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„Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat“ (Friedrich Nietzsche)

Von der  Dichterin Bettina von Arnim gibt es ein Gedicht, das eindringlich  beschreibt, was für den Menschen Heimat bedeutet:

Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Und könnt ich Paradiese überschauen,
Ich sehnte mich zurück nach jenen Auen,
Wo Deines Daches Zinne meinem Blick sich stellt,
Denn der allein umgrenzet meine Welt.

Der Mensch braucht anscheinend eine eng umgrenzte Welt, in der er sich heimisch und aufgehoben fühlen kann. Dazu gehört vor allem die Sprache der Region, aber auch die  Landschaft, in der man sich von Kindesbeinen an bewegt hat. Auch der Duft der Bäume und Wiesen, das Geräusch eines Flusses prägen sich als Heimatgefühl ein. Heimat  ist auch der Ort, an dem  die ersten menschlichen Beziehungen gewachsen sind, vielleicht die erste Liebe gefunden wurde.

Die tektonischen Verschiebungen bei den Wahlen zum Bundestag 2017 deuten darauf hin, dass es doch mehr Menschen gibt, die durch die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre  so etwas wie  einen Heimatverlust verspüren und die dagegen protestierten, indem sie einer rechtspopulistischen Partei die Stimme gaben. Schon am Wahlabend waren im Fernsehen interessante Zahlen  zu vernehmen. 60 Prozent der AfD-Wähler gaben an, diese Partei nicht aus Überzeugung zu wählen, also wegen ihres Programms, sondern um ihren Protest gegen die etablierten Parteien auszudrücken, vor allem gegen die Politik der  Großen Koalition. 90 Prozent der Befragten fürchten durch die Zuwanderung der letzten Jahre  einen Verlust der deutschen Kultur.  Diese Zahlen zeigen, wie unsinnig es wäre, wenn die demokratischen Parteien im neuen Bundestag nur mit dem Faschismusvorwurf  auf die AfD losgehen würden. Dies würde von den Sympathisanten und Wählern dieser Partei auch als Angriff auf sie selbst empfunden, zumindest als Beweis dafür, dass die demokratischen Parteien das Protestsignal immer noch nicht verstanden haben. Zum Respekt vor dem Wähler in einer Demokratie gehört auch, dass man sein Anliegen ernst nimmt. Die rote Linie zur AfD und ihren Parlamentariern sollte  dort gezogen werden, wo Vertreter dieser Partei, sei es in oder außerhalb des Parlaments, offen neonazistische Tiraden verkünden oder  strafbare Handlungen begehen (Volksverhetzung, Beleidigung, Holocaustleugnung, Aufruf zur Gewalt).

Ich war in den letzten drei Monaten viel im Lande unterwegs. Zuerst besuchte ich meine schwäbische Heimat. Die Städtetour führte mich in das Land der Staufer: Öhringen, Reutlingen, Schwäbisch Gmünd, Lorch,  Schwäbisch Hall und Ellwangen. Einen Monat später war ich in Baden und Rheinland-Pfalz unterwegs: Mannheim, Schwetzingen, Worms, Speyer,  Neustadt an der Weinstraße und Schloss Hambach. Ich erlebte den Alltag der Menschen in beschaulichen, schmucken Städten und Dörfern. Ich nahm an Wein- und  Heimatfesten teil und ließ mich in den Fußgängerzonen treiben. Da ich in diesen Städten auch Freunde traf, war es mir möglich, einen Einblick in die Mentalität der Menschen zu  bekommen, die in der Berliner Politik-Blase gerne  als die „Menschen draußen im Lande“ bezeichnet werden. Das Gute vorweg: Ich stieß in keiner der Städte auf ausdrückliche Fremdenfeindlichkeit. Dass die Menschen mit ausländischen Wurzeln gut integriert sind, kann man überall im Straßenbild feststellen. Im Migrantenmilieu hat sich ein Mittelstand, vornehmlich aus türkischen Mitbürgern, herausgebildet. Auch die Willkommenskultur im Jahre 2015 war, wie mir immer wieder versichert wurde, mit vielen freiwilligen Helfern vorbildlich.

Sicher spielt die Geschichte  der beiden Regionen eine Rolle bei der Ausbildung einer Kultur der gelassenen Toleranz. Da Baden dem von Napoleon gegründeten Rheinbund angehörte, entwickelte es sich fortschrittlicher und freier  als die anderen Reichsteile. Schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts  erhielt das Großherzogtum Baden eine  liberale Verfassung und wurde zur konstitutionellen Monarchie. Die Menschen in Preußen mussten  noch ein halbes  Jahrhundert  länger  darauf warten. Friedrich Schiller floh 1782 als junger Mann aus dem streng regierten Herzogtum Württemberg in das freiheitliche Kurfürstentum Baden.  Der badische Widerspruchsgeist ist heute noch in den immer wieder aufbrechenden Rivalitäten zum größeren württembergischen Bruder virulent, dem man nur auf Augenhöhe begegnen will. Aber auch die Schwaben können auf eine freiheitliche Tradition zurückblicken – weniger in der Politik als im Reich des Geistes und der Literatur. Jeder kennt die schwäbischen Geistesgrößen, auf die man im Ländle stolz ist:  Schelling, Hegel,  Schiller, Hölderlin, Mörike, Uhland und Kerner – Schubart nicht zu vergessen.  Ihr Wirken  hat  auf die Mentalität der Bevölkerung abgefärbt.

Jetzt die weniger gute Nachricht. Fast alle Menschen, mit denen ich gesprochen habe, sehen die Aufnahme der Flüchtlinge im Jahr 2015  kritisch. Dazu haben sicher die Begleitumstände der überstürzten Aufnahme im  Frühherbst 2015 beigetragen: zu wenige Unterkünfte für die Erstaufnahme, trotz vieler ehrenamtlicher Helfer   überforderte Behörden  und eine  sich allmählich ausbreitende Kriminalität. Eine Familie in Aalen erzählte mir, dass im benachbarten Ellwangen, wo in einer ehemaligen Kaserne eine Erstaufnahmeeinrichtung eingerichtet wurde, die Konflikte mit den Flüchtlingen so eskalierten, dass sie nur durch ständige Polizeipräsens zu dämpfen waren.  Sachbeschädigung, Alkoholismus und Ladendiebstähle hatten überhandgenommen. Wer Ellwangen kennt, kann ermessen, wie frustriert die Bürger waren, als sie erleben mussten, dass ihr  beschauliches  Städtchen zum Schauplatz von Randale und Kleinkriminalität geworden war. Dennoch erzielte die AfD im Wahlkreis Aalen-Heidenheim,   zu dem Ellwangen gehört, „nur'“ einen Stimmenanteil von 12,3  Prozent – weniger  als das Bundesergebnis dieser Partei.

Wie mir alle Gesprächspartner erzählten, haben nicht nur die Ereignisse der Silvesternacht in Köln die ursprünglich positive Stimmung zum Kippen gebracht. Sie wurde auch durch Sexualvergehen in der unmittelbaren Umgebung vergiftet. Täter waren  junge  Männer  aus den Flüchtlingsunterkünften. Sehr häufig wurde von den Menschen die Meinung vertreten, dass die meisten Probleme von Flüchtlingen aus muslimischen Ländern herrührten. Diese Kultur mit ihrer latenten Gewaltbereitschaft der Männer  und der häufig noch anzutreffenden Unterdrückung der Frau passe einfach nicht in unser liberales Land. Ein schwäbischer Verwandter – Lehrer von Beruf – stellte ein frappierendes Gedankenexperiment an: Wenn im Herbst 2015 eine Million Menschen aus asiatischen Ländern zu uns gekommen wären, wäre die Integration – von Anfangsschwierigkeiten abgesehen – weitgehend reibungslos über die Bühne gegangen. Ich konnte diesem Argument nicht  widersprechen, weil ich in der Schule mit  asiatischen Schülern nur beste Erfahrung gemacht habe.  Buddhismus und Hinduismus, die Duldsamkeit  und Harmonie lehren,  sind anscheinend auch bei der Integration der Menschen  in fremde Kulturkreise eine große Hilfe. Im Grunde ist es eine Tragik, dass eine beispiellose humane Geste, die sich Deutschland im Herbst 2015 geleistet hat, letztlich doch zu dem Ergebnis führt, dass sich viele Menschen  von der offenen Gesellschaft abwenden. Sicher spielt die hohe Zahl der Aufgenommenen dabei eine Rolle. Im Grunde kann man den Flüchtlingszuzug auch als gesellschaftliches Experiment begreifen, dessen Ausgang  skeptisch  (vielleicht auch pessimistisch) stimmen muss: Die Offenheit für Menschen aus anderen Kulturkreisen hat offensichtlich  ihre Grenzen.

Ich kam mir bei den Gesprächen, die ich führte, vor wie ein Abgesandter eines fremden Sternes, der „Globalisierung und Weltoffenheit“ heißt. Dabei musste ich feststellen, dass die von mir mit Engelszungen vorgetragenen Vorteile einer offenen Gesellschaft bei den Menschen nicht verfingen, weil sie durch das, was ich als positiv beschrieb, ihre Heimat und ihre Identität  bedroht fühlen. Das Heimatgefühl ist offensichtlich ein  tief wurzelnden Gefühl. Es rührt an archaische Regionen in der menschlichen Psyche, an Schutzreflexe und die Sehnsucht nach Geborgenheit. Ich musste erkennen, dass ich das typische Lebensgefühl der Menschen in den Metropolen vertrat, das auf dem Lande nur wenig Entsprechung findet. Viele der Menschen, denen ich auf dem Lande begegnete, verlassen  selten oder nie ihre engere Heimat, was verwundert, wenn man die ständig steigenden Fluggastzahlen unserer Flughäfen zur Kenntnis nimmt. Offenbar spaltet sich unser Land in Menschen, die ständig durch die Welt reisen, und solche, die der Heimat die Treue halten. Globalisierung findet bei ihnen nur im Fernsehen statt. Sie sitzen  staunend und irritiert  vor den Berichten über  Geschehnisse, die sich in unseren  Großstädten zutragen, seien es die Ausschreitungen in Hamburg während des G 20 – Gipfels oder die auf offener Straße ausgetragenen Bandenkriege in Berlin-Neukölln.

Die zunehmende Verflechtung der Welt und die Fortschritte in der europäischen Integration haben eine Gegenbewegung erzeugt, die man auf dem Land mit Händen greifen kann: eine trotzige Verteidigung der Heimat. Wenn der Nationalstaat im zusammenwachsenden Europa an Bedeutung verliert, wird die nähere Heimat als Ort der Identifikation und der Selbstvergewisserung anscheinend  umso wichtiger. Vielleicht kann man sagen: Nationalismus ist rückwärtsgewandt, weil er wieder zur Entzweiung der europäischen Völker führt. Lokalpatriotismus dagegen ist notwendig, weil er die Menschen mit supranationalen Prozessen und den Verwerfungen der Globalisierung aussöhnen kann. Wenn man die Menschen  ihrer  Heimat entfremdet, weckt man in ihnen den Widerstand, der sich in irrationalem Handeln – auch in problematischen Wahlentscheidungen – niederschlägt.

Vor allem  linke Parteien müssen  lernen, dass Heimatverbundenheit keine Spielart des Neonazismus ist. Teile der  Grünen sind in diesem Lernprozess schon gut vorangekommen. In Baden-Württemberg haben die Grünen auch deshalb  den Status einer Volkspartei erreicht und bei Wahlen Traumergebnisse erzielt, weil sie das typisch  Schwäbische kultivieren,  es nicht als hinterwäldlerisch denunzieren. Der Sprachgebrauch einiger  Grüner klingt sogar recht mutig, wenn sie sagen, die Grünen seien eine „moderne Heimatpartei“ (Robert Habeck und Katharina Fegebank  aus dem hohen Norden der Republik). In keinem anderen Bundesland gibt es übrigens  größeren Widerstand gegen neue Windräder als in Baden-Württemberg, vor allem in den landschaftlich schönen Regionen wie der Schwäbischen Alb und dem Schwarzwald. Auch das ist Verteidigung der Heimat.

Provinz gibt es aber  auch im deutschen Osten. Dort hat die AfD Traumergebnisse erzielt. In Sachsen wurde sie mit 27 Prozent  sogar zur stärksten Partei. Zu diesem Thema fällt mir freilich nichts Neues  ein.  Ich zitiere deshalb nur ein  Gedicht von Wolf Biermann:

Die Einheit geht schon ihren Gang                                                                                                     unterm Milliardenregen.                                                                                                                        Wir werden schön verschieden nass.                                                                                                        Weh tut die Freiheit und macht Spaß,                                                                                                    ein Fluch ist sie, ein Segen.                                                                                                                   Heimweh nach früher hab ich keins                                                                                                         nach allen Kümmernissen.                                                                                                                                Deutschland Deutschland ist wieder  eins.                                                                                              Nur ich bin noch zerrissen.

Was folgt  aus all den  Reiseeindrücken?  In der Provinz lebenden Deutschen  darf  man nicht  das Etikett  rassistisch oder fremdenfeindlich anheften. Sie verteidigen ihre Heimat, wie man  das verteidigt, was einem lieb und wert ist. Dieses Gefühl sollte man respektieren. Für die  Flüchtlingspolitik hieße das, den Zuzug wirklich auf diejenigen Menschen zu beschränken, die asylberechtigt sind, weil sie in ihrer Heimat verfolgt werden. Die Aufnahme ganzer Heerscharen von Menschen aus Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten muss zeitlich klar  limitiert sein. Sie sollten bleiben dürfen, solange der Konflikt anhält.  Die Armuts- und Arbeitszuwanderung, die sich in den letzten zwei Jahren mit der Asyl-Zuwanderung vermischt hat, sollte künftig über die  Quotenregelung eines Einwanderungsgesetzes geregelt werden. Das ist eines der dringlichsten Projekte der bevorstehenden Jamaika-Koalition.

Die Menschen, „die hart arbeiten und sich an die Regeln halten“, wünschen sich vor allem, dass künftig die  Gesetze und die Regeln des Zusammenlebens  von allen eingehalten werden. Innere Sicherheit und soziale Sicherheit sind  zwei Seiten einer Medaille. Man kann in einem Land nur „gut und gerne leben“, wenn man nicht fürchten muss, Opfer einer  Straftat zu werden. Das könnte ein Minimalkonsens aller demokratischen Parteien im neuen  Bundestag sein.

 

 

 

21 thoughts on “„Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat“ (Friedrich Nietzsche)

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    … die *Schweizer Presse* ist für mich heute das, was früher das *Westfernsehen* war.

    Niemand trägt mehr Verantwortung für die Pulverisierung der CDU, einer der einst mächtigsten und solidesten bürgerlichen Parteien Europas, als Angela Merkel.

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    Noch was:
    Herr Werner Sie haben meinen vorletzten Beitrag nicht freigeschaltet, geht dieser auch verloren, werde ich auf keiner Ihrer Beiträge mehr antworten.

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    Was Sie hier schreiben, Herr Werner, sind für mich, AfD-Wähler aus der schwäbischen Provinz, Binsenweisheiten.
    Aber schön, dass nun auch in Berlin das Klingeln des Weckers gehört wurde. Begehen Sie nun bloß nicht den Fehler sich auf die Seite zu drehen und weiter zu dösen. Vielleicht wird Jamaika kommen, und wenn dann die Bayernwahl für die CSU verloren geht, macht man halt dort auch Jamaika. Sie können noch eine ganze Weile weiterdösen. Nur wird dann irgendwann einer brüllend im Schlafzimmer stehen, der Sie nach Gauland und Höcke zurück sehnen lässt. Spätestens dann wenn, wie schon seit biblischen Zeiten bekannt, auf die sieben fetten Jahre die sieben mageren folgen. Der aktuelle Wirtschaftsboom wird mal enden und in eine Rezession übergehen, die Härten für den einzelnen Bürger mit sich bringen.

    Die Lösung:
    Stellvertretend für viele zitiere ich einen Mann von meinem Stammtisch, Facharbeiter, zwei erwachsene Kinder, abbezahltes Haus, solider schwäbischer Mittelstand.
    „Die haben uns bei Euro angelogen und bei den Flüchtlingen und lügen jetzt beim Familiennachzug. Ich wähle alternativ.“
    Ohne Auswechseln der politischen Führung ist das verlorene Vertrauen nicht zurück zu gewinnen. Irgendwelche Kompromisse um komplizierte Obergrenzen werden nichts bringen.

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    Alle reden um den heißen Brei herum, auch Sie, Herr Werner, wenn Sie den Heimatverbundenen die Vorteile von Weltoffenheit predigen, denn sehr viele sehr Heimatverbundene sind gleichzeitig weltoffen, ja, waren oft jahrelang im Ausland und kehren zurück.

    Ich kenne einen 2015 irgendwie hierhergemachten christlichen Afrikaner. Er spricht schon recht gut deutsch, lacht oft, streichelt unseren Hund und ist beliebt. über Integration denkt man bei dem Mann nicht mal nach.
    Mehr sage ich dazu nicht.

    Das nicht ausgesprochene Problem ist der Elefant im Raum, den jeder ignoriert. Der Wähler aber sieht ihn natürlich. Und Oskar Lafontaine auch. Auch Wagenknecht oder Palmer. Spahn. Einzelne, die sich trauen, ihn anzusprechen. Die anderen denken wohl, es sei nur ein alter Hut. Damit kommt man nicht weiter.
    Ja doch, Sie haben es angedeutet mit den Asiaten.

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      Oleander, es wurde nun schon bis zur Erschöpfung – hier und an 1000 anderen Stellen – über „den Islam“ diskutiert, analysiert, kritisiert, geschimpft und gejammert – von allen, sogar von mir. Irgendwann hat man dazu keine Lust mehr. Insgesamt gesehen ist es ungefähr das falscheste, was man überhaupt sagen kann, wennn man wie Sie sagt, dass alle um den heißen Brei herumreden würden. Im Gegenteil: Alle sind vom Islam fixiert und starren drauf wie das Kaninchen auf die Schlange. Dabei haben wir ganz andere Probleme (z.B. Bildung bei den Gläubigen).
      Soll man jetzt pausenlos sagen, dass einem die Gläubigen im Allgemeinen und die Muslime im Speziellen auf die Nerven gehen? Wozu soll das gut sein? Die rücken sowieso nicht vom glauben ab, und aus dem Land werfen können Sie die sowieso nicht, nur weil sie an das vermeintlich Falsche glauben. Zumindest nicht ohne massiven Heimatverlust. Denn zu meiner Heimat wenigstens gehört Religiosnfreiheit dazu, ist sogar extrem stark grundgesetzlich geschützt. D.h. dann muss ich eben mit dem Islam leben, statt irgendwelche Pegida-Demontrationen zu veranstalten, und unsere Politiker sowieso, denn von denen sollte man doch verlangen, dass sie sich auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen und also niemanden wegen seiner Religion benachteiligen. Ich will auch nicht, dass mir irgendjemand in meinen privaten Glauben oder Nichtglauben hineinredet. Wieso sollte ich dann anderen hineinreden? Was du nicht willst das man dir tu das füg… usw. (Und jetzt kommen Sie bitte nicht mit dem Bödsinn, der Islam wäre gar keine Religion.)

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        Nachtrag: im Artikel von Herrn Werner geht es mal ausnahmsweise nicht um Ihren Elefanten (eigentlich eine Schlange, die Sie fixiert und blind macht) „den Islam“. Wenn Sie sich an Herrn Gauland erinnern, dass angeblich die meisten „einen Boateng“ nicht als Nachbarn haben wollen und hinzunehmen, dass Herr Boateng meines Wissens ein Christ ist (wobei das vollkommen wurst ist), dann sollten Sie in der Lage sein zu erkennen, dass es außer „Islam“ noch ein anderes Problem gibt. Es hängt mit der dunklen Haut des Herrn Boateng zusammen. Mag sein ,dass die AfD-Leute immer, wenn es argumentativ eng wird, sagen, alles sei „der Islam“, aber das ist eine faule Ausrede. Die Herrschaften sind Rassisten aus Angst.

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        …in die unerfüllbare Kette der u.g. egozentrischen Wünsche gehört aber unbedingt noch: „Ich bin Christ (oder glaube an xy), und alle um mich herum sollen auch Christen sein (oder an xy glauben), sonst werde ich wütend!“

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        R.Z.: ‚…in die unerfüllbare Kette der u.g. egozentrischen Wünsche gehört aber unbedingt noch: „Ich bin Christ (oder glaube an xy), und alle um mich herum sollen auch Christen sein (oder an xy glauben), sonst werde ich wütend!“

        … ich wünsche mir die Präambel im GG, ‚Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, … ‚ Ich meine sogar das darf ich verlangen, denn schließlich beginnt so das Grundgesetz.

        Persönlich bitte ich für alle, im Vaterunser beispielsweise. Ansonsten, werter R.Z., gilt der heilige Aurelius Augustinus: ‚Der Glaubensakt ist schlichtweg unmöglich, außer er ist freiwillig.‘

        Oder hier: … homo credere non potest nisi volens.

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        … ooops? Korrektur, Formatierungsfehler.

        R.Z.: ‚…in die unerfüllbare Kette der u.g. egozentrischen Wünsche gehört aber unbedingt noch: „Ich bin Christ (oder glaube an xy), und alle um mich herum sollen auch Christen sein (oder an xy glauben), sonst werde ich wütend!“

        … ich wünsch(t)e mir die Präambel im GG, ‚Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, … Ich meine sogar, das darf ich verlangen, denn schließlich beginnt so das Grundgesetz. [sic!]

        Persönlich bitte ich für alle, im Vaterunser beispielsweise. Ansonsten, werter R.Z., gilt der heilige Aurelius Augustinus: ‚Der Glaubensakt ist schlichtweg unmöglich, außer er ist freiwillig.‘

        Oder hier: … homo credere non potest nisi volens.

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    Ziegler@ hat recht. Die Männer in diesen Bundesländern haben ihre eigene Form der Wahrnehmung. Vielleicht sind die aktiveren Frauen auch deshalb in den Westen ausgewandert oder haben sich einen WESSI gesucht. Tja
    An „Heimat“ denke ich oft, wenn ich die vielen Flüchtlinge oder Obdachlose sehe. Was die Männer aus Sachsen betrifft, da denke ich an deren engstirnige Welt und daran, dass die jungen Frauen sich schon vor 20 Jahren in den Westen aufgemacht haben. Nu sind sie unter sich. Dresden ist eine Touristenstadt geworden. Vor der Wende war es grau und sah aus, als wäre der Weltkrieg erst vorgestern gewesen.
    An Nietzsche denke ich dabei sicher nicht. Er hatte europäische Träume und keine Freude an der Enge. Für Nietzsche war Heimat alles andere als eine „eng umgrenzte Welt“. Denn aus der geistigen Enge (erstarrter evangelischer Habitus Ende des 19. Jh) und der Doppelmoral kam er und hasste beides. Er liebte helle Städte wie Genua, magische Orte wie Sils Maria, reiste viel und fühlte sich kulturell als ein seiner Zeit voraus eilender Europäer (vor der politischen Idee Europas und vor der fiskalischen Einheit des „Euro“).
    Was nun die Sicherheit betrifft. Das ist ein Fehlschluss. Rechte reden eben gerne von der „Inneren Sicherheit“ – ohne solide Kriminologie. Es gab in der Vergangenheit ein Problem mit der Inneren Sicherheit. Mehr Sicherheit für Polizisten bei den Hamburger Krawallen und der Aggressivität des Schwarzen Block!, tja – das hat sicher der SPD in HH geschadet. Hat aber nichts mit der AfD zu tun. Wenn Organisatoren wie die beiden Anwälte und die Dame von der „Ingterventionistischen Linke“ nun ein Strafverfahren bekommen, dann ist das sicher eine Reaktion – auch angesichts der Wahlen (denn erst einige Tage danach konnte ich diese Notiz im Hamburger Abendblatt lesen).
    Aber einmal abgesehen von diesem extremen Ereignis: Noch nie waren Frauen so sicher vor Vergewaltigung wie in den letzten 10 Jahren, und Köln 2015 ist nach wie vor ungeklärt (wie viele Falschanzeigen???). Die Agitatorinnen solcher Kampagnen müssen schon sehr unbelehrbar sein und sehr viel von einem massenhaft eingesetzten Strafrecht halten, wenn sie meinen, jedes Grapschen sei eine strafwürdige Straftat, die vor Amtsgerichten verhandelt werden müsse (Dass das nicht geht, ist klar, aber nicht alles, was unverschämt ist, gehört vor Gericht).
    Es gibt aber Fälle, die neueStrategien erfordern: Es ist tatsächlich furchtbar, was einige Kriminelle sich hier leisten. Sie kommen häufig aus Afganistan, gelegentlich auch aus anderen Ländern, aus denen junge Männer in Gruppen geflohen sind oder einfach nur abgehauen aus Frust…. Derartige Kriminelle müssen – nach einem ordentlichen Verfahren – auch tatsächlich abgeschoben werden und auch wissen, dass damit die Duldung, auf die sie setzen, beendet ist. Das muss strikt geschehen, auch wenn ihr Heimatland „unsicher“ sein sollte; denn wir wollen nicht, dass hier eine importierte Unsicherheit um sich greift. Das war es aber auch, was wir an Problemen der Inneren Sicherheit lösen müssen. Es hat mit Flüchtlingspolitik nur insofern etwas zu tun als es einige Bundesländer gab, die extrem ineffektiv waren. Das war unverantwortlich und wird sich hoffentlich ändern (etwa in NRW). Nach den Wahlen kann man einen Neuanfang starten (und etwa den Grünen klar machen, dass sie wegen Kretschmann und einigen wenigen seines Kalibers gewonnen haben, nicht aber wegen hohler Phrasen).
    Nun zurück zum Gedicht: „Heimat“ war in der Frühromantik kein engstirniger Begriff, sondern ein Gefühl. Das haben wir, wenn wir uns in schönen Landschaften bewegen. Das sollten wir betonen, wenn „billiger“ Wohnraum versprochen und hässliche Städte und Landschaften geplant werden oder vorhandene Grünflächen verwahrlosen.

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    die Beobachtungen habe ich auch gemacht: Die AfD ist ein kulturelles Problem, gerade auch im Osten. Das hat mit Geld eigentlich nichts zu tun, aber nichts mit Sicherheit, wie viele glauben. Viel hat es dagegen mit der Jugend im DDR-Staat und dem massiven Nachrichtenkonsum übers Internet zu tun. Wenn Heimat, wie Sie sagen, dies bedeutet: „die Landschaft, in der man sich von Kindesbeinen an bewegt hat. Auch der Duft der Bäume und Wiesen, das Geräusch eines Flusses prägen sich als Heimatgefühl ein“, dann muss man doch überlegen, wodurch diese Dinge bedroht werden. Durch Flüchtlinge? Was ahben die mit dem Duft der Bäume zu tun? Ihre Gesamtanzahl ist ein verschwindender Bruchteil der Bevölkerung (sofern man sie in ihren ausgelagerten Wohncontainern überhaupt zur Bevölkerung zählen kann). Vielleicht nicht eher z.B. durch Straßenbebauung, Flussbegradigungen, Einfamilienhäuserparks, Fluglärm oder Windräder?

    Außerdem muss man ja nicht gleich die Abschaffung der Heimat befürchten, wenn man Flüchtlinge vorübergehend aufnimmt oder nationalstaatliche Kompetenzen an die EU abgibt. Wenn mans etwas tiefer hängt, wird es vielleicht eine Veränderung geben, aber keine Abschaffung. Vielleicht lässt sich diese Veränderung der Heimat ja ertragen, wenn man einsieht, dass diese Veränderungen nötig sind, beispielsweise um mehr Geld zu bekommen. Außerdem ist nicht alles besser, nur weil es früher war – eine Veränderung kann also auch etwas Gutes bewirken. Mir scheint, das Problem besteht einerseits aus einem sentimentalen Konservativismus und andererseits aus einem unverstandenen und unlösbaren Konflikt: aus unerfüllbaren und sich gegenseitig blockierenden Wünschen, z.B. „ich möchte eine unveränderte Heimat haben, wie ich es in der Jugend hatte!“ und „ich möchte mein Geld durch meiner Hände Arbeit verdienen!“ und „ich möchte genügend Geld verdienen, um meinen gigantischen Flachbildfernseher, mein Auto, meinen Orlaub, mein teures Smartphone und den ganzen Rest zu bezahlen, ohne den ich unglücklich wäre!“. Solche Wünsche sind eine einzige Kette von Teilsätzen, die alle mit „ich“ anfangen. Kein Wunder, dass man da eine furchtbare Wut entwickelt und auch gleich die Sündenböcke (Flüchtilinge und „die Politik“, resp., weils perönlicher ist, „Frau Merkel) parat hat. Ohne Euro und EU gibt es aber keinen Flachbildschirm, das sollte man sich schon klarmachen. Und die Flüchtlinge mit ihren konkreten Schicksalen haben mit dem wenigsten von alldem zu tun. Was soll man sagen, wenn man mit sowas auf Unverständnis stößt! Vielleicht: Wenn die Leute das nicht einsehen und nicht verstehen wollen, was mit ihnen los ist, dann liegt das an den Leuten.

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      R.Z.: ‚Die AfD ist ein kulturelles Problem, gerade auch im Osten.‘

      … nix für ungut, werter R.Z., Sie schreiben Quark. Zunächst ist der AfD Gründer ein ‚Wessi‘, zudem sind die Wahlerfolge der AfD in Bayern und man lese und staune in Duisburg-Marxloh, ähnlich östlich der ehemaligen Demarkationslinie.

      Ich schreibe Ihnen wie das Entsetzen des politischen Establishments begründet ist. Menschen östlich der ehemaligen Demarkationslinie Deutschlands haben sich ihre Demokratie, ihre Freiheit, ’89, nach mehr als 56 Jahren sozialistischer Diktatur, selber erkämpft. Davon kann der gemeine Wessi nur träumen. Sozis, haltlose Gestalten, opportunistische Nutznießer, konformistische Emporkömmlinge – genau bestimmbare Repräsentanten des ‚BRD‘-Systems – sind Daher! nach dieser Bundestagswahl, völlig aus dem Häuschen. Panik im sozialistischen Lager also. Gut so. Das vergangene Jahrhundert in Schutt und Asche genügt. Nie wieder Sozialismus!

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        Da ist was dran, bonderhans: die Leute im Osten haben einmal die Erfahrung gemacht, wie es ist, seinen Staat beiseite zu fegen. Das gibt einem ein tolles Gefühl, man ist plötzlich mächtig! Zwar wurde man damals durch den westdeutschen Staat weich aufgefangen, aber egal, es hätte ja noch viel weicher sein können, also man will die Erfahrung wiederholen und auch diesen Staat wegfegen, genauso wie mans schon beim ersten gemacht hat. Man macht Pegida. Es geht dabei um Selbsterfahrung.
        Aber wer wird einen dann auffangen? Russland? Vielleicht sollten die Leute lieber etwas Yoga machen.

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        … R.Z., die Entscheidung wo Sie stehen, wohin Sie gehen, wird Ihnen keiner abnehmen. Das hatten wir schon ‚mal, ‚… geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit und viele gehen auf ihm. 14 Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dahin ist schmal und nur wenige finden ihn.‘

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    … die EUdSSR/Merkel-‚BRD‘: Abtreibung, Kinderarmut, Drogenhandel, Islam, staatsfinanzierte Islamisten, Mehrfach-Ehen, Vollverschleierung, genderneutrale Unisex-Toiletten, freier Cannabis-Verkauf, Kindersex, Scharia-Gerichtsbarkeit, Hassprediger, steuerfinanzierte Antifa-Angriffe gegen andersdenkende, multikriminelle Familienclans – Rote Flora, Berlin-Neukölln, Silvester Köln, Duisburg-Marxloh, Anis Amri, Armlänge Abstand – No-Go-Areas und so weiter und so fort.

    Meine Heimat. Finde the diff..

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      Alles richtig, aber bei Tucholskys Worten, die Sie zitiert haben, bin ich mir nicht sicher, ob er sie seinerzeit nicht als „Ablenkungsmanöver“ zu Papier gebracht hat.

      Mir ist kein einziger Linker bekannt, der auch nur einen Hauch Patriotismus empfindet. Sie sind zu solch Transzendentem, Höherem nicht geschaffen, weshalb sie wohl auch nicht ernsthaft religiös sein können.

      Diese Leute sind allesamt nur ihrer Ideologie gegenüber loyal – dies allerdings in einem Maße, über das der Jesuitenorden, ja sogar der alte Assassinenorden aus dem Orient, nur so gestaunt hätte – und ja, sie scheinen diese Ideologie sogar zu lieben. Gibt sie ihnen doch (wenn auch falsche) Antworten auf ausnahmslos jede Frage, die sich in ihrer Existenz stellt.

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        Tucholsky war widersprüchlich. Mir gefällt sein Text zu – Heimat. Auch Rheinsberg, z.B.. Wäre er perfekt, wäre er Katholik. 😉

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        Das Komischste an der Debatte ist, warum niemand fragt: „Warum eigentlich Einwanderung?“ Sie bringt uns nur Nachteile, und ich würde mich freuen, wenn ich, wie früher, tagelang keine Starkpigmentierten u. a. mehr sehen müßte. Ziegler wird jetzt natürlich wieder hyperventilieren, aber diese Völker gehören vom humanbiologischen Standpunkt, den man früher „rassisch“ nannte, und kulturell einfach nicht nach Europa. Punkt.

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