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Fl√ľchtlinge oder Gefl√ľchtete?

¬†Eine Eigenart der deutschen Sprache bringt es mit sich, dass Gattungsbezeichnungen oft durch m√§nnliche grammatische Formen bezeichnet werden. Wenn von einem Lehrer die Rede ist, sind deshalb die weiblichen Lehrkr√§fte inbegriffen. Das Amtsdeutsch fl√ľchtet sich, um der Gleichberechtigung der Geschlechter auch sprachlich Gen√ľge zu tun, in unsch√∂ne Doppelbezeichnungen, ¬†wie z.B. ¬†Lehrer und Lehrerinnen. √Ąhnlich umst√§ndliche Wortverbindungen findet man auch in Stellenanzeigen. In amtlichen Stellenausschreibungen sind sie gesetzlich vorgeschrieben. ¬†Sprachwissenschaftlerinnen, die sich dem Feminismus verpflichtet f√ľhlen, gingen noch einen Schritt weiter. Sie f√ľhrten in ihren Texten den Gendergap ein („B√ľrger_innen“). Eine Variante davon ist der Genderstern („Sch√ľler*innen“). Diese beiden Formen haben inzwischen das Binnen-I verdr√§ngt, das in der ersten Generation der „geschlechtergerechten Sprache“ noch √ľblich war („SchauspielerInnen“). Weiterlesen

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Die Hälfte des Himmels

„Wo das Weib aufh√∂rt, f√§ngt der schlechte Mann an.“ (Heinrich Heine)

„Frauen tragen die H√§lfte des Himmels“ lautet ein chinesisches Sprichwort. Auch der Kommunist Mao Zedong ging damit hausieren. ¬†In der ganzen Welt ist die Verhei√üung, die in diesem ¬†Satz ¬†steckt,¬† noch nicht zur G√§nze¬† eingel√∂st worden. Zu stark sind noch die Traditionen √ľberkommenen Stammesdenkens oder die Vorurteile, die aus einer fragw√ľrdigen, vormodernen ¬†¬†Religionsauslegung ¬†resultieren. In China will es die konfuzianische Tradition, dass M√§dchen, die ¬†heiraten, f√ľr immer aus der Herkunftsfamilie ausscheiden und sich der Familie des Br√§utigams anschlie√üen. Diese Reduktion ¬†eines M√§dchens auf die ¬†k√ľnftige Funktion als ¬†Schwiegertochter erkl√§rt ihren ¬†gegen√ľber einem Jungen niedrigeren Rang. Im Islam verhindert eine konservativ-orthodoxe Auslegung des Koran vielerorts¬† die Gleichberechtigung der Geschlechter.

Wie sieht es in unserem westlichen, christlich gepr√§gten Kulturkreis aus? Wo Demokratien herrschen, ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau immerhin ¬†rechtlich garantiert. Auf einem anderen Blatt steht die Benachteiligung im Alltag, in der beruflichen Entlohnung und in der Besetzung von F√ľhrungspositionen in Staat und Wirtschaft. Immerhin haben die Frauen hier kr√§ftig aufgeholt. Unter den Abiturienten bilden M√§dchen schon seit einigen Jahren die Mehrheit. Jetzt¬† kommt ¬†es darauf an, diesen Vorsprung bis zum Ende des Studiums und dar√ľber hinaus ¬†zu bewahren. Weiterlesen

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Sind wir alle Feministen?

Ein bizarrer, aber wichtiger Streit, den sich diese Tage Bundesministerin Schr√∂der und Frauenrechtlerin Schwarzer liefern. Es geht um die Frage nach der vielleicht letzten Ideologie: Was wird aus dem Feminismus? Die Frauen, die sich offen zu ihm bekennen, sind √ľberschaubar geworden. Die Familienministerin erkl√§rt dieses fehlende Bekenntnis mit der verbl√ľffenden Einsicht sinngem√§√ü: ‚ÄěWir brauchen den Feminismus heute nicht mehr, aber ohne ihn w√§re ich nicht Ministerin geworden‚Äú.

Danke und Tsch√ľs? Damit w√§re ein wichtiges Thema beerdigt. Die Grundfrage bleibt: Wieso gibt es trotz Gleichberechtigung in der Verfassung keine Gleichstellung in der Wirklichkeit? Weiterlesen

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