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Russland-Versteher proben den Aufstand

Außenminister Heiko Maas ließ schon kurz nach  Amtsantritt durch Töne aufhorchen, die man in Bezug auf Russland von führenden Politikern der SPD schon lange nicht mehr vernommen hatte: Russland agiere „zunehmend feindselig“, habe das Völkerrecht gebrochen, unterminiere die westlichen Demokratien durch Desinformationen. Viele im Westen hätten deshalb von Russland  „die Nase voll“. Den harschen Worten folgten auch Taten. Nach dem Giftgas-Angriff auf den Ex-Spion Skripal in Großbritannien, der den russischen Geheimdiensten zugeschrieben wird, schloss sich Deutschland der Ausweisung  zahlreicher  russischer Diplomanten aus  Staaten der EU und den USA  an. An eine Lockerung der gegen Russland verhängten Sanktionen ist gegenwärtig nicht zu denken. Die USA haben sie sogar verschärft.

Nicht lange dauerte es, bis die üblichen Verdächtigen aus dem Pro-Putin-Lager aufbegehrten und Maas Russlandfeindlichkeit, ja Kriegstreiberei vorwarfen: Politiker von AfD und Linkspartei  stellten sich in gewohnter Manier vor den von ihnen verehrten Autokraten mit der nackten Brust. Aber auch führende Sozialdemokraten waren mit  von der Partie: Manuela Schwesig, Matthias Platzeck,  Siegmar Gabriel, etwas verklausulierter auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.  Die Gazprom/Rosneft-Führungskraft Gerhard  Schröder hielt Hof bei der Vereidigung Putins im Kreml. Als erster durfte er seinem Männerfreund die Hand schütteln.  Diese Sozialdemokraten führen die Front derer an, die durch Heiko Maas den  Markenkern der Willy-Brandt-SPD – die Neue Ostpolitik – gefährdet sehen. Sie wollen nicht wahrhaben, dass sich seit den 1970er Jahren die Vorzeichen im internationalen Kontext  völlig verändert haben. Die  Sowjetunion hat  bis auf eine Ausnahme (Afghanistan) niemals Staaten außerhalb des Warschauer Pakts militärisch angegriffen.  Die Interventionen in Polen, Ungarn, CSSR und in der DDR waren im Selbstverständnis der Kreml-Führer „innere Angelegenheiten des sozialistischen Lagers“. Der Westen akzeptierte diese Lesart – sehr zum Leidwesen der Tschechen, Ungarn und  DDR-Bürger, die nach dem Scheitern ihrer Aufstände unter der Knute Russlands verbleiben mussten, weil der Westen einen Weltkrieg unbedingt vermeiden wollte. Putin hingegen hat  mehrmals Territorien  fremder Länder überfallen und hält sie  bis heute besetzt: Südossetien und Abchasien (zu Georgien gehörig), Transnistrien (zu Moldawien gehörig), die Halbinsel Krim und die Bezirke  Donezk und Luhansk (zur Ukraine gehörig). Zudem  betrachtet Russland Syrien inzwischen als Protektorat, in dem es  nach Gutdünken schaltet und waltet. Putin hat verschiedene Begründungen für diese Aggressionsakte geliefert: Er wolle Russen überall dort schützen, wo sie in fremden Staaten leben („Russland ist, wo Russen leben.“). Das erinnert doch  sehr an die „brüderliche Hilfe“ von Leonid Breschnew. Dann will er den Untergang der Sowjetunion („die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“) dadurch kompensieren, dass  er  Staaten der ehemaligen Sowjetunion entweder territorial verstümmelt oder wirtschaftlich schwächt. Staaten, die ihren Blick ursprünglich gen Westen richteten, wurden durch ökonomischen Druck und militärische Drohgesten in die von Russland dominierte Eurasische Union gezwungen, wie z.B. Armenien.

Putin gibt  vor,  sich nur gegen die Einkreisung Russlands durch  NATO und  EU zu wehren. Dieses Argument hat in Wolfgang Kubicki (FDP) einen prominenten Unterstützer gefunden. In der Presse wurde er mit der Aussage zitiert: „Nicht Russland ist an die NATO herangerückt, sondern die NATO an Russland“.  Dass dieses Argument falsch ist, lässt sich leicht beweisen. Die NATO nimmt nur Staaten auf, die die demokratische Werteordnung des Bündnisses akzeptieren und die selbst demokratisch verfasst sind. Kein einziger Staat, der je der NATO   beigetreten ist, wurde vom Bündnis dazu gezwungen. Entweder hat bei der Aufnahme das nationale Parlament zugestimmt oder das ganze Volk per Volksabstimmung. Die Staaten, die früher zum Warschauer Pakt gehörten (Polen, die drei baltischen Staaten, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Tschechien und die Slowakei), wollten deshalb in die NATO, weil sie der Bedrohung durch den ehemaligen „Bruderstaat“ Russland ein für alle Mal entgehen wollten. In diesen Ländern ist die „brüderliche Hilfe“ – sprich: die bewaffnete Intervention – in Ungarn, Polen und der DDR unvergessen. Den  Staaten, die Angst vor dem russischen Expansionsdrang haben, den NATO-Beitritt zu verwehren, wäre unmenschlich und ein Verstoß gegen das Völkerrecht, das den Beitritt zu Bündnissen ausdrücklich gestattet. In der „Charta von Paris für ein neues Europa“ (1990) hat sich Russland per Unterschrift verpflichtet, die territoriale Integrität und Bündnisfreiheit aller Länder anzuerkennen. Diesen Vertrag  hat Russland seitdem  mehrfach gebrochen.

Dass die NATO  durchaus  Rücksicht auf Russlands Befindlichkeit  nimmt, kann man daran sehen, dass sie das Beitrittsbegehren Georgiens und der Ukraine (vorläufig) abgelehnt hat. Betrachtet man die Landkarte Europas und Asiens, stellt man fest, dass kein einziger Mitgliedsstaat  der NATO unmittelbar an Russland grenzt. Einzige Ausnahme ist  die Exklave Kaliningrad, die sich zwischen Polen und Litauen befindet. Von einem Heranrücken  der NATO an Russland kann also schon geografisch keine Rede sein.  Wer das Argument,    Russland werde eingekreist,  unbesehen nachbetet,  zeigt eine  Geringschätzung der Demokratie in den Staaten, die der russischen Hegemonie entfliehen und eine friedliche Entwicklung im Schutz der demokratischen Staatengemeinschaft nehmen wollen. Die Rechtfertigung  der russischen  Expansion durch deutsche Politiker erinnert zudem an die unseligsten Zeiten unserer Geschichte, als die kleinen Staaten in Osteuropa  zum Spielball der Allianz Hitlerdeutschlands mit Stalins Russland  geworden sind. Wir sollten als Deutsche den Anschein vermeiden,  Deutschland wolle sich  jemals wieder mit Russland auf dem Rücken der kleinen Staaten Osteuropas  verständigen.

Die Russland-Versteher zeigen auch Sympathie für das Ziel Putins, Russland wieder als  Großmacht zu etablieren. Ist Russland eine Großmacht? Die Wirtschaftskraft des Landes rechtfertigt diesen Status sicher nicht. Beim Bruttoinlandsprodukt rangiert die Russische Föderation hinter Kanada und Südkorea. Selbst das krisengeplagte Italien läuft Russland wirtschaftlich den Rang ab. Nur bei der militärischen Stärke kann Russland international mithalten, da es seit Jahren diesen Sektor finanziell massiv  päppelt. Kenner halten  Russland für  ein Entwicklungsland mit Atomwaffen. In der Fläche ist dieses riesige Land tatsächlich unterentwickelt. In den Dörfern der sibirischen Taiga leben die Menschen noch wie im 19. Jahrhundert. Im ganzen Land ist die Infrastruktur marode, sind Krankenhäuser und Schulen in erbärmlichen Zustand. Der Technologierückstand gegenüber dem Westen ist immens.  21,4 Millionen Russen, also 14,6 Prozent der Bevölkerung,  leben unter dem Existenzminimum. Das leidensfähige russische Volk erträgt den schwierigen Alltag, weil die gleichgeschalteten Medien ihm ständig einreden, Russland sei endlich wieder Großmacht. Die feindlich gesonnene Welt müsse dies respektieren und dürfe das Land niemals mehr demütigen. Patriotische Gefühle kompensieren Armut und Hoffnungslosigkeit.

Es ist verstörend, wie schnell die Russland-Freunde über die Verbrechen hinweggegangen sind, die russische und syrische Flugzeuge im Herbst 2016 bei der Rückeroberung von  Aleppo begangen haben. Russische Bomber haben Hilfskonvois, Schulen und Krankenhäuser bombardiert und viele Zivilisten, darunter auch Kinder, getötet. Die Bilder der toten Kinder gingen um die Welt. Der damalige Präsident der Vereinten Nationen Ban Ki-moon sprach von einem abscheulichen Kriegsverbrechen. Man stelle sich vor, die USA hätten solche Verbrechen begangen. Wir groß wäre der Aufschrei im Friedenslager von SPD und Linkspartei gewesen. Die Russland-Sympathie speist sich eben auch   aus der unerschöpflichen  Quelle des Antiamerikanismus.

Auffällig ist, dass selbst seriöse Zeitschriften wie der SPIEGEL der  Russland-Sympathie Nahrung geben.  In der letzten Ausgabe des Magazins darf der  Pianist Justus Frantz  sagen,  Außenminister Heiko Maas erinnere ihn an Helmuth Moltke, den kriegsbereiten Chef des preußischen Generalstabs zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Ein ungeheuerlicher Vergleich. Frantz ist mit einer Russin verheiratet. Er schwärmt von  russischer Musik und Literatur. Auf dem Klavier spielt er zur Erbauung  die russische Nationalhymne: „Russland, unser geheiligter Staat, Russland, unser geliebtes Land“. Dieser Russland-Kitsch hat eine Botschaft: Weil die Deutschen die Sinfonien von Peter Tschaikowski lieben, muss man sich mit Russland gut stellen. Weil sie gerne die Romane von Fjodor Dostojewski über die russische Seele lesen, muss man mit Putin gnädig umgehen. Soll man Russland alles verzeihen, weil wir die Kultur Russlands schätzen?  Sollen wir den Mantel des Vergessens  breiten über den Abbau der Demokratie, die Verfälschung von Wahlen, den Hass auf Homosexuelle und Fremde (Menschen aus dem Kaukasus), die Legitimierung häuslicher Gewalt, die Ermordung von Journalisten und Politikern, die Destabilisierung  demokratischer Staaten, die Wahlhilfe für Donald Trump,  den massiven Betrug beim Sport, die Unterstützung neofaschistischer Parteien in Europa?

Hätten  Großbritannien und die USA im Zweiten Weltkrieg  gesagt, Hitlerdeutschland dürfe man nicht angreifen, weil die Deutschen Goethe und Mozart hervorgebracht haben, wäre die Welt nie von Adolf Hitler befreit worden. Wären die Westmächte  Hitler schon 1938 in den Arm gefallen, als er die Hand nach  der Tschechoslowakei  ausstreckte,  hätte es keinen Holocaust gegeben. Appeasement  – z.B. durch das „Münchener Abkommen“ –  hat Hitler erst den Weg geebnet.

Schon Friedrich Schiller wusste, wie Realpolitik funktioniert:  „Leicht beieinander wohnen die Gedanken, / Doch hart im Raume stoßen sich die Sachen“ („Wallensteins Tod“). Für Sentimentalitäten ist in der internationalen Politik kein Platz, wenn man vermeiden will, dass das Faustrecht siegt.

 

 

28 thoughts on “Russland-Versteher proben den Aufstand

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    An Sie, Herr Werner:
    Ich hab keinen Schimmer, ob es in diesem Land so was wie „Russlandversteher“ gibt, denn jeder Einzelne würde zugeben, dass man Russland, groß und komplex, gar nicht verstehen kann. Somit ist „Russlandversteher“ eine Herabsetzung. Ich schätze mal, dass die Berichterstattung seit Beginn der Sanktionen, also seit einer neuen Kältephase, als ein wenig unausgewogen empfunden wird. Zudem wird alles sofort putinisiert, als hätte der Mann selbst Hand angelegt. Bei ähnlichen Taten andernorts sagt man CIA und bei der Beseitigung von libanesischen Waffenhändlern durch Tennisspieler Mossad und nicht Israel.

    Bei MH 17 hat man sich ja auf eine Diktion geeinigt: Die Russen. Die Russen schießen einfach so ein Passagierflugzeug ab und erkennen nicht, dass es ein Passagierflugzeug ist. Das muss man auch erstmal glauben. Mein Glauben ist da deswegen schwach, weil ursprünglich Putin selbst auf der Rückreise von Brasilien dort langgeflogen wäre, wenn er nicht vorsichtshalber (oder sein Geheimdienst) die Route nach Süden verlegt hätte. Er stieg schweißgebadet aus in Moskau. Aber gut, irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass man das alles seit 2014 auch ebensogut Krieg nennen könnte. Zumindest Kalter Krieg II scheint mir nicht verkehrt.

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      „Russlandversteher“ ist eine journalistische Verkürzung für Politiker, die die Politik Putins dadurch verharmlosen, dass sie sich auf seine Begründungen einlassen, z.B. auf die These, die NATO wolle Russland einkreisen. Einige dieser Politiker haben auch direkte materielle Interessen (Schröder, Kubicki). Dann gibt es Nostalgiker in den Reihen der SPD, die von der „Neuen Ostpolitik“ unter Willy Brandt träumen und dabei gar nicht merken, dass sich die Welt weitergedreht hat. Diese Politiker gehen alle über die schlichte Tatsache hinweg, dass Putin 1914 ein Nachbarland militärisch angegriffen hat. Es ist schon merkwürdig, dass diejenigen, die im Inland jeden Rechtsverstoß schrecklich finden (was ich auch tue), ganz generös über den Bruch des Völkerrechts durch Russland hinweggehen.

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        Das Problem ist nur, dass das mit der NATO stimmt. Und wenn Sie bei Posener lesen, was Stevanovic schreibt, wäre sie besser beraten, sich dort breiter zu machen.
        Das andere Flugzeug, über das ich neulich wieder mal las, (MH 370) ist auch ein Mysterium. Jetzt haben sich die Untersucher wohl geeinigt, dass es am wenigsten Schaden anrichtet, wenn man den Piloten Suizid begehen lässt. Ich glaube das nicht. Vorstellen kann ich mir eher, dass er Terroristen an Bord hatte plus eine äußerst gefährliche Ladung. Zuerst setzte er die Terroristen mit dem Kollateralschaden Passagiere außer Betrieb. Danach muss er überlegt haben, denn er kreiste eine ganze Weile über der Region und flog auch über seinen Heimatort. Dann beschloss er, die Ladung im Indischen Ozean ohne Sprit sanft zu landen. Er hatte diesen Weg auf seinem Flugsimulator, so what. Den kann man manipulieren. Ich glaube am ehesten, dass der Pilot ein gutes Werk getan hat.
        Aber es gibt diverse andere Theorien.
        In Afrika werden Passagierflugzeuge auch gern für Waffentransporte verwendet. Let’s face it: Die Mächte sind zynisch und kalt, und der Mensch ist nur eine Ameise für sie. Nur jemand wie Albert Schweitzer trat nicht auf Ameisen. Das ist eine wahre Rarität.

        Das Programm hier trennt übrigens am wenigsten zwischen s und t. Wir haben schon in der Grundschule gelernt, dass das nicht geht.

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    Noch was: Doppelagenten sind doch an sich sinnlose und dabei korrupte Existenzen.
    Wenn man Le Carré etwas Glauben schenken will, und das darf man wohl, weil er selbst auf dem Sektor tätig gewesen ist, kriegen sie vom einen Geheimdienst was Unwichtiges, um den anderen abzulenken, und der gibt ihnen auch Unwichtiges. Pech ist, wenn sie für ein Bakschisch, kleine Villa irgendwo oder so, mal was Wichtiges preisgeben. Berufsrisiko. Ähnliche Mentalität wie Paparazzi, schätze ich. Das sind Existenzen, die es nicht in den Service geschafft haben.
    Deswegen finde ich, dass der Mann gegen Russland zu sehr instrumentalisiert wird. Theresa May kriegte dann sofort ihr superabweisendes Geheimdienstgesicht. Ich fand Cameron bedeutend sympathischer, das nur nebenbei, aber sie hat’s schwerer.
    Aber nichts gegen noblere Strukturen im Agentenbetrieb. Ich freue mich schon auf den neuen Bond. Vielleicht wird der Fall da eingearbeitet. Die Welt hat sich erschreckend verändert, brutalisiert. Ich meine, dass man das an den Bond-Filmen gut sieht. Wo der alte ein Gentleman war (Connery), ist der neue gnadenloser.

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      Und Smileys hübsche Frau hat es auch noch mit seinen Kollegen getrieben. Agenten haben es auch nicht leicht.

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    Dass der BND ein Interesse am Tode Skripals habe, habe ich nicht behauptet. Offensichtlich war für die Propaganda unerheblich, dass das Nervengift schon Anfang der 90er in den Westen gelangte und an „befreundete“ Geheimdienste weitergereicht wurde. Ihre sogenannte Indizienkette würde jeder Jurist, der halbwegs was von seinem Fach versteht, in einem rechtsstaatlichen Verfahren in der Luft zerreißen. Ihre Argumentation ist so hanebüchen, dass man mit ihr jeden ungeklärten Mordfall, der mit einer Heckler & Koch begangen wurde, Deutschland anlasten müsste.

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      Beweise gibt es hier auch nicht:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Wiktor_Juschtschenko

      Was mich verwundert, ist die Aufregung um den Spy. Er war Doppelagent. Das fällt unter normales Berufsrisiko. Er wird ordentlich verdient haben, mehr als wir alle zusammen. Es kann jede Seite gewesen sein, je nachdem, was er an der falschen Stelle verraten hat.
      Die Tochter allerdings ist ein anderes Kapitel, es sei denn, sie wäre ebfs. Doppelagentin gewesen. Sie haben überlebt. Bei Bond geht’s schlimmer zu.

      Jetzt kriege ich vielleicht: „Nach Ihrer Logik kann man Doppelagenten einfach umbringen“. Antwort: Ja, aber am besten ohne ihre Töchter. Im Prinzip sind es Schweine. Doppelagent ist gleich Schwein. We have a mole in the circus sozusagen. Der Ausdruck von John Le Carré.

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    Lieber Don Geraldo,
    Kontrafaktische Historiographie – Was wäre wenn? – mag unterhaltsam sein. Man kann da viel spekulieren. Hitlers außenpolitisches Programm beinhaltete eine Revision des Versailler Vertrages, gegebenenfalls auch mit kriegerischen Mitteln, als Vorstufe einer viel weitergehenden Konzeption der Kolonialisierung „des Ostens“, die die Vertreibung bzw. Vernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen beinhaltete. Den Krieg gegen GB und Frankreich ab dem September ’39 als Resultat des deutschen Angriffs auf Polen wollte Hitler zum damaligen Zeitpunkt nicht führen. Herrn Werners Argument eines „Revisionskrieges“ gegen Frankreich geht ins Leere.

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    Lieber Don Geraldo,

    was Sie da schreiben ist doch alles billigste Propaganda. Lesen Sie besser, was Herr Posener zu dem Thema schreibt. Es war DER IRAN, der in den letzten Jahren ganz Nordafrika in Chaos und Unruhe gestürzt hat. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

    Anstatt auf DEM IRAN herumzuhacken sollte man sich mehr darauf konzentrieren zu verhindern, dass in den USA Herr Trump sich immer mehr mit gewissenlosen Antidemokraten und Foltermägden umgibt und die Welt mal eben in einen dritten Weltkrieg stürzt, nur um von seinen Schürzenjägergeschichten abzulenken. Die wahren Gefahren für den Weltfrieden sitzen in Langley, dem Weißen Haus und in den Vorstandsetagen von Lockheed Martin, Raytheon und Constellis & Co.

    Aber, wie ich schon vor längerer Zeit mal angemerkt hatte, soll das Forum Starke-Meinungen wohl vor allem dazu dienen, Thesen im globalen Meinungskampf auf ihre möglichen Gegenargumente abzuklopfen, wobei wir aus Eitelkeit, Naivität oder Resonanzsucht bei diesem Experiment auch noch kostenlos unsere Kommentaren beisteuern. Dabei schreckt Herr Posener mitunter auch nicht davor zurück die irrwitzigsten Thesen aufzustellen, als sei er ein Widergänger des noch gar nicht verstorbenen Donald Trumps.

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      Lieber 68er,

      ich fürchte Sie haben hier wirklich etwas falsch verstanden.
      Muß ich wirklich die ganze Geschichte wiederholen, wie die Taliban, Al-Kaida oder der IS entstanden sind ?
      Hinter den Taliban stand der Militärgeheimdienst Pakistans, der wenig machte von dem der Verbündete und Finanzier USA nichts wußte.
      Al-Kaida wurde direkt von der CIA gegründet gegen die UdSSR in Afghanistan.
      Und der IS ist die direkte Folge des US-Überfalls auf den Irak. Selbst wenn die USA nicht selbst ihre Finger drin hatte, ohne Saudi-Arabien wären deren Anfangserfolge nicht möglich gewesen.
      Da all diese Fanatiker Schiiten genauso verfolgen wie Christen, Juden, Aleviten, Jeziden war es logisch, daß der Iran als schiitische Schutzmacht sich irgendwann einmischen wird.
      Da es in Nordafrika wenige Schiiten gibt ist es übrigens für mich absolut neu, daß der Iran ausgerechnet dort Chaos verursacht haben soll.

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        Lieber Don Geraldo,

        leider haben Sie meine Ironie überlesen. Ich bin voll und ganz Ihrer Meinung, was die Mitverursacher des Chaos in Norafrika betrifft. Es gibt aber gerade eine Fake-News-Kampagne, an der auch Herr Posener mitwirkt, nach deren Narrativ der Iran am Chaos in Syrien und wahrscheinlich auch für alle Kriege der Welt verantwortlich sein soll.

        https://www.nachdenkseiten.de/?p=43931

        Das sind gerade sehr gefährliche Zeiten. Und es ist teilweise sehr verantwortungslos, wie derzeit von bestimmten Seiten Öl ins Feuer gegossen wird.

        Ich möchte nicht im Iran leben müssen. Aber ich möchte auch nicht in Saudi-Arabien oder in Katar leben und noch weniger möchte ich in einem Land leben, bei dem sich „der Westen“ dazu entschieden hat, es in die Steinzeit zurück zu bomben, damit es die Möglichkeit eröffnet bekommt, ein moderner demokratischer Rechtsstaat oder aber als failed state zu enden. Siehe Afghanistan, Irak, Libyen oder Syrien.

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    Gibt es eigentlich Beweise für die Beteiligung russischer Geheimdienste am Attentat auf Skripal, die das aggressive Verhalten des Westens Russland gegenüber rechtfertigen? Die NATO ist nicht an Russland herangerückt? Putzige Argumentation! Nachgerade ekelhaft ist ihr Vergleich Putins mit Hitler.

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      Putin sagt: Russland ist, wo Russen wohnen, auch wenn sie in einem anderen Land wohnen. Sie müssen geschützt werden, auch mit Gewalt (siehe Ukraine). Hitler sagte: Deutschland ist, wo Deutsche wohnen, auch wenn sie in einem anderen Land wohnen. Sie müssen „heim ins Reich“ geholt werden. Deshalb forderte er das Sudetenland. Der willfährige Westen stand ihm das im Münchener Abkommen zu. Da aber Deutsche noch in anderen Ländern wohnten (z. B. in Frankreich, Elsaß), war die schiefe Ebene der kriegerischen Eroberungen betreten. Natürlich hat Putin keinen Weltkrieg entfacht und keinen Holocaust zu verantworten. Das Politik-Muster erinnert allerdings sehr stark an Hitlers Drohpolitik vor Ausruch des 2. Weltkriegs. Dieser Vergleich stammt nicht von mir, sondern von Historikern, die sich auskennen.

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        Hitler überfiel Frankreich doch nicht, weil dort Deutsche wohnten! Welcher Historiker behauptet denn so etwas? Sie dürfen Putin mit Hitler vergleichen, wenn Sie nachweisen können, dass er einen russisch dominierten, wirtschaftlich autarken und „rassisch“ homogenen eurasischen Block erschaffen will. Viel Erfolg!

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        Das Elsaß war seit dem Mittelalter ein vorwiegend deutsches Siedlungsgebiet. Als es durch den Versailler Vertrag nach dem 1. Weltkrieg verloren ging, schwor Hitler Rache – durchaus nach dem Motto: Deutsche heim ins Reich. Damit meinte er nicht die Menschen, sondern das Territorium. Das war e i n Kriegsgrund für den 2. Weltkrieg. Historische Vergleiche bedeuten nicht, dass man Politiker aus unterschiedlichen Epochen in toto gleichsetzt. Das wäre ja aberwitzig. Aber Politikmuster kann man vergleichen. Und hier verfolgt Putin Ziele und Methoden, die man von anderen Diktaturen, auch der Hitlerschen, kennt.

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        Hitler hat Frankreich nicht überfallen, nach dem Sitzkrieg hat er eine Offensive gestartet. Herr Trutes Textbausteine sind so albern und unhistorisch.

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        Deutsche wohnten ja nicht einfach so „in einem anderen Land“ sondern da wo sie schon immer gewohnt hatten.
        Die Besitzverhältnisse des Landes hatten sich durch Krieg verändert, also war es nicht unlogisch, das durch einen weiteren Krieg wieder zu verändern.
        Den Versailler Vertrag wurde ja nicht nur von Hitler und Co., sondern eigentlich von allen politischen Kräften der Weimarer Republik abgelehnt. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß auch eine demokratische Regierung früher oder später eine Revision – zur Not auch mit Gewalt – angestrebt hätte.

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      Tagesthemen heute. Der BND weiß seit den frühen 90ern von dem russischen Giftgas. Verfügt sogar darüber. Der Westen belügt seine Bevölkerungen, die „Solidarität“ mit GB beruht bis dato auf blanken Unterstellunge, befleißigt sich mithin einer Praxis, die er den Russen vorwirft. Das kann man nur als gefährliche Kriegstreiberei bezeichnen, mit Ihnen, Herr als Propagandist.

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        Dass Geheimdienste, auch die westlichen, die Waffen des Gegners nachbauen, ist doch selbstverständlich. Das wird sogar von der Charta zur Vernichtung von Chemiewaffen erlaubt. Welches Motiv hätte Ihrer Ansicht nach der BND haben sollen, den Ex-Spion Russlands und seine Tochter in GB zu töten? Russland hatte ein Motiv, das schon mehrfach zum Zuge gekommen ist: Wer aussteigt, lebt gefährlich. Dass Russland anfänglich abgestritten hat, Nowitschok überhaupt produziert zu haben, ist doch ein deutlicher Hinweis darauf, dass es etwas zu verbeergen hatte. Man nennt dies eine Indizienkette. Russland hat auch abgestritten, dass in Syrien vor einigen Wochen Giftgas zum Einsatz kam, weil es peinlich für den Kreml ist, an der Seite eines Barbaren zu stehen. Jetzt hat die Kontrolluntersuchung ergeben, dass Giftgas tatsächlich zum Einsatz kam. Wir können gespannt sein, welche Lügen una der Kreml jetzt auftischen wird.

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      Dass der BND ein Interesse am Tode Skripals habe, habe ich nicht behauptet. Offensichtlich war für die Propaganda unerheblich, dass das Nervengift schon Anfang der 90er in den Westen gelangte und an „befreundete“ Geheimdienste weitergereicht wurde. Ihre sogenannte Indizienkette würde jeder Jurist, der halbwegs was von seinem Fach versteht, in einem rechtsstaatlichen Verfahren in der Luft zerreißen. Ihre Argumentation ist so hanebüchen, dass man mit ihr jeden ungeklärten Mordfall, der mit einer Heckler & Koch begangen wurde, Deutschland anlasten müsste.

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    „Man stelle sich vor, die USA hätten solche Verbrechen begangen.“
    Der Überfall der USA hat hunderttausende von Toten gekostet, die anschließende Anarchie und der dadurch ermöglichte Aufstieg des IS ist auch den USA anzulasten.
    Der Übergriff des IS auf das bis dahin stabile Syrien ging auch nicht ohne US-Einfluß von statten, neben dem US-Lakaien Saudi-Arabien war auch die CIA an vorderster Front.

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      Die USA haben ein paar Shock-and Awe Bomben geworfen, die Araber sind gelaufen wie die Hühner und der Krieg war vorbei. Die Toten gabs erst später, als die Araber blutdurstig sich gegenseitig gekillt haben.

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        @GW: Das kann man so sehen, muß man aber nicht.
        Erstens war vom Regime Saddam Husseins, sobald die USA ihre Angriffspläne kundgetan hatten, die asymmetrische Kriegsführung geplant und wurde durchgeführt (die ganze Führung der Baath-Partei verschwand einfach von der Bildfläche in den Untergrund).
        Zweitens: Daß „die Araber blutdurstig sich gegenseitig gekillt haben“ ist allenfalls die halbe Wahrheit, denn die Angriffe der Baath-Funktionäre richteten sich primär gegen diejenigen Iraker, die von der Besatzungsmacht eingesetzt wurden und jene, die mit den neuen Verwaltung zusammenarbeiteten. Das, was Sie als Blutdurst bezeichnen, ist der Aufstand, den die Al-Kaida-Filiale unter Abu Mussab al-Sarkawi gegen die Schiiten angezettelt hat, bei dem aber die alten Baath-Kader im Hintergrund mitmischten.

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