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Boris Johnson und Nicolaus Fest

Bevor Boris Johnson in den Orkus der Geschichte verschwindet, wohin er gehört, möchte ich aus gegebenem Anlass an sein Urteil über die Europäische Union erinnern. Die EU, meinte Johnson im Interview mit der „Daily Telegraph“, wolle „wie Hitler einen Superstaat“ errichten. Zwar würden die „Bürokraten in Brüssel andere Methoden“ als Hitler verwenden, ihnen gehe es aber um das gleiche Ziel, die Vereinigung Europas unter einer „Autorität“. Dies habe dazu geführt, dass Deutschland mächtiger geworden sei, „die italienische Wirtschaft übernommen“ und „Griechenland zerstört“ habe. Laut Johnson seien die letzten 2000 Jahre von dem wiederholten Versuch geprägt worden. Europa unter einer Regierung zu vereinen, um das “goldene Zeitalter” Roms wiederherzustellen. “Napoleon, Hitler, verschiedene Leute haben das versucht, und es endet immer tragisch.”

Es amüsiert mich zuweilen, die Freude hiesiger Reaktionäre über den Brexit zu betrachten; sie begreifen offenbar nicht, wie stark das Votum geprägt war von antideutschen Ressentiments. Boris Johnson, der diese Ressentiments besonders geschickt geschürt hat, ist zwar jetzt niemand, aber er war bis vor einigen Tagen nicht irgendjemand.
Natürlich haben seine Äußerungen mich besonders angesprochen. Schließlich habe ich 2007 ein Buch geschrieben, in dem Europa – zustimmend – als „Imperium“ bezeichnet wird. Ein Buch, das übrigens damals schon nicht nur von Linken, sondern von Neo-Rechten kritisiert wurde, und zwar – warum das wichtig ist, wird weiter unten klar – mit antisemitischem Zungenschlag.

Boris Johnson meint, das Römische Imperium sei ein „goldenes Zeitalter“ gewesen. Ich teile diese Einschätzung. Ich stimme auch seiner Analyse zu, Rom habe vielen imperialistischen Projekten, nicht nur den europäischen, als Vorbild gedient. (Das festzustellen, muss man allerdings kein Historiker sein.) Und schließlich teile ich Johnsons Ablehnung (um es milde auszudrücken) der napoleonischen und hitlerischen Varianten imperialer Macht. Mein Buch unterschied ja zwischen „liberalen“ Imperien – zu denen ich das Britische Weltreich, aber auch das Heilige Römische Reich deutscher Nation und die Habsburger Doppelmonarchie zählte – und illiberalen wie eben jenen Napoleons, Hitlers und Stalins.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Churchill-Bewunderer Johnson meine Begeisterung für das Empire teilt. Er hat beispielsweise US-Präsident Barack Obama vorgeworfen, wegen seiner kenianischen Abkunft eine „Erbabneigung“ gegen das Empire und dessen Verteidiger Winston Churchill zu hegen. Ziemlich mieser Rassismus, aber das gehört nicht hierher.
Die Frage, die ich mir damals stellte, war: Kann Europa an die liberalen Traditionen des europäischen Imperialismus anknüpfen – an das Erbe Roms und des Reichs, Österreich-Ungarns und des Empire? Muss es das sogar, um in einer multipolaren Welt dem russischen, chinesischen und dem islamischen Imperialismus entgegentreten zu können? Man kann die Frage und den Gedanken aus einer grundlegenden Abneigung gegen Imperien heraus für abwegig halten, aber darum geht es hier nicht, denn Johnson ist eben genau wenig wie ich grundsätzlich antiimperialistisch eingestellt. Diese Frage stellte er sich aber offensichtlich nicht. Ihm ging es um Demagogie, um den Vergleich der EU mit dem Dritten Reich. Über den sich merkwürdigerweise niemand aus dem deutschen Neu-Rechten Lager empörte, obwohl sie sonst überall Holocaustkeulen und Nazineurosen wittern. Johnson ist Rechter, er darf das.

Ich musste an Johnsons Kritik der EU als Nachfolgerin der Kontinentalreiche Napoleons und Hitlers denken, als ich am Morgen nach der Volksabstimmung in Großbritannien hörte, wie Nicola Sturgeon von den Schottischen Nationalisten ankündigte, erneut den Austritt aus dem Vereinigten Königreich anzustreben, um in der EU bleiben zu können, und als die Sinn Fein (a.k.a. IRA) in Irland ein Referendum über den Anschluss Nordirlands an die Republik Irland forderte. Schottland und Nordirland hatten ja für den Verbleib in der EU gestimmt. Der Brexit, so sah (und sieht) es aus, könnte zur Auflösung des Vereinten Königreichs führen.
Darum twitterte ich: „So Cameron / Farage / Johnson / Corbyn managed to do what Napoleon, the Kaiser and Hitler failed to do: destroy Great Britain. Well done, lads, have fun in Little England.“

Dies hat den Zorn von Nicolaus Fest erregt. Der Möchtegern-Großpuzblizist, der mich schon zuzeiten, als er in der Redaktion der „Bild-Zeitung“ saß, wegen meiner antirassistischen Haltung nicht leiden konnte, wurde wegen seiner – sagen wir – unklaren Haltung zum Rassismus geschasst und sucht seitdem nach einer Gelegenheit, es mir heimzuzahlen. Die meinte er mit diesem Tweet gefunden zu haben. In einer Generalabrechnung mit deutschen Brexit-Kritikern schrieb Fest:

Alan Posener, Chefkommentator der WELT, twittert zum BREXIT, zustimmend geteilt von Springer-Kollegen: „So Cameron / Farage / Johnson / Corbyn managed to do what Napoleon, the Kaiser and Hitler failed to do: destroy Great Britain. Well done, lads, have fun in Little England.“ Die ‚Leave’-Wähler als Hitlers willige Vollstrecker, der Brexit als zweites Coventry? So etwas nennt man wohl Relativierung. Für jemanden, der sich nicht zu knapp seiner jüdischen Herkunft berühmt, ist das zumindest eine originelle Position.

Nun bin ich nicht und war nie „Chefkommentator“ der WELT, aber das nur nebenbei. Es ist aber auch Fakt, dass ich die Leave-Wähler nicht als Hitlers willige Vollstrecker bezeichnet habe. Mein Tweet richtete sich überhaupt nicht gegen die Wähler, über die ich am gleichen Tag einfühlend in der WELT geschrieben habe, das Referendum sei „die Rache der Leute, die Margaret Thatcher um ihren Stolz gebracht“ habe.

Mein Tweet richtete sich gegen vier namentlich genannte politische Führer, deren verantwortungslose Haltung von Tag zu Tag deutlicher wird; vor allem natürlich gegen Boris Johnson, den Führer der Leave-Kampagne. Aber auch ihn habe ich nicht als „willigen Vollstrecker“ Hitlers hingestellt. Fest weiß genau, dass damit – im gleichnamigen Buch von Daniel Goldhagen – die Beteiligten am Judenmord gemeint waren. Vom Holocaust ist aber in meinem Tweet nicht die Rede. Auch nicht vom Bombenangriff auf Coventry. Ich habe nur den Spieß umgedreht: Nicht die EU zerstöre Großbritannien, wie Johnson behauptet, sondern die britischen Politiker, die für das Brexit-Votum durch Handeln und Unterlassen die Hauptverantwortung tragen. Natürlich kann man das ganz anders sehen. Nur kann man nicht behaupten, ich hätte die Brexit-Wähler als „Hitlers willige Vollstrecker“ hingestellt.

Darum ging es Fest aber nicht. Diese Verdrehung diente ihm nur als Vorlage für das, was er eigentlich seit langem loswerden wollte:
So etwas nennt man wohl Relativierung. Für jemanden, der sich nicht zu knapp seiner jüdischen Herkunft berühmt, ist das zumindest eine originelle Position.
Nicolaus Fest möchte einfach mal gesagt haben, und zwar öffentlich, dass sich Posener „seiner jüdischen Herkunft nicht zu knapp berühmt“, statt sich dafür zu schämen, wie es sich gehört.

Nun, es stimmt zwar nicht, dass ich mich meiner jüdischen Herkunft „berühme“. Sie wird mir freilich immer wieder um die Ohren gehauen. So meinte ein Idiot namens Jörg Sutter, der mich interessanterweise wie Fest für den „Chefkommentator“ der Welt hielt, ich sei „ein wirklich radikaler Jude“.
Man schaue sich auch mal die Kommentare zu diesem netten Blogbeitrag an. Dort heißt es über mich zum Beispiel: „Ich ärgere mich immer wieder, dass es geschehen konnte, dass jüdische Nationalisten wie Posener den Springer-Verlag okkupiert haben.“ Oder: „Posener ist ein Schwein… so einfach ist das.“ „Itzig.“ „Er ist eben nach orthodoxer Sicht kein Jude, weil keine Judenmutter, deshalb weint er nachts leise vor sich hin. Dass er jüdisch sozialisiert ist und vielleicht sogar ne Rente als Holocaustüberlebender bekommt, steht auf einem anderen Blatt. DEN Makel kriegt er nicht weg.“ „Sicher, offiziell ist er aus den genannten Gründen gar keiner. Aber an Kramer sieht man, daß jemand nicht einmal Halbjude sein muß, um sich entsprechend aufzuspielen.“
Allerdings: bis Nicolaus Fest – der vermutlich seine Informationen aus der Lektüre solcher Anmerkungen bezieht – es für nötig befand, mir vorzuwerfen, ich würde mich „nicht zu knapp meiner jüdischen Herkunft berühmen“, blieben solche rassistischen Anwürfe halt das Zeug, aus dem die Kommentare in angeblich gar nicht antisemitischen Organen der Neuen Rechten nun einmal sind.

Genug. Wenn man auf die Scheiße schaut, schaut einen auch die Scheiße an. Man fühlt sich dreckig,
Über Boris Johnson sagte Lord Heseltine, Vize-Premier unter Maggie Thatcher, er sei „verachtenswert“. Stimmt. Ich weiß freilich nicht, ob Heseltines Ansichten irgendetwas mit irgendeiner jüdischen Herkunft haben, weil ich anders als Nicolaus Fest nicht in den Ahnenpass schaue, bevor ich mir eine politische Meinung bilde. Ich weiß aber, dass dieses Adjektiv auch Nicolaus Fest gut charakterisiert.

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73 Gedanken zu “Boris Johnson und Nicolaus Fest;”

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    @Stevanovic
    „Juden-Muggel“
    Meine Diskussionspartner vom ‚Stammtisch‘ (auf die ich mich in meinem letzen Beitrag bezog) kennen mich nun schon etwas länger und deswegen bin ich auf einmal eien gefährliche Ausgeburt einer jüdischen Weltverschwörung. Mein Eindruck ist eher, daß meine Freunde nicht von bestimmten Mythen lassen wollen; Mythen, die vielleicht vor allem dazu dienen, die Rolle der eigenen Eltern/Großeltern in ein besseres Licht zu rücken. Das, was Ihnen da z.B. mit der Bank widerfahren ist, die sich bei dem -ovic lieber noch mal vergewissern wollte, erinnert an eine Folter mit Wassertropfen immer auf die gleiche Stelle. Oder eine andere immer gleiche Stelle. Sowas hat mindestens zwei Ursachen: Provinzialität und Sicherheitsbedürfnis.
    ‚Man weiß ja nicht..‘
    Darum geht’s: Man weiß ja immer irgendwas nicht und manchmal muss man etwas schneller entscheiden. So entstehen – überlebenswichtig – Vorurteile. Gefährlich wird das aber erst, wenn diese Vorurteile zu Mythen oder Aberglauben werden und von Polit-Karrieristen genutzt werden.
    Das kann aber auch so gehen:
    Der ‚Juden-Muggel‘ braucht Schutz (weiß doch jeder) und den gibt’s nur bei uns. Das eine (anti-) spielt dem anderen (philo-) zu und umgekehrt. Wir sollten uns nicht instrumentalisieren lassen. Diese Mythen nerven nur, so oder so. Stigmatisiert man sie aber, wachsen sie im Untergrund – unermesslich: ‚Man wird ja wohl noch sagen dürfen..‘. Man hätte ‚Mein Kampf‘ freigeben sollen, dann könnte ein Wolfgang Gedeon nicht so einen Stuss schreiben.
    Mythen lassen sich nicht verbieten, vielleicht werden sie aber irgendwann von anderen Mythen überwuchert. Dann sind vielleicht die Dicken dran, oder die Radfahrer.
    Und ‚Antisemit!‘: Das ist schnell gesagt und bewirkt meistens das Gegenteil von dem, was es bewirken soll. (Auch bei mir, davon vielleicht ein andermal.)
    Allein die Unkenntnis dieser einfachen Reiz-Reaktions-Zusammenhänge disqualifiziert z.B. den Zentralrat der Juden für jegliche Teilnahme an einer jüdischen Weltregierung.

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    Apo ./.EJ

    …Rechtsstaat und Demokratie finden Sie im Dekalog. (Wo sonst?)

    Souveränität in der Heiligen Schrift, im KKK 781 – 786: 781, ‚Zu jeder Zeit und in jedem Volk ist Gott jeder willkommen, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt. Gott hat es jedoch gefallen, die Menschen nicht einzeln, unabhängig von aller wechselseitigen Verbindung, zu heiligen und zu retten, sondern sie zu einem Volke zu machen, das ihn in Wahrheit anerkennen und ihm in Heiligkeit dienen sollte.

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    @ APO

    Ich hatte mich von dem Führer des „Führers“ und von der Schmitt’schen Lehre, die eben nicht nur darlegt, „was wie ist“, sondern vor allem lehrt, „was wie sein soll“, distanziert. Insofern muss ich Ihrer Aufforderung nicht nachkommen. Ich habe mit Schmitt nichts am Hut.

    Am Hut mit Schmitt haben’s andere: Was in GB abläuft, seit Thatcher, denke ich, und mit Höhepunkt in der Volksbefragung, ist, ich will nicht sagen, nur, aber sehr gut in Schmit’scher Denke zu beschreiben: Leerlaufende Selbstbehauptung, Sebstbehauptung im Leerlauf im leerlaufenden Neoliberalismus.

    Erinnern Sie sich: Ausgangangspunkt waren die Massenkonversionen, die nichts mit individueller Gewissensentscheidung und individuellem Glaubensbekenntnis zu tun haben: Im Leerlauf.

    Alles sehr off topic …

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    Lieber Alan Posener,

    jetzt gucken Sie doch mal den neuen Twitteralbernaufstand an, den von Storch, wissend, wie leicht das ist, entfacht hat, und niemand weiß genau, was sie meint.

    Meint sie, wir bräuchten ein Team ohne Zugewanderte, läge sie verkehrt.

    Meint sie aber, wir sollten unsere Fußballmannschaft Deutsche Nationalmannsachft nennen, läge sie goldrichtig, die Mannschaft, der auch die Khediras, Özils, Boatengs und vor allem die Bayern, die für den Rest der Deutschen doch nur Sonderlinge sind, zu Glanz verholfen haben, wie auch die Pogbas, Zidanes etc. die Tricolore zu großen Leistungen bringen, nicht wahr, diese lustigen Pogbas, die jeder mag.

    Zuerst muss mal, meine ich, die Diktion wieder auf Vordermann. In der permanten Auflösung, bzw. dem Versuch, ein Land mit Hilfe der Kanzlerschaft in andere Begriffe oder Lösungen zu überführen fast wie in der Chemie, kann fast nicht gescheit diskutiert werden, und selbst die Definition des Antisemitismus dürfte schwammig werden. Dieses Land wird so schwammig wie seine Kanzlerschaft, undefiniert und unklar mit Binnen-I und „Der Mannschaft“, geformt von neutralen Leuten, deren einzige Feinde wohl in der Zigarettenschachtel und dem SUV hocken, bravo, wie mittelmäßig und mitteldeutsch.

    Reden Sie über das Schattenhafte, Vage, Fluktuierende, nicht Definierbare dieser Kanzlerschaft, und dann sehen wir weiter. Dann gucken wir, ob wir noch ein Land sind mit einer Nationalmannschaft, oder nur noch eine Vorstellung, oder ein Traum, den eigentlich die AfD träumen müsste, aber dann müsste sie viel intelligenter werden und vor allem liebevoller.

    Und dann wissen wir auch, ob es eine Vorstellung gibt vom heutigen Antisemitismus, oder ob (ja, sicher) und wie er existiert und wo, vor allem wie und wo. Dafür müssten Sie aber Ihre eigene Person zurückstellen und nur das Land sehen und den Antisemitismus, auch erforschen, inwieweit diese finanz- und wirtschaftszentrierte Regierung es fertigbringt, ihn erneut zu fördern, gerade passend zum Lutherjahr.

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    „was ist hic et nunc zu tun“

    Da alle ihre, nennen wir es rassistische, Päckchen tragen, bringen die Zuzügler ihre mit. Und es wäre für alle Beteiligten verheerend, wenn die deutsche Nation in einer kindischen Reaktion einen affigen Rassismus pflegt, weil die Migranten ja auch nicht besser sind. Mir ist es schleierhaft, warum die albanischen oder türkischen Fähnchen, die so gar nicht im Fußballkontext stehen, nicht kommentiert werden. Oder der antisemitische Dreck bei AlQuds Demos toleriert wird. Weiße Gorillas, die man gerne übersieht. Und wenn wir anfangen über diese Gorillas zu reden, dann sind meine eben nicht der albanische Migrant, dann ist meiner, dass, wenn ich einen Schaden bei der Versicherung melde, am nächsten Tag ein Gutachter da ist und bei meinem Freund nicht. Es gibt keinen einheitlichen Rassismus, jeder hat seinen, jeder erduldet seinen, keiner sollte bevorzugt werden. Also sollte jeder auch über seinen reden. Der deutsche Schüler, der von Türken gedisst wird und auch ein Journalist, bei dem nach hunderten geschriebener Seiten zuerst die jüdische Abstammung interessiert. Ich kann mir vorstellen, dass auch eine Frau Frommel, wenn sie gerade professionell war, mitunter als leckere Schnitte und nicht als Juristin wahrgenommen wurde. Und klar ist Artensterben und Klimawandel wichtiger. Es ist immer etwas wichtiger, im großen Ganzen. Nur irgendwann beginnt man, seine Würde zu verlieren. Und Würde, das ist doch ein elementares Ding in einer individualistischen Gesellschaft.

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    Alan Posener, „Ihr“ – die Kritiker! Es wird immer nur kritisiert, nie ein Problem gelöst. Auf die Dauer langweilig. Bis auf Stevanovics Opa, den finde ich nicht langweilig.
    Und überhaupt, über Juden zu schreiben ist nicht einfach. Augstein, dieser Hobbyzeitungsherausgeber, ist ein Trottel vor dem Herrn. Ist Dummheit jetzt auch schon Antisemitismus?
    Für Stevanovic ist sein Opa der Idiot, für mich ist der Einwanderungsbefürworter Stevanovic der Idiot. Bestimmte Dinge werden in diesem EU-System nicht so funktionieren, wie manche linke Träume sich das vorstellen. Wie es ist, nicht wie es sein soll, darüber muß geredet werden. Noch steht die globalisierte Wirtschaft links, aber wie lange noch? Alles ist möglich, aber einige fangen an sich zu verabschieden: Brexit! – sie sind draußen, und sie wissen warum! Die englische Oberschicht hat das ganze Land verraten, denen ist doch ein Rotherham scheißegal; und die Mittelschicht ist zu feige, jene Diskussionen zu führen, die hätten geführt werden müssen. Aber dann hauen alle auf eine Emma West drauf, weil sie eine Rassistin ist. Wie sie sich in ihrem eigenen Viertel fühlt, interessiert nur den Opa von Stevanovic. Hauptsache die Politische Korrektheit gewinnt, alle sind nett zueinander und wir haben keine Probleme mehr.
    Ihr seid nicht besonders konstruktiv…

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      GUDE, anderen Leuten vorwerfen, sie seien „nicht konstruktiv“ und sie gleichzeitig als „Idiot“ beschimpfen: fällt Ihnen da nicht etwas auf? übrigens finden Sie hier auf SM sehr viel Konstruktives, wenn Sie nur suchen wollen. Schauen sie zum Beispiel an, was ich (um nur denjenenigen zu nennen, den ich unter den Autoren am besten kenne) zu Europa geschrieben habe über die Jahre.
      Im übrigen ist die Kritik am Journalismus, er sei „nur negativ“ immer schon ein Argument gegen die Kritik an sich, im Interesse derjenenigen, die wollen, dass sich nie etwas ändert.

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    Stevanovic: ‚Und deswegen, lieber KJN, hätte ich Ihnen gerne was anderes geschrieben. Als halber Pole wären Sie besser davon gekommen, hätten Loyalitätsprobleme, weil sie das hohe Niveau nicht mithalten können und das Blut Sie nach unten zieht. Verzeihlich. Als Juden-Muggel ist ihr Blut vergiftet.‘

    … gäääähn, Stevanovic, Sie bedienen sich, wiederholt, der gleichen ‚Argumente‘, wie die National-Sozialisten. Nur zu was?

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    Denn stufenweise werden alle wahren Fakten und Tatsachen im Bezug auf Migrantenkriminalität und fehlgeleitete Flüchtlingspolitik aus dem Netz entfernt. Währenddessen schreiben hier schon länger lebende Mihigrus fleissig Blogs und bezeichnen jeden Ur-Deutschen als Nazi, der die Wahrheit schreibt über Themen wie Islamisierung, Kriminalität gegen Frauen, Massenvergewaltigungen, Taschendiebstählen, Prügeleien, Messerstechereien und Sozialabzocke hier lebender Mihigrus.

    Das ist Deutschland heutzutage. Ein Staat mit Marionettenregierung und das Schlimmste ist, daß ein großer Teil der ur-deutschen Bevölkerung diesen ganzen Scheiss noch befürwortet, weil man sie entweder von kleinauf übertolerant erzogen hat oder weil man sie von kleinauf in den Bildungseinrichtungen mit linkem Gutmenschengeschwafel indoktriniert hat.

    Und die Jugend ist am Schlimmsten, die hat man komplett ruiniert auf die Art. Von denen wird jefliches Handeln zum eigenen nationalen Vorteil, als Nazitum abgetan. Da hat man sich eine vollkommen kaputte Generation von Mitläufern, Ja-Sagern und Weicheiern herangezüchtet, die sich überall von Kan..ken die Fresse polieren lassen ohne sich zu wehren. Denn sich zu gruppieren und dann zu wehren, hat man ihnen auch abtrainiert, denn das wäre ja dann rechtsradikal. Somit lässt man sich halt die Fresse polieren von irgendwelchen asozialen Mihigrus.

    Das ist aus Deutschland geworden. Zumindest aus dem Westen des Landes. denn im Osten regt sich noch Widerstand gegen diese ganze aufgezwungene linke Indoktrinierungsscheisse. Doch wer im Osten auf die Strasse geht und protestiert, der muss aufpassen. Da ist man dann ganz schnell ein rechtsradikaler oder ein Einwohner von (ich zitiere die Verräterpolitik) „Dunkeldeutschland“.

    Tja und vor all diesem Hintergrund, kann man nur darauf warten, dass auch dieser Blog noch aus dem Netz verschwindet. Schlechte Fakten oder traurige Wahrheiten zum Thema Moslems, darf man hier nicht beim Namen nennen, denn das könnte ja das gesteuerte, für dumm-verkaufte deutsche Volk, aus ihrem Winterschlaf reissen und es zum Widerstand bewegen. Und das deutsche Volk wird von den deutschen Politikern schon seit dem verlorenen 2. Weltkrieg als gefährliche dunkle Masse gesehen, die man steuern muss und lieber nicht als selbständig denkende Menschen erzieht. Sonst würden die nämlich erkennen, was hier in diesem Schein-Staat abgeht seit Jahrezehnten.

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    @APO

    C.Schmitt: „Alle prägnanten Begriffe der modernen Staatslehre sind säkularisierte theologische Begriffe.“

    Weg von der „Lehre“ Schmitts und weg von dem „Lehrer“ (bzw. dem Führer des „Führers“) Schmitt – analytisch gewendet und (auch) auf Politik bezogen, trifft der Satz zu. Was in GB modellhaft abläuft, ließe sich sehr gut durch „säkularisierte theologische Begriffe“ beschreiben.

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      EJ, beweisen Sie bitte Schmitts These anhand der drei Begriffe Rechtsstaat, Demokratie und Souveränität. Danke.

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    Antisemitismus ist kein „leidiges“ Thema,
    es nutzt sich nur ab, wenn es sich über alle anderen, sehr drängenden aktuellen Themen schiebt.
    Bei der Frauenbewegung gibt es einen ähnlichen Effekt: sie können ihre Erfolge nicht wahrnehmen, weil sie festgelegt sind auf ihre Themen, und das nervt dann (mich nervt das z.B sehr.).
    Was die Alt-Nazis der Bundesrepublik bis in die 1960er Jahre betrifft: Fritz Bauer in war in den 1960er Jahren allein auf weiter Flur (in der Justiz in „Feindesland). Dieser große Mann (leider aus Erschöpfung schon 1968 gestorben) war noch unermüdlich. Damals waren alte Nazis noch führend und so Typen wie Johannes Fest, der die verlogene Speer-Biografie ernst nahm statt sie ad absurdum zu führen und den Kriegsminister realistisch darzustellen. Die Bundesrepublik ist über diese Ideologen und Schönredner und Ignoranten hinweg gegangen, und das ist gut so!
    Mein Appell bleibt: was ist hic et nunc zu tun, worüber müssen wir reden?

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      Joachim Fest. Vater von Nicolaus. Kein Zufall. Der Antisemitismus ist immer und überall, also auch hic et nunc, zu bekämpfen. Darüber müssen wir reden. Ich kann Ihre Unlust verstehen, ich kenne auch die Reaktion, die Juden sollen endlich aufhören, nur von sich und ihren Problemen und vom Antisemitismus und blablabla zu reden – wirklich, ich kenne das. Aber dann trifft es mich wieder einmal. Wie hier. Und dann schreibe ich darüber. Sie müssen das weder lesen noch kommentieren, wenn Sie das Thema unwichtig finden. Sie dochAutorin. Schreiben Sie über die Dinge, die Ihnen wichtig sind.

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    Und deswegen, lieber KJN, hätte ich Ihnen gerne was anderes geschrieben. Als halber Pole wären Sie besser davon gekommen, hätten Loyalitätsprobleme, weil sie das hohe Niveau nicht mithalten können und das Blut Sie nach unten zieht. Verzeihlich. Als Juden-Muggel ist ihr Blut vergiftet. Und das wächst sich nicht aus. Jakob Augstein ist ein gutes Beispiel. Israel handelt und das teuflisch, Araber sind unmündige Äffchen. Mein Opa hätte ihn geliebt.

    Aber, wie gesagt und nochmal betont, bevor die Kameraden im Chor losheulen, es ist nicht nur in Deutschland so.

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    Herr Posener, in einer Sache gibt einen riesigen Unterschied. Als Südländer, Ostländer, Dortwoderpfefferwächstländer ist man nicht satisfaktionsfähig. Wie Sasha Baron Cohen in einem Film die Macho-Meinung über akademisierte Frauen persiflierte (aus dem Gedächtnis): „Ich liebe studierte Frauen. Sie sind wie Äffchen, die versuchen Rollschuhe zu fahren. Ihnen bedeutet es nichts, aber für uns ist es lustig anzuschauen.“ Niemand käme auf die Idee, einem Südländer vorzuwerfen, er würde sich seiner Abstammung rühmen. Einfach lächerlich. Selbst Briten sind Inselaffen, Amerikaner sind grob, aber dumm. Alles Mängelexemplare, auf dem Weg zur Menschwerdung irgendwo steckengeblieben. Diese Art von Vorurteil würde ich handelsüblich nennen. Mein seliger Opa hat mir die serbische Rassenkunde beigebracht und naja, da kommen andere und Deutsche auch nicht gut weg. Wir Serben sind die Spitze der Schöpfung, danach ging Gott schlafen. Für Serben sind Deutsche das, was für Deutsche Amerikaner. So dämlich, so leider normal die Herabsetzungen, die Verachtung, die Arroganz. Sie haben den Balkan gesehen, ist auch nicht anders als in Mecklenburg. Südländer werden nur in Gruppen zur Bedrohung, ansonsten sorgen sie für Stimmung und Ambiente, aber das Silberbesteck sollte durchgezählt werden. Mein Opa hätte sich auf meinen deutschen Stiefvater nie verlassen, weil als Deutscher ein notorischer Lügner ohne Ehre. Ja, mein Opa war ein Idiot, aber ich liebte ihn. So ist das Leben.
    Juden, das ist was anderes. Das ist die dunkle, unheimliche Bedrohung. Die sind nicht nur satisfaktionsfähig, die sind überlegen. Vor denen hat man Angst. Nicht nur Deutsche. Ich glaube, deswegen hat Antisemitismus eine andere Qualität. Und nicht erst seit dem Holocaust. Ich habe Rassismus in jeder Form und von jeder Seite erlebt. Aber jüdischer Abstammung, der kann man sich rühmen. Und das ist erwähnenswert, von einem serbischen Bauern abstammen nicht. Ein Fest hätte mich nicht ernst genommen (hätte er die Etno-Kartne gespielt), pah, was weiß schon so einer.
    @Frommel: Wer diesen Unterschied nicht merkt, hat die Rassenkunde nicht verstanden. Spricht nicht gegen Sie, es ist Blöde, aber es ist real.

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      Ja, Stevanovic, so ist es. Sehr gut beobachtet. Und natürlich sehen das viele Juden ähnlich. Ich wollte mal ein Buch schreiben: „Warum die Juden die Welt beherrschen. Und warum das gut ist.“

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    Diese Therapiesitzungen in diesem Kommentarbereich bringen keinen Mensch weiter. Die Seiten sind doch klar, und sie werden noch viel klarer werden.
    Wenn sogar der letzte Depp wissen soll, wie es gemeint ist, können ganz bestimmt nicht die Neuen Rechten zu den Schuldigen gemacht werden. Und wenn diese Dinge immer noch nicht klar sind, dann schaut auf euer Vokabular.
    Folgende Wörter wie Antisemitismus, Rassismus, Hitler, Nazi, Adolf, werden gestrichen, und die Köpfe sind leer. Das Zähneputzen würde zwar noch klappen, aber eine politische Analyse 2016 ist ohne einen Sieg Hitlers nicht drin. Und darüber wäre auch zu reden. Aber wie?
    Dabei seid ihr keine Opfer, ihr seid sogar weit davon entfernt. Unschuldig seid ihr auch nicht; was in dieser Angelegenheit eine Petitesse ist.

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      GUDE, ich hab‘ das nicht verstanden: „Dabei seid ihr keine Opfer, ihr seid sogar weit davon entfernt. Unschuldig seid ihr auch nicht; was in dieser Angelegenheit eine Petitesse ist.“ Wer ist mit „Ihr“ gemeint?

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    Bisschen sehr viel Ironie, APO. Danke trotzdem 🙂

    Obwohl einerseits nicht ganz zur Causa Fest passend, wollte ich, weil andererseits gerade davon die Rede war, nur kurz darauf hinweisen, dass die Spaltung Großbritanniens, wie sie im Brexit-Votum sichtbar geworden ist, womöglich von ziemlich weither und in der Tiefe vorbereitet ist. (Betrachten Sie’s als Themenvorschlag.)

    Die anscheinend großflächig vorhandene Bereitschaft, von der Anglikanischen Staatskirche in die alteuropäisch universale Römischen Kirche zu wechseln und hunderte Jahre Tradition und womöglich Identität über Bord zu werfen oder jedenfalls auf’s Spiel zu setzen, nimmt die Frauenordination nur zum letzten Anstoß, denke ich. Die „tatsächlichen“ Gründe dürften bedeutendere sein: Wie’s aussieht, handelt sich um den Versuch der Rekonstruktion ebenso „innerlicher“ Grenzen wie „äußerlicher“ Personen-/Persönlichkeits-Konturen, die sich – mangels geeigneter ( … philosophischer und theologischer) Artikulationsfähigkeit – eher nur oberflächlich an Geschlechterverhältnissen, Schwulen- und Fremdenfeindlichkeit festmachen.

    Insofern er geeignet ist, das (adaptierbare) notwendige Vokabular zu liefern, lässt der sich für den gesamten Westen (und darüber hinaus) abzeichnende säkulare Modernismusstreit womöglich am Ehesten in der (nur scheinbar abseitigen) Massenkonversion von der Anglikanischen zur Römischen Kirche fassen.

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      EJ: „Insofern er geeignet ist, das (adaptierbare) notwendige Vokabular zu liefern, lässt der sich für den gesamten Westen (und darüber hinaus) abzeichnende säkulare Modernismusstreit womöglich am Ehesten in der (nur scheinbar abseitigen) Massenkonversion von der Anglikanischen zur Römischen Kirche fassen.“ Da sei Gott vor.

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    Für mich ist das ein in-fight, eine Auseinandersetzung zwischen zwei Alphajournalisten mit jeweils einem Alpha-Vater, von denen einer schrieb: „Ich nicht“, stellvertretend für alle, die nicht dabei waren, aber sich nicht trauten, weil sie nicht so enden wollten wie „Die Weiße Rose“ oder Bonhoeffer.
    Beide haben eins gemeinsam: Sie sind schon auf unterschiedliche Weise mit „Bild“ aneinandergeraten. Das ist eine Gemengelage, aus der ich mich ‚raushalte.
    Was mir mehr zu schaffen macht, ist Poseners mangelnde Einsicht, dass der eliminatorische Antisemitismus die Gruppe gewechselt hat. Einzelnen Mitgliedern der neuen Gruppe, die eben nach dem WWII nicht entnazifiziert wurde, entgeht das nicht, siehe link. Daher meine ich, dass uns hierzulande auch längst die Aufklärung verlassen hat, und dass sie mittelfristig in diese Gruppe mehr einziehen wird, aber, wie es ihrer Natur entspricht, nur in Einzelne:
    http://www.welt.de/debatte/art.....lager.html

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    Lieber Klaus J. Nick, was Stevanovic schrieb, hat mich sehr berührt und befremdet zugleich. Befremdet, weil ich solche Erfahrungen wie er nicht gemacht habe. Was auch einigermaßen naheliegend ist. Allenfalls stünde ich wohl auf der anderen Seite. Mutmaßungen über Herkunft / Sozialisation sind in einer Diskussion immer ein heteronomes Element, solange zumindest, wie sie nicht von einer Seite als Argument oder Erklärung herangezogen werden. Mich interessiert Ihre Meinung, nicht, ob Sie Jude, Christ oder sonstwas sind. Oder ob Stevanovic ein „Jugo“ ist. Das ändert sich freilich, wenn die Beziehung persönlich wird. Auf meine Herkunft bin ich durchaus stolz, nur ist sie nicht mein Verdienst. Und natürlich wünsche ich mir wie jeder Vater, dass meine Kinder stolz auf mich sind.

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    Alan Posener: ‚Genau, Blonderhans. Würden Sie sagen, in dieser Selbstauskunft “berühme ich mich nicht zu knapp meiner jüdischen Abstammung”?‘

    … und wenn, wäre mir das egal. Ich ’schreibe‘ hier zu dem was Sie schreiben, nicht zu dem was Sie sind. Mich interessieren die Themen. Mehr nicht. Wenn sich jemand persönlich von mir angegriffen dünkt, bitte ich um Vergebung. Das ist nicht meine Absicht.

    Persönlich glaube ich, dass Sie suchen, wie jeder andere Mensch auch. Wo Sie ’stehen‘, wo andere ’stehen‘, wo ich bin, wird – letztendlich – ‚ganz oben‘ verantwortet werden müssen. Daran glaube ich.

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    @Stefan Trute
    „Ahnenpass“
    Ich bin – lang ist’s her – auch mal nach meinem ‚Ahnenpass‘ gefragt worden, und zwar von jüdischer Seite (damals habe ich falsch beantwortet, weil ich es nicht besser oder genauer wusste). Ich finde schon, daß das eine Bedeutung haben kann, aber wohl eher eine persönliche – mehr oder weniger bzw. die, die man ihr gibt, um sich z.B. selber zu verstehen. Unangemessen ist doch wohl eher die Wertung von außen. Ihre Entscheidung, daß Sie auf Ihre Abstammung keinen Wert legen, aber Sie könnten auch durchaus stolz darauf sein.

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    @Stevanovic
    „Loyalitätsprobleme“
    Absolut ins Schwarze getroffen! Und das andere, was Sie schreiben ist auch so. Wenn ich -bisweilen- auf die ‚anderen‘ Wurzeln des Großvaters hinweise, nützt allerdings auch die ‚Kameradschaft‘ des Vaters in der Wehrmacht nichts: Anstatt das Naheliegende zu sehen, nämlich der Konflikt der da zwischen Großvater und Vater geherrscht haben muss, kriegt man dann vorgeworfen, man wolle sich irgendwie ‚reinwaschen‘, man wolle nicht die Geschichte, die Schuld, teilen – man wolle sich irgendwie aus dieser eingeschworenen Gemeinschaft (?) davonstehlen, so nach dem Motto ‚ich bin auch ein Jude‘, also gehöre ich zu den ‚Guten‘. Ja, mit diesen Kategorien hat man zu tun. Gefragt ist Loyalität, commitment. Ich denke, das charakterisiert unser deutsche Gesellschaft ganz gut. Bei VW? Bestimmt. Antisemitismus? Möglich. Vielleicht verbreitet eher so eine nicht-rassistische (antijudaistische) Variante. Rassismus? In bestimmten Gegenden durchaus. Akif lebt aber in einer Gegend, wo er das nicht so merken wird.

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    O-Ton Alan Posener

    ‚Ich bin der Sohn eines deutschen Juden und einer englischen Anglikanerin. Ich war als Kind eher protestantisch veranlagt, wurde dann rabiater Atheist und Marxist in der Studentenbewegung. Eine Haltung, die ihre eigene Würde hat, die mir aber zunehmend unhaltbar vorkommt. Es gibt von Bob Dylan, den ich sehr verehre, eine grundsätzliche Aussage zum Thema Glauben: ‚Wer nicht an Wunder und an Gott glaubt, hat seine Augen nicht aufgetan.‘ Und das stimmt. Die Welt, wie sie um uns ist, ist einfach ein Wunder.

    Ich stehe mitten im Leben und schwebe nicht im siebten Himmel. Als Journalist bin ich vor allem mit handfesten Alltagssachen befasst und nicht mit irgendwelchen Wolkenkuckucksheimen. Ich bin ja nicht über Nacht vom Atheisten zum Katholiken geworden, ganz abgesehen davon, dass ich ja noch gar nicht katholisch bin, obwohl ich mir wünschte, katholisch werden zu können. Ich habe schon 1977 mit dem Marxismus gebrochen und habe 20 Jahre lang die Würde des Atheismus ebenso wie die Würde der Religion vertreten.‘

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      Genau, Blonderhans. Würden Sie sagen, in dieser Selbstauskunft „berühme ich mich nicht zu knapp meiner jüdischen Abstammung“?

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    Ach je, Herr Trute, da sagen Sie was. Ich kann nicht für die Beteiligten sprechen, aber der Dialog zwischen Frau Frommel und Herr Posener ist interessant. Mein bester Freund und Blutsbruder stammt aus einer Nazi-Familie (Großtante ist die Hyäne von Ausschwitz, Opa Bandenbekämpfer auf dem Balkan usw) und manchmal kommen wir auch an diesem Punkt an (ohne Frommel oder Posener nahtreten zu wollen). Wie sie sich vorstellen können, bin ich, wegen der –ovic Endung schon tausende male durch den Kakao gezogen worden. Als Kind habe ich gerne XY geschaut, weil es heimelig war und der Besuch einer JVA war Heimspiel, alles gut. So ist das Leben. Ich habe tausende Male den Satz gehört, dass ich wüßte, wie es gemeint ist. Ein Bonmot des Vaters meines Freundes war, dass „Wir“ nun wirklich den Krieg verloren hätten, weil ein Miroslav Klose der Held der Deutschen war. Raten Sie mal, bei wessen Arbeitgeber die Autobank angerufen hat, ob es den –ovic denn wirklich gäbe. Aber nochmal, alles gut. Ich weiß, wie es gemeint ist, statistisch nicht ohne Grund, der Mensch geht nach Erfahrung, man weiß es ja nicht, blabla. Ist ja auch alles Richtig, so ist das Leben, was will man von Menschen mehr erwarten, sehe alles ein blabla. Die Welt geht nicht unter. Mein Freund hat mich nie im Stich gelassen, er wurde auch hier und da handgreiflich, wenn es einer übertrieben hat und ich zu viel schluckte. Aber dann, unversehens, packt es mich. Und wissen Sie, dann will ich es hören: das passiert gerade, weil ich ein beschissener Jugo bin. Dann habe ich keinen Bock zu hören, ich wüsste wie es gemeint ist, es würde doch um was anderes gehen (klar, nur bei mir) und das sei alles nicht so schlimm. Sag es! Dann kommt die Galle hoch, eine aufgestaute Bitterkeit und mein treuester Freund fragt mich dann, ob ich nicht andere Probleme hätte. Nein, manchmal, für ihn nicht immer nachvollziehbar, nicht.

    Lesen Sie den Text von Fest. Ignoranten, Linke, Dumme, Menschen die das Leben nicht verstehen. Also alles politisch, es geht um Standpunkte. Aber nur bei einem geht es darum, was seine Herkunft ist. Und man kann alles ertragen, aber manchmal, muss man es so nennen, wie es ist, so wie es den anderen gerissen hat, zu sagen, wer man denn eigentlich sei.
    Und dann @Frommel, ist es ein Nebenschauplatz, schon richtig. Aber es ist mein Nebenschauplatz und man will es nicht stehen lassen, auch wenn gerade die Welt unter geht.

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    Gerade hat Herr Meuthen von der AfD Ba-Wü das Experiment gestartet, ob die AfD antisemitische Positionen (Herr Gideon) dulden wird, 13 Abgeordnete, also in den Landtag gewählte Abgeordnete, haben sich von denen abgespalten, die nicht konsequent sind, und werben für ihre Position. „Wir“ sind gespannt, wie dieses Experiment ausgeht. Nach der Sommerpause werden wir es wissen, ob die neue Rechte, die sich zur Wahl stellt, auch noch antisemitisch ist. Bei der alten Rechte (NPD) wissen wir, dass diese mehrheitlich auch antisemitisch sind.

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    „Ganze anglikanische Kirchengemeinden samt Geistlichem wollten und wollen in die rkK einziehen.“

    Gibt es zufällig eine gute katholische Schule in der Umgebung? Die Aussicht, dem „bog standard“ zu entkommen, hat schon bei einigen Eltern zu einer Art Damaskuserlebenis geführt.

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    Sorry, Alan Posener, die Anregung, sich nicht in billigen Scharmützeln aufzureiben, stattdessen besser Ihre Herkunft als Grund für Ihre geistige Befindlichkeit zu reflektieren, ging nicht an Ihre Mutter, sondern an Sie. Mit Verlaub, ich erlaube mir die Ferndiagnose, Sie sind veritabler Phobiker, Kontraphobiker und Ethnophobiker.

    Bei Fest würde ich mich an Ihrer Stelle nicht über den angeblichen Antisemitismus grämen, sondern eher darüber, dass er Ihr Ansehen im Springer-Verlag in Frage stellt.

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    Die neue Rechte ist leider erfolgreich mit ihrer fremdenfeindlichen und anti-islamischen Hetze. Hinzu kommt ein polemischer und unanständiger Missbrauch mit dem Terrorosmus-Begriff (etwa im Umgang der Türkei mit den Kurden). Im Moment sind dieses die drängenden Probleme.
    Sollte Antisemitismus wieder ein drängendes (akutes, nicht latentes) Problem werden, müssen wir darüber reden. aber ich bin sehr froh, dass die Mehrheit der Menschen – die Enkel der Täter und Mittäterinnen-Generation – sehr wohl gelernt hat, dass der Antisemitismus des 19.Jh und des 20.Jh die Nazis begünstigt hat und damit grausame Verbrechen ermöglicht und deren Ahndung verhindert hat.
    Nur: im Moment reden wir über etwas anderes. „Wir“ alle wissen sehr wohl, dass hinter Fremdenfeindlichkeit auch Antisemitismus stecken kann, aber Sie lösen weder das eine noch das andere, wenn Sie nicht versuchen, die Phänomene gesondert, in ihrer Besonderheit zu analysieren und zu beschreiben.

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      Liebe Monika Frommel, auch der Rassismus gegen Leute aus Europas Süden ist nicht „unser“ drängendstes Problem. Lesen Sie aber bitte, was Stevanovic zu seinen Erfahrungen sagt. Übrigens sind Sie wie ich Autorin auf „Starke Meinungen“ und können sich wie ich zu jedem Thema unter der Sonne hier äußern, wie ich. Weder Sie noch ich müssen nachweisen, dass dieses Thema das brisanteste in der Welt ist. Es reicht, wenn es für den Autor oder die Autorin wichtig ist. Morgen erscheint hier ein Text von mir zu Mathias Bröckers. Vielelicht wissen Sie nicht einmal, wer das ist, aber ich hatte mit ihm zu tun und will das dokumentieren. Und ja, es geht wieder um das leidige Thema Antisemitismus. Im übrigen ist Ihre Haltung falsch. „Wehret den Anfängen“ heißt nicht: „Sollte Antisemitismus wieder ein drängendes (akutes, nicht latentes) Problem werden, müssen wir darüber reden.“ Das wäre dann fürs Reden zu spät.

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    @Stevanovic, 4. Juli 2016 um 17:40

    … the diff. zwischen Projetionen:

    ‚… Es ist vollkommen Wurst, von welcher Seite man sich einem Thema nähert, das Ergebnis ist … immer das gleiche: … wenn … konnten … sein soll … hätte …‘ Fahrradkette.

    … und Realität, O-Ton Gen. Stevanovic:

    ‚Das einzige, das die Russen beeindruckt hat, war der Abschuss durch die Türkei und wenn wir jemanden in Russland zum Nachdenken bringen wollen, dann werden wir das nicht schaffen, indem wir keinen Joghurt liefern, sondern indem wir zB ein U-Boot im Ärmelkanal versenken. Der Macho-Kult lebt von Stärke und deswegen ist er empfindlich für Schwäche.‘

    … solch‘ einen ‚Macho-Kult‘ will ich nicht.

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    Ja ja, wer versteht das nicht?! Wieso soll N.F. nicht sarkastisch sein dürfen? Wir alle verstehen, dass er das sarkastisch gemeint hat. Aber wenn Sie dann tatsächlich mit „antisemitisch“ entgegnen und auch noch einen „Gorilla“ im Raum wähnen, na dann ist am Ende Ihr eigener Vergleich mit Erdogan gar nicht so weit hergeholt. Es hat ja auch niemand zu E. gesagt, er sei ein „Ziegen…“.Vielleicht sollten sich Journalisten weniger als „Sprachpolizei“ verstehen und mehr auf die Probleme eingehen, die wir haben. Zu viele Nebenschauplätze.

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      „Wir“ haben kein Problem mit dem Antisemitismus der Neuen Rechten, liebe Monika Frommel? Das fürchte ich auch. Da liegt auch das Problem.

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    Johnson vergleicht Deutschland mit dem 3.Reich (alleine das disqualifiziert ihn als Gesprächspartner einer Bundeskanzlerin) und suggeriert, das Vereinigte Königreich soll zerstört werden. Posener entgegnet, mit dem Brexit hätte Johnson das Vereinigte Königreich näher an den Zerfall gebracht, als das 3.Reich (Hitler) und Napoleon je konnten. Posener hat das Empire selbst erlebt, hat Koloniale Luft geschnuppert, weswegen man ihm einen verklärten Blick auf die Britishness unterstellen könnte. Sein Vater war Kolonialbeamter, war also für die Schokoladenseite des Kolonialismus zuständig. Ich unterstelle das Herr Posener in keinem Fall. Aber man könnte so beginnen, wenn man ihm unbedingt an den Karren will.
    Fest stellt fest, der Jude hätte Jehowa gesagt. Puh, originell und so ganz sachbezogen?

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    @Stevanovic

    Das „Deutschland“ Wellers oder Hans‘ – da wollen Sie dazugehören? Von denen akzeptiert werden? Als reinrassiger Deutscher (naja, meine Ahnen mütterlicherseits sind irgendwann aus Holland eingewandert) sage ich Ihnen: Vergessen Sie diesen ganzen konstruierten Blut- und – Boden – Mummenschanz. Was soll das: Deutsch oder Nichtdeutsch? Mit der Unterscheidung: Arschloch – Nichtarschloch kommt man viel weiter. Die Beschimpfung „Deutschenhasser“ und die Empfehlung, aus Deutschland wegzuziehen ist aus deren Mund ein Kompliment. Lieber Stevanovic, ich frage Sie oder Posener nicht nach Ihrem Ahnenpass, käme mir nicht in den Sinn, und ich kenne eine Menge Leute, denen es genauso geht!

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    Wie verstehen Sie es denn? Wenn man Worte nicht mehr im Kontext interpretiert, kann man schnell beleidigt sein. N. Fest hat Ihre Parallele, die ich auch überzogen finde, „originell“ gefunden. Das ist eine Wertung, gegen die nichts spricht.

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      Ach, Monika Frommel. Meine Parallele war eine Retourkutsche auf den überzogenen Vergleich der EU mit dem Dritten Reich, den Johnson angestellt hat und war in so fern alles andere als „originell“. Das meint Fest auch gar nicht. Er meint das sarkastisch. Ich kann meinen ganzen Beitrag hier nicht wiederholen, bloß weil Sie hier ein Wort und dort ein Wort herauspicken und partout den Gorilla im Raum, nämlich das Thema Antisemitismus nicht sehen wollen.

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      Liebe Monika Frommel, das ist nicht Ihr Ernst, dass Sie meine Antwort auf Ihren Kommentar so auffassen.

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    Na, lieber Herr Posener, ganz kann das nicht stimmen mit dem Antikatholizismus der Briten. Ganze anglikanische Kirchengemeinden samt Geistlichem wollten und wollen in die rkK einziehen. (Und denken Sie an Tony Blair!) Der emeritierte Papst hatte schon etwas wie einen Aufnahmestopp für die britischen Glaubens-Migranten verhängt. (Wie der diensthabende Papst es mit der „Flut“ hält – keine Ahnung.)

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      EJ! sie sind wieder da! Tränen der Freude. Aber sehen Sie, klar gibt es Verräter, selbst unter Engländern. Aber einen waschechten Anglikaner wie mich („rühmt sich nicht zu knapp seiner anglikanischen Herkunft“) haben gerade die Abwerbeversuche des Papstes ganz furchtbar aufgeregt. Nachzulesen etwa in diesem Kommentar, in dem ich, hellsichtig, wie ich finde, den Untergang des Benediktismus vorhersage:
      http://www.theeuropean.de/alan.....anglikaner

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    @Monika Frommel
    Dann lesen Sie mal eine Zeitung aus den 70er Jahren, und vergleichen Sie die Preise von Immobilien und Autos mit heute. Wie Akif Pirincci so richtig sagt, früher kauften alle Neuwagen, heute wird nur noch geleast, mangels Kohle. Die deutschen Arbeiter sind die Sklaven des Euro und der EU, und können diese Diktatur nicht abschütteln, weil es keine richtigen Wahlen gibt. Und wenn die Türkei Visafreiheit kriegt, dann geht die Islamisierung noch mal durch die Decke. Wer behauptet, dass es heute besser ist, als in der BRD der 80er, der hat den Schuss nicht gehört.

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    M.F.: ‚… Den Rest muss eine Mentalität der Verantwortung für sich selbst leisten. Hilfe zur Selbsthilfe kann auch in der Flüchtlingspolitik nicht schaden, also weg von Arbeitsverboten! Dann schaffen es nämlich die tüchtigen und die offenen Menschen können helfen. … ‚

    … Sie wurden erhört, werte M.F., sie kommen. Als ‚offener Mensch‘, haben Sie sich sicher schon ein paar ‚Fachkräfte‘ reserviert. (Nix gegen ‚Neger‘, jede/r sollte einen haben. Oder?)

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    Ist reichlich langweilig, wie der eine über den anderen schmutzige Wäsche zu waschen versucht.

    Viel interessanter wäre, wenn Sie erzählen würden, die die schottisch-anglikanische Familie Ihrer Mutter auf deren Partnerwahl reagiert hat.

    Wir haben zu viele uneigentliche und lächerliche Auseinandersetzungen.

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    Das Muster ist immer dasselbe. Wenn man sich zu Deutschland bekennt, ist immer ein Kamerad in der Nähe, der räuspernd darauf hinweist, man sei (im besten Fall) Wahlverwandtschaft (was noch als Kompliment gemeint ist und das ich auch so auffasse, mehr ist halt nicht drin). Verweist man selbst darauf, dass man auch paar Wurzelstränge in einem anderen Blumentopf hat, hat man Loyalitätsprobleme, will den Minderheitenbonus oder trägt es vor sich her. Es ist vollkommen Wurst, von welcher Seite man sich einem Thema nähert, das Ergebnis ist für Kameraden immer das gleiche: man gehört nun mal nicht dazu, wenn beide Opas keine Aufnahme bei der SS beantragen konnten. Und nur das ist das entscheidende Kriterium, was so deutsch sein soll und am Ende des Tages unterscheidet genau das einen Kameraden von einem Bürger. Traurig der Tag, an dem ein Pirrinci feststellt, dass, auch wenn er fühlt, das sein Großvater vor Stalingrad gelegen hätte, er einsieht, dass er für diese Leute immer ein Türke bleiben wird, und seine Kinder und Kindeskinder auch.
    Die Kameraden verneinen es immer wieder, aber am Ende ist es doch nicht die individuelle Leistung, das Bekenntnis, der Geist oder die Sprache, in der man träumt. Am Ende ist es doch der Großvater. Nicht wahr, ohne den Juden in ihm, ist ein Posener nicht zu verstehen, verschweigt er ihn, verstellt er sich, nennt er ihn, rühmt er sich. Es zerreißt die Seele, wenn man es nicht laut sagt.

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      Stevanovic, das ist Literatur. Und so ist es auch. Aber ein Gert Weller, ein Othmar Kaufmann (der meine tote Mutter gern befragen würde, wie ihre Verwandtschaft ihre Ehe mit einem Juden fand), ein Alexander Gauland, der mir schreibt, ich könnte die Befindlichkeit der Deutschen nicht verstehen, schließlich gehöre meine Familie zu den „Siegern“, ein … Nun ja, es ist so, wie Sie es sagen. Dank dafür.

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      Liebe Monika Frommel, wenn Nicolaus Fest es für nötig befindet, in einem Kommentar über Großbritannien nicht auf meine britische, sondern auf meine jüdische Abkunft hinzuweisen, dann ist das ist keine Privatfehde, eben so wenig wie Böhmermann nur Erdogan beleidigt, wenn er sich zur Kennzeichnung des Staatsoberhaupts der Türke des Begriffs Ziegenficker“ bedient, der unter Rechten als Synonym für Türken benutzt wird. Lesen Sie dazu vielleicht den Kommentar von Stevanovic.

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    Ein Vergleich ist keine Gleichsetzung; und wenn die kleinen Leute in der EU nicht eine solche Breitsalve abbekommen hätten, wären wir nicht in dieser Lage.
    Für Deutschland sieht es gut aus? Na klar, den Sozis geht es immer nur ums Geld, da ist nichts zu machen.
    Monika Frommels Sozialdarwinismus erinnert wirklich ein bißchen an „vergangene Zeiten“. In meiner Welt nennt sich soetwas Volksverrat.

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    M.F.: ‚ … Deutschland profitiert aus der EU. … ‚

    … ‚linker Wünscheloptimismus‘ ist in der Historie nicht neu, werte Fr. Prof. M.F..

    In der ‘DDR’ wurde noch am Vorabend der ’89er Revolution verkündet, wie viel rote Rüben der Genossenschaftsbauer Kraske, eine Figur bei Strittmatter, von der LPG Typ I, ‘Roter Oktober’, zum Wohl des sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaates, unter Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland, eingefahren hat.

    … und nun? es vergeht kein einziger Tag in der ‚BRD‘, an dem nicht Deutschland als größter Nutznießer der EU und des Euro gepriesen wird, … erst wurde nicht gefragt, jetzt wird schamlos gelogen!

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    Sehr geehrter Herr Posener,

    könnte es sich bei Johnsons Demagogie nicht um einen verwandelten Antikatholizismus handeln? Ich meine, dass die EU britischen Euroskeptikern – sofern es sich bei Ihnen um aufrichtige Liberale und nicht um verklemmte Chauvinisten handelt, und erstere waren im Wahlkampf sicherlich in der Minderheit – als Projektionsfläche für uralte Affekte hinhalten muss. Farage erscheint mir wie jemand, der sich als Cromwell der letzten Tage inszenieren will, und UKIP als zweite New Model Army. Indem sie ständig darauf hinweisen, dass es sich bei der EU um ein neopapistisches und obrigkeitstaatliches Konstrukt handelt, stellen sie Großbritanniens Einzigartigkeit heraus. Dass die EU für kontinentaleuropäische Verhältnisse ausgesprochen liberal ist, unterschlagen sie dabei, ebenso wie die Tatsache, dass britische Liberalität auf der Union mit Schottland beruht, die sie billigend zerstören und die mit Englishness alleine nicht zu machen ist.

    Wenn man sich vor Augen hält, dass die konservative Partei Conservative and Unionist Party heißt, wird ihr Versagen auf ganzer Linie deutlich.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Dialectic of the Wills

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      Lieber „Dialectic of the Wills“, der Antikatholizismus ist in Großbritannien sicher viel stärker, als allgemein zugegeben wird. Er spielt bei der Ablehnung der Iren (siehe den Monty-Python-Sketch „Every Sperm is Holy“) ebenso eine Rolle wie bei der Feindschaft gegenüber den Polen. Auch ich erschrak unwillkürlich bei meinem letzten Besuch in London, als ich an einer sonst unauffälligen katholischen Kirche ein großes Kreuz für den Märtyrer Kaczynski erblickte, und das, obwohl ich von Besuchen in Hamburg weiß, dass dort manche katholische Kirchen mittlerweile eine hauptsächlich polnische Gemeinde haben. Zeitweilig überholte die katholische Kirche dank der Zuwanderer in Großbritannien die anglikanische Kirche als mitgliedsstärkste christliche Konfession, und das ist für viele Leute problematischer als der Zuwachs der Muslime, die uns nichts angehen. 1588 ist nicht vergessen. Großes Thema also. Danke für den Hinweis.

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    Habe nun den anrüchigen Kommentar gefunden und finde ihn eigentlich noch vertretbar:
    .“….Alan Posener, Chefkommentator der WELT, twittert zum BREXIT, zustimmend geteilt von Springer-Kollegen: „So Cameron / Farage / Johnson / Corbyn managed to do what Napoleon, the Kaiser and Hitler failed to do: destroy Great Britain. Well done, lads, have fun in Little England.“ Die ‚Leave’-Wähler als Hitlers willige Vollstrecker, der Brexit als zweites Coventry? So etwas nennt man wohl Relativierung. Für jemanden, der sich nicht zu knapp seiner jüdischen Herkunft berühmt, ist das zumindest eine originelle Position….“

    Zunächst erschien mir ein Vergleich mit Napoleon und Hitler – wie locker auch immer – abenteuerlich und ich neigte dazu, dem verdammenden Urteil über Nicolaus Fest zuzustimmen. aber der Vergleich kommt vom Kritiker, nicht vom Kritisierten. Na – dann ist der Gegenschlag noch verhältnismäßig. Die ganze Debatte ist aber überzogen.

    Es wird Wege geben, das Chaos zu begrenzen, wenn alle Beteiligten dem mahnenden Wort der Queen folgen: bitte erst einmal Tee trinken und dann kühlen Kopf behalten. Der Breis hat Nachteile, aber auch Norwegen ist nicht in der EU, die Schweiz nicht. Den Euro betrifft es überhaupt nicht, und die Frankfurter freuen sich – was ich schon einmal bemerkt habe. Nicht nur Fußball, auch Politik wird zur Zeit sehr schlecht gespielt in der ehemaligen Kolonialmacht. Tja – in einigen Jahren ist das verkraftet. Viel Geld ist dann über andere Kanäle geflossen: so ist das, wenn man verzogene und gealterte, ehemalige Elite-Schüler spielen lässt!

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      Liebe Monika Frommel, sie mussten den „anrüchigen Kommentar“ nicht suchen, da ich ihn in voller Länge abdruckte und die Quelle als Link angab. Insofern müsste ich Sie bitten, meinen Text erst zu lesen, der sowohl meinen Tweet kontextualisiert als auch Fests Beitrag auseinandernimmt.

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    tja Gert Weller,
    was sagen Sie dazu, dass nun auch noch Frankfurt als internationaler Finanzplatz gewinnt?
    Für Deutschland sieht es ziemlich gut aus, weswegen wir einfach mal abwarten sollten. Stabilität der anderen EU-freundlichen Länder hilft weiter, also: bitte kein Öl ins Feuer gießen. Das rechte Gequatsche kann in Deutschland bald niemand mehr hören, es ist offenkundig das Ergebnis von Wahnvorstellungen. Nun hilft es einem Paranoiden nur begrenzt, wenn man sagt: das entspricht nicht der Realität. Aber es gibt keine Alternative zu diesem – langfristig vielleicht erfolgreichen – Hinweis. also: Gert Weller: Deutschland profitiert aus der EU. Weniger EU ist gut, jedenfalls dann, wenn es in eine politische Union münden soll. Das scheitert angesichts der Komplexität der sehr verschiedenen Volkswirtschaften und politischen Systemen in Europa. Auch soziale Grundrechte zu fordern ist eine Illusion. Es reicht völlig, wenn der Sozialstaat lokal und auf regionaler Ebene gefördert wird. Den Rest muss eine Mentalität der Verantwortung für sich selbst leisten. Hilfe zur Selbsthilfe kann auch in der Flüchtlingspolitik nicht schaden, also weg von Arbeitsverboten! Dann schaffen es nämlich die tüchtigen und die offenen Menschen können helfen.

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    Dass Deutschland die EU dominiert und deren größter Profiteur sei, ist allerdings Unfug, da hat Johnson wohl die antideutsche Karte gespielt, mit Erfolg. Die Deutschen sind die Sklaven der EU und hätten als Erstes ein Interesse aus der EUdSSR auszutreten. Allerdings sind die Deutschen in Ketten gelegt, durch Blockparteien, spärliche Demokratie und gehirnwaschende Massenmedien im Ausmaß von Goebbels hoch Tausend. So haben die Briten stellvertretend für die versklavten Deutschen die Freiheit gewählt, und somit hoffentlich den Stein angestoßen, der das Merkel-Regime zu Fall bringen wird, und letztendlich auch die Deutschen befreien wird. Boris Johnson, we free Germans love you, Prost Mate.

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    Zuerst habe ich mir gedacht, so ein Schmierfink, der ist doch eigentlich keinen Beitrag hier wert. Dann habe ich gelesen, dass Johnson angeblich deshalb nicht neuer Primeminister wird, weil die Granden der britischen Medienlandschaft, Rupert Murdoch und Paul Dacre, den Daumen über Johnson gesenkt haben sollen.

    Wer die Medien und die Meinung in der Hand hat, besitzt auch in den heutigen kapitalistischen Staaten offenbar eine Macht, die nicht zu unterschätzen ist. Gerade der Name Fest stand in der Bundesrepublik für eine rechtskonservative vorgeschobene Beschaulichkeit, die dazu neigte die Vergangenheit mit einer unangebracht rosa Brille zu sehen.

    Was beim Vater noch mit verbrämten Stolz daherkam, bricht sich beim Sohn freie Bahnen.

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    Die erwähnten Blogeinträge sind sehr aufschlussreich. Vielen Dank, es ist sehr interessant, was jetzt alles nach der Brexit-Abstimmung geschieht und wie sich so mancher ordentlich verkalkuliert hat.

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    Zu Ihrer Privatfehde mit Hern Fest sage ich lieber nicht mehr als daß sie beide nicht immer fair argumentieren, aber die Bezeichnung des britischen Empires als liberal ist schon starker Tobak.

    Veröffentlichen Sie das mal in Indien, was sie da zu hören kriegen.

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      Don Geraldo, zu Indien: „Our duty is very simple and plain. We want to serve the community, and in our own humble way to serve the Empire. We believe in the righteousness of the cause, which it is our privilege to espouse. We have an abiding faith in the mercy of the Almighty God, and we have firm faith in the British Constitution.“ Mahatma Gandhi

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      Don Geraldo, zur Rolle des Empire: „Like most things in the political realm, the 1807 Abolition of the Slave Trade Act was not perfect: beyond the metropolis, in the British colonies, slaves were owned (though could not be sold) for another quarter-century. But William Wilberforce’s life reminds us that great men don’t shirk things because the focus-group numbers look unpromising. For his pains, his countrymen are now raised in schools where they’re taught that the British Empire was the pre-eminent source of racism and oppression, and they never learn that the single greatest force in ending slavery around the globe were a few Englishmen and the ships of the Royal Navy.“
      Mark Steyn, „National Review“

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    Ich danke Ernst Piper für den Hinweis, dass schon Richard Harris im Zusammenhang mit seinem Roman „Vaterland“ gemeint hat: „Man muss nicht die Ansichten von Margaret Thatcher teilen, um zu erkennen, wie sehr das, was die Nazis in Westeuropa vorhatten, dem ähnelt, was im Bereich der Wirtschaft nun Wirklichkeit geworden ist.“
    Demzufolge hätte Boris seine Ansichten über die EU von einem Bestseller-Autor bekommen.

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