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Herr Lehmann wäre gern Journalist

Immer wieder kontaktieren mich Leute, die gern Journalisten wären. Oft Lehrer. Ich glaube, der Prozentsatz von Leuten, die mit ihrer Existenz unzufrieden sind und lieber etwas Anderes wären, ist von allen Berufen bei Lehrern (ich wähle hier bewusst die männliche Form) am höchsten.

Im Folgenden dokumentiere ich – selbstverständlich anonymisiert – den Austausch mit einem Lehrer, den ich Herr Lehmann nennen werde.

Sehr geehrter Herr Posener, das ist ja unglaublich, Sie bei (…) zu treffen! Schon lange hatte ich den Wunsch, mit Ihnen in Kontakt zu treten, vor allem, weil ich Sie gern fragen wollte, wie es Ihnen mit fast 50 gelungen ist, den Sprung vom Klassenzimmer zum Journalismus zu schaffen. Ich unterrichte derzeit Deutsch und Philosophie am Gymnasium, beschäftige mich aber mit so vielen gesellschaftlich relevanten Themen, über die ich gern schreiben würde. Meine Bewerbungen auf Volontariate waren bislang vergeblich, trotz freier Mitarbeit beim (…) , Hospitanzen bei (…), (…..) und (…). Vermutlich weil ich zu alt bin, wie mir indirekt gesagt wurde. Dabei wäre ich auch mit meinen 49 Jahren ein guter Journalist. Haben Sie noch ein Volontariat gemacht, oder sind Sie auch ohne Volo reingekommen? Mit den besten Grüßen H. Lehmann

Ich bin ohne Volontariat reingekommen. Ich würde aber heute niemandem raten, den tollen Job eines Studienrats gegen den eines Journalisten einzutauschen, gerade wenn er wie Sie „gern schreiben würde“. Heute wird nicht geschrieben. Heute werden Agenturen zusammengestoppelt, audiovisuelle „Stories“ zusammengestellt, Social-Media-Trends analysiert und verstärkt, Texte für Google optimiert usw. usf. Dafür sind Sie ganz bestimmt zu alt. Und für 2500 im Monat Brutto wollen Sie das alles nicht tun, glauben Sie mir. Sie wollen nicht in die gesetzliche KV, aber Ihre private werden Sie sich nicht mehr leisten können. Sie wollen nicht von 2000 Euro Rente (maximum) leben. Nach meiner Erfahrung haben Lehrer keine Ahnung, wie gut sie materiell gestellt sind, welche Freiheiten sie haben – und von Jobsicherheit und Ferien habe ich noch gar nicht gesprochen. Seien Sie glücklich, dass Sie täglich mit jungen Leuten auf altmodische Weise kommunizieren können, statt von den Launen kaum älterer Chefs abhängig zu sein. OK, Sie halten sich für klüger als die meisten Kommentatoren. Kunststück. Aber darauf kommt es nicht an. Lehrer ist der beste Beruf der Welt. Bleiben Sie dabei.

Guten Morgen Herr Posener, vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Studienrat bin ich leider nicht, sondern angestellter Lehrer an einer Privatschule. Da bin ich kaum besser gestellt als ein Redakteur, und pubertierende Teenager machen den Beruf des Lehrers nicht unbedingt zum besten der Welt, finde ich. Sie dagegen mischen in Debatten mit, die das Land bewegen, stoßen neue Debatten an und tragen dazu bei, dass unsere Welt ein besserer Ort wird. Was gibt es Besseres? Was gibt es Wichtigeres? Wie ist es Ihnen denn gelungen, auch ohne die klassische journalistische Karriere bei der „Welt“ reinzukommen? Beste Grüße H. Lehmann

Lieber Herr Lehmann, als ich bei der Welt anfing, hatte ich schon mehrere Bücher geschrieben, auf die einige Redakteure aufmerksam geworden waren. Ich hatte nämlich zehn Jahre zuvor den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und war freier Autor geworden. Mit materiellen Konsequenzen, die ich bis heute – etwa in meiner lächerlichen Rente – spüre. Ich kenne viele Lehrer wie Sie, die in ihrem Beruf unzufrieden sind und glauben, eigentlich zum Schriftsteller oder Journalisten berufen zu sein. Aber die wenigsten ziehen die Konsequenz. Die lautet: Entweder eine Frau mit Geld heiraten, so dass man sich seiner Berufung widmen kann, oder das Scheitern und die Armut riskieren. Tertium non datur. Schön sein Gehalt als Lehrer beziehen, während man sich heimlich danach sehnt, etwas Anderes, ja Besseres zu sein, das ist elend. Und Sie wollen pubertierenden Teenagern Philosophie beibringen? Noch einmal: Jobs, wie ich einen habe, sind selten und werden seltener. Das Angebot an Möchtegernschreibern ist viel größer als die Nachfrage.  Wenn Sie in Ihrem Beruf unglücklich sind, sollten Sie ihn aber wechseln. Nichts ist schlimmer als ein Lehrer, der ungern Lehrer ist. Werden Sie doch Taxifahrer, da hat man keine pubertierenden Teenager und dafür viel Zeit zum Nachdenken über tolle Texte. Die Vorstellung, Sie könnten vom angestellten Lehrer so mir nichts dir nichts zum angestellten Leitartikler werden, ist völlig unrealistisch. Oder – und das wäre mein erneuter Rat an Sie: Bewerben Sie sich als Lehrer beim Staat. Dort bekommen Lehrer inzwischen tolle Gehälter (das weiß ich von meinem Freund XY). Vor allem aber: Begreifen Sie, wie ungeheuer privilegiert Sie als Lehrer sind. Geben Sie den Kindern, ob pubertierend oder nicht, Ihre ganze Kraft. Sie werden sehen, dass Sie dann viel mehr zurückbekommen, als wenn Sie nur genervt sind. Nutzen Sie die üppigen Ferien, um zu schreiben. Finden Sie ein Thema, das Sie wirklich bewegt, und schreiben Sie darüber. Vielleicht wird daraus ein Buch. Und wenn Sie ein Buch geschrieben haben und es erfolgreich ist, wird man Sie ja bitten, für die Zeitung zu schreiben, in Talkshows aufzutreten usw. Ein gutes Beispiel ist Philipp Möller: https://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_M%C3%B6ller

Kurz und gut: No risk, no fun.

Lieber Herr Posener, vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Ich unterrichte gern (Oberstufe lieber als Mittelstufe), und immerhin kann ich mich dabei mit Themen befassen, die mich interessieren. Ich stolpere aber immer wieder über Themen, die ich wichtig finde und die ich gern veröffentlichen würde. Da ich nach Jahren der freien Mitarbeit kein Volontariat bekommen habe (wegen meines Alters? So schlecht fand ich meine Artikel nicht), bin ich Lehrer geworden, um eben die viele freie Zeit zum Schreiben zu nutzen, denn es würde mir völlig reichen, ab und an einen Artikel zu veröffentlichen, eine feste Stelle im Journalismus brauche ich nicht unbedingt. Nun stelle ich aber fest, dass auch das schwieriger ist als gedacht. Ein Beispiel: Im vergangenen Jahr wurde Verena Brunschweiger mit ihrem Buch „Kinderfrei“ durch die Redaktionen und Talkshows gereicht. Sie behauptet u.a. dass es egoistisch sei, Kinder zu kriegen, weil dann die anderen durch ihre Steuern deren Ausbildung finanzieren müssten. Das ist schlicht falsch. Eltern investieren nachweislich viel mehr in ihre Kinder, als sie über Familienleistungen von der Allgemeinheit wieder zurückkriegen, ganz abgesehen von den Opportunitätskosten, die gerade bei hochqualifizierten Frauen bis zu 900 000 Euro im Lauf eines Lebens betragen können, wie die Bertelsmann Stiftung berechnet hat. Da Kinder, wenn sie erwachsen sind, über ihre Abgaben aber das ganze System finanzieren, profitiert derjenige am meisten von Kindern, der keine hat. Auch das Verfassungsgericht hat diese Ungerechtigkeit schon mehrfach gerügt. Ich habe damals eine Gegendarstellung zu Verena Brunschweiger geschrieben und an alle großen Redaktionen gemailt, ohne eine Antwort zu kriegen. Für die Schublade zu schreiben ist aber sinnlos. Natürlich werden die meisten Artikel von festen oder festen freien Mitarbeitern geschrieben, aber es erscheinen doch immer wieder auch Artikel von Gastautoren. Das würde mir als sinnvolle Ergänzung zum Lehrerberuf völlig genügen. Haben Sie eine Idee, wie man es erreichen kann, als Gastautor gelegentlich einen Artikel unterzubringen? Beste Grüße H. Lehmann

Absolut. Werden Sie berühmt. Das habe ich Ihnen schon geschrieben. Die Kinder-Rechnung, die Sie aufmachen, habe ich tausendmal gelesen, das schreibt jede Wirtschaftsredakteurin im Schlaf. Interessant ist das aber nur, wenn es ein Promi sagt, um damit einen anderen Promi zu kritisieren. Sie behaupten ja, das Geschäft zu kennen. Dann wissen Sie doch, wie das läuft. Alternativ zum Berühmtwerden: Werden Sie Fachmann. Lehrer, die über den Lehrerberuf schreiben, werden immer wieder gern genommen. Bei der WELT zum Beispiel Rainer Werner. Sie können seine Artikel nachlesen, dann wissen Sie, was ich meine. Philipp Möller habe ich Ihnen schon genannt. Beste Grüße A.P.

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152 Gedanken zu “Herr Lehmann wäre gern Journalist;”

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    Der Herr Lehmann, vermutlich weder verwandt oder verschwaegert mit dem Herrn Lehmann, der einst im Buch von Siegfried Lenz den Alkohol fuer die Wuestenratten besorgte, ist doch auch als Lehrer eine Art Journalist, zumindest dann, wenn als Kern der Taetigkeit angenommen werden darf, dass in der Schule darueber informiert wird, was von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung ist. Nichts anderes macht ein Journalist.
    Betrachtet man die gesellschaftliche und oeffentliche Aufgabe, die ein Lehrer oder Journalist zu leisten hat, gibt es auch hier mehr Gemeinsamkeiten als trennendes, erst recht, wenn in beiden Faellen die Bezahlung als prekaer angenommen werden darf, wie im Beispiel.
    Bleibt noch das, was Journalisten von Lehrern unterscheidet, die Rolle als vierte Gewalt oder als Kontrollinstanz der anderen drei Gewalten gegenueber. Das machen ja nur noch Investigativjournalisten und Zeitungsverlage mit Eiern in der Hose. Alle anderen verwursten die Agenturmeldungen oder geben sich dem Irrglauben hin, dass ihre Interessen auch ausserhalb der Redaktionswolke mehr Leute interessiert als Groupies im Mailaccount auflaufen.
    Journalist zu werden, so realistisch sollte man sein, ist eine berufliche Entscheidung, die Bilder der Vergangenheit beschwoert und dadurch im Selbstglauben begeistert irrlichtert, dass dies in die Gegenwart transferierbar ist, wenn man nur fest genug daran glaubt. Ist es nicht, Saurier leben ja auch nur noch als Metapher.

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      Lieber James Taylor, Sie schreiben, dass „nur noch Investigativjournalisten und Zeitungsverlage mit Eiern in der Hose“ als vierte Gewalt funktionieren. Darf ich das so verstehen, dass nur Frauen dazu taugen? Männer produzieren bekanntlich keine Eier.

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        Tja, reden wir denn ueber „stones“, „balls“, „bum nuts“ oder „hen fruits“ , …? War Spass.
        Ihre Eierfrage zielt ja darauf ab, ob Frauen „stones“ haben. Klar, denken Sie an Katharine Graham. Ohne Frauen wie sie waere Investigativjournalismus undenkbar.
        Und ja, ich meinte natuerlich, dass ein Journalist aus Uberzeugung arbeitet und nur selten deshalb zum Journalisten wird, weil er/sie/es schoen schreiben kann und/oder sich im aktuellen Beruf nicht ausgelastet fuehlt. „Mal eben Journalist werden“ widerspricht meiner Weltanschauung, weil ich Journalisten als Teil der Durchsetzung von Menschenrechten betrachte.
        Journalisten, die sich selbst dafuer halten und mit dieser Meinung manchmal allein sind, braucht die Welt nicht, davon gibt es genug.

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      Alle wollen in die Medien, sogar Lehrer. Wir brauchen nicht noch mehr Dummschwätzer, wir brauchen Fox News Germany. Die Amis haben Fox, wir haben nix.

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        @G.W.
        „Die Amis haben Fox, wir haben nix.“
        Doch: compact, compact tv, achgut, achgut tv, Tichys Einblick, Junge Freiheit, Nationalzeitung etc pp.. Da, wo Sie mutmaßlich so unterwegs sind. Und von FoxNews können „wir“ uns in D doch auch erleuchten lassen, oder?

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        Wir können uns von Fox-News leider nicht erleuchten lassen. Es ist ja ein TV-Sender, der auf englisch über Trumps Gegner berichtet, damit die Leute informiert sind, wenn sie wählen gehen.
        Deutsche Wähler tappen also weiter im Dunkeln, und sind so unerleuchtet, wie Blindschleichen in der Nacht. Deshalb wird so ein TV-Sender in Deutschland auch blockiert, die Blockparteien wollen Schlafschafe.

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        Stefan Trute hat Ihnen eine ganze Reihe an Möglichkeiten genannt, bei denen Sie sich informieren können, lieber Gert Weller. Daß Sie keine Dauerbeschallung wie bei Fox kriegen – geschenkt; hinter den Achgutmenschen oder Tichy steckt halt kein milliardenschwerer Medienunternehmer, der eine ihm genehme Regierung an die Macht schreiben will. Mit Leo Kirch hatten wir hierzulande jemanden, der mit seinen Sendern einen befreundeten Kanzler an der Macht zu halten versuchte, der aber erstens nicht so weit gehen konnte wie es in den USA möglich wäre (in der Bundesrepublik gibt es beispielsweise ein Recht auf Gegendarstellung bei Tatsachenbehauptungen), und der zweitens in die Pleite getrieben worden ist. – Übrigens nicht von politischen Gegnern, sondern vom Vorstandschef der Deutschen Bank.

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        „Deshalb wird so ein TV-Sender in Deutschland auch blockiert …“

        Also bei mir nicht? Vielleicht sollten Sie sich mit den Möglichkeiten der Sendersuche im Netz vertraut machen, wenn Sie was nicht finden?

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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        „… hinter den Achgutmenschen oder Tichy steckt halt kein milliardenschwerer Medienunternehmer, der eine ihm genehme Regierung an die Macht schreiben will.“

        Nö, in Deutschland gibt es nur milliardenschweres, von allen über Zwangsabgaben finanziertes ÖRR mit einer erheblichen Schlagseite in politischer Berichterstattung, Meinungsbildung und „Satire“. Der Zustand ist für alle links der politischen Mitte natürlich sehr angenehm.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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    … mal so o.t.: … den Besten seit Jahren:

    ‚Guten Tag, der IS hat Merkel gefangen und verlangt eine Million Euro Lösegeld, sonst droht er damit, Merkel mit Benzin zu übergießen und anzuzünden. Wollen Sie auch spenden?‘ – ‚Was geben die Leute denn so?‘ – ‚Im Schnitt ein bis zwei Liter!‘

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        Sie irren, lieber Alan Pisener. Diese Leute brauchen die Demokratie, um solchen Unsinn unter dem Rubrum der Satire verbreiten zu können. In der Diktaur, in der sich diese Idioten in ihrem Wahn befinden, ginge das wohl nicht.

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        … widerlich? … mag sein. Nur in Diktaturen gibt es ‚Widerlichkeiten‘ und ’schlechte Witze‘.

        Einer ‚Herrschaft des Unrechtes‘ (Seehofer) sind die Opfer halt egal (Merkel).

        Ich steh‘ auf der Seite des Rechtsstaates, des Grundgesetzes – und auf der Seite der Opfer.

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        T.H.: ‚Yup! Und blonde Hänschen verbreiten sowas natürlich gerne O.T.‘

        … ich stimme Ihnen zu, T.H., das war kein ‚o.t.‘. Und ja, anders als Merkel; ich mag Diskussionsorgien.

        Und für Hrn. Lehmann ist das hier faktisch ‚Anschauungsunterricht‘. Er wird nun wissen, was auf ihn zukommt – der Torsten und der Stefan, zum Beispiel. Damit sind ‚wir‘ dann beim Thema.

        Ich wünsche Hrn. Lehmann ein Rückgrat wie Alan Posener ihn hat. Was nicht heißt, dass immer Übereistimmung in den Meinungen herrschen muss. 😉

      4. avatar

        @DBH
        „Und für Hrn. Lehmann ist das hier faktisch ‘Anschauungsunterricht’. Er wird nun wissen, was auf ihn zukommt – der Torsten und der Stefan, zum Beispiel.“
        Oder eben ein Blonder Hans.

      5. avatar

        APo ./. T.H.: ‚… Wenn’s nur einer wäre.‘

        … gut, manchmal, nicht immer, bin ich mit hans und meinem blonden Hamster – ‚diedreieinfältigen‘. 😉 … sonst halt einmalig.

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        Herr Posener, sie könnten ihr Konversation mit dem blonden Hans doch als Buch veröffentlichen. Böhmermann hat auch seinen Twittersalat in Buchform verwurstet. Dann noch ein Werbefilmchen in ttt und die Frauen kaufens;)

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    „Herr Lehmann“ scheint genau zu wissen, was „gesellschaftlich relevante Themen“ sind. Darin liegt sein erstes Missverständnis: Ein Journalist sucht sich seine Themen nicht vor allem danach aus, ob sie „gesellschaftlich relevant“ sind. Er sucht sich die Themen aus, von denen er glaubt, dass sie viele Leute interessieren. Wenn sie sich als „gesellschaftlich relevant“ herausstellen, was immer das heißt: um so besser. Man weiß das nämlich nicht immer vorher.

    Das zweite Missverständnis ist dies: Die Hauptarbeit des Journalisten besteht nicht in der Analyse und nicht in der Meinungsäußerung. Sie besteht noch nicht einmal im Schreiben, sondern in der Recherche. (Ich spreche hier vom Autor, nicht vom Produktionsredakteur.) Also im Handwerk. Wie jedes Handwerk ist die Recherche keine Geheimwissenschaft, aber wie jedes Handwerk muss man sie lernen und durch Erfahrung perfektionieren.

    Falls jemand fragt: Ich bin von Beruf Lokaljournalist. Das heißt, ich arbeite in dem immer noch weiten Feld, in dem es keine Agenturen zum Zusammenstoppeln gibt.

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      Ja, eine noble Tätigkeit, lieber Hanno Kabel. Wo übrigens auch „Herr Lehmann“ zuweilen nebenberuflich tätig war, aber er strebt nach „Höherem“, leider.

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    … Jan Fleischhauer zu den Mieten in ‚Shithole-Berlin‘; ‚… Die Zahl der auf dem Mietmarkt angebotenen Wohnungen hat sich halbiert. Dafür schreitet die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen munter voran. Wer das Glück hat, dennoch eine Mietwohnung zu finden, muss sich zur Zahlung einer sogenannten Schattenmiete bereit erklären. Wie immer, wenn der Sozialismus regiert, sind es die Findigen und politisch gut Vernetzten, die am ehesten zurechtkommen. 572 Euro für 16 Quadratmeter in der Landgrafenstraße im Tiergarten in einer Vierer-WG, wie vergangene Woche bei „wgcompany.de“ ein Angebot lautete? Das dürfte den Mietendeckel mehrfach sprengen, auch wenn der Anbieter („queer“, „grün“) eine große Fensterfront und eigenen Balkon in Aussicht stellt. Aber hey, Gesetze sind in dieser Welt immer für die anderen da.‘

    … tja, Freunde, ‚rot-rot-grün‘ im Bund – nicht auszuhalten das ist.

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      Genau, Blonder Hans, Herr Fleischhauer wird sich noch der seligen Zeiten vor dem Mietendeckel erinnern, als für jeden, aber auch wirklich jeden Interessenten in Berlin bezahlbarer Wohnraum zur Verfühung stand!

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        Lieber Stefan Trute, die Frage bleibt allerdings, ob der Mietendeckel nicht unterwandert wird, wie Fleischhauer das behauptet. Wenn das massenhaft auf freiwilliger – „freiwilliger“ – Basis geschieht, kann auch der Gesetzgeber wenig ausrichten. Dann sind genau diejenigen neese, die – wie die Genossenschaften – halbwegs bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen und sich nicht auf die Tricks privater Vermieter einlassen. Gegen Wohnungsmangel hilft am Ende nur Wohnungsbau.

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        S.T.: ‚Genau, Blonder Hans, Herr Fleischhauer wird sich noch der seligen Zeiten vor dem Mietendeckel erinnern, als für jeden, aber auch wirklich jeden Interessenten in Berlin bezahlbarer Wohnraum zur Verfühung stand!‘

        … ja, das wird J.F. wohl. Sich erinnern. Ich auch. Im damaligen Berlin (West) gab es erschwinglichen Wohnraum. Selbst als Student, mit Nebenjob und Ehefrau mit 6-Stundenjob und 2 Kinder, war eine schöne 4-Raumwohung bezahlbar. Der BMW lief nebenher. Aber, Sie können das nicht wissen. Sie, werter S.T., waren damals wohl noch der Kampfgruppe der Arbeiter- und Bauermacht verpflichtet. Nun ja.

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        Lieber Alan Posener,
        Zum einen wird ein Gesetz nicht dadurch schlecht, dass es „unterwandert“ werden kann. Dann könnten der Staat beispielsweise ja einen Großtei seiner Steuergestzgebung in die Tonne treten. Zum anderen ist stark zu bezweifeln, dass der Großteil der angeblich nun nicht gebauten Wohnungen in Berlin denen zugute gekommen wäre, die bezahlbaren Wohnraum dringend benötigen.

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        Lieber Stefan Trute, Sie irren. Steuerexperten wissen genau, dass es bei jeder Steuer eine Schmerzgrenze gibt, jenseits derer es Sinn macht, in großem Stil zu betrügen. Darum zum Beispiel wurde die Absetzbarkeit haushaltsnaher Dienstleistungen eingeführt, eine der besten Reformen der Ära Merkel, die mit einem Schlag einen großen Teil der Handwerker-Schwarzarbeit beseitigt hat, weil der Gewinn für den Auftraggeber wegfiel. Der Berliner Mietenstopp dürfte einen gegenteiligen Effekt haben. Auf jeden Fall bevorzugt er jene Wohnungssuchenden, die über Möglichkeiten verfügen, ihre potenziellen Vermieter*innen zu bestechen, also die Besserverdienenden.
        Was nun den Wohnungsbau in Berlin angeht, so muss man feststellen, dass die seit Jahren heruntergeschriebene Stadt auf das Wachstum der letzten zehn bis fünfzehn Jahre nicht vorbereitet war und weder baulich noch planerisch die Kapazitäten hatte, angemessen darauf zu reagieren. Der Senat hat nun mit den MUFs gezeigt, dass billiger und schneller Wohnungsbau unter staatlicher Lenkung – einschließlich der faktischen Beschlagnahme von Grundstücken – möglich ist; die Bürger*innen fragen sich, warum das für Flüchtlinge geht, für Einheimische nicht.

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      … apropos Mietspiegel, Merkel und die ‚Schatzsuchenden‘ (die sind halt da); dazu die Die WELT und … der Bundesrechnungshof bemängelt, dass der Steuerzahler für Wohnungen von Flüchtlingen oft überhöhte Mietkosten tragen müsse und die Mittelverwendung nicht ausreichend kontrolliert werde. In einer WELT vorliegenden Stellungnahme für den Haushaltsausschuss des Bundestages heißt es: Prüfungen des Bundesrechnungshofes belegten, dass „bei den Kosten der Unterbringung für Geflüchtete die Gebühren kommunaler Träger häufig weit über den ortsüblichen Mieten für Wohnräume vergleichbarer Größe, oft mehr als 100 Prozent“ lagen.‘

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        … schon die WELT und der Bundesrechnungshof schreiben von Flüchtlingen. Ich sehe keine Flüchtlinge. Ich bin für Rechtsstaatlichkeit.

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    Ich verstehe den Herrn Lehmann nicht…Wenn er etwas zu sagen hat, hindert ihn niemand daran, einen Blog zu schreiben oder gar auf YT zu publizieren. Woher diese Obsession mit einem aussterbenden Medium?

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      Das sehe ich auch so, Jens. Ich kann es mir nur so erklären, dass es gerade unter Lehrern relativ viele gibt, die wegen ihrer früheren akademischen Ausbildung oder ihrer eigenen Lesegewohnheiten dem gedruckten Wort eine besondere Wertschätzung entgegenbringen.

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    Lieber Herr Haupts, auf soviel hätten die damals gar nicht verzichten können. Oder glauben Sie, von Sparsamkeit im Alltag ein Haus finanzieren zu können? Außerdem gab es, wie ich bereits ausführte, gar nicht so viel Konsumgüter, die man sich hätte leisten bzw. auf die man hätte verzichten können (Technik). Zuzahlungen auf medizinische Leistungen (inl. Zahnersatz) und die private Altersvorsorge entfielen vollständig. In meiner Umgebung haben sich die Leute, wie beschrieben meist Alleinverdiener, ihre Urlaube UND ihre Häuser leisten können. Und nicht deshalb, weil sie am Wochenende nicht essengegangen sind. Das ist eine Tatsache, die Sie aber natürlich nicht glauben müssen, wenn Sie nicht mögen.

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      …und noch einmal: So muss es auch gar nicht mehr werden, mit Auto + Haus + 6 Wochen Sommerurlaub. So war es aber. Ich schränke mich in vielen Dingen ziemlich ein, fühle mich aber trotzdem wohl und frei. Wer auf ein Auto verzichten kann, lässt es eben.
      Allerdings finde ich, dass man für die Zukufnt aufpassen muss, dass nicht noch mehr kaputtgespart wird. die Verhältnisse in den Schulen sind alles andere als gut, Das wurde hier von mehreren Seiten bestätigt. Daher lege ich meinen Schwerpunkt, was Forderungen betrifft, auf die Schulen, dort, wo die Zukunft der Gesellschaft geprägt wird.

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        Vielleicht sollte man aber doch zwei Sachen berücksichtigen:
        1. Die Globale Konkurrenz.
        2. Die Demographie.

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        Sollte man, ja. Und dann kommt man zur Einsicht, dass wegen der Globalen Konkurrenz und der Demographie die Schulen besser (d.h. mit mehr guten Lehrern und Erziehern ausgestattet) werden sollten. Und auch wenn ich mir die Demonstranten von heute ansehe, kann ich nur auf bessere Schulen hoffen.

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        Ja, Stevanovic. Genau so ist es. Das kapieren aber anscheinend nur „aktive“ Eltern mit zwei Kindern. Alle anderen wittern eine Legende und halten eisern an ihrer eigenen Legende fest. Kenne ich auch aus dem richtigen Leben.

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        …hach, schon wieder im Strang verrutscht. Richtete sich an Stevanovics Ausführungen zu den Doppelverdienern. Egal, geht sowieso drunter & drüber.

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      „Oder glauben Sie, von Sparsamkeit im Alltag ein Haus finanzieren zu können?“ Aber ja doch, das geht, bei uns hat‘ s funktioniert. Nicht in Berlin natürlich, sondern da, wo es vor 20 Jahren noch für uns bezahlbar war. Und dann ein Jahr Baustelle neben der Arbeit, (fast) alles Eigenleistung. War die richtige Entscheidung, nicht wg. der Idylle im Garten, sondern weil wir uns mit unseren Renten keine Mietwohnung leisten könnten. Für das, was dieses Haus im Monat kostet, bekämen wir hier nicht mal mehr eine 2 Zimmer Wohnung.

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        Es ging um die Behauptung, dass also die Sparsamkeit der Eltern der entscheidende Grund für ihr Haus gewesen wäre, und dass wir Heutigen diese Alltagssparsamkeit nicht mehr aufbringen und uns deshalb auch kein Haus leisten könnten.

        Und das ist aus mehreren Gründen falsch. Der einfachste ist folgender: Hier in Berlin kostet ein Haus ab 500 000 Euro aufwärts (meist bekommen Sie dafür nur noch ein Reihenhaus). Die Berechnung, wieviel ich pro Monat durch Einkaufen bei Lidl/Aldi, Zuhausebleiben und Fahrradfahren einsparen kann und wie lange ich theoretisch benötige, um auf die benötigte Summe zzgl. Makler, Steuern und Notar zu kommen, stelle ich jetzt nicht an. Selbst wenn ich nur die Nebenkosten – d.h. überhaupt noch nicht das Haus, nicht einmal einen Dachziegel davon – zu bezahlen, muss ich sehr lange und sehr viel beim Einkaufen bei Lidls und Zuhausebleiben sparen. Und außerdem, wie gesagt: Meine Eltern sind auch mit Haus im eigenen Auto in den Urlaub gefahren. Sie waren sparsam, ja, aber das ist nicht der Grund.

        Leute aus dem Mittelstand, die sich heute ein Haus kaufen, greifen auf Rücklagen zurück, die ihre Eltern gebildet haben. Ohne eine solche Unterstützung, mit zwei Kindern und als Alleinverdiener in der Familie kauft sich niemand mehr ein Haus. Früher aber schon.

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        …ich hab spaßeshalber mal nachgeguckt, wie teuer die Häuser in der Stadt, in der ich aufgewachsen bin und in der meine Eltern ihr Haus gebaut haben, heute sind. Die Preise sind ganz ähnlich wie in Berlin. Da kauft heute niemand aus der Mittelschicht ein Haus für 4 Personen alleine durch 1 Einkommen + Alltagssparsamkeit + Kredit.

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        Meine Nachbarin, alleinstehende Lehrerin an einer Montessori-Privatschule, hat sich gerade eine Dachgeschosswohnung in allerbester Lage (See-Nähe) von Berlin gekauft, Lieber RZ, überteuert zwar, 350.000 Euro, aber vollfinanziert, kein Eigenanteil. Kredite sind so billig und Immobilien so wertvoll, dass sich das für Normalverdienende durchaus lohnt.

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        Ja klar lohnt sich das, aber nur auf bestimmte (spekulative) Weise, die sich erheblich von der unserer Eltern unterscheidet:
        – die Wohnung/das Haus muss in einer attraktiven Lage sein, damit man die Immobilie bei Bedarf mit Gewinn verkaufen kann
        – der Kredit sollte nur so hoch sein, dass man die Raten gut bezahlen kann. Wie lange der Kredit läuft, ist dagegen völlig uninteressant. Das Abzahlen zu Lebzeiten muss man sich von vornherein abschminken.
        – man sollte zwei Einkommen haben, für den Fall, dass eines ausfällt oder der Bedarf plötzlich wächst.

        In so einer Situation kann man dann das Haus bzw. die Wohnung kaufen und nach 10 Jahren wieder verkaufen, wenn man das möchte. Nach 10 Jahren kann man den Kredit ohne Aufschlag auslösen und vermutl. noch einen schönen Restbetrag übrigbehalten, jedenfalls in Berlin und in den Städten.

        Das habe ich nie bezweifelt. Mir geht es hier nur darum, dass das eben völlig andere Bedingungen sidn, als es unsere Eltern hatten, die als Alleinverdiener
        ihren Kredit zu Lebzeiten abzahlen wollten und abbezahlt haben. Das ist bei 350000-Euro-DGH-Wohnungen schon nicht drin, und bei 500000-800000-Euro-Häusern schon gar nicht. Das geht nicht ohne Spekulation (auf den Wiederkaufswert) und stattdessen mit Alltagssparsamkeit.

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        …hat Ihre alleinstehende Nachbarin Kinder? Das war ja ein wichtiger Punkt in dieser Diskussion. Mit wieviel Personen zieht sie in ihre Dachgeschosswohnung? (Nebenbei: eine Dachgeschosswohnung ist kein Haus.)

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        …ich frage nach den Kinder, weil man mit Kindern in den Urlaub fahren muss. Sollte. D.h. die Nachbarin sollte so viel verdienen, dass sie die Kreditraten abbezahlen und regelmäßig mit ihren Kindern in den Urlaub fahren kann. Für eine 350 000-Euro-Wohnung vollfinanziert braucht sie einen Kredit von jedenfalls 400 000 Euro. Falls noch Möbel hineingestellt werden sollen, gerne auch mehr. Als Lehrerin mit Urlaubsplänen und 2 Kindern sollte sie aber nicht mehr als 1000 Euro pro Monat an Rate bezahlen. Ich wage die Laufzeit dieses Kredites gar nicht auszurechnen. Aber die Rate ist wie gesagt egal, muss egal sein, wenn man das so machen will. Und man sollte das so machen, ich kann auch nur dazu raten. Sonst hockt man ewig in seiner Mietwohnung und zahlt jeden Monat Geld auf Nimmerwiedersehen an irgendjemand und wenn man dann irgendwann auszieht, hat man – nichts.

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        Lieber RZ, die Legende vom früheren hohen Eigenheimbesitz eben nur Legende.
        Deutschland hat fast die niedrigste Wohneigentumsquote in Europa, und das ist keine neue Entwicklung, sondern in Deutschland, Österreich und der Schweiz strukturell seit jeher so gewesen:
        https://de.statista.com/statistik/daten/studie/155734/umfrage/wohneigentumsquoten-in-europa/

        Tatsächlich steigt die Eigentumsquote seit 20 Jahren, also genau in jenem Zeitraum, der Ihnen zufolge dazu führt, dass man sich kein Eigenheim mehr leisten kann:
        https://de.statista.com/statistik/daten/studie/155713/umfrage/anteil-der-buerger-mit-wohneigentum-nach-bundesland/

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        …Korrektur eines wichtigen Tippfehlers: nicht die Rate ist egal, die ist sogar entscheidend. Die Laufzeit ist egal.

      9. avatar

        @RZ: Sie vergessen einen entscheidenden Faktor, warum beim Hauskauf heute zwei Einkommen gebraucht werden, wo vor Jahrzehnten eines gereicht hätte: Die Planungssicherheit. Schließlich sind hierzulande die wenigsten Leute Anhänger von Spekulation.
        Wenn man sein Haus nicht zu einem guten Teil in bar bezahlen kann, sondern auf eine Vollfinanzierung aus ist, braucht man die Sicherheit, daß das notwendige Gehalt zur Schuldentilgung auch über die gesamte Laufzeit verfügbar ist. Dieses Gefühl gab es eine lange Zeit; wer seinen Arbeitsplatz verlor, konnte relativ sicher sein, binnen kürzester Zeit einen neuen Arbeitsplatz zum gleichen Gehalt zu finden. Spätestens seit der Agenda 2010, seit sich der Niedriglohnsektor ausbreitet, ist es passé.

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        Das stimmt nicht, Opa Krempel. Man kann ein Haus mit Null Eigenkapital kaufen. Und wenn man es sich nicht leisten kann, zieht man aus. Außerdem ist die Legende vom Eigenheimbesitz eben nur Legende.
        Deutschland hat fast die niedrigste Wohneigentumsquote in Europa, und das ist keine neue Entwicklung, sondern strukturell seit jeher so gewesen:
        https://de.statista.com/statistik/daten/studie/155734/umfrage/wohneigentumsquoten-in-europa/

        Tatsächlich steigt die Eigentumsquote seit 20 Jahren:
        https://de.statista.com/statistik/daten/studie/155713/umfrage/anteil-der-buerger-mit-wohneigentum-nach-bundesland/

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        Stefan Buchenau hat es richtig und vernünftig für mittlere oder stark schwankende Einkommen beschrieben, wie es geht mit der eigenen Immobilien. Wenn Sie in der Stadt wohnen und arbeiten, müssen Sie finanzieren, was aber im Moment für Sie auch ein gutes Geschäft ist, denn Sie zahlen kaum Zinsen und die Tilgung geht im Gegensatz zur Miete in Ihre eigene Tasche. Und falls es nicht funktioniert, geht die Wohnung derzeit mit Spekulationsgewinn für Sie weg, wie warme Semmeln. Davon kaufen Sie dann auf dem Land. In den Metropolen haben Sie zwar das Risiko, dass der Preis auch wieder sinken kann (Covid-19, home office) aber dafür auch ggf. einen höheren Spekulationsgewinn und los werden Sie die Wohnung auf jeden Fall. Auf dem Land ist das schwieriger, die Häuser bleiben eher an Ihnen hängen. Aber Sie haben i.d.R. auch niedrigere Hebesätze für Grundsteuer und vermieten kann man auch auf dem Land. Sie müssen in Ihrem Leben die eine oder andere Alternative durchspielen. Allzu oft sagen Menschen, dass sie nur hier leben und arbeiten können, wg. der Kinder, dem sozialen Umfeld usw. Aber wenn ich z.B. selbständig bin, im Internet arbeite usw. Warum muss ich dann an dieser oder jener Stelle bleiben? Andererseits aber drei, vier mal /Jahr Urlaub, ‚um mal raus zu kommen‘.. Und dann soll die Politik es richten, wenn es vorne und hinten nicht reicht.

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        Das mit der Planungssicherheit, was Opa Krempel ansprach, hat allerdings tatsächlich eine große Bedeutung: Weniger für Immobilienerwerb (oft wurden die teueren Immobilien in meinem Umfeld essen nicht von ‚Beamten‘ gekauft, sondern von Leuten, die was anzulegen hatten), sondern zum Aufbau beruflicher Expertise. Tatsächlich haben wir mit Schröders Arbeitsmarktreformen (Harz4) den Weg verlassen, wo Erwerb beruflicher Expertise gewürdigt wurde. Nun regelt alles der mehr oder weniger ‚vernünftige‘ Arbeitsmarkt. Das ist ein Rückschritt gegenüber früher möglichen beruflichen Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten. Man hat im Prinzip den letzten Rest der Berufsständegesellschaft, die ja auch gute Gründe hatte, vernichtet. Als nächstes sind übrigens die akademischen Stände dran, um die ist es – wenn man sich die Tendenzen im derzeitigen Wissenschaftsbetrieb so ansieht – allerdings weniger schade.

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        Herr Posener, diese Statistiken zur Eigentumsentwicklung sind – wie so oft in dieser Diskussion ja richtig, belegen aber nicht das, was belegt werden soll, sondern etwas anderes. In unserer Diskussion ging es darum, ein Haus zu erwerben. Eine Familie will ein Haus kaufen. In der Statistik geht es jedoch um Wohneigentum. Zwischen Hauserwerb und Wohneigentum besteht ein wichtiger Unterschied: Wohneigentum sind Häuser PLUS Wohnungen. Z.B. die Dachgeschosswohnung ihrer alleinstehenden, (quasi) kinderlosen Nachbarin. Die handelt ja vollkommen richtig und unterfüttert damit die Statistik zum Wohneigentum. Nur trägt ihr ratinales Handeln rein gar nichts zu dem Thema bei, zu dem ich mich hier äußere. Sondern nur zu der Stuation bei Single-Wohnungen.

        Ich äußere mich zu der Frage, was die Situation einer typischen 4köpfigen Familie aus dem Mittelstand heute von früher unterscheidet. Genau das Thema, zu dem auch Stevanovic hier was geschrieben hat. Innerhalb dieses komplexen Themas spielt der Hauserwerb nur eine untergeordnete Rolle, man könnte auch von Stevanovic erwähnten Zahnspangen oder die (zumindest gefühlte) Notwendigkeit von Nachhilfe ansprechen. Viele Peanuts, die sich zu einem ordentlichen Riegel zusammenschließen. Aber am Hauserwerb kann man gut en bloc zeigen, was ich meine.

        Die Statistik, die Sie anführen, handelt nicht „auch“, sondern in erster Linie von Wohnungen. In Berlin werden die meisten Mietshäuser oder Neubauten von Mehrfamilienhäusern zu Eigentumswohnungen umgewidmet (wenn möglich) oder von vornherein als soclhe gebaut. Um in eine solche Wohnung einzuziehen, muss man sie kaufen. Da bleibt einem gar nichts anderes übrig. Mit plötzlichem Geldüberschuss in der Familie hat das wenig zu tun. Wobei es den schon auch gibt: durch eine Unterstützuntg oder eine Erbschaft. Unterschätzen Sie die Bedeutung von Erbschaften oder elterlichen Unterstützungen nie.

        1 (in Worten ein) Mittelstandsgehalt innerhalb einer Familie mit 2 Kindern produziert heute keinen Geldüberschuss mehr, früher aber schon. Auch nicht bei großer Sparsamkeit. Dieses ist meine Hauptthese.

        Es gibt neben der Einkommensentwicklung (genauer gesagt dem Verhältnis Bedarf/Einkommen) noch einen zweiten Grund dafür. Die betuchteren Leute suchen eine Geldanlagemöglichkeit. Es ist ja nicht so – und niemand hat das behauptet – dass es keinen privaten Geldüberschuss gäbe. Die Geldberge stammen jedoch i.d.R. aus früheren Generationen. Dieses private Geld fließt in Wohneigentum und dort in erster Linie in Eigentumswohnungen. (Immobilienfonds spielen eine wichtige Rolle, die haben im Prenzlauer Berg ganze Straßenzüge aufgekauft.)

        Aber mir geht es hier nicht um Fonds, sondern um die generelle ökonomische Situation einer vierköpfigen Familie aus dem Mittelstand. Etwas pathetisch gesagt ist das die Basis unserer Gesellschaft. Um die Vergleichbarkeit mit der früheren Situation zu gewährleisten erzielt hier einer der beiden ein mittleres bis gehobenes Einkommen. nur einer, der andere bleibt zuhause. Denn so war es früher und anders kann man das nicht vergleichen. Gespart hat diese heutige Familie nichts, konnte sie nichts. Diese Familie Mustermann kauft sich also auf Kredit eine Vierzimmerwohnung für 350 000 Euro (das reicht eigentlich nicht) und vererbt die Wohnung samt fortlaufendem Kredit (!) an die Kinder. Oder sie verkauft die Wohnung zwischendurch (frühestens nach 10 Jahren) und hofft, bei gestiegenem Wert die Differenz aus Restschuld, die sie an die Bank zurückzahlt, und Verkaufswert einzustreichen.

        So sieht es aus. Das ist keine schlechte Situation. Aber eine andere.
        Denn was diese Familie nicht tut ist: ein Haus in attraktiver Lage kaufen und es innerhalb von 20 Jahren abbezahlen. Das unterscheidet diese Familie von früher.

        Den Grund dafür ist: Die Immobilienpreise sind explodiert. Betongeld ist wie Gold selber eine Legende und das Kapital (s.o.) sucht legendär sichere Anlagemöglichkeiten. Die Einkommen halten in keiner Weise mit dem Bedarf Schritt, nicht nur bei Immobilien, sondern auch bei Nachhilfe, Handys, Kontaktlinsen, Zahnspangen, Laptops, Urlaube usw. Wenn die Familie Eigentum erwirbt, muss sie einen Kredit über viele hundertausend Euro abschließen, mit dem Haus oder der Wohnung als einziger Sicherheit. Und so kamen und kommen die Immobilienblasen zustande, mit denen wir zuletzt zu kämpfen hatten.

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        Lieber KJN, ich kenne viele Familien, auch mit kleinen Kindern, die lieber in einer städtischen Wohnung als in einem Häuschen wohnen. Darunter die meiner eigenen Tochter. Das hat in Deutschland Tradition.

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        Ja. Momentan ist es möglich, sich eine Immobilie zu 100% zu finanzieren. Dem liegen aber nicht unbedingt kaufmännische Überlegungen zu Grunde, sondern eher die Not der Finanzinstitute, ihr Geld gewinnbringend und vor allem sicher anzulegen. Dadurch steigt der Anteil der Eigenheimbesitzer, die der privaten Verschuldung natürlich auch. Wer 10 Jahre abbezahlt und dann in die Knie geht, hat der Bank mit 2% einen guten Schnitt gemacht. Die Hütte wird verkauft und das Spiel geht wieder los. Das erinnert nicht zufällig an die Subprime Blase. Sollten die Zinsen steigen, dürften viele Finanzierungsmodelle den Bach runtergehen, der Wert der Häuser wird ja durch fehlende Anlagemöglichkeiten befeuert. Da im Optimalfall eine Rückzahlung über 20Jahre geht, ist das eine sehr lange Zeit, in der familiäre Sparmodelle von Entscheidungen der EZB, dem politischem Makroklima, direkt abhängen. Das trifft natürlich diejenigen, die ihre Einnahmen nicht steigern und ihr Vermögen nicht umschichten können, ganz besonders. Sollten die Immobilienpreise fallen, werden auch die darauf aufbauenden Finanzierungen (Auto, Studium etc) nicht mehr tragen. Das ist bei der Demographischen Kurve ein gewagtes Spiel und setzt Einwanderung im relevanten Maßstab voraus, denn wer soll in dem Betongold wohnen? Wie leere Dörfer ohne Interessenten oder Bewohner aussehen, kann man an den verlassenen Gastarbeiterpalästen Ostserbiens der 60er-80er studieren. So sähe mein Dorf in Hessen genauso aus, kein Wert und keine Mieteinnahmen. Es gibt Entwicklungen, die sich gegenseitig antreiben. Wir brauchen die Migration, um Vermögen im Rahmen einer Marktwirtschaft umzuverteilen. Der spekulative Anteil an der Altersvorsorge ist dementsprechend jetzt schon nicht gerade gering. Was wenn im Nahen Osten der Frieden ausbricht und Osteuropa leer ist? Ich bilde mir nicht ein, dass die Lenkung solcher Ströme einfach sei, deswegen weiß ich schlichtweg keine Lösung. Ich vermute, dass ich mit einem kommunalen Wohnbau mit Eigentumsbildung, der solche Risiken abfedert (und natürlich weniger Chancen auf einen spekulativen Gewinn enthält) wesentlich ruhiger schlafen würde, als über mehrseitige Verträge an das Schicksal meines Kreditinstituts oder der EZB gebunden zu sein.

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        Lieber Opa Krempel, in aller Kürze (ich habe mich gerade lange genug ausgelassen): ich stimme bei der Planungssicherheit zu, ja das ist ein Aspekt für die Heutigen, deren berufliche Verhältnisse viel turbulenter geworden sind. Mein Vater benötigte als Beamter eine solche Planungssicherheit nicht, klar.
        Aber die planungssicherheit ist nicht die komplette Erklärung. Der wichtigste Grund für 2 Einkommen/2 Kinder ist: Anders kann man die Ausgaben – Haus, Haushalt, Kinder, Urlaub – nicht bewältigen.

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        RZ behauptet, wenn die Leute könnten, würden sie das Arbeiten lassen – jedenfalls die Frauen (seien wir ehrlich, darum geht’s). Die Befürworter eines Bedingungslosen Grundeinkommens meinen, auch wenn die Leute ohne Arbeit genug hätten, würden sie arbeiten. Hm.

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        Zur Legende des früheren Hausbesitzes: Kann sein, dass ich und meine Umgebung untypisch sind. (Ich bin wie gesagt in einer Siedlung mit Einfamilienhäusern und entsprechend vielen Einfamilienhausbesitzern großgeworden.) Trotzdem kann das meinetwegen seltene Eigenheim-Beispiel zeigen, was sich im Mittelstand verändert hat.

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        Jetzt hab ich so viel geredet, wahrscheinlich weiß niemand mehr, der sich interessiert, was ich eignetlich sagen will. In der Quintessenz wie gesagt: Das Verhältnis Bedarf/Einkommen hat sich für den Mittelstand über die Jahrzehnte spürbar verschlechtert und braucht inzwischen sämtliche Ressourcen auf. Trotzdem würde auch ich Familen dazu raten, jetzt Wohneigentum auf Kredit zu erwerben. Die aus meiner Sicht wichtigen drei Kriterien habe ich oben genannt:
        – 2 Einkommen
        – kleine Raten, ewige Laufzeiten
        – attraktive Immobilie (nicht nur weils schöner ist, sondern wiel man sie wied erlos wird)
        – (Erggänzung:) Lust, 10 Jahre am selben Ort zu wohnen und auf die Angst vor Spekulationsproblemen pfeifen. Man lebt nur einmal.

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        Nur mal so: bei 350T€ muss bei einem 20Jahresplan 17.500 pro Jahr getilgt werden. Das sind fast 1.500, ohne Zinsen. Mit Zinsen bezahlt vom Nettogehalt, macht das bei einem guten Teil der Arbeitnehmer richtig autsch. Ich schätze eine Rate von ca. 1800€, mit paar Aufschlägen sind wir bei 2000€, das macht ein Polizist oder eine Krankenschwester im Monat. Und das sind bereits optimale Kredit-Bedingungen. Darauf noch die Lebenshaltungskosten, Kinder und etwas Standesdünkel, gepaart mit Ökosteuern und Investitionen für den Ausgleich von schlechten öffentlichen Dienstleistungen…sind wir beim Doppelverdiener als Notwendigkeit, nicht als selbstbestimmten Lebensmodel. Getrieben, nicht emanzipiert. Gezwungen, nicht entschieden. Ich glaube, dass dürfte das verbreitete Lebensgefühl sein, nicht das von Freiheit. Wenn jetzt Häuser erst nach dem Auszug der Kinder gekauft werden können, bedeutet das ja nichts anderes, als dass die Mobilisierung beider Partner für die Erwerbstätigkeit nun auch nicht mehr ausreicht. Das wird durch die billigen Kredite etwas kompensiert, weil die Kreditinstitute keine Wahl haben. Nur, ein Kredit ist ein Kredit und kein Einkommen. Eine Immobilie zur Altersvorsorge/Kompensation für die Mühen bleibt eine Spekulation, die auf einer Nachfrage aufbaut, die ohne eine globalisierte Kapitalwanderung und Migration nicht so bleiben wird. Bei uns haben russische Investoren Wohnungen gekauft, in denen Migranten aus Bulgarien wohnen. Wer auch immer die Wohnungen verkauft hat, hat seinen Schnitt gemacht. Wer eine Wohnung sucht, hat natürlich ein Problem.

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        Ich würde mir wünschen, dass kommunale Bauträger bauen und den Bewohner die Möglichkeit zur Eigentumsbildung geben. Zu Kosten, die diese sich leisten können und mit der Sicherheit, die diese zum Leben brauchen. Dafür hat das Eigentum Auflagen, kann nicht einfach auf den Markt geworfen werden. Dann bräuchten wir auch keine Mietbremsen. Schulen, bei denen die Eltern nicht schon ab Tag 1 wissen, dass das so nichts wird. Flankiert von einer Rente/Bürgerversicherung, die auch im Alter laufende Kosten begleichen kann. Berechnungen der Alterseinkommens, bei denen Omas ihre Häuser verkaufen, sind bizarr. Freiheit entsteht nicht nur durch unternehmerische Dynamik, sie entsteht auch durch Zuverlässigkeit und Planbarkeit. Und das Vermissen doch viele und sie fühlen sich keinen Meter als Teil der Freien Welt. Wir sind nicht nur Verbraucher oder Konsumenten, wir sind auch Menschen. Wenn Unsicherheit ein so wesentlicher Teil der Freiheit wäre, wie wir heute tun, wären wir heute noch Jäger und Sammler.

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        @Opa Krempel:

        Uff, die berühmte Arbeitsplatzsicherheit (ausserhalb der öffentlichen Hand) ist auch eine der Urban Legends Deutschlands.

        Es hat sie von den fünfzigern bis in die frühen siebziger deshalb gegeben, weil Westdeutschland als Nachkriegswirtschaft auf der Basis grossflächiger Zerstörungen einen enormen Nachholbedarf hatte. Und weder davor noch danach. Sprich, die Jahre 1955 bis 1970 waren vollständige Ausreisser einer sonst „normalen“ wirtschaftlichen Entwicklung mit ihren Hochs und Tiefs.

        Beamte konnten sich übrigens häufig trotz ihrer absoluten Arbeitsplatzsicherheit keine Eigenheime leisten, weil ihre Besoldung erst in den siebzigern halbwegs an die allgemeine Einkommensentwicklung angepasst wurde, sie waren vorher klar unterbezahlt.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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        Gedankensplitter Rente: Ich habe nicht die geringste Lust, meine Rente von einem provisionsgetriebenen Finanzberater abhängig zu machen. Der wird mir die Gewinne zeigen, aber meine Rente soll keine Gewinne abwerfen, sie soll sicher sein. Um unsere Umlagen-Finanzierung werden wir beneidet, Österreich macht gerade vor, wie gut es funktioniert könnte, wenn der politische Wille da wäre. Darüber hinaus steht es jedem frei, was er mit seinem Geld und Leben anfängt und erst da sollten Finanzberater ins Spiel kommen. Es ist doch Unsinn, wenn Finanzmärkte und Investoren Sicherheit suchen, sie bloß nicht verunsichert werden dürfen, die Politik auf deren Beruhigung ausrichtet wird, aber den Bürgern der Reitz der Freiheit durch Unsicherheit als erstrebenswertes Ziel verkauft wird. Investoren lieben Planungssicherheit, aber der Bürger auch. Fehlt diese, reagiert er nicht anders als ein Finanzmarkt, nämlich extrem. Das ist mehr als nur Nostalgie nach der Bonner-Republik. Für das Alter planen zu können, sei es auch etwas bescheidener, ist ein zivilisatorischer Wert, für den ich bereit bin, auf Gewinne am Aktienmarkt zu verzichten.

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        Lieber Stevanovic, ich bitte um einen Beleg in Sachen Österreich. Übrigens scheinen die Österreicher ausweislich ihrer Zuneigung für die FPÖ den demokratischen Parteien nicht sehr dankbar zu sein.

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        Danke. Hochinteressant. Frau Siems macht allerdings deutlich, dass das österreichische System seine Tücken hat.

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        Lieber Alan Posener: „RZ behauptet, wenn die Leute könnten, würden sie das Arbeiten lassen – jedenfalls die Frauen (seien wir ehrlich, darum geht’s).“
        Jetzt sind wir mal ganz ehrlich und sagen, nein, das behauptet RZ nicht. RZ weiß aúch: Alle wollen arbeiten. Jeder will nützlich sein. Der einzige, der hier weit & breit jemals das Arbeiten sein lassen und sich müßigen Gedanken- und sonstigen Produktionen überlassen würde, ist RZ. Alle anderen arbeiten gern und fühlen sich dadurch bestätigt, was insofern passend ist, dass das Geld auch gebraucht und direkt wieder aufgebraucht wird. Es sei denn, sie sind zu zweit und verdienen beide gut. Dann können sie sich was zurücklegen.
        Alles ist also gut. Aber eigenltich ging es um was ganz anderes. Nämlich um einen Vergleich, wie eine Mittelstandsfamilie früher und heute… – ach was solls, nicht schon wieder, ist auch egal.

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        Lieber RZ, lassen Sie doch den dick aufgetragenen Sarkasmus, er steht Ihnen nicht.
        Ich wäre dafür, dass sie sich die Mühe machen, über das Anekdotische hinaus Ihre Thesen zu belegen. Das könnte für alle nützlich sein.

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        Es geht mir nicht darum, dass einer arbeitet und ein anderer zuhause bleibt. Auch ich will nicht immer zuhause hocken. Am besten wäre es für alle, beide Eltern arbeiteten halbtags. Was ich sagen will ist: Früher kam eine Familie mit einem Vollzeit-Einkommen aus. Heute benötigt es ca. 1,5-2 Vollzeit-Einkommen. Und das Haus oder die Wohnung (die Wohnung ist normalerweise billiger als das Haus, dies ist für die Einnahmen/Ausgabenrechnung der entscheidende Punkt) lässt sich dann immer noch nicht zu Lebzeiten abbezahlen. Dies ist ein wichtiger Unterschied zu früher.

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        Die Diskussion gefällt mir, denn sie geht um existentielle, wichtige Dinge. Ich bin mir nur nicht sicher, ob sich immer auf die richtigen bezogen wurde, was aber letztendlich auch egal ist:

        @Roland Ziegler
        „Denn was diese Familie nicht tut ist: ein Haus in attraktiver Lage kaufen und es innerhalb von 20 Jahren abbezahlen. Das unterscheidet diese Familie von früher.“
        Die Lage wird früher nicht attraktiv gewesen sein. Heute werden – z.B. – am Bonner Venusberg Einfamilienhäuser verkauft, die etagenweise in Eigentumswohnungen umgewandelt werden. Für junge Familien. Und für Singles. Und gebaut wird, was das Zeug hält. Wir werden heute älter, wir werden unser Leben und unseren Lebensmittelpunkt mehrfach ändern (müssen), wenn wir zufrieden bleiben wollen. Ein Konzept reicht nicht mehr. Mir fällt noch was Wichtiges ein, was Ihr Thema betrifft und was ich nachvollziehen kann – bei

        @Alan Posener.
        „Lieber KJN, ich kenne viele Familien, auch mit kleinen Kindern, die lieber in einer städtischen Wohnung als in einem Häuschen wohnen. Darunter die meiner eigenen Tochter. Das hat in Deutschland Tradition.“
        Absolut! Ich bin im Nachhinein sehr froh, dass ich ‚Stadtkind‘ bin und erst mit fast 14 aufs Land (na ja Mosel, da war damals durchaus was los) gezogen bin. Meine Eltern konnten sich nur so Eigentum leisten. Es ist für Kinder eine wirkliche Ressource, die Stadt zu kennen. Auch wenn es, wie bei mir, beengte Verhätnisse waren. Großes Thema übrigens.
        „RZ behauptet, wenn die Leute könnten, würden sie das Arbeiten lassen – jedenfalls die Frauen (seien wir ehrlich, darum geht’s). Die Befürworter eines Bedingungslosen Grundeinkommens meinen, auch wenn die Leute ohne Arbeit genug hätten, würden sie arbeiten. Hm.“
        Weiß ich nicht. Auch bei den Frauen gibt es solche und solche.. Und es gibt den ‚Arbeitsmarkt‘. Und der ist sehr unberechenbar, außer für Lehrer allerdings. Und der wird nicht berechnet, weil sich niemand zuständig fühlt.

        @Thorsten Haupts
        „Uff, die berühmte Arbeitsplatzsicherheit (ausserhalb der öffentlichen Hand) ist auch eine der Urban Legends Deutschlands.“
        Ja, wir müssen uns daran gewöhnen, dass wir uns mit dem Thema ‚Geld‘ beschäftigen müssen. Es gibt keinen ‚Fürsten‘ mehr, der für Gehorsam Sicherheit liefert.

        @Stevanovic
        „Es ist doch Unsinn, wenn Finanzmärkte und Investoren Sicherheit suchen, sie bloß nicht verunsichert werden dürfen, die Politik auf deren Beruhigung ausrichtet wird, aber den Bürgern der Reitz der Freiheit durch Unsicherheit als erstrebenswertes Ziel verkauft wird. Investoren lieben Planungssicherheit, aber der Bürger auch. Fehlt diese, reagiert er nicht anders als ein Finanzmarkt, nämlich extrem.“
        Eben. Das reziproke Risiko ist die neue Währung. Man könnte sagen, die Friedenswährung. Wer es sich leisten kann, macht sich keine Gedanken. Der ‚
        Finanzmarkt‘, das SIND Menschen. Man könnte sagen: Angewandter Darwinismus. Ich finde wohl: Es ist einfach
        unsere biologische Realität, abgemildert, durch die Bequemlichkeiten der technischen Zivilisation. Und ja -Vorsorge ist DER zivilisatorische Wert und mir geht es genauso: Den Aktienmarkt verstehe ich zu wenig – deswegen Immobilien. Und wenn es einfach nur die ist, in der ich mietfrei sterben kann.

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        Lieber Herr Posener, es gibt Bemerkungen, zu denen mir nichts Vernünftiges einfällt. Dann ist Sarkasmus, ob dick oder dünn aufgetragen, eine natürliche, spontane Reaktion. Ob das jetzt für oder gegen die Bemerkungen spricht, lassen wir vielleicht offen.
        Es ist richtig: Meine Argumentationen bei diesem Thema sind anekdotisch-induktiv. Ich gehe von meinen Beobachtungen und Erlebnissen aus. Um einen deduktiven Weg zu gehen, benötigt man eine stabile Theorie. Die hat man aber nicht. Man könnte auch Statistiken bemühen. Die mir bekannten Statistiken sind aber auch nicht andere als die, die z.B. Sie hier zitieren. Insofern kann ich meine anekdotischen Beobachtungen leider nicht belegen.
        Höchstens durch weitere anekdotische Beobachtungen: Gerade letztens haben zwei Freude von mir, eingefleischte Mieter, unabhängig voneinander ihre langjährigen Wohnungen im Prenzlauer Berg als Eigentumswohnungen erworben. Sie hatten keine Wahl, aber das Vorkaufsrecht. Sie haben sich mächtig darüber den Kopf zerbrochen, ich habe massiv zugeraten. Nun sind sie froh darüber. Die beiden werden ihre Kredite recht schnell abzahlen, wenn sie in Rente gehen, werden sie keine Miete mehr zahlen. Sie haben keine Kinder und ordentliche Einkommen. Ich selber wohne mit meiner Familie bereits seit 4 Jahren in einem kleinen, schönen Haus. Mit Unterstützung aus der Familie konnten wir die Nebenkosten selber zahlen. Ich wollte so etwas schon länger, aber wir mussten warten, bis meine Frau ihre ausbildung abschließen und ihr Berufsleben beginnen konnte. Natürlich zahlen wir trotz der Niedrigzinssituation nicht ganz unerhebliche Zinsen. Wer einen 100%-Kredit aufnimmt, zahlt ordentlich Zinsen. Reine Freiberufler zahlen richtig Zinsen, falls sie überhaupt einen Kredit bekommen. Unser Kredit läuft glaube ich noch 60 Jahre, aber das juckt mich nicht. Wir zahlen weniger als in einer Mietwohnung und das Haus ist bereits jetzt ein Drittel im Wert gestiegen. Der Entschluss war richtig.

        #Mehr als solche Berichte kann ich nicht beitragen. Aus solchen Schilderungen muss man eben entnehmen, wie es sich im Allgemeinen verhält. Z.B. sollte den Punkt „Sparsamkeit“ – der heute „Konsumverzicht“ heißt und gelegentlich als wirtschaftsschädigend abgelehnt wird, aber oft schlicht notwendig ist – einfach restlos aus der Betrachtung streichen. Unsere Eltern waren sparsam, wir sind sparsam. Wenn wir noch sparsamer wären, wäre nichts Substanzielles gewonnen.

      31. avatar

        @RZ:

        „Früher kam eine Familie mit einem Vollzeit-Einkommen aus. Heute benötigt es ca. 1,5-2 Vollzeit-Einkommen.“

        Genau das bestreite ich nach wie vor. Und sah bisher auch keinen Beleg für die Behauptung. Um das zu plausibilisieren:

        Ein Einkommensbezieher mit einem deutschen Medianeinkommen (ca. 3.500 Euro Brutto/Monat) behält als Lediger davon 2190 Euro (nach allen Steuer- und Sozialabgaben).

        Verheiratet mit zwei Kindern bleiben ihm 2543 Euro, plus Kindergeld 408 Euro, also 2951 Euro. Er steht sich damit ganz sicher schlechter als der Ledige (keine Überraschung), aber die Unmöglichkeit zur Familienfinanzierung sehe ich NICHT. Und ich kenne im Laufe der letzten 10 Jahre gleich mehrere Paare, auf die das (in etwa) zutrifft, mit der einen Einschränkung – keines davon wohnte im Kernbereich einer deutschen Grosstadt (definiert als >500.000 Einwohner).

        Und da Medianeinkommen die 50% Grenze darstellt, gilt das also für mindestes 50% der deutschen Einkommensempfänger.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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        T.H.; ‚Verheiratet mit zwei Kindern bleiben ihm 2543 Euro, plus Kindergeld 408 Euro, also 2951 Euro.

        … nun, werter T.H., sollte R.Z. sich für ein 120 m2 Haus in Pankow entscheiden, sind das, unterstellen wir ein Finanzierung von 600’000 Euro, für 10 Jahre, 1% Zinsen+2% Tilgung = 1’500 Euro/Monat, dann bleibt ihm, bei Ihrer Rechnung, für einen 4- köpfigen Haushalt, 1’451Euro/Monat zum Leben. Das ist dann fast Hartz IV–Niveau. Soviel zum ‚Ihrem Medianeinkommen‘. Ohne ‚Zusatz/Zweitverdienst‘ geht faktisch nix.

      33. avatar

        Aktuelle Immobilienanzeige Raum Aachen (erste passende ohne weitere Prüfung rausgegriffen):
        229.500 € Kaufpreis
        93 m² Wohnfläche
        3 Zi.
        369 m² Grundstück

        Das klassische Reihenhaus in einer Kleinstadt. Gegenbeispiele aus Berlin, Hamburf, Frankfurt oder München sind einfach albern.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

      34. avatar

        Ich befürchte, mit Beispielrechnungen, insbesondere auf statistischer Basis, kommen wir RZs ‚Bauchgefühl‘, die Aufwändungen für stadtnahe kindertaugliche Immobilien auch nicht näher: Man kann zwar preiswerte Häuser kaufen, aber man ist damit i.d.R. zum langen Pendeln gezwungen und das ist weder erstrebenswert, noch gesund. Die Arbeitswege wurden immer länger und das hat viele Gründe, von denen mir spontan einfallen: wachsende Metropolen mit immer dickeren ‚Speckgürteln‘ (Schlafstädte), immer höhere Ansprüche an Passgenauigkeit der Bewerber, kürzere Laufzeiten bei Arbeitsverträgen, gestückelte Arbeitsbiografien, gewachsene Ansprüche an Komfort und Ausstattung der Häuser, Modernisierungszwang durch Klimaschutzgesetze mit der Folge hoher Nebenkosten, höhere kommunale Abgaben (Abwasser) durch überzogene Umweltgesetzgebung, Kosten der ‚Energiewende‘..

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        @T.H.

        … albern? – nun, T.H., es ging, so wie ich R.Z. verstanden habe um Berlin. Ihr Vergleich dagegen ist fragwürdig; etwa; geh‘ doch woanders hin, wenn es dir ‚hier‘ nicht passt. Das war die ‚BRD‘ anno Schnee; geh‘ doch rüber!

        Ich geb‘ allerdings zu, dass ich es begrüßenswert finde, so die Genossen – und deren Kampfreserve – nach Nord-Korea ‚übersiedeln‘. Freiwillig. Ich spende dafür!

      36. avatar

        Aus Zeitmangel ganz kurz: Ich stelle ja mit Freude fest, dass ich und derblondehans ausnahmsweise mal einer Meinung sind.

        1. Das Reihenhaus in Aachen, das Sie herausgesucht haben, lieber T.H., ist mit 3 Zimmern und 93 qm für eine 4köpfige Familie zu klein. Unklar auch, welchen Sanierbedarf das Ding hat.
        Wenn ich auf immoscout in Aachen nach einem Haus suche, sehe ich z.B. ein großzügiges, ruh.Reihenmittelhaus in zweit. Reihe, Terrasse, ohne Garten, Preusweg, 150 m² Wohnfläche, 123 m² Grundstück für 524.000 €,
        Ganz normaler Preis heute, und ein Reihenhaus ohne Garten. Würde ich nicht nehmen.

        2. Ihre Haushaltsliste mit dem Medianeinkommen hat den Nachteil, dass keine Ausgaben gegengerechnet werden. Die sind bei 4 Personen mit Krankenkasse usw. usf. schnell mal (Fix- + Haushaltskosten) über 6000 Euro.

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        @RZ:

        Mit 6000 Euro bewegen Sie sich schon lange jenseits der Mittelschicht … Und mit „93 qm reichen nicht für eine 4 köpfige Familie“ erst Recht – ich bin mit 2 Geschwistern und Eltern auf (zwischen 10 und 17 Jahre alt) etwas unter 80 gross geworden, in einer klassichen Mittelschichtfamilie (Vater Alleinverdiener und Hauptmann Bundeswehr). „Ohne Garten nehme ich nicht“ ist dann das Sahnehäubchen -stimme Ihnen absolut zu, mit den Ansprüchen komme ich mit einem Alleinverdiener nicht aus.

        Meine Vermutung wäre, dass Sie einkommensmässig die Mittelschicht schon lange verlassen, es aber nicht gemerkt haben.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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        Lieber Thorsten Haupts, Ihre Vermutung trifft nicht zu (ich arbeite teilzeit als unter Median bezahlter Freiberufler, meine Frau ist Grundschullehrerin, wir haben 1,5 Mittelstandseinkommen). „ausgabenmäßig“ – das trifft es schon eher, aber genau da ist ja meine (und auch Stevanovics) These. Dass die Ausgaben so gewachsen sind und die Einnahmen nicht Schritt halten. Das, was Sie als für eine 4köpfige Mittelstandsfamilie angemessene oder wenigstens typische Ausgaben ansehen, ist hoffnungslos veraltet. Daher können auch keine Rücklagen usw. gebildet werden. Das geht nur denjenigen Familien nicht so, die erben. Das sind zugegebenermaßen sehr viele.

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        …kurz zu den Ausgaben: Wir haben kein Auto (als wir eines hatten, mussten wir spürbar mehr zahlen und waren überfordert). Wir gehen fast nie essen. Große Beträge sind zwei Krankenversicherungen (die kosten alleine über 1300 Euro), natrülich die Kreditraten und Haus-Nebenkosten aller Art, aber wir planen natürlich auch z.B. eine kleine Urlaubsrücklage. Ich will das hier nicht im einzelnen darlegen.

        Ich habe ja bereits gesagt, dass meine Eltern ebenfalls – und viel länger und viel weiter – mit uns im eigenen Auto in den Urlaub gefahren sind. Nochmals: das war 1 Verdiener (Beamter). Ich hatte am Wochenende Anlass, mit meiner Mutter darüber zu sprechen – das Elternhaus ist nach 35 Jahren abbezahlt worden. Es waren also auch keine 20 Jahre, aber immerhin. Bei uns sind es theoretisch 60 Jahre. Wir könnten vielleicht hier und da noch sparsamer sein und die Ansprüche herunterschrauben, aber damit wäre nichts Substanzielles gewonnen. Ein Haus für 500 000 oder 600 000 Euro ,wie es heute üblich ist, könnten wir uns nicht leisten.

        Besonders wichtig ist mir sicherzustellen, dass dies nicht als Beschwerde über schlechte Verhältnisse aufgefasst wird. Die Verhältnisse sind nicht schlecht, schon gar nicht im Vergleich zu anderen Ländern. Es ist einfach ein Tatsachenbericht. Ich bin etwas hartnäckig, wenn ich befüchte, dass entgegenstehende Tatsachen ignoriert werden, um ein schöngefärbtes Bild von unserem gesellschaftlichem Zustand zu erzeugen. Das Bild ist auch wirklichkeitsgetreu noch gut genug.

        Wir drehen uns hier in der Diskussion im Kreise, daher soll es das meinerseits gewesen sein. Verbleiben wir einfach in Uneinigkeit.

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        Na, eins noch zum Wohn- und anderen Bedarf: die Kinder könnte man natürlich auch in einem Raum zusammenpferchen. So wie das früher war. Da smüssen viele so machen. Bei uns war das früher aber nicht so, ich hatte meinen eigenen Raum. Und wir möchten heute, dass unsere Kinder ebenfalls jedes ein eigenes Zimmer hat. Jede hat ihren Laptop, ihr Smartphone und viele andere Dinge, die die Freundinnen auch haben. Wie ich an anderer Stelle schon sagte: Da muss man nicht mitmachen. Es geht auch anders. Aber da macht man mit. Wir jedenfalls. (Hinzu kommen besondere Belastungen (glücklicherweise) für das eine Kind, aber da könnte man z.B. das fehlende Auto gegenrechnen.)

        Insofern bleibt immer zu sagen: „Naaaa da spart doch zuerst an den Kindern und nimmt ihnen Zimmer, Laptop usw. weg! Ne Kassenbrille tuts auch, es müssen keine harten Kontaktlinsen für 400 Euro sein!“ Kann man so machen. Wir (und fast alle Mittelständler) machen es anders.

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        Kann man so oder so sehen, lieber Thorsten Haupts: Ich bin in den 60 ern, 70 ern auch mit Eltern und Schwester auf 52 qm in der Großstadt aufgewachsen, wunderte mich aber immer, wie großzügig die Reihenhäuser in ‚Arbeitersiedlungen‘ aus den 20 er Jahren ausgelegt waren. Die gibt es heute noch in Köln. Jeweils mit eigenem Garten. Und selbst die 2-stöckige ‚Mietskaserne‘, auch aus den 20er-Jahren, war für jede Partei so ausgelegt, dass sie ein eigenes Stück Garten zum eigenständigen Bewirtschaften hatte, erstens, und zweitens viel intelligenter aufgeteilt, als heutige ‚Apartments‘. Nach dem Krieg war Wohnraum eben extrem knapp und ich finde, RZs Ansprüche sind da durchaus – historisch gesehen – realistisch. Und das scheint mir auch in Berlin so zu sein, das mal an 2 Wochenenden mit dem Fahrrad erkundet habe und immer wieder überrascht war, wie praktisch und schön und praktisch die 20er-Jahre-Architektur war. Im Gegensatz zu dem, was derzeit an ‚Stadtverdichtung‘ z.B. in Bonn so hergestellt wird und das man angesichts einer möglichen Klimaerwärmung nur schnellstmöglich wieder abreißen kann. Passiert wahrscheinlich auch, nachdem die Investoren ihr Geschäft im Trockenen haben. In Berlin wollen linke, von der Stadtregierung unterstützte ‚Aktivist*innen‘ jetzt die Häuser in Grunewald enteignen. Klar – seit jeher Programm: Mir geht‘s schlecht, also soll es anderen auch schlecht gehen. Dumm – dümmer – rotrotgrün. Ich komme immer mehr zu dem Schluss, wer heutzutage so etwas wählt, leidet unter einer Entwicklungsstörung, mindestes aber unter einer Wahrnehmungsstörung.

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        Lieber KJN, vielleicht vergessen wir ganz schnell die letzte Bemerkung, obwohl auch ich kein Fan von R2G bin. Könnte mir allerdings vorstellen, dass Fahrradfans (wie ich inzwischen einer bin) mit der bisherigen Leistung der Stadtregierung ganz zufrieden sind. Es ist in Berlin auch immer die Frage der Alternative.
        Stimme Ihnen allerdings absolut zu, was die Siedlungen angeht, die übrigens nicht erst in den 20er Jahren entstanden, sondern teilweise schon im – Hilfe! Blasphemie! – Kaiserreich.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Mebes

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        Lieber Alan Posener, Sie haben natürlich vollkommen Recht, pauschale Wählerpathologisierung ist von allen ‚Argumenten‘ das Schlechteste bzw. nicht mehr, als eine Reiz-Reaktion nach Art meines Hundes. Nun argumentiere ich doch bereits seit einigen Jahren und auch hier bei dem Wohnungsthema solide sozialdemokratisch und auch mit den Tierschutzinitiativen (apropos Hund) von Frau Kinast und sogar dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (Mülltrennung!) kann ich etwas anfangen. Diese rezente jakobinische besinnungslose Grundsätzlichkeit dieser Gerechtigkeitsfetischisten und Klimaeiferer macht mir allerdings seit längerem Angst und derzeit kommen noch die Corona-Hysteriker hinzu. Es findet offensichtlich ein medial-politisches Verabschieden vom realen Leben und realen Risiken statt (ca. 9300 Tote statt der befürchteten 500000.. 1 Mio in D, keine keine überfüllten Intensivstationen, stattdessen nichtbehandelte Krebspatienten usw.) und ist – neben der Selbstgleichschaltung von Wissenschaftlern ohne Rückgrat in der Klima- und Umweltfrage – für unsere westliche Lebensform suizidal. Ich möchte nicht, dass Hysteriker mein Leben bestimmen, wie diesen (Jens Spahn gehört nicht dazu, er ist kein Hysteriker, das weiß ich auch), also z.B. wie der Corona-Populist Söder, die die Hysteriker bedienen und jenen, die von Klima-Populisten und deren Nutznießer angestiftet werden, Hysterie zu verbreiten, wie die junge Dame aus Schweden. Und ich möchte nicht als frauenfeindlich bezeichnet werden, weil ich das Wort ‚Hysteriker‘ gebrauche und mit ‚rechtsoffen‘ marginalisiert werden, weil ich Übersterblichkeiten der vergangenen Jahre mit den des Jahres 2020 in Beziehung setze. Einer alte Freundin – viel linker als ich je sein könnte – meinte vor ein paar Tagen zu mir: „Ich bin wohl jetzt auch ein Covidiot“. DAS ist der Grund meines Zorns. Und ich verstehe Herrn Sarrazin nicht: Was will er noch mit diesem Verein?
        Was die Gebrauchsarchitektur betrifft: Auch hier hatten wir wesentlich bessere Zeiten. Auch das sollte zu denken geben. Welche wirklichen Ideen haben wir denn noch?

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        Lieber KJN, Sie erfassen völlig richtig m.E. einen Teil der Wirklichkeit. Aber ich warne davor, ihn für das Ganze zu nehmen. Herzlich, apo.

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    … Robert F. Kennedy jun. morgen live in Berlin. Gegen Merkel und Genossen, für Einigkeit und Recht und Freiheit.

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    „Und das käme wie in Ordnung, lieber Stevanovic?“ fragt A. Posener.
    Ich bin ja blos ein kleiner Gemeinderat einer kleinen Gemeinde, aber ein paar Ideen hätte ich schon. Fangen wir mal mit dem Steuersystem an: Alle (!) Einkommen sollten besteuert, und diese Steuern dann so im Land aufgeteilt werden dass „die Vergleichbarkeit der Lebensverhältnisse“ (steht im Grundgesetz) tatsächlich erreichbar wären. Wie versuchen hier gerade Straßen zu sanieren- kein Luxus, schiere Notwendigkeit, ein Lehrstück fürs verhältnis zwischen „Metropolen“ und Provinz. Dann hätte ich gerne eine Bürgerversicherung für alle. Dann hätte ich gerne finanzielle Wertschätzung für alle, die im Sozial-Gesundheits- und Bildungsbereich arbeiten. Ich hätte gerne Schulen, in denen man ohne Lebensgefahr Fenster öffnen kann mit Lehrern, Sozialarbeitern und sonstigem Personal, die nicht nur Flickschusterei betreiben müssen. Und das Geld dafür würde ich gerne über gerechte Steuern (s.o.) und den Verzicht auf das eine oder andere Prestigeprojekt beschaffen. Ich würde auch gerne eine Mietenbremse einführen, die diesen Titel verdient. Ich hätte auch gerne eine Spekulantensteuer, nicht nur für Aktien, auch für Grundbesitz (was den hiesigen Bauern gut bekommen würde) sowie eine Verpflichtung, Baugrundstücke zeitnah zu bebauen. Und ich hätte gerne, das der Staat seine eigenen Grundstücke entweder selbst bebaut, oder zu vernünftigen Preisen an Baugenossenschaften verkauft. Ach ja, weil es hier um Lehrer geht: Ich hätte gerne eine Lehrerausbildung, die darauf hinweist, das zur Berufsausübung tatsächlich der enge Kontakt zu Kindern und Jugendlichen gehört. Und das der nicht immer konfliktfrei sein dürfte. Und das Wissen tatsächlich nicht mit dem Nürnberger Trichter in die Köpfe kommt, sondern mit pädagogischen Mitteln. Und ich ahne, dass das nicht schnell gehen wird und dass es noch eine Menge andere Probleme gibt. Und nein, ich kenne keine Partei, die das alles auch will und schon garkeine, die das alles auch durchsetzen kann. Aber nach gut 40 Jahren Berufstätigkeit in Heimen, Kita, Hort und Förderschule kenne ich zwar einige, die mit Herzblut versuchen, das beste aus der Situation zu machen. Und ich kenne einige der Mauern, an denen sie sich die Schädel blutig stoßen.

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      Ja, finde ich alles richtig. Vielleicht fängt man am besten mit den Schulen an, genauer gesagt mit genügend gut ausgebildeten Lehrern, d.h. mit den Punkten Lehrerausbildung (Studium + Referndariat) und Lehrergehalt (oder anderes, was diesen Beruf attraktiver macht).

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      Ja, Herr Buchenau , da würde ich Ihnen in allem zustimmen. Die Liste ließe sich fortsetzen. Mich stört aktuell ganz besonders, dass die NATO-Mitglieder 2 Prozent ihres BIP fürs Militär verschleudern sollen. Nicht nur Trump insistiert darauf, auch Obama kannte da keinen Spaß.
      Insgesamt fehlt es nicht an Geld. Es ist da, im Überfluss.

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        Lieber Alan Posener, das habe ich auch nicht behauptet. Die 2 Prozent Rüstungsausgaben fügen sich in eine lange Liste ein.
        Apropos „explodierende“ Sozialabgaben: Wo würden Sie kürzen? Bei Hartz4, Kitas oder Flüchtlingen?

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        Ich würde nicht kürzen, lieber Stefan Trute. Ich glaube, dass Pikettys Idee einer globalen oder zumindest europäischen Vermögenssteuer überlegenswert ist. Denn die sehr hohen Einkommen werden schnell in Vermögen überführt.

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      Die Forderung nach „gerechten Steuern“ und „Besteuerung aller Einkommen“ wäre aus Gründen der Gerechtigkeit sicher Wünschenswert – ich halte sie aber aus Gründen der Freiheit (Steuer-Überwachungsstaat, Umgehung der Geldwirtschaft durch Naturalienhandel) aber für unmöglich. Meine Freiheitsgene stehen da mit allen darin vorhandenen Aminosäuren und Purinbasen auf Alarm.

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      … ich würde eine Steuerreform ala Kirchhoff, so es nicht schon zu spät ist, zustimmen. Dann braucht es keine Spekulationssteuer und ähnlichem Kram. ‚Wir‘ hatten das 2013. Eine Mietpreisbremse, wie die Genossen das in Berlin praktizieren, ist Unsinn. Ein ‚qualifizierter Mietspiegel‘ ist faktisch eine Mietpreisregulierung; er muss halt nur durchgesetzt werden. Das bedeutet, ein Mietvertrag – schon eine Mietpreis-Offerte – über den Mietspiegel (+20%), ist konsequent rechtswidrig zu stellen. Ach ja, das Wichtigste; ein Sozialstaat funktioniert eben nur innerhalb eines geschlossenen Systems, in einem Nationalstaat – mein lieber Hr. Gesangsverein.

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    Um eine repäsentative Umfrage zu zitieren: 79% der Befragten gaben an, Lehrer für eine vertrauenwürdige Berufsgruppe zu halten. Zum Vergleich: Der Berufsgruppe der Journalisten vertrauen nur 37%.
    Vor diesem Hintergrund wirken Pauschalkritiken von Journalisten an Lehrern nicht immer überzeugend.

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      Auch ich als ehemaliger Lehrer halte Lehrer*innen für vertrauenswürdiger als Journalist*innen, Herr Baader. Und wenn Sie meinen Beitrag gelesen hätten, bevor Sie kommentierten, wäre Ihnen aufgefallen, dass ich den Lehrer, der so gern Journalist wäre, ermutige, Lehrer zu bleiben. von einer „Pauschalkritik eines Journalisten an Lehrern“ kann also keine Rede sein.
      P.S. Sind Sie Lehrer?

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    Seit nun 20 Jahren bin ich in der Personaldienstleistung tätig. Und seit 20 Jahren begegne ich bestimmten Menschen, die niemals besser als von Monty Python schon Anfang der 70er beschrieben wurden: https://www.youtube.com/watch?v=q6aqHO-ZKHM , der Löwenbändiger gehört zu jedem Büro, Dienstleister oder halt Schreibtischberuf.

    Was mir mehr Sorgen macht, ist die Stellenbeschreibung Ihres eigenen Berufes: „Heute werden Agenturen zusammengestoppelt, audiovisuelle “Stories” zusammengestellt, Social-Media-Trends analysiert und verstärkt, Texte für Google optimiert usw. usf.“ verbunden mit dem „Jobs, wie ich einen habe, sind selten und werden seltener.“

    Nun ist selbst mir klar, dass Zeitungen ökonomischem Druck ausgesetzt sind und man das Rad der Digitalisierung nicht zurückdrehen kann. Trotzdem ist die Presse die vierte Gewalt im Staat, sie ist des Wählers Ohr und Auge. Wer soll für uns schauen und wer soll für uns sehen, wenn nach den Lokalzeitungen auch die überregionalen Häuser ihre Redaktionen auf Effizienz trimmen? Blogs, NGOs, Whistleblower und PR-Verlautbarungen sind kein Journalismus. Journalisten, die hauptberuflich Bullshit-Bingo für ein Butterbrot spielen, können wir uns nicht leisten. Denn die sind die Voraussetzung für unsere Gesellschaftsform. In einem Berg von Informationsmüll die wichtige Nähnadel finden, ist keine funktionierende Wissensgesellschaft oder gar ein Diskurs.
    Nein, der Lehrer ist nicht der beste Beruf der Welt, die anderen sind einfach schlechter geworden. Der Druck hat überall zugenommen, die Arbeit wurde verdichtet, die Kennzahlen regieren und mehr Wohlstand gibt es dafür erst ab dem mittleren Angestellten. Der Mehrheit geht es schlechter als früher (90er). Die Anforderungen und Kosten fürs Leben sind im Gegensatz zu den Einkommen deutlich gestiegen. Ich habe zwei 16-Jährige, das kleinbürgerliche Dasein und auch die Nebenkosten der Ausbildung erfordern deutlich mehr Geld, dagegen war mein Abitur von 1992 für fast umsonst.
    Statt über Lehrer zu lästern (ok, manchmal gerne, aber über wen denn nicht?) sollten wir uns fragen, wohin der Zug da eigentlich rollt. Was nützt die Ausrede mit der Chancengleichheit, wenn der Mittelschichtskuchen immer kleiner wird? Wenn Jobs wie Ihrer immer weniger werden, bedeutet das ja nichts anderes. Und um es direkt vorwegzunehmen, es entstehen bei weitem nicht so viele neue, wie alte verschwinden, auch bei den Programmieren nicht. Wir haben nach einer Generation schöner neuer Deregulierungswelt einen wachsenden Niedriglohnsektor. Es haben mehr Menschen die Chance zum sozialem Abstieg, als zum sozialem Aufstieg genutzt. Probleme sind oft genug nicht dornige Chancen, sondern einfach Gestrüpp. Nach Jahrzehnten des Handelsüberschusses in astronomischer Höhe. Wo ist das ganze Geld eigentlich hin?
    Gönnen wir doch den Lehrern den schönsten Beruf der Welt. Überlegen wir uns doch eher, ob eine Dosenwurst (Saarland) als Danke an Pflegekräfte wirklich das ist, was wir als zukunftsfähige Gesellschaft verstehen. Und ob wir wirklich glauben, mit Agenturstoppeln einen Diskurs führen zu können.

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      Nun ja, Stevanovic, da geht vieles durcheinander. Der Lehrer, der sich für klüger als alle anderen hält, weil er es berufsmäßig mit Leuten zu tun hat, die weniger wissen als er, ist keine neue Erscheinung. Und auch früher waren die wenigsten solcher Lehrer bereit, das Risiko Freiberuflertum einzugehen oder auch nur zur Kenntnis zu nehmen, wie der Markt funktioniert. Während die hier dokumentierte Unterhaltung lief, kontaktierte mich ein Pensionär, mit dem ich zusammen Ende der 70er das Referendariat machte. Nun hat er, wie er sagt, ein Buch geschrieben, und braucht einen Ratschlag von mir. (Vermutlich meint er: Kontakt zu einem Verlag.) Ich bat ihn, kurz zusammenzufassen, worum es in dem Buch geht. Inzwischen gehen die Mails drei Mal hin und her, und es gelingt ihm nicht, sein eigenes Werk so zu beschreiben, dass ein Außenstehender das versteht. „Schreib so, als würdest du einen Klappentext für das fertige Buch verfassen“, sage ich. Er antwortet: „Im Verfassen solcher Texte habe ich keine Übung.“ Da kann man nix machen.

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      „Die Anforderungen und Kosten fürs Leben sind im Gegensatz zu den Einkommen deutlich gestiegen.“

      Nein.

      „Es haben mehr Menschen die Chance zum sozialem Abstieg, als zum sozialem Aufstieg genutzt. “

      Sorry, aber das geben die bekannten Statistiken und Zahlen für Europa einfach nicht her.

      „Wer soll für uns schauen und wer soll für uns sehen, wenn nach den Lokalzeitungen auch die überregionalen Häuser ihre Redaktionen auf Effizienz trimmen?“

      Wenn Sie Mama und Papa vermissen, sind die medien vielleicht nicht der beste Ersatz?

      Gruss,
      Thorsten Haupts

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        Das Auto von Chuck Norris braucht kein Benzin, es fährt aus Respekt.
        Ich Heulsuse muss tanken.

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        Yup, und das IW Köln ist da anderer Auffassung:

        https://www.iwkoeln.de/fileadmin/publikationen/2017/322410/IW-Trends_1_2017_Mittelschicht.pdf

        Im übrigen leiste ich mir mittlerweile den Luxus, die Meinungen von Leuten links liegen zu lassen, die Einkommensentwicklung ohne Masseneinwanderung (die wir schon vor 2015 hatten) diskutieren wollen. Wer sich jährlich hunderttausende Arme ins Land holt, verringert natürlich die Mittelschicht. Zwangsläufig. Nur hat das mit der allgemeinen Einkommensentwicklung absolut nichts zu tun.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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        Na, lieber Thorsten Haupts, die Einwanderung armer Leute könnte allenfalls den Anteil der Mittelschicht an der Gesamtbevölkerung prozentual verringern. Nicht absolut.

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        Ich kann dazu nur sagen, dass man heutzutage zwei Verdiener – idealerweise beide Akademiker – braucht, um eine vierköpfige Familie zu unterhalten. Und früher (70er-90er) hat meistens einer ohne akademische Berufsausbildung dafür ausgereicht. Das hat mit dem ganzen modernen und teuren Technikschnickschnack oder neu hinzugekommenen Luxusanprüchen nichts zu tun. Im Zweifelsfall werfen Sie einfach mal einen Blick auf die Mietskosten bzw. die Immobilienpreise.
        Das ist einfach eine evidente, vielfach bestätigte Lebenserfahrung, und wers nicht glaibt, hat keine Ahnung. Wenn eine Statistik diese gewandelte Situation nicht wiederzugeben in der Lage ist, muss man sich bei Interesse an der jeweiligen Statistik (ich habe keins) angucken, woran das liegt und was genau von den Zahlen in dieser Statistik überhaupt ausgesagt wird.

      5. avatar

        Ich kann aus persönlicher Erfahrung versichern, dass das nicht einmal in Berlin der Fall ist, lieber Roland Ziegler.

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        @T.H.

        … nun, werter T.H., die verlinkte ‚Statistik‘ über die ‚Mittelschicht in Deutschland‘ hat ganz bestimmt Michael Hüthers – Wirtschaftsforscher und Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln – ‚Wissen‘ berücksichtigt, dass jeder fünfte Asylbewerber einen Hochschulabschluss, jeder dritte eine Qualifikation, die der eines deutschen Facharbeiters entspricht, mitgebracht hat. Darum kann es ‚uns‘ nur besser gehen. Wa‘?

        Na, ja … fast, jedenfalls.

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        Also dann widersprechen sich unsere beiden Erfahrungen doch ziemlich, Herr Posener. Als ich in der Schule war, hatten alle meine Mitschüler (wie meine Familie auch) genau einen Verdiener – das war immer der Vater. (Abgesehen von zwei Lehrerehepaaren, die beide berufstätig waren, aber nicht, weil sie die Familien nicht anders hätten durchbringen konnten, sondern weil sie gerne Lehrer waren, nehme ich jedenfalls an.)
        Und nun sind wirklich ausnahmslos alle meiner Bekannten mit Kindern Doppelverdiener. (Von zwei Fällen abgesehen, wo eine Krankheit jeweils einen der beiden ausgeknockt hat, was zumindest in dem einen Fall – Altenpfleger und Physiotherapeutin – zu einem krassen Geldmangel führt). Das mag ja einerseits so sein, weil die Arbeitswelt so schön und befriedigend ist, dass niemand zuhause bleiben will. Aber warum asuch immer, früher hatten die Doppelverdiener-Familien ein Haus, zwei Autos, ein pralles Bankkonto, einen Sommer- und einen Skiurlaub und noch etwas Geld übrig. Heute haben die Doppelverdiener in meinem Bekanntenkreis (meist) eine Mietwohnung, ein Auto und fahren für 2 Wochen in den Urlaub, und für die Altersvorsorge, die man ja teilweise privat machen soll, bleibt kein Geld mehr übrig. Mag sein, dass sie sich im Alltag etwas mehr leisten als die Leute früher. Aber unterm Strich hat sich hier etwas bewegt und zwar zungunsten der Geldbeutel.
        Ich beklage das gar nicht, die meisten meiner Bekannten (und wir auch) können gut leben, besser als die Familiern früher (die Qualität der Lebensmittel hat sich beispielsweise gebessert, die Technik ermöglicht viel Zerstreuung, was man mit gutem Willen als Verbesserrung ansehen kann). Aber ich möchte das auch nicht mit irgendeiner Statistik, die bei näherem Hinsehen etwas ganz anders darstellt, wegdiskutieren oder schönreden lassen.

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        …nicht nur die Doppelfamilien hatten diese doppelten Urlaube, von denen in der Schule immer erzählt wurde, auch viele andere mit nur einem Verdiener. Angestellte- oder Beamtenfamilien wie wir. Wir sind in den Sommerferien jedes Jahr volle 6 Wochen in den Urlaub gefahren (mein Vater war Oberamtsrat, d.h. eine gehobene, aber nicht spitzenmäßige Beamtenlaufbahn ausgehend von „mittlerer Reife“). Gleichzeitig hat er ein Haus bauen lassen können, ohne jede Erbschaft im Hintergrund. Wie wollen Sie heute 6 Wochen Sommerferienurlaub für eine 4köpfige Familie und ein Haus finanzieren? Schon klar, das muss ja auch nicht sein. aber die Frage war nicht, was sein muss, sondern was heute möglich ist und was damals möglich war.

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        Die „Lebenshaltungskosten“ – in Anführungszeichen, weil ich z.B. ein Smartphone und einen Laptop für größere Kinder dazuzähle – haben sich seit meiner Kindheit enorm erhöht. Das heißt, dass man sehr viel Geld im Alltag ausgeben muss, wenn man Wert darauf legt, den Kindern das Gefühl zu geben, „dazu“ zu gehören. Da muss man nicht mitmachen, aber da macht man mit. Die gesamten heutigen Ausgaben für Technik waren früher ersatzlos übrig für anderes. Die Mieten/Immobilienpreise sind seit den 70er oder 80er Jahren immens gestiegen. Eine private Altersvorsorge war überflüssig, das Geld konnte man für Urlaube verwenden. Das sind allein drei Puntke, die mir auf Anhieb einfallen, wahrscheinlich gibt es noch viel mehr, was vielleicht nicht gleich sichtbar ist. Einfach nur stumpf die Brot- und Milchpreise früher und heute zu vergleichen bzw. die Einkommen von der Inflation zu bereinigen reicht nicht aus.

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        Liebe Eltern, um ihrem Kind den Mathematikstoff beizubringen, brauche ich 5 Wochenstunden, wir haben aber nur 4 zur Verfügung. Selbst wenn ihr Kind eine gute Note hat, hat es den vom Kultusministerium vorgesehen Stoff nicht gelernt. Ansage am ersten Schultag. Also Nachhilfe, Zwillinge, fast 300. Musikunterricht ausgefallen, Gitarrenkurs, 100. Mondäne Klassenfahrt an die Nordsee x 2. Mathelehrer Burnout = noch mehr Nachhilfe. Gurkerei zur Nachhilfe, an den Nachmittagen ist echt was los. Spanischkurs ausgefallen, braucht weitere Fremdsprache = Nachhilfe. Zahnspangen x 2, Kosten eines Kleinwagens. Man muss schon gut Kohle haben, um sich eine billige Schule zu leisten. Habe ich alles gemacht. Aber wie Chuck Norris dabei zu lächeln, fällt mir nicht ein. Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken. 7,5 % des BIP ist Handelsüberschuss und meine Straße hat Schlaglöcher. Wann geht es „uns“ denn besser? Bei 20% Handelsüberschuss, für den wir die nächsten Jahre wieder auf Lohnzuwachs verzichten, um animistische Gottheiten wie die Finanzmärkte nicht zu erschrecken? Warum klappt es nicht mit der Vermögensbildung? Vielleicht, weil die Einnahmen so rausgehen, wie sie reinkommen? Ich könnte aber auch die falschen Aktien im Portfolio haben, selbst schuld, ja, klar.
        Zu der Masseneinwanderung: Realität minus Dinge, die nicht klappen = alles in Ordnung? Ehrlich? Wenn man ein Auge zu macht, sieht es gar nicht so schlecht aus? Wenn man die Gegentore weglässt, haben wir sogar gewonnen? Die Hälfte der Eltern am Elternsprechtag brauchen selbst Deutschunterricht, aber wenn man das ignoriert, könnten wir ja Eigeninitiativ was machen, Zeichensprache kann man ja schnell lernen. Haha. Wer badet das alles denn aus? Aber, wenn man das alles weglässt und das BIP insgesamt betrachtet und den Durchschnittsverdienst chinesischer Wanderarbeiter dazurechnet…ich mag nicht mehr. Ich bin gerade etwas übersäuert. Entschuldigung für den Ton.

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        Und zum Schluss noch ein rein logisches Argument, um die Lebenserfahrung, die ja je nach goldenem oder blechernem Löffel so oder so sein kann, mal wieder etwas herauszunehmen. Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder hat sich das Verhältnis Bedarf/Einkommen in den vergangenen Jahrzehnten für den Mittelstand verschechtert (1) oder es ist gleichgeblieben (2) oder es hat sich verbessert (3). Unstrittig dürfte sein, dass sich die Zahl der Doppelverdienerhaushalte erhöht hat. Dann würde das bedeuten, dass bei Möglichkeit 2 sich die Kaufkraft des Haushaltes gegenüber früher verdoppelt hätte – nicht etwa gewachsen wäre, sondern verdoppelt hätte! – und bei Möglichkeit 3 sogar mehr als verdoppelt hätte. Das hieße, dass diese Haushalte sich sogar 3 Urlaube oder 2 Häuser gönnen könnten – ohne Erbschaft. Und wenn die Erbschaft dann noch dazukommt…

        Wer soll das glauben? Es bleibt nur Möglichkeit 1.

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        Lieber Herr Posener, ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Ich biete keine Lösungen, ich jammere. Nicht mehr und nicht weniger. Meine gelegentlichen Einfälle sind weder konsistent, noch halten sie ein zweites mal nachdenken aus. Das schmeichelt mir nicht, wird auch nicht so bleiben, aber es ist nun mal so.

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        @Alan Polsener: Ja.

        @Roland Ziegler:
        Die Diskussion hatte ich auf dem Wiesaussieht-Blog von Luebberding vor ein paar Jahren ziemlich ausgedehnt. Die Behauptung ist eine Verklärung der Lebensumstände von bauenden Mittelschichtfamilien der siebziger oder achtziger – die sich ihr Haus nämlich nur mit nach heutigen Lebensansprüchen extremem Verzicht leiszen konnten (von Ausgehen über Lebensmittel bis hin zu Urlauben).

        @Stevanovic:
        Kommt da noch ein Argument?

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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        Das, was Stevanovic und Roland Ziegler berichten, hat auch mit meiner Realität, oder was ich davon wahrnehme, mehr zu tun, als Statistiken über Parameter (Bruttosozialprodukt, Durchschnittseinkommen, Lohnentwicklung usw. usf.), die belegen sollen, dass es uns allen besser gehen soll, als früher. Und irgendwie glücklicher scheinen wir ja auch nicht zu werden.
        Um nochmal auf das Thema Schule zurückzukommen, wo ich auch für oben angeführtes eine Lösung vermute, die ich aber auch nicht formulieren kann:
        Wieso waren eigentlich früher unsere Eltern damit zufrieden, bzw. konnten es auch sein, wenn sie sahen, dass wir auf der Schule ordentlich Schreiben, Rechnen, Grundkenntnisse in ein oder zwei Fremdsprachen und etwas naturwissenschaftliches , Kultur und Künste gelernt haben? Und 1x/Jahr waren Bundesjugendspiele. Wie so reicht das alles nicht mehr, erstens, und wieso wird zweitens in allzu vielen Fällen noch nicht mal das erreicht?

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        Es wäre schon viel gewonnen, wenn man rechtzeitig auf die Prognosen zu den zukünftigen Schülerzahlen reagieren und dafür sorgen würde, dass genügend gut bezahlte Lehrkräöfte für überschaubar große Klassen (samt Vertretungen) zur Verfügung stehen.

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        @KJN:

        „… Realität, oder was ich davon wahrnehme, mehr zu tun, als Statistiken über Parameter …“

        Nicht nur meine Realitätswahrnehmung verändert sich mit zunehmendem Alter (zeitlose Beobachtung bei fast allen Menschen), weshalb ich sie gerne mit halbwegs objektiven Parametern abgleiche. Gibts da grosse Differenzen, ist aller Wahrscheinlichkeit nach meine Wahrnehmung falsch.

        „Und irgendwie glücklicher scheinen wir ja auch nicht zu werden.“

        Das wäre als Politikziel auch so ziemlich das dümmste und gefährlichste, was ich mir vorstellen kann. Für unser Glück oder Unglück sind wir schon selbst zuständig, darüberhinaus wird Glücklichsein erheblich überschätzt.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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        Lieber Alan Posener, Sie schrieben mir:

        “ 29. August 2020 um 09:08 Autor

        Lieber KJN, ich habe 69 Abitur gemacht, und ich“

        mehr nicht. Ich sehe in meinem Browser jedenfalls nicht mehr. Daher meine Nachfrage, wie es weiter geht.
        Wahrscheinlich kommentieren Sie nicht in dem Browser-Fenster, sondern in Ihrem WordPress-Zugang. Vermute ich mal.

      18. avatar

        Ja, irgendwas ging da schief. Text sollte weitergehen: „… kann Ihnen versichern, dass die Schule damals nicht besser war als heute. Jedenfalls meine nicht.“

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        Lieber Thorsten Haupts
        „Das wäre als Politikziel auch so ziemlich das dümmste und gefährlichste, was ich mir vorstellen kann. Für unser Glück oder Unglück sind wir schon selbst zuständig, darüberhinaus wird Glücklichsein erheblich überschätzt.“
        Das mag schon sein. Ich möchte einfach nur wissen, woran es liegen könnte, dass so viele unzufrieden und vor allem gestresst sind. Und zumindest letzteres nicht ohne Grund. Und ob das nicht vielleicht auch an den Dingen liegt, die in der Schule (und natürlich im Elternhaus) NICHT oder nicht mehr gelernt werden. Und die Schule liegt ja schon im Zuständigkeitsbereich der Politik. Jedenfalls scheint letztere das ja massiv so zu sehen. Mit ihren etwa 5-jährlichen Paradigmenwechseln.

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        Lieber Alan Posener, ich habe ja auch nicht geschrieben, dass die Schule schlechter geworden ist, sondern, dass sie früher i.d.R. ihr Ziel bei den meisten erreicht hat und das heute immer weniger der Fall ist, was etwas anderes ist. Z.B. kann die Schule an sich nichts dafür, wenn beispielsweise Schüler, die kein Wort Deutsch können, einfach in eine sowieso schon überfüllte Klasse gesetzt werden. Abblätternde Farbe an einer Wand und ‚mangelnde Digitalisierung‘ hindern nicht am Lernen – zu große, heterogene Klassen und eine miserable Planung angesichts eigentlich gut prognostizierbarer Schülerzahlen auf Kosten der Schüler und Lehramtskandidaten seitens der Schulbehörden allerdings schon. Auch hier gilt, wie eigentlich allzu oft in mittlerweile allen Bereichen des öffentlichen Lebens inclusive Wissenschaft und Verwaltung: Weniger Ideologie und Programme, mehr sachliche Arbeit. Es liegt nicht am Geld, es liegt an den Köpfen. Und an dem mangelnden Verständnis von Realität von Akademikern, die zwar von ‚Stellschrauben‘ schwadronieren, aber meinen, die Welt mit Framings, seien es ‚gendergerechte Sprache‘, ‚postkolonialen Bewusstsein‘, virologischem Hypermoralismus oder einer ‚Klimakatastrophe‘ manipulieren zu können. Größenwahn gepaart mit (intellektueller) Impotenz. Dafür gibt es eigentlich nur ein Wort: Dekadenz. Dass da Leute aufgeben und aussteigen wollen, kann ich verstehen.

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        Lieber KJN, der Lehrer, um den es hier geht, unterrichtet an einem privaten Gymnasium,, wie er selbst schreibt. Da treffen alle die Dinge nicht zu, von denen Sie erzählen. Das ist vor allem Sache der Grundschullehrer*innen, und entgegen allen Prognosen von außerhalb (es sind nicht nur Akademiker, es sind auch Ingenieure, die von außen alles besser wissen, gell) haben die Kinder, die vor fünf Jahren mit den Flüchtlingen kamen, größtenteils gute Schulkarrieren hingelegt.

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        APo: ‚… und entgegen allen Prognosen von außerhalb (es sind nicht nur Akademiker, es sind auch Ingenieure, die von außen alles besser wissen, gell) haben die Kinder, die vor fünf Jahren mit den Flüchtlingen kamen, größtenteils gute Schulkarrieren hingelegt.‘

        … genau Alan Posener, Abitur mit Note 0,8. [sic!] … lauter Intelligenzbolzen vom/am Hindukusch.

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        Lieber Alan Posener, ich redete nicht von ‚Merkels Flüchtlingen 2015‘ – das ist ein Thema für sich, wo wir gerne ‚die Klinge kreuzen‘ können, aber bitte nicht ‚politische‘ Absichten unterstellen. Ich sprach davon, dass ich den Fall erlebt habe, als ich mal von 15 Jahren an einer Schule sozusagen als Quereinsteiger ausgeholfen habe und in einer 33er 8.Klasse mal kurzerhand noch ein 34. dazugesetzt wurde, Russlanddeutscher, der tatsächlich kein Wort Deutsch konnte. Damals habe ich gemerkt, dass dass nix für mich ist und im Nachhinein tun mir alle Beteiligten angesichts einer Schulbehörde, die offensichtlich so vielen wahrscheinlich politischen Zwängen unterliegt, dass sie offensichtlich gar nicht arbeiten kann, nur noch leid. Ich weiß es weder besser, noch bin ich Ingenieur, die tatsächlich gerne alles besser wissen, wovon Handwerker ein langes Lied singen können und wir können gerne unterschiedlicher Meinung bleiben, das kann ich ‚aushalten‘. Bzw. wie langweilig wäre die Welt, wenn wir alle gleicher Meinung wären. Nur bitte nichts unterstellen, auch wenn ich viele Programmatiken der derzeitigen Politik genau so, wie ich den obsessiven Gebrauch von ‚Gendersternchen‘ zwecks provokativer Aufdeckung von doch ‚eigentlich rational begründbaren Gleichheitsgrundsätzen‘ für absurd halte. Wg. Relevanz und so. Aber lasse gerne jeder Jeck*in seinen Fetisch. Ich muss jetzt was anderes machen: Zwei Dachr*innen wollen angebracht werden.

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        Alles OK, lieber KJN, ich wollte nur darauf hinweisen, dass „Herr Lehmann“ ganz andere Probleme hat als jene, die Sie aufzeigen, und die ich nicht leugne.

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      Sie haben da sicher nicht ganz unrecht, Stevanovic. Insbesondere mit dem „Wo ist das ganze Geld eigentlich hin?“. Nun hat selbst der benachteiligte angestellte Lehrer gegenüber so vielen anderen ‚in der freien Wirtschaft‘ oder Leitungsstellungen den Vorteil, dass er / sie seine / ihre Arbeitszeit weitgehend frei festlegen bzw. frei aushandeln kann, weswegen ich die 100% – Aussteiger (mittlerweile) auch nicht mehr verstehe. Ein Buch bekomme ich auch in Teilzeit fertig und niemand hindert mich daran, in meiner neu gewonnenen Freizeit Probetexte anzubieten. Dann muss eben die neue Wohnzimmergarnitur noch was warten (ja, auch über solches Anspruchsniveau müssen wir bisweilen reden). Alles gleichzeitig geht nun mal nicht und wenn ich solche Geschichten lese, wie ich sie verlinkt habe, frage ich mich schon, als was werden sie beruflich enden, wenn sie dann tatsächlich einen neuen Job finden. Mein Griechischlehrer von der Volkshochschule von vor vielen Jahren hat jetzt ein Restaurant, aber der kann sowas auch. Und ich frage mich ernsthaft (@Alan Posener), wie einer, der nicht in der Lage ist, sein Buch in einem Klappentext zusammenzufassen, jahrzehntelang unterrichten konnte. Aber ich habe auch keine Ahnung von Pädagogik.

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        Naja, wer keine Ahnung hatte, was er machen sollte, hat Lehramt studiert. Nicht alle Lehramtsstudenten waren ahnungslos, aber unter ihnen war die Quote doch am höchsten. Wegen der Flexibilität. Vielleicht ist die Burnout-Quote bei Lehrern deswegen so hoch, weil viele das Kleingedruckte nicht gelesen haben, das mit den vielen Kindern.

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        Nee Stevanovic „..weil viele das Kleingedruckte nicht gelesen haben, das mit den vielen Kindern.“ – lustiger Spott, den Sie draufhaben und der mir gefällt, aber so einfach ist’s nicht. So gar nicht. Ich muss ausholen:
        ich hatte richtig klasse Lehrer. ich habe das Bedürfnis, ihnen (teilweise posthum) hier mit Namen und wie sie waren und was sie für mich getan haben, bedeutet haben, noch ein Denkmal zu setzen, aber wen interessiert da hier, deswegen lass‘ ich es. Einer kämpfte als Student in Algerien auf der Seite der Rebellen und seinen 45 min – Monolog über Florence Nightingale werde ich nie vergessen und eine anderer war Physiker und der Initiator meines naturwissenschaftlich-analytischen Habitus. Der Musiklehrer – verhinderter professioneller Gambenspieler kam zu meinem ersten Auftritt. Ich hatte mich gefreut, wie Bolle. Usw. usf.. Typen halt. Männliche Rollenmodelle jenseits von irgendwelchen pädagogischen Konzepten und der gesellschaftlichen Resterampe von Gangsterrap, Islam-Sprenggläubigen und sexuellen Autisten. ich frage mich: Gibt es da angesichts des von Alan Posener angesprochenen Bedarfs an alternativen beruflichen Möglichkeiten für männliche Lehrer die – das behaupte ich mal frech – sich deswegen nicht mehr wohlfühlen, weil ihre (männliche) Persönlichkeit in einen kontrollierenden Buchhaltersystem pädagogischer Kleingeistigkeit und Programmgläubigkeit keinen Platz mehr hat, überhaupt einen Grund, als Mann diesen Beruf zu wählen? Eine Frage, die nicht ich, sondern mein Sohn beantworten muss, der derzeit in das Lehramt eintritt. Vielleicht sollte er nach Vietnam gehen, wo er bereits erfolgreich als Sprachlehrer gearbeitet hat.

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    Wunderbar Ihr Text.
    Ich liebe es, wenn meine Vorurteile – zum Beispiel über Lehrer – immer wieder bestätigt werden.

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    Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto

    … müßig darüber nachzudenken was, wenn, hätte Fahrradkette. Wer will kann jeder Zeit ’neu‘ – anders – anfangen.

    Ich bin dankbar, ich habe Familie und Kinder … mehr geht nicht. … und;

    For what is a man, what has he got
    If not himself then he has not
    To say all the things he truly feels
    And not the words of one who kneels
    The record shows, I took the blows
    But I did it my way

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      ENTWEDER Gloria Patri usw. ODER „… and not the words of one who kneels“. Ihr Problem – eines Ihrer Probleme – ist, dass Sie nicht genug über die Religion nachdenken, der anzugehören Sie vorgeben.

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        @APo

        … oh? … Sie überhöhen Merkel und die ‚BRD‘ zu einem Gottesstaat? Paulus in Römer 13,1; ‚Jeder ordne sich den Trägern der staatlichen Gewalt unter. 7; … Furcht, wem ihr Furcht schuldet, Ehre, wem ihr Ehre schuldet! Ne, ne, werter Alan Posener, Ehre wem Ehre gebührt. Das gilt mich nur ‚ganz Oben‘. Für Politik und ‚Andere‘ – derzeit – schon gar nicht.

        … übrigens war das Knien bis ins 20. Jahrhundert in Schulen eine Form Schüler zu bestrafen. Ich glaub‘, wär‘ ich Ihr Schüler gewesen, wir hätten uns ‚gekugelt‘. Ausschnitt aus einem Zeugnis, Jahrgangsstufe 9, ‚derblondehans‘ stört bewusst den Russisch-Unterricht.‘

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        Eben, Hans. Das Knie muss man vor Gott beugen: Unterwerfung nennt das zu Recht der Koran. Das passt nicht zu „My Way“. Denn wie sagt Jesus: „Ich bin der Weg, die

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    Wie wäre es mal den umgekehrten Karriereweg aufzuzeigen? Wie entkommt man dem brotlosen Journalismus und wird doch noch wohlbestallter geachteter Lehrer? Heutzutage werden doch auch Quereinsteiger im Lehrberuf gesucht.

    Indes, der Mensch lebt ja nicht vom Brot allein, sondern sehnt sich nach Ruhm, Anerkennung und Wirkungsmacht. Dies kann neben der Journalistentätigkeit doch auch eine politische Karriere für den unausgelasteten Lehrer bietet.

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    Vielen Dank für Ihren Bericht über wechselwillige Lehrer und die Folgerung, dass der Abgang auch dieser privilegierten Stellung fast zwangsläufig zu erheblichen finanziellen Einbußen führt. Ich denke, das kann man durchaus verallgemeinern und das Sprichwörter ‚Schuster bleib‘ bei deinen Leisten‘ und ‚Augen auf bei der Berufswahl‘ sind so aktuell, wie desillusionierend (ich weiß, wovon ich schreibe, obwohl ich kein Lehrer bin).
    Allerdings finde ich Ihre Empfehlung „dann werden Sie doch Taxifahrer“ etwas zynisch, denn es gibt durchaus genug Lehrer, die durch die – ich nenne sie mal ‚Kinder der Moderne‘ – völlig überfordert werden und nicht mehr klarkommen. Sollte das bei Ihnen nicht so gewesen sein, gut so, aber Korrekturen im beruflichen Lebenslauf sollten immer möglich sein, wenn es wirklich nicht mehr geht. Wie Sie ja selber schreiben.
    Richtig ist, dass die Welt voller Philosophen, gut informierter Analysten und Die-Verhältnisse-Durchschauer ist, die (und da schließe ich mich – ähem – nicht aus) aufgrund des großen Angebotes an Wissen und Erfahrung für ihr Bedürfnis, per ‚Schreiben‘ die Welt zu verbessern eigentlich schon zahlen müssten. Wegen Angebot und Nachfrage und so. Nun, ich nutze ja auch gerade Ihr psychotherapeutisches Angebot, hier schreiben zu dürfen und ich finde man muss sich schon bewusst sein, dass für Scharfsinn, Wissen und Tipps heutzutage niemand mehr zahlt. Man muss schon ins Risiko gehen, um an die Knete zu kommen und ich finde den Weg, durch Investitionen z.B. in ‚Beton‘ aus Geld Geld zu machen einfacher, realistischer und auch für die Allgemeinheit positiver, denn es verhindert den Zerfall ganzer Innenstädte, wo sich ja ein tatsächlicher Bedarf auftut. (Leider haben z.B. die Regierenden bei Ihnen in Berlin nicht den blassesten Schimmer von dem, um was es dabei geht.)
    Wir sind längst zu einem Volk von Wegweisern, Ratgebern, Möchtegernjournalisten, und Bücherschreibern geworden, das begreifen muss , dass das diesbezügliche Angebot mittlerweile die Nachfrage bei weitem überschreitet. (Folge der sozialdemokratischen Bildungsreform?) Ich selber habe das Bücherschreiben und das Bloggen nach einigen Versuchen längst aufgegeben – ich finde man muss lernfähig bleiben.

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      Harte körperliche Arbeit, die will in unserer Bescheidwisser-Gesellschaft ja niemand mehr machen, die ist gesucht, glaube ich. Handwerk hat sowieso goldenen Boden.

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        Das ist mir zu kurz gegriffen. Wo gibt es denn in unseren Breiten noch „harte körperliche Arbeit?“ Richtig: Im Fitness-Studio. Allerdings müssen Handwerker heute faktisch Expertenstatus haben, um am Markt bestehen zu können und sind vielleicht nicht im Habitus, so doch intellektuell auf gleicher Höhe, wie Ingenieure oder ich als Diplomchemiker. Man soll sich da nichts vormachen und heutzutage wird eben kein Status, sondern die Wirkung, die man nachweislich hat, bezahlt. Oder es werden Wetten auf einen abgeschlossen, dass man sie haben wird, zumindest, wenn man CEO oder Vorstand ist. Wenn keiner eine Wette auf Sie abschließt, Sie also kein attraktives Versprechen abgeben können, dann müssen Sie einfach um so mehr Arbeit abliefern, um an Geld zu kommen. Deswegen ist Alan Poseners Tipp „werden Sie berühmt“ keineswegs weltfremd, wenn auch nicht gerade leicht umsetzbar.
        Was die Lehrer angeht, so scheint mir deren Perspektive auf die außerschulische Welt ziemlich naiv, auch wenn ich die hier veröffentlichten E-Mails lese. Ich finde das nicht schlimm, lächerlich oder dergleichen, sondern es zeigt mir, dass vielen Lehrern offensichtlich nicht klar ist, dass die (Sozial-) Arbeit, die sie abliefern müssen, nichts mit dem Berufsbild zu tun hat, dass sie im Kopf hatten, als sie studiert haben. Und schon gar nichts mit der fachlichen Qualifikation. Wer es als Lehrer nicht hinbekommt, über Stunden hochkonzentriert die Gesichter der Schüler lesen und interpretieren zu können und gleichzeitig seine Außenwirkung komplett im Griff zu haben, wie ein Schauspieler, bekommt Schwierigkeiten. Und mit Klemmbrettern bewaffnete Schulaufseher, die die gestressten Lehrern mit ihren wohlfeilen Tipps zuschütten,

        https://isabellprobst.de/wp-content/uploads/2020/07/109710251_3459844297388779_6869354281284991909_n.jpg

        sind wohl kaum eine Hilfestellung.

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    Sehr komisch. Lehrer können doch heute bloggen, jeder kann seine Speakers Corner aufmachen. Seine Lehrerstelle aufzugeben ist wirklich dumm. Wer macht sowas?

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