewidmet ist, aber lauter Seitenhiebe gegen Bob Dylan enthält, schreibt Wolfgang Schäfer: „Kommen wir zu den Unterschieden. Ray Davies kann singen – daran besteht kein Zweifel. Dagegen an Bob Dylans Sangeskünsten nicht zu zweifeln, würde ein gewisses Maß an Großzügigkeit verlangen. Seine Stimme ist nasal, oft krächzend, und sein Tonumfang bleibt überschaubar. Dem Irrtum mit einem Crooner verwechselt zu werden, setzt Dylan sich zu keiner Zeit aus.“

Weiterlesen

Scroll To Top