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Wiederkehr des Verdrängten: Kauft nicht bei Juden

Die Fotos findet man in allen GeschichtsbĂĽchern. SA-Mitglieder belagern jĂĽdische Einrichtungen, an denen sie Plakate angebracht haben: „Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht bei Juden!“ – Die Schaufensterscheiben und Fassaden der Geschäfte haben sie mit Judensternen beschmiert und fĂĽr diejenigen, die dieses Symbol nicht kennen, in GroĂźbuchstaben in weiĂźer Farbe dazu geschrieben: „J U D E !“

Das geschah am 1. April 1933, nur zwei Monate nach der MachtĂĽbertragung an Adolf Hitler und seine NSDAP. Dieser Judenboykott war generalstabsmäßig vorbereitet. Im ganzen Reich sollten am frĂĽhen Morgen jĂĽdische Geschäfte, Warenhäuser, Rechtsanwaltskanzleien, Notariate und Arztpraxen von SA-Einheiten abgeriegelt und die nichtjĂĽdische Kundschaft am Betreten gehindert werden. Schon im ersten Parteiprogramm von 1920 hatte die NSDAP angekĂĽndigt, dass sie, wenn sie an die Macht komme, alle Juden aus dem Wirtschaftsleben „entfernen“ wolle. In einem hatte sich die NSDAP allerdings verrechnet: Die Bevölkerung stand dem Boykott so passiv gegenĂĽber, dass man die Abriegelung der Geschäfte kaum mit der Vollstreckung des „Volkszorns“ begrĂĽnden konnte. Der Boykott wurde deshalb schon am Abend des 1. April fĂĽr beendet erklärt. Er gilt dennoch als der erste schwerwiegende Angriff auf die Juden im Deutschen Reich nach Machtantritt Hitlers. Weiterlesen

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