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Eine Meldung und ihre Geschichte

Wie schlampiger Journalismus denjenigen in die Hände arbeitet, die den Klimawandel leugnen oder herunterspielen. Ein Lehrstück in drei Akten.

Erster Akt: Die Meldung

Die Meldung der „Tagesschau“ am 9. September 2017 war alarmierend: „Nordsee erwärmt sich schneller als Ozeane“, so die Überschrift. Im Text hieß es dann u.a.: „Die Nordsee hat sich in den vergangenen 45 Jahren doppelt so schnell erwärmt wie die Ozeane. Die Durchschnittstemperatur der deutschen Nordsee stieg um 1,67 Grad, während es bei den Ozeanen 0,74 Grad waren. Das geht aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor, die der ‚Neuen Osnabrücker Zeitung’ vorliegen. Die Regierung beruft sich auf Zahlen des Weltklimarates IPCC und des Alfred-Wegener-Instituts bis zum Jahr 2010.“

Weiter hieß es bei der „Tagesschau“: „Die Grünen fordern Gegenmaßnahmen: ‚Die Klimakatastrophe schreitet voran, auch wenn US-Präsident Donald Trump sie leugnet oder Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz sie aussitzen’, sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden der ‚Neuen Osnabrücker Zeitung’.“

Die Meldung wurde umgehend von fast allen deutschen Medien aufgegriffen, so auch von der WELT unter der Überschrift: „Nordsee erwärmt sich doppelt so schnell wie Ozeane“.

Dabei waren die Ergebnisse, auf die sich das Ministerium beruft, nicht neu. Die zitierten Messergebnisse der „Biologischen Anstalt Helgoland“ (BAH) waren schon 2012 Gegenstand eines Artikels in der „Süddeutschen Zeitung“.

Zweifellos aber war die Wiederauflage der mehr als fünf Jahre alten Meldung, diesmal in Gestalt der Antwort auf eine von Julia Verlinden – Sprecherin der Grünen im Bundestag für Energiepolitik – gestellte Parlamentarische Anfrage, die Verlinden – Spitzenkandidatin der Grünen in Niedersachsen – der „NOZ“ dann „exklusiv“ zukommen ließ, eine gute Wahlkampfhilfe für die Grünen, denen es im Vorfeld der Bundestagswahl bisher nicht gelungen ist, ein eigenes Profil zu entwickeln.

Zweiter Akt: Die Kritiker

Nicht zuletzt deshalb rief die Meldung Kritiker auf den Plan, allen voran die von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning betriebene Website „Kalte Sonne“, die das gleichnamige Buch der beiden Autoren bewirbt. Vahrenholt und Lüning sind der Ansicht, dass die beobachtete Erwärmung der Erde in den letzten Jahrzehnten (die sie nicht leugnen) nicht Ergebnis des vermehrten Vorkommens menschengemachter Treibhausgase in der Atmosphäre ist, sondern eines natürlichen Zyklus, vor allem der Strahlungsintensität der Sonne, die bereits – daher „Kalte Sonne“ – in eine weniger strahlenintensive Phase eingetreten sei, weshalb die Erderwärmung trotz zunehmender Treibhausgase seit geraumer Zeit zum Stillstand gekommen sei: „Die Klimakatstrophe findet nicht statt.“

Nun fehlt mir das Fachwissen, um zu beurteilen, wie seriös die These der Autoren ist. Wohl aber kann ich – nach eigener Recherche, über die ich unten berichten werde – beurteilen, wie sie in diesem konkreten Fall gearbeitet haben, nämlich mindestens so schlampig wie die Journalisten, auf die sie sich beziehen.

Es ist ja klar, dass jede Meldung über einen weiteren Anstieg globaler Temperaturen, egal wo, ob in der Arktis, der Antarktis oder in der Nordsee, den Autoren von „Kalte Sonne“ suspekt sein muss, weil sie tendenziell ihre Theorie vom Stillstand der Erwärmung falsifiziert. Wenn trotz verminderter Strahlungsintensität die Erderwärmung weitergeht, dann muss ja etwas dran sein an der Theorie von der Verstärkung des – von Natur aus vorhandenen – Treibhauseffekts durch menschliche Einwirkung.

Es ist auch klar, dass Vahrenholt und Lüning – wie allen Kritikern der Theorie vom hauptsächlich menschengemachten Klimawandel und der sich daraus ergebenden Politik – daran gelegen sein muss, die Bundesregierung zu diskreditieren, die sich einer ambitionierten (und teuren) „Energiewende“ verschrieben hat. Daher überrascht es nicht, dass sie einen Artikel unter der Überschrift veröffentlichten: „Bundesumweltministerium blamiert sich: Nordsee erwärmt sich NICHT schneller als die Ozeane“.

Vahrenholt und Lüning leugnen nicht, dass sich die Ozeane in den letzten 45 Jahren erwärmt haben; das führen sie, wie gesagt, auf den Zyklus der Sonneneinstrahlung zurück. Jedoch zeigen die von ihnen wiedergegebenen Graphen, dass die Erwärmung der Nordsee in etwa jener der anderen Ozeane entspricht. Fazit: „Das Bundesumweltministerium und die darüber berichtende Tagesschau tricksen hier, dass sich die Balken biegen.“

Ähm, nein.

Dritter Akt: Recherchieren statt Ideologisieren

Es hätte Vahrenholt und Lüning gut angestanden, zu prüfen, was das Ministerium wirklich gesagt hat, bevor sie von einer Blamage und von Tricksereien sprachen. Das ist nicht schwer. Ich habe mir die Antwort auf die Parlamentarische Anfrage zukommen lassen und habe außerdem das Ministerium um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten.

Andreas Kübler, Pressesprecher des Ministeriums, schrieb mir:

„Die Bundesregierung hat sich in der Beantwortung der schriftlichen Frage auf Messdaten für das Gebiet der deutschen Nordsee beschränkt. Für die deutsche Nordsee liegen verlässliche Daten erst seit Mitte der 1960er Jahre vor. Diese werden im Rahmen des Messprogramms des Alfred-Wegener-Instituts auf Helgoland erfasst.

Die von www.kaltesonne.de verwendete Grafik bezieht sich auf die gesamte Nordsee und enthält zudem auch weniger verlässliche, auf Modellen beruhende Daten. Bei der von uns zitierten Studie (Wiltshire et al. 2010) handelt es sich um die letzte uns bekannte Gesamtauswertung dieser Datenreihe zur deutschen Nordsee. Daher ist der Zeitraum ab 2010 in unserer Beantwortung nicht enthalten.

Der auf www.kaltesonne.de zitierte Bericht (Quante & Colijn 2016) ist der Bundesregierung vollumfänglich bekannt, bezieht sich jedoch auf die Nordsee insgesamt und wurde daher aus oben genannten Gründen nicht für die Darstellung bisheriger Messreihen herangezogen (s. Fußnote 3 in der Beantwortung der schriftlichen Frage).“

Die Angaben des Ministeriums stimmen. Es steht so in der Antwort.

Schauen wir uns darum noch einmal die Meldung der „Tagesschau“ an: „Die Nordsee hat sich in den vergangenen 45 Jahren doppelt so schnell erwärmt wie die Ozeane. Die Durchschnittstemperatur der deutschen Nordsee stieg um 1,67 Grad, während es bei den Ozeanen 0,74 Grad waren.“ DAS ist in der Tat Trickserei – oder, was ich eher vermute: Schlamperei. Denn die richtige Meldung über die Durchschnittstemperatur der deutschen Nordsee wird angekündigt als Meldung über die Nordsee insgesamt.

Der guten Ordnung halber habe ich auch beim Alfred-Wegener-Institut (AWI) nachgefragt, ob Daten für die Zeit nach 2010 vorliegen, die womöglich aus anderen als den angegebenen Gründen vom Bundesumweltministerium unterschlagen worden seien.

Hier die Antwort von Frau Folke Mehrtens, Pressesprecherin des AWI:

„Die Jahresmittelwerte der Wassertemperatur auf Helgoland betrugen ab 2008:

2008: 11.05°C
2009: 10.81°C
2010: 9.73°C
2011: 10.53 °C
2012: 10.52°C
2013: 10.02 °C
2014: 11.69 °C
2015: 11.37 °C
2016: 11.78 °C

Das Jahr 2016 war übrigens das wärmste seit Beginn der Langzeitdatenreihe Helgoland Reede, die das Alfred-Wegener-Institut auf Helgoland seit 1962 betreibt.“

Wie es scheint, hält die Erwärmung der deutschen Nordsee trotz einer kurzen Abkühlungsperiode 2010 – 2013 an. Natürlich ist ein Zeitraum von drei Jahren zu wenig, um zuverlässig einen Trend zu extrapolieren. Deshalb habe ich das Wort „scheint“ verwendet. Auch die sechs Jahre seit 2010 (die für das Schelfmeer um Helgoland einen starken Anstieg der Temperaturen verzeichnen) sind dafür zu wenig. Wenn auch nicht für Vahrenholt und Lüning, die aus einem Rückgang der Temperaturen in den Weltozeanen in diesem Zeitraum messerscharf schließen: „Die „Klimakatastrophe findet nicht statt“. In der deutschen Nordsee spricht – um es vorsichtig auszudrücken – nichts für diese These.

Kurzum: Schlechter Journalismus und ideologiegetriebene Propaganda arbeiten sich in die Hände. Ein kleines Beispiel nur, aber vielleicht ein erhellendes.

29 thoughts on “Eine Meldung und ihre Geschichte

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    „Sie lässt die Leidenschaft der andern sich verbrauchen und wartet geduldig, bis sie sich verbraucht haben oder in ihrer Unbeherrschtheit eine Blöße geben: dann erst stößt sie unerbittlich zu.“
    Aus der WELT, Posener: Merkels Maß an Frechheit ist bewundernswert

    Gibt es viel in der Tierwelt. Eigenschaften eines raumfordernden Raubtiers, siehe FDP-Ergebnis 2013, SPD aktuell, CSU/CSU aktuell.
    Wir bräuchten aber in solchen Zeiten einen wie Baghira, jemanden der nicht seine Macht in den Mittelpunkt stellt, sondern das Wohl des Landes und hier zuerst seiner Staatsbürger und auch seiner Partei. Empfehle Martenstein, Tagesspiegel.

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    Die Frage der Klimaerwärmung und alle damit zusammenhängenden Fragen übersteigen meine Ausbildung, meinen intellektuellen Horizont und meinen Willen, diesen zu erweitern. Das trifft auch auf andere existentielle Fragen zu. Das macht mich nicht zu einem faulen Bürger, sondern zu jemand der weiß, wann er Rat braucht. Deswegen gibt es den medialen Wettstreit der Schreihälse und deswegen ist eine gewisse Hygiene in Art und Weise der Präsentation wichtig, damit, wenn man in Wahlen gefragt wird, eine gewisse Sicherheit in der Auswahl der Ratgeber besteht. Die Art und Weise, wie ein Diskurs geführt wird, ist in einer repräsentativen Demokratie eine Systemfrage. Meinungsfreiheit, im Sinne von Hetze und Diffamierung, ist erlaubt, sollte aber niemals als bürgerliches Engagement gesehen werden.

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    Lieber Herr Posener,
    hätten Sie auch über die falsche Meldung der Tagesschau(u.a.) berichtet, wenn die Kritiker stumm geblieben wären? Versuchen Sie das doch mal bitte so zu sehen:
    Es gibt hier zwei wesentliche Behauptungen von der Tagesschau:
    1. Die Temperatur der Nordsee steige stärker als anderswo.
    Bei kaltesonne.de wird diese falsche Meldung der Tagesschau in einen korrekten Zusammenhang gestellt und korrigiert. Die von der Tagesschau heute noch verbreitete Nachricht ist nicht korrekt.
    2. Die Meldung komme vom Bundesamt
    Auch dies ist anscheinend falsch. Dies spielt aber für kaltesonne.de offensichtlich keine Rolle. Ich finde es nachvollziehbar hierauf nicht einzugehen, weil mir tendenziöse Meldungen vom Umweltbundesamt und in der Tagesschau nicht ungewöhnlich erscheinen. Die Aussage muss nicht überprüft werden, denn sie dient vermutlich nur zur tendenziösen Gewichtung der anderen Aussage. Das Umweltbundesamt hat sich zu Frage des Klimawandels auch wenig offen positioniert.

    Ich bin froh, dass Menschen wie Vahrenholt und andere wenigstens den wissenschaftlichen Teil richtigstellen. Deshalb finde ich Ihren Artikel einseitig.

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      Lieber Neumann, darauf muss man kommen, dass der Versuch, den Sachverhalt differenziert und faktenbasiert darzustellen, „einseitig“ ist, weil Leugner des menschengemachten Klimawandels auch kritisiert werden. Mann …

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        Lieber Herr Posener,
        Nein, nicht weil „weil Leugner des menschengemachten Klimawandels auch kritisiert werden“ (…au weia), sondern weil Sie den falschen Teil 2 (s.o.) der Nachricht der Tagesschau zum Anlass nehmen, Vahrenholt dafür zu kritisieren, nur weil er nicht daruf eingeht. Auch Sie sind damit der Tagesschau auf den Leim gegangen. Vahrenholt hat korrekt auf die Tagesschaumeldung zum Klima erwidert, der Rest war Ablenkung.

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        Nein, lieber Neumann. Vahrenholt hat dem Ministerium vorgeworfen, sich „blamiert“ zu haben. In Wirklichkeit hat sich die Tagesschau blamiert. Und das ist ein Unterschied, ob Sie das so sehen oder nicht. Nun habe ich mich überdies gefragt, warum Vahrenholt der Nachricht auf den leim gegangen ist, obwohl die Recherche ganz leicht gewesen wäre. (Ich habe sie von meinem Urlaubsort aus betrieben.) Und meine Vermutung ist: Weil ihm daran gelegen ist, die Politik zu diskreditieren. Das ist eine Vermutung. Dass er schlampig gearbeitet hat, ist Fakt. Wie der Klimawandel, den er leugnet.

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    Alles schön und gut, da gibt es auf beiden Seiten Übertreibungen und Auslassungen.
    In Ihrer Zeitung (bzw. der Ihres Arbeitgebers) befindet sich heute im Ressort Wirtschaft eine Weltkarte (Ettel, Tschäpitz). Nördlich von ca. 30° Breite ist alles grün, südlich alles rot, auch die Republik Südafrika, Chile und Argentinien. Neuseeland ist zu klein, aber wohl auch rot.
    Es kann nicht sein, dass menschengemachter Klimawandel gleichmäßig zu einer Erwärmung in allen Klimazonen der Südhalbkugel führt mit einer relativ scharfen Grenze bei ca. 30° nörflicher Breite.
    Entweder die Karte ist falsch, oder die Klimaerwärmung hat einen anderen Grund als die bisher angegebenen.

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    Naja, in der von verlinkten Quelle sind ja die Daten ab 1960 dargestellt und eine Trend neben der (jahreszeitlich bedingten?) Streuung durchaus zu erkennen. Was Sie schreiben (mit der Rundung) wäre gute Praxis bei Einzelmessungen, allerdings kann bei sehr vielen Messungen durchaus die Angabe von Nachkommastellen sinnvoll sein, weil die Unsicherheit mit der Zahl der Einzelmessungen sinkt.
    Nun wird aber die Existenz einer derzeitigen globalen Erwärmung (und damit der Schelfmeere) gar nicht kontrovers diskutiert – sie ist im Gegenteil plausibel, wenn man auch die Geologie zu Rate zieht.
    Die Kontroverse findet ja eher über die Ursache statt (ob die Verbrennung der fossilen Brennstoffe tatsächlich eine Rolle spielt und ob der CO2-Zuwachs nicht eher marginal ist und/oder durch erhöhtes Pflanzenwachstum kompensiert wird).
    Unseriösität in der Interpretation von Daten macht dem Rezipienten, ob mit oder ohne Vorbildung in dem Bereich, die Meinungsbildung unnötig schwer, weswegen wir dankbar für solche journalistische Akribie sein sollten. Wir haben viel zu wenig davon.
    Und es ist letztlich egal, welche ‚Grundeinstellung‘ zum Thema jemand mitbringt, so lange sachlich argumentiert wird. Nur das Wort ‚Klimaleugner‘ mag ich nicht, ich würde Klimaforschungs-Skeptiker vorschlagen. Daß sich Wissenschaftler-Mehrheiten über Jahrzehnte irren, zeigt die Historie in sehr vielen Fällen und das liegt in der Natur der Dinge.

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      Lieber Klaus J. Nick, das Wort „Klimaleugner“ habe ich nicht benutzt, oder? Freilich ist „Klimaforschungsskeptiker“ auch problematisch, denn man kann kaum skeptisch gegen Forschung sein. Ich würde übrigens gern Belege für Ihre Behauptung hören, „dass sich Wissenschaftler-Mehrheiten über Jahrzehnte irren, zeigt die Historie in sehr vielen Fällen…“ Mir fällt eigentlich nur das Beispiel Phlogiston ein. Die Regel ist eben nicht der Irrtum, sondern der Zuwachs an Erkenntnis, also die Ergänzung bestehender Theorien durch weitergehende, und nicht, wie Popper nahelegte, die beständige Falsifizierung, so attraktiv dieses Modell auch ist. Freilich ist die Falsifizierungsmöglichkeit wichtig, und sicher gibt es bei Wissenschaftlern wie bei allen Menschen (auch den Klimawandel-Skeptikern) die Neigung, Daten zu akzeptieren, die eigene Ergebnisse bestätigen, und die anderen zu verwerfen oder eben nicht zur Kenntnis zu nehmen, wie ich ja zeige. Dennoch ist der Wissenschaftsbetrieb vermutlich das Zuverlässigste, was wir überhaupt haben, und es steht nicht einfach jedem frei, wissenschaftliche Ergebnisse und den Konsens des Betriebs anzuzweifeln, weil die Wissenschaft sich weiterentwickelt. Ich korrigiere mich: es steht natürlich jedem frei, aber es wäre in höchstem Grade unverantwortlich, wenn die Politik nicht diesem Konsens folgen würde.

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        Na, dann bin ich ja froh, daß Sie mir doch einräumen, „wie jedem.. den Konsens des Betriebes“ anzuzweifeln. Warum ich das nicht „unverantwortlich“ finde, will ich Ihnen gerne einräumen – naja und bedanke mich schon mal für Ihr Ohr oder Auge, oder wie man da sagt.

        Zu Ihrer Frage:
        Neben dem ‚Phlogiston‘ gibt es noch den ‚Äther‘, der den ‚Kartesianischen Raum‘ (mit unveränderlichen, absoluten Koordinaten) ausfüllt, wobei das aber Hypothesen sind, die die Physik durchaus vorangebracht haben und später, wie Sie bzw. Popper ja schreiben, gar nicht mal direkt falsifiziert, sondern relativiert und erweitert wurden. Naja und den altgriechischen Vorstellungen, auf die man in Europa noch lange aufbaute, kann man zumindest bescheinigen, daß sie noch der Vorstellung von Ursache und Wirkung folgten, will sagen, diese als ‚Irrtümer der Wissenschaft‘ anzuführen, ist müßig.
        Anders sieht es aus bei Hypothesen aufgrund rein statistischer Modelle, wogegen sich schon Einstein bei der Einführung der Quantentheorie wehrte. Dort, wo der Empirie die ‚theoretische Mechanik‘ bzw. der logisch stimmige Überbau fehlt, der Ursachen und Wirkungen eindeutig zuordnet und falsche Umkehrschlüsse ausschließt.

        Für die Medizin (‚Klinische Studien‘) möchte ich beispielsweise anführen, was mir spontan einfällt:
        – Verteufelung des ‚Cholesterins‘
        – Krebsbekämpfung mit Interferon
        – ‚Idealgewicht‘
        – 3 l Wasser am Tag trinken
        – Versuch der Definition einer Krebspersönlichkeit
        – Toxikologische Bewertungen von ‚Umweltgiften‘ in sehr geringen Konzentrationen (‚micropollutants‘),

        für die Anthropologie Lafaters Thesen und die Rassentheorie,

        für die Chemie die Beeinflussbarkeit chemischer Reaktionen durch Magnetfelder bei organischen Synthesewegen,

        für die Physik die krebsauslösende Wirkung von elektromagnetischen Feldern (‚Elektrosmog‘, neuestes Beispiel ‚Handystrahlung‘), wofür übrigens auch erhebliche Fördermittel flossen,

        das ‚Waldsterben‘ in der Umwelthygiene, worauf ich auch noch zu sprechen komme.

        Immer haben Wissenschaftler-Kollektive solche Thesen vertreten, bis diese Aussagen, nach neuen Erkenntnissen, nicht erweitert, sondern schlagartig verworfen wurden. Ähnlich chaotische Prozesse übrigens, wie bei der Börse. Daran ist nichts Verwerfliches, aber man darf Aussagen, die auf rein statistischer Korrelation beruhen, nicht mit Aussagen verwechseln, die einen Zusammenhang durch Fakten (Verifizierung im Experiment) oder zumindest durch eine gute (plausible) theoretische Erklärung untermauern.

        Letztere fehlt völlig bei den Klimamodellen, die eben nur ‚modellieren‘ und bei der Bewertung von Ereignissen, wie z.B. den aktuellen verheerenden Wirbelstürmen in der Karibik und in Florida, ist man gegeüber früheren Aussagen bereits vorsichtiger geworden.

        Fehl- und Umkehrschlüsse sind mir im Beruf mehrfach begegnet, als Beispiel möchte ich auf die Aluminiumoxidablagerungen in Abwasserrohren zu sprechen kommen, die man auf Übersäuerung des Regens durch Stickstoff- und Schwefeloxide, die angeblich auch das Sterben von Bäumen verursachen sollten, zurückführte. Diese mit Ablagerungen verstopften Rohre wurden aufgeschnitten und als Auswirkung des sauren Regens präsentiert.
        Daß Kiefern- und Tannenwälder saure Gewässer verursachen und das Wasser, was in Abwasserrohre gelangt, nicht sauer, sondern eher basisch ist, brauchte man ja bei der Beantragung von Drittmitteln nicht so auszuwalzen.
        Ich bin selber in einem wissenschaftlichen Umfeld tätig gewesen, das die Gefährdung durch ‚micropollutants‘ ohne jede toxikologische Grundlage thematisiert hat – da wurden halt ’synergetische Verstärkungen im Organismus‘ bei sehr kleinen Konzentrationen postuliert, wenn eindeutige toxikologische Konzentrations-Wirkungs-Korrelationen fehlten. Ich habe mein halbes Berufsleben damit finanziert bekommen, aber irgendwann muss man sich schon mal überlegen, was man da eigentlich tut, finde ich.

        Wenn ich dann verfolge, wie eine Bundesregierung einerseits die Paniktrommel von Lateef, Schellnhuber & Co. zum Anlass nimmt, sich als Weltklimarettungs-Primus zu verkaufen und andererseits die in gemäßigten Breiten einzige CO2-emissionsfreie verlässliche Energiequelle aufgrund einer populistisch missbrauchten Katastrophe in Japan abschaltet, weiß ich nicht, wer hier „unverantworlich“ ist und halte etwas Skepsis gegenüber der Wissenschaft, wie sie sich allzuoft darstellt, für etwas wie eine Bürgerpflicht, denn es geht auch um die Ressourcen (Steuergelder) von uns allen. Und nein, Sie sprachen nicht von ‚Klimaleugnung‘ sondern von ‚Klimawandel leugnen‘. Geschenkt.

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        Lieber Klaus J. Nick, danke für die Beispiele. Auf den ersten Blick jedoch scheint es sich um Thesen zu handeln, die keineswegs von einer Mehrheit der Wissenschaftler getragen wurden. Der Punkt bei den Treibhausgasen ist ja, dass der Effekt natürlich vorkommt, also gut dokumentiert ist, die Theorie ist wasserdicht. Einzig unbekannt ist die Frage, was passiert, wenn man die Zusammensetzung der Atmosphäre verändert, was wir zweifellos tun. Dass nichts passiert, würde ich für höchst unwahrscheinlich halten, gerade in einem chaotischen System.

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        Das ist richtig, was Sie schreiben, aber ich denke auch nicht, daß die These vom menschengemachten Klimawandel von der Mehrheit der (dafür relevanten) Wissenschaftler getragen wird, sondern nur von der Mehrheit der Klimaforscher. Das ist das eigentliche Phänomen: Wer ist überhaupt Klimaforscher? Die Atmosphärenchemiker, die Spektroskopiker, die Geographen, Agrarwissenschaftler oder die Astrophysiker? Könnten alle sein, sind es aber nicht, sondern nur die, die mit den Thesen der Klimaforscher arbeiten. Wir haben es (übrigens nicht nur hier) mit einer Spezialisierung zu tun, einer eigenen Welt mit eigener Nomenklatur und Fachsprache, in der mit Leuten außerhalb dieser kaum noch debattiert wird. Geographen z.B., die sehr detailliert darüber Auskunft darüber geben könnten, wie das Klima bei Störungen, bzw. Veränderungen der Atmosphärenzusammensetzung in der Vergangenheit reagiert hat, werden so gut wie gar nicht berücksichtigt. Und das Klima wird eben nicht in einem labilen Gleichgewicht sein, in dem kleinste Störungen zu einem chaotischen Verhalten führen, sondern wir haben es aller Wahrscheinlichkeit nach mit Regelkreisen zu tun, die das ganze stabilisieren. Eben weil auch die Störungen in der Vergangenheit (Vulkanausbrüche, großflächige Freisetzung von CO2 nach Bränden durch Asteroiden- oder Meteoriteneinschlägen) sehr schnell kompensiert wurden. Es wäre auch sehr unwahrscheinlich, daß ein stabiles Klima ohne diese Regelkreise (z.B. Kompensation von CO2-Zu- oder Abnahme durch Pflanzenwachstum) existieren würde. Nebenbei bemerkt konterkarieren diese Ausführungen auch Vahrenholts Ausführungen über die ‚kalte Sonne‘, denn genau diese Schwankungen der Strahlungsleistung der Sonne durch die Sonnenflecken, die übrigens sehr gering sind, werden offensichtlich sehr schnell kompensiert. Also bitte nichts per se unterstellen. Ich halte es sogar für möglich, daß ein Klimawandel durch menschliche Aktivität verursacht sein kann, aber daß es durch Verbrennung von fossilem Kohlenstoff geschieht, halte ich aus den genannten Gründen für unwahrscheinlich. Und genau diese alternativ möglichen Ursachen (Versiegelung von Flächen, Trockenlegen von Feuchtgebieten, Zersiedelung der Landschaft), die Puffer für Klimaschwankungen verringern, geraten dabei aus dem Blick (von wegen „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“, @Roland Ziegler, man kann auch vor lauter Vorsicht gegen die Straßenlaterne laufen).
        Ich weiß, daß ich in der hier und mir selber gebotenen Kürze Sie und Roland Ziegler nicht überzeugen kann, gegenüber der Klimaforschungs-Wissenschaftsfraktion etwas skeptischer zu sein (warum sollte ich auch?), aber ich kann zumindest mein Plädoyer dafür loswerden, zu akzeptieren, daß es vielleicht mehrere vernünftige Wege in eine technologische Zukunft gibt.

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        Lieber Klaus J. Nick, ich bin seit etwa 2000, als ich ein längeres Gespräch mit dem Meteorologen Hans von Storch führte, skeptisch gegenüber Teilen der „Klimaforschungs-Wissenschaftsfraktion“, wie Sie es formulieren. Wenn Sie den Wikipedia-Eintrag zu von Storch lesen, werden Sie, glaube ich, in etwa meine Position – die Position dieses Artikels – wiederfinden.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_von_Storch

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        Err.: Geographen z.B., die sehr detailliert darüber Auskunft darüber geben könnten..
        Geologen meine ich natürlich

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        „Wie schlampiger Journalismus denjenigen in die Hände arbeitet, die den Klimawandel leugnen oder herunterspielen.“
        Da steht zwar nicht wortwörtlich das Wort „Klimaleugner“, aber es bedeutet das gleiche.

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        Nein, lieber Don Geraldo, ich formulierte mit Absicht skrupulös. Sie sollten genauso skrupulös kritisieren.

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        @KJN: Versiegelung von Flächen, Trockenlegen von Feuchtgebieten, Zersiedelung der Landschaft – klar, das sind doch keien Alternativen, sondern ergänzende Erklärungen! Abholzung kommt hinzu. Landwirtschaftliche Nutzung (Felder…). Herr Posener hat zurecht gesagt, der Treibhauseffekt als solcher ist theoretischer Hinsicht „wasserdicht“ – es gibt umfassende theoretische Erklärungen, die auf der Physik der Atome und Molelüle fußen und sich mit empririschen Beobachtungen aus allen möglichen Bereichen (!) – z.B. Astrophysik: Venrus mit ihrem massiven CO2-Treibhauseffekt, Geologie (Gletscherschwund. Temperaturmessreihen, Antarktiseisschwund….) decken.
        Man muss trotzdem nicht dran glauben, man kann auch trotzdem sagen: „Es deutet zwar vieles – einiges – darauf hin, aber wer weiß, wer weiß!“

        Aber man sollte nicht sagen, es gäbe nur ein paar fragwürdige Statistiken von esoterischen Klimaforschern, die mit dem Rest der Wissenschaftscommunity nichts zu tun hätten. Das stimmt einfach nicht. Insgesamt handelt es sich um ein interdisziplinäres Feld, auf dem sich alle möglichen Forscher äußern und geäußert haben. Und in der Bilanz ist es eben so, dass die Mehrheit aus den verschiedensten Gründen zur selben Schlussfolgerung und Forderung (CO2-Reduktion) kommt. Die muss trotzdem nicht richtig sein, ja. Aber es wäre doch vermessen, wenn wir diese Mehrheit politisch ignorieren würden.

        Das ist der Punkt, den ich nicht verstehe. Selbst wenn man sagt: „ich glaube nicht an die Erwärmung“, dann folgt daraus eben nicht: „Also lasst uns die CO2-Einsparung beenden“. Dazu braucht man dann zusätzlich eine intellektuelle Egozentrik, die man auch Verantwortungslosigkeit nennen könnte.

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        …und vollends schräg wird es, wenn die Gegner der Treibhaustheorie gleichzeitig fordern, wieder AKWs einzuführten mit dem Argument, damit ließe sich ja prima CO2 einsparen. Bitte entscheiden Sie sich: Ist CO2-Einsparung ein sinnvolles Ziel oder nicht? Wenn nicht, dann lässt sich da auch kein Pro-AKW-Argument generieren. sosnt entsteht ein Widerspruch.

        Die Befürworter der Einsparungspolitik, die gleichzeitig AKW-Gegner sind, widersprechen sich dagegen keineswegs, obwohl das auch von Ihnen nahegelegt wird. Dieser Standpunkt ist konsistent, ähnlich wie wenn man abwägt zwischen Teufel und Beelzebub (um ein etwas drastisches Beispiel zu wählen). sie können sich natürlich irren, aber der Standpunkt enthält keinen Selbstwiderspruch.

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        Hier eine Zusammenfassung des Astrophysikers und Fernsehmoderators Harald Lesch, der „34.000 referierte Publikationen auf der einen Seite 34 auf der anderen“ gegenüberstellt und was Interessantes zur „Generation Wirtschaftswunderkinder“ sagt:

        http://www.geo.de/natur/nachha.....aftswunder

        Alles Käse, was der sagt?

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        Ja klar, lieber Alan Posener, der Artikel war provozierend formuliert und daß wir in der Frage gar nicht so weit auseinander sind, hatte ich mir schon von Anfang an gedacht, weswegen mein erster Einwand auch an Don Geraldo gerichtet war, ich ihn aber falsch plaziert habe.
        Danke für den interessanten Link zu Hans von Storch, der ja die Wissenschaftslandschaft ähnlich beschreibt, wie ich (wie konnte ich bloß die Meteorologen in meiner Aufzählung der potentiellen Klimaforscher vergessen).

        Daß CO2 neben vielen anderen Stoffen (z.B. Wasser) Wärme in der Atmosphäre festhält ist doch unstrittig, aber es ist eben auch nur ein Intermediat, das den Kohlenstoff zu den Pflanzen transportiert und ob es Ursache oder Folge einer Erwärmung der Atmosphäre ist, scheint mir keinesfalls geklärt.
        Was mich wundert, ist, daß man sich lediglich auf computerbasierte Klimamodelle verlässt, statt die Sache auch mal experimentell anzugehen, z.B. mit Hilfe dieser Biosphären in der Wüste von Arizona? Man könnte (so vermute ich) die Strahlungsleistung einer künstlichen Sonne verändern und die CO2-Konzentration messen oder eben zusätzliches CO2 einspeisen und die Temperatur beobachten.
        So verbleibt der unschöne Eindruck, daß Al Gores ‚Hockeyschläger‘ eine Art Ersatzreligion sein soll.

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        Also, lieber Roland Ziegler, wenn ich nicht bisher bereits darauf gestoßen wäre, daß beim ‚menschengemachten Klimawandel durch CO2‘ allzu vieles nicht schlüssig ist, wäre ich spätestens bei dieser Selbstherrlichkeit skeptisch geworden:
        „(..) Nämlich derjenigen [Generation], die Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in ein Wirtschaftswunderland verwandelt haben. Diese Generation fühlt sich massiv angegriffen, wenn wir ihnen jetzt sagen, hört mal, Freunde, wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, wo wir die Manipulation an der Natur so stark als negativ wahrnehmen, dass wir so nicht weitermachen können. Damit ist nicht nur ihr Lebenswerk in Frage gestellt, sondern auch ihre innersten Überzeugungen, ihre Identität. Die Psychologie des Klimawandels, das ist ein Buch, das noch nicht geschrieben wurde. „
        Ich habe Prof. Lesch und seine Medienpräsenz immer sehr geschätzt, aber in dem gesamten Artikel befindet sich keine einzige fachbezogene Argumentation. Ich selber habe in dem wenigen, was ich hier in dem Nichtfachleute-Forum für angemessen halte (weil es auch viele langweilt, was ich verstehen kann) mindestens 4 sachliche Fragen aufgeworfen und werde statt Stellungnahme mit Psychopathologisierung meiner Person konfrontiert.
        Ehrlich gesagt reicht mir das jetzt auch, wer glauben will, soll glauben und wer noch nachdenken will, kann googeln und finden (z.B. hier:
        https://www.vdi.de/fileadmin/media/content/get/67.pdf , womit es aber auch gut sein soll, denn nachher heißt es noch, ich wäre Vahrenholts Lobbyist ).
        Allerdings erschließt sich mir Ihr Denken nicht, das gleichzeitig CO2-freie Energiebereitstellung (ja AKWs, in der Folge vielleicht Kernfusion) und CO2-Emittenden verbieten will. Wahrscheinlich genau das Denken, das die Stromerzeugung in der Steckdose verortet.

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        @KJN: OK, dann ist also doch alles Käse, was der schreibt. Aber zu Ihrer Frage: Mein Denken, das sich Ihnen bislang nicht erschließen konnte, ist eigentlich gar nicht so kompliziert. Ich denke, es gibt einen Weg, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, ohne Atomkraft zu nutzen. Ist das wirklich so unvorstellbar oder schwer verständlich? Für die Forschungsreaktoren zur Erforschung von Kernfusion bin ich im übrigen auch. Die laufen ja auch. Hier gibt es also nichts zu fordern. Aber Kernfusion nutzen kann man erst, wenn man das kann. Aber bislang ist das nicht so, und bis morgen oder übermorgen wird sich das auch nicht ändern. Und bis es soweit ist – in der Zwischenzeit – verzichten wir eben auf die Nutzung der Kernenergie. Wo ist das Problem? Ist diese Sicherheit für Sie zu teuer erkauft? Warum sollen wir ausgerechnet hier knausern?

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        @Roland Ziegler
        Nein es ist nicht alles Käse, was Prof. Lesch schreibt, aber das was er in dem Interview sagt, ist Käse², weil er anfängt zu psychologisieren und damit ausdrücken will, daß jedes Hinterfragen bei diesem Thema pathologisch ist. Übrigens ähnlich, wie Herr Spork in seinem Artikel hier, der dem ‚AfD-Wähler‘ erstmal unterstellt, er wäre nicht hinreichend ausgeschlafen. Man kann sich gut vorstellen, wie sowas nach hinten losgeht.
        Zu den AKW: Ich war nie ein Freund davon, aber würde in unseren Breiten diversifizieren (wie jeder vernünftige Anleger oder Investor), also alle Energieträger weiterentwickeln. Die deutschen Akws scheinen sicherheitstechnisch bzw. im Strahlenschutz sehr weit entwickelt zu sein, sie sind darüberhinaus abgeschrieben (denken Sie auch an die geflossenen Fördermittel für Kernkraft) und von dieser Technik sowie von den Kenntnissen des (noch vorhandenen) Personals könnten wir auch bei der Kernfusion profitieren. Und vor allem beim Umgang mit dem Atommüll, der ggf. neu bebrütet werden muss, um ihn in weniger problematische Isotope transferieren zu können. Daher halte die Ausstiegsentscheidung ’nach Fukushima‘ für unverantwortlich populistisch. Das Geld, was wir jetzt für die Hyperverkabelung der Republik ausgeben ist rausgeschmissen, weil es wieder auf eine zentralisierte Lösung bzw. Steuerung hinausläuft, die in spätestens 15 Jahren obsolet sein wird. Ich habe oft genug geschrieben, daß ich die 1 bis 2 KW/m² Sonneneinstrahlung für amortisationsfähig halte, aber nur für abgelegene Gebiete – keinesfalls für Städte.
        Wir müssen sowieso anfangen, bei der zukünftigen (Versorgungs-)Technik zwischen Stadt und Land zu unterscheiden.

        Eine Regierungschefin, die so handelt, bzw. diesen Ausstieg zulässt, ist in höchstem Maße opportunistisch, was ich dann übrigens i.O. finden würde (@Oleander), wenn ‚das Volk‘, ‚der Stammtisch‘ ernster genommen würde und die Mehrheitsmeinung nicht in derartig massiver Weise durch nichts legitimierte und durch behördliche Genehmigungen ermächtigte Abmahnvereine wie ‚Deutsche Umwelthilfe‘ und andere Brachial-Lobbyisten durch Angstmache manipuliert würde – mit Applaus aus Politik und Medien. Die Gemeinnützigkeit solcher pressure groups muss unbedingt in Frage gestellt werden.

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      Außerdem widerspricht die Strategie der „Klimaforschungs-Skeptiker“ – nämlich gar nichts zu tun, sondern tatenlos zuzusehen, bis auch beim letzten Menschen der Groschen gefallen ist – dem Alltagshandeln: Wenn ein Busfahrer auf eine nicht einsehbare, unbekannte Kurve zufährt, sollte er die Geschwindigkeit reduzieren, auch wenn er nicht genau weiß, ob die Kurve wirklich so eng verläuft, wie es aktuell aussieht. Es gibt gute Gründe, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, auch wenn es keine Sicherheit gibt, dass der CO2-Ausstoß relevant ist. Denn für den umgekehrten Fall, dass der CO2-Ausstoß irrelevant ist, gibt es noch viel weniger Sicherheit. Für die Gründe unseres Handelns gibt es in den seltensten Fällen Sicherheit. Wer nur handelt, wenn er sich 100% sicher ist, wird keine gefährliche Situation überleben. Dieses einfache Argument wird von den „Klimaforschungs-Skeptikern“ gar nicht gesehen und also auch nicht pariert, merkwürdig eigentlich.

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        …kann man auch bündig zusammenfassen mit „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“.

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    Sehr gut beobachtet. Dieses fatale Muster des „KatSTROPHEN“- Journalismus findet sich bei einigen Themen. Es führt zu Ermüdungserscheinungen bei den Lesern und entpolitisiert letztlich, da die Berichte entweder zu übertrieben oder so schlecht recherchiert wie hier geschildert.

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    Als Naturwissenschaftler und Techniker finde ich es immer wieder erheiternd, wie im Zuge der Klimaideologie mit vermeintlich genauen Zahlen Stimmung gemacht wird.

    Sie haben recht, die veröffentlichten Zahlen sprechen nicht für die These von Vahrenholt und Lünig, sie sprechen aber auch nicht dagegen.
    Temperaturangaben auf eine Genauigkeit von +/- 0,01 °C sind schlichtweg unseriös, zumindest wenn diese außerhalb eines normgerechten Meßraums ermittelt werden. Mich würde es wundern wenn eine Meßgenauigkeit von besser als +/ 0,5°C unter Freiluftbedingungen überhaupt möglich ist. Seriös gerundet würde die Meßreihe dann so aussehen:
    2010: 11°C
    2011: 11°C
    2012: 11°C
    2013: 10°C
    2014: 12°C
    2015: 11°C
    2016: 12°C

    In meinen Laborberichten würde bei solchen Ergebnissen stehen:
    Keine nennenswerte Unterschiede zu erkennen, insbesondere lassen sich auf dieser Datenbasis keine Aussagen treffen über einen Trend.

    Vielleicht wäre mit den Daten die seit 1962 erhoben wurden eher ein Trend zu erkennen, hier muß man aber berücksichtigen, daß die Meßtechnik in früheren Jahrzehnten natürlich noch deutlich ungenauer war.
    Der „starke“ Temperaturanstieg seit 2010 sieht letztlich so aus:

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