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Jacques Brel: Notizen zu einer gescheiterten Annäherung

Bild von ChatGTP nach Angaben von AP erstellt.

Also, ich hab’s versucht. Ulf Kubanke hatte mich mit seinem Text über Jacques Brel ein wenig beschämt. Denn ich konnte noch nie mit französischen Chansonniers etwas anfangen, und vielleicht lag das an musikalischer und sprachlicher Faulheit meinerseits. Also habe ich, weil Ulf das empfahl, mir das Live-Album „Olympia 61“ angetan. Es war, das muss ich zugeben, eher Arbeit als Vergnügen, und um mich zu erholen, musste ich mir anschließend das Live-Konzert von Judy Garland im Manhattan Center (1962) anhören.

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There are places I’ll remember… (4): Hotel California

Illustration: Von Perplexity KI-generiert nach Anweisungen von Alan Posener

Ein Klassiker. Und wenn Jeff Bridges als der Dude in „The Big Lebowski“ sagt: „I hate the goddam fucking Eagles, man!“ – und daraufhin vom schwarzen Taxifahrer rausgeschmissen wird –, so läuft im selben Film in der großartigen Bowling-Szene mit John Turturro „Hotel California“. Allerdings in der Fassung der Gypsy Kings. Die ihrerseits nur beweisen, dass eigentlich nur die Eagles den Song spielen und singen können.

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Aus meinem Songbuch (7): Marathon Man

Bild: KI-generiert von A.P. mit Perplexity

Diesen Song gibt es, so weit ich sehe, nur in Gestalt eines Videos in ziemlich schlechter Qualität auf Klaus Kluges YouTube-Kanal. Schade eigentlich, denn er ist alles in allem nicht schlecht.

Als Klaus seine Song-Idee (den ganzen Text findet man unten) 1985 zu mir brachte, wusste er nur eins: der Refrain sollte „Running, running running …“ lauten. Ich weiß nicht mehr, warum. Daraus machte ich dann den „Marathon Man“. Den Film mit Dustin Hoffman und Laurence Olivier habe ich immer gemocht. Und da ist tatsächlich ein wenig von mir in den ersten beiden Zeilen, die ich immer noch gelungen finde:

Take a look at the marathon man, that’s me / Running away from every problem you can see

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Aus meinem Songbuch (6): Back on the Road / Rehbraune Augen

Regio TV, Screenshot: Alan Posener

Diesen Song habe ich 1987 mit Klaus Kluge geschrieben. In der Begleitung ist der Einfluss von Stings „Every Breath You Take“ (1983) unüberhörbar, fast schon aufdringlich; doch die Melodie von Klaus Kluge und seine beiden Soli finde ich immer noch schön. Das Double-Tracking auf der Stimme klingt heute etwas altmodisch, stört aber nicht; für mich waren Songs wie dieser, die wir in der Spätphase der „Berlin Blues Band“ aufnahmen, auch deshalb schön, weil ich nicht mit einer Fake-Blues-Stimme, sondern einfach mit meiner Stimme singen konnte.

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Jana Hensel, die AfD und die späte Rache des Ostens

Illustration „Der deutsche Umbruch“ von Reinhard W. Buchta. Foto: Alan Posener

Kann es sein, dass die AfD die späte Rache des Ostens ist? Die Quittung für unerwiderte Liebe? Die These vertritt der Ex-IM und Verleger Holger Friedrich in einem lesenswerten Interview in der WELT: „Es geht um Respekt und Würde. Wenn der Bundespräsident einmal sagen würde, dass vieles falsch gelaufen ist in der Nachwendezeit und dass man viele Ostdeutsche ungerecht behandelt hat, auch Funktionsträger, die beim Zusammenschluss positiv gewirkt haben – wenn er das öffentlich anerkennen würde, würde das wahrscheinlich mehr zur Eindämmung der AfD beitragen als alles andere.“

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„She Loves You“: Stolz und Vorurteil

Cover der deutschen Single. Foto: Alan Posener

„She Loves You“ ist ein perfekter Popsong. Als er herauskam, im Spätsommer 1963, fand ich ihn allerdings albern. Ich stand damals auf amerikanische Musik, auf die Everly Brothers, Rickie Nelson, Neil Sedaka, Del Shannon, den göttlichen Ronnie Self, Little Eva, Ben E. King und Ray Charles; und die schlichte, im Vergleich zu den US-Nummern fast punkige Produktion, die schrägen Harmonien und die schiere Banalität des Refrains – „Yeah, yeah, yeah!“ – törnten mich ebenso ab wie die Tatsache, dass alle Mädchen meines Alters auf das Quartett standen. Ich hielt die Beatles für eine vorübergehende Modeerscheinung.

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Der Film-Club (1) Night Moves: Halb Hollywood einen geblasen

Filmposter von 1975. Wikipedia / Warner Bros. / Public Domain

Eine Freundin empfahl mir David Gilmours Buch „The Film Club“. Der Plot ist, kurz gesagt: ein Vater erlaubt seinem Sohn, die Schule zu schmeißen, einzige Bedingung: sie müssen zusammen zwei Filme die Woche schauen. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Familienroman und fortlaufender Filmkritik.

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There are places I’ll remember … (3). Bruce Springsteen, der Rostgürtel und die Straßen von Minneapolis

Bruce Springsteen erhält von Präsident Barack Obama die Freiheitsmedaille. Foto: Pete Souza, Public Domain

Zu den vielen Vorwürfen, die gegen die so genannte Elite – gemeint ist die akademisch gebildete Mittelschicht, die seit der Bildungsexplosion der 1960er Jahre in den Medien und Erziehungsinstitutionen, den Parlamenten und dem Staatsapparat tonangebend ist – vorgebracht werden, gehört die Behauptung, sie habe nie die Sorgen und Wünsche derjenigen ernst genommen, die sie sozial zurückgelassen haben. Das räche sich nun im Aufstieg der Populisten.

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Wie der Faschismus entsteht

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler.

Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.

Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

– Martin Niemöller

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Paul McCartneys gut gebaute Songs (1): Honey Pie

McCartney arbeitet an "Honey Pie". Foto von Linda McCartney

McCartney bei der Arbeit an „Honey Pie“. Foto: Linda McCartney

Innerhalb der Beatles galt John Lennon den Fans als der Intellektuelle und zugleich als der Revolutionär und Rocker. Paul McCartney hingegen als der gefällige, kommerziell ausgerichtete, melodieselige, reizende und musikalisch begabte, aber vielleicht etwas spießige Gegenpol. In gewisser Weise wurde so der Gegensatz Rolling Stones – Beatles innerhalb der Fab Four wiederholt. Und wie der Gegensatz zwischen den beiden Gruppen, so ist der Gegensatz zwischen Lennon und McCartney weitestgehend ein mediales Konstrukt; ein Konstrukt, zu dem ich mit meinem Buch über Lennon (erschienen 1987) meinen kleinen Teil beigetragen habe. Leider.

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Das Wunder Strom

Foto: Alan Posener

Heute früh erlebte ich ein kleines Wunder. Der Wecker klingelte, ich knipste die Lampe am Bett an – und es ward Licht. Danach ein zweites Wunder: warm duschen. Seit Samstag schlichen wir uns mit Taschenlampen durch ein dunkles, langsam aber sicher auskühlendes Haus. Immer die bange Frage im Hinterkopf: Kommt der Strom wieder, bevor die Rohre einfrieren? Nun brummt die Erdwärmepumpe wieder, es wird langsam wieder wärmer. Man kann Tee kochen. Die Waschmaschine anschmeißen. Das Handy laden. WLAN funktioniert. Lauter Wunder.

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