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Wie die Manager den Kapitalismus zerstören

1978, ein Jahrzehnt vor dem Zusammenbruch des Sowjetsystems, erschien die Studie „Die Intelligenz auf dem Weg zur Klassenmacht“ von den ungarischen Intellektuellen György Konrád und Iván Szelényi. Sie benutzten die Terminologie und Methodik des Marxismus, um nachzuweisen, dass die angeblichen Parteien der Arbeiterklasse, ob sozialdemokratisch oder kommunistisch, in erster Linie der Konstituierung der Intellektuellen als Klasse für sich und der Eroberung der Staatsmacht im Interesse dieser Klasse dienten.

http://unirot.blogsport.de/images/die_intelligenzgrundrisse.pdf

Auch nach dem Fall der Mauer und dem Siegeszug des „Washingtoner Konsenses“ in der Wirtschaftspolitik galt und gilt diese Analyse. Freilich waren die fast zwei Jahrzehnte zwischen Mauerfall und Börsenzusammenbruch eine Zeit, in die Klassenmacht der Intelligenz geschwächt wurde, auch wenn sie etwa in Deutschland mittels der per Zwangsabgabe finanzierten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nach wie vor die öffentliche Meinung in starkem Maße beherrschen konnte.

Seit 2008 gewinnen die Intellektuellen wieder an Boden. Ihre wichtigsten Ideologien sind linker Herkunft: Die Kritik des Markts und des Kapitalismus; die damit zusammenhängende Planungs-, Kontroll-, Leitungs- und Beglückungsideologie, die heute hauptsächlich ökologisch begründet wird. Zunehmend aber gewinnt eine rechtskonservative, nativistische Strömung  – also die  Kritik der Zuwanderung und Kapitalabwanderung, des Kosmopolitismus und der Tendenz zur Auflösung der Nationalstaaten – an Boden, hat die Schmuddelecke der Globalisierungsverlierer verlassen und dient findigen Intellektuellen als Vehikel zur Beteiligung an der Staatsmacht.

So gefährlich diese Tendenzen auch sind und bleiben; diejenigen, die – wie ich – den Kapitalismus und den Markt als Instrumente zur Vermehrung des menschlichen Glücks verteidigen, mussten in den letzten Jahren erleben, wie sich sozusagen hinter ihrem Rücken eine neue Klassenmacht konstituierte, die zwar die Verteidigung des Kapitalismus und des Leistungsprinzips im Mund führt, „Neiddebatten“ und „Umverteilungsideologien“ kritisiert, kosmopolitisch und aufgeklärt agiert; in Wirklichkeit jedoch den Markt aushebelt und damit den Kapitalismus in seinem Kern trifft, das Leistungsprinzip für sich längst außer Kraft gesetzt hat, selbst von Neid und Gier getrieben ist; eine groß angelegte  Umverteilung von den Kapitalbesitzern und den Steuerzahlern in die eigene Taschen organisiert hat; und unter dem Kosmopolitismus nur die Klassensolidarität über Nationalgrenzen hinweg meint: die Klassenmacht der Manager.

Am deutlichsten sind die unheilvollen Auswirkungen dieser Klassenmacht im Bankensektor geworden. Als sich die Banken 2007 verzockten und das gesamte Kredit- und Zahlungssystem vor dem Zusammenbruch stand, konnten die Manager die Politiker davon überzeugen, dass ihre Institutionen „systemrelevant“ seien; sie wurden teilweise verstaatlicht, teilweise mit staatlichem Geld gerettet; die Verluste wurden sozialisiert, die Gewinne blieben weiterhin privat. Die für die gesamte Misere verantwortlichen Manager wurden entweder weiter mit Millionengehältern beschäftigt oder mit einem „goldenen Handschlag“ verabschiedet. Ärmer ist dabei keiner von ihnen geworden.

Man muss sich nur vor Augen führen, wie im Vergleich dazu die Bürger derjenigen Staaten behandelt werden, die – nicht zuletzt aufgrund der verantwortungslosen Politik einiger Großbanken – in  Zahlungsschwierigkeiten gerieten, um sich klar zu machen, was hier passiert. Um die „systemisch relevanten“ Banken zu schützen, die in großem Stil die renditestarken Staatspapiere zahlungsunfähiger Länder gebunkert hatten, wurden die Bürger der Schuldnerländer millionenfach in Arbeitslosigkeit und Armut geschickt, Volkswirtschaften ruiniert, die Jugend vor die Alternative Auswanderung oder Zukunftslosigkeit gestellt. 

Damit aber nicht genug: Wie wir heute wissen, haben sich einige Großbanken verschworen, um dauerhaft die Zinsen für sich niedrig, für Kreditnehmer hoch zu halten; um den Goldpreis, die Energiepreise und die Wechselkurse in ihrem Interesse zu manipulieren – kurz: um den Markt außer kraft zu setzen und sich eine Rente – einen unverdienten Extraprofit – auf Kosten der Allgemeinheit zu sichern.

 

(Vor zwei Jahren schrieb ich über meine eigenen Erfahrungen mit der Kundenabzocke:)

http://www.welt.de/kultur/article13378012/Lieber-zum-Zahnarzt-als-zur-Bank-Kein-Wunder.html

 

Nutznießer dieser Verschwörungen waren nicht in erster Linie die Bankbesitzer, also die Besitzer von Bankaktien, obwohl auch sie erstens durch die Bestimmung der Banken zu systemrelevanten Einrichtungen eine Art Garantie auf ihre Einlage erhielten und zweitens an den Extra-Gewinnen der Banken beteiligt wurden. Richtig abgesahnt haben jedoch die Manager. Und wenn künftig in einer europäischen Bankenregelung das Haftungsrisiko der Besitzer erhöht wird, wie man es in Zypern schon mal vorexerzieren wollte, so kann das den Managern gleichgültig sein: Ihre Garantiegehälter und Boni sowie die ausgehandelten „Entschädigungen“ beim vorzeitigen Ausscheiden bleiben weitgehend unangetastet. Dafür haben sie selbst gesorgt.

Wie sie immer in erster Linie für sich selbst sorgen. Wenn ein Top-Manager in wenigen Jahren so viel verdienen kann, dass er fürs Leben in Luxus ausgesorgt hat: Warum soll er sich noch für die langfristigen Interessen der Firma einsetzen, deren Angestellter er formell ist, die ihm aber in Wirklichkeit dazu dient, selbst in die Kapitalistenklasse – oder besser gleich in die Aristokratie der neureichen Nichtstuer – aufzusteigen?

Die Erfindung der Aktiengesellschaft war eine der großen Leistungen des Kapitalismus. Dadurch konnte theoretisch jeder Sparer zum Mitkapitalisten werden – ja, viele wurden es via ihre Kapital bildenden Lebensversicherungen und andere Sparmodelle, ohne es recht zu wissen. Der Besitz wurde gestreut, die alte Vorstellung vom „Industriebaron“ in Zylinder und Frack wurde obsolet. Der verkaufte seine Anteile und setzte sich zur Ruhe. Aus dem katzbuckelnden Geschäftsführer aber wurde der souveräne Manager.

Nicht mehr der Besitz ist Kriterium der Klassenmacht, sondern die Kontrolle über den Besitz. Und die Verfügungsmacht über das Kapital haben nicht die Aktienbesitzer, sondern die Manager: Die Manager der Banken, der Investitionsfonds und der Unternehmen, die sich gegenseitig die Posten in Aufsichtsräten und Vorständen zuschieben, wo sie ihre eigenen „Gehälter“ – in Wirklichkeit Profitanteile, die sofort in Kapital verwandelt werden – festsetzen. Diese Vermögenszuteilungen haben mit „Leistung“ nichts mehr zu tun.

Und mit „Markt“ auch nicht. Man sagt, Top-Manager würden ohne solche hohen Zahlungen gar nicht erst zur Arbeit antreten. Aber das kommt daher, dass sich die Klasse der Manager bereits so viele Häuser, Yachten, Aktien, Kunstwerke und anderen Besitz zugeschanzt hat, dass keiner es nötig hat, für jene Peanuts anzutreten, die sie den wirklichen Leistungsträgern in ihren Unternehmen zahlen.

Wäre beim Schweizer Volksentscheid das Gesetz durchgekommen, demzufolge der höchstbezahlte Angestellte einer Firma nicht mehr als zwölf Mal so viel verdienen darf wie der am schlechtesten bezahlte, so hätte es sich zeigen können, ob es denn gar keine begabten und ehrgeizigen Möchtegernmanager gibt, die für – sagen wir – 24.000 Euro brutto im Monat eine Bank oder eine Fluggesellschaft leiten wollen und können. Ich könnte mir vorstellen, dass eine solche Maßnahme das Reservoir der Begabungen eher erweitert als eingeengt hätte.

Ich möchte betonen, dass diese Ausführungen nicht von Neid getrieben sind. Popstars und Fußballern etwa gönne ich ihre hohen Gagen. Sie agieren im Licht der Öffentlichkeit, die gierig auf ihren Absturz vom Hochseil wartet. Die meisten von ihnen können auf nur wenige Jahre des Erfolgs zählen, in denen sie so viel kassieren müssen, wie sie nur können. Sie haben in der Regel viel riskiert, haben nächtelang als Musiker in leeren Clubs gespielt oder als Sportler ohne Unterlass trainiert, immer die bange Frage im Herzen: Bin ich gut genug? Werde ich es schaffen oder als einer der vielen enden, die ihr Leben verzockt haben? Ähnliches gilt für Künstler, Autoren und andre Freiberufler, und natürlich für echte Unternehmer. Was riskiert aber schon einer, der ins Management geht? Steigt er nicht aus dem mittleren Management auf, verdient er immer noch sehr gut; steigt er aber in den Club der Vorstände auf, ist er binnen kürzester Zeit ein gemachter Mann.

Guido Westerwelle kritisierte „Verdienst ohne Anstrengung“. Darum geht es.

Denn natürlich sollten diese Ausführungen nicht dahingehend missverstanden werden, dass ich gegen den Markt oder das Leistungsprinzip wäre. Im Gegenteil. Ich kritisiere die Manager, weil sie beides außer Kraft setzen – durch Bankenkartelle etwa, oder indem sie einen geschlossenen Club bilden, der sich die Verfügungsgewalt über das nicht von ihnen erarbeitete Kapital unter den Nagel reißt. Die Antwort darauf ist ja nicht der Sozialismus, sondern eben der Kapitalismus, den die Manager verraten.

Ich möchte auch betonen, dass diese Gedanken nicht neu sind. Sie waren nicht einmal neu, als sie James Burnham 1941 in seinem weitsichtigen Buch „The Managerial Revolution“ formulierte. Der Ex-Trotzkist jedoch sah keinen wesentlichen Unterschied zwischen dem Streben der Intellektuellen nach der Klassenmacht und dem Streben der Manager nach der Macht. Für ihn war der Typus des Managers, der heute ein Unternehmen leitet und morgen den Staat wie ein Unternehmen leiten will, austauschbar. Vermutlich hätte er etwa in einem Mann wie  Robert McNamara, Präsident von Ford, dann Verteidigungsminister unter John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson, später Chef der Weltbank, als typisches Exemplar der machtbesessenen Bürokraten und Technokraten erblickt, die ihm als größte Gefahr für die Demokratie erschienen, und die er 1941 in der Sowjetunion, in Nazideutschland und im New Deal am Werk sah.

Tatsächlich aber besteht zwischen den Intellektuellen, die über den Staatsapparat und Einrichtungen der Zivilgesellschaft nach der Macht streben, und den Managern, die möglichst solche Zugriffe abwehren wollen, in der Regel ein Konkurrenzverhältnis. Kurzfristig, etwa in der Bankenkrise, haben sie zusammengearbeitet, aber erstens hat die Flucht der Banken in die Arme des Staates die Manager anderer, vom Staat weniger fürsorglich behandelten Sektoren verärgert, und zweitens dauerte es nur wenige Monate, bis sich die Bank-Manager wieder gefangen hatten und wie zuvor auf „die Politik“ schimpften, die vom Geschäft keine Ahnung habe. 

Die Herausforderung  für jene unter uns, die – wie ich – an Demokratie und Kapitalismus festhalten wollen, lautet, sich weder von der einen noch der anderen Gruppe vereinnahmen zu lassen. Denn eines ist sicher: Gegen beide muss man gerade dann besonders wachsam sein, wenn sie lautstark die Demokratie und die Gerechtigkeit, die Freiheit und den Markt beschwören. Das „Wir“, das sie meinen, sind sie. Nicht wir.

 


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141 Gedanken zu “Wie die Manager den Kapitalismus zerstören;”

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    sorry, ich habe sie misverstanden, herr posener. ich kapier jetzt was sie meinen. dadurch dass nicht jeder eigentümer sein eigentumsrecht wahrnimmt und verteidigt, wird es möglich, dass manager u.a. über einflussnahme, absprachen etc. z.B. auf stimmrechtspools in denen sich stimmen der eigentümer wiederfinden, weil sie sie nicht selbst wahrnehmen, sich sozusagen an die macht putschen und ihren einfluss ausbauen, aber nie eigentümer werden. denn dann müssten sie ja wirklich verantwortung tragen.

    wie kommt man diesem problem bei? indem man einen markt für berater schafft, die auf der seite der aktionäre stehen. oder mit aktionärsvereinen, in denen sich aktionäre zusammen tun, gemeinsam strategien entwickeln, personal sichten, etc. und schließlich ihr eigentumsrecht geltend machen.
    wie schafft man es, dass eigentümer ihr stimmrecht nichtmehr an depothaltende banken, in denen dann manager indirekt über sich selbst abstimmen weiterreichen? indem werbung für die oben angesprochenen strategien geschaltet wird.

    aus ähnlichen gründen haben in den usa beide seiten einen makler. 🙂

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    herr posener, wissen sie eigentlich, dass sie sich widersprechen. einerseits wollen sie, dass manager zu unternehmern werden, also verantwortung tragen, aber wenn sie sich produktionsmittel also anteile aneignen, sind sie unzufrieden, weil diese fiesen, dann verantwortung tragenden manager natürlich profitieren. ja, was wolln sie denn nun? 😀

    weiterhin stimmt es dass sie kein orakel sind, mich hat einfach nur mal ihre meinung zu diesen themen interessiert 🙂

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    dbh: „Wer also bestimmt, dass Landesbanken [sic!] Schrottpapiere kaufen müssen !?!?“
    Es ist in der Realwirtschaft viel Geld verdient worden und damit später am Finanzmarkt noch viel mehr. Das „scheue Reh“ sucht weiterhin Rendite und je geringer die Chance ist, da noch was zu finden, desto höher werden Manager dafür bezahlt „ihm“ dabei zu helfen. Unsere Politik hat unsere Existenz mehr damit verbunden, als und lieb sein kann.
    Und deswegen wird auch jede noch so marginale Innovation am Realmarkt gefeiert wie ein neues i-phone. Es fehlt seit Jahrzehnten an einer tragfähigen Deckung im Realmarkt. Daher sollten sich die Akteure endlich neue Geschäftspartner suchen.
    Andere tun’s bereits und leider nicht immer zum Vorteil.
    Ich denke, Europa kann das besser.

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    APo: Soros war Täter und ist Mahner.

    George Soros,

    … der Finanzier des Barack Obama, kann es kaum erwarten, er ist schon alt und möchte die von Muslimen übernommene Ummah Europa noch erleben.

    Daher !!!

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    … oooops?!? Korrektur

    Ein US-Investmentbanker auf die Frage wer denn Finanzschrott kauft: ‚… antwortet kurz und bündig: ‚Irgendein Idiot aus Düsseldorf‘. Am Ende war es leider nicht nur die Düsseldorfer WestLB, die so einfältig war, sich von US-Bankern finanziellen Sondermüll aufschwatzen zu lassen,‘ … daher!

    Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass ‚unsere Banker‘ dümmer sind als andere. Wer also bestimmt, dass Landesbanken [sic!] Schrottpapiere kaufen müssen !?!?

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    <a href="http://www.preussische-allgeme.....ot;<Ein US-Investmentbanker auf die Frage, wer denn solch' Finanzschrott kauft: ‚… antwortet kurz und bündig: ‚Irgendein Idiot aus Düsseldorf‘. Am Ende war es leider nicht nur die Düsseldorfer WestLB, die so einfältig war, sich von US-Bankern finanziellen Sondermüll aufschwatzen zu lassen,‘ … daher!

    Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass ‚unsere Banker‘ dümmer sind als andere. Wer also bestimmt, dass Landesbanken [sic!] Schrottpapiere kaufen müssen !?!?

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    @ Stevanovic [gestern 14: 59 und 17:07]

    Sie malen die Idylle eines (halbwegs) funktionierenden Marktes. Wie „solide“ der finanziert ist, ist ihnen ziemlich egal oder Sie haben die letzten fünf Jahre angenehm verschlafen.

    Oben irgendwo hat Moritz Berger auf das (Größen-)Verhältnis von Real- zu Finanzmarkt hingewiesen. Was da täglich in, sich ständig weiter aufblähenden, gigantischen Finanzströmen um die Welt jagt, besteht im Wesentlichen aus Kredit-Forderungen, von denen man glaubt, dass sie nie eingelöst werden müssen, weil sie mit hoher Geschwindigkeit ständig weitergereicht werden und es dabei wesentlich „nur“ um Differenzgeschäfte geht und gehen soll, die wiederum durch weiter zu reichende Kredite zu finanzieren sind usw. usf. Vor fünf Jahre ist jemandem aufgefallen, welche bloßen Nominalwerte und Fiktionen da im Umlauf sind. Die Kette zerbrach und nichts ging mehr.

    Die Finanzwelt arbeitet fieberhaft daran, das zu vergessen und den sich immer weiter aufblähenden Kreislauf wieder in Gang zu bringen. Aber die Erkenntnis ist in der Welt. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie erneut ihre Wirkung tut.

    Ich denke, das ist der Markt, über den wir reden. Er verdankt seine Existenz den nicht nur von jeder Risikohaftung, sondern damit auch, und das ist der Punkt, von jeder kritischen Rationalität befreiten Managern.

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    Ein Sinn von Privat ist doch, dass den Leuten keiner reinquatscht. Dein Risiko, dein Verlust, dein Gewinn. Einer der Gründe, warum ich für eine Umlagen-finanzierte (zumindest Grund-) Rente bin, ist doch, dass ich keinem Rentner zumuten möchte, ein BWL-Studium mit MBA machen zu müssen, um auch nur ansatzweise zu verstehen, in was er da sein Geld anlegt und ich auch nicht möchte, dass die Grundbedürfnisse von 20000000 Rentnern von einem Pickelgesicht im Finanzturm abhängen. Dafür gibt es keinen Ruhestand auf Malle, aber warme Wohnung, Licht und Essen. Für alles andere ist jeder selbst zuständig. Ich kann auf jeder Aktionärsversammlung gegen Vorstand, Aufsichtsrat, Gehälter und Geschäftsmodel stimmen – mit dem vollen Gewicht meiner 0,00000000000000014% der Firmenanteile. Wenn ein Fonds mit 20% andere Ziele hat als ich und dem Typen, der diese Ziele für sie umsetzt 3,8Millionen zahlt, dann brauche ich nicht von Moral zu sprechen, dann sollte ich mich fragen, ob ich hier wirklich auf der richtigen Party bin. Das ist die dunkle Seite der privaten Altersvorsorge und darum bin ich ein Anhänger der Umlagenfinanzierung. Im Kapitalismus entscheidet das Kapital, wenn ich one man=one vote haben will, darf ich nicht Daimler-Aktien kaufen. Wer entscheiden will, welches Geschäftsmodel gilt, also für was Anreize gesetzt werden sollen, der muss nun mal die Mehrheit des Kapitals haben.

    Vielleicht macht auch Sinn sich klar zu werden, dass ich mit Anlagen von 30.000€ im Haifischbecken nicht mal eine Kaulquappe bin. Und ich eben nicht die Freiheit habe, 30.000€ in den Sand zu setzen.

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    Apo: Und dagegen können die Besitzer wenig ausrichten, weil ja die Manager ihre Gehälter unter sich ausmachen: Der Vorstand stellt neue Vorstände ein.

    Das ist so nicht richtig. Wer investiert in ein Unternehmen, das von den Managern schlecht geführt und gefleddert wird? Gerade langfristig denkende Investoren achten auf Kontinuität und Stabilität. Der Aufsichtsrat ist auch kein selbstverwaltetes Kollektiv und hinter jedem schnarchendem Aufsichtsrat steht ein Eigentümer, der seine Gründe hat. Wer glaubt, dass 3,5 Millionen für den Vorstand zu viel sind und die falschen Anreize setzen, der wird in ein anderes Unternehmen investieren. Diese „Fehlentwicklung“ ist keine, sie ist im System angelegt und wird vom System korrigiert. An der Stelle zerbrechen wir uns den Kopf wegen nichts. Es gibt keine Stammes-Allmende mehr, jeder Kiesel gehört jemanden und der ist verantwortlich. Wenn er sich von Vorständen übertölpeln lässt, ist das sein Problem. Was für Anreize er seinem Personal setzt, ist sein Problem. Wer sich eine fondgebundene Lebensversicherung kauft, verlässt sich auf das Urteil anderer. Die Eigenverantwortung verlangt, mich über Kriterien dieses Fonds zu informieren.

    Staat geht uns alle an. Deswegen kann man auch bei ineffizienteren Strukturen durchaus manchmal für Staatsbetriebe sein, denn da könnten wir mitreden. Was ist mit pseudo-staatlichen Gesellschaften ARD/ZDF? Warum ist eine Privatbank systemrelevant? Wie konnte ein Stromkartell aus 4 Unternehmen die Republik beherrschen? Warum ist Sozialer Wohnungsbau nicht systemrelevant? Das sind alles unsere Fragen. Was ein Manager in der Privatwirtschaft verdient – liebe Leute….

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    Oder meinen Sie mit den „meisten Anlegern“ nicht die Mehrheit in der Vollversammlung? Dann müssen Sie für eine Reform der Aktiengesellschaftsform plädieren.

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    Wenn, wie Sie schreiben, „die meisten Anleger“ – die Mehrheit in der Vollversammlung – wirklich Interesse an einem „langfristigen Gedeihen des Unternehmens“ hätten, dann würden sie einen Vorstand wählen, der die derzeitigen Manager feuert und stattdessen andere einstellt, die ihre Ziele umsetzen.

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    @Alan Posener: Der Vorstand wird aber von der Aktionärsversammlung gewählt. Jeder Aktionär bestimmt mit bzw. kann mitbestimmen. Das klingt schön demokratisch-freiheitlich, ist es aber nicht. Zur Demokratie gehört das Prinzip der Egalität (one man one vote), aber hier bestimmen die Reicheren (= die mit vielen Aktien) über die Ärmeren (= die mit weniger Aktien). Ganz Arme haben überhaupt keine Aktien, bekommen die Auswirkungen dieser Abstimmungen aber trotzdem zu spüren. Sogar am Direktesten.

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    … die Finanzoligarchie tut das, was ihnen von der Politik, warum auch immer, gestattet wird.
    Wenn Banken aufs Dienstleistungsgewerbe für die Realwirtschaft zurück gestutzt werden sollen, braucht es Souveränität und eine Steuerreform ala Kirchhof. Das hieße u.a. auch Subventionsabbau, dann wäre auch der Lobbyismus erledigt, und, und, und …

    Eigentlich wissen das alle, die hier diskutieren. Fragt sich nur, warum man hier nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommt …

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    Lucas schreibt: „Was sagen Sie zur Finanztransaktionssteuer, Herr Posener? Was denken sie über das politische Schlagwort Marktfundamentalismus? Was zur ökosozialen Marktwirtschaft? Und in wiefern erinnert sie George Soros an Betrügereien an der Wall Street? Als Täter oder als jemand der sie vor den Betrügereien Anderer warnt?“

    Lieber Lucas, ich verstehe mich nicht als Orakel, der zu jedem Stichwort eine Meinung aus dem Ärmel schütteln kann. Und noch einmal: Hier geht es um die Manager. Aber ich will nicht so sein:
    1. Soros war Täter und ist Mahner.
    2. Marktfundamentalismus ist nur das: Ein politisches Schlagwort. In den meisten Volkswirtschaften ist der Staat für über 50% des BIP verantwortlich. Da kann von Marktfundamentalismus nirgends die Rede sein. Jedenfalls haben wir nirgendwo zu viel Markt, und vielerorts zu wenig.
    3. Die Finanztransaktionssteuer ist eine Steuer. Sie wird folgende Auswirkungen haben: 1. Die Kosten werden die Banken auf ihre Kunden umlegen. 2. Der Staat wird davon abhängig, das heißt, er will mehr Finanztransaktionen, weil er daran verdient. Noch Fragen?
    4. Ach so: „ökosoziale marktwirtschaft“. Bullshit. Die Wirtschaft ist entweder marktwirtschaftlich oder nichtmarktwirtschaftlich organisiert. Die Rahmendaten des Markts setzt die Politik. Das heißt, wenn saubere Luft, Wasser und Erde, Biodiversität und so weiter einen Preis bekommen, reagiert der Markt entsprechend; wenn die Arbeitskraft einen Mindespreis bekommt (Mindestlohn), reagiert der Markt entsprechend. Es ist Aufgabe der Politik zu bestimmen, wie Dinge eingepreist werden, die bisher aus dem Marktgeschehen herausgenommen wurden. Ich halte nichts davon, neue Begriffe zu erfinden, wenn es um alte Sachverhalte geht.

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    Roland Ziegler schreibt:
    „Ich glaube inzwischen, der wesentliche Teil der hier vorgetragenen Bedenken richtet sich gegen die Unternehmensform der (an der Börse notierten) AG. Die Aktionäre einer AG haben andere Ziele als ein Familienunternehmen à la Buddenbrooks: wesentlich kurzfristigere, renditeorientierte Ziele. Die legen Kapital an und wollen es nach ein paar Jahren mit Gewinn zurück. Dadurch entsteht das unternehmerische Ziel, den Aktienkurs möglichst kontinuierlich zu steigern. Das Produkt der AG ist nicht mehr das, was an den Kunden verkauft wird – das ist nur Mittel zum Zweck -, sondern die Aktie, die an die ständig wechselnden Eigentümer verkauft wird. Der Manager setzt dieses Ziel dann lediglich um.“

    Klar, die AG ist das Vehikel, mit dem erst die Manager an die Macht kommen konnten. Das schrieb ich ja. Aber es ist ja nicht so, dass die meisten Aktienbesitzer Interesse an kurzfrisitgen Gewinnen hätten. Institutionelle Anleger zum Beispiel (US-Pensionsfonds, deutsche Lebensversicherer), aber auch individuelle Anlager, die ein Portfolio etwa als Alterssicherung haben (statt eines hauses etwa) haben ein Interesse an dem langfristigen Gedeihen des Unternehmens, das sie mitbesitzen.
    Man sollte das Entlohnungssystem der Manager so einrichten, dass auch sie an diesem Ziel interessiert sind. Im Augenblick ist das nicht der Fall. Und dagegen können die Besitzer wenig ausrichten, weil ja die Manager ihre Gehälter unter sich ausmachen: Der Vorstand stellt neue Vorstände ein.

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    Manager sind also eigentlich keine Götter, sondern Päpste, wenn ich mir dieses Bild erlauben darf. Die Götter sind wir selber, sofern wir entsprechende Wertpapiere haben.

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    @EJ: Ja, an Fondsmanager hatte ich nicht gedacht. Fondsmanager und AG-Manager erscheinen beide ein bisschen wie Schicksalsgötter, weil ihre Entscheidungen riesige Auswirkungen weit über die jeweilige AG bzw. den Fonds hinaus haben können. Das stimmt.
    Nur, wie gesagt: Beide werden von Eigentümern (Aktionären oder dann eben Fondsanteilbesitzern/ fondsauflegende Institute) beauftragt und tun genau das, was die von ihren verlangen und wofür die sie auch fürstlich entlohnen. Das ist dann schon weniger gottähnlich. Eine existentielle, klassisch-kapitalistische Einbindung würde daran nichts ändern; sie würden ähnliche – auch ähnlich riskante/halsbrecherische – Entscheidungen treffen oder, falls die persönliche Betroffenheit sie mürbe gemacht hat, den Job ablehnen. Dann machen es andere. Es gibt immer wen, der riskante Jobs übernimmt.

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    Glanz & Elend des Kapitalismus kann man sich in diesen Tagen sehr gut vor Augen führen, indem man sich in einen der großen Konsumtempel (vulgo Shoppingzentrum) begibt, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Für viele Unternehmen ist das offenbar das Paradies, so lebendig, heiter und glänzend herausgeputzt wie die ihre Produkte präsentieren. Für andere – ich gehöre dazu – ist es die Hölle. Wenn ich die allgegenwärtigen Weihnachtslieder in ihrer kapitalistischen Form höre, wird mir schwindelig, und ich ertappe mich dabei, der von Herrn Posener misstrauisch beäugten Managerklasse bei ihrem Unterfangen, den Kapitalismus zu zerstören, alles Gute zu wünschen.

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    Bemerkenswert ist es vielleicht auch, dass Banken einen Sonderfall darstellen, weil sie gar kein Produkt herstellen jenseits des Geldes bzw. seiner Äquivalente. Hier ist alles Geld/Wert, sozusagen Kapitalismus „pur“. Da kann es gar nicht um gute Produkte gehen; gute Produkte einer Bank sind – gutes Geld. Der Vorstand möchte Geld produzieren, nichts als Geld, möglichst viel Geld mit möglichst wenig Risiko. Das gelingt ihm auch, mithilfe von Managern.

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    Vielleicht sollten wir auch das mit dem Markt etwas nüchterner sehen. Aus meiner Erfahrung kommen Geschäfte selten aufgrund trockener Angebot/Nachfrage oder Preis/Leistung Kalkulationen zustande. Dann bräuchten wir keine Vertriebler, sondern nur Tabellen mit Leistungen und Preisen. Schauen wir aus dem Fenster sehen wir Millionen Mitbürger, die im Vertrieb arbeiten, wir sehen Vertriebsschulungen, das ganze Marketing ist nur dazu da, um ein Produkt aus dem Zusammenhang Preis/Leistung zu erheben. Korporatismus und Sympathie wiegen oftmals mehr als der Preis. Der Markt ist also nur ein gedankliches Konstrukt. So auch die Human Resources, also der Arbeitsmarkt. Der Arbeitnehmer macht sich attraktiv, je mehr er sich selbst zu einer Marke stilisiert, desto mehr kann über seine eigentliche Nützlichkeit hinaus abgreifen. Je höher wir die Management-Leiter hochgehen, desto geschickter die Selbstvermarktung. Wenn wir uns also über hohe Managergehälter ärgern, stellt sich die Frage, warum wir uns nicht generell über überteuerte Produkte aufregen. Eine Cola ist keine 20Cent wert, wir zahlen aber einen Euro. Das ist der Kern des Kapitalismus. Die Begrenzung von Manager-Gehältern ist systematisch gleich der Preisdeckelung. Mir ist kein Manager untergekommen, der für 5 Millionen etwas kann, was einer für 500.000 nicht kann. Auf der anderen Seite habe ich noch kein Auto gesehen, was mir ein Mehrfamilienhaus wert wäre. Beides ist aber legitim, weil der Markt (irgendjemand) diesen Preis zahlt, weil er an den Mehrwert glaubt. Eine moralisierende Kritik mag berechtigt sein, einen reinen, guten Markt als Ausgangsbasis nehmen, klingt mir aber in der Tonlage zu sehr nach „Kommunismus, aber richtig durchgeführt“.

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    ….dies wäre die eine Seite des Themas. Die andere betrifft die Gehälter und Boni der Manager, die zu hoch sind, was aber außer mir hier im Kommentarbereich anscheinend keinen weiter interessiert.

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    @Alan Posener: Der Aufstieg der Manager zur marktbeherrschenden Klasse ist der einzige Punkt, der mir in Ihren Ausführungen nicht einleuchten will. Sie haben die Form der Aktiengesellschaft selber und zurecht ins Spiel gebracht. Indem Sie dann aber die Manager als Klasse betrachten, rücken Sie die Aktiengesellschaft wieder aus dem Blick. Warum?

    Wenn die AG auf ihrer Jahreshauptversammlung in Gestalt ihres Vorstandes sagen würde: „Uns ist die kurz- bis mittelfristige Wertentwicklung unserer Aktie egal. Wir möchten statt besserer Rendite eine bessere Welt, indem wir bessere Produkte herstellen und zufriedenere, am Gewinn beteiligte Mitarbeiter haben und uns dafür selber eine zwar hübsche, aber eben auch nicht zu hohe Dividende ausschütten, damit das Unternehmen langfristig abgesichert ist“ (ich glaube Google sagt sogar so etwas Ähnliches?), dann würden die ein Management einsetzen, das genau dieses Ziel umsetzt. Ihr Vorwurf an die Manager lautet im Grunde: „Ihr tut ja tatsächlich das, was die Eigentümer von euch verlangen – das ist unverantwortlich!“ (Bzw. antikapitalistisch, was bei Ihnen ja dasselbe ist.)

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    Bei allem Interesse am Thema und der Analyse, wer warum in der Lage ist, Zinsen und Kapitalmarkt zu manipulieren, aber (@Alan Posener) – ein wenig, nein viel, stört mich an Ihrem Text schon die Aussage „..eine Zeit, in die Klassenmacht der Intelligenz geschwächt wurde, auch wenn sie etwa in Deutschland mittels der per Zwangsabgabe finanzierten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nach wie vor die öffentliche Meinung in starkem Maße beherrschen konnte.
    Seit 2008 gewinnen die Intellektuellen wieder an Boden.“

    Entschuldigung, aber das ist absurd: Es ist nicht eine Intelligenz (wir sind auch nicht ganz doof) und wenn die öffentlich rechtlichen Anstalten, die ich selten geneigt bin zu verteidigen, bestimmte Darstellungen von „Alternativlosigkeit“ der Bankenstützung und Angstmache um die Ersparnisse senden, ist das nicht mehr oder weniger systemimmanent und nach derzeitiger Perspektive auch in unser aller Interesse. Nämlich dem, daß wir alle irgendeine Rente haben wollen und es keine andere Möglichkeit gibt, als den Finanzmarkt, um das Geld irgendwo zu „parken“.
    Und wenn dann auch auf dem Finanzmarkt, eigentlich wie auch stets in der „Realwirtschaft“ (gemeint ist die Materialwirtschaft) eine Tendenz zur Kartellbildung besteht ist der Versuch, die Konkurrenz zu unterlaufen nicht mehr als natürlich und zeigt die Grenzen einer kapitalistischen reinen Lehre. Dafür, bzw. dagegen können Staaten Behörden gründen, deren Tätigkeit ich für besser halte, als jetzt „Intelligenz“ zu stigmatisieren. Genauso wie wir durch unser Verhalten die Tante Emma-Läden haben eingehen lassen, so sorgen wir letztlich auch für den Finanzmarkt – so wie er ist. Ich wundere mich über Ihre Neigung, um die reine Lehre des Kapitalismus zu retten, eine Intelligenzija für dessen Grenzen verantwortlich zu machen – Soros hin, andere Oligarchen her. Ich meine wir, mit unseren Ansprüchen und der verbreiteten Art zu wirtschaften sind Urheber des Finanzmarktes, wie er ist und dagegen werde ich auch in Zukunft meckern (auch wenn EJ wieder schimpft).

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    @ Roland Ziegler: der wesentliche Teil der hier vorgetragenen Bedenken richtet sich gegen die Unternehmensform der (an der Börse notierten) AG.

    Ja. Und nein. Es geht z.B. auch um Fondsmanager. Schauen Sie sich an, was da bewegt wird. Moritz Berger hat bereits auf Staatsfonds hingewiesen. Und es gibt noch eine Menge anderer (auch von der Anlage her, von den Anlagezielen und Anlagemethoden her, weit gefährlichere Dinger). Da wird in gigantischem Maßstab Schicksal, permanent mit dem Feuer gespielt, ohne dass die Entscheider das Risiko ihrer Entscheidungen mittragen müssen.

    Noch mal. Und noch mal „theologisch“: Ganz im Gegensatz zum Unternehmer, Prototyp des homo oeconomicus, haben die Manager eine gottgleiche Position. Sie entscheiden und tun wie Unternehmer, ohne wie diese selbst von ihrem Entscheiden und Tun betroffen zu sein. Wäre das anders und müssten die Manager die Folgen ihrer Entscheidung mittragen, würden ihre Schicksalsspiele und ihre Spiele mit dem Feuer zweifellos anders ausfallen.

    Zur Systemrelevanz: Ein privates Unternehmen muss pleite gehen können, ohne dass die Welt zusammenbricht.

    Ja.

    Und die Frage nach der „Systemrelevanz“ ist durchaus doppelsinnig zu verstehen. Nämlich auch im Sinne der Frage: Was gehört rein in das System? Und was gehört abgeschafft und muss raus aus dem System?

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    Was sie sagen sie zur Finanztransaktionssteuer, Herr Posener? Was denken sie über das politische Schlagwort Marktfundamentalismus? Was zur ökosozialen Marktwirtschaft? Und in wiefern erinnert sie George Soros an Betrügereien an der Wall Street? Als Täter oder als jemand der sie vor den Betrügereien Anderer warnt?

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    Stevanovic: Systemrelevanz und Kartelle sind Probleme ganz anderer Art. Für die sind Politik und Gerichte zuständig – da geht die Republik kaputt.

    … volle Zustimmung … wobei Systemrelevanz hinreichend genug aussagt, nämlich: das System ‚BRD‘ vertritt nicht die Interessen des Volkes. Daher.

    … also: Что делать?

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    Parisien: Hier checken es zwei nicht: Der eine ist dbh, der meint, es ginge nicht, wenn Schultzen’s Sparbuch eine Weile keinen Profit macht, während riesige Investitionen fehlen. Das ist der eine, der ADF-Wähler.

    … hä? … checken was? … von Schultzen’s Sparbuch und Investitionen habe ich gar nix geschrieben … – auch wenn ich Prof. K. zustimme … werte/r Parisien, klären Sie auf. Was ist ADF, oder was soll ein ADF-Wähler darstellen?

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    @Stevanovic: Das Seilschaftenargument leuchtet mir ein. Aber gegen eine Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter, und sei es auch nur in Form einer kleinen Ausschüttung am Ende eines erfolgreichen Geschäftsjahrs, ist überhaupt nichts einzuwenden. Boni für alle. Da freuen sich alle und gehen im nächsten Jahr gestärkt zu Werke. Es ist Mist, wenn man für einen steigenden Aktienkurs arbeiten soll, ohne vom Erfolg seiner Arbeit etwas anderes zu haben als nur weiterhin dort arbeiten zu dürfen.

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    @Parisien: Zur Systemrelevanz: Ein privates Unternehmen muss pleite gehen können, ohne dass die Welt zusammenbricht. Es ist ein Unding, dass „systemrelevante“ Banken mit Steuergeldern gerettet werden. Entweder man trägt Gewinne UND Verluste, oder man übergibt beides an den Staat. Vattenfall, das Berlin mit Strom versporgt, ist z.B. ein 100% staatliches Unternehmen aus Schweden. Wenn Gewinne erwirtschaftet werden, fließen die in die schwedische Staatskasse und entlasten dort den Steuerzahler. Das ist gut für alle. Es gibt keinen mir verständlichen Grund, warum die Manager von Vattenfall notwenigerweise schlechter sind als die von RWE. Ich halte das für Aberglaube. Aber dieses Thema ist hier bestenfalls Nebensache.

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    Ich glaube inzwischen, der wesentliche Teil der hier vorgetragenen Bedenken richtet sich gegen die Unternehmensform der (an der Börse notierten) AG. Die Aktionäre einer AG haben andere Ziele als ein Familienunternehmen à la Buddenbrooks: wesentlich kurzfristigere, renditeorientierte Ziele. Die legen Kapital an und wollen es nach ein paar Jahren mit Gewinn zurück. Dadurch entsteht das unternehmerische Ziel, den Aktienkurs möglichst kontinuierlich zu steigern. Das Produkt der AG ist nicht mehr das, was an den Kunden verkauft wird – das ist nur Mittel zum Zweck -, sondern die Aktie, die an die ständig wechselnden Eigentümer verkauft wird. Der Manager setzt dieses Ziel dann lediglich um.

    (Aber vielleicht checke ichs wirklich nicht. Dann könnte man ja versuchen, es auch begriffsstutzigeren Leuten wie mir und demblondenhans besser zu erklären?)

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    Lieber Moritz Berger,

    nein, ich habe die vielen Betrügereien an der Wall Street nicht vergessen; und wenn ich sie vergessen haätte, würde mich George Soros immer wieder daran erinnern. Nichts gegen Ausweitung der Kampfzone. Aber bitte systematisch.
    Meine Grundthese ist: Der Markt ist gut, wenn er funktioniert. Natürlich funktioniert er nicht von allein. Und immer wieder versuchen Leute und Institutionen, ihn auszuhebeln und ein Monopol einzurichten, mit dessen Hilfe sie die anderen ausbeuten können („Rent seeking“).
    Man muss bei der Kritik am Kapitalismus unterscheiden zwischen den kriminellen Einzelfällen, mit denen der Markt und die Justiz auf Grundlage der bestehenden Gesetze fertig werden einerseits, und den systematischen Fällen von Marktversagen andererseits zu unterscheiden, bei denen politisches Handeln notwendig ist. Zum Beispiel hatten Dinge wie CO2 bis vor einigen Jahren keinen Preis. Das ist Marktversagen, weil es den Produzenten von CO2 bei der Energiegewinnung einen Dauervorteil verschafft. Und, ich wiederhole mich, der Aufsteig der Klasse der Manager von sehr hoch bezahlten Angestellten zu einer Kaste von Konzernherren ist ein anderer. Ich suche nach Fehlern im System. und zwar systematisch.
    So weit ich weiß ist inzwischen die Deregulierung des Bankensektors weitgehend zurückgenommen worden. Investmentbanking und Einzelkundengeschäft wurden getrennt. Die Kapitalanforderungen an die Banken sind erhöht worden, so können sie nicht, wie vor der Krise, ausstehende Forderungen als Eigenkapital verbuchen. Und so weiter.

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    @ EJ
    Hier checken es zwei nicht: Der eine ist dbh, der meint, es ginge nicht, wenn Schultzen’s Sparbuch eine Weile keinen Profit macht, während riesige Investitionen fehlen. Das ist der eine, der ADF-Wähler.
    Der andere, RZ, meint, staatliche Banken würden besser arbeiten. Ich sehe nicht, wie Politiker, die ebfs. risikofrei nach kurzer Zeit im Parlament, ihre Pensionsrechte sichern können, eine Bank oder Firma besser führen könnten. Das ist die linke Ecke. Will versorgt sein. Nanny-Staat.
    Sie dagegen können es so ‚rüber bringen, dass ich’s besser checke als vorher. Vielen Dank dafür. Auch an Posener.

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    Arbeiterselbstverwaltung scheitert ab 20Mitarbeitern. Kontrolle durch den Eigentümer scheitert ab 20Aktionären. In beiden Fällen ist das System zu kompliziert für funktionierende Transparenz, Teilhabe und Kontrolle, womit Seilschaften Tür und Tor geöffnet wird. Manager und Funktionäre unterscheiden sich da nicht im Geringsten. Wer also Kleinaktionäre als Idealbild hat, Aktien im Streubesitz, bekommt am Ende intransparente Seilschaften, mit bekannten Auswüchsen. Das ist die andere Seite der Medaille, wenn man Teilhabe der Kleinen an Macht/Kapital anstrebt. Das hat mit Kapitalismus oder Sozialismus wenig zu tun. Es ist eher eine Sache von Gruppenverhalten in unüberschaubaren Organisationen und ist ein Phänomen in jeder Gesellschaft.

    Systemrelevanz und Kartelle sind Probleme ganz anderer Art. Für die sind Politik und Gerichte zuständig – da geht die Republik kaputt. Das Primat der Politik muss gegenüber jeder Seilschaft gelten. Nur Seilschaften, von mir aus Kasten und Klassen, gibt es nun mal. Die Existenz ist nicht das Problem. Wenn ein System für sein Funktionieren die Nichtexistenz als Prämisse hat, dann ist es ein schlechtes System.

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    @Edmund Jestadt, 12. Dezember 2013 um 10:36

    O-Ton EJ zur Finanzkrise … fast wörtlich: ‚es gibt Angestellte, die unternehmerische Entscheidungen fällen, die nicht mit dem Interesse des Unternehmens identisch sind.‘ Daher.

    Ich glaub‘ mein Hamster bohnert.

    Kurt Tucholsky: ‚Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.‘

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    Mir erscheint die Idealvorstellung, wie sie anscheinend in der Kapitalismustheorie verankert ist – dass nämlich das persönliche Interesse einer Person deckungsgleich sein soll mit dem Interesse eines Unternehmens – die viel größere Entfremdung: von der Frau (selten dem Mann), den Kindern, von Reisen, Essen, Musik, Büchern, Hobbys… Man verlangt damit vom Unternehmer/Manager, zum fanatischen Alien zu mutieren, der sich für das Unternehmen opfert.
    Meine Idealvorstellung (die nirgends theoretisch fundiert ist) sieht ganz anders aus. Jeder in der Firma – vom Manager bis zum Nachtwächter – sollte vom Erfolg der Firma direkt profitieren und deshalb den Erfolg mit Sinn & Verstand unterstützen, aber im Fall des Misserfolgs auch gut ohne die Firma leben können. Das ist allerdings Utopie.

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    Es gibt ja auch die ominöse Einrichtung eines Aufsichtsrates. Dieser müsste den Herren Ackermann und Mehdorn usw. doch eigentlich auf die Finger schauen. Hier fragt man sich gelegentlich, was diese Leute unter Aufsicht führen verstehen. Die Gehälter, die für die paar Sitzungen/Jahr zugebilligt werden, spotten jeder Analyse. Hier werden weder Gehaltsverhandlungen geführt, wer den Job für das wenigste Geld zu machen bereit ist, noch gibt es Stellenausschreibungen, bei denen man sich bewerben könnte, wenn man sich für geeignet hält.

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    @EJ: Bei der Deutschen Bank gibt es meinem Verständnis nach einen Unternehmer in Form einer Aktiengesellschaft, die den Manager Ackermann beauftragt hat, für das Wohl und gegen das Wehe des Unternehmens entscheidend tätig zu sein. „Wohl“ bedeutet Rendite, „Wehe“ bedeutet Verlust. Natürlich kann man „Wohl“ auch anders definieren, z.B.: „zufriedene Arbeitnehmer“ oder „zufriedene Kunden“. Aber dann bingt man Dinge ins Spiel, die nach meiner Ansicht nicht sehr kapitalistisch sind, jedenfalls nicht direkt etwas mit Kapital zu tun haben.

    Ich habe eine andere Erfahrung gemacht, was es heißt, unter einem persönlich haftenden Unternehmer zu arbeiten, der sich seinem Unternehmen existentiell verbunden fühlt. Ich kenne auch den umgekehrten, „entfremdeten“ Fall: wenn man einen Chef hat, der sich nicht existentiell vebunnden fühlt, sodnern einfach nur fürstlich entlohnt wird. Mir ist der letztere Fall lieber. Dann habe ich jemanden, der einen klaren freien Kopf hat, gerade weil er nicht existentiell mit drin hängt. Der nicht gleich einen Herzinfarkt kriegt, wenn man eine Idee äußert, die er nicht gleich versteht. Ich halte es für professioneller, wenn keiner der operativen Leute existenziell mit drin hängt. Das hat nicht automatisch zur Folge, dass man irgendwie zockt oder schludert, auch wenn das auf den psychlogischen Blick vielleicht plausibel erscheinen mag. Man kann auch als existenziell beteiligter Manager/Unternehmer schludern und alles verzocken. Persönliche Distanz ist besser, d.h. erzeugt bessere Ergebnisse, kurz gesagt.

    Etwas anderes ist es aber, wenn das Wohl des Unternehmens eben auch im Fall des Misserfolgs garantiert ist, weil das Unternehmen „too big to fail“ ist. Oder wenn man die Regeln des Geschäftserfolges selber bestimmen kann (Stichwort Goldpreis). Das lädt JEDEN Unternehmertypus zur Zockerei oder Schummelei ein. Dies ändert man, indem man das Unternehmen zu Strukturen zwingt, die nicht mehr „too big“ sind, mit Regulierungen zum „Wohl“ zwingt oder es (evt. auch nur teilweise) verstaatlicht. (Meiner bescheidenen Ansicht nach.)

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    @ Roland Ziegler: In den Firmen, in denen ich arbeite, ist es so, dass Manager eingestellt werden, um Produktlinien oder Strategien zu entwickeln, für die die Unternehmer keine Lust, keine Zeit oder keine Kompetenzen haben.

    Das sind nicht die Manager, über die wir hier sprechen. Hinter oder über der Deutschen Bank und hinter oder über dem Management der deutschen Bank etwa steht kein Unternehmer in dem von Ihnen gemeinten Sinne.

    Hierbei sind sich ja offenbar alle einig: Die Managergehälter und -Boni sind zu hoch.

    Nein. Um die Höhe geht es mir nur am Rande. Mir geht es darum, dass die Managergehälter nicht oder nicht ausreichend an das Wohl und Wehe des Unternehmens gebunden sind. – Sie verstehen den Begriff des Unternehmers nicht. Sein persönliches Interesse ist mit dem Interesse des Unternehmens identisch. Unternehmer und Unternehmen sind existenziell aneinander gebunden. Beim Manager, der „Seins“ schon immer im Trockenen hat, der Unternehmensverluste nicht – und schon gar nicht existenziell – mittragen muss, ist diese Identität nicht gegeben. Entsprechend „frei“ und „ungebunden“, man könnte mit einiger Ironie auch sagen: entsprechend „entfremdet“ fällt er unternehmerische Entscheidungen.

    Das rührt in Theorie und Praxis an die Grundlagen des Kapitalismus.

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    Es sind mitnichten Gehälter, egal in welcher Höhe, die den Kapitalismus zerstören. Dieses Wissen unterstelle ich auch APo&EJ.

    O-Ton Prof. Kirchhoff, (dem ich zustimme): ‚Der Gesellschaft würde eine Einkommensteuer von 25 Prozent beim Reichen genügen – wenn er, anders als heute, zahlen würde‘, ist Kirchhof überzeugt. ‚Bei einer Million Euro Einkommen müsste er 250 000 zahlen, bei zwei Millionen schon 500 000. Plötzlich hätten wir Freude am Erfolg des anderen.‘

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    Wenn wir jetzt noch über Manager-Gehälter reden, kommen wir ganz durcheinander. Es geht zunächst um die Machtposition bestimmter Akteure, die den Finanzmarkt beeinflussen, die sich also die eigenen Regeln schaffen. Das ist derzeit Realität. Die Manager-Gehälter sind hierbei zweitrangig, bzw. ein Folge dieser Machtposition. Es sind eben nicht mehr die Besitzer/Arbeitgeber und auch nicht die (Klein)Aktionäre, die über das Wohlergehen eines Unternehmens entscheiden, sondern bestimmte Akteure am Finanzmarkt (nicht die Banken, die Unternehmer usw.). Es geht bei Unternehmen nicht mehr um die Produkte, sondern um Schlüsselpositionen bei Manipulationen des Finanzmarktes. Wer das nicht sieht, ist naiv. Und der Finanzmarkt hat sich so entwickelt, weil er von sich hemmungslos verschuldenden Staaten in Anspruch genommen wurde und wird. Deswegen „systemrelevant“. Auch zur Finanzierung von „leistungslosem Einkommen“, Renten usw. Was da bezahlt wird, sind Namen (= Machtpositionen). Da „gilt“ jemand als Sanierer, Vermittler, Finanzierungsexperte. Weil er Kontakte hat. Es sind nicht mehr die Einer, die bestimmen, sondern die Manager. Und damit wird der Kapitalismus ausgehebelt.

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    …zusammengefasst: Hierbei sind sich ja offenbar alle einig: Die Managergehälter und -Boni sind zu hoch. Diese Feststellung unterschreiben doch alle, oder nicht?
    Lediglich die Begründungen dafür unterscheiden sich. Ich meine, solche Gehälter sind einfach zu hoch für einen Mitarbeiter, und sie sollten ins. wegen des Vergleichs zu „normalen“ Kollegen innerhalb derselben Firma runter. Das ist im Grunde eine moralische Begründung. Eine 12:1-Regelung wie der Vorschlag aus der Schweiz erscheint mir vernünftig; wie er umzusetzen wäre, weiß ich leider auch nicht.

    Haftbar sollte ein Manager m.E. jedoch nicht sein, hier unterscheiden wir uns. Er wird vom Unternehmer für bestimmte Aufgaben eingestellt, und wenn er was verbockt, ist dies das unternehmerische Risiko seines Arbeitgebers. Der hätte ihm ja besser auf die Finger schauen können. Welche Aufgaben der Unternehmer an einen Angestellten delegiert, ist seine freie Entscheidung. Andernfalls müsste man den Manager als Freiberufler betrachten, der z.B. im Fall eines großen Unternehmens ein hohes Risiko übernimmt und dafür eben auch ein hohes Honorar beanspruchen kann, sofern der Markt das hergibt.

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    @R.Z.
    Nochmal (wahrscheinlich vereinfache ich zu sehr): Kapitalismus ist schon, wenn ich Ihnen 100 Euro leihe, wenn Sie dafür Getränke kaufen, die Sie am Bahnhof verkaufen. Sie leisten Arbeit, indem Sie zum Getränkemarkt gehen, transportieren und verkaufen. Ich leiste auch Arbeit in dem Sinne, daß ich versuche, das Risiko einzuschätzen, das ich eingehe, mich also mit Ihnen und Ihrem Geschäftsmodell beschäftige. Ihr Teil ist die physikalische Arbeit, mein Teil ist das persönliche Risiko (geistige, psychische Arbeit sozusagen). Das ist das, was Angestellte, Arbeiter – ja und eben auch Unternehmer und Banken leisten. Alle sind – entweder mit ihrer persönlichen Arbeitsleistung oder aber mit ihrem Vermögen (beides bedingt einander) in der Haftung, in der Pflicht.
    Im Feudalismus war das anders: Da bestimmte der Fürst Steuern und Abgaben (und vor allem die Regeln). Und derzeit ist es so, daß bestimmte Manager-Schulen die Regeln bestimmen. Ich nehme an, daß Alan Posener das gemeint hat; ich meine es jedenfalls so.
    Warum konnte sich das so durchsetzen? Ich meine, wegen der überzogenen Renditeversprechen der 90er Jahre (dem Versprechen leistungs- bzw. risikolosen Einkommens) aufgrund von Rationalisierung und niedrigen Löhnen in (damals) Osteuropa. Und das sind weder Kapitalismus, noch Reagan, Thatcher usw. schuld sondern falsche Versprechungen. Daß infolge dieser Fehlentwicklung jetzt versucht wird, das Kind Kapitalismus mit dem Bade auszuschütten ist klar.

    Der Begriff Arbeit impliziert physikalisch immer einen(Reibungs-)Verlust. Daran erkennt man sie auch anderswo. (Nicht an der Art der Arbeit.)

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    Lieber Herr Posener,

    dem Ruf des Kapitalismus hat auch der Neue Markt geschadet, und auch die berühmtemn Saving Banks in den US uns auch Lehman Brothers und da regen Sie sich über die überzahlten Manager und den CEO Kommunismus auf???

    Und gab es da nicht auch die Junk Bonds und Michael Milken und alles schon vergessen?

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    Lieber EJ.

    wo sehen Sie eine „kapitalistische Ordnung“ ?

    Wollen Sie die Deregulierung des Bankensektos, meine Büchse der Pandora, durch Reagan und Thatcher mitvorangetrieben, wieder in eine Regulierung umwandeln??

    Dann müten Sie auch die Londoner City schließen, die laut Alan Posener soviel zum gestiegenen Wohlstand in UK beigetragen hat, dass in ein paar Jahren eine Wohnung in London nur noch zum peanut Preis von 1 Mill. € zu erwerben ist.

    Unsere derzeitige ökonomische Wirtschaftsform führt kurz über lang zum GAU.
    Siehe auch den Artikel zu Black Rock im economist. ,it und ohne überbezahlte Manager ist letztlich scheissegal:-)

    Schauen Sie sich einmal die Staatsfonds (kann momentan nur auf Daten von 2008 zurückgreifen):

    http://www.finanzen.net/top_ra.....8;inPos=20

    Wenn wir uns hier über die Manager aufregen, die uns angeblich ins Verderben stürzen (CEO-Kommunismis) dann sollte wir doch wohl besser auf die coconuts schauen, die unser System ins Chaos stürzen werden.

    Um es noch drastischer ausdrücken:

    Wir diskultieren hier überr die Kosten von Büroklannern, statt uns nach der ABC Analyse wenigstens der C-Gruppe oder der B-Gruppe zuzuwenden.

    Aber der Blick über den Tellerrand läßt uns leider zurückschrecken, stattdessen diskutieren wir über den CEO Kommunismus!!

    „Es geht hier gerade darum, die (allzu)fließenden Übergänge zwischen Unternehmer und Angestelltem – (am “einfacheren” Modell der Banken und Aktiengesellschaften) – zu kritisieren und die Grenzen – wenn Sie so wollen: die kapitalistische Ordnung – wenn schon nicht in der Praxis, mindestens theoretisch zu rekonstruieren.“

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    Zur fürstlichen Entlohnung: Im Fußball ist es so, dass Hoffenheim eine zweite Trainingsgruppe unterhält mit Spielern, die gar nicht eingesetzt werden. Die werden nur pro forma fitgehalten. Man hat ihnen einen Vertrag gegeben und sich geirrt. Nun muss man sie bezahlen.

    Solche Verträge sind essentiell kapitalistisch. Die Manager hätten mit Haftung möglicherweise denselben Mist gebaut, den sie ohne Haftung gebaut haben (möglicherweise wären es andere gewesen). Da skann man jedenfalls nicht wissen. Sie hatten unsinnige Verträge, die die Boni-Zahlungen begründen. Für die Unsinnigkeit der Verträge sind aber nicht sie selber, sondern ihre Vertragsparter auf der anderen Seite des Tisches verantwortlich, denn die sind es, die das Geld verteilen. Dass die sich auf solche unglaublichen Zahlungen überhaupt einlassen konnten, zeigt das Verhandlungsgeschick und die Selbstvermarktungskünste des Managers, die damit eine originär kapitalistische Ernte einfahren.

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    @Alan Posener: Ich will diese Bonizahlungen nicht rechtfertigen. Ich halte die sogar im Sinne des Aktionärsgesetzes für juristisch bedenklich.

    Wenn dies nicht juristisch lösbar sein sollte, bleibt nur die Ökonomie. Wenn normale Angestellte eine Gehaltserhöhung fordern, heißt es ja auch: „Mnh – Sie wissen ja: das Umfeld. Die Krise. Die Konkurrenz.“ Ebendieses kann man auch dem Manager sagen. Wenn man will. Aber es kann nur der Unternehmer tun, der aber immer nur gewiefte/erfahrene Leute bei den Verhandlungen haben will. Und wer für sich zu wenig raushandelt, wird auch für die Firma zu wenig raushandeln, so die Überlegung.

    Die Arbeiter und Angestellten arbeiten sowieso nicht, weil die Arbeit so viel Spaß macht oder weil der Kapitalismus so in Bedrängnis ist, dass man ihm helfen müsste. Sondern weil sie das Geld brauchen bzw. haben wollen. Im Gegensatz zum Manager – der hat schon genug.

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    @EJ: Wer Herrn Ackermann zu seinem Job verholfen hatte, weiß ich nicht, vermute aber, dass es jemand war, der selber diesen Job nicht ausüben konnte oder wollte.

    In den Firmen, in denen ich arbeite, ist es so, dass Manager eingestellt werden, um Produktlinien oder Strategien zu entwickeln, für die die Unternehmer keine Lust, keine Zeit oder keine Kompetenzen haben. Wenn sie einsehen, keine Kompetenz zu haben, finde ich das ausgesprochen professionell. Oft glaubt der (haftende) Unternehmer irrtümlich, alles selber am besten zu können und pfuscht überall herum. Etwas an einen Angestellten zu delegieren und darauf zu vertrauen, dass dieser z.B. eine bessere Ausbildung, Vernetzung, Team- und Kommunikationsfähigkeit hat, ist eine Tugend, die sich meistens auszahlt. Natürlich kann man sich als Unternehmer da auch schnell mal irren, und schlimmstenfalls macht man dann pleite. Aber meistens klappt das nicht schlecht, wie die Bilanzen beweisen.

    Meinen Sie, das klappt das noch viel zu schlecht, das muss besser werden? Der haftende Manager, der durch sein Risiko noch eine Tick bessere Entscheidungen trifft, was doch nur heißen kann, dass der ihn beauftragende Unternehmer noch mehr Gewinn erwirtschaftet? Wozu?

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