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There are places I’ll remember … Ort und Zeit in der Popmusik (1)

Popsongs handeln von Emotionen und sind daher meistens raum- und zeitlos. Hinweise auf eine besondere Zeit oder einen bestimmten Ort könnten die Identifikation des Hörers oder der Hörerin mit diesen Emotionen – in der Regel die Liebe in allen ihren Variationen – nur stören. Wenn in Schlagern und Musicalnummern der Zeit vor dem Rock’n’Roll – und vor dem Massentourismus – von bestimmten Orten die Rede war, dann waren das Strände irgendwo im tropischen oder subtropischen Süden oder Städte, die als exklusiv und romantisch galten, etwa Paris.So schrieb Cole Porter 1953 für das Musical „Can Can“:

I love Paris in the spring time
I love Paris in the fall
I love Paris in the winter when it drizzles
I love Paris in the summer when it sizzles

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Die Philosophie der Songs von Bob Dylan (51): Julius and Ethel

Ist es möglich, dass ein unschuldiger Mensch nach einem fairen Verfahren verurteilt und sogar hingerichtet wird? Ja. Ist es möglich, dass ein schuldiger Mensch nach einem fairen Verfahren freigesprochen wird und nie für sein Verbrechen büßt? Ja. Ein faires Gerichtsverfahren ist keine Garantie für einen richtigen Urteilsspruch. Gerechtigkeit heißt nicht, dass Schuld immer gesühnt und Unschuld immer anerkannt wird.

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Der 11. September 1989: Als die Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei den Sozialismus verkaufte.

Nein, das Ereignis, mit dem die Geschichte beginnt, liegt 9 Jahre vor 1989. Liegt bereits 45 Jahre zurück. Vorige Woche bin ich noch einmal zurückgekehrt an den Tatort.

19 Jahre war ich alt an jenem 5. August 1980 und schlich östlich des Neusiedler Sees gen Westen.

Ach was heißt „schlich“ ? Ich dummer Junge lief ja völlig sichtbar oben auf dem Damm und natürlich machte der Dammwärter Meldung. Dann kamen sie, die ungarischen Grenzsoldaten. Sie hauten mir eine rein, weil da schon wieder so ein Ossi den antifaschistischen Schutzwall verletzen wollte. Und ihre Ruhe störte: „Du Faschist – Du Faschistenschwein!“

Mit ihrem Schäferhund hatten sie auch schnell meinen Rucksack aufgestöbert:

„Ein guter Hund. Ein Deutscher Schäferhund. Ein Geschenk an uns aus der Deutschen Demokratischen Republik.“

Sagte der Leutnant Istvan Zöld, der den Bericht aufsetzte.

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Arbeits- statt Bürgergeldpartei – Wie die SPD aus ihrer Misere herausfinden kann

Foto: IMAGO / Presse-Photo Horst Schnase

Lehren aus der NRW-Kommunalwahl

Die jüngsten Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen haben eindrucksvoll gezeigt, wie die SPD in Stichwahlen gegen AfD-Kandidaten gewinnen kann: mit einer Rückbesinnung auf ihre hart arbeitende Stammwählerschaft und der klaren Benennung von Missbräuchen der Sozialsystemen. Ohne eine solche generelle Kurskorrektur wird sie kaum aus ihrem bundesweiten Negativtrend herausfinden.

Es ist nochmals gutgegangen in Nordrhein-Westfalen. Die AfD konnte bei der Kommunalwahl kein einziges Rathaus erobern. In den drei Städten, in denen es ihre Bürgermeisterkandidaten in die Stichwahl am vergangenen Sonntag geschafft hatten, unterlagen diese nunmehr deutlich.

Im westlichen Ruhrgebiet in Duisburg setzte sich der SPD.ler Sören Link mit 78,6 Prozent gegen den Herausforderer von der AfD durch. Am östlichen Rand in Gelsenkirchen schaffte es seine Parteikollegin Andrea Henze mit 66,9 Prozent. Und in Hagen, dem „Tor zum Sauerland“, fuhr der CDU-Kandidat Dennis Rehbein 71,66 Prozent ein.

Klingt alles prima, oder? Weiterlesen

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Wer ist eigentlich …

Prof. Dr. Dr. Peter Scholz? In einer Pressemitteilung teilt die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz am 18. Dezember 2024 mit, dass Prof. Dr. Peter Scholz neuer Gerichtspräsident am Amtsgericht Tiergarten in Berlin wird:

Justizsenatorin Dr. Felor Badenberg erklärt dazu: „Mit Prof. Scholz übernimmt ein langgedienter Richter die Leitung des Amtsgerichts Tiergarten. Aufgrund seiner Erfahrung wird er auch diese Führungsaufgabe in bester Weise auszufüllen wissen. Ich wünsche ihm für die anstehenden Aufgaben eine glückliche Hand und alles Gute!“ Weiterlesen

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Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Richter Berkholz

Der Skandal ist ja eigentlich schon ein paar Tage alt und ging durch die Presse. Meist ist nichts schnelllebiger als eine Nachricht. Leider muss man in diesem Fall sagen, denn es ist wirklich ein Skandal, dem man Einhalt gebieten muss. Dankenswerterweise hat dies Thomas Walther, Richter a.D. unternommen – er hatte bereits zeitnah am 1. August 2024 eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Richter am Amtsgericht Tiergarten Philipp Berkholz eingelegt. Geschehen ist bislang nichts. Weiterlesen

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Dann doch lieber rilken: „Herbstbild“ von Friedrich Hebbel

Foto: Alan Posener

Normalerweise fordere ich um diese Zeit meine Leser und Leserinnen auf: Nun rilkt man schön! Heute aber will ich hebbeln. Es geht um das bekannte Gedicht „Herbstbild“ von Friedrich Hebbel (1813 – 1863).

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Kaffee-Songs in der Popmusik: Genussmittel, Projektionsfläche und Metapher

„Espresso“! Der Sommer-Hit schlechthin im vergangenen Jahr 2024 mit sagenhaften 2,5 Milliarden Streams und mehr! Und in der Tat: Dieser Song geht ins Blut wie ein doppelter Espresso! Wer reinhört, ist nach ein paar Takten hooked: Das blonde Wunder Sabrina Carpenter zündet ein buntes Feuerwerk aus Disco-Pop-Nostalgie und Texten, die so selbstironisch sind, dass sie schon Stand-up-Comedy Qualitäten haben. Während sie kokett singt, dass ihr Ex nach einer Nacht mit ihr kein Auge mehr zubekommt, grinst ihre TikTok-Gemeinde im Hintergrund und scheint zu sagen: Same here, bro.

So hat „Espresso“ sich über die Socials schneller verbreitet als ein virales Katzenvideo auf Speed. Und damit schreibt sich Carpenters Superhit ein in einen traditionsreichen Diskurs: Denn welche Bedeutung(en) besitzt das Genussmittel Kaffee in der Populärkultur? Weiterlesen

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Zweite Schockwelle im Nachhall des Terrors

Aus der Weisheit „Kenne dich selbst“ (inklusive Schatten) wurde „Zeige dich selbst“ – und das ohne Filter!

Es ist, als hätte die Gesellschaft die Scham abgeschafft. Die Verantwortung für unsere Interaktionen aber bleibt.

Wir erleben wir eine neue Schamlosigkeit, die nicht befreit, sondern enthemmt.

Seit dem durch nichts zu rechtfertigenden Attentat auf Charlie Kirk, vor den Augen seiner Frau und kleinen Kinder, erleben wir international und hierzulande eine zum Teil vollkommen enthemmte Logorrhoe ausgestellter Schadenfreude, des Hasses und Sadismus. Das sind eigentlich lauter per se sozial problematische und toxische Züge – Schattenseiten des Menschseins. Doch eben diese werden in bemerkenswerter Freiwillig- und Freizügigkeit ins Schaufenster und Rampenlicht gestellt. Ohne individuelle Notwendigkeit. Ohne, dass jemand tatsächlich danach gefragt hätte!

Das ist nicht mehr harmloses Oversharing, sondern ein Prahlen mit dissozialen Zügen, wie es vor 30 Jahren noch eindeutig tabu gewesen wäre.

Dissoziale Persönlichkeit im Rampenlicht  Weiterlesen

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Verloren und gefunden – eine Hommage an The Kinks

Das vierblättrige Kleeblatt überlebensgroßer britischer Ur-Giganten, die Rock’n’Roll und Schlager ab den frühen Sixties in moderne Rock- und Popmusik überführten? Beatles, Rolling Stones, The Who und natürlich The Kinks. Doch im Gegensatz zu den drei erstgennanten entpuppte sich die Karriere der Truppe um die Gebrüder Davies als aufreibende Berg- und Talfahrt.

Cardiff am 19. Mai 1965: Alles könnte so schön sein. Nach einer triumphalen Tour durch Australien und Neuseeland und vor geplanten US-Terminen sind die Kinks echte Shootingstars, lassen sich gerne in heimischen Gefilden feiern. Doch in Wales bricht an diesem Abend die Hölle los. Spannungen und Querelen explodieren. Gitarrist Dave Davies beschimpft während des Gigs den eigentlich gutmütigen, ausgleichenden Drummer Mick Avory, schlägt sein Instrument in dessen Richtung, tritt das Schlagzeug um. Der revanchiert sich prompt und schlägt Dave das Becken heftig über den Schädel. Blut spritzt über die Bühne. Davies bricht ohnmächtig zusammen. Weiterlesen

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„Aufgearbeitet“: (7) Die Gegenbilder

„There is much talk today in Germany about the AUFARBEITUNG (literally, the >>working over<<) of its recent history – a very German word that is usually translated as >>coming to terms with the past<< (on whose terms?) but that also evokes Freudian connotations …, and that, in a more mundane and domestic meaning, also can be used to describe the remodeling of an old garment (>>ein Kleidungsstück aufarbeiten<<) to make it look as good as new.“

Inga Markovits, 2001, Selective Memory: How the Law Affects What We Remember and Forget about the Past: The Case of East Germany

Bild oben: Am Morgen des 3. Oktober 1990

Wer erzählt die Geschichte der DDR ?

„Unsere Geschichte“, sagte Reiner Haseloff, der nun scheidende (CDU-)Ministerpräsident zu Magdeburg am 27. März 2011 gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung,

„können wir Ostdeutschen nur selbst erzählen. Das kann kein Historiker aus Bielefeld.“

Es besteht noch immer eine stillschweigende Einigkeit unter den politischen Parteien im Osten Weiterlesen

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