avatar

Zwischen Gletscher und Glut – zum Tode Sly Dunbars eine Hommage an Sly & Robbie

Foto: Sly & Robbie, „Language Frontier“, Cover Artwork photographed by Chris Garnham, © 1985 by Island Records

Premiere bei SM: Erstmals gibt es einen Artikel nicht nur als gewohnte Bleiwüste. Nein, Ulf Kubanke stellt seine Artikel nunmehr zusätzlich auch per YouTube Video als Leseclip zur Verfügung: Kubanke liest Kubanke

Sly & Robbie haben die Lichtung am Ende ihres Pfades erreicht. Nach Robbie Shakespeare hat nun ebenfalls Sly Dunbar das Gebäude verlassen. Ein Nachruf. 

Reggae, Dub, Dancehall, Rock oder Pop – mit tausenden von Kollabos und eigenen Tracks zählen beide Jamaikaner zu den musikhistorisch bedeutendsten Duos überhaupt.

Zwei musikalische Grenzgänger, die dazu beitrugen, das Grenzen in der Kunst, respektive der Musik verdientermaßen gesprengt wurden.

Eine dieser bahnbrechenden Verbindungen möchte ich heraus greifen. Ganz einfach weil es mein ganz persönlicher Liebling von ihnen ist. Tolles Spätwerk aus dem Jahr 2018. Weiterlesen

avatar

Für eine robuste europäische Verteidigungsallianz

Frieden braucht Sicherheit. Foto: Alexandra_Koch, pixabay

Europas Sprung in die strategische Verantwortung: Warum ein demokratisches europäisches Sicherheitsbündnis mit atomarer Abschreckung die sicherheitspolitische Logik des 21. Jahrhunderts neu ordnen würde. Ein Vorschlag.

Europa steht an einem Kipppunkt. Die Gewissheiten der Nachkriegsordnung – allen voran die verlässliche Sicherheitsgarantie der USA – sind politisch nicht mehr sakrosankt. Gleichzeitig haben autoritäre Mächte gelernt, Macht nicht nur militärisch, sondern systemisch einzusetzen: hybrid, technologisch, nuklear flankiert. Wer in dieser Lage Sicherheit weiterhin delegiert, riskiert strategische Bedeutungslosigkeit. Wer sie übernimmt, braucht mehr als Geld: Er braucht Ordnung, Führung und Abschreckung. Weiterlesen

avatar

Wie der Faschismus entsteht

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler.

Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.

Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

– Martin Niemöller

Weiterlesen

avatar

Trumps Zivilisationsbruch

Ein US-Präsident, der Demonstranten exekutieren lässt, die Demokratie verachtet, permanent lügt, Verbündete erpresst und Länder überfällt: Das ist mehr als nur eine diktatorische, neoimperiale Anwandlung. Das zerstört die gemeinsame Wertebasis des Westens.

Ich habe schon etliche schreckliche US-Präsidenten miterlebt: Richard Nixon, Ronald Reagan, George W. Bush, und auch Trumps erste Amtszeit. Antiamerikanismus ist mir dennoch völlig fremd. Die USA waren für mich, wie für viele, trotz aller schlimmen Fehler, trotz der Unterstützung für Diktatoren, trotz Vietnam- und Irakkrieg, trotz anderer entsetzlicher Dinge immer ein Hort der Freiheit – ohne falschen Pathos. Das Land, das uns mit den Briten die Demokratie und eine faszinierende moderne Kultur gebracht hat. Das zerbricht nun. Weiterlesen

avatar

Amazing Grace – Wie Grace Slick mit Jefferson Airplane den Psychedelic Rock erfand

Credit: IMAGO / ZUMA Press Wire

Information: GRACE SLICK with JEFFERSON STARSHIP. – ZUMAg49

Grace Slick. Jefferson Airplane. „Somebody to love“. „White Rabbit“.  Eine Hommage an die Erfinderin des Psychedlic. Rock. 

Grace Slick? Der erste echte weibliche Rockstar, erfand den Psychedelic Rock mit und hätte Präsident Nixon um ein Haar LSD in den Tee geschüttet. Mittlerweile zählt sie knapp 90 Lenze und bleibt so k bringen?

„Mit Bildung erreicht man das Universum; mit Musik alle Menschen. Dazwischen musst du selbst unstopbar stehen!“ (Grace Slick)

„Don’t you want somebody to love?“

„Don’t you want somebody to love?“ Auf der ganzen Welt kennt man diesen Ausruf des gleichnamigen Liedes von Jefferson Airplane seit knapp 60 Jahren. Die zugehörige Stimme gehört Sängerin Grace Slick, ihres Zeichens Symbol der Gegenkultur in den Sixties, simultan der erste echte weibliche Rockstar überhaupt. Slick selbst ist alles andere als ein Typ für sentimentale Rückschau. Weiterlesen

avatar

Deutschland, der Aufarbeitungsweltmeister

„Aufarbeitung“, so erklärt die deutschamerikanische Juristin Inga Markovits ihrem englischsprachigen Publikum, „ist ein äußerst deutsches Wort.“

Aufarbeitung ist nicht Geschichtsschreibung, schon gar nicht Geschichtswissenschaft. Um wieder Inga Markovits zu zitieren:

„Aufarbeitung meint, über die Vergangenheit zu Begriffen zu kommen. Aber zu wessen Begriffen?“

Und sie weist darauf hin, dass „Aufarbeitung“ im Deutschen auch eine Doppelbedeutung habe („Freudian connotation“): Es bedeute auch, ein altes Kleidungsstück so umzunähen, dass es aussieht, als wäre es neu („Ein Kleidungsstück aufarbeiten“).

Nicht ganz wortgetreu übersetze ich das manchmal mit:

„Aufarbeitung ist auch die Wiederverwertung von Lumpen.“ Weiterlesen

avatar

Kherson – die neue Dimension entmenschlichter Kriegsführung

Kherson – nur durch den Fluß von russischen Stellungen getrennt. Im Keller vom Theater sieht man in den Monitoren der Überwachungskameras wie Kamikaze Drohnen unweit einschlagen. Das Gebäude zittert. In der Stadt Drohnenjagd auf Menschen. Die Ausfallstraße eine Falle – Drohen jagen Autos. 78.000 Menschen bleiben. Denn: Aufgeben heißt – die Russen haben gewonnen.

 

NACH DROHENANGRIFF IM WOHNGEBIET

Die Tankstelle liegt vielleicht fünfzig Kilometer vor Kherson. Wir halten an. Acht Personen, zwei Minivans, randvoll mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln, ein paar Säcken Hundefutter. Überlebenshilfe für die Bevölkerung, die in der Stadt quasi eingekesselt wird. Jetzt geht es  nicht mehr um die Logistik der Auslieferung, sondern ums eigene Überleben. Wir ziehen schusssichere Westen an, setzen Helme auf. Seit drei Jahren fahre ich regelmäßig in nach Kherson. Jedes Mal dachte ich: Schlimmer kann’s nicht werden. Doch so eine Vorbereitung gab es noch nie. Sichtbarer Gradmesser für die Ausweitung der Kampfzone. 

Kurz hinter der Tankstelle beginnt ein Tunnel. Über Kilometer spannen sich Netze über die Zufahrtsstraße. Es sind ausgemusterte Fischernetze, improvisiert, notdürftig befestigt. Sie sollen Drohnen abfangen – ferngesteuerte Todesroboter aus der Luft. Die Netzte rechts und links der Fahrbahn und teilweise auch als „Dach“ sind anachronistischer Schutz gegen eine hybriden Terrorkrieg. Kein wirklicher Schutz, nur der verzweifelte Versuch, den High-Tech Waffen, die alles angreifen was sich bewegt, etwas entgegenzusetzen. Wir fahren in die rote Zone. Ab jetzt gibt keinen sicheren Raum mehr.  Weiterlesen

avatar

Dreadful Great – Das Gesamtkunstwerk Grateful Dead zum Tode von Bob Weir 

Über 60 Jahre The Grateful Dead. Mit Bob Weir ging nun das vorletzte Gründungsmitglied von Bord. Einzig Bill Kreutzmann ist noch vorhanden. Warum also nicht endlich mal gemeinsam ein wenig über the Grateful Dead sprechen, bevor alle über den Jordan sind. Hier Deadhead Ulf Kubanke mit seiner ganz persönlichen Deutung. 

Über 60 Jahre Grateful Dead! Mittlerweile haben nahezu alle Gründungsmitglieder die Lichtung am Ende ihres Pfades erreicht. Nachdem nunmehr auch Bob Weir das psychedelische Gebäude verließ und ihr Frontman Jerry Garcia bereits 1995 die letzte Tüte rauchte, verbleibt Bill Kreutzmann als Last Man Standing.

Das schreit nach angemessener Würdigung.

Nur wie?

Bzw. wo denn mal andocken?

Dann sind wir ehrlich: trotz dieses großen Namens, ist der musikalische Output der breiten Masse nahezu unbekannt. 

Bei der Frage: nenne doch mal deine drei Grateful Dead Lieblingslieder, achwas, nur eines, bleibt man relativ alleine im Regen stehen.

Dieser Umstand liegt darin begründet, dass sich the Grateful Dead im Grunde nicht an einen Konzept der Hitlisten oder der chart-klopper orientierten, sondern vor allem Stimmungen innerhalb der Songs ausloten, Facetten, welche mitunter psychedelisch komplett ausufern können.

Zunächst einmal benötigen wir mithin eine aussagekräftige Zusammenstellung, die den Begriff „Best of“ repräsentiert.

So richtig taugt von Dutzenden nur eine.

Die vorliegende Sammlung wird der musikhistorischen Bedeutung der Band in jeder Sekunde gerecht.

Grateful Dead – „The Best Of The Grateful Dead“ aus dem Jahr 2015

Der weltweit umfangreichsten Live-Diskografie aller Zeiten stehen nämlich lediglich 13 Studioalben gegenüber, die es gleichwohl in sich haben. Diese Periode von 1967 bis 1989 würdigt die Compilation mit insgesamt 32 Tracks. Heraus kommt ein musikalisches Filetstück der Sonderklasse. Von psychedelischen Pop-Perlen über ausufernden LSD-Rock bis hin zu einer echten Suite reihen sich vielfältige Edelsteine aneinander, die man Novizen wie alten Hasen bedenkenlos ans Herz zu legen vermag.

Ab geht es. Weiterlesen

avatar

Von Schutz und Schutzgebieten

Entgegen dem Rat meiner Frau, auf deren Arbeit Schulausfall angeordnet war, war ich am Freitag an der Uni.  Im Historischen Seminar der Universität Leipzig. Zum Seminar. Es waren ja 20 cm Neuschnee gefallen und erst mal waren wir beide unserer Räumpflicht nachgekommen. Und hatten Schnee geschoben.

 

Im Gegensatz zur Stadt Leipzig. Aber da will ich nicht rumnörgeln. Dass es in Deutschland immer mehr Rentner gibt, welche eine geräumte Straße befahren wollen und immer weniger Arbeiter, welche auf den Straßen den Schnee wegschieben, das ist ja Deutschlands Grundproblem. Weiterlesen

avatar

Paul McCartneys gut gebaute Songs (1): Honey Pie

Innerhalb der Beatles galt John Lennon den Fans als der Intellektuelle und zugleich als der Revolutionär und Rocker. Paul McCartney hingegen als der gefällige, kommerziell ausgerichtete, melodieselige, reizende und musikalisch begabte, aber vielleicht etwas spießige Gegenpol. In gewisser Weise wurde so der Gegensatz Rolling Stones – Beatles innerhalb der Fab Four wiederholt. Und wie der Gegensatz zwischen den beiden Gruppen, so ist der Gegensatz zwischen Lennon und McCartney weitestgehend ein mediales Konstrukt; ein Konstrukt, zu dem ich mit meinem Buch über Lennon (erschienen 1987) meinen kleinen Teil beigetragen habe. Leider.

Weiterlesen

Scroll To Top