Die vergessene deutsche Band Rizinus muss endlich gewürdigt werden. Wie? Sie haben den Namen nie gehört? Dabei waren die Musiker absolut richtungsweisend in den frühen 70er-Jahren. Woher ich das weiß und warum es von dieser Band nur Zeichnungen, aber keine Fotos gibt?
Ganz einfach: Ich habe sie selbst erfunden, etwa 1971. Da nämlich machte ich mir als 15jähriger Rockfan die Welt gerade so wie sie mir gefiel und zeichnete Plattencovers imaginierter Bands, erfand Songtitel und Bandbesetzungen und brachte diese wunderlichen Kapellen dann auf die Bühne meiner lautstarken Fantasie.
In meiner Geschichte geht es um eine Migranten-Fanatikerin, die ich Maike nenne. So eine Erzählung hätte ich als Autorin selbst nicht erfinden können. Es ist eine wahre Begebenheit und bildet die tagtägliche Unterwanderung unserer Werte und Kultur ab.
Maike hat in ihrem jungen Leben bereits viel erreicht. Seit Kurzem leitet sie eine bedeutende Kultureinrichtung der Stadt. Ihr Beruf ist gleichzeitig ihre Berufung. Er bietet ihr ein starkes Netzwerk, um ihr ehrenamtliches Engagement auszubauen. Sie organisierte mehrere Veranstaltungen gegen Rassismus und Islamophobie; zudem nahm sie zweimal an Demonstrationen gegen rechts teil. Ihre Schulkameradin Katja leitet eine große Autowerkstatt, die sie von einem Onkel mütterlicherseits geerbt hat. Weiterlesen
Das Leitungsorgan der anglikanischen Kirche hat dafür gestimmt, Kirchen in ganz England zu ermutigen, sich mit einem von palästinensischen Christen verfassten Dokument auseinanderzusetzen, das Israel des Völkermords bezichtigt, obwohl jüdische Organisationen und der britische Oberrabbiner darum gebeten hatten, es abzulehnen. Ein Ausbund an Heuchelei.
Das Dokument trägt den Titel „Moment of Truth: Faith in a Time of Genocide“ und ist auch als ‚Kairos II‘ bekannt, benannt nach der palästinensisch-christlichen Bewegung „Kairos Palestine“, die es verfasst hat. Es beschreibt Israels Militäroperation im Gazastreifen als „Völkermord“, bezeichnet Israel als „auf Rassismus aufgebautes Kolonialunternehmen“ und führt aus, dass jahrzehntelange „Besatzung“, „Apartheid“ und „Siedlerkolonialismus“ den Kern des israelisch-palästinensischen Konflikts bildeten. Weiterlesen
Rothenburg ob der Tauber ist eine Stadt, über die viel geschrieben worden ist: „Eine Stadt, deren Gesicht auf eine Postkarte gepresst wurde“, so Hans Dieter Schmidt in seinem sehr lesenswerten Taubertal-Buch „Melusine und schwarze Wasser“. Oder der bedeutende Kunsthistoriker Georg Dehio: Die Stadt sei „als Ganzes ein Denkmal“, schreibt er. Und Herbert Schindler in seinem Buch über die Romantische Straße, an der Rothenburg liegt: Man fände hier „reines, großes Mittelalter“. Oder, noch besser, Rothenburg, das sei schlichtweg die „Lieblingsstadt der Welt“.
Rücktritt nach 48 Stunden: Ex-Unionsfraktionschef Jens Spahn. Foto: Bundestag
Mit seinem schnellen Rücktritt erspart Spahn der CDU, dem Land und sich selbst einen quälenden Streit über Doppelmoral. Für Merz und die Partei ist es eine Befreiung.
Jens Spahn hat sich entschieden: für seinen kleinen Sohn und seine Familie – gegen sein mächtiges Amt als Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, Nummer zwei in der CDU und potenzieller Kanzlerkandidat. Das verdient Respekt. Nicht jedoch seine Entscheidung, sich mit seinem Mann den – verständlichen – Kinderwunsch durch eine Leihmutter in den USA zu erfüllen. Weiterlesen
Ein Kinderwunsch kann auch bei Männern die politische Karriere beenden. Bild von dsaiko auf Pixabay
Als Bundeskanzler und Vater Friedrich Merz dem Unions-Fraktionsvorsitzenden zu dessen überraschender Elternschaft durch eine Leihmutter aus den USA gratulierte, wird er das nicht aus Freude über den Verlust seines gefährlichsten und härtesten Konkurrenten in der eigenen Partei getan haben; so tickt Merz nicht.
Aber so tickt Politik. Eben noch, während der Verabschiedung der Reformvorhaben der schwarz-roten Koalition, wurde Spahn als der eigentlich starke Mann der CDU durch die Medien gereicht. Allenfalls der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst erschien als möglicher Konkurrent für eine mögliche Nachfolge von Merz. Damit ist es nun ein für alle Mal vorbei. Weiterlesen
Wer kennt jemanden, der die Frage, ob er ein Antisemit sei, mit einem lässigen Ja beantwortet? Oder der es einfach so artikuliert – wie als sei er eben Fan von z. B. der Borussia (es gibt nur eine)? Ich niemanden. Dennoch widerfährt mir regemäßig, dass zu obskursten Gelegenheiten über Juden gesprochen wird – über wen denn sonst. Und mit denen spricht man doch einfach nicht, also bitte! (Immerhin wird zu 99,9 % der Plural benützt. DER Jude ist quasi nie mehr Thema, wenn dann gleich alle, obschon der Jude gemein(t) ist.)
O, eine Eilmeldung: Der Antisemitismus steigt an – so ein Mist! Meiner Treu, wie groß ist die Empörung. Ich denke dann ad hoc: Er steigt nicht an, er bricht einfach aus, weil er immer da ist – und immer da sein wird. Weiterlesen
In erhaben-elitärer Vornehmtuerei besamt und bepflanzt sich der Intellektuelle mit all den anderen in deren wohl temper- und finanziertem Gewäsch-, Pardon, Gewächshaus, in dem dann distinktionsgesättigt »das Phantasma aufblühen darf, daß es doch die Hermeneutiker wären und nicht die Ingenieure, die in letzter Instanz Geschichte machen«, verstehe ich Sloterdijk in »Die Sonne und der Tod« richtig. Wie etwa Jean Améry einen Intellektuellen verstanden wissen möchte, beweist, dass ich evident keiner bin – fürderhin auch keiner sein will oder es einen schönen Tages werde(n wollte): »Der physikalische Vorgang, der zu einem Kurzschluß führt, interessiert ihn nicht; über den Dichter derhöfischen Dorfpoesie Neidhart von Reuenthal aber weiß er Bescheid.« Weiterlesen
Als Gesundheitsminister noch gegen Leithmutterschaft: der CDU-Politiker Jens Spahn. Foto: Wikimedia
Dass der Unionsfraktionschef eine Leihmutter für seinen Kinderwunsch nutzte, steht im klaren Widerspruch zu den Werten und dem Programm der CDU. Er ist schon lange eine Belastung für Kanzler Merz. Mehrere Skandale hat er ausgesessen, dieser ist einer zuviel.
Das „C“ der Unionsparteien entfaltet in Programmen und Reden ihrer Gründer, besonders Konrad Adenauers, vier Dimensionen. Neben der ökumenischen eine nach der Nazi-Barbarei und im Angesicht kommunistischer Bedrohung anti-totalitäre und eine Milieugrenzen überschreitende sozial-integrative; vor allem aber sticht der Anspruch hervor, Politik nicht mehr nur aus Interessen heraus zu entwickeln und zu begründen, sondern wertorientiert auf christlichem Fundament zu betreiben. Weiterlesen
Illustration: Gemini nach Prompts von Amy Winehouse
Ich liebe Cover-Versionen. Daran erkennt man erst, wie gut ein Sänger, eine Sängerin oder eine Band ist. Manche Cover-Versionen sind besser als das Original: man denke etwa an Ray Charles‘ Version von Eddy Arnolds Song „You Don’t Know Me“, die einfach Maßstäbe gesetzt hat. Maßstäbe, an denen man so herzzerbrechend schön (und gewollt) scheitern kann wie Meryl Streep in „Postcards from the Edge“, dass man den Film immer wieder sehen will, nur um ihre Version zu hören.
Völkermord-Gedenkstätte in Potočari in der Nähe von Srebrenica. Bild: Wikimedia
Wie Islamisten versuchen, das Erinnern an den Völkermord für ihre Zwecke zu nutzen
Zum 11. Juli hat es wieder viele Gedenkveranstaltungen gegeben zu dem Massaker an 8000 muslimischen Jungen und Männer vor 31 Jahren in Sebrenica, das seit 1992 von der UNO als Schutzzone eingerichtet war, die aber wegen der Blockade Russlands und Chinas den niederländischen Blauhelmsoldaten kein robustes Mandat gegeben hatte. Meist wird beim Erinnern diese Tatsache unterschlagen und nur allgemein von Hass geredet, den es nicht mehr geben dürfe.
Ich verstehe die Gefühle der Überlebenden, der Witwen von Sebrenica und deren Kindern, Freunden und Nachbarn. Im vergangenen Jahr war ich bei einer Gedenkfeier von Bosnierinnen in Berlin und bei einem Hearing im Bundestag mit den zwei Abgeordneten, die als Kinder aus Bosnien nach Deutschland geflohen sind, Adis Ahmetovic und Boris Mijatovic. Die anschließende Zeremonie vor dem Brandenburger Tor war sehr bewegend. Doch dann sah ich, dass sich an das Gedenken junge Männer anhefteten, die das Gedenken ideologisch für den radikalen Islam ausnutzen wollten. Einige fragten mich, ob denn nicht dasselbe jetzt in Gaza passiere. Weiterlesen