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Trinität und Pietät

Die Dreifaltigkeit mit der Weltkugel – Gott Vater, der Sohn Jesus Christus, über ihnen schwebend der Hl Geist. Ikone von Elias Moskos oder Michail Damaskinos, 16. Jh. Quelle: Wikimedia

Vorbemerkung: „Werter Hr. Rothschild, wie kriegt man es als Rabbi hin, die Vorahnungen in der Tora über die Trinität des Herrn abzulehnen, Gen 1,1-3, Gen 1,26, aber an des ‚Herrn‘ Stimme aus einem ‚brennenden Dornbusch‘ zu glauben?“ So hat ein Leser auf meinen ersten Beitrag zu Ostern und Pessach gefragt. Hier die Antwort des Rabbiners.

Was ist der Unterschied zwischen Trinität und Pietät?

Die Trinitätslehre ist besonders wichtig für Christen, die Gott und den Sohn Gottes theologisch gesehen auf einer Stufe stehen sehen wollen und den „Heiligen Geist“, der beispielsweise die Jünger an Pfingstern inspirierte, als Teil Gottes – etwa als Gottes Stimme – oder als eigenständiges Wesen innerhalb der Gottheit charakterisieren. Aber wie soll ein Jude das verstehen? Weiterlesen

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Frohe Ostern??

Kreuzigung, Gemälde von Antonello da Messina, 1475, Königliches Museum Antwerpen. aus Wikimedia

Diese Woche finden sowohl das Pessachfest der Juden als auch das Osterfest der Christen statt. Beide bilden heute in weiten Teilen Europas religiöse Minderheiten. Doch bevor sie gänzlich verschwinden, lohnt es sich, einen Blick auf diese Frühlingsfeste zu werfen.

Pessach hatte und hat mehrere Bedeutungsebenen. Auf einer grundlegenden Ebene ist es eine Art, den Frühling zu feiern – die Wiedergeburt der Erde nach den Strapazen des Winters, das Erscheinen neuer grüner Triebe aus dem Boden, die Geburt einer neuen Tiergeneration, eine Gelegenheit, aufzuräumen und neu anzufangen. Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen – all das ist Teil eines Kreislaufs, wird aber dennoch geschätzt. Weiterlesen

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Rabbinergeschichten: Der moderne Hethiter

Liberaler Rabbi, Schriftsteller, Liedermacher, Jazz-Musiker und promovierter Experte für palästinensische Eisenbahnen Walter Rothschild. Foto: privat

Es war nur eine Zeile im Gemeindebrief, die all die Erinnerungen wieder hochkommen ließ. In der Liste der Verstorbenen sprang mir sein Name sofort ins Auge. Nennen wir ihn André. Dort standen sein Geburtsdatum und sein Sterbedatum, mehr nicht. Ich versuchte mehr herauszufinden, doch durfte mir aus Gründen des „Datenschutzes“ niemand etwas sagen, nicht einmal, ob er nahe Verwandte hinterlassen habe, die ich kontaktieren könnte. Jetzt, da er tot war, wollten ihn alle beschützen. Aber ich wusste, dass ihn niemand beschützt hatte, als er noch lebte.

Viele betrachten König David als Helden. Er mag zwar ein bedeutender politischer und militärischer Führer gewesen sein – aber er war kein netter Mensch. Selbst die Bibel macht dies deutlich. Er mag einige gute Gedichte verfasst haben oder auch nicht, aber er liebte Intrigen und Gewalt, war ein Kontrollfreak und völlig amoralisch. Er lebte, sowohl als Milizführer als auch später als König, nach dem Prinzip, dass ein Mann viele Ehefrauen haben darf, von denen nur eine seine eigene sein muss. Weiterlesen

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Songs von Leonard Cohen (12): The Law

So, mit dieser Besprechung arbeite ich den Auftrag von Axel Reitel ab, der mich bat, „My Country“ von Randy Newman, „Ventilator Blues“ von den Rolling Stones und eben diesen Song zu interpretieren.

Ich muss zugeben, dass mir das schwer fiel, weil mir beim Anhören wieder meine Vorbehalte gegen Cohens routinierte Art, Lieder zu machen, hochkamen: Die bedeutungsschwangere, dunkle Stimme, ergänzt durch die hellen Stimmen der Sängerinnen im Refrain, das Formelhafte der Melodieführung, die, wie Bob Dylan anmerkte, eigentlich mit zwei Akkorden auskommt, auch wenn Dylan weiter anmerkt, dass Cohen auch hier jene  „kontrapunktischen Linien“ setze, die jedem Cohen-Song einen „himmlischen Charakter“ und „melodischen Auftrieb“ geben.

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Songs von Leonard Cohen (5): Lover Lover Lover

Ich bespreche diesen Song nicht wegen der schönen Musik, obwohl der Samba-Rhythmus unwiderstehlich ist und ich es schön finde, dass Leonard Cohen hier in seiner normalen Stimme singt – in einer Tonlage, in der ich auch singen kann – und nicht in der zuweilen künstlich wirkenden tiefen Stimme, die sein Markenzeichen ist.

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Songs von Leonard Cohen (2): You Want It Darker

Dass ich ein anderer sei, das wissen wir; aber wer ist Du? Wer will es dunkler? „You Want It Darker“, so heißt das letzte zu Lebzeiten Leonard Cohens veröffentlichte Album. Als ich den Titel las, dachte ich, der Mann gestatte sich einen letzten Scherz mit seinen Fans: Ihr wollt es noch dunkler. Die Stimme tiefer, die Stimmung düsterer. Bitte sehr.

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Benedikt XVI, der Jerry Lee Lewis der Theologie

Demnächst werden die Predigten veröffentlicht, die der emeritierte Papst Benedikt XVI in seiner Privatkapelle hielt und die – angeblich ohne sein Wissen, wer’s glaubt, wird selig – mitgeschnitten wurden. Eine wurde bereits veröffentlicht: eine Predigt über Joseph, den Ziehvater des Jesus von Nazareth.

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Götz Kubitschek und die Juden

In einem Gespräch mit dem AfD-Hausphilosophen Marc Jongen über den Fall Wolfgang Gedeon hat Götz Kubitschek, Chefideologe der Neuen Rechten in Deutschland, den Antisemitismus rehabilitiert.   Weiterlesen

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Benedikt – eine halbe Abbitte

Da Papst Franziskus das Vernichtungslager Auschwitz schweigend besucht hat, was allerdings zeigt, dass er etwas von Stil versteht, möchte ich zurückkommen auf meine Kritik am Auschwitz-Besuch des letzten Papstes, Benedikt XVI. Und ihm eine halbe Abbitte leisten.

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Islamhass und Judenhass

Man muss den polnischen Rechtsextremisten dankbar sein. Sie zeigen nämlich – anders als die LePen, Wilders, Petry und Co., die gelernt haben, dass offener Antisemitismus in Westeuropa zurzeit noch eher hinderlich ist beim Kampf um die Macht – ihr wahres Gesicht. Und das ist zugleich islamfeindlich und antisemitisch, wie die Ereignisse in Breslau zeigen.
Einige Leute in Deutschland – Juden und Nichtjuden – leugnen diesen Zusammenhang immer noch. Jakob Augstein etwa.
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Von der Bescheidenheit eines Christenmenschen

Zu den beständigsten Vorurteilen christlicher Ideologie gehört die Unterstellung, das „Neue Testament“ enthalte eine neue Moral. Das alte – jüdische – Gesetz der Rache sei abgelöst worden durch das neue Gesetz der Vergebung und der Liebe.
Das ist Unsinn.

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