
Thomas Zimmer hat in diesem Blog eine hymnische Besprechung des neuen Buchs „Faschismus ist keine Haltung“ des Historikers Ilko-Sascha Kowalczuk geschrieben. Aber ist dieser Begriff wirklich geeignet zu beschreiben und zu bekämpfen, was sich in Deutschland und Europa vollzieht? Ich habe da starke Zweifel. Eine Replik.
Historische Parallelen zu ziehen ist verführerisch und bequem. Gegen eine Wiederkehr des Faschismus zu sein erlaubt nicht nur, sich auf der richtigen Seite der Geschichte und des politischen Spektrums zu fühlen, bei den „Guten“ wider die „Bösen“. Es legitimiert in den Augen derer, die sicher zu sein glauben, ein neues 1933 stehe vor der Tür, auch so gut wie jedes Mittel: zu versuchen den Parteitag einer nicht verbotenen Partei zu verhindern und dabei Gewalt auszuüben wie am vergangenen Wochenende in Erfurt; Journalisten und die Pressefreiheit anzugreifen; die Freiheitsrechte anderer einzuschränken, also seinerseits undemokratische Methoden anzuwenden.
Schließlich ist die freiheitliche Ordnung in der Bundesrepublik ab 1945 aus dem Geist des „Nie wieder“ geschaffen worden, wie Thomas Zimmer unter Berufung auf Kowalczuk argumentiert. Deshalb könne man als Demokrat gar nicht anders, als jeder Bestrebung, einen neuen Faschismus zu errichten, entschieden entgegen zu treten.
Das ist einerseits richtig wie gleichzeitig falsch. Denn es impliziert in der Lesart von Thomas Zimmer und vieler anderer, dass in Form der AfD und ihrer Anführer der Faschismus sein schreckliches Haupt wieder erhoben hat und im Begriff ist, in Deutschland erneut die Macht zu übernehmen – beginnend ab dem Herbst im kleinen Sachsen-Anhalt.
Islamisten sind die neuen Nazis
Wäre es so, wäre Björn Höcke ein neuer Hitler oder Alice Weidel eine neue Benita Mussolini, dann wäre in der Tat dagegen jedes Mittel recht. Dem ist aber nicht so. Das fängt schon damit an, dass die Nazis keine Faschisten waren. Wesenskern des Nationalsozialismus war – anders als beim italienischen Faschismus – der eliminatorische Antisemitismus. Die Juden waren für Hitler und sein Gefolge die Wurzel allen Übels. Deutschland und Europa von ihrer Herrschaft zu befreien durch das Auslöschen des jüdischen Volkes versprach auch in der Sicht ihrer Millionen Anhänger die Befreiung des deutschen Volkes.
Sicherlich gibt es auch in der AfD Antisemiten. Judenfeindschaft ist jedoch kein Kernelement ihres Programms. Vielmehr ist Antisemitismus – heute verkleidet meist als Antizionismus und Feindschaft gegen Israel – Wesenskern des arabisch-muslimischen Islamismus, in der Tradition der Nazis, mit denen arabische Führer schon damals kooperierten. Unterstützt wird diese Bewegung von vielen, die sich für links halten. Auch für viele von ihnen beherrschen die Juden resp. Israelis die Welt, die deshalb von ihnen zu befreien ist, nicht anders als bei den Nazis.
An der Spitze dieser globalen „revolutionären“ Bewegung stehen für sie die arabischen Palästinenser, insbesondere die Hamas, die mit vielen Unterstützern am 7. Oktober 2023 das schlimmste Progrom seit der Shoa verübt hat – Fanal für die Vernichtung aller Juden.
Wenn es in Deutschland eine Wiederkehr des Nationalsozialismus zu verhindern gilt, dann in erster Linie gegen diese totalitäre, antisemitische Ideologie in Form des politischen, gewaltbereiten Islam und seiner linken Verbündeten, insbesondere in der der Linkspartei.
Die AfD ist (noch) keine faschistische Partei
Auch die AfD und andere rechts- wie linksautoritäre, nationalistisch-populistischen, völkischen Bewegungen stellen zweifellos eine große Gefahr da. Faschistisch, gar nationalsozialistisch sind sie jedoch nicht, auch wenn sie Elemente davon enthalten. Die Faschisten schafften wie die Nazis die Demokratie ab und ersetzten sie durch einen Führerstaat. Sie betrachteten andere Völker und Kulturen als minderwertig, die es durch Kriege zu unterwerfen und zu kolonialisieren galt. Ziel war eine egalitäre Volksgemeinschaft, die über andere herrschte.
Ein solches Leitbild findet man heute bei Putin. Kein Wunder daher, dass viele Anhänger und Funktionäre der AfD und des ähnlich gerichteten BSW ihn bewundern, aber auch manche Mitglieder der Linkspartei ihn unterstützen. Doch auch daraus lässt sich nicht ohne weiteres schließen, dass alle diese Leute Faschisten seien.
Für den Umgang mit der AfD reicht es vollkommen aus, sie als eine in großen Teilen oder überwiegend rechtsextreme Partei einzustufen und zu behandeln. Dafür braucht es keine schiefen historischen Vergleiche und Feindbilder. Falls nachgewiesen werden könnte, dass sie in kämpferischer Weise die freiheitlich-demokratische Ordnung beseitigen will, könnte und müsste sie verboten werden. Zunächst will sie aber nur in einem kleinen ostdeutschen Bundesland regieren, nicht durch eine Machtergreifung, sondern mittels einer demokratischen Wahl. Von einer Machtübernahme in Berlin ist sie trotz ihrer Führung in Umfragen weit entfernt.
Und ihr Erfüllungsgehilfe ist auch keineswegs die CDU, wie selbsterklärte Antifaschisten verkünden. Die CDU ist vielmehr ein bürgerliches Bollwerk gegen sie, anders als bürgerliche Parteien und Politiker1933 gegen die Nazis. Das sollte man loben und unterstützen. Und die Merz-Partei nicht auch noch gleich zum „Feind“ erklären, wie die Kommunisten vor 1933 die Sozialdemokraten als Sozialfaschisten.
Ilko-Sascha Kowalczuk weiß das alles als Historiker. Man muss ihn daher vor falscher Vereinnahmung schützen.
Der Buchtitel lautet (siehe Ihren Einleitungssatz) »Faschismus ist keine Meinung«, vielleicht in Anlehnung an die Formel »Antisemitismus ist keine Meinung». Doch der Nationalsozialismus war Faschismus. Das zu erwähnen, halte ich nicht für „semantische Wortklauberei“, wie Sie in einem Kommentar schreiben. Ilko-Sascha Kowalczuk schreibt in seinem Buch: „Es gibt keine allgemein anerkannte Definition, weil Faschismus seit einhundert Jahren viele verschiedene Gesichter trägt. Der Nationalsozialismus war seine krasseste Ausformung“ Er nennt einige Symptome. Der Nationalsozialismus war ein völkisches, eliminatorisches-sozialdarwinistisches Projekt. Mensch denke nur an die T4-Aktionen, die Ermordung von Sinti und Roma, Andersdenkenden, die Sterilisation von Schwarzen usw. Diese Verengung auf eine Opfergruppe des Nationalsozialismus hat immer wieder Widerspruch provoziert. Wer Opfergruppen unterschlägt, will nicht verstehen, warum Menschen sich von der AfD und deren Propaganda angezogen bzw. bedroht fühlen. Sie schreiben, heute ist nicht 1933. Seit Erscheinen des Buches »Deutschland schafft sich ab« von Thilo Sarrazin suche ich nach Zeichen und vor allem Analyse – auch in diesem Blog -, die eine solche Meinung bestätigen. Der Optimist in mir antwortet: stimmt. Der Pessimist mahnt zur Vorsicht. Sowohl rechts als auch links arbeiten mit Alarmismus und Übertreibungen. Das war für mich persönlich immer ein Problem. Haben Sie das Buch überhaupt gelesen?
Es gibt keine allgemeingültige Definition von Faschismus, stimmt. Wahrscheinlich habe ich mich verkürzt ausgedrückt. Mir kommt es darauf an, die spezifischen Unterschiede des Nationalsozialismus deutlich zu machen. Und dessen Kern war, wie Sie zurecht schreiben, das Auslöschen aller als minderwertig betrachteten Menschen und Menschengruppen, inbesondere der Juden. Das Letztere findet man heute eher bei Islamisten und Teilen der Linken. Die inflationäre Verwendung des Faschismus-Wortes vernebelt auch deshalb m.E. mehr als das es hilft, zu verstehen, was in unserer Gesellschaft passiert. Da ist Vieles besorgniserregend. Aber „1933“ wird sich so nicht wiederholen, weil heute völlig andere Bedingungen herrschen.
Schon das Zitat „Eine faschistische Grundhaltung muss strafrechtlich verfolgt werden“, liebe Kerstin, …
… schon die reicht mir.
Jedes Jahr treffen wir uns vom Bautzen-Komitee zu Volkstrauertag, um unserer verreckten Haftkameraden zu gedenken. Die umkamen 1945 bis 1950 im sowjetischen Speziallager dort.
Ein Drittel der Haftkameraden hats nicht überlebt.
Und Augenwischerei, darum zu diskutieren, ob die 1945 wirklich „ne faschistische Grundhaltung“ hatten. Selbstverständlich hatten die eine solche. Wer hatte die nicht in Deutschland 1945?
Aber eine „Grundhaltung“ ist eben keine Straftat. Und das ist der Vorwurf an die Sowjetische Militäradministration:
Sie hatte mit den Beschlüssen der Konferenz von Potsdam konkret begangene Kriegsverbrechen aufzuklären, zu beweisen und die Schuldigen zu bestrafen.
Und tat das eben nicht.
Sondern folgte den Intentionen meines Lieblingshistorikers und sperrte Menschen wechens „Grundhaltungen“ ein.
@Bodo Walther. Vielleicht hören Sie mal auf, dem Antikommunisten Kowalczuk irgendwelche Sympathien für das mörderische SED-Regime zu unterstellen?
Es ist wohl so, wie sie sagen, lieber Bodo Walther: Wenn eine Gesinnung zum Verbrechen wird und nicht die Handlung, ist der Totalitarismus nicht mehr weit. Da nicht zu differenzieren ist Fanatismus und der führt immer in den Abgrund. Deswegen – Sie wissen das als Jurist – ist das heutige sog. Willensstrafrecht ein zweischneidiges Schwert. Zumindest dann, wenn es so ausgelegt wird daß das Motiv das Verbrechen sein soll und nicht die daraus folgende Handlung. Exakt das tut Kowalczuk.
„… irgendwelche Sympathien für das mörderische SED-Regime …“
Lieber Thomas Zimmer,
ich danke doch meinem Herrgott, dass ich Bautzen nicht 1948 unter den Sowjets erlebte, sondern 1984 unter dem von Ihnen so genannten „mörderischen SED-Regime …“.
Weil ja 1984 unter dem von Ihnen so genannten „mörderischen SED-Regime …“ Gefangene in Bautzen ja eben nicht ermordet wurden.
P.S.:
Benutzen Sie solche Vokabeln wie „mörderisches SED-Regime“, weil Sie in möglicherweise berechtigter Sorge darüber sind, dass Ihnen sowieso keiner Ihren Antikommunismus abkauft?
In dem Jahr – 1984 – wurden mindestens drei Menschen vom SED-Regime erschossen, die nichts weiter wollten, als in die Bundesrepublik gelangen. Todesstrafe für unerlaubtes Verlassen des Ghettos. Das kann man schon als „mörderisch“ bezeichnen.
@Ob Sie mir meinen Antkommunismus abnehmen oder nicht, ist mir vollkommen egal. Als Nächstes behaupten Sie wahrscheinlich noch, Sie wären Demokrat.
„Als Nächstes behaupten Sie noch, Sie wären Demokrat.“
Da, lieber Thomas Zimmer,
schaue ich doch auf meine Pensionsmitteilung für diesen Monat, die Entlohnung für mein aktives Tragen der Demokratie. Und lächle versonnen ob Ihrer Worte.“
„… SED-Regime erschossen, …. Todesstrafe für unerlaubtes Verlassen des Ghettos. “
Lieber Alan Posener,
in dem Sammelband „Der Westen – eine ostdeutsche Empfindung“ …
https://kanon-verlag.de/shop/sachbuecher/cornelia-geissler-der-westen/
… schreibt Thomas Brussig, „der Westen“ habe das Ergebnis seiner 40 Jahre „Aufarbeitung des Nationalsozialismus“ einfach über die DDR, die „zweite deutsche Diktatur“ drübergestülpt.
In der kein Ostdeutscher sich wiedererkennt.
Mit dem Begriff „Ghetto“ zum Beispiel.
Eine einigermaßen typische Antwort. Nicht auf die Sache eingehen, sondern sich an einem wort aufhängen. Typisch deutsch und noch typischer ostdeutsch.
Wenn Sie Ihre Antworten an mich, Bodo Walther, nicht so alarmistisch, übertrieben, herablassend, unterstellend und vorurteilsbehaftet formulieren würden, könnten wir vielleicht in der Sache und zum Buch diskutieren. Ein einfacher Hinweis hätte mir gereicht. Gut wäre auch eine Quellenangabe gewesen. Ein Buch soll zur Diskussion anregen. Ich bin kein Jurist, doch ich habe zum Thema Meinungen und Strafrecht schon einiges von Alan Posener gelesen. Gleichzeitig muss ich aufpassen: Traumata machen, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander verschmelzen. Framing mit Geschichte berührt diese. Vielleicht sollten Sie sich doch mal fragen, warum Sie immer so „argumentieren“ müssen. In Ihrem Furor andere zu delegitimieren, verharmlosen Sie nebenbei die DDR-Gewalt. Um eine Verharmlosung von Gewalt ging es auch der AfD.
Sie, Ludwig Greven, können nicht wissen, wie die Zukunft aussieht. Mark Twain wird der Satz „Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.“ zugeschrieben. Im Grunde habe ich ein Problem mit der Anwendung der Begriffe »Faschismus« und »Nazi« in der öffentlichen Auseinandersetzung. Es geht dabei immer auch um Verharmlosung, Gleichsetzung und Dämonisierung. In der Wissenschaft und Publizistik wird der Begriff »Faschismus« jedoch benutzt. Madeleine Albright hat das Buch »Faschismus Eine Warnung« geschrieben. Hamed Abdel-Samad hat auch ein Buch zum Thema geschrieben. Umberto Eco hat einen Versuch gemacht, den Begriff Faschismus näher zu bestimmen. Kürzlich versuchte ich mich am Buch »Dieser Drang nach Härte« von Eva von Redecker, da mich der Titel sofort ansprach. In der DDR bekamen wir noch die Definition von Dimitroff gelehrt. Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk schreibt in seinem Buch, wie das erlernte, nicht aufgearbeitete „Geschichtswissen“ heute noch nachwirkt, wie und warum er sich immer wieder einmischt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig und vor allem zeitraubend es war, mein „Wissen“ und meine Vorurteile zu hinterfragen, denn, wie ich bereits einmal schrieb, geschah dies nicht im politikfreien Raum. Für Selbstbestätigung gab es immer wieder Gelegenheit. Sicher die Schüler heute lernen zu mindestens in der Schule anderes. In den sozialen Medien und am Küchentisch sieht es oft anders aus. Ilko-Sascha Kowalczuk stellt fest, dass der Westen in der Frage der AfD dem Osten nachhinkt. Dann sollte mensch sich fragen: Welchen Staat wollen die AfD Wähler jeweils? Der Resonanzraum im Osten ist ein anderer. Vielleicht hinkt Deutschland ja den USA nach.
„… verharmlosen Sie nebenbei die DDR-Gewalt. Um eine Verharmlosung von Gewalt ging es auch der AfD. “
Werte Kerstin,
das Geträume von einer „gewaltfreien Gesellschaft“ ist nun mal Geträume. Was Kontakt zu einer Wirklichkeit hat und haben kann, ist das Postulat zu einem GEWALTMONOPOL DES STAATES. Und die Frage, wie weit dieses gehen darf.
Dass der „SED-Unrechtsstaat“ Gewalt ausgeübt hat? Wie langweilig.
Die Frage ist doch, was an dieser Gewaltausübung Unrecht war. Also die Frage z.B., ob die DDR einen Vater, der keiner Arbeit nachging, unter dem Vorwurf des „Asozialen Lebenswandels“ – § 249 StGB DDR in Tateinheit mit „Verletzung der Unterhaltspflicht“ – § 141 StGB DDR ins Gefängnis sperren durfte.
Oder ob das eine durch nichts zu rechtfertigende politische Verfolgung ist, aus der heute eine Opferrente plus Versorgungsrente wechens Arbeitsunfähigkeit infolge der Haft folgt.
Wo, Bodo Walther, habe ich etwas über eine „gewaltfreien Gesellschaft“ geschrieben? Sie unterstellen mir mal wieder etwas. Die Frage ist, wie soll unsere Gesellschaft verfasst sein. Es geht in einer Demokratie um die Einhegung des Gewaltmonopols des Staates. Ansonsten fragen Sie doch einfach die KI: War der sogenannten „Asozialen-Paragraf“ in der DDR Unrecht? Die Ursprünge des Paragrafen liegen im Kaiserreich. https://www.mdr.de/geschichte/ddr/politik-gesellschaft/asozialenparagraph-arbeitslos-opposition-arbeitslager-zwangsadoption-100.html Dass es auch in Demokratien Menschen gibt, die mehr Rechte zu Gewaltanwendung fordern, konnte mensch aus den USA und bei der AfD vernehmen. Hier im Blog hatte wir die Diskussionen zu Folter, Strafvollzug usw. bereits vor ca.15 Jahren. Ich war nie im Gefängnis, doch in der chemischen Industrie, da arbeiteten eine Reihe von Gefangenen. https://youtu.be/9Sg79dtPq5E?t=927 In einem hatten Sie recht, ich habe Schuldgefühle, da ich mich damals zu wenig damit auseinandersetzte und stattdessen vermied. Meine Frage an Sie, Bodo Walther ist allerdings: Rechtfertigen Sie Gewalt und wenn ja warum?
Werte Frau Kerstin,
ich bin Ruhestandsbeamter. Und zum Beamten wurde ich mal, weil diese „Hoheitliche Befugnisse“ haben. Und „Hoheitliche Befugnisse auszuüben“ ist ein sehr verklausulierter Ausdruck von „Gewalt ausüben“. Staatsgewalt.
Ob ich „Gewalt rechtfertige“ ?
Was für eine Frage. Staatsgewalt auszuüben, Menschen wegen des Baus einer Strasse zu enteignen, das war mal mein Job.
Ach, Bodo Walther, ich denke schon, dass Sie wissen, das ich die Gewalt gegen vermeintliche und verurteilte Straftäter meinte. Natürlich bin ich mir im Klaren, dass jede Entscheidung als Gewalt empfunden werden kann. Konkret ging es in meinem Kommentar um den DDR-Strafvollzug. https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/227634/zwischen-kontrolle-und-willkuer-der-strafvollzug-in-der-ddr/ Im Buch »Profiteur der Krise« von Mark Schiefer beschreibt dieser, unter welchen Bedingungen Strafgefangene z. B. im Kombinat Bitterfeld in den Chlorfabriken arbeiteten. Ursache, für die im Buch vorgestellten 2 Vergiftungstode, waren oft Planwirtschaft, alte Anlagen, Dummheit und Gleichgültigkeit. Vor allem die Angst vor negativen Schlagzeilen im Westen führte zu Maßnahmen. Sie lenken erneut ab. Um dennoch auf Ihren Beitrag einzugehen: Gleich nach der Deutschen Einheit absolvierte ich eine Qualifikation, die auch Fragen des Eigentumsrecht in der BRD, z. B. Raumordnung, Planfeststellung beinhaltete. Die Enteignung ist das allerletzte Mittel. Das bedauern die Freunde der Diktatur gelegentlich, denn die Hürden sind hoch und die Verfahren langwierig, wie Sie wissen dürften.
Liebe Kerstin,
danke für den verlinkten Artikel. Insbesondere für die Aussage darin, dass der DDR-Strafvollzug nie die Mittel erwirtschaftete, die zu seinem Betrieb erforderlich waren. Sondern nur die Hälfte davon.
Hatte ich nicht gewußt, dass Strafvollzug auch für die DDR ein Zuschußgeschäft war.
Danke auch für den Hinweis darin, dass die Gelder, welche die Betriebe für die Entlohnung der Gefangenen ausreichten, keineswegs außergewöhnlich niedrig gewesen sind. Dass vielmehr der Strafvollzug davon Abzüge „für die Unterbringung“, also „für sich“ und Abzüge für den Tag der Entlassung des Gefangenen vornahm. Die „Rücklage“.
Ansonsten:
Einen Menschen einzusperren ist
IMMER
staatliche Gewalt.
Und im Inneren des Gefängnisses geht gewaltfrei schon deswegen nicht, weil im Justizvollzug ja zum Großteil Menschen eingesperrt sind, denen Gewalttaten vorgeworfen worden waren.
Ich möchte den Strafvollzug, den ich in Brandenburg unter den Mördern erlebt habe, nicht unter Mördern in so nem „Correctional Center“ in Alabama erlebt haben.
… nun, etwa 10%, nach Abzug von ‚Unterbringung‘ und Kindergeld, eines vergleichbaren Nettolohns für den Eingekerkerten dürfte richtig sein. Ich habe zuletzt in der Qualitätskontrolle arbeiten müssen. Mit etwa 120,00 Mark Knastgeld entlohnt, gehörte ich zu den ‚Meistverdienern‘.
Dass im ‚DDR‘-Strafvollzug die Kosten des Strafvollzugs nicht einmal annähernd gegen gerechnet werden konnten, bestreite ich. Das setzt Seriosität voraus. Ich kenne keinen Sozialismus mit menschlichem Antlitz.
In Cottbus wurden, u.a., für ‚Pentacon Dresden‘ Fotoapparate gefertigt, die dann (auch) in die ‚BRD‘ exportiert wurden. Das brachte Devisen. Ohne Devisen lief in der ‚DDR‘ nix. Keine Industrie, keine Landwirtschaft, keine Konsumgüterproduktion, nicht einmal Tschibo-Kaffee oder Wrigley’s Spearmint
hätten die Genossen in ihrer Bonzen-Wald-Siedlung Wandlitz kaufen können. Für den ‚Pöbel‘ ‚da draußen‘ gab es Kaffeeersatz und Autoreifen zum Kauen.
‚DDR‘-Geld war nix wert. Der Umtausch-Kurs auf westlichen Banken war politisch. ‚DDR-Diplomaten haben kofferweise ‚Mark der ‚DDR“ im Westen auf die Bank geschleppt und vier Mark für eine DM umgetauscht. Die ‚BRD‘-Politik hat das SED-Regime bei Stange und Laune gehalten.
„Ich kenne keinen Sozialismus mit menschlichem Antlitz.“
Lieber Hans,
das hätte jetzt nichts mit der Aussage zu tun, dass der DDR-Justizvollzug die DDR mehr kostete, als er an Gewinn erwirtschaften konnte.
Ob die unglaubliche Enge im DDR-Gefängnis ein „menschlicheres Antlitz“ hätte haben können, ist eine müßige Diskussion.
Sozialismus kann keine „großzügigereren“ Strafvollzugsanstalten bauen, weil ihm das Geld dazu fehlt. Sozialismus kann nicht Heerscharen von Sozialarbeitern zur Betreuung der Gefangenen einsetzen, weil ihm das Geld dazu fehlt.
Sozialismus macht arm. Das werden Marxisten nie wahrhaben wollen.
„Es gibt keine allgemeingültige Definition, was Faschismus sei.“
Lieber Ludwig,
„den Faschismus“ gibt es ebensowenig wir „den Sozialismus“. Die immer wieder zitierten Abermillionen im Namen „des Sozialismus“ Ermordeten haben wenig bis nichts mit der DDR zu tun.
Allenfalls in der unmittelbaren Nachkriegszeit.
„Dem Faschismus“ hängt auch nicht zwangsläufig ein Rassenwahn an. Dem spanischen Faschismus z.B. nicht.
Wo „der Faschismus“ für eine „ethnisch homogene“ Nation kämpfte („Der Sozialismus“ tat das auch), ..
… also in Osteuropa, ging es gegen die „Zugewanderten“ im Land und damit immer auch gehen die Juden.
„Eliminorisch“ wurde es, weil die Juden ja keine Heimat hatten, in die sie fliehen konnten.
Das autoritäre Regime Pilsudskis in Polen suchte ja „wenigstens“ noch gemeinsam mit den Zionisten nach einer solchen Heimat.
Also einem Ort, an dem „der Judenstaat“ gebaut werden könnte.
Schön, dass ich Ihnen, Bodo Walther, mit dem Link behilflich sein konnte. Ich denke, ich habe inzwischen verstanden, was Sie, Bodo Walther, umtreibt. Es war nicht so einfach für mich, dies aus kurzen Beiträgen und Kommentaren herauszufinden. Im Grunde lese ich lieber Bücher, in denen die Autoren umfassender ihre Gedanken darlegen können. Der Begriff des »Unrechtsstaats« wird von links abgelehnt, da er angeblich von Fritz Bauer für den NS geprägt worden sei. Wörterdiskussionen führen oft in sehr emotionale Geschichtsdebatten. Ich bin nicht daran interessiert, die Strafjustiz in der DDR schlimmer zu machen als sie war. Im Gegenteil, gegen meine Schuldgefühle wären gewaltärmere Institutionen in der DDR besser gewesen. Als Jugendliche sah ich die Busse bei ORWO einfahren. Wenn meine Brigade zur Kaffeepause ging, dann mussten sie durch eine Schleuse, die den Blick in eine solche Arbeitsstätte freigab. Am Eingang waren vergitterte Stehzellen. Als ich erschrak machten sich meine Kollegen über mich lustig, ich lachte zunächst mit, vermied dann die Konfrontation und blieb lieber alleine in der Werkstatt zurück, auch da die Erzählungen der Kollegen mich an einige Szenen im DEFA-Film »Die Verlobte« erinnerten. Während der Phase meiner Aufarbeitung hatte ich sogar versucht, mir ein paar DDR-Gesetze anzusehen. Theorie und Praxis unterscheiden sich dann doch. Sie betonen immer wieder wirtschaftliche Gründe, ich denke, dass da viel Ideologie, militärischer Drill, Gewohnheit und ein Mangel an Öffentlichkeit dabei waren, die auch nicht nur im Strafvollzug zu finden waren. In der DDR sollte „Erziehung“ einen Neuen Menschen schaffen. Jugendliche wurde zu Bekenntnissen, in Berufe und Fabriken gelenkt oder gezwungen. Nicht jeder war dem gewachsen oder wollte dies. Menschen, die mit Gewalt aufwachsen, füllen oft die Gefängnisse. Das führt auch dort zu Gewalt. Einige weltweite Vergleiche zu Gefängnissen– auch mit NS und über verschiedene Zeiträume in Deutschland – hatte ich auch angestellt. Der Nationalsozialismus hatte 1933 die Liberalisierung des Strafvollzuges beendet. Vielleicht sind wir in Deutschland mit der Liberalisierung manchmal zu weit gegangen, vielleicht wurde mit falschen Annahmen gearbeitet. Darüber wird gestritten. Die Justiz und Gefängnisse in den USA kenne ich auch nur aus Filmen und Diskussionen, die manchmal zur Normalisierung von Gewalt beitragen. Wie sehr Gewalt eskaliert, hängt m. E. nicht nur von den Häftlingen, sondern auch von den Zuständen in den Gefängnissen, den Einstellungen der Hierarchien und des Personals und der Rechtsmittel ab.
P.S.:
Richtig ist natürlich, dass Gefangene zu besuchen eines der sieben Werke der christlichen Barmherzigkeit sind.
https://de.wikipedia.org/wiki/Werke_der_Barmherzigkeit
Völlig egal, unter welchem Vorwurf der Gefangene gefangen ist.
Richtig ist leider auch, dass der Besucher, der einen Gefangenen besucht, der unter dem Vorwurf einsitzt, ein hochpolitisches Verbrechen begangenen zu haben, …
… dass dieser Besucher sofort unter den Verdacht gestellt wird, „auch so einer“ zu sein.
Das ist übrigens auch heute so.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article249717026/Reichsbuerger-Szene-AfD-Politiker-besuchen-Terrorverdaechtige-im-Gefaengnis.html
Ob man die AfD Faschisten nennen kann, ist zwar interessant. Aber die Kernfrage ist doch: Ist die Partei in ihren Grundüberzeugungen demokratisch? Setzt sie sich für die Grundwerte der Verfassung ein?
„Das fängt schon damit an, dass die Nazis keine Faschisten waren. Wesenskern des Nationalsozialismus war – anders als beim italienischen Faschismus – der eliminatorische Antisemitismus.“
Macht eliminatorischer Antisemitismus aus Faschisten Nicht-Faschisten?
Für mich ein seltsamer Gedanke … Natürlich gab es unterschiedliche Ausformungen des Faschismus, nicht nur den italienischen, und der Nationalsozialismus war eine davon.
Bei der Frage, was Faschismus ausmacht, halte ich die 14 Merkmale nach Laurence W. Britt für überzeugend. Und da ist die AFD – ebenso wie Putin – schon gut dabei, möchte nicht erleben, was sie gerne alles umsetzen würde …
Der eliminatorische Antisemitismus machte aus Nazis Nazis. Dieser Kern des nationalsozialistischen Rassenwahns machte einen entscheidenden Unterschied zu den Faschisten in Italien, Spanien und Portugal – bei allen sonstigen Gemeinsamkeiten.
„Der eliminatorische Antisemitismus machte aus Nazis Nazis.“
Kein Widerspruch.
Also waren die Nazis eliminatorisch-antisemitische Faschisten, aber sie waren auch und immer noch Faschisten. Ich halte darum die Formulierung im Text oben
„… dass die Nazis keine Faschisten waren“
für unglücklich.
Die von der Ustascha 1941 bis 1945 errichtete Diktatur war ebenfalls für Völkermorde verantwortlich, zumindest in dieser Phase könnte man die Ustascha auch als an Deutschland orientierte „Nazis“ bezeichnen..
Als Besonderheit des deutschen Nationalsozialismus 1933 bis 1945 würde ich den durchorganisierten und quasi-industriell durchgeführten Völkermord ansehen.
Die semantische Wortklauberei hilft nicht weiter. Nazis waren Nazis, wie ich geschrieben habe. Hier geht es aber darum, dass nicht wenige die AfD als „Faschisten“ bezeichnen, was ich für falsch halte. Aus den in meinem Beitrag genannten Gründen.
Die AFD mit Nazis gleichzusetzen halte ich für falsch, denn da fehlt das entscheidende Merkmal. Sie als „Faschisten“ zu bezeichnen, das würde ich nicht so schnell verwerfen.
Die Frage ist, wie man „Faschismus“ definiert. Wenn man sich an Laurence W. Britt oder auch an Umberto Eco hält, dann sind durchaus nicht wenige der jeweils 14 Merkmale mehr oder weniger deutlich gegeben. Und die Durchsetzung mancher Punkte erfordert die politische Macht, die die AFD noch nicht hat, aber anstrebt.
Dennoch halte ich auch eine Gleichsetzung der derzeitigen Lage mit 1933 für unzutreffend.
Andererseits haben wir in den letzten Jahren schon gesehen, wie Parteien Demokratie für das Erringen der Macht nutzen, um dann Demokratie schrittweise zu demontieren. Und wie schwierig es ist, eine beschädigte Demokratie zu reparieren. Kein Grund für Alarmismus, aber für Wachsamkeit.
ich empfehle mal die letzte „aspekte“ Sendung in der Mediathek – https://www.zdf.de/play/reportagen/aspekte-106/nazis-aufstieg-100 . Da kommt ein breites Spektrum zu Wort. Von Mahnern (Götz Aly) bis Alarmisten (Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit)
Ich empfehle den Vortrag von Jan Philipp Reemtsma zur Faschismus-Debatte bei einer Tagung in Konstanz im März und seinen gestrigen Artikel dazu in der FAZ: https://www.uni-konstanz.de/alumni/projektfoerderung-und-preise/projektarchiv/alumni-gefoerdertes-projekt/ist-es-faschismus-was-will-man-wissen-wenn-man-so-fragt/ und https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/was-soll-der-laerm-reemtsma-zum-faschismusbegriff-accg-201003072.html
Aus dem Artikel von Reemtsma in der FAZ und wie klar und wahr:
„Wer Soziologie betreibt und sich Hoffnungen macht, er könne durch sein akademisches Tun direkt politisch wirken, verkennt den Zusammenhang von Wissenschaftsbetrieb, Politik und Öffentlichkeit, denkt also soziologisch unterkomplex. Wer angesichts der verstörenden politischen Wirklichkeit nicht aushält, mit der (politischen) Bedeutung dessen, was sie oder er schreibt, realistisch (was auch heißt: theoretisch reflektiert) umzugehen, nimmt im Dienst seiner verständlichen Wünsche Schaden an seiner akademischen Qualität. Der Ärger, den meine Überlegungen ausgelöst haben, mag auch Ausdruck einer Kränkung sein. “
Nicht nur soziologisch, sondern auch physikalisch, geologisch, medizinisch, epidemiologisch, klimaforscherisch, umweltwissenschaftlich etc..
Der Schaden, der durch die selbstgerechte Attitüde von Akademikern an der Glaubwürdigkeit von ’statements‘ (mehr ist es in zu vielen Fällen nicht mehr) aus dem Wissenschaftsbetrieb angerichtet wurde, ist dauerhaft. Er dürfte zur Schließung von Universitäten im großen Stil (> 60%) in den nächsten Jahrzehnten führen. Und das nicht wegen ‚Faschismus‘, sondern aus Gründen von Eitelkeit einer unreifen Wissenschaftselite ohne den erforderlichen Ethos, die vermutlich in der Folge der sozialdemokratischen Bildungsreformen zu schnell Posten besetzt haben, für die sie charakterlich nicht geeignet sind.
„…, sondern aus Gründen von Eitelkeit einer unreifen Wissenschaftselite ohne den erforderlichen Ethos, die vermutlich in der Folge der sozialdemokratischen Bildungsreformen zu schnell Posten besetzt haben, für die sie charakterlich nicht geeignet sind.“
Lieber Klaus, jetzt greifen Sie aber ganz tief in die Mottenkiste. 😉
Die „selbstgerechte Attitüde“ von „unreifen“ Wissenschaftlern ist natürlich ein Phänomen, welches erst seit den „sozialdemokratischen Bildungsreformen“ hervorsprießt. An den alten Ordinarienuniversitäten war so etwas ganz und gar unbekannt, Charakter und sittliche Reife sowie der „erforderliche Ethos“ selbstverständlich. Siehe Theodor Schieder, Hans Filbinger, Martin Heidegger oder Otto Ohlendorf. Aus der Öde des heutigen Wissenschaftsbetriebs ragen da nur einige wenige Koryphäen hervor, die sine ira et studio unbenommen von den Folgen sozialdemokratischer Bildungsreformen die Ergebnisse ihrer Studien der geneigten Öffentlichkeit präsentieren: Prof. Fritz Vahrenholt, Prof. Sönke Neitzel, Prof. Bernd Raffelhüschen oder Dr. Dr. Rainer Zitelmann und ganz wenige andere!
Ironie aus: Ich denke, die sozialdemokratischen Bildungsreformen sind bis heute eines der großen Verdienste politischer Gestaltung bei weitem nicht nur der Sozialdemokraten in der alten BRD. Selige Zeiten einer historischen Sondersituation, als das Wort „Reform“ für einen Großteil der Menschen noch einen verheißungsvollen Charakter hatte.
Der von Ihnen zitierte Passus stellt ein Problem in den Mittelpunkt, welches so alt wie die Wissenschaft selbst sein mag. Wissenschaft wird ja betrieben, um politisch, ökonomisch, kulturell usw. instrumentalisiert zu werden. Ich gebe Ihnen doch völlig recht: Wissenschaft sollte keine „kämpfende Wissenschaft“ im Namen einer Ideologie oder auch nur Überzeugung sein, weil sie sich so selbst betrügt. Aber: In dieser Gefahr war sie mal mehr mal weniger zu allen Zeiten und von allen Seiten.
Beste Grüße!
Lieber Stefan, ich habe den Einwand erwartet, die Sicht aus Gutsherrenperspektive provoziert natürlich. Nur habe ich eben nirgendwo gesagt, daß die sozialdemokratischen Bildungsreformen direkt zu einer Negativauslese aus dem Pöbel geführt hätten und deswegen versuche ich mal die Sicht der Studenten wie folgt zusammenzufassen: Die Schulklassen, die in den 70erJahren bis ‚f‘ gingen, wurden mit Bafög und den Karriereversprechen ahnungsloser Eltern voller Aufstiegshoffnung auf unvorbereitete und chaotisch und anonym werdende Massenunis losgelassen, mit wenig Kontakt zu den Professoren, wo die dann viel zu vielen Doktoranden viel zu kleinteilig forschen während die Professoren mit Drittmitteleinwerbung, Qualitätssichung, ‚Gleichstellung‘ u.Ä. Bürokratiekram beschäftigt sind und indirekt durch die Aufblähung der Unis eben auch zu dieser großbehördenhaften Aufteilung der Forschungsfragen in maximalstmögliche Zahl von förderbaren Einheiten mit minimalstmöglicher gedanklicher Eigenleistung und Risiko, z.B. in diesen unsäglichen Forschungsverbünden. Wohin auch mit diesem Überschuss an Baby Boomer -‚Menschenmaterial‘? Und dann kam noch hintendrauf ‚Bologna‘ (das Zeitmotto war Standardisieren, Messen, Vergleichen, Bewerten, Aussieben wie in der Massentierhaltung nun mal üblich) und wenn man dann in dem Wust nicht mehr den Grund findet, um das was man da macht, noch irgendwie besonders oder toll zu finden, geht man entweder selbst in eine Therapie oder hängt sich an die überdrehten Ideen einer ihrerseits hoch therapiebedürftigen schwedischen Schülerin um einen Rest Selbstwirksamkeit zu spüren. Z.B. Diese Art von Uni ist dysfunktional und verhindert nützliche und stärkende Lebenserfahrung und Persönlichkeitsbildung. Zur Forschung könnte man noch sagen, daß man da lernt, das Studiendesign möglichst harmonisch an das Interesse und die erwarteten Aussagen der Drittmittelgeber anzuschmiegen. Ich kann jedenfalls jedem nur raten, die Zeit dort so kurz, wie möglich zu halten und dann noch was Ordentliches zu lernen. Irgendwas mit Schweißen, Löten, Wegflexen oder einen dieser raren Motorsägenkurse zu machen, damit man sich wenigstens Holz zum Heizen im Wald holen kann, wenn die Zeitverträge nicht mehr verlängert werden. Es mag immer noch Ausnahmen geben, aber genau diese sind zunehmend gefährdet. Warum? Weil jeder jedem reinredet in dem Geschäft und der Konsens immer mieser, weniger sachbezogen und umso ideologischer wird. Mit dem Abgang der der starken Jahrgänge auf der schiefen rutschigen Ebene ins Nirwana wird sich das Problem dann von selbst lösen und die Institute bis auf die wenige verbliebene substantielle Grundlagenforschung aufgelöst. Ingenieurwesen und Handwerk werden zusammengelegt und das zu Recht hochgelobte deutsche System der ‚dualen Ausbildung‘ ist längst aus der Zeit gefallen und überlebt nur mit selbständigen Betrieben und nicht mit institutionalisierten Ausbildungsstätten, denn das sind wieder eine Art Unis. Sarkasmus ist Realität und weder schlechte Laune noch Literatur oder Poesie und schon gar nicht „Mottenkiste“.
Übrigens danke ich meinem Herrgott, lieber Thomas Zimmer,
dass ich nicht 1948 unzer den Sowjets in Bautzen war, sondern 1984.
Unter dem von Ihnen so genannten „mörderischen SED-Regime“ wurde nämlich dort niemand mehr ermordet.
Und wischt Euch mal endlich Euern Schaum vom Mund, der Lieblingshistoriker und Sie.
Bei Eurer nachträglichen Widerstandskämpferei gegen Eure Jugendirrtümer.
Werter Kollege Greven. Ein paar Anmerkungen zu deiner Replik: Nein, die Befürchtung, ein neues 1933 stünde vor der Tür halte ich nicht für Alarmismus. Sie legitimiert selbstverständlich keine Gewalt, sehr wohl aber zivilen Ungehorsam. Der sich in den fast durchweg friedlichen Demonstrationen gegen den AfD-Parteitag in Erfurt manifestiert hat. Wer nur eine paar der Reden gehört hat, die die „Politiker“ der AfD in Erfurt gehalten haben, sollte wissen, was auf uns zukommt im Fall der Fälle. Wahlweise genügt ein Blick ins Wahlprogramm der AfD für die Sachsen-Anhalt-Wahl. Und ist nicht die dort von der AfD geplante Kündigung des Medienstaatsvertrags der weitreichendste Angriff auf die Pressefreiheit? Der Kabarettist Christian Ehring hat mal gesagt: „Vielleicht müssen wir ja ein Bundesland opfern“. Nein, sollten wir nicht. Den Schaden, den die AfD in einer Legislaturperiode anrichten könnte, wird man nicht so schnell beheben können. Nebenbei: ich empfehle mal die Lektüre des dystopischen Romans „2033“ von Bijan Moini. Literarisch belanglos, aber ein fundiertes „Was wäre wenn-Szenario“ aus der Sicht eines Juristen. Moini ist auch der der Mann, der hinter der Gesellschaft für Freiheitsrechte steht, die kürzlich das neue Gutachten zur Verfassungsfeindlichkeit der AfD vorgelegt hat.
Weiter: Über den Faschismus-Begriff streite ich ich nicht. Ich habe nur Kowalzcuk wiedergegeben und versucht zu verstehen, was er meint. Er hat kürzlich in einem Radiointerview erklärt, das es viele Faschismus-Definitionen gebe. Ich würde mich an die 14 Kernmerkmale des Faschismus nach Umberto Eco halten. Kowalczuks Faschismus-Begriff versteh ich vor allen als Abgrenzung von euphemistischen Zuschreibungen wie „Rechtspopulisten“. Ich denke, dass er vor allem deshalb damit operiert: um die Gefahr zu verdeutlichen, die von der AfD ausgeht.
Weiter: Islamisten sind die neuen Nazis. 1000 Prozent Zustimmung. Sie sind auch die alten Nazis, wir sehen es im Nahen Osten täglich in seiner brutalsten Form bei Hamas und Hisbollah. Aber: Sind Islamisten gerade im begriff, in Deutschland einen Ministerpräsidenten stellen zu wollen? Nicht das ich wüsste. Natürlich wird die islamistische Gefahr immer noch verharmlost, quer durch alle demokratischen Parteien. Und dagegen muss angegangen werden. Auch bei den Grünen – zumindest den Özdemirs – ist der Groschen schon längst gefallen. Und Alexander Dobrindt? Was macht der? Kooperiert fröhlich pfeifend mit den Taliban.
Auch bei der Diagose des linken Antisemitismus bin ich zu 100 Prozent bei Dir. Aber im Zusammenhang mit der AfD riecht das dann doch etwas nach Whataboutism, zumal das Thema Antisemitismus in Kowalczuks Text kaum eine Rolle spielt. Aber klar: Ramelow sollte aus der Linkspartei austreten, wie Du kürzlich geschrieben hast. (Ich kenne übrigens auch Juden, die just deshalb kürzlich die Linke verlassen haben, vernünftigerweise). Wäre auch interessant zu erfahren, ob Kowalczuk mit Ramelow mal über das Thema geredet hat. In dem gemeinsamen Gesprächsbuch der beiden kommt das Thema, soweit ich mich erinnere, ja nicht vor.
Weiter: Du schreibst: „ihr Erfüllungsgehilfe ist auch keineswegs die CDU, wie selbsterklärte Antifaschisten verkünden. Die CDU ist vielmehr ein bürgerliches Bollwerk gegen sie, anders als 1933 gegen die Nazis. Das sollte man loben und unterstützen“. Bravo! Das würde ich loben und unterstützen, wenn es „gesichert“ so wäre so wäre. Wobei ich überzeugt bin, dass die meisten in der CDU auch genau dieses Bollwerk sind.Vor ein paar Monaten haben wir in einem ausverkauften Saal Angela Merkel mit Standing Ovations gefeiert, ohne jemals CDU gewählt zu haben. Warum? Weil sie der Garant dafür war, das die CDU in der Mitte bleibt. Denn der CDU kommt in der Tat die entscheidende Rolle beim Kampf gegen die AfD zu. Sie kann mehr bewirken als alle Demonstranten gegen die AfD. Aber tut sie es? Merz eiert diesbezüglich leider rum. Ich würde mir wünschen, dass die Daniel Günthers und Hendrik Wüsts (der übrigens die AfD klar als „Nazipartei“ bezeichnet hat) lauter würden. Die Blog-Kollegen Ruprecht Polenz und Andreas Püttmann sowieso. Und siehe da, was lese ich gerade: Good News aus Bayern: Bisher lehnte die CSU ein AfD-Verbot ab – jetzt überrascht Fraktionschef Holetschek mit der Idee eines Teil-Verbots von Höckes Thüringer AfD. Geht doch!
Und noch eins: Ilko-Sascha Kowalczuk lässt sich sicher von nichts und niemandem vereinnahmen. Menschen, die so konsequent für die Freiheit eintreten, tun das im Regelfall nicht.
@T.Z.
Fundstück, im Buch ‚Wie konnte das geschehen?‘ von Götz Aly heißt ein denkwürdiger Absatz: »Ohne Frage arbeitete Hitlers Regierung mit politischen Techniken, die – in milderer Form – weiterhin in Gebrauch sind: die Manipulation von Informationen, die Zerstörung öffentlicher Räume, in denen gesellschaftliche Angelegenheiten frei diskutiert werden können; die Politik ungedeckter Staatsschulden; soziale Geschenke an die Massen bei zunehmend autoritärer Staatsführung; das Entfachen von Vorurteilen und Hass gegen geeignete und klar erkennbare Minderheiten, generalverdächtige Personen und Institutionen. Das alles geschah im hektischen Anschwellen der Gesetzes- und Verordnungsblätter messbaren Aktionismus, der Schwindelgefühle erzeugte und das Nachdenken lähmte.«
… no comment.
Klingt aber auch wie eine Vorlage für die Zeit nach der Afd-Machtübernahme. Gegner markieren, Hass und Hetze, sind doch Kernkompetenzen der Afd.
Na, da kennt der Herr Aly das Programm der Faschistenpartei AfD ja sehr genau.
@S.T. & T.Z.
… mein lieber Herr Gesangsverein, Sie beide wissen sehr wohl, dass die AfD – bisher – keinerlei politische Verantwortung für etwa ungedeckte Staatsschulden; soziale Geschenke an die Massen bei zunehmend autoritärer Staatsführung, innehat. Oder? Ergo; die AfD kann Aly also nicht meinen.
Natürlich hat Aly nicht die AfD gemeint. Aber er beschreibt exakt, was sie vorhat.
Der Verweis auf Götz Alys Buch „Wie konnte das geschehen?“ ist nur allzu berechtigt. Aly stellt keine vagen Behauptungen auf: Er forscht, findet, zitiert und beschreibt das, was war. Dabei zeigt er, dass der Nationalsozialismus mehr mit Sozialismus zu tun hatte, als es manchen heutzutage lieb ist. Mehr noch zeigt Aly, dass das Entstehen des Nationalsozialismus so gut wie keine Parallelen zur Entwicklung der AfD aufweist – von Faschismus ganz zu schweigen.
Nee, Hans. Aly meint die NSDAP bzw Hitlers Regierung. Sie interpretieren nur. Und sind erstaunt, wenn es andere auch tun.
Zur Info: „Deutschlands“ Staatsschulden sind nicht ungedeckt. Aber „soziale Geschenke an die Massen“ zeigt schon, wes Geistes Kind Sie sind.
Die Gesellschaft ist im Wandel und lässt sich gerade nicht, wie ’33, für dumm verkaufen. Kowalczuk und seine Entourage werden das schon noch begreifen. Er entblödet sich nicht, in der ‚Welt‘, den ‚Mitteldeutschen‘ einen ‚Freiheitsschock‘ zu attestieren. Ausgerechnet. Was haben die Menschen in Mittel-Deutschland doch für ein Glück, immerfort kostenlose ‚Demokratieberatung‘ zu erhalten, ohne danach gefragt zu haben.
Der ‚Historiker‘ geniert auch sich nicht Andersdenkende den zum Kampfbegriff mutierten Faschismus unterzujubeln. Er unterschlägt, dass die AfD auch im gutsituierten [sic!] Bayern bereits bei etwa 20% Wählerzustimmung angelangt ist. Auch in Bayern geht die Sonne im Osten auf.
Sozialismus ist diese Rechtsordnung, die ihre Grenzen zieht für das Reden und Schreiben, „Hans“.
Wer sie in der DDR übertrat, wurde verhaftet und sass beim Ministerium für Szaatssicherheit ein.
Wer dort nicht war, hat sie nie übertreten.
Ich halte doch disem Krawaltschuk gar nicht vor, dass er nicht wagte, was wir wagten, „Hans“.
Es war ja nun nicht bequem in Cottbus. Und freiwillig waren auch wir beide nicht dort.
Aber dieser ganze Sozialismus von ihm. Das beginnt bei „Deutsche Wohnen enteignen“, geht über die bösen Israelis, die den Palästinensern alles wegnehmen würden (Sozialisten landen irgendwann immer dort…)…
Und umfasst selbstverständlich die Forderung, dass „das Unsagbare“ nicht gesagt werden dürfe.
Sozialismus eben.
Der seine Grenzen setzt für das Reden und Schreiben.
Und deshalb waren wir ja in Cottbus.
Was hat der Antikommunist Kowalczuk mit Sozialismus am Hut? Exakt nichts.
Das hat wenig Aussicht auf Erfolg, lieber Thomas Zimmer, …
…. Ihnen erklären zu wollen, was „Deutsche Wohnen enteignen“, …
… was das mit Sozialismus zu tun hat.
Was hat Kowalzcuk mit „Deutsche Wohnen enteignen“ zu tun? Nichts. Und was hat er mit Sozialismus zut tun? Ebenso nichts. Heidi Reichinnek, die Lautsprecherbox der Linkspartei, behauptete in einer Debatte, die DDR sei ja gar kein richtiger Sozialismus gewesn. Kowalczuk meinte dazu: „Wenn das kein richtiger Kommunismus war, dann will ich nicht wissen, was der richtige Kommunismus ist. Im falschen gab es 100 Millionen Tote, wie viel schafft ihr mit dem richtigen?“ Ergo: Kowalczuk ist ein stabiler Antikommunist. So wie auch ich.
Machen Sie sich einfach mal kundig, lieber Kollege Thomas Zimmer.
Andersdenkende sind Andersdenkende. Faschisten sind Faschisten. Das ist ein gewaltiger Unterschied.