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Fördern durch Fordern: Warum die bisherige Integrationspolitik gescheitert ist

Der ehemalige Berliner Finanzsenator und heutige Bundesbankvorstand Sarrazin hat eine wichtige – wenn nicht die zentrale – Frage mit seinem Lettre-Interview angestoßen: Spielt die Politik in der Integrationsfrage eigentlich eine Rolle? Die empört-erregten Reaktionen auf seine stellenweise beleidigende Analyse der bisherigen Politik sagen klar Nein. „Integration“ in Deutschland ist, wenn der Staat Geld für Sprachkurse ausgibt, die „Migrationshintergründler“ von Hartz IV leben und eine große Anzahl von Schülern ihre Einrichtung ohne Abschluss verlassen.

„Fordern und Fördern“ hieß zuletzt jahrelang das Mantra in Politik und Gesellschaft. Die zu Integrierenden fordern (mehr Geld, mehr Lehrer, mehr Quoten) und der Staat hat es zu fördern, das heißt: zu finanzieren. In Stadtteilen wie Berlin-Neukölln leben heute rund 75 Prozent der Kinder von Hartz IV. Eine Befreiung aus dieser materiellen Armutsspirale muss mit der Bildung beginnen. Die Hirn- und frühkindliche Forschung belegt längst, dass Kinder mit zwei, drei Jahren die größten Lernsprünge machen. Sprachfähigkeit bildet sich in diesen beiden Jahren heraus. Eine Kita-Pflicht für alle nicht aus ökonomischen Gründen (weil die Eltern arbeiten), sondern aus pädagogischen Gewissheiten ist im Zeitalter der Wissensgesellschaft überfällig – für deutsche wie nicht-deutsche Kinder.

Der von Politik und Gesellschaft ausgerufene „Aufstieg durch Bildung“ wird nur gelingen, wenn Schulschwänzen und Schulabbrechen der Kampf angesagt wird. Viele jugendliche Gewalttäter sind Schwulschwänzer oder –abbrecher. Das Kindergeld ist keine Konsumzuwendung, sondern eine staatliche Investition in die Förderung der Kinder.

Wer seine Kinder nicht in die Schule schickt, sollte daher kein Kindergeld bekommen. Viele der jungen Migranten haben unentdeckte Talente. Das angekündigte elternunabhängige Stipendienprogramm sollte daher Quoten für diese vorsehen und gezielt fördern.

„Fördern durch Fordern“ sollte die neue Maxime in der deutschen Integrationspolitik lauten. Bildung und Leistung bedingen sich. Junge Menschen wollen etwas leisten und sich bilden. Abgehalten werden sie zu oft von den eigenen Eltern und sich als leistungsfrei verstehenden Schulen. Sarrazin sollte seinen ihn offenbar unterfordernden Job bei der Bundesbank aufgeben und wechseln – in die aktive Integrationspolitik.

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One thought on “Fördern durch Fordern: Warum die bisherige Integrationspolitik gescheitert ist

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    Herr Dettling meint, Sarrazin sollte seinen Job bei der Bundesbank aufgeben um in die aktive Integrationspolitik wechseln. Potzblitz Herr Dettling, hörten Sie nicht erst kürzlich den brausenden Sturm kurzgedachter Reflexe, auch seitens unserer verantwortungsvollen Politiker, durchs Land düsen?
    Wer es auch nur ansatzweise wagen würde, sich mit einem Herrn Sarrazin, zudem mit von ihm ausgeübter Integrationspolitik schmücken zu wollen, gälte allein schon bei der Ankündigung dessen, als politisch hingeschieden.

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