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Warum erst so spät? – Rückblick auf den islamistischen Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt 2017 in Berlin

FOTO. IMAGO / PEMAX

Unsere Autorin Eva Quistorp blickt kritisch auf die fehlende Verhinderung des islamistischen Anschlags auf dem Berliner Breitscheidplatzplatz zurück. Die Wiederaufnahme eines Texts vom 14. Dezember.2017.

Wieso wurde dieser islamistische Anschlag nicht verhindert, wieso der Typ nicht festgenommen oder abgeschoben, wieso der Platz überhaupt nicht gesichert, warum wurden die Opfer nicht benannt und ausreichend entschädigt? Ein paar einfache Fragen zum Berliner Anschlag vor einem Jahr – Fragen, die ich hier schon vor einem Jahr stellte.

Der Jahrestag des IS-Anschlages gegen den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche – zwölf Todesopfer und mehr als sechzig Opfer insgesamt – war kurz vor Weihnachten, und man merkte es in den Medien. Einen guten Anfang machte eine Dokumentation in mehreren Teilen in der ARD. Zahlreiche Zeitungen griffen das Thema sodann auf.

Ich bemerke aber auch, dass es bei den meisten ein ganzes Jahr gebraucht hat, bis sie dieselben Fragen gestellt haben, die ich unmittelbar nach dem Anschlag zum Beispiel im Perlentaucher (hier) gestellt habe. Es waren einfache Fragen, aber sie lagen auf der Hand:

Wieso wurde dieser islamistische Anschlag nicht verhindert, wieso der Typ nicht festgenommen oder abgeschoben, wieso der Platz überhaupt nicht gesichert, warum wurden die Opfer nicht benannt und ausreichend entschädigt?
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Vier Namen – eine Stimme: Die Wiederkehr der Expressionistin Else Onno

Ihre Texte wirken wie Storyboards zu expressionistischen Kurzfilmen: anarchisch, temporeich und von psychologischer Tiefe. Nach aufwändigen Recherchen ist nun das Rätsel ihrer Identität gelöst: Mit der Edition „Streichhölzer“ bekommt das deutschsprachige Feuilleton der Zwischenkriegszeit nun eine seiner faszinierendsten Stimmen zurück.

 Die Prager Presse bestach in den 20er Jahren durch ein herausragendes Feuilleton. Allein Robert Walser steuerte rund 200 Artikel zu diesem Leuchtturm deutschsprachiger Feuilleton-Kultur bei. Mit ähnlich namhaften Stars warb seinerzeit das Prager Tagblatt: Über zwanzig Jahre hinweg – von 1917-1937 – schrieb Joseph Roth ungezählte Beiträge, die dem stets in Geldnot lebenden Literaten sich über Wasser zu halten halfen. Der Wallstein Verlag konnte im Jahre 2012 mit einer kritisch edierten Erstausgabe aufwarten. Das Publikumsinteresse war so erfreulich, dass Diogenes nur drei Jahre später eine Taschenbuch-Ausgabe eben jener Texte nachlegte. Weiterlesen

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Historische Proteste im Iran

Unverschleierte Proteste. Foto: themodernmaccabee, Instagram

Zum ersten Mal unterstützen Basar-Händler und regimenahe Studenten den Freiheitswillen des Volkes und demonstrieren landesweit auf den Straßen. Israel zeigt Solidarität, während aus Europa nur laue Unterstützung kommt. Das islamistische Regime wankt.

Es war nur eine Frage der Zeit: zivilgesellschaftliche Freiheitsdemonstrationen im Iran sind wieder da. Aufgeflammt im Basar von Teheran haben die Proteste innerhalb kurzer Zeit wieder unterschiedliche Teile des Irans und unterschiedliche Teile der iranischen Gesellschaft erreicht. Weiterlesen

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Soziale Medien sind Drogen. Sie müssen wie andere Drogen auch reguliert werden

Da ich vor den Feiertagen ein wenig erkältet war, habe ich das getan, was ich in solchen Situationen immer tue: ich zog mich in einen Sessel zurück und las einen Roman. Und da ich dabei war, dann noch einen.

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Wie Wessis die Linkspartei zerstörten

Die PDS war einst eine ostdeutsche Volkspartei. Als sie mit der westdeutschen WASG zu „Die Linke“ fusionierte, schien ihr bundesweiter Aufstieg unaufhaltsam. Dachte man. Was lief da schief? Und warum wird es – trotz vorübergehendem Zwischenhoch unter Heidi Reichinnek – weiter schieflaufen?

Zu den erhellendsten Moment meiner Schulzeit gehört jener, in dem mir bewusst wurde, dass Wörter nicht überall dasselbe bedeuten. Es war im Sozialkundeunterricht an einem westdeutschen Gymnasium der 80er, als ich begriff, dass Demokratie in der DDR ganz anders verstanden wurde als in der Bundesrepublik. Weiterlesen

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„Stripped down to the bone“ in Mexico – Eine Hommage an Depeche Mode 

Foto: Anton Corbijn, Offizielles Foto zum Album „Memento Mori“

Die legendäre Band Depeche Mode hat ihre „Memento Mori“-Tour 2024 in Mexico City beendet. Ist es die letzte Tour? Kürzlich erschien das Abschlusskonzert auf CD. Eine Verbeugung von Ulf Kubanke.

Mexico-City 2024: „Come with me into the trees.(…) Let me see you stripped down to the bone.

Der knochige Beat weist den Weg gen Trance. Darin ergießen sich sinistre Schamanenvocals.

„Let me hear you crying just for me.“ Die lediglich angedeutete Zuckerwatte eingestreuter Soundscapes vermag die Dunkelheit nicht aufzuhalten, geschweige denn ihre Sinnlichkeit. Kein bisschen.

Willkommen in Gahan ’n‘ Gores dräuendem Temple aus Schmerz und Lust, aus Messe und Party, aus Empathie und Sarkasmus: Depeche Mode „Memento Mori live in Mexico“.

Das letzte Konzert der Memento Mori-Tour und damit eventuell ihr Final Gig erweist sich – das nehme ich gern vorweg – als Triumphzug. Ein klanglich wie atmosphärisch anmutendes Hörerlebnis auf ganzer Linie. Immer wieder ruft Gahan „Mexico City“ auf Englisch, seiner Muttersprache.

Dunkelheit, Sinnlichkeit und Sensenmann – alles zusammen bei Depeche Mode Weiterlesen

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Repression und Toleranz

Herbert Marcuse in West-Berlin 1967. Foto: Wikimedia, Autor Isaactrius CC-BY-SA-4.0

Als wir das von Liane Bednarz und mir geführte Interview mit dem neurechten Möchtegern-Intellektuellen Benedikt Kaiser auf „Starke Meinungen“ veröffentlichten, war ich auf einen Shitstorm in den asozialen Medien gefasst. Dafür sind deren Algorithmen da. Insofern haben mich die Unterstellungen und Beschimpfungen auf X und Bluesky nicht weiter berührt. Interessant waren jedoch einige der vorgetragenen Argumente.

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Die wahre Weihnachtsgeschichte

Jesus als Palästinenser. Quelle: r/Israel, Reddit

Maryam und Youssef bekommen in einem Flüchtlingslager in Gaza unter israelischem Kriegsrecht ein Baby namens Yeshua. Die Geburt wird live gestreamt und millionenfach geliked. Palästinensische Hirten eilen herbei und verteilen in Neukölln voller Freude Xmas-Baklava…

… ihre Freunde veranstalten weltweit Solidaritätsdemos mit dem Neugeborenen aus Protest gegen den jüdischen Kaiser Bibi und dessen Besatzung und rufen zum Boykott israelischer Produkte wie Krippen und Weihnachtspalmen auf. Weise Postkolonialismusforscher bringen weihevoll was zum rauchen für die Wasserpfeife, Gold von der UNRWA und Myrrhe von Greta T. Engel verkünden die frohe Botschaft: Euch ist durch die Hamas der Retter geboren. So schön könnte es sein… Weiterlesen

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Von Träumern und Büttenrednern – wann sind Songwriter uberschätzt?

Heinz-Rudolf Kunze. Revisited. 

Wie findet man eigentlich seine Themen für die Kolumnen?

Nun, selbstverständlich kann ich diesbezüglich nur für mich sprechen.

Und da kann es mitunter passieren, dass man sich das Thema selbst überhaupt nicht aussucht und ich wie die Jungfrau zum Kinde kommt.

Manchmal ergeben sich sehr spannende Gespräche auf Facebook – z.B. über Nena

Soll heißen: Manchmal ergibt es sich einfach.

Z.B. folgendermaßen:

Alan: „Ulf, du vergleichst unseren Bundeskanzler in deiner letzten Kolumne mit schlechten Songwritern. Mich interessiert, wen du da eigentlich meinst.“ Weiterlesen

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