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Historische Proteste im Iran

Unverschleierte Proteste. Foto: themodernmaccabee, Instagram

Zum ersten Mal unterstützen Basar-Händler und regimenahe Studenten den Freiheitswillen des Volkes und demonstrieren landesweit auf den Straßen. Israel zeigt Solidarität, während aus Europa nur laue Unterstützung kommt. Das islamistische Regime wankt.

Es war nur eine Frage der Zeit: zivilgesellschaftliche Freiheitsdemonstrationen im Iran sind wieder da. Aufgeflammt im Basar von Teheran haben die Proteste innerhalb kurzer Zeit wieder unterschiedliche Teile des Irans und unterschiedliche Teile der iranischen Gesellschaft erreicht. Weiterlesen

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Soziale Medien sind Drogen. Sie müssen wie andere Drogen auch reguliert werden

Da ich vor den Feiertagen ein wenig erkältet war, habe ich das getan, was ich in solchen Situationen immer tue: ich zog mich in einen Sessel zurück und las einen Roman. Und da ich dabei war, dann noch einen.

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Wie Wessis die Linkspartei zerstörten

Die PDS war einst eine ostdeutsche Volkspartei. Als sie mit der westdeutschen WASG zu „Die Linke“ fusionierte, schien ihr bundesweiter Aufstieg unaufhaltsam. Dachte man. Was lief da schief? Und warum wird es – trotz vorübergehendem Zwischenhoch unter Heidi Reichinnek – weiter schieflaufen?

Zu den erhellendsten Moment meiner Schulzeit gehört jener, in dem mir bewusst wurde, dass Wörter nicht überall dasselbe bedeuten. Es war im Sozialkundeunterricht an einem westdeutschen Gymnasium der 80er, als ich begriff, dass Demokratie in der DDR ganz anders verstanden wurde als in der Bundesrepublik.

Daran musste ich später oft denken, wenn Menschen das gleiche Vokabular benutzten, aber grundverschiedene Dinge meinten. Vor allem der Begriff „links“ löste immer wieder Missverständnisse aus. Links sein, damit war im Osten eine verbindliche Lehre und ein konkretes, unverrückbares Programm verbunden. Links, das war Karl Marx, war Klassenkampf, war Sozialismus.

Im Westen hingegen war links ein Lebensgefühl, das nicht notwendigerweise mit einem politischen Bewusstsein einherging. Es konnte vorkommen, dass Jugendliche sich als links bezeichneten, nur um ihre konservativen Eltern und Lehrer zu ärgern. Ja, man musste nicht einmal Sozialist sein, um als links zu gelten. Sogar CDU und FDP gönnten sich einen linken Flügel. Letzterer bezeichnete sich als linksliberal. Seltsamerweise hat nie ein Politikwissenschaftler hinterfragt, ob die Begriffe links und liberal miteinander vereinbar sind. Kann jemand in einer Partei, die den Kapitalismus bejaht, überhaupt links sein? Weiterlesen

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„Stripped down to the bone“ in Mexico – Eine Hommage an Depeche Mode 

Foto: Anton Corbijn, Offizielles Foto zum Album „Memento Mori“

Die legendäre Band Depeche Mode hat ihre „Memento Mori“-Tour 2024 in Mexico City beendet. Ist es die letzte Tour? Kürzlich erschien das Abschlusskonzert auf CD. Eine Verbeugung von Ulf Kubanke.

Mexico-City 2024: „Come with me into the trees.(…) Let me see you stripped down to the bone.

Der knochige Beat weist den Weg gen Trance. Darin ergießen sich sinistre Schamanenvocals.

„Let me hear you crying just for me.“ Die lediglich angedeutete Zuckerwatte eingestreuter Soundscapes vermag die Dunkelheit nicht aufzuhalten, geschweige denn ihre Sinnlichkeit. Kein bisschen.

Willkommen in Gahan ’n‘ Gores dräuendem Temple aus Schmerz und Lust, aus Messe und Party, aus Empathie und Sarkasmus: Depeche Mode „Memento Mori live in Mexico“.

Das letzte Konzert der Memento Mori-Tour und damit eventuell ihr Final Gig erweist sich – das nehme ich gern vorweg – als Triumphzug. Ein klanglich wie atmosphärisch anmutendes Hörerlebnis auf ganzer Linie. Immer wieder ruft Gahan „Mexico City“ auf Englisch, seiner Muttersprache.

Dunkelheit, Sinnlichkeit und Sensenmann – alles zusammen bei Depeche Mode Weiterlesen

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Repression und Toleranz

Als wir das von Liane Bednarz und mir geführte Interview mit dem neurechten Möchtegern-Intellektuellen Benedikt Kaiser auf „Starke Meinungen“ veröffentlichten, war ich auf einen Shitstorm in den asozialen Medien gefasst. Dafür sind deren Algorithmen da. Insofern haben mich die Unterstellungen und Beschimpfungen auf X und Bluesky nicht weiter berührt. Interessant waren jedoch einige der vorgetragenen Argumente.

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Die wahre Weihnachtsgeschichte

Jesus als Palästinenser. Quelle: r/Israel, Reddit

Maryam und Youssef bekommen in einem Flüchtlingslager in Gaza unter israelischem Kriegsrecht ein Baby namens Yeshua. Die Geburt wird live gestreamt und millionenfach geliked. Palästinensische Hirten eilen herbei und verteilen in Neukölln voller Freude Xmas-Baklava…

… ihre Freunde veranstalten weltweit Solidaritätsdemos mit dem Neugeborenen aus Protest gegen den jüdischen Kaiser Bibi und dessen Besatzung und rufen zum Boykott israelischer Produkte wie Krippen und Weihnachtspalmen auf. Weise Postkolonialismusforscher bringen weihevoll was zum rauchen für die Wasserpfeife, Gold von der UNRWA und Myrrhe von Greta T. Engel verkünden die frohe Botschaft: Euch ist durch die Hamas der Retter geboren. So schön könnte es sein… Weiterlesen

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Von Träumern und Büttenrednern – wann sind Songwriter uberschätzt?

Heinz-Rudolf Kunze. Revisited. 

Wie findet man eigentlich seine Themen für die Kolumnen?

Nun, selbstverständlich kann ich diesbezüglich nur für mich sprechen.

Und da kann es mitunter passieren, dass man sich das Thema selbst überhaupt nicht aussucht und ich wie die Jungfrau zum Kinde kommt.

Manchmal ergeben sich sehr spannende Gespräche auf Facebook – z.B. über Nena

Soll heißen: Manchmal ergibt es sich einfach.

Z.B. folgendermaßen:

Alan: „Ulf, du vergleichst unseren Bundeskanzler in deiner letzten Kolumne mit schlechten Songwritern. Mich interessiert, wen du da eigentlich meinst.“ Weiterlesen

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Was strebt die Neue Rechte an? – Interview mit Benedikt Kaiser

Foto: Jungeuropa.

Von Alan Posener und Liane Bednarz

Benedikt Kaiser gilt inzwischen als einer der zentralsten jüngeren Vordenker der Neuen Rechten. Anlass und Zeit für ein Interview mit ihm.

Was meinen Sie mit der grundsätzlichen Wende, die Sie anstreben, bis zu der die AfD sich nicht an die etablierte Politik anbiedern darf?

Die Probleme sind nicht klein, sie sind gewaltig, und sie werden seit Jahrzehnten angehäuft. Demografie beispielsweise, eine pronatalistische Familienpolitik als Kern: derlei lässt sich nicht mit 1,2,3 Reförmchen bewerkstelligen. Wir brauchen eine grundlegende geistige Wende, eine grundlegende weltanschauliche Kehre – hin zu einem positiven Bewusstsein von Familie, Überlieferung, Volk, Staat, Europa. Und dann erst, also nach dieser geistig-weltanschaulich-kulturellen Kehre, kann auch politisch „geerntet“ werden. Sprich: Politische Fragen im realpolitischen Tagesgeschäft leiten sich von grundlegenden oder grundsätzlichen Überzeugungen ab. Derzeit dominieren – meiner Ansicht nach – noch die falschen. Doch die richtigen müssen erst zirkulieren, und zwar über kleine rechte Randmilieus hinaus – hin zur Mitte des Volkes, nicht der Mitte der (aktuellen) Politik. Weiterlesen

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Odesa – kein Strom, kein Wasser, kein Netz…

Drei Nächte hintereinander wurde Odesa angegriffen. Der Härteste war von Samstag 13. Dezember auf Sonntag. Abends saß ich noch mit Freunden in einem Restaurant am Strand, vielleicht fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Kurz vor Mitternacht – pünktlich zur Sperrstunde – hörten wir die Abwehrfeuer und das charakteristische Geräusch der Drohnen. Zurück in meiner Wohnung in der Innenstadt wurde es dann richtig heftig. Die Flak machte die Nacht zum Tag. Später hieß es, von 430 Drohnen seien 417 abgeschossen worden. Bei jedem Treffer war es für einen Moment taghell. Immerhin wurden die Angriffe sogar in den Tagesthemen erwähnt.

Odesa – Attacke auf Energieinfrastruktur

Aus der Wohnung heraus konnte man die Drohnen deutlich hören, und über die verschiedenen Telegram-Kanäle wusste man oft, wohin sie voraussichtlich fliegen würden. Auch die Kriegsführung hat sich verändert: Selbst wenn die ukrainischen Systeme das mutmaßliche Ziel erfassen, steuern die russischen Piloten in den letzten Minuten häufig etwas anderes an. Drohnen sind dank der Infos beinah vorhersehbar. Bei Raketen, die innerhalb Minuten ihr Ziel erreichen, und deren Flugbahn man ebenfalls in den bekannten Kanälen sehen kann, sieht das anderes aus. Wenig – oft zu wenig Zeit – um Schutz zu suchen Weiterlesen

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