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Asal Dardan lebt wieder hier

Asal Dardan ist eine deutsche Kulturwissenschaftlerin. Vor zwei Jahren gab sie an, in Deutschland wegen des hier grassierenden Rassismus nicht mehr leben zu wollen. Jetzt ist sie wieder da. Ich freue mich darüber. Aber nicht über die kulturrelativistischen Thesen, die sie hier publiziert.

„Asal Dardan wohnt hier nicht mehr“ – so lautete die Überschrift in der „taz“ von 22.10.2018. Die Unterzeile: „Sie fühlen sich nicht verstanden und gewollt. Grassierender Rassismus stößt sie ab. Deutsche aus migrantischen Familien verlassen die Heimat.“

In dem Artikel von Seyda Kurt wird Dardan wie folgt zitiert: „Man weiß nie, wann es dich anspringt. In jeder Situation kann es passieren, dass du von deinem Gegenüber daran erinnert wirst, nicht als gleich und zugehörig, sprich als deutsch wahrgenommen zu werden.“ Ich fürchte, damit hat sie Recht. Das ist freilich – und das macht es nicht um einen Deut besser – wohl nirgendwo in Europa besser. Seyda Kurt erzählt: „Vor drei Jahren ist (Dardan) ins schwedische Malmö ausgewandert. Es sei wesentlich entspannter, hier nun eine ‚wirkliche Ausländerin‘ zu sein: ‚Hier muss ich nicht erklären, dass ich eigentlich keine bin. Das bin ich ganz offensichtlich: Nicht aufgrund meines Aussehens, sondern wegen meiner sprachlichen Befähigung − weil ich noch nicht fließend Schwedisch spreche.‘“

Nun ja. Es soll ja auch Deutsche mit Migrationshintergrund geben, die nicht fließend Deutsch sprechen. Das bedeutet doch nicht, dass sie primär deshalb als nicht zugehörig empfunden werden. Der deutsche – und der schwedische – Rassismus richtet sich ja nicht gegen radebrechende Engländer, Franzosen oder Italiener. Er ist direkt verbunden mit der sichtbaren Hautfarbe und äußerlichen Merkmalen wie dem Kopftuch, die kulturelle Unterschiede markieren sollen. Dardan ist keine Muslima, aber sichtbar nicht „biodeutsch“. In Schweden, wo die rechtsextremen „Schwedendemokraten“ 2018, im Jahr von Dardans Auswanderung, 18 Prozent der Stimmen bekamen, wird Dardan, schon bevor sie den Mund aufmacht und sich als Deutsche zu erkennen gibt, von Rassisten als „Fremde“ wahrgenommen, nicht anders als hier.

Unsauberer Journalismus

Nun stellt es sich heraus, dass die Überschrift des „taz“-Artikels irreführend war. Denn: „Nach Schweden sei (Dardan) eigentlich wegen ihres Partners ausgewandert.“ Nicht wegen Rassismus. Und, wie sie inzwischen auf Twitter richtiggestellt hat, nicht nach Malmö, sondern in die „Studentenstadt“ Lund, wo sie studiert hat, und wo vermutlich der Rassismus erheblich weniger sichtbar ist als in Malmö oder Stockholm. Doch weit davon entfernt, ein Beispiel für Auswanderung wegen Rassismus zu sein: „Vor Kurzem haben wir (Dardan und ihr Partner, A.P.) darüber nachgedacht, nach Deutschland zurückzukehren.“ Sagen wir es so: Journalistisch sauber sind die Überschriften nicht. Man fragt sich, warum Dardan keinen Einspruch erhoben hat.

Stand Oktober 2018 freilich wollte Dardan dann doch nicht zurückkehren, wg. Horst Seehofer: „Spätestens nach einem Satz von Horst Seehofer dachte ich mir: Jetzt beantrage ich die schwedische Staatsbürgerschaft.“ Seyda Kurt erläutert: „Der Bundesinnenminister hatte im September Migration als ‚Mutter aller Probleme‘ bezeichnet.“ Das stimmt nicht, und das hätte Seyda Kurt, wenn es ihr um mehr als Stimmungsmache gegangen wäre, auch berichtigen können. Seehofer sagte, die MigrationsFRAGE sei die Mutter aller POLITISCHEN Probleme.“ „Mutter aller …“ ist eine seit dem Zweiten Irakkrieg in Anlehnung an Saddam Husseins „Mutter aller Schlachten“ gängige Bezeichnung für „der / die /das größte …“. Seehofer meinte also, die Frage der Migration sei das wichtigste Problem für die deutsche Politik, und das würden vermutlich nicht einmal seine linken Kritiker*innen lösen. Er hat nicht gesagt, die Migration sei an sich ein Problem. Das hätte auch die Kulturwissenschaftlerin Dardan ergoogeln können.

Der schwedische Rassismus

Stattdessen wollte sie dann doch lieber in Schweden bleiben, von dem der schwedische Ökonom Tino Sanandaji damals sagte: „Bis vor etwa drei Jahren war es in der politischen Mitte tabu, sich öffentlich kritisch zu Migration und deren Folgen zu äußern. Das taten nur die Schwedendemokraten (…) Aber viele Schweden haben Angst, dass ihr Land so wird wie die USA: geprägt von Ghettos und Reichenvierteln in den Städten. Einige Ghettos haben wir hier ja schon. (…) Dort leben vor allem sozialschwache, niedrig qualifizierte Migranten. Die Kinder gehen in Schulen, die blonde, blauäugige Einheimische kaum besuchen. In Schweden gibt es einen politisch-korrekten Rassismus. Viele Schweden, gerade aus der oberen Mittelschicht, geben sich weltoffen. Tatsächlich wollen sie nichts zu tun haben mit Migranten. Es ist bewiesen, dass Sie schlechter eine Wohnung kriegen, wenn Sie Mohammed statt Sven heißen. Und wenn ein junger Mann aus einem Problemviertel eine Reichen-Disco besuchen will, wird ihn der Türsteher kaum hineinlassen. Unser Staat hat diesen Migranten Geld und Wohnungen gegeben, aber er hat sie nicht gut integriert. Wir haben eine ethnische Unterklasse erschaffen.“

Wieso kann eine Kulturwissenschaftlerin wie Dardan, selbst wenn sie im beschaulichen Lund lebt, das nicht sehen? Oder nicht sagen? Und so tun, als sei Seehofer das Problem? Oder vielmehr nicht Seehofer, sondern die Mehrheit der Deutschen, die ihn ja gewählt habe: „Die Mehrheitsgesellschaft wisse, dass Seehofer ihr Innenminister sei, sagt Dardan. Dass er für sie spreche und sie in Schutz nehme. Menschen wie sie, Deutsche, die nicht weiß sind, wissen das nicht. (…) Vielleicht könne sie vieles nur ertragen, weil sie nicht in Deutschland lebe, nicht mittendrin sei. ‚Es ist ein Teil von mir, aber ich fühle mich nicht zugehörig. Ich fühle mich weggeschoben.‘“

Es gibt viele aus der „Mehrheitsgesellschaft“, also der Weißen, die Seehofer keineswegs als „ihren Innenminister“ ansehen. Aber abgesehen davon: Dass Seehofer die Migrationsfrage als wichtigstes politisches Problem Deutschlands ansieht, heißt nicht, dass Dardan „weggeschoben“ wird. Schon 2016 hatte Schweden übrigens die Asylregelungen verschärft. Inzwischen hat auch die dortige Rot-Grüne Regierungskoalition erkannt, dass es ein Problem gibt: „Ist die Migration so stark, dass die Integration nicht mehr gelingt, riskieren wir auch, mehr Probleme dieser Art zu bekommen. Das ist glasklar“, sagte der sozialdemokratische Ministerpräsident Stefan Löfven kürzlich. Mit „Probleme dieser Art“ war die Bandenkriminalität gemeint. Wer das anspricht, ist kein Rassist. Nein, ich verbessere mich: Wer das anspricht, kann Rassist sein; muss es aber nicht. Gelegentlich sprechen Rassisten ja echte Probleme an, und wer diese Probleme leugnet, spielt den Rassisten in die Hände.

Kevin Kühnert und das Schweigen der Linken

Womit wir bei Kevin Kühnert wären. Als er das „Schweigen der Linken“ zum islamistischen Terror kritisierte, sagte der Juso-chef und Vizevorsitzende der SPD: „Ich bin überzeugt, dass viele von uns dem vom rassistischen Ressentiment lebenden politischen Gegner keine ungewollten Stichworte liefern wollen. Und dass wir durch unser Schweigen genau das Gegenteil dessen erreichen, weil es als Argument gegen uns in Stellung gebracht wird. Und weil dieser Umstand die Ressentiments verstärkt, vor denen wir betroffene Menschen eigentlich schützen wollen.“

Freilich war das für Kühnert nicht der wichtigste Grund, weshalb die Linke ihr „unangenehm auffälliges Schweigen“ beenden müsse: „Sie muss das Wort erheben, weil es auch und insbesondere ihre proklamierten Werte sind, die bei ausnahmslos jedem Terroranschlag mit Füßen getreten, mit Messern erdolcht und mit Sprengsätzen in die Luft gejagt werden. Ich meine damit nicht allein die Verletzung elementarer Grund- und Menschenrechte, die richtigerweise universell sind und keinem politischen Lager gehören. (…) Nein, als links denkender Mensch entsteht zumindest meine Empörung aus etwas anderem. Mich beschäftigt das in der beispiellosen Anmaßung zum Richter über Leben und Tod mündende Menschenbild der Täter. Diese Selbstermächtigung, (über) andere zu richten, stellt nicht nur einen ungeheuerlichen Eingriff in die erstrittenen Regeln menschlichen Miteinanders dar. Es handelt sich auch um durch und durch autoritäre Taten, die sich nicht nur gegen Recht, Gesetz und gesellschaftliche Normen, sondern insbesondere auch gegen die von links proklamierte Gesellschaft der Freien und Gleichen mit mörderischer Brutalität wendet. Wie kann man das übersehen oder gar dazu schweigen?“

Man müsste denken, dass jede Linke diesen Worten Kühnerts zustimmen müsse, selbst wenn der eine oder andere – wie etwa Deniz Yücel in der WELT – Kühnerts Behauptung zurückweist, es gebe insgesamt ein Schweigen der Linken zum Thema Islamismus und Terror.

Asan Dardan gegen Kevin Kühnert

Doch nein. Asan Dardan – siehe oben – widerspricht. Nicht aus dem schwedischen Exil. Sie lebt mittlerweile unter uns Rassisten von der deutschen „Mehrheitsgesellschaft“.

Dardan schreibt in einer redaktionell explizit als Erwiderung auf Kühnert – „Hier antwortet sie auf den Vorwurf des SPD-Politikers Kevin Kühnert“ –  gekennzeichneten Beitrag :  „Es gibt eine in allen politischen Lagern weitverbreitete Vorstellung eines Islam, der ihm abspricht, was für andere Religionen selbstverständlich ist: Statt ihn als Interpretation und Praxis von Gläubigen an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten zu sehen, wird er zu einem unveränderbaren Glaubensprinzip aus uralten Texten und Traditionen verklärt. Und so wird der Islamismus  zum muslimischen Problem gemacht und die Religion gleich mit. Denn die Gewalt erwächst in dieser Sicht aus ihr heraus, ist ihr zu eigen.“

Nun, diese Vorstellung mag es geben, insbesondere bei den Dschihadisten selbst, aber davon findet sich bei Kühnert kein Wort. Kein Wort. Nach diesem Scheinangriff kommt eine Passage, die eine mehrmalige Lektüre lohnt: „In der Konsequenz bedeutet das, sie (die Gewalt, A.P.) kann nur eingedämmt werden, wenn die Gläubigen sich an europäische Werte anpassen. Das wäre aber ebenfalls nicht die ‚von links proklamierte Gesellschaft der Freien und Gleichen‘, wie Kühnert sie gern hätte. Frei und gleich bedeutet nämlich, dass alle Menschen anders sein dürfen, ohne zum Anderen gemacht zu werden. Statt also im Namen universalistischer Werte der Gleichmacherei der Rechten nachzueifern, sollten Linke sich selbstbewusst zur gesellschaftlichen Differenz bekennen.“

Universelle Werte sind wichtig. Nicht für Asan Dardan

Nein, Frau Dardan. Frei und gleich bedeutet, dass alle gleiche Rechte und gleiche Pflichten haben. Zu den Rechten gehört selbstverständlich die freie Religionsausübung, und nach meinem Empfinden – aber man kann das auch als Linke oder Liberaler anders empfinden, und darüber kann man zivilisiert streiten – gehören dazu das Recht, Moscheen mit Minarett zu errichten, das Recht, Tiere zu schächten, das Recht, männliche Kinder zu beschneiden, und das Recht, überall, auch als Polizistin oder Lehrer, Richterin oder Staatsanwalt, Kopftuch oder Kippa (oder ein Kreuz an der Halskette) zu tragen. Zu den Pflichten gehören der Respekt vor den Grundrechten, die in der Verfassung verankert sind, und der Werte, die sie tragen. Und das sind keine „europäischen Werte“, sondern, wie Kühnert sehr richtig sagte, universelle Werte. Es gibt keine „europäischen Werte“, die anders wären als „afrikanische“ oder „asiatische“, geschweige denn „muslimische“. Und wenn es sie gibt, so haben sie sich zu verantworten vor den universellen Werten der Menschheit. Können sie nicht bestehen, so ist der Kampf gegen diese „Werte“ Menschheitspflicht.

Die Hoffnung auf Integration – ohne Assimilation – beruht ja gerade darauf, dass Christen und Muslime ebenso wie Atheisten die zuerst von den Juden proklamierten und in der UN-Erklärung der Menschenrechte festgehaltenen universellen Werte hochhalten; und dass sie dort, wo sie es nicht in der Praxis tun, zu Umkehr und Besserung fähig sind, weil sie sich an ihren eigenen Werten und Worten messen lassen müssen. Die Forderung, „dass alle Menschen anders sein dürfen, ohne zum Anderen gemacht zu werden“, ist irreführend, weil sie unterschlägt, dass es nicht um das Sein geht, sondern um das Handeln. Menschen dürfen nicht alles tun, was sie wollen.

Wer „europäische Werte“ in Europa nicht gelten lassen will, verrät die universellen Werte 

Wenn wir aber feststellen, dass etwa die freie Wahl des Liebespartners – ob in der Ehe oder außerhalb jeder formellen Beziehung – so etwas wie ein „europäischer Wert“ ist, freilich erst in allerletzter Zeit, aber keineswegs als Wert in mehrheitlich muslimischen Ländern akzeptiert wird; so werden wir zwar nicht versuchen, unsere Vorstellungen diesen Ländern aufzuzwingen; aber wir werden sehr wohl zumindest negativ – zumal als Linke oder Liberale – sagen, dass wir im Konflikt zwischen einer lesbischen Muslima und ihrem Vater, der sie gegen ihren Willen verheiraten werden, für die Tochter und ihre Liebhaberin Partei ergreifen werden. Überall in der Welt, besonders aber hier bei uns in Europa, wo wir ja die Werte und meistens auch die Gesetze auf unserer Seite haben. Und wir werden auch dafür sorgen, dass andere Äußerungen eines unaufgeklärten Religionsverständnisses wie die Mädchenbeschneidung oder der Ehrenmord verboten bleiben und bestraft werden. Nicht im Namen Europas, sondern der Menschheit.

Was soll also die Beschwörung des „Rechts, anders sein zu dürfen“ ausgerechnet gegen „europäische Werte“, die, wenn es sie überhaupt als etwas Besonderes gibt, genau dieses Recht sichern, ob in Berlin oder Tel Aviv, während es weder in Teheran noch Gaza das Recht gibt, homosexuell zu sein? Und was hat das alles mit dem islamistischen Terror zu tun? Gibt es etwa ein Recht, so beleidigt darüber zu sein, dass bei uns Karikaturen des Propheten gezeigt werden, dass man einem Lehrer den Kopf abschneidet?

Was ist „Säkularität als politische Doktrin“?

Das sagt Dardan natürlich nicht. Aber sie – selbst übrigens keine Muslima, aber nach eigenem Verständnis eine Linke – behauptet: „Das gilt auch im Falle von Säkularität als politische Doktrin, wie sie der französische Präsident Emmanuel Macron im laizistischen Frankreich vertritt. Sie verkennt, dass es nicht um die Abwesenheit von Religion im öffentlichen Leben geht, sondern um ihre Freiheit. Der Staat muss selbstverständlich unabhängig sein, aber er muss allen Gläubigen gewährleisten, dass sie in ihrer Religiosität respektiert werden und auch sichtbar sein dürfen.“

Nein, Frau Dardan. Macron vertritt keine politische Doktrin als Privatperson, und wenn, vertritt er den Säkularismus, nicht die „Säkularität“; er vertritt als Staatspräsident die Doktrin der Französischen Republik. Alles andere wäre ein Skandal. In Deutschland ist die Staatsdoktrin eine andere; sie beruht auf der Kooptation der religiösen Gemeinschaften, auf der Kooperation von Staat und den als Körperschaften des öffentlichen Rechts konstituierten Religionsgemeinschaften. Der Hinweis ist aber ohnehin daneben. Denn Macron vertrat in der Sache Samuel Paty nicht „die Säkularität“, sondern die Meinungs- und Lehrfreiheit in der Schule, in der Universität und im ganzen Land. Nur ein „europäischer Wert“, Frau Dardan? Gewiss, er gilt weder in Pakistan noch China, weder in Weißrussland noch Saudi Arabien, aber schränkt das seine universelle Bedeutung ein?

Muss der Staat den Respekt vor der Religion garantieren? Und wer bestimmt, was das bedeutet?

„Der Staat muss selbstverständlich unabhängig sein, aber er muss allen Gläubigen gewährleisten, dass sie in ihrer Religiosität respektiert werden und auch sichtbar sein dürfen.“ Absolut richtig, Frau Dardan, und wenn Sie Unterschriften für eine Petition gegen das Minarettverbot in der Schweiz sammeln, meine können Sie gerne haben. Aber Moment. Was heißt, der Staat müsse „allen Gläubigen gewährleisten, dass sie in ihrer Religiosität respektiert werden“? Muss der Staat „gewährleisten“, dass das von extremistischen Muslimen verfügte und von muslimischen Terroristen exekutierte Verbot, Karikaturen des Propheten zu zeigen, in der Schule befolgt wird, weil sonst irgendwelche Muslime sich unzureichend „in ihrer Religiosität respektiert“ fühlen? Wie ist es mit Karikaturen von Jesus? Mit Filmen wie „Life of Brian“? Werden wir anfangen, auch die Religiosität fundamentalistischer Christen zu „respektieren“, wenn einige von ihnen anfangen, uns die Köpfe abzuschneiden?

Dreht Kevin Kühnert an der Gewaltspirale?

Dardan beantwortet nicht die Fragen, die sich aus ihrem Text ergeben, sondern wechselt das Thema: „Die islamistische Gewalt ist selbstverständlich real, aber sie hat nicht unweigerlich etwas mit muslimischen Minderheiten in Europa zu tun. Der Islamismus agiert global, nutzt aber zugleich lokale Bedingungen für sich. In Europa lebt er unter anderem von der Angst vor Muslimen. Tatsächlich befeuert die wachsende Muslimfeindlichkeit laut einer Studie des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena sogar den islamistischen Fundamentalismus. An dieser Gewaltspirale sollte man gerade als Linker nicht weiter mitwirken.“

Was soll es heißen, dass die real existierende islamistische Gewalt „nicht unweigerlich“ etwas mit muslimischen Minderheiten in Europa zu tun habe? In fast allen Fällen islamistischen Terrors in Europa entstammten die Täter diesen Minderheiten. Dardan aber scheint anzudeuten, dass sie nur reagiert hätten auf „wachsende Muslimfeindlichkeit“. Nun, hier gibt es sicher keine „Gewaltspirale“ – hier Kühnerts Forderung, universelle Werte hochzuhalten, dort das Abschlachten eines Lehrers. Die Verwendung dieses Begriffs ist an und für sich schon skandalös. Aber es gibt sicher ein Huhn-und-Ei-Problem: Was war zuerst da: islamistischer Terror weltweit oder „wachsende Muslimfeindlichkeit“? Ganz gewiss befeuert das eine Phänomen das andere, da hat Dardan Recht. Aber Kühnert hat kein einziges muslimfeindliches Wort geäußert.

Und wieder wechselt Dardan das Thema, bevor sie in den Fallstricken ihres eigenen wirrenTextes gefangen wird: „So wie Sarrazins Name in Kühnerts Text nicht fällt, vergisst er übrigens auch ansonsten die Rolle seiner eigenen Partei. Etwa als Teil der Regierung, die Waffenlieferungen und Wirtschaftsbeziehungen zu Staaten mitträgt, die als finanzielle und ideelle Unterstützer von Islamisten bekannt sind.“ OK. Zu wem sollten wir nach Meinung von Frau Dardan die Wirtschaftsbeziehungen abbrechen: Türkei, Iran, Saudi Arabien, Katar, Palästina, Pakistan, Malaysia sind Staaten, die mir auf Anhieb einfallen, deren Regierungen Islamisten finanziell oder ideell unterstützen. Sollen wir wirklich die Wirtschaftsbeziehungen zu ihnen abbrechen?

Und plötzlich ist es doch ein „lokales Problem“

Und wieder wechselt die Kulturwissenschaftlerin das Thema: Obwohl sie zuvor behauptet hat, der Islamismus habe „nicht unweigerlich etwas mit muslimischen Minderheiten in Europa zu tun“, ändert sie nun unvermittelt ihre Meinung:  „Ob man den Islamismus nun als modernen Prozess ähnlich des (sic) Nationalismus, als manipulative Jugendbewegung oder eine extreme Auslegung von Traditionen sieht – man wird ihn in Europa nur eindämmen können, wenn man sich mit den Lebensbedingungen seiner Anhänger beschäftigt, muslimische Akteurinnen einbindet und effektive Maßnahmen gegen ihn stärkt. Dazu gehört auch, das Problem als lokales zu begreifen, eines, das zu uns gehört, weil es in unseren Schulen, unseren Gefängnissen und unseren Straßen wächst.“

In der Tat. Es hat „unweigerlich“ etwas mit den Muslimen hier zu tun. Und mit dem Islam, weil es sich beim Islamismus in der Tat auch „um eine extreme Auslegung von (islamischen) Traditionen“ geht, was Dardan oben noch geleugnet hat. Und weil das so ist, müssen sich Linke und Liberale ohne Wenn und Aber, ohne entschuldigende Hinweise auf Sarrazin und Panzer für die Saudis, antimuslimische Vorurteile und mangelnde Sichtbarkeit von Muslimen, gegen den Islamismus – eine islamisch geprägte Variante des europäischen Klerikalfaschismus – in allen seinen Manifestationen wenden. Frau Dardan, die nichts gegen ihre Stilisierung als Verstoßene, als Exilantin wg. Rassismus unternahm und im Zweifel die Schuld für den Islamismus bei der „Mehrheitsgesellschaft“ – Codewort für Weiße – und ihrem Rassismus findet, ist leider ein gutes Beispiel für das Problem, das Kevin Kühnert nannte. Ihre Einlassungen sind wirr, missverständlich, widersprüchlich und im Kern werterelativistisch und darum beim Kampf um Artikel 1 des Grundgesetzes – denn darum geht es im Kern – nicht hilfreich. 

Nachtrag:

Am Ende ihres Artikels empfiehlt Dardan dem Juso-Chef, sich lieber einem anderen Thema zu widmen: „Wie wertvoll und bemerkenswert wäre es gewesen, hätte Kühnert in seinem Text über die bereits bestehende Erfahrung und Präventionsarbeit im Bereich des Islamismus geschrieben, die im Übrigen zum überwiegenden Teil von linken und migrantischen Menschen geleistet wird.“

Nach dem Terroranschlag von Wien, begangen von einem Fanatiker, der erfolgreich einen Deradikalisierungskurs durchlaufen hatte, kann man nur betonen, wie wertvoll und bemerkenswert es war, dass Kühnert das Hauptproblem im Auge behielt: die Unterschätzung der islamistischen Gefahr seitens eines nicht unbedeutenden Teils der Linken, darunter anscheinend auch einiger, die in der Präventionsarbeit tätig sind.

 

Hinweis: In der ersten Fassung des Artikels habe ich den Namen der Journalistin Seyda Kurt zweimal falsch geschrieben. Und in dieser Berichtigung auch einmal. Das tut mir Leid.

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44 Gedanken zu “Asal Dardan lebt wieder hier;”

  1. avatar

    „Ich würde keine Hitliste der gefährlichen Ideologien aufstellen. “

    Ich schon. Abhängig vom historischen Zeitverlauf je andere natürlich.

    „Zumal ich nicht weiß, was das bringt. “

    Sich darüber klar zu werden, was die offene Gesellschaft voraussichtlich am härtesten trifft? Und da hat der Woek-ismus eine Reihe von klar erkennbaren Vorteilen:

    – Er ist bruchlos vereinbar mit jeder Form von Kapitalismus im weitesten Sinne
    – Er gibt erfolgreich vor, die Universalität der Menschenrechte konsequent zu Ende zu buchstabieren
    – Er hat im angelsächsischen Raum die höhere Erziehung erfolgreich und fast vollständig ebenso übernommen, wie die liberalen Leitmedien. In Westeuropa ist der Woke-ismus auf dem Weg der Widerholung dieser Übernahme

    Kurz, er agiert im und aus dem Inneren der offenen Gesellschaft und noch mit Mitteln, die oberflächlich betrachtet erst einmal nicht wie eine Gefährdung der offenen Gesellschaft aussehen. Und das unterscheidet ihn deutlich von allen anderen genannten Ideologien, die zumeist nicht einmal vorgeben, mit einer offenen Gesellschaft vereinbar zu sein. Genau deshalb halte ich diese Ideologie für die gefährlichste – die Herausforderung aller anderen kommt letztlich von aussen, ist nicht mehrheitsfähig und selbst für Halbblinde offenkundig.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    1. avatar

      Ja, lieber Thorsten Haupts, die Argumente sind gewichtig. Da ich wiederholt gegen „postkoloniale“ und ähnliche Ideologien hier und anderswo argumentiert habe, während ich auf der anderen Seite eher bei den Feministinnen bin, wenn es um sprachliche Regelungen, Quoten usw. geht, bin ich der Ansicht, dass die Zusammenführung aller dieser Strömungen zu einem einheitlichen „Woke-ism“ eine Konstruktion ist einerseits der radikalen „intersektionalen“ Ideologen, andererseits der Gegner jeder kulturellen Veränderung ist. Differenzierung tut Not. Und: Gewalt bleibt Gewalt.

    2. avatar

      Ich würde der „Hitliste der gefährlichen Ideologien“ gerne noch einen ‚Hit‘ hinzufügen: Die Zurückdrängung des wissenschaftlichen Diskurses durch interessierte Kreise:
      Z.B. fordert die stets sehr dekoritiv und unterhaltsam eifernde Wissenschaftsjournalistin..
      ( z.B. hier, sie scheint ja sehr präsent zu sein derzeit: https://www.youtube.com/watch?v=Nn2rJrKwENI )
      ..in den ÖR-Sendern eine „Qualitätssicherung“ für von in der Öffentlichkeit geäußerten wissenschaftlichen Meinungen (als wenn es zu wissenschaftlichen Thesen ein ‚peer review‘ nicht längst geben würde). Qualitätssicherung (sie meint wohl eher Zensur) – natürlich durch die ‚Faktenchecker‘ des ÖR: Bakhdi, Wodarg, demnächst Streek, alles durch den ÖR zertifizierte Aluhutträger. (Über die Selektivität des PCR-Tests: Nichts Substanzielles außer: „Wir haben nichts besseres“). Ein Beispiel, das aktuellste.
      Das Ganze wird aber in Zukunft eine tiefere Bedeutung bekommen, denn: Ohne Außenseiter-Thesen kein wissenschaftlicher Fortschritt. Ohne Diskurs wächst keine Erkenntnis, also die intellektuelle Annäherung an Wirklichkeit oder – wem das zu weit geht – weitestgehende Übereinstimmung von Theorie und Experiment. Wer aber sagt ‚jetzt haben wir DIE Erkenntnis‘ und alle, die das nicht erkennen (wollen!..) sind Aluhutträger, missachtet jeden Erkenntnisweg in der Wissenschaftsgeschichte, die mit nicht mehr, als widerlegten Glaubenssätzen gepflastert ist. Wir fallen damit nicht nur hinter Kant zurück (gebrauche deinen eigenen Verstand), sondern auch hinter die Scholastik, die Diskurs ausdrücklich zuließ und nur in einer Frage nicht ergebnisoffen sein wollte. Welch enges Korsett heute in den Wissenschaftsfraktionen – längst viel näher bei ..-ismen, als bei wirklicher Suche nach Erkenntnis. Mehrheitsfindung innerhalb einer abgegrenzten (‚Experten‘-) Gruppe ist keine Wissenschaft, sondern Sektierertum. Und genau damit Pseudorationalität, die intellektiuell auf der gleichen Ebene, wie Glaubenssätze, die eine Mehrheit bestimmt (z.B. 97%). Und entsprechend schwach und angreifbar. Wäre ich Islamist (und verstünde das, wovon wohl nicht auszugehen ist), würde ich mir ins Fäustchen lachen.

      1. avatar

        @ Klaus J. Nick

        Mir geht beim Lesen ihrer Zeilen der Hut hoch! Sie sprechen ja nicht von Wissenschaft, sie sprechen vom Mediengeschäft um die Wissenschaft herum. Und bei aller Liebe, das sind zwei abgrundtief verschiedene Dinge! Wenn Bhakdi und Wodarg etwas beizutragen haben, dann sollten Sie ihre Erkenntnisse in einem entsprechenden Fachjournal veröffentlichen und die Welt damit erhellen. Das tun Sie aber nicht! Stattdessen erstellt Bhakdi einen Youtube-Kanal, der natürlich seinen vollen Titel trägt, da er wohl fürchtet, dass ihm ansonsten nicht genug Leute zuhören. Wenn es morgen einen Preprint gäbe, der mit bestem Studiendesign und großer Fallzahl zeigte, dass die Covid-Erkrankung tatsächlich nur in den seltensten Fällen zu schwerer Krankheit oder Tod führte und stattdessen schwere Verläufe und erhöhte Sterberaten durch andere, lokal unterschiedliche Spezifika zu erklären seien, dann würde dieser weltweit von Wissenschaftlern aufgegriffen und kritisch gewürdigt. Denn es gibt unzählige Beiträge, die früher verbreitete Thesen als unwahrscheinlich oder falsch kritisieren und stattdessen erfolgreich (!) neue, deutlich besser zu Experiment und Fundamentaltheorie passende Thesen zur Debatte stellen. All das hat – in erster Linie – wenig zu tun mit einem Mediengeschäft um die Wissenschaft herum, wo nicht mal ein Fünkchen vom argumentativen Rigorismus herrscht, für den gute Wissenschaft steht.

      2. avatar

        Lieber Thorsten Haupts, das „Mediengeschäft um die Wissenschaft herum“ wird längst von der Wissenschaft selber betrieben. Bzw. von deren etablierten Protagonisten. Und das wissen Sie genau. Nicht? Möchten Sie wirklich noch Beispiele?

      3. avatar

        ..und dass Statistik, Studien usw. enorm interpretationsfähig sind, die i.d.R. Interessen folgt, kann man auch wissen, sofern man will. Insbesondere, wenn es sich um nicht exakte Disziplinen handelt, wie z.B. der Medizin. Daher bleibe ich bei meiner Aussage.

      4. avatar

        Sorry lieber Thorsen Haupts, Sie waren nicht gemeint, das galt @Thomas Reichert
        Da schreiben Sie soviel Unsinn, dass noch nicht mal das Gegenteil stimmen würde – ein klassisches Beispiel für Diskurs-Simulation bzw. Propaganda.
        „Wenn Bhakdi und Wodarg etwas beizutragen haben, dann sollten Sie ihre Erkenntnisse in einem entsprechenden Fachjournal veröffentlichen und die Welt damit erhellen.“
        Ich vermute, Sie wissen ganz genau, dass Beiträge von (pensionierten) Experten-Einzelkämpfern in den üblichen Journalen von der gut vernetzten ‚Peer Group‘ sofort abgebügelt werden.
        „Stattdessen erstellt Bhakdi einen Youtube-Kanal, der natürlich seinen vollen Titel trägt, da er wohl fürchtet, dass ihm ansonsten nicht genug Leute zuhören.“
        Nun, das scheint mir die gleiche Inszenierung zu sein, wie die von Prof. Dr. Drosten & Co. Man kann auch den Titel weglassen, wenn sowieso klar ist, dass er vorhanden ist. Kommt noch besser, mit ‚understatement‘ sozusagen.
        „Wenn es morgen einen Preprint gäbe, der mit bestem Studiendesign und großer Fallzahl zeigte, dass die Covid-Erkrankung tatsächlich nur in den seltensten Fällen zu schwerer Krankheit oder Tod führte und stattdessen schwere Verläufe und erhöhte Sterberaten durch andere, lokal unterschiedliche Spezifika zu erklären seien, dann würde dieser weltweit von Wissenschaftlern aufgegriffen und kritisch gewürdigt.“
        Haben Sie überhaupt einmal die Verlaufsgrafiken des RKI angeklickt? Ich meine die Sterbefälle? kennen Sie die entsprechenden Verläufe der Grippewellen der letzten Jahre? Nein? das nennt man Tunnelblick. Doch? Dann schämen Sie sich für diese Panik-Rhetorik, die Millionen Angst macht! Oder können Sie die Verhältnismäßigkeit schlichtweg nicht in Beziehung setzen, bzw, quantitativ einordnen? (Dyskalkulie?)
        „Denn es gibt unzählige Beiträge, die früher verbreitete Thesen als unwahrscheinlich oder falsch kritisieren und stattdessen erfolgreich (!) neue, deutlich besser zu Experiment und Fundamentaltheorie passende Thesen zur Debatte stellen.“
        Richtig. Und die Halbwertszeit der Thesen wird immer Kürzer. Bsp. Cholesterinwerte und Fettstoffwechsel. Ich denke, auch das wissen Sie.
        „All das hat – in erster Linie – wenig zu tun mit einem Mediengeschäft um die Wissenschaft herum, wo nicht mal ein Fünkchen vom argumentativen Rigorismus herrscht, für den gute Wissenschaft steht.“
        Ich erinnere mich nur an diverse Podcasts beim NDR, und an einen ehemaligen Astrophysiker, der jetzt beim ZDF als ‚Prof.‘ zu allem doziert..
        Derartige Popanzhaftigkeit amüsiert fast so sehr, wie Ihre gespielte Entrüstung.

      5. avatar

        @ Klaus J. Nick

        „Ich vermute, Sie wissen ganz genau, dass Beiträge von (pensionierten) Experten-Einzelkämpfern in den üblichen Journalen von der gut vernetzten ‚Peer Group‘ sofort abgebügelt werden.“
        Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie keinen blassen Schimmer vom Wissenschaftsbetrieb haben. „peer group“ ist ein Fachbegriff aus der Soziologie und hat nichts mit „peer review“ zu tun, was Sie vermutlich auszudrücken beabsichtigt haben. Und wer braucht eigentlich „peer review“? Bhakdi und Wodarg sicher nicht. Die sprechen wohl die reine Wahrheit, gell? Wenn Sie nur bemerken würden, wie dämlich das eigentlich ist, wenn Sie einerseits peer reviewern (die hier gar nicht angerufen wurden) politisches Kalkül vorwerfen, Sie selber aber andereseits nichts als ihre eigene politische Ansicht haben, die Sie zur Affirmation der Thesen der Wodargs und Bhakdis führt. Oder haben Sie etwa zum Thema publiziert oder wenigsten eine sonstwie stringente Darstellung ihre Hypothesen und Nachweise geliefert? Es tut mir wirklich leid, aber blöd daherreden ist leider keine Alternative dafür.
        Und Sie glauben, dass die Bhakdis und Wodargs nur deshalb nichts publiziert haben, weil sie antizipieren, dass Sie aus politschen Gründen von reviewern abgelehnt würden? Warum haben Sie dann keine Vorveröffentlichungen gemacht? Die werden gerade in der vorherrschenden Situation mit Feuereifer rezipiert.
        „Richtig. Und die Halbwertszeit der Thesen wird immer Kürzer. Bsp. Cholesterinwerte und Fettstoffwechsel. Ich denke, auch das wissen Sie.“
        Also kann man ihrerMeinung nach Wissenschaft gleich wegschmeißen? Wenn doch eh nichts dabei rauskommt?

        „Dann schämen Sie sich für diese Panik-Rhetorik, die Millionen Angst macht! “
        Können Sie mir zeigen, wo genau ich eine „Panik-Rhetorik“ verwendet habe?

      6. avatar

        @R.Z.

        … die WHO und andere hatten wir hier. … ff im thread. Allein der fragwürdige ‚PCR-Test‘ ist ein ‚eigenes Thema‘, es sind Klagen gegen Drosten und Genossen ‚auf dem Weg‘.

        … aaaber es genügt zu wissen, wie eine weltweite Pandemie ‚geschaffen‘ wird. Das kann am Beispiel Weißrussland verstanden werden. Kredite gibt es nur bei Ausgangssperren und Lockdown. – (Das hatten wir schon) – ‚Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert von der weißrussischen Regierung Medienberichten zufolge massive Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie im Tausch für die Gewährung eines Kredits im Umfang von 940 Millionen Dollar. Die Forderungen des IWF nach Änderungen in der Gesundheitspolitik sind neuartig. Bislang beschränkte sich der Fonds in erster Linie darauf, die Öffnung staatlicher Wirtschaftszweige für Privatinvestoren und Einsparungen im Sozialsystem zu fordern.‘ … der IWF als wichtigster Antreiber des ‚Great Reset‘.

        … dazu Schäuble; ‚… ich habe mir immer eine engere Wirtschafts- und Finanzunion gewünscht, das ist kein Geheimnis. Bei der Euro-Einführung war das leider nicht möglich, und zu Beginn der Euro-Krise im Jahr 2010 war mein Versuch, die Probleme durch einen Europäischen Währungsfonds zu lösen, politisch nicht durchsetzbar. Die Herausforderungen, die mit der fürchterlichen Corona-Pandemie einhergehen, bieten dazu jetzt die Gelegenheit. Sie müssen wir nutzen.‘

        … und für die hier ‚Aufgeregten‘; natürlich ist ‚Covid-19 ist eine gefährliche Krankheit, genau wie die saisonale Grippe eine gefährliche Krankheit ist, und natürlich kann Covid-19, genau wie die saisonale Grippe, manchmal einen schweren klinischen Verlauf nehmen und manchmal Patienten töten.‘

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        @R.Z.
        „Ich verstehe angesichts dieser Zahl (der Corona-Toten, S.T.) und der Situation die Diskussion nicht.“
        Ich auch nicht. In Österreich, offenbar auch „linksgrün versifft“, wird der Lockdown gerade verschärft.

      8. avatar

        Verehrter Herr Ziegler,

        „Ich verstehe angesichts dieser Zahl und der Situation die Diskussion nicht.“

        Ich auch nicht, nur vermutlich aus anderen Gründen: Vom (mehr oder weniger absoluten) Lebensschutz haben wir uns schon sehr lange verabschiedet. Aus guten Gründen – der dafür notwendige absolute Lockdown würde wohl mehr Leben kosten, als Corona. Und die erfolgreichen südostasiatischen Strategien haben wir schlich entweder verpennt oder sie würden in Europa mangels einer ähnlich disziplinierten Bevölkerung gar nicht funktionieren.

        Wenn deutsche Politik ehrlich wäre (eine praktische Unmöglichkeit), würde sie ganz offen sagen, dass auch der zweite Lockdown Light nur dem (vernünftigen!) Ziel dient, erneut eine Überlastung der deutschen Krankenhäuser zu vermeiden.

        Was mich an der ganzen Diskussion ziemlich nervt, ist das Vorspiegeln eines falschen Gegensatzes – hier „Lebenslust gegen Vermeidung von Tod und sehr schweren Krankheitsfolgen“ (insbesondere letzteres unterscheidet COVID erheblich von der Grippe ebenso, wie die Todesfallrate und die Infektionsgefahr). De facto müsste eine halbwegs ehrliche Diskussion nur noch um die Zahl der Schwerkranken und Toten geführt werden, die man gesellschaftlich halt in Kauf nimmt, um ein halbwegs normales Leben für alle anderen aufrechtzuerhalten. Da sich das aber ganz schrecklich anhört, werden Scheindebatten galore geführt, mit einer moralischen Erbitterung, die ich tatsächlich amüsant finde.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

      9. avatar

        @S.T.

        … warum Österreich? Kurz ist halt ‚heim‘ gekommen.

        Sebastian Kurz ist Mitglied der European Council on Foreign Relations (ECFR).

        Der ECFR ist eine ‚Denkfabrik‘, mit Einfluß – unter Ausschluß der Öffentlichkeit – zur ‚Meinungsbildung‘ unter Entscheidungsträgern. Der ECFR wurde mit Unterstützung von George Soros’ Open Society Foundations, der Communitas Foundation und Fundación Para las Relaciones Internacionales y el Diálogo Exterior (FRIDE) gegründet.

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        Irgendeine Basis brauchen wir, wenn wir uns hier verständigen wollen. Haben Sie bessere Zayhlen als die der WHO? Woher? Und warum sind die besser? Oder woillen Sie ohne Zahlengrundlage lediglich Geräusche produzieren, um sich besser zu fühlen? Die Zahlen der Coronatoten sind mehr als doppelt so hoch wie die jährlichen Influenza-Toten. Evt. dreimal so hoch oder noch höher. Die Influenza-Toten lassen sich durch Schutzimpfungen zurückdrängen, die Cotonatoten bisher nur durch Maske + Abstandsregeln + Intensivmedizin. Bald wird es eine Impfung geben, dann ist auch dieser unsinnige Streit vorbei. Bis dahin halte ich mir am besten die Ohren zu.
        Die Influenza ist auch eine schlimme Krankheit. Sollen Sie sagen, dass wir, weil es neben Cortona auch andere schlimme Krnakheiten gibt, nichts gegen die Corona unternehmen sollten?
        Ich will das wie gesagt nicht diskutieren (das muss ich unter Eltern schon genug), sondern bitte Sie und andere lediglich,. angesichts der Zahlen ein paar gedankliche Reflexe überzuprüfen, am besten in Ruhe und offline. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, wie man so schön sagt. Auch ich prüfe meine Reflexe.

      11. avatar

        Lieber Thomas Reichert..
        „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie keinen blassen Schimmer vom Wissenschaftsbetrieb haben. „peer group“ ist ein Fachbegriff aus der Soziologie und hat nichts mit „peer review“ zu tun, was Sie vermutlich auszudrücken beabsichtigt haben.
        ..tatsächlich hat mein Interesse am gegenwärtigen Wissenschaftsbetrieb in den letzten Jahren ein wenig gelitten, aber ich unterstelle Ihnen mal eine ähnliche Grundhaltung, wie mir selber, nämlich ‚die Wissenschaft‘ oder was wir, wahrscheinlich unterschiedlich – mir sind Ausdrücke , wie „Studiendesign“ suspekt – so glauben, was das zu sein hat, verteidigen zu wollen. Und das halte ich erstmal für ehrenwert.
        „Und wer braucht eigentlich „peer review“? Bhakdi und Wodarg sicher nicht. Die sprechen wohl die reine Wahrheit, gell?“
        Ich glaube, dass es Wahr/Falsch-Aussagen nur in der Mathematik gibt, was hier nur am Rande das Thema ist, vermute ich. Um es aber mit der Kanzlerin auszudrücken: Ich glaube, wir streiten hier eher um das, was „hilfreich“ sein könnte, zu einer ‚Vernunft‘ bzw. zu einem angemessenen Handeln zu finden. Und da formuliere ich – solange ich das noch darf – meine Meinung und Befürchtungen als Bürger, also als Teil des Souveräns dieses Landes, ohne mir von eben jener Kanzlerin oder sonst irgend jemandem die Quellen für meine Informationen und Schlussfolgerungen vorschreiben zu lassen („Glauben Sie nur den offiziellen Mitteilungen.“).
        „Können Sie mir zeigen, wo genau ich eine „Panik-Rhetorik“ verwendet habe?“
        Genau so wenig, wie Sie mir zeigen können, wo ich irgendwo Bhakdis oder Wodargs Thesen zustimme (zustimmen könnte, weil mir schlichtweg die Informationen fehlen). Aber ich wollte schon, dass Sie selber merken, wie das ist, wenn man Unterstellungen aushalten muss. Und ich habe das Recht Aussagen für wahrscheinlich halten oder weniger wahrscheinlich. Mit meinen – aus Ihrer Sicht sicher allzu beschränkten – Möglichkeiten. Und ich halte es eben für wahrscheinlich, dass Wodarg und Bhakdi als pensionierte Experten mit einem gewissen Abstand zum „wissenschaftlichen Betrieb“ und eben nicht mehr den Möglichkeiten, Untersuchungen mit entsprechendem „Design“ (Design ist doch etwas Zielgerichtetes, und widerspricht damit jeglicher Ergebnisoffenheit, oder?) durchzuführen, durchaus als so etwas, wie ‚whistle blower‘ für eben jenen Wissenschaftsbetrieb dienen können. Und ich unterstelle den den ‚peer reviewers‘ (danke für die Belehrung, mir fehlt schlichtweg Ihre Bildung) keineswegs „politische Absichten“, sondern bisweilen nicht rein wissenschaftlich begründete (menschliche) Vorlieben und Abneigungen, was sich i.d.R. in einer besonders wohlwollenden oder eben kritischen Beurteilung der Publikation äußern wird. Bhakdi und Wodargs kritische Äußerungen zur aktuellen Lage sind Fundamentalkritik an der derzeitigen wissenschaftlichen Arbeitsweise und sind im derzeitigen ‚Betrieb‘ für Insider nicht akzeptabel. Aber es sind keine Verschwörungstheorien, sondern Gedanken von Leuten, die sich selber vormalige Betriebsblindheit unterstellen. Für Insider natürlich Netzbeschmutzer. Kein gerade neues Phänomen, das Sie als Insider eigentlich kennen müssten. Deswegen sind Sie wahrscheinlich keiner oder noch zu jung, das gemerkt zu haben, was kein Vorwurf meinerseits ist. Nur – sorry – das ist deswegen nicht mehr als Geplänkel. Was bei Ihnen anscheinend den Hut hochgehen lässt, ist offensichtlich die einfache Erkenntnis, dass Wissenschaft eben keine Wahrheitmaschine ist, wie die Religion (und schon gar nicht die Medizin bzw. Virologie). Und dass jeder der Wissenschaft so simpel versteht, den Wahrheitsverkündern (‚follow the science‘ – nicht wahr?) hilflos ausgeliefert ist. In der Tat: Politiker wollte ich in diesen Zeiten nicht sein müssen. Ironie dabei: Die Wissenschaft entwertet sich mit diesem Machtanspruch selber. Es liegt bei Ihnen, über letzteres zumindest mal nachzudenken (im Sinne meines erste Satzes): Es tut der Wissenschaft nicht gut, wenn sie so viel Verantwortung bekommt, dass ihre (spielerische?) Ergebnisoffenheit gefährdet wird.
        Was die Vernunft betrifft: Ich denke, wir sollten und noch mal ansehen, wie der Verlauf der Spanischen Grippe war, unter welchen Bedingungen sie passierte und warum sie auf einmal weg war. Bei aller Tragik. Und ja: Ich mache mir so ersthafte Sorgen um unsere freiheitliche Verfassung, wie noch nie, das mögen Sie albern finden, aber es ist mein gutes bürgerliches Recht. Und ohne etwas zum Thema publiziert zu haben.

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        @RZ
        „https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/coronavirus-sarscov2-brinkmann-100.html“
        Eine schlüssige Erklärung. Und logisch. Für denjenigen, der noch für Logik empfänglich ist.

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        @Stefan Trute: Ja. Die Gefährlichkeit von Corona liegt darin, dass die Überträger zum Zeitpunkt der Übertragung nicht wissen, dass sie infiziert und also Überträger sind. Es gibt aber auch gute Eigenschaften: Gegen dieses Virus lässt sich viel einfacher als gegen z.B. das HI-Virus ein wirkungsvoller Impfstoff entwickeln. Wie wir gerade sehen.

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        @Torsten Haupts: Ich stimme in den meisten Punkten zu. Allerdings muss ich sagen, dass ich – inzwischen – zu der Ansicht gekommen bin, dass ich diese Krankheit nicht haben will. Daher schätze ich es sehr, wenn andere ihrer Masken- und Abstandspflicht nachkommen, und es macht mich wütend, wenn andere glauben, sich dadurch in ihrer Freiheit beinträchtigt fühlen zu dürfen, ein großes Wort, dessen Bedeutung sie nicht verstehen. Hier ist die Grenze, an der ich Dummheit tolerieren kann, überschritten. Zwar will ich auch kein Krebs und keine Influenza haben, aber gegen Krebs schützen keine Masken und Influenza, deutlich weniger gefährlich, lässt sich durch eine jährliche Impfung abwehren. Wie in absehbarer Zeit auch Corona, aber eben noch nicht jetzt. Daher sollen die Maskengegner nölen, jammern oder schreien, als würde man sie am Spieß braten, aber dabei eben eine Maske aufsetzen, bis es soweit ist mit der Impfung. Die sie dann gerne lautstark und demonstrativ ablehnen können, die ich aber leise und dankbar in Anspruch nehmen werde.

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        ..zB.. https://www.heise.de/tp/features/Die-Wirkmaechtigkeit-von-Pandemien-oder-Seuchen-wird-ueberschaetzt-4871625.html
        Und ja, ich möchte das diskutieren. Wenn nicht hier, dann woanders. (Ich denke, @Roland Ziegler, ich werde Sie da in Zukunft entlasten.) Wenn andere Meinungen und das Nennen bestimmter Namen bereits reichen, um als ‚Covidiot‘, ‚Verschwörungstheoretiker‘, wahrscheinlich ‚rechts-esoterisch‘ ‚asozial‘ usw. tituliert zu werden, läuft massiv etwas schief. Worüber ich nicht diskutieren kann und will, sind die Quellen von ‚Zahlenangaben‘. Spätestens hier müsste eigenes Denken einsetzen, um zu verhindern, dass – Impfstoff hin oder her – nein nächsten Virus das ganze wieder losgeht, weil wir es ja gerade so schön eingeübt haben. Was die Frau Prof. Brinkmann (@Stefan Trute) betrifft, die möchte von Anfang an den Virus ausrotten, was nicht geht, was jeder mittlerweile wissen. Ich frage mich, wie und aufgrund welcher Qualifikation man heute Professorin wird. (Logik reicht für Wissenschaft nicht aus, die Aussagen, die da logisch verknüpft werden, müssen auch stimmen).

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        …achso, eine Frage hätte ich noch, Herr Haupts: Ist es wirklich so, dass der aktuelle „Lockdown light“ nicht mit dem drohenden Verlust der Beherrschbarkeit und den schwindenden Kapazitäten im Bereich der Intensivmedizin begründet wird? Das ist keine rhetorische Frage, ich weiß es wirklich nicht (und habe auch keine Lust, alle offiziellen Einlassungen zu verfolgen und zu vergleichen). Ich habe aber neulich ein Interview mit Karl Lauterbach verfolgt, den ich für kompetent und auch transparent halte, und der jedenfalls hat im Gegenteil den aktuellen Lockdown light genau mit diesem Punkt begründet.

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        Und noch was zu den Todeszahlen: Wir können nicht um jeden Preis jedes Leben retten, das ist klar. Irgendwann kippt die Bilanz auch um, dann sind die Nebenwirkungen schlimmer als die Kur. Klar. Aber wieso wird dieses Argument gebracht? Sehen Sie sich die Entwicklung des DAX an. Abstandsregeln + Maske sind die Essenzen der aktuellen Corona-Bekämpfung. Mit Home-Office, Luftreiniger, Stoßlüftung und Gruppenteilung lässt sich alles erreichen. Wenn das flächendeckend umgesetzt wird bzw. würde, sinken die Infektionszahlen, das wissen wir. Hier müssen wir auch keine erkenntnistheoretische Diskussionen führen. Wir müssen es nur tun. Das Argument „Leben retten um jeden Preis geht nicht“ ist ein Scheinargument, das in einer düsteren Zukunft angebracht sein kann, die wir gerade verhindern sollten. Wir haben die Mittel dafür.

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        @Thorsten Haupts
        “De facto müsste eine halbwegs ehrliche Diskussion nur noch um die Zahl der Schwerkranken und Toten geführt werden, die man gesellschaftlich halt in Kauf nimmt, um ein halbwegs normales Leben für alle anderen aufrechtzuerhalten.“
        Diese Diskussion wurde bereits vor 40 Jahren in Südafrika angesichts der Herzverpflanzungen von Christiaan Barnard angesichts der dadurch zu erwartenden Überforderung des Gesundheitssystems geführt. Sie wird bei uns aber voraussichtlich erst geführt, wenn die Sozialkassen komplett geleert sind und die Kollateralschäden der Fixierung auf Covid19 nicht mehr zu verbergen sind.

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        @Roland Ziegler: Kein Widerspruch, an keiner Stelle. Ich hätte kein Problem mit einer flächendeckenden Maskenpdicht ausserhalb der eigenen Wohnung.

        @Klaus J. Nick: „Sie wird bei uns aber voraussichtlich erst geführt, wenn die Sozialkassen komplett geleert sind und die Kollateralschäden der Fixierung auf Covid19 nicht mehr zu verbergen sind.“

        Vermutlich, falls das eintritt (mit funktionierenden Impfstoffen sehr unwahrscheinlich). Die allermiesten Menschen sind in ethischen Dilemmata geistig hilflos und flüchten in Ersatzvornahmen oder Leugnung (des Dilemmas). Menschheitskonstante.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

      20. avatar

        Lieber Thorsten Haupts, ich lese hier tatsächlich einiges mit Staunen: Einerseits wird das Dilemma, das Sie (dankenswerterweise) ziemlich kaltschnäuzig formuliert haben, sofort akzeptiert, andererseits wird einem alles mögliche unterstellt, wenn man versucht, sich diesem Monstrum rational zu stellen, so als wollte man ‚Risikogruppen‘ aus politischem Kalkül ‚über die Klinge springen lassen‘, wenn man Thesen oder ‚Maßnahmen‘ anzweifelt, gerade, weil man das Dilemma (oder mehrere davon, die sich auftun) sieht. Ich denke, die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die sich allzu bereitwillig als ‚Erklärbären‘ in den Medien präsentieren, sollten mehr geistige Hygiene betreiben, also entscheiden, was sie sein wollen: Entweder ernstzunehmender Wissenschaftler oder Erzieher. Beides sein zu wollen, beschädigt beides. Und das gilt in verstärktem Maße für Politiker (Lauterbach..). Ich halte nichts von Platons Satz: „Politiker müssen Philosophen sein.“
        Und ja, solche Phänomene, wie Epidemien bringen uns an den Rand der Zivilisation, wo wir gezwungen sind, utilitaristisch zu handeln. Eigentlich wird so etwas ja (für mich oft allzu schnell) akzeptiert.

  2. avatar

    Hallo Herr Posener,
    eine Ergaenzung zur Korrektur in meiner Mail:
    Der Mann heisst natuerlich Colin Powell, hier hat mir die automatische Wortvervollstaendigung im Textprogramm einen ueblen Streich gespielt.
    Auweia. Bitte korrigieren, bevor ich verbal geteert und gefedert werde.
    James Taylor

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    Sehr geehrter Herr Posener,
    an Beispielen, heissen Sie nun Dardan, Kuehnert oder wie auch immer, kann man sich zwar abarbeiten und den Widerspruch im jeweiligen Weltbild offen legen, aber was nutzt es? Der Versuchsaufbau beginnt doch mit drei Konstanten, wovon die erste „Buchreligionen beschreiben keine Demokratie“, die zweite „der Islamismus entstand einmal als Modernisierungsbewegung“ und die dritte „die allgemeinen Menschenrechte sind noch nicht eingemendelt“ lauten koennten.
    Natuerlich kann „die Linke“ die Buchreligionen nicht in dem Mass kritisieren, wie Demokraten das erwarten, haben sie doch in Teilen aehnliche Ziele, wobei der Machtanspruch zwischen dem Reich Gottes und der Herrschaft des Proletariats jeweils auf die weltlichen Vertreter beschraenkt gedacht werden muss und sie sich in der Ueberwindung der Demokratie durchaus einig zu sein scheinen. Wie koennten Linke denn glaubhaft Islamisten kritisieren? In der Wahl der Mittel sind sie sich aehnlicher als sie jeweils befuerchten. Alle Extremisten sind doch im Kern Eier einer Henne.
    Der politische Islam ist ein Nationalismusersatz. Alle Grausamkeiten, zu dem Nationalismus faehig ist, wird darin noch durch die Grausamkeiten einer Buchreligion verschaerft. Die Glaeubigen der Buchreligionen bestehen nun einmal aus sanften Schaefchen und aus blutruenstigen Pitbullterriern. Am Ende siegen immer die Pitbulls (wenn wir alle es so weit kommen lassen), auch darin sind sich alle religioesen und politischen Extremisten sehr aehnlich.
    Bleibt der von Frau Dardan angeprangerte Rassismus in Deutschland. Hier kommt es darauf an, wen man fragt. Colin Paul, der ehemalige Vier-Sterne-General, traf nach seinen Aussagen in Deutschland auf weniger Rassismus als in den USA und konnte das erste Mal frei leben. Selbst wir beide machen mitunter die Erfahrung, dass auf dem Schriftband auf der Stirn unseres jeweiligen Gegenueber erst „Inselaffe“ und spaeter „I love the Brits“ lesbar ist. Manchmal liegen zwischen beiden Saetzen nur wenige Minuten, manchmal dauert es laenger oder bis zur Ewigkeit, bei manchen endet es sogar im Vorbehalt oder der allgemeinen Abwertung bedingt durch die Herkunft. Jeder Mensch ist im Kern dem Fremden gegenueber misstrauisch und die, die es nicht waren, konnten sich nicht (mehr) vermehren. Die Frage ist also, wie zivilisiert sind wir, denn darin sind wir uns sicher einig, Rassismus ist eine eklatante Unzivilisiertheit. Das hat mit dem zu tun, wie weit wir denken (koennen), und manche Menschen sind ueber das Grunzen und das Mammutjagen noch nicht hinaus gekommen.
    Also, entzaubern Sie die Extremisten, sie haben es verdient. Sie schaffen das nicht mit mehreren Zielen in einem Text. Herr Kuehnert ist ein besseres Ziel als Frau Dardan, denn der koennte noch nicht so weit verknoechert sein, dass alle Worte an ihm abprallen. Frau Dardan hat zu wenig Wind und zu viele Fahnen, die im Wind flattern sollen.
    Und der Islamismus? Wie kritisiert man den ohne enthauptet zu werden? Ein Blick ins Geschichtsbuch zeigt, dass Kirchen-/Glaubenskritik vor gar nicht so langer Zeit noch mit Exkommunikation durch Brennholz bestraft wurde. Und trotzdem haben wir die Aufklaerung hinbekommen und die Trennung von Staat und Kirche zumindest rudimentaer durchgesetzt. Die Widersprueche springen einem doch foermlich an und das Verschanzen hinter der Religionsfreiheit und hinter dem Popanz, dass Religionskritik=Rassismus ist, kann doch auch nur als Versuch gewertet werden, die Ketzerei zu reanimieren.
    Wer koennte das besser herausarbeiten als ein Journalist mit Ihrem Lebensweg?

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    Lieber Alan Posener,
    Dieser Beitrag zeigt mal wieder exemplarisch, warum Ihr Blog und Ihre Texte darin sich so wohltuend abheben vom großen Teil der Diskussions- und Meinungskultur hierzulande. Ich kann jeden Ihrer Sätze unterschreiben.
    o.t. : Ein Schuss Polemik: Gerade hat sich Trump in den USA zum Sieger der Präsidentschaftswahlen erklärt. Würde das irgendein „demokratischer“ Gegenkandidat in Russland tun, klatschte „der Westen“ ganz sicher Beifall. Ja, ich weiß, hinkende Äpfel und Birnen …

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    Ist diese Dame wirklich so einen langen Text wert ?

    Allerdings macht mir der Satz für die Zukunft Angst:
    „Werden wir anfangen, auch die Religiosität fundamentalistischer Christen zu „respektieren“, wenn einige von ihnen anfangen, uns die Köpfe abzuschneiden?“

    Es besteht ja kein Zweifel daran, daß der Islam die mit Abstand aggressivste und gefährlichste religiöse Ideologie auf der Erde ist, den bescheuerten Satz „das hat mit dem Islam nichts zu tun“ nach jeder neuen Mordtat in Europa kann ich nicht mehr hören.
    Gleichzeitig besteht auch kein Zweifel daran, daß keine Religion in Europa so verhätschelt wird wie der Islam.
    Und dann könnten wirklich irgendwann mal Christen, Hindus, Juden, Zeugen Jehovas, Buddhisten, Scientologen, Sikhs etc auf die Idee kommen, islamische Methoden zu verwenden, um ähnlichen Einfluß zu erlangen.

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    https://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/was-bedeutet-dieser-islamisten-aufmarsch-am-brandenburger-tor?fbclid=IwAR2MF8IMaXGNSnBeGtkB0TQhGCQbTk70sEsqrIRhaWHg4KjeC-tq4Ui4hMs

    ..nein, nicht Frankreich, oder ‚westliche Werte‘ sind in der (moralischen) Krise, sondern ganz offensichtlich der Islam. Allerdings wird es wohl nicht allzu lange dauern, bis postkolonialistische pseudointellektuelle Theoretiker*innen unsere ‚westliche‘ Zivilisation als eieine Art Kolonialismus beschreiben..
    Auch diese Frau Dardan scheint etwas desorientiert zu sein.

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    -Freilich war das für Kühnert nicht der wichtigste Grund, weshalb die Linke ihr „unangenehm auffälliges Schweigen“ beenden müsse: „Sie muss das Wort erheben, weil es auch und insbesondere ihre proklamierten Werte sind, die bei ausnahmslos jedem Terroranschlag mit Füßen getreten, mit Messern erdolcht und mit Sprengsätzen in die Luft gejagt werden.-

    Entweder kennt Kühnert seine Linken nicht, oder er will uns hinter die Fichte führen.
    Linke lieben Terror und Islamismus, das sind ihre Werte.
    Deshalb schweigen sie ja auch weiterhin dröhnend.

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      Das ist natürlich Unsinn, lieber Gert Weller. Wer sich die Sachee so einfach macht, will sich gar nicht erst auf eine Debatte einlassen und begibt sich auf das geistige Niveau linker Randalierer, nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

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    „Dardan beantwortet nicht die Fragen, die sich aus ihrem Text ergeben …“

    Das ist nach meiner Beobachtung sehr, sehr typisch für viele Menschen im allgemeinen, hier für praktisch alle sozial- oder kulturwissenschaftlich ausgebildete Linke und Linksliberale (zu denen @asallime sich zählen dürfte) im besonderen. Man weicht harten Fragen argumentativ aus ud führt Scheingefechte gegen Scheinriesen, immer so abstrakt formuliert, dass man damit alles und jeden gemeint haben kann. Wir hatten das hier schon …

    „… Islamismus in der Tat auch „um eine extreme Auslegung von (islamischen) Traditionen“ geht …“ Das ist die Mutter aller Fragen re Islamismus. Handelt es sich wirklich um eine extreme Auslegung? Oder ist diese Auslegung im engeren Kern des Islam (Koran und die Hadhiten) unausweichlich angelegt und kann nur zeitweise mühsam umschifft werden? Immerhin enthält der Koran – anders als selbst das Alte Testament – direkte und sehr klare Tötungsanweisungen gegen Juden und andere „Ungläubige“ in gleich mehreren Suren.

    „… im Kern werterelativistisch …“ Das ist die praktisch notwendige Folge einer Überbewertung von sich aus angeblich Hautfarbe und Kultur/Herkunft speisenden, homogenen Gruppenidentität. Sie verunmöglicht es faktisch, gegen gefährliche Tendenzen innerhalb angeblich „marginalisierter“ Gruppen anzugehen, weil die Marginalisierung der Gruppe deutlich höher gewichtet wird, als die gefährliche Tendenz (so diese nicht schlankweg geleugnet wird). Einer der Gründe, warum ich den Woke-ismus für die im Moment gefährlichste Ideologie der westlichen Welt halte.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    1. avatar

      Ich würde keine Hitliste der gefährlichen Ideologien aufstellen. Zumal ich nicht weiß, was das bringt. Klar ist, oder sollte sein, dass die Idee und Wirklichkeit der offenen Gesellschaft von verschiedenen Seiten angegriffen wird: Rechtsextremisten, Identitäre und Nationalisten sowie katholische und evangelikale Fundamentalisten; Islamisten und islamische Fundamentalisten, neoosmanischer Imperialismus sowie Apologeten und „nützliche Idioten“ auf der Linken; Chinas Neoimperialismus; Russlands Desinformation, Spaltung und Panslawismus; linker und antiimperialistischer „Wokeism“ und Cancel Culture, „Négritude“, die Konstruktion „asiatischer Werte“ u.a.m.

      1. avatar

        … ja klar, die Katholiken mal wieder. Die ‚offene Gesellschaft‘ wird bewusst nicht definiert, Opa Krempels Def.; … die offene Gesellschaft kennzeichnet sich dadurch, daß sie andere Menschen grundsätzlich dazu einlädt, Teil von ihr zu werden und nicht von vornherein allein deshalb ablehnt, weil sie Fremde sind… – ist utop(ist)ischer Quark. Was für einen Grund sollte ich haben die Ideologie der Mohammedaner – eine Religion die dekretiert, dass Religionsabtrünnige ermordet werden MÜSSEN, ist keine Religion – einzuladen. Welcher zivilisierte Mensch will, warum und weshalb, diese ‚Glaubensanhänger‘ in seinem Land haben? … wer will die millionenfache ‘Einwanderung’ einer Ideologie, die ihren Anhängern tatsächlich glauben lässt, Allah hätte sie berechtigt, sich bei uns zu holen was sie haben wollen: Geld, Häuser, Frauen? Sure 33, Vers 27: ‘Und Allah hat euch zum Erbe gesetzt über ihr Land, ihre Wohnstätten und ihren Besitz, und auch ein Land, das ihr vorher nicht betreten hattet.’ … Bekloppte! Oder?

        Im Übrigen liebe ich meine Heimat. Das ist, u.a., eine christliche Pflicht.

        … die ‚offene Gesellschaft‘ widerspricht dem Selbstbestimmungsrecht der Völker. … und Islamismus ist Islam ist Islamismus. Der Islamwissenschaftler Tilman Nagel; ‚Islam und Islamismus sind solange nicht voneinander zu trennen, wie Koran und Sunna als absolut und für alle Zeiten wahr ausgegeben werden.‘

      2. avatar

        Ach, blonderhans, wenn Sie vom Selbstbestimmungsrecht der Völker faseln, kann das nur in die Grütze gehen. Es ist mitnichten im Widerspruch zum Selbstbestimmungsrecht der Völker, wenn ein Volk selbst bestimmt, das Prinzip der offenen Gesellschaft einzuführen.
        Über Ihre triefende Islamophobie habe ich schon genügend Worte verloren. Bis repetita non placent.

      3. avatar

        Opa: ‚Es ist mitnichten im Widerspruch zum Selbstbestimmungsrecht der Völker, wenn ein Volk selbst bestimmt, das Prinzip der offenen Gesellschaft einzuführen. Über Ihre triefende Islamophobie habe ich schon genügend Worte verloren. … ‚

        … ja klar, Opa, Merkel und Genossen sind ‚das Volk‘. Dann können auch Wahlen, weil ‚unverzeihlich‘, revidiert, s.h. Thüringen, geändert, s.h. EU-Wahlergebnisse, Weber ./. vdL und wie schon frech angedeutet – jetzt lassen ‚das Volk‘ Wahlen einfach ausfallen. Wa‘?

        Die Forderung nach staatlicher Souveränität ist eine demokratische Forderung und keine nationalistische These!

        … im Übrigen diente der Begriff ‚Islamophobie‘ Ayatollah Chomeini und seinen Mullahs als politischer Kampfbegriff, um ihre Gegner zu diffamieren. Warum wundert es mich nicht, dass Sie, Opa, die Sprache radikaler Extremisten verwenden?

    2. avatar

      Wenn jeder x-beliebige Unsinn von „Links“ zum Weltuntergang und Zusammenbruch der offenen Gesellschaft führt, bleibt ja nur noch, die Rechte zu wählen. Da kann man halt nichts machen.

      1. avatar

        Verehrter Stevanovic,

        das ist nicht meine Schlussfolgerung. Ich verteidige nicht die offene Gesellschaft gegen einen Angriff, um sie bei dieser Verteidigung einer anderen nicht liberalen ideologie auszuliefern.

        Oder kürzer – der Feind meines Feindes ist mitnichten automatisch mein Freund.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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