
Hermann, du menschliches Strandgut aus Empathie, du Grenzenloser, jetzt bist du tot. Ein Klischee: Mit 50 stirbt man nicht. Eine Freundin erzählte heute, dass die Mortalitätsrate wegen Herzinfarkt bei Männern zwischen 50–55 ziemlich hoch sei. Das ist egal. Es geht um Hermann.
Hermann ist ein Mensch, dem ich ohne einen Krieg wahrscheinlich nie begegnet wäre. Die Schönheit der Tragik in der Tragik und das Entdecken vom unmittelbaren, berührenden, menschlichen – das Verwüstung, Terror und Sadismus hervorbringt. Brauchen wir das Böse, um das Gute hervorzubringen? Es ist obszön, allein der Gedanke. Können wir nicht im Guten gut sein? Hermann kann, Hermann konnte. Der österreichische Bube, der beim Sacher seine Ausbildung gemacht hat, der schlüpfrige Anekdoten von Eliette von Karajan zum Besten gab, respektlos, mit sichtlichem Vergnügen.
Nie in meinem Leben wollte ich nach Chișinău. Der Name hört sich an wie ein koreanisches Rezept. Es ist die Hauptstadt von Moldawien. Ich wusste das nicht. Und Herrmann, der Unbekannte, stand in Chișinău. Er fand es okay, dass ich da war, aber eigentlich war es auch egal. Das Wichtige war die Ukraine und Ukrainerinnen, die zu Hunderttausenden im Februar in dieses bizarre Land zwischen Ukraine und Europa kamen.



