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Das Jagger-Richards-Songbuch (3): Paint It, Black

Man stelle sich eine Sitzung der Marketing-Leute bei Decca Mitte der 1960er Jahre, als es um die neuen Singles geht. „Und hier haben wir einen Song der Rolling Stones. Es geht um eine durch den plötzlichen Tod einer geliebten Frau hervorgerufene tiefe Depression.“ Nicht gerade der Stoff, aus dem  die kommerziellen Erfolge sind.

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Das Jagger-Richards-Songbuch (2): Far Away Eyes

Zum 60. Bühnenjubiläum der Rolling Stones ist ein ganz schönes Tribute-Album erschienen, „Stoned Cold Country“. Wie der Titel andeutet, sind die Interpreten sämtlich Country-Musiker. Mir fiel auf, wie originalgetreu sie die Stücke gecovert haben, die – außer „Honky Tonk Women“ und „Dead Flowers“, zwei Stücke übrigens, die auch ich mit meiner Band singe – nicht zum eigentlichen Country-Repertoire der Stones gehören. Das ist durchaus ansehnlich, man denke etwa an „High And Dry“, „Dear Doctor“, „Prodigal Son“ und überhaupt viele Stücke des Albums „Beggars Banquet“, an „Sweet Virginia“ und „All Down The Line“, an ihr Cover von Waylon Jennings‘ „Bob Wills Is Still The King“, und natürlich an dieses wunderschöne Stück: „Far Away Eyes“.

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Das Jagger-Richards-Songbuch (1): No Expectations

Als Songwriter werden Mick Jagger und Keith Richards oft unterschätzt. Das ist ein Fehler. Ihre Songs sind vielleicht nicht immer so sorgfältig gebaut wie die von John Lennon und Paul McCartney. Jagger und Richards lassen zum Beispiel oft die „middle eight“ weg, den manche „bridge“ nennen, und den die Beatles meisterhaft einsetzten, man denke an Lennons „Life is very short …“-Einschub bei „We Can Work It Out“. Jagger und Richards begnügen sich meistens mit Strophe und Refrain. In diesem Lied verzichten sie sogar auf einen Refrain.

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Die unvermeidliche Aktualität von „Sexy Sadie“

Bekanntlich bezieht sich dieser von John Lennon komponierte Song der Beatles auf den Guru Maharishi Mahesh Yogi, der einige seiner Adeptinnen, ähm, sexualisiert belästigt haben soll. Das Geschlecht des Hochstaplers wurde im Lied zu Tarnzwecken – und gemeinerweise – verändert. Denkt man einen „er“, wo bei den Beatles eine „sie“ steht, könnte der Song direkt auf einen prominenten, ähm, Religionsfunktionär unserer Tage passen.

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Liebe Mitglieder der UpJ, wieso werde ich in eurem Namen als Antisemit beschimpft?

Sehr geehrte Frau Schames, sehr geehrte Frau Khariakova,

Die UpJ trifft sich an diesem Wochenende in Berlin. Die aktuellen Ereignisse kommentiere ich hier nicht, das tun andere zur Genüge. Mich bewegt folgendes: Nach wie vor hat der Vorstand die am 30. Mai dieses Jahres von Ihnen, Frau Schames und Frau Khariakova, öffentlich gegen mich erhobenen Vorwürfe nicht zurückgenommen. Die Presseerklärung ist hier nachzulesen:

https://www.compass-infodienst.de/Juedische-Welt.19242.0.html

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Rezension zu: Shulamit Volkov, Deutschland aus jüdischer Sicht.

Die Historikerin Shulamit Volkov, eine Expertin für die Geschichte der Juden und des Antisemitismus in den verschiedenen deutschen Gesellschaften des 18., 19. und 20. Jahrhunderts, legt eine in Zukunft sicher weit diskutierte neue Arbeit vor. Sie blickt auf die deutschen Gesellschaften seit den Tagen des deutsch-jüdischen Philosophen Moses Mendelsohn bis in die Zeit nach der Shoah. Das Buch („Deutschland aus jüdischer Sicht“) legt das lange Zeit für die Geschichtswissenschaften der Bundesrepublik gültige Paradigma eines „Deutschen Sonderwegs“ beiseite, ohne die gegen die Moderne gerichteten Entwicklungen und Tendenzen der deutschen Gesellschaften seit dem 18. Jahrhundert aus dem Blick zu verlieren. Im Gegenteil, sie arbeitet sie stärker heraus. Ihre Kritik des Sonderweg-Paradigmas besteht vor allem darin, dass seine Vertreter in der deutschen Sozialgeschichte, zwar die Entwicklung der demokratischen Institutionen und Ideen verfolgen, aber nicht die Geschichte der deutschen Juden und der deutschen antisemitischen Obsessionen. Weiterlesen

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Auf der Jagd nach den acht fehlenden Leben

Der gestiefelte Kater war einmal ein furchtloser Held, ein feliner Zorro, Rächer der Enterbten, nur lustiger. Doch nun ist er selbst ein Gejagter: Hinter ihm ist der Tod her, Mönchskutte, rote Augen, Wolfsgrinsen, Sichel, und der Kater hat schon acht seiner neun Leben aufgebraucht. Zunächst versteckt er sich in Mama Lunas Katzenpension, wo er seinem Ende entgegendämmert. Doch auch für den Entstiefelten gibt es keine Ruhe.

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„Du fehlst“ – Eva Quistorp schreibt an ihre verstorbene Freundin Petra Kelly

Eva Quistorp gehörte gemeinsam mit Petra Kelly zu den Gründern und Gründerinnen der Grünen. In einem Brief an ihre verstorbene Mitstreiterin und gute Freundin bringt sie zum Ausdruck, wie sehr ihr diese aktuell fehlt.

Liebe Petra,

Du fehlst nicht nur mir sehr, du fehlst vielen in diesem Lande und weltweit, gerade jetzt wo Putins Mafia und Machtapparat einen brutalen Krieg gegen die Ukraine und auch gegen Europas Demokratien führt und seine zynische Staatspropaganda auch in Afrika und Nicaragua verbreitet. Gerade jetzt, wo Putin es wagt, trotz aller Uno und OSZE Verträge und des Budapester Abkommens, mit Atomwaffeneinsatz zu drohen und Europa zu erpressen. Weiterlesen

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Annalena Baerbock: „Und es obliegt meinem Land…“

Foto Credit: IMAGO / photothek

Einige Überlegungen dazu, was Annalena Baerbock in einer politisch bahnbrechenden Rede vor Studenten der berühmten „New School for Social Research“ in New York am 2. August 2022 sagte und was sie leider nicht sagte. Eine „Zeitenwende“ für eine Revitalisierung der Demokratien nach dem Ende des Kalten Krieges?

Seitdem das russische Militär nicht nur die Krim besetzt hält, Russland sich den Osten der Ukraine mittels Söldnern angeeignet hat und nun auch noch einen unprovozierten und völkerrechtswidrigen Krieg zur Vernichtung der Ukraine führt, sind es vor allem grüne Minister:innen der neuen Bundesregierung, die durch ihr Handeln zeigen, dass die Bundesrepublik die Ukraine wirklich unterstützt. Ob dies beim Bundeskanzler und den sozialdemokratischen Ministern der Fall ist, bleibt vorerst ungewiss. Weiterlesen

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Besteht der „globale Süden“ nur aus Judenhassern?

Dieser Tage bekam ich eine Mail vom Goethe-Institut Hamburg, in der ein Kongress angekündigt wurde. Es geht um den 30. Jahrestag des Brandanschlags in Mölln und des „größten und fast vergessenen rassistischen Pogroms der deutschen Nachkriegsgeschichte in Rostock-Lichtenhagen“.

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Die Waffen nieder? – Der Streit um das Erbe der Friedensbewegungen der 80er Jahre in einem von Putins Angriffskrieg bedrohten Europa

Die Waffen nieder? – Der Streit um das Erbe der Friedensbewegungen der 80er Jahre in einem von Putins Angriffskrieg bedrohten Europa

  • Als Mitgründerin der Grünen und Mitorganisatorin der großen Bonner und europäischen Friedensdemonstrationen zwischen 1981-1984 möchte ich erklären, warum die meisten Grünen und SPD-Politikerinnen heute für Waffenlieferungen an die Ukraine sind und die Ostermarsch-Marschierer dagegen.

Mit Olaf Scholz und Gerhard Schröder habe ich im Koordinierungsausschuss der Friedensbewegung gesessen, gegen den Nato Doppelbeschluss breite Bündnisse geschlossen mit DGB- und Kirchenvertretern, vielen SPD Frauen und Grünen. An die großen Friedensdemonstrationen im Hofgarten am 10. Juni vor 40 Jahren und die Menschenketten erinnern sich zwei Generationen von Journalisten, Politikerinnen und Aktivistinnen. Heute ist Scholz der Kanzler, der die wichtige Rede zur Zeitenwende gehalten hat ,dem aber Zögerlichkeit vorgeworfen wird, die er Besonnenheit nennt. Schröder ist Nordstream-Agent, tritt gerade bei Androhung von Sanktionen von seinem Rosneft Job zurück. Weiterlesen

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