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Wie Angela Merkel ihr neues Kabinett sieht

Ein gutes hat das neue Kabinett – fast alle Minister dürften sofort arbeitsfähig sein. Etliche darunter waren ja schon zu Zeiten Helmut Kohls im Einsatz. Doch genau das wird auch eines der größten Probleme des neuen Kabinetts werden: Wir sind schon vor der Vereidigung von den Gesichtern gelangweilt. Und ein schwarz-gelbes Projekt gibt es auch nicht. Kein Wunder, dass die Presse schlecht ist – und sie dürfte in den nächsten Monaten noch schlechter werden.

Auf keinen Fall wird Angela Merkel eine Wiederholung von 2005/2006 gegönnt werden. Damals waren fast alle überrascht, wie gut sich die Ostdeutsche als Kanzlerin geschlagen hat. Ein gutes halbes Jahr wurde die Stimmung immer freundlicher, was gerade in den Anfangsphasen einer Legislaturperiode psychologisch sehr wichtig ist.

Nun ist der Blick der Öffentlichkeit auf etwas so komplexes wie Koalitions- und Personalverhandlungen notgedrungen komplett anders als der Blick von innen nach außen. An der Kanzlerin dürften die Vorwürfe, sie hätte die Verhandlungen laufen lassen und nicht geführt, abprallen. Und aus ihrer Sicht auch zu Recht. Mit Wolfgang Schäuble hat sie einen Finanzminster, der in der Union unumstritten ist und als eine Art “Elder Statesman” größtes Ansehen genießt. Und er ist ein guter, erfahrener, und im Laufe der Jahre zunehmend diplomatischerer Verhandler. Das wird ihm helfen, die harten Maßnahmen zumzusetzen, die schon absehbar sind.

Und die Gesundheitspolitik muss künftig ein neuer Shootingstar verantworten, dieses Mal aber von der FDP. Jede neue Reform wird hier von der jeweiligen, meist sehr finanzstarken Lobbygruppe überaus hart bekämpft. Es ist also außerordentlich schwer, sich hier beliebt zu machen – ob bei der Bevölkerung, oder in den Fachkreisen. Angela Merkel wird das Ursula von der Leyen erklärt haben, die dieses Ressort doch so gerne haben wollte.

Schließlich Günther Oettinger: Am wichtigsten ist hier wohl, dass er Platz macht für einen besseren Ministerpräsidenten in einem der wichtigsten Unionsländer.  Wer auch immer es wird, schlimmer als bei Oettinger kann es schwerlich kommen. Der Mann ist ein Drama – fachlich versiert wie kaum ein anderer, doch er bringt seine PS einfach nicht auf die Straße. Der Akzent, die Wortwahl, das meist falsche Timing. Er war einfach der falsche Mann am falschen Platz. Nun hat er eine zweite Chance – und Merkel auf jeden Fall ein frisches Gesicht in Baden-Württemberg.

So ähnlich dürfte die Kanzlerin im Personalpoker kalkuliert haben. Wie immer ist es unmöglich, alles durchzusetzen. Aus ihrer Sicht aber dürfte die Sache zufriedenstellend gelaufen sein.

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2 thoughts on “Wie Angela Merkel ihr neues Kabinett sieht

  1. avatar

    Hallo Herr Friedmann,
    Zum Glück habe ich eben noch den Kommentar von Herrn Engelmann gelesen.
    Darin ist zu lesen, dass auch die Altlasten des neuen Finanzministers nicht vergessen werden sollten. Mich beschleicht das unangenehme Gefühl, dass wir von den Ungeeigneten nicht mal die Besten, sondern höchstens die Zweitbesten bekommen haben. Nun, wir haben gewählt. Die Reaktion der BK Merkel spricht Bände. Wir werden noch viel Freude mit den Protagonisten haben.

    Mit freundlichen Grüßen

    Henry J. Locher

  2. avatar

    Liebe Frau Heckel,

    ich meine, dass Journalisten nicht so schnell vergessen sollten. Ich frage mich, bei wem Schäuble denn so hohes Ansehen genießt, außer in der eigenen Partei oder bei Ihnen? Für Bürgerrechtler und Digital Natives ist er ein rotes Tuch.
    Und auch andere aufmerksame Bürger haben nicht vergessen, dass Schäuble mutmaßlich vom CDU-Schwarzgeldsystem wusste und obendrein illegale Parteispenden eines Waffenschiebers entgegennahm, was er erst öffentlich leugnete.
    Dazu die bemerkenswerte Reaktion der Bundeskanzlerin:
    http://www.youtube.com/watch?v=XaWE8K2nRVs

    Können Sie so etwas einfach ignorieren?

    Freundliche Grüße,
    Sebastian Engelmann

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