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Fiktionale Geschichtsklitterung

Schriftsteller sind keine guten Gew√§hrsleute ¬†f√ľr die Verk√ľndigung¬† historischer Wahrheiten. Aus der Stalin-√Ąra ist bekannt, dass intelligente Autoren, die bei der Entlarvung des Kapitalismus jeden Scharfsinn aufboten, ihren Verstand abschalteten, als sie ¬†Huldigungsgedichte an den sowjetischen Diktator¬† verfassten. Die Poeme sind ¬†an Peinlichkeit und Zynismus nicht zu √ľberbieten. Hier zwei Beispiele f√ľr deutschen¬† Stalin-Kitsch:

„Dort wirst du, Stalin, stehn, in voller Bl√ľte
Der Apfelbäume an dem Bodensee,
Und durch den Schwarzwald wandert seine G√ľte,
Und winkt zu sich heran ein scheues Reh.“¬† ¬†(Johannes R. Becher)

“ Das Leben h√∂rte ihm zu.
Die er jetzt belehrte,
Hatten ihn viel gelehrt,
Immer horchte er hin in die Masse,
Mit ihren Schmerzen beschwert.
Die er dem Licht zukehrte.“¬† (Stephan Hermlin)

Wer meinte, ¬†solche Geschichtsklitterungen geh√∂rten der Vergangenheit an, wurde j√ľngst eines Besseren belehrt. Im SPIEGEL 12/2017 erschien ein Text¬† der √∂sterreichischen Schriftstellerin Eva Menasse. Weiterlesen

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Wiederkehr des Verdrängten: Kauft nicht bei Juden

Die Fotos findet man in allen Geschichtsb√ľchern. SA-Mitglieder belagern j√ľdische Einrichtungen, an denen sie Plakate angebracht haben: „Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht bei Juden!“ – Die Schaufensterscheiben und Fassaden der Gesch√§fte haben sie mit Judensternen beschmiert und f√ľr diejenigen, die dieses Symbol nicht kennen, in Gro√übuchstaben in wei√üer Farbe dazu geschrieben: „J U D E !“

Das geschah am 1. April 1933, nur zwei Monate nach der Macht√ľbertragung an Adolf Hitler und seine NSDAP. Dieser Judenboykott war generalstabsm√§√üig vorbereitet. Im ganzen Reich sollten am fr√ľhen Morgen j√ľdische Gesch√§fte, Warenh√§user, Rechtsanwaltskanzleien, Notariate und Arztpraxen von SA-Einheiten abgeriegelt und die nichtj√ľdische Kundschaft am Betreten gehindert werden. Schon im ersten Parteiprogramm von 1920 hatte die NSDAP angek√ľndigt, dass sie, wenn sie an die Macht komme, alle Juden aus dem Wirtschaftsleben „entfernen“ wolle. In einem hatte sich die NSDAP allerdings verrechnet: Die Bev√∂lkerung stand dem Boykott so passiv gegen√ľber, dass man die Abriegelung der Gesch√§fte kaum mit der Vollstreckung des „Volkszorns“ begr√ľnden konnte. Der Boykott wurde deshalb schon am Abend des 1. April f√ľr beendet erkl√§rt. Er gilt dennoch als der erste schwerwiegende Angriff auf die Juden im Deutschen Reich nach Machtantritt Hitlers. Weiterlesen

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Obama und Netanjahu: Mister Planlos und Herr Neinsager

Eines muss man Benjamin Netanjahu lassen: Er hält seinen Kurs Рkomme, was und wer da wolle. Selbst der Druck eines US-Präsidenten ficht ihn nicht weiter an. Barack Obama fordert einen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967? Mir doch egal! Ich bleibe bei meinen Standpunkten, seien sie auch teilweise noch so umstritten. Hier geht es eben um Prinzipien, nämlich ein Israel in sicheren Grenzen. Und wer könnte ihm da widersprechen? Selbst der Chef im Weißen Haus nicht. Weiterlesen

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