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Harry und Meghan und Marx

Dianas Sohn Prince Harry hat nun das Ende der britischen Monarchie eingeleitet. Nicht, weil er eine Bürgerliche geheiratet hat, die auch noch eine – ähm – „person of colour“ ist. Das fanden die Royals eigentlich ziemlich gut; es passt zu ihrer Rolle als Oberhäupter einer multikulturellen Nation, Kirche und Staatengruppe. Sondern weil Harry und Meghan versucht haben, aus der Königlichen Familie eine Marke zu machen. Der Kapitalismus verträgt sich aber nicht mit der Monarchie.

Harry und Meghan wollten die Vorteile der Zugehörigkeit zur Königlichen Familie genießen, ohne die Pflichten anzunehmen, deren Erfüllung Bedingung jener Vorteile sind. Außerdem wollten sie aus der Vermarktung der Marke „Sussexroyal“ so viel Kapital schlagen, dass sie keine Apanage bräuchten. Ambitioniert sind diese Pläne nicht gerade, so dass Meghan vermutlich wieder arbeiten gehen muss; Harry kann eigentlich nichts außer adrett aussehen. Doch reicht das Ansinnen aus, um die Grundfesten der Monarchie zu erschüttern.

Karl Marx sah es kommen: „Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört“, heißt es im Kommunistischen Manifest. „Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein andres Band zwischen Mensch und Mensch übrig gelassen als das nackte Interesse, als die gefühllose ‚bare Zahlung‘. Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt.“

So ist es. Harry und Meghan haben bekanntgegeben, dass sie das Königshaus vor allem als Marke, sich als Influencer sehen. Und damit zuallererst natürlich sich selbst geschadet. Die Sussexes waren ja nur interessant als teil der Königlichen Familie. Als Influencer sind eine mittelmäßige Schauspielerin und ihr mittelmäßiger Anhang mittelfristig nur von bedingtem Interesse.

Darüber hinaus aber haben sie auch das Verhältnis der Bürger*innen Britanniens und des Commonwealth zur Königlichen Familie „in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt“. So will Kanada nicht für die Security-Kosten der Sussexes aufkommen, angeblich 23 Millionen im Jahr, und in Großbritannien zirkuliert eine Petition, in der es heißt:  „Von den britischen Steuerzahlern wird erwartet, dass sie die Sicherheitskosten von Harry, Meghan und ihrem Sohn tragen, obwohl sie nicht mehr in Großbritannien leben und jetzt Privatpersonen sind. Das ist undemokratisch.“

Ein absurdes Argument. Die Monarchie ist ja undemokratisch. Gemeint ist aber: Die leisten nichts fürs Geld. Und das Argument ist ja richtig. Wo aber die Monarchie einer Kosten-Nutzen-Berechnung unterzogen wird, wie wir Normalsterblichen, ist sie auf Dauer erledigt. Nicht, weil sie besonders verschwenderisch wäre im Verhältnis etwa zu anderen Teilen der Regierung, sondern weil sie von den „heiligen Schauern der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut“ lebt, nicht von der „gefühllosen baren Zahlung“.

Das Irre ist dabei: Harry und Meghan haben der Familie just in dem Augenblick diesen Stoß versetzt, als weltweit der Kapitalismus in eine Legitimitätskrise geraten ist; als mit dem Brexit die Bedeutung nationaler Symbole gestiegen ist; als eben jene Entwicklung, die Marx so treffend beschreibt, eine romantische Gegenbewegung hervorrief, von der das junge Paar in besonderem Maße zu profitieren schien und hätte profitieren können.

Möglich ist es allerdings, dass William und Kate doch noch die britische Monarchie retten; aufgeschoben wäre der Untergang allerdings nur, nicht aufgehoben.

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48 Gedanken zu “Harry und Meghan und Marx;”

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    Sehr geehrter Herr Posener,
    eine gewagte These. Vielleicht hat die heutige Monarchie gar nichts mit politischen und wirtschaftlichen Systemen zu tun und steht nur als zusammenhaltendes Symbol fuer Kontinuitaet wie ein in sich lebloses Denkmal in der Welt, und nicht ueber dem Menschen? Als vehementer, Labour gepraegter Gegner der Monarchie im Sinne des Bildes, das in Geschichtsbuechern tradiert wird, kann ich trotzdem nicht verhehlen, dass ich Liz respektiere, weil sie dem Blitz nicht gewichen und in London blieb. Selbst Randy Andy hat 1982 eine respektable Leistung im Suedatlantik hingelegt und auch Harry ist dahin gegangen, wohin die Upperclass ungern ihre Soehne schickt. Der normale buergerliche Weg ist denen nicht so fremd wie es scheint. In der Rangliste waere Harry ueberdies bis ins hohe Alter dazu verdonnert gewesen zu winken, Kroetentunnel zu eroeffnen, Trooping the Colour beizuwohnen und besoffen diverse Range Rover in den Strassengraben zu lenken. Es ist verstaendlich fuer einen Enkel, dass er nicht werden moechte wie der Grossvater.
    Die Monarchie an sich ist fuer die Entwicklung der politischen Systeme heute nicht mehr relevant. Das ist so etwas wie ein Vintage Car, dass sonntags auf Hochglanz gebracht gefahren wird, aber nur sonntags. Marx kann ich daran nur entdecken, wenn man sagt, dass die Monarchie an sich einen langen Bart hat.

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    APo; ‚Lieber Blonderhans, … Wenn Sie bei der “offenen Gesellschaft” an Prostitution denken, ist das eine Aussage über Ihren Geisteszustand, nicht über die Nützlichkeit des Begriffs.‘

    … JA, lieber Alan Posener, unbedingt, der Geisteszustand der Verfechter der ‚offenen Gesellschaft‘ ist in der Tat ein anderer als mein Geisteszustand.

    Nur zwei andere Geisteszustände ; Daniel Cohn-Bendit, Nov. 1991; ‚die multikulturelle Gesellschaft ist hart, schnell, grausam und wenig solidarisch, sie ist von beträchtlichen sozialen Ungleichgewichten geprägt und kennt Wanderungsgewinner ebenso wie Modernisierungsverlierer; sie hat die Tendenz, in eine Vielfalt von Gruppen und Gemeinschaften auseinanderzustreben und ihren Zusammenhalt sowie die Verbindlichkeit ihrer Werte einzubüßen.‘

    … oder hier, etwa ab Minute 2:33, die Meinung eines Philanthropen *) zur ‚Open Society‘ in 1998 – ‚I am basically there to do money. I cannot and do not look at the social consequences of what I do …‘

    *) Wikipedia schreibt; Unter Philanthropie versteht man ein menschenfreundliches Denken und Verhalten. Als Motiv wird manchmal eine die gesamte Menschheit umfassende Liebe genannt, die ‚allgemeine Menschenliebe‘.

    … da kommen mir die Tränen vor Rührung. Wirklich!

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      Wenn Sie nicht wissen, was die offene Gesellschaft ist, dann sollten Sie darüber einfach mal die Klappe halten. Ihr beschränkter Horizont ist nicht das Maß aller Dinge.

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    Lieber Alan Posener,
    „Das Kommunistische Manifest, lieber Martin Blumentritt, ist kein ökonomischer Text, sondern ein politischer. Es beschreibt nicht die Wirkung von Gesetzen, sondern von Klassen. Und über die Bourgeoisie heißt es dort: “Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.” “
    Das Kapital von Marx ist genausowenig ein ökonomischer Text, keine Darstellung der Ökonomie, sondern eine Kritik der POLITISCHEN Ökonomie, Kritik von Ökonomie und Politik. Abgesehen von DIfferenzen im Stand der Aneigung von Politischen Ökonomen wie Smith, Ricardo und der Vulgärökonomie (die heute übrig geblieben ist, wobei die Kritik der Politik darin nicht vorkommt), etwa DInge, die Marx fallen gelassen hat wie Verelendungstheorem und Theorie des Minmallohns, hat er einige DInge, die dann im Kapital eine Rolle spielen, schon in der Pariser Zeit und zur Zeit der Abfassung des Manifestes der KP, schon gewußt. Bezüge zu ökonomischen Sachverhalten finden sich schon auf den Seiten „Bourgeois und Proletarier“, wobei Engels 1888 dies sogar noch erläuterte in Fußnoten. Dann ist von der „großen Industrie“ die Rede, Weltmarkt (später wird das in Imperialismus umbenannt, ein Begriff, den Marx nicht verwendete) und Umwälzung von Produktions- und Verkehrsweise. Die Formulierungen, die Sie verwenden, stehen in dem Teil, der eingeleitet wird mit: „Jede dieser Entwicklungsstufen der Bourgeosie war begleitet von einem entsprchenden politischen Fortschritt….“ und dann wird das alles, was Sie zitieren. Da wird noch terminologisch immer von Bourgeosie gesprochen in einem Sinne, in dem man von Kapitalisten sprechen müßte, wenn man späere Terminologie nimmt. Und wo Kapitalist stehen würde, müßte man, um auf dem Stand des entwickelteren Marx zu stehen, eher Kapital sagen. „Don‘ t beat the players, beat the game.“ Der moderne Staat ist eben nicht Staat der Kapitalisten, sondern Staat des Kapitals, wozu alle Formen dazugehören, auch die variable.
    Zu den vielen Formen, die in der Empirie vorkommen, ist Marx ja nicht mehr gekommen. Das Buch zum Staat, Weltmarkt usw. fehlt. Und da Marx keine kritische ökonomische Theorie, sondern Kritik der Ökonomie schreiben wollte, hätte er – länger lebend – wahrscheinlich auch nie eine Ökonomie geschrieben, weil die ja zum Scheitern verurteilt ist. Was die Leninbrüder und Stalinanhänger auch nie kapiert haben, wenn sie z.B. das Wertgesetz anwenden wollten, nicht eingedenkt, dass Marx ihnen dann vorgerechnet hätte, dass dabei nur eine totalitäre Gesellschaft bei herauskommen kann. Da kann man ja auch mal vom Begründer des Christetums Paulus lernen, man muß etwas nicht nach dem Buchstaben, sondern nach seinem Geist verstehen.
    Ich bin der Letzte, von Marx nichts lernen zu wollen, aber eben nicht nach dem Buchstaben, sondern von seinem Geist.

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      Wenn Sie glauben, es gebe heute keine Bourgeoisie, lieber Martin Blumentritt, es gehe nicht um die Spieler, sondern um das Spiel, dann haben Sie weder Piketty gelesen noch sich in Davos mal umgesehen, wenn sich die internationale Elite ein Stelldichein gibt. Wichtiger ist aber die Frage nach dem Proletariat.
      Marx ist der Theoretiker des Klassenkampfs. Nicht der ewigen Reflexion.

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    „Ach Gott, lieber Martin Blumentritt, diese Diskussion haben Sie “schon” Anfang der 90er geführt? Die Studentenbewegung und die K-Gruppen und -Zirkel haben sie doch zwanzig und mehr Jahre zuvor geführt. Ich erinnere an die “Polemik über die Generallinie”, die von der KP Chinas entfacht wurde: “Ist Jugoslawien ein sozialistischer Staat?” usw. usf. An Mandels Diskussionen in Kuba. An Bahro.“
    Und vice versa haben die Praxixphilsophen die SU und China kritisiert. Nur ging es da mehr um Renegatentum usw.

    „Natürlich sind Sie fein raus, wenn Sie aus dem Kommunismus, wie ihn Marx beschrieb, der nichts anderes sein sollte als die Avantgarde der Arbeiterbewegungen aller Länder, also die reale Bewegung, die den Kapitalismus aufhob, ganz entgegen dem Geist und Buchstaben des Marxismus eine “Utopie, wonach sich die Welt zu richten haben wird” machen.“
    Nein, ich bestreite doch, dass der Kapitalismus aufgehoben wurde, sondern fortlebte, aus der Perspektive dessen, was nicht vorhanden sein darf, wenn man davor sprechen will, es sei mit ihm zu Ende.

    „Denn die Welt wird sich nicht danach richten, also werden Sie immer der Welt überlegen sein, nur nichts verändert haben. Ein deutscher Ideologe, wie er im Buche steht.“
    Wenn es etwas gibt, was sich ständig verändert, ist es der Kapitalismus, wenn es um etwas geht, so darum die Veränderung zu verändern. So neu ist das in vielen Zügen nicht. Der Merkantilismus, den David Recardo kritierte, war ein anderer als der Realsozialismus als Plagiat des Neomerkantilismus. Man könnte ja auch von Sonderweg des Kapitalismus mit eingebauter Monarchie sprechen. Da wäre aus der Geschichte Englands noch einiges herauszuholen und nicht nur Kommunistische Manifstzitate, die man vorher darauf projiziert hat.

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      „Nein, ich bestreite doch, dass der Kapitalismus aufgehoben wurde, sondern fortlebte, aus der Perspektive dessen, was nicht vorhanden sein darf, wenn man davor sprechen will, es sei mit ihm zu Ende.“ Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Wenn der Stalinismus Kapitalismus war, dann haben Sie den Begriff so aufgebläht, dass er nichts mehr beschreibt. Da war Trotzki mit seiner „asiatischen Despotie“ schon origineller.

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        Marx sprach von orientalischer Depotie oder asiatischer Produktionsweise, ähnlich Trotzki. Zum Kapitalismus gehört ein nicht bloß juristischer Begriff von Eigentum, ein Produktionsbegriff des Eigentums, der auf Aneigung bezogen ist. Lenin führte für die SU den Begriff des Staatskapitalismus (nicht als kritischen, sondern bloß deskriptiven) Begriff ein wegen der Neuen ökonomischer Politik, die die Aufgabe hatte, den Kapitalismus zur Entfaltung der Produktivkräfte zu nutzen, weil das, was Kriegskommunismus genannt wurde, reine Planwirtschaft, nicht ausreichte. Stalins Kollektivierung sollte nun die länglichen Kapitalisten oder Kulaken, die vorher gerade gefördert worden waren, wieder „als Klasse“ vernichten, was aber durch die Fetischisierung und Personalisierung dazu führte nicht die Funktion, sondern die Kulaken zu bekämpfen, auch dann noch, als sie gar nicht mehr vorhanden waren. Die Produktionsmittel wurden allerdings nicht vergesellschaftet (die Trennung von Arbeit und Produktionsmitel (Boden, Produktionsinstrumente… aufgehoben),sondern verstaatlicht, d.h. die Enteignung der unmittelbaren Produzenten beibehalten, nur anders organisiert. Den ganzen Kapitalismus über, von seinen ersten Formen bis zu den letzten, haben wir eine jeweils spezifische Form der Einheit von Plan und Markt, staatlicher Organisation immer in Einheit mit Marktförmigkeit). NIcht einmal im Manchesterkapitalismus ging es ohne Staat bzw. Plan an. Paul Mattick (Marx und Keynes) zeigte die Wirtschaft der SU als radikaleren Keynesianismus auf, der – auch wenn er nicht erwartete, dass es wirklich geschieht – auch wieder in solche Formen des Kapitalismus übergehen kann, wie wir sie vom Westen her kennen. Kürzer als Mattick kann man das nicht darstellen:
        „Während die Marxsche Akkumulationstheorie für das gemischte Wirtschaftssystem noch gilt, scheint sie für die vollkommen kontrollierte kapitalistische Wirtschaft ihre Gültigkeit zu verlieren, d. h. für den Staatskapitalismus oder Staatssozialismus der sogenannten kommunistischen Länder. Dieser ist nicht Produkt einer allmählichen Entwicklung von einem »gemischten« zu einem staatlich gelenkten Wirtschaftssystem, sondern unmittelbares Ergebnis von Krieg und Revolution. Praktisch setzte er die staatlich gelenkte Kriegswirtschaft fort und erweiterte sie; in der Theorie gilt er als Verwirklichung des Marxschen Sozialismus. Dies ist einigermaßen plausibel, da man sich auf eine »orthodoxe« Interpretation des Marxismus stützt, die im Privateigentum die wesentliche oder alleinige Ursache der Ausbeutung sieht. Tatsächlich bestanden die Verhältnisse, die nach Marx mit der »Expropriation des Kapitals« enden sollten, in den industriell unterentwickelten Ländern, in denen die Revolution gemacht wurde, nicht. Deren Anführer waren jedoch davon überzeugt, daß die totale staatliche Kontrolle der Wirtschaft eine schnellere Kapitalentwicklung er- möglichen würde als der Wettbewerb auf dem Markt, und daß diese schnellere Entwicklung unter einer sozialistischen Regierung den schrittweisen Übergang zum Sozialismus erlaube.
        Die Entwicklung der Kapitalproduktion im Namen des »Sozialismus« oder »Kommunismus« hätte Marx sich nicht vorstellen können. Das Marxsche Modell der Kapitalproduktion repräsentierte – obwohl mit einem Blick auf England als das damals fortgeschrittenste kapitalistische Land konstruiert – weder die nationale noch die Weltwirtschaft, sondern stellte ein imaginäres System des Verhältnisses zwischen Kapital und Arbeit dar. Die tatsächliche Entwicklung des Kapitalismus brachte eine Vielzahl mehr oder weniger entwickelter Länder, Kolonisierung und Imperialismus mit sich. Doch war die Weltwirtschaft unauflöslich mit der Kapitalexpansion in den dominierenden kapitalistischen Ländern verknüpft.“(Mattick, Marx und Keynes S. 288)
        Vielleicht wird das so verständlicher. Und für eine Monarchie wäre da ebenso noch Platz, wenn man andere Sphären des Kapitals disktuiert wie den Staat als kapitalen Staat.

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    „Lieber Martin Blumentritt, Sie machen aus der klaren Sprache des Manifests die verquaste Sprache des Salonmarxisten. Im Manifest heißt es eindeutig: “Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört.” ALLE Verhältnisse, nicht nur die Produktionsbedingungen. Wie es denn weiter heißt: “Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren.” SÄMTLICHE gesellschaftlichen Verhältnisse. Davon ist die Rede in meiner Glosse.“
    Eben. Aber Monarchie ist eine Staatsform oder Regierungsweise, bestimmt also näher die gesellschaftlichen Verhältnisse. Christopher Hill hat das für GB näher untersucht in Reformation to Industrial Revolution. Welche Bedeutung die englische Reformation hatte, welche Besonderheiten sieht man vorher schon am Schwerenöter Henry VIII. z.B. Die protestantischen Reformer waren aber stramme Unterstützer der englischen Monarchie. Sir Robert Filmer meinte die Monarchie sei zwischen zwei Verbrechern, dem Papst und dem Pöbel, gekreuzigt worden, sagt Hill, und setzt fort, aber die Monarchie hatte diese Verbrecher zuerst ans Kreuz geschlagen. Oder anders gesagt trotz erfolgreicher Revolution im 17. Jahrhundert nahmen Hous of Lords, die Monarchie und die Staatskirche immer noch priviligierte Stellungen ein. Die kapitalitische via moderna basiert auf funktionaler Ausdifferenierung, da sollte man lieber nicht alles aus einem Brei herleiten wollen. Differenzierungen im Begriff des Forstschritts sind nötig, wobei das Allgemeine, das Marx in den Zitaten formuliert stimmig bleibt. Mit Adorno interesse ich mich für das Besondere und gerade etwas was, obwohl funktionslos, überlebt wie die englische Monarchie, hat doch auch etwas Interessantes an sich, auch wenn es nun von der Kulturindustrie verwaltet wird. Auch der gute John Lennon war mit den Beatles bei der Queen.

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    Lieber Alan Posener,
    ich finde die Begrifflichkeit („Monarchie)etwas verwirrend, insbesondere, wenn mensch sich auf Marx beziehe möchte. Bei Marx, wie zitiert, fällt das Wort Monarchie auch gar nicht. Es ist ja, in der frühen Schrift des „Kommunistischen Manifestes“ mehr von Produktionsweise oder Reproduktionsweise – feudal, patriarchal – die Rede. Diese sind mit unterschiedlichen „Regierungsweisen“ oder „Staatsformen“ vereinbar, Klassisisch (Aristoteles) wurde Monarchie als Staatsform bezeichnet (sehen wir mal davon ab, dass Polis und Staat im modernen Sinn unterschieden sind). Herodots Dreiheit Monarchie, Aristokratie und Demokratie, während in Anschluß an Platon Aristoteles Monarchie, Aristokratie und Politie unterschied zu dessen Entartungsformen Tyrannei, Oligarchie und Demokratie gehören. Im Mittelalter treten diese Bezeichnen zurück, aber werden noch gebraucht. Die Gleichberechtigung vpm geistlicher und weltlicher Gewalt in einer Universal-Monarchie (abgeleitet von der römischen Weltherrschaft), wird von bekannten Denkern wie Thomas von Aquin postuliert. Mit der frühen Neuzeit hat man andere Probleme, nämlich den des monarchischen Absolutismus oder absolute Monarchie, die es auch im Alterum schon gab. Solche Herrschaftsformen sind unmittelbar von Gott hergeleitet, so dass auch Theokratie passend wäre. Aristoteles bleubt nebenbei auch Paradigma. Entscheidend aber nun für die Beurteilung heute ist meiner Auffassung nach Bodins Unterscheidung der Monarchie als Regierungsweise und Staatsform. Das macht es überhaupt denkbar, dass eine Monarchie auch demokraitisch regiert werden kann oder auch aristokratisch. Bodin plädiert sogar dafür die Monarchie als Staatsform durch aristokratische bzw. demokratische Regierungsweise zu mäßigen. Rousseau sieht das natürlich anders als Staatsform ist die Monarchie ein Gebilde, ind er ein Einzelner (Monarch) ein Kollektivwesen (sog. „Volk“) vertritt, wodurch der Privatwille des Fürsten und nicht das Allgemeinwohl die Ziele bestimmt. Bei Kant wird nun aber die Regierungsweise wichtiger gegenüber der Staatsform und stellt sich so was wie eine absolute Monarchie mit der Regierungsweise „republikanisch“ oder „repräsentativ“ vor. Anstelle einer ständischen Monarchie mit dem Dualismus von Monarch und den dessen Macht beschränkenden neben dem Staat stehenden Ständen,tritt nun der Gedanke einer konsitutionellen Monarchie, in der der Monarch an dei Verfassung gebunden ist.
    Eine parlamentarische Monarchie wie die Großbritanniens (ähnlich die skandinavischen so viel ich weiß) ist der König oder die Königi abhängig sei es bei der Gesetzgebung sei es bei der Ernennung des Kabinetts, was sich im Mißtrauensvotum (oder wie das da heißt) das dem Parlament möglich ist. So ist eine monarchische Staatsform und eine parlamentarische Regierungsform zugleich durchaus üblich.
    Die Monarchie Großbritannien ist mitgesamt dem Königshaus demokratisch legitimert. Dass für dessen Sicherheit gesorgt wird, sollte man akzeptieren, das gilt ja auch hierzulande für Kanzler und Präsidenten.
    Und in uralten Königstümern,die sich z.B. charismatisch (Max Weber) begründeten, gab es ja auch eine demokratische Legitimität, gar in manchen Fällen, nahm man den Unbeliebtesten zum König, um ihn mit der Aufgabe zu demütigen, besonders in schweren Zeiten.
    Und das Nachfolgeproblem machte ja aus charismatischer Legitimation der EInsicht Webers zufolge durchaus eine traditionalistsche Legitimität.
    Vereinbar ist die Monarchie wohl mit allerlei Kapitalismus, Feudalismus usw. Der Kapitalismus schmiltz die alten (Re)produktionsweisen zusammen. Manchmal haben wir ja auch quasi Könige wie Lenin, Stalin, Fidel Castro oder dergl. in staatskapitalistischen Ländern.

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      Lieber Martin Blumentritt, Sie schreiben: „Manchmal haben wir ja auch quasi Könige wie Lenin, Stalin, Fidel Castro oder dergl. in staatskapitalistischen Ländern.“ Da weiß ich echt nicht, was ich sagen soll. Sie meinen sozialistische Länder. Sie können nicht einfach alles, was Ihrer Theorie nicht in den Kram passt, durch Umdefinieren eskamotieren.
      Vielmehr müssen Sie sich fragen, warum keine sozialistische Revolution bislang etwas Anderes hervorgebracht hat als eine Diktatur.
      Gegenüber diesem völligen Mangel an Selbstkritik, die ganz und gar dem Geist des Marxismus widerspricht („brav gewühlt, alter Maulwurf!“) sind Ihre gelehrten Ausführungen zur Monarchie, die am Kern dessen vorbeigehen, was Marx schreibt, und was ich meine, weniger interessant.

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        Lieber Alan Posener,
        als Anfang der 90er gejubelt wurde, dass der Sozialismus oder Kommunismus verschwunden war, eine angeblich vom Kapitalismus wesensverschiedene Formation, berührte es – was hätte sein müssen – die Substanz des Westens nicht, nur dass er überall war. Also kann das so nicht stimmen und so hatte ich damals schon die Perspektive verschoben und suchte, mit anderen die ein Interesse hatten, das System im Osten genauer. Welch Differenzen auch bei der Betrachtung auftauchten, ob der Osten inhumaner oder humaner, autoritäer, „gerechter“, „sozialer“ war, eins fiel als ersteres auf: Alles das, was zu den Abschaffungen gehört, die geleiset sein müssen, eine Gesellschaft kommunistisch oder sozialistisch zu nennen, dass Geld, Ware und dern Preisform und vorrangig auch die Lohnarbeit abgeschafft sind, das Verteilungsprinzip jeden nach Maßgabe seiner Bedürfnisse ist und nicht jedem danach, welchen Rang er in der Hierarchie hat, das alles war nicht der Fall, sondern eine despotische Regierung der Produktion und was ich von so etwas wie einer „Revolution“, die sich sozialistisch nennen darf, erwarte, ist ein Verein freier Menschen. Dass das westliche System dasselbe wollte, also das, was man KONkurrenz nennt, gewinnen, war in den Köpfen Das Gebilde „da drüben“, nennt man es Staatskapitalismus (Polock, Mattick), Etatismus (E.Jahn), „Kommunismus, Resozismus (Enzensberger) oder Sowjetregime (Adenauer), war etwas, was man zu dessen „Lebzeiten“ aus seinem Weltbegriff (was meist Weltbild genannt wird, aber irreführend ist) strich. Damals hielt ich, die Mauer war gefallen, die DDR existierte noch, einen Vortrag über „Das Scheitern des real existierenden Kapitalismus“ ausgerechnet in Ostberlin, der lief darauf hinaus, das ein Stück Kapitalismus zusammengebrochen ist. Schon in den 80er Jahren hatte ich dann doch mal in den Lenin geguckt und stellte fest, das sein Vorbild die „deutsche Post“ oder auch „deutsche Bank“ war, wohl mangels Beherrschung des Ablativs beim Lesen von Textstellen, in denen Marx andeutete, dass „prima facie“ sich im Alten etwas Neues – allerdings in falscher Form – sich manifestiert, was aber nicht heißen sollte: komm Jungens und Mädels immitiert den Neomerkantilismus des Kaiserreichs.
        Beim Lesen des „Geschlossenen Handelsstaats“ Fichtes, dem DIchter und Denker des Deutschen Idealismus, der den Merkantilismus so beschrieb, dass man das ohne viel zu ändern als exakte Beschreibung der „Ostzone“, wie wir die DDR damals noch nannten, jemand als Dissidenten-Schrift unterjubeln hätten können, fiel manchem auf, dass das doch mit dem angeblichen Sozialismus nicht stimmen konnte. Das Geplärr über das „Scheitern des real existierenden Sozialismus“ hatte ich schon damals aufs Korn genommen. Aber der siegreiche Westen? Sehen so Sieger aus? Irgendwie ahnte man dann doch, ohne es zu begreifen, dass da ein Stück Kapitalismus zusammengebrochen war und dass die Ideologie damals so falsch war, wie die gesungene Nationalhymne klang.
        Britische Geschichte sollte man auch mit den historisch bereitliegenden Kategorien für Monarchie betrachten und vor allem Regierungsweise oder Regierugnsform und Staatsform wie seit Bodin üblich, zu differenzieren. Dann beurteilt man eine Monarchie, die nicht mehr Regierungsform ist, eben anders.

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        Ach Gott, lieber Martin Blumentritt, diese Diskussion haben Sie „schon“ Anfang der 90er geführt? Die Studentenbewegung und die K-Gruppen und -Zirkel haben sie doch zwanzig und mehr Jahre zuvor geführt. Ich erinnere an die „Polemik über die Generallinie“, die von der KP Chinas entfacht wurde: „Ist Jugoslawien ein sozialistischer Staat?“ usw. usf. An Mandels Diskussionen in Kuba. An Bahro.
        Natürlich sind Sie fein raus, wenn Sie aus dem Kommunismus, wie ihn Marx beschrieb, der nichts anderes sein sollte als die Avantgarde der Arbeiterbewegungen aller Länder, also die reale Bewegung, die den Kapitalismus aufhob, ganz entgegen dem Geist und Buchstaben des Marxismus eine „Utopie, wonach sich die Welt zu richten haben wird“ machen. Denn die Welt wird sich nicht danach richten, also werden Sie immer der Welt überlegen sein, nur nichts verändert haben. Ein deutscher Ideologe, wie er im Buche steht.

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        Und Lieber Allan Posener nun kurz zu Marx und Monarchie, in den Marx-Zitaten spricht Marx nicht von Monarchie, sondern von dessen Rahmenbedingungen, bzw. einigen davon. Wenn man über Monarchie schreibt und diese Zitate verwendet, dann geht das von sich aus schon an dem vorbei, was damit intendiert ist. Das liegt nun nicht an mir, aber mit den zur Verfügung gestellten Begrifflichkeiten, ließe sich das Problem vielleicht besser noch einmal thematisieren, mit etwas mehr Anlauf sozusgen vielleicht noch ein wenig weiter und höher springen. Dass es beim Demiurgen des bürgerlichen Kosmos (GB), des globane Kapitals so etwas wie die Staatsform Monarchie noch gibt, erscheint mir doch mehr für die Vereinbarkeit von Demokratie und Monarchie zu sprechen, wenn man von Regierungsweise und Staatsforms spricht und nicht vorbodinisch beides nicht auseinanderhält. Gerade nach dem Brexit und möglicherweise antibritischen Ressentiments und dem Aufreger Royals würde ich doch gern mehr über britische Geschichte erfahren, von Ihnen, der sich doch von der Sozialisation her viel darüber wissen kann.

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        Lieber Martin Blumentritt, Sie machen aus der klaren Sprache des Manifests die verquaste Sprache des Salonmarxisten. Im Manifest heißt es eindeutig: „Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört.“ ALLE Verhältnisse, nicht nur die Produktionsbedingungen. Wie es denn weiter heißt: „Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren.“ SÄMTLICHE gesellschaftlichen Verhältnisse. Davon ist die Rede in meiner Glosse.

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      Geehrter Herr Blumentritt, vor 20 Jahren in dspm und dasv waren Sie AFAIR aber weniger milde gestimmt :-).

      Gruss,
      Thorsten Haupts

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        Wenn man die Faust in der Tasche trägt, heißt das noch lange nicht, dass einem die Zähne ausgefallen sind. Zur Aufklärung der Aufklärung gehört es, dass man auch aufzeigt, wo eine Argumentation auf Voraussetzungen beruht, die derjenige, auf den mensch sich beruft, nicht teilt. Die Entwicklung von traditionalen Gesellschaften zu modern-kapitalistischen, wie die das Kommunistische Manifests schildert hat Monarche gar nicht zum Thema und ich habe noch mal Argumente dagegegen aufgewiesen, dass man Rationalisierung und Zivilisierung, wie Marx sie schildert und das Schicksal der Monarchie nicht so einfach analogisieren darf.
        Mit Alan Posener streite ich mich ja nicht erst seit gestern, ich kenne so einige blinde Flecken oder tote Winkel, deren Wegfall ihn noch produktiver machen könnte. Aber es sind immer auch Wundmale der politischen Sozialisiation, die jedem im Wege stehen, die Welt angemessen wie es geht, zu betrachten. Trotzden halten mich wohl einige für altersmilde.

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    @Opa, 7. März 2020 at 20:36

    … netter Versuch Opa, in Rabulistik müssen Sie sich noch üben. Von ‚einem Land, das seine Grenzen dicht macht‘ habe ich nicht geschrieben, auch nicht von ‚Deutsch‘ als führende Wissenschaftssprache weltweit. … ‚Die WELT‘ schreibt; ‚… das das Deutsche im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine kurze Karriere als wichtigste Wissenschaftssprache, als auch ein großer Teil der maßgeblichen naturwissenschaftlichen Forschung aus Deutschland kam, das Land und seine Bürger das Neue und Unbekannte bejubelten und Entdeckungen kaum unter ethischen Gesichtspunkten bewertet wurden.‘

    … und die Japaner schreiben 1898; ‚Deutschland hat jetzt den Ruf, das in den Wissenschaften am weitesten fortgeschrittene Land zu sein, und das mit Recht. Denn aus allen Ländern gehen lernbegierige Studenten dahin, um auf deutschem Boden weitere Untersuchungen in allen Zweigen der Wissenschaft zu machen. Auch von unseren Studenten werden die tüchtigsten gewöhnlich nach Deutschland geschickt.‘

    … und vor dem ersten Weltkrieg war Deutsch die mit Abstand wichtigste Fremdsprache in den USA, und ein wichtiger Grund neben anderen war eben die Bedeutsamkeit der deutschen Wissenschaft.

    Warum das nicht mehr so ist, und wie und warum die Sozialisten samt Rassenideologie, u.a., an die Macht kamen, hatten wir hier, ff im thread.

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      Und was hat das mit dem Thema zu tun? Blonderhans, ich muss sie wieder warnen: Diese Plattform dienst der Diskussion der von den Autor*innen geposteten Beiträge. Nicht dem Posten Ihrer Beiträge. Alles klar?

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        Trotzdem, und meinetwegen soll das auch für Opa krempel gelten: Bitte beim Thema bleiben. Ceterum censeo nominem verum utilisandum esse.

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        APo: ‚Ceterum censeo nominem verum utilisandum esse.

        … ooops? … leider kann ich kein Latein. Was ist denn ein übergeordnetes Interesse? Oder möchten Sie Deutschland mit Karthago vergleichen? Brecht ’51; ‚das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr aufzufinden.‘

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        … der Tag hat gar nicht so viel Stunden für das was ich wissen möchte. Ich werde mich beschweren. Daher mach ich alles so ‚lörning bei duing‘. 😉

        Ich habe mir, beispielsweise, den lateinischen Text der Vulgata, auf der linken Seite und die Übersetzung von Allioli dazu auf der rechten Seite besorgt. ‚Kostprobe‘, Offb 16, 1-2; Et et audivi vocem magnam de templo, dicentem septem angelis: Ite, et effundite septem fialas irae Dei in terram.

        Et abiit primus, et effudit fialam suam in terram, et factum est vulnus saevum et pessimum in homines, qui habebant characterem bestiae, et in eos qui adoraverunt imaginem eius.

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    Ich finde es episch, dass Karl Marx, die Monarchie genauso verklärte wie Alexis de Toqueville, der die Monarchie bekanntlich als „gerechteste Staatsform aller Staatsformen“ benannte, die jedoch mit dem immer währenden menschlichen Bestreben nach Gleichheit unvereinbar war. Persönlich wünsche ich dem jungen Paar, die versuchen aus dem goldenen Käfig auszubrechen und ihr Leben frei zu gestalten, alles erdenklich Gute.

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    Eine konstitutionelle Monarchie mit fast keinen, schon gar nicht exekutiven Befugnissen des Repräsentanten ist sehr stabil. Marx in Ehren, aber er schrieb vor langer, langer Zeit.

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      Monika Frommel, Marx kann da wenig dafür, dass mensch Zitate zur Ableitung der Empirie heranzieht. Das gehörte zu den Berufskrankheit „marxistischer“ Theoretiker (statt Kritiker).
      Da Marx eine Zeit in der Londoner Bibliothek haust, wußte er um die Dauerhaftigkeit der Monarchie, die ja in den Zitaten auch gar nicht erwähnt wird. Oft hat man dieselben Zitate in Globalisierungsdiskussionen als eine Art „neoliberales Manifest“ gelesen, was geht. Der Soziologe Beck hat das getan. Aber Geschichtsgesetze formulieren Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, was geschehen kann und was nicht, nicht erklären sie unmittelbar die Wirklichkeit. Das Fallgesetz erklärt auch nicht, dass mir zu einer bestimmten Zeit ein Dachziegel auf den Kopf fällt, sondern wie der Ziegel in der Regel fällt, WENN er fällt. Aus den ökonomischen Bewegungsgesetz folgt nichts über die Monarchie, jedenfalls wüßte ich nicht, dass sie im Kapitalismus unmöglich ist. Dass sie nicht die Funkionen ausüben kann, die sie im Feudalismus oder Patrimonialherrschasft ausübte, ist doch schon eher triftig. Dass das auch ein Bundespräsident, nur nicht so schön, die Funktion einer Queen erfüllen, besagt aber nicht, dass es dann kein Köngtum mehr geben könnte. Die Grundidee von Alan Posener ist gut, aber etwas fehlt, die Idee ist gegen die Durchführung zu verteidigen.

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        Das Kommunistische Manifest, lieber Martin Blumentritt, ist kein ökonomischer Text, sondern ein politischer. Es beschreibt nicht die Wirkung von Gesetzen, sondern von Klassen. Und über die Bourgeoisie heißt es dort: „Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.“ Nix Dachziegel. Oder wenn, dann behaupten Marx und Engels: dem Bürger wird auf jeden Fall ein Dachziegel auf den Kopf fallen. Und nicht irgendeiner, sondern in Gestalt des Proletariats, das bei Ihnen nie eine Rolle spielt.
        Das Manifest enthält auch politische Forderungen, ich verweise im Zusammenhang mit der Riexinger-Debatte auf Punkt 8, „Gleicher Arbeitszwang für alle, Errichtung industrieller Armeen, besonders für den Ackerbau“.
        Noch einmal: Es wird Ihnen nicht gelingen, aus dem Aktivisten der Arbeiterbewegung Karl Marx den kontemplativen Dauerbesserwisser Sankt Märxlein zu machen. Marx kämpfte und irrte. Das macht ihn menschlich und groß.
        In mancher Hinsicht aber sah er die Dinge sehr richtig. Und er sah, dass man nicht gleichzeitig sich vermarkten und jene „frommen Schauer“ beanspruchen kann, die letztlich das Geheimnis der Monarchie sind. Des Geheimnisses aber entledigt, wird die Monarchie zu einer Last.

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        APo ./. M.B.: ‚In mancher Hinsicht aber sah er die Dinge sehr richtig. Und er sah, dass man nicht gleichzeitig sich vermarkten und jene “frommen Schauer” beanspruchen kann, die letztlich das Geheimnis der Monarchie sind. Des Geheimnisses aber entledigt, wird die Monarchie zu einer Last.‘

        … ich stimme zu. Nur was unterscheidet die praktizierte Demokratie ala Merkel und Genossen von einer Monarchie? Warum sollen Steuerzahler auf einen guten König, Kaiser oder Bundeskanzler/in hoffen?

        … anders; Aristokratie, die Herrschaft der Besten. Das ist doch eigentlich der Sinn, das Erstrebenswerte in einer Demokratie. Oder? Man muss es halt nur tun.

        Wer möchte schon vom Pöbel oder FDJ-Sekretärinnen regiert werden?

        Wie? … in dem das Wahlrecht und die ‚Politikfähigkeit‘, im Sinne von Verantwortung für die Gemeinschaft, beispielsweise erst ab dem 30.n und nur bis zum 60.n Lebensjahr gestaltet wird. Direkte Wahl, keine Einheitslisten, und, und, und, … und nicht wie in Hamburg letztens, ein Wahlrecht für Minderjährige und geistig Behinderte. Heraus kommen rot-grüne Schwafler. Wer will die wirklich?

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        Sie sollten Popper lesen, Blonderhans: Der Sinn der Demokratie liegt nicht darin, dass das Volk herrscht oder dass das Volk der Souverän ist, und schon gar nicht, dass die „Besten“ herrschen, sondern, dass es institutionalisierte Möglichkeiten gibt, die Regierung abzuwählen, also unblutig zu stürzen. Und darin, dass die Regierenden von Presse und Opposition ständig zur Verantwortung gezogen werden. Die Demokratie ist also ein Falsifizierungsmechanismus, wie die Naturwissenschaft.

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        Geschichtsgesetze gibt es nicht. Weshalb Marx als Wissenschaftler – als der er sich selbst ja verstand – gescheitert ist.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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        APo: ‚Der Sinn der Demokratie liegt nicht darin, dass das Volk herrscht oder dass das Volk der Souverän ist, und schon gar nicht, dass die “Besten” herrschen, sondern, dass es institutionalisierte Möglichkeiten gibt, die Regierung abzuwählen, also unblutig zu stürzen.‘

        … wenn Sie im Straßenverkehr rechts vor links durchsetzen wollen – was so etwas wie Vernunft darstellt – muss ‚geherrscht‘ werden. Wenn das Volk ‚herrschen‘ will, müssen die Besten des Volkes ‚herrschen‘. Wer sonst? Es bleibt die Frage, wie das erreicht werden kann. Ich habe nix dagegen wenn Sie mit Popper anfangen.

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        @Alan Posener:

        Gott sei Dank, noch jemand, der Popper re Demokratie gelesen und verstanden hat. Das einzig wirklich belastbare Argument für Demokratie :-).

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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        Muss auch eigentlich dieser Popper immer recht haben? Ist er nicht falsifizierbar?

        Von der Möglichkeit der Abwahl der Regierung, insbes. des Kanzlers (m/w/d), wird ja in Deutschland wenig gebraucht gemacht hat, da der Kanzler irgendwann als eine Art Ersatzmonarch verehrt wird.

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      … werter Alan Posener, wiederholt schreiben Sie, ich möge Popper lesen. Können Sie nicht in 1-2 Sätzen begründen was so toll an dieser Figur sein soll? … ‚offene Gesellschaft‘ klingt wie Puff.

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        Lieber Blonderhans, nein, das kann ich nicht. Sagen wir es so: Popper hat als Neukantianer eine Theorie zunächst der Naturwissenschaften, später der Demokratie entwickelt, die zu den einflussreichsten Theorien des 20. Jahrhunderts gehören. Googeln Sie mal. Wenn Sie bei der „offenen Gesellschaft“ an Prostitution denken, ist das eine Aussage über Ihren Geisteszustand, nicht über die Nützlichkeit des Begriffs. .

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    … vornweg, mir ist die Staatsform egal, ausgenommen Diktaturen. Dass Monarchie und Kapitalismus sich nicht ‚vertragen‘, kann ich nicht erkennen. Marx schreibt Quark. Gerade die konstitutionelle Monarchie in England – ich erinnere an Adam Smith – hat die Wirtschaft gefördert.

    … ich denke auch an den Zaren Peter 1. in Russland. Oder an Deutschland. Deutsch war, in der Zeit der Monarchie, die weltweit wichtigste Wissenschaftssprache.

    … die Staatsgewalt, nicht die Staatsform, ermöglicht eine freie Wirtschaft. Ohne Staat, in sicheren Grenzen [sic!], geht nix. Der Niedergang der ‚Deutschen Hanse‘, das war Kapitalismus pur, ist der Beweis.

    … meine ich.

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        … das hat damit zu tun, dass eine ‚freie Marktwirtschaft‘ nur unter Obhut staatlicher Gewalt funktionieren kann. Und ’staatliche Gewalt‘ ohne Staatsgebiet und ohne Verwaltungs- und Rechtsordnung geht gar nicht. Die ‚BRD‘ ist der Beweis.

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      Naja, blonderhans, an einigen Stellen sind Ihnen Ungenauigkeiten unterlaufen.
      1. Großbritannien hat sich mit Adam Smith lange Zeit reichlich schwer getan, und die während der Industrialisierung entstehende Klasse der „Industriebarone“ (übrigens auch in anderen Monarchien auf dem Kontinent) begann deutlich, dem sukzessive verarmenden Landadel gesellschaftlich den Rang abzulaufen (über Ludwig Wittgensteins Familie wurde gesagt, die seien Wittgenstein-Haben im Gegensatz zu Wittgestein-Sayn). Der alte Adel mochte über die Emporkömmlinge die Nase rümpfen (das tut er heute auch noch) – das dickere Konto hatten (und haben) die Industriellen.
      2. Deutsch war nicht die führende Wissenschaftssprache, sondern stand auf Augenhöhe mit dem Französischen. Im Russischen Reich und auch noch in der Sowjetunion bis zu Stalins Großem Terror war es verbreitet, in französischer Sprache zu publizieren, ebenso in Polen zwischen 1919 und 1939. Den Rang als führende Wissenschaftssprache büßte die deutsche Sprache auch nicht durch den Sturz der Monarchie 1918 ein, sondern durch das Wüten der Nazis, die alle jüdischen und demokratisch gesinnten Wissenschaftler in Exil trieben. Ein nicht geringer Teil der Wissenschaftler fand in Großbritannien und den USA eine neue Heimat und begann, in englischer Sprache zu publizieren.
      3. Im letzten Absatz führen Sie gerade Ihre Argumentation ad absurdum. In einem Land, das seine Grenzen dicht macht (wie die absoluten Monarchien, die auf Merkantilismus setzten), ist die freie Wirtschaft bald am Ende.

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    Ich teile Ihre Beurteilung des völlig verantwortungslosen Handelns zweier nicht sehr heller Personen vollkommen.
    Aber wenn wir beide nicht zu alt wären, um das Ergebnis noch zu erleben, würde ich Ihnen zu gerne eine Wette zu für mich ungünstigen Bedingungen anbieten: Es wird in 50 Jahren noch immer eine britische (dann vielleicht englische) Monarchie und den Kapitalismus (eine marktwirtschaftliche Ordnung) geben. Denn für beides ist das Verhalten von zwei Wohlstandsverwahrlosten völlig irrelevant.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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      Ich würde meinerseits die Wette nicht eingehen, und nicht nur deshalb, weil ich in 50 Jahren lange schon tot bin. Ich bin mir nämlich sicher, dass es in 50 Jahren den Kapitalismus noch gibt. Bei der Monarchie bin ich mir allerdings nicht so sicher.

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