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Der Fall Lindner

Dass der SPD-Mann Gerhard Schröder gegen Russland-Sanktionen ist, kann man verstehen. Er ist Lobbyist der russischen Gasindustrie. Peinlich, aber nachvollziehbar. Aber was reitet Christian Lindner?

Schröders Parteifreund Matthias Platzeck hat seit seinem Scheitern auf nationaler Ebene eine neue Aufgabe gefunden, nämlich als inoffizieller Botschafter Russlands „vor allem Vorbehalte und Bedenken gegenüber unseren russischen Freunden in deutschen Familien und Elternhäusern abzubauen“, wie er es in einer kreml-nahen Zeitung formulierte So wird Platzeck wenigstens in Russland wie jemand behandelt, auf den es ankommt. Lächerlich, aber nachvollziehbar. Aber was reitet Christian Lindner?

Dass die „Alternative für Deutschland“ vor allem eine Partei für Russland ist, verwundert auch nicht. Es gehört zur Strategie Moskaus, in ganz Europa völkische Kräfte zu fördern, um die Europäische Union und die Nato zu zersetzen und zu schwächen. Wer wie Parteiideologe Albrecht Glaser die „One World Ideologie“ des Kapitalismus als Hauptfeind ausmacht und den Staaten der EU vorwirft, sie seien „Patienten, die meisten mit Infektionskrankheiten“, mag – wenn er die Augen fest zukneift – in Russland einen gesunden Staat erblicken. Intellektuell abenteuerlich, aber Glaser neigt ja zum Zocken. Aber was reitet Christian Lindner?

Dass die so genannte Linkspartei aus alter Anhänglichkeit an die früheren Kolonialherren im Osten – und mehr noch aus eingefleischtem Antiamerikanismus – im Zweifel immer für Putin ist, ist ohnehin klar. Absurd, aber so ist es halt. Aber was reitet Christian Lindner?

In einem Interview schlug der FDP-Chef vor, Russlands völkerrechtswidrige Annexion der Krim als „dauerhaftes Provisorium“ anzuerkennen und auch sonst nicht abzuwarten, bis Wladimir Putin sein Verhalten ändert, um ihn mit einem Abbau der Sanktionen zu belohnen. Was reitet ihn?

Liegt es an der angeblichen Wirtschaftsnähe der FDP? Erstens hat es die FDP eher mit Zahnärzten und Rechtsanwälten (und Hoteliers) als mit Energiegiganten, die auf russisches Öl und Gas scharf sind. Die stehen der SPD näher, weshalb die sozialdemokratische Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries neulich allen Ernstes erklärte, die neuen amerikanischen Sanktionen gegen Russland richteten sich in Wirklichkeit gegen Deutschland. Und zweitens weiß auch Lindner: der Anteil Russlands an der deutschen Warenausfuhr war 2016 mit 1,8 Prozent lächerlich gering. Das Land belegt als Abnehmer deutscher Waren den 16. Platz hinter der Türkei. Das kann es wirklich nicht sein.

Lindners Einlassungen fielen in einem Interview, in dem er die Wahl für entschieden erklärte und Angela Merkel als künftige Kanzlerin ausrief. Vielleicht sieht er sich schon als Außenminister einer Schwarz-Gelben Koalition. Vielleicht will er sich nicht nur an Putin, sondern auch an Donald Trump heranschmeißen. Kurz zuvor nämlich hatte der Präsident den Kongress der USA per Tweet abgekanzelt, weil der gegen den Willen Trumps – wegen der russischen Einmischung in den Wahlkampf – jene neuen Sanktionen gegen Putin verhängt hatte, die auch Zypries so erzürnten. Lindner an Trump und Putin: „Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte.“

Wer weiß aber, wie lange Trump noch im Amt sein wird? Und Putin könnte noch entdecken, dass sein syrisches Abenteuer ähnlich verhängnisvoll endet wie das afghanische Abenteuer seiner Vorgänger. So fest, wie manche glauben, sitzt Putin nicht auf dem Präsidentensessel. Die so oft tot gesagte Europäische Union hingegen bleibt hartnäckig am Leben. Und in den Reihen der wichtigsten Verbündeten herrscht über Lindners Vorstoß blankes Entsetzen. Die FDP ist die einzige Partei, die einen „föderalen Bundesstaat Europa“ im Programm hat. Verpflichtet das nicht den Chef dieser Partei zu Absprachen mit den europäischen Partnern bevor man sich zur Außenpolitik äußert?

Lindner selbst meinte, er habe nur „ausgesprochen, was viele denken und was längst im Stillen reale Politik ist.“ Mag sein. Aber „viele denken“ auch dummes Zeug, und wenn die Regierung verlogen handelt, sollte eine Oppositionspartei wie die FDP das anprangern und nicht befördern. Und außerdem: Populismus und Opportunismus sind weder Alleinstellungsmerkmale noch Empfehlungen für wichtige Staatsämter.

60 thoughts on “Der Fall Lindner

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    Nicht zur Sache: Ist Christian Lindner nicht mit seiner Moomax insolvent gegangen? Insolvent = in Sonnen Ventilator =. Hakenkreuz? = KZ, Staatshaftung oder Nazi (letzteres glaube ich nicht)

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      Nicht Staat aber Gesellschaft: Entgegen ihren wilden Theorien, dass es architektonisch nichts zu bieten hätte, hat Russland Hochhäuser. Was es hier nur in Frankfurt gibt.

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    Wer immer noch von „völkerrechtswidriger Annektion der Krim“ spricht, kann sich eigentlich auch gleich „Systembüttel“ auf die Stirn schreiben; schon Wahnsinn, wie hier Ursache und Wirkung vollkommen außer acht gelassen werden.
    Ich möchte dem Verfasser dieses Artikels das Buch „CIA“ von Tim Weiner -immerhin zweifacher Pulitzerpreisträger, also per se ganz sicher nicht antiamerikanisch eingestellt- empfehlen. Es ist zwar nur die Spitze des Eisbergs, die größten Schweinereien sind immer noch nicht frei gegeben, aber allein diese Spitze trieft vor Amoralität, Perfidie und Zynismus. Es existiert tatsächlich kein Staat weltweit, den dieser den (FED-) Eliten dienende Propagandaapparat -der dem Kongress keinerlei Rechenschaft schuldig ist- nicht schon zu infiltrieren bzw. destabilisieren versuchte, selbst die SPD-Ikone Willy Brandt stand auf der Schmierliste. Sich da über etwaige russische Einflussnahme im Westen zu echauffieren, ist ein weiterer Beleg für die Heuchelei und Scheinheiligkeit der „Wertegemeinschaft.“
    Ich glaube zwar, dass es verlorene „Liebesmüh“ ist, aber ich habe gerade die Zeit, den Autoren etwas klüger zu machen, so dass er zumindest nachvollziehen kann, warum die Völker nach Bargeldverbot und implantiertem Chip endgültig versklavt sind, (die Deutschen sind es sowieso schon seit über 70 Jahren). Wie Goethe so schön sagte „niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein“, wird es die vom „Imperium der Kasse“ gelenkte Hochleistungsjournaille sicherlich auch schaffen, dem hochgradig tributpflichtigen und gehirngewaschenen Michel auch diese Entmündigung so schön zu verkaufen, dass dieser doch glatt froh ist, im „freien Westen“ zu leben.
    Ja, ja das „Imperium der Kasse“; hatte es zwar durch viele Tricks und Betrügereien geschafft, aus dieser Welt eine durch und durch materialistische zu machen, aber da gab es immer noch diese Brandmauer souveräner Monarch plus selbstbewusster Adel, die man nicht so einfach korrumpieren konnte. Bis sie endlich 1789 unter der vom Imperium geschaffenen Parole „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ diese Brandmauer einreißen konnten. In den darauf installierten „Demokratien“ -die nie und nirgendwo etwas anderes wie kaschierte Plutokratien sind und waren- ist es für das Imperium mit seiner Geld- und damit auch Medien- und Deutungsmacht ein Leichtes, die Massen nach Belieben zu spalten und zu manipulieren und da es seit jeher „international“ agiert, zudem seit Ewigkeiten die Kontrolle über das pervertierte Geldsystem innehat, ist es für das Imperium der Kasse auch kein großes Problem, ganze Völker und Nationen auszuplündern und bei Bedarf gegeneinander auszuspielen. Man geht ganz sicher nicht fehl in der Annahme, dass nahezu alle Währungskrisen, Bankenpleiten, Staatsbankrotte, Farben-, Blumen-, Monats- und sonstige Revolutionen plus „Regime changes“ und nicht zuletzt natürlich Kriege seit 1789 vom Imperium gesteuert waren.
    Nun braucht das Imperium der Kasse nur noch die „eine große Krise, die die Völker nach einer Weltregierung rufen lässt“(Rockefeller) und so wie seit 9/11 -das vom Imperium als regelrechtes Ritual durchexerziert wurde- Lunten gelegt werden durch ihr Werkzeug USA, müsste es doch mit dem Leibhaftigen(sic) zugehen, wenn man da keinen großen Konflikt erzeugen könnte. Ansonsten bleibt immer noch die Domäne des Imperiums, die (Welt-) Wirtschaft, die bei ihrem jetzigen Zustand auch nur den ersten Dominostein -den es mit Sicherheit finden wird, wenn ihm der Zeitpunkt passend erscheint- braucht, um endgültig zu kollabieren.
    Aber ereifern sie sich nur über Herrn Lindner -der, gar keine Frage, eine Flachzange ist- und nächste Woche über Schulz und dann vielleicht noch über die Kanzlerindarstellerin; falls sie es gut mit den Deutschen meinen sollten, könnten sie sich seit über 70 Jahren über unsere Politmarionetten aufregen, aber sie sind eben auch nur das: Marionetten, massiv überbezahlt, sich das Alliertenkonstrukt BRiD in den letzten 70 Jahren im Sinne der etablierten Parteien einverleibend („Deutschlandakte“ von „von Arnim“ lesen), aber letztendlich ausschließlich weisungsgebunden an die Vorgaben des „Imperiums der Kasse.“

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        @APo

        … sind Sie sicher Tim Weiner interviewt zu haben? Aus dem Interview könn(t)en Sie einen patriotischen Hollywoodschinken drehen. Das liest sich so gut wie Tom Clancy. In der Hauptrolle Alan Posener als Dr. Ryan, der Putin … in Sibirien … nun ja, … Drehbuch nur auf Vorkasse.

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        Und weil sie ihn kennen und interviewt haben, zwei Mainstreamjournalisten unter sich sozusagen, macht das die zahllosen perfiden Aktionen der CIA besser?
        Und dass dieser Verein -so wie unzählige andere von den (FED-) Eliten gegründete und kontrollierte- sämtliche Versuche der Volksvertretung (grins) torpediert, um auch nur etwas Licht hinter seine dubiosen Aktionen zu bringen, dürfte sogar ihnen bekannt sein.
        Aber ich hatte ja schon in meinem ersten Beitrag die Befürchtung geäußert, dass es vermutlich verlorene „Liebesmüh“ werden würde und da sie sich ja offensichtlich seit spätestens 2008 im Hochleistungsjournalismus bewegen, dürfen sie natürlich auch (zumindest offiziell) keinerlei größere Zusammenhänge und Kausalitäten erkennen, sondern müssen den Postulaten des „Imperiums der Kasse“ folgen; die Miete will ja auch bezahlt sein.

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        Klar, Seance, alles bezahlte Knechte des Kapitals, das erklärt dann, warum nicht alle so denken wie Sie. Merken Sie nicht selbst, wie armselig eine solche Verschwörungstheorie ist?

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        Nun ja, ich würde es eher als Hütehund der Sklavenherde bezeichnen, aber das ist wohl ein eher semantischer Unterschied. Und übrigens ist der Begriff Verschwörungstheorie auch eine Kreation des FED-Vereins. Nachdem man bei der Beseitigung JFKs doch den einen oder anderen gravierenden Fehler -mehr waren es wahrscheinlich nur bei 9/11- begangen hatte, wurde den auf der Hand liegenden Fragen ein „Verschwörungstheorie“ (und damit Basta) seitens des Propagandaapparats entgegen gestellt und das Irre ist, es funktioniert bis heute- aber das wissen sie ja mindestens genau so gut wie ich.
        Da ich mittlerweile einige Artikel von ihnen gelesen habe: sie bezeichnen mich als uninformiert , (ohne jegliche Argumentation, wohl so etwas wie ein „Basta“), dann bezeichne ich sie als Desinformanten, der sehr wohl weiß, wohin die Reise geht, aber es der Herde vorenthält. Da es ja auch nicht wirklich ihre ist, brauchen sie ob der Irreführung auch nicht einmal Skrupel zu haben -da sollten all die korrumpierten gojim ihr (Rest-) Gewissen, sofern überhaupt noch vorhanden, deutlich eher hinterfragen- allerdings ist es für mich auf dieser Grundlage natürlich tatsächlich absolut verlorene „Liebesmüh“.

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        Ich finde es erstaunlich, lieber Seance, dass Sie während Ihrer „Arbeitszeit“ bei der Mediathek Denzlingen und vom offiziellen E-Mail-Server der Mediathek aus antisemitische Kommentare wie diesen verfassen können. Also auf Kosten des Steuerzahlers und im Namen der Gemeinde. Mir scheint, Sie sind nicht ausgelastet, erstens, und zweitens, dass Sie wenig Gefühl für Anstand haben. Wundert mich natürlich nicht.

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        Ich ergänze diesen Posten um den Hinweis aus Denzlingen, dass „Seance“ offensichtlich die Mailadresse gefälscht hat. Zukünftig wird er oder sie deshalb gesperrt. Es tut mir Leid, wenn deshalb der Gemeinde Unannehmlichkeiten erwachsen sind. Aber so sind sie, die Rechtsextremen.

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        Oha, lieber Alan Posener, Sie haben also die Gemeinde Denzlingen kontaktiert, weil sie dort den Arbeitgeber von „seance“ vermuteten.
        Der Beitrag von „seance“ ist ja wirklich übel antisemitisch, aber Sie hätten ihn ja nicht veröffentlichen müssen. Der Blogbetreiber hat Hausrecht und muss niemand reinlassen. Zensur wäre das Nicht-Veröffentlichen nicht.

        Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Ich bevorzuge des US-amerikanische Modell, jeden Deppen seine verquere Weltsicht raus posaunen zu lassen und würde eine einfache Volksverhetzung oder Holocaustleugnung nicht zur Anzeige bringen,. Ankündigungen, Aufforderungen zu oder Billigung von Straftaten gegen das Leben oder die körperlliche Unversehrtheit schon.
        Aber „seance“ hat sich vermutlich nicht mal nach dem strengen deutschen Strafrecht strafbar gemacht, sonst wäre es ja nicht veröffentlicht worden.

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        Bekanntlich, Waldgänger, bin ich auch dagegen, die Holocaustleugnung zu bestrafen, und das Gleiche gilt für antisemitische Hetze wie in diesem Fall. Eine andere Frage ist, ob das im Namen einer Gemeinde geschehen darf, auf Kosten der Gemeinde und während der von der Gemeinde bezahlten Arbeitszeit. Den Unterschied sehen hoffentlich auch Sie.

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        Werter Herr Posener, hätten Sie auch den Arbeitgeber informiert, wenn ein normaler Beitrag
        “ im Namen einer Gemeinde geschehen …, auf Kosten der Gemeinde und während der von der Gemeinde bezahlten Arbeitszeit“ erstellt worden wäre?

        BTW: Beiträge hier werden nicht über einen E-Mail-Server versandt, sondern ganz normal vom Provider. Sie hätten über utrace.de die IP-Adresse des Absenders eingeben müssen – falls vorliegend, um zu sehen woher der Beitrag kommt. Bei mir z.B::
        IP-Adresse: 93.210.82.251
        Provider: Deutsche Telekom AG
        Region: Sontheim An Der Brenz (DE)

        Wäre da nun beim Provider „Gemeinde Denzlingen“ gestanden, wäre dies ein Indiz für den von Ihnen behaupteten Umstand gewesen. Bei E-Mail kann hier jeder reinschreiben was er will.

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        @Waldgänger aus Schwaben./.APo

        … ich bin mir nicht sicher, ob Sie beide nur so ’neulandmäßig‘ tun. Die IP sagt nur bedingt ‚was zur Identität aus. Verschleierungen gibt es genügend, …

        Beiträge zu moderieren – ist Hausrecht. Darüber muss man nicht diskutieren. Das Netz bietet alle Möglichkeiten, sich jede ‚Meinung‘ anzutun. Das Internet ist digitalisierte Power; und schöne Musik. 😉

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    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article167574651/Uebertriebener-Moralismus-fuehrt-zu-gar-nichts.html

    Apropos zu nichts führen:
    „Ein Weg könnte wie folgt sein: Der Westen schluckt die Eroberung der Krim de facto (nicht de jure!) als eine Tatsache, die derzeit nicht zu ändern ist, hebt allmählich die Sanktionen gegenüber Moskau auf, wenn sich die Russen aus der Ostukraine zurückziehen, bietet dem Kreml Wirtschaftshilfe an und verspricht ihm, der Ukraine einen Status zu gewähren, der dem Finnlands vor dem Untergang der Sowjetunion gleicht – ein freier Staat in freier Marktwirtschaft, der zum Westen gehört, aber nicht Mitglied der Nato ist.
    Im Gegenzug garantiert Moskau den Bestand der Ukraine und beendet den Beistand der Rebellen. Diplomatie in Form von Geben und Nehmen mithilfe einer Politik der kleinen Schritte.“

    Deutschland trifft nicht eine der hier skizierten Entscheidung, die Strategie (und damit der Verhandlungsspielraum) des Kreml sind völlig unbekannt und nur Hörensagen, die Ukraine wird gar nicht gefragt, die Strategie der USA liegt im Dunkeln. Aber, Kinder, einigt euch!
    Ei, den Wunsch nach Handschlag haben wir wohl alle, der gesunde Menschenverstand des ehrlichen Maklers (darum geht es in dem Artikel doch) ist lobenswert, aber irgendwie scheint internationale Politik etwas komplizierter zu sein.

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    @ Don Geraldo

    Realpolitik schätzt Reaktionen real ein – seine Grenze, seine Verbündeten und seine Interessen nicht zu schützen und sich aggressiver Expansionspolitik nicht mit Verbündeten entgegenzustellen ist nicht Realpolitik. Der glaube, für den Kreml sei Deutschland etwas besonderes, weil es, tja, eben Deutschland ist, ist nicht Realpolitik, es ist eher ein kindlicher Wunsch. Für den Kreml ist Deutschland nicht auf Augenhöhe, seit Mai 45 nicht. Der Kreml redet mit den USA und China, aber nicht mit dem (imaginärem) deutschem Reich, dass sie damals ausgepisst haben. Die machen die Siegesparade jedes Jahr nicht zum Spaß, es ist ein Imperialer Anspruch. Deutschland hatte ihn und hat das Recht darauf verloren, nicht wegen der amerikanischen Umerziehung, sondern weil die Rote Armee nach knapp 4 Jahren in Berlin stand. Wie kann man die Russen nur so missverstehen?

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      Was wollen Sie uns mit Ihrem Beitrag sagen ?
      Es stimmt, Deutschland kann seine Grenze nicht schützen, aber das hat doch nichts mit Russland zu tun, sondern mit Frau Merkel und der CDU.
      Auch ist die Ukraine nicht unser Verbündeter, und welches Interesse sollten wir an der Krim haben ?
      In deutschem Interesse wären gut Beziehungen zu Russland, und daß die deutsche Regierung diese Beziehungen torpediert grenzt an Hochverrat.
      Der amerikanische Kongress hat bei seinen letzten Sanktionsbeschlüssen ja noch nicht mal einen Hehl aus den wirtschaftlichen Interessen, die dahinter stecken, gemacht.
      Und daß dieses gegen den erklärten Willen des US-Präsidenten geschah zeigt nur, wie die Machtverhältnisse in den USA und der Welt tatsächlich liegen.

      PS: Die Rote Armee stand nur deshalb nach knapp 4 Jahren in Berlin, weil sie ein bißchen Hilfe hatte. Auch wenn Deutschland es nicht geschafft hat Europa zu beherrschen, ohne Deutschland können weder die USA noch Russland Europa kontrollieren.
      Es wäre daher an der Zeit, gegenüber beiden Großmächten eine selbstbewußte, von nationalen Interessen geleitete Politik zu betreiben.

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        „In deutschem Interesse wären gut Beziehungen zu Russland, und daß die deutsche Regierung diese Beziehungen torpediert grenzt an Hochverrat.“
        Die Zahlen über den realen Handel mit den US und West-Alliierten und die Zahlen mit Russland sind manchmal erhellend. Wenn es nicht ums Geld geht, worum geht es dann?

        „Und daß dieses gegen den erklärten Willen des US-Präsidenten geschah zeigt nur, wie die Machtverhältnisse in den USA und der Welt tatsächlich liegen.“ Steht in der Verfassung der USA. Und es zeigt eigentlich nur, wie schlecht der Präsident in seiner Partei vernetzt ist.

        „Es wäre daher an der Zeit, gegenüber beiden Großmächten eine selbstbewußte, von nationalen Interessen geleitete Politik zu betreiben.“
        Um´s Geld kann es ja nicht gehen, dann wäre die Sache ja klar. Was hat Rußland Deutschland anzubieten, als das es sich lohnen würde, das Bündnis, das für die Hälfte des Wohlastandes steht, zu kündigen? Ich verstehe nicht, wo sie der Schuh drückt. Wenn es um Migration geht (geraten), dafür sind weder Amis noch Russen zuständig.

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    Die Aussage Lindners war keine wirkliche Außenpolitik, Taktik, es war eine grundsätzliche Aussage und nur im Zusammenhang mit dem Wahlkampf zu verstehen. Der außenpolitische Nutzen ist fragwürdig, als Programm nicht durchsetzbar und deswegen im Grunde natürlich überflüssig.
    Aber, um etwas zu schwadronieren, kein deutscher Außenminister könnte Unterstützung in der Bevölkerung erwarten, wenn er eine Politik formulieren würde, die auf eine Konfrontation mit Russland hinaufläuft. Der Osten, die Slawen, werden heute noch entweder mystifiziert oder einfach ignoriert. Otto I einigte die deutschen gegen die Ungarn, die slawischen Nachbarn sind nur eine Fußnote, eher mit Indianern im Wilden Westen vergleichbar. Dann die deutsche Besiedlung des Ostens, 1000Jahre zwischen Hunnen und deutschem Orden kommen in Schulbüchern fast überhaupt nicht vor. Bis Tannenberg sind Slawen primitive Opfer und das schlimmste ist, dass Polen dieses Narrativ übernommen hat. Russland, unendliche Weiten, bevölkert von einfältigen Halbwilden. Als Höhepunkt dann Operation Barbarossa und da passierte etwas unglaubliches: Auch wenn Mannstein versuchte, mit „Verlorene Siege“ das unerklärliche zu erklären, haben die Deutschen 45 verstanden, dass sie mit Russland nur zeitweise in einer Liga spielen konnten, nach Jahrhunderten der Überzeugung, natürlich überlegen zu sein. Am Ende standen Sie nach 1000Jahre Ostsiedlung wieder genau da, wo sie (offiziell) mit Heinrich, dem Löwen gestartet sind. Frauen vergewaltigt, Städte ausgelöscht, der Wiederstand gebrochen. Ich glaube, so viel ein nackter Putin den Russen imponiert, so viel Angst macht er den Deutschen. Amerikaner lachen darüber herzlich, Deutsche nicht, die haben Angst vor dem rohen Brutalen, das sich schon mal ihrem Dichtern und Denkern überlegen gezeigt hat. Jetzt könnte man nüchtern sagen, dass gerade das perfide Albion sie davor bewahrt hat, den Weg der vielen Völker Asiens zu gehen, deren Namen wir nicht mehr kennen und, dass es eigentlich rational wäre zu verstehen, das die Westbindung das einzige ist, was Deutschland vor diesem rohen Brutalen schützt, aber so ist es leider nicht. Eine Mehrheit glaubt wirklich, dass zu Füßen des Bären (oder in seinem Hintern) es würdiger sei, als für den Westen gute Autos zu bauen und als Nation angesehen zu sein. Adenauer würde wohl verzweifeln.
    Lindner ist nicht doof, Schröder auch nicht, erst recht nicht Merkel. Konfrontation mit Rußland bedeutet gegen die Mehrheit zu sein, an einem Punkt, den nicht mal Freud verstehen würde. Sie alle stehen auf dem Boden der Westbindung, aber der Kopf muss immer im russischem Hintern stecken. Muss man akzeptieren und man muss auch den Kongress fragen, ob er (sein ehrlich, das hatte auch mit Trump zu tun) für ein paar lächerliche Sanktionen einen Riss beim wichtigstem Verbündetem riskieren möchte. Durchdachte Außenpolitik, naja.
    Und weil das alles so ist und sich so schnell nicht ändern wird, hält Polen zurecht an den USA fest und eine Eindämmung Russlands wäre die Stationierung von Truppen in Osteuropa, die eine zweite Krim unmöglich machen. Die Sanktionen stressen nur das eigene Bündnis und bringen – nichts. Jeder kann es sehen, jeder weiß es. Panzer schützen Grenzen, nicht motzen und gegenseitige Vorwürfe unter Verbündeten. Wenn das Baltikum sicher sein soll, dann muss man es sichern. Gretchenfragen helfen der Selbstvergewisserung, gegen die Iskender-Raketen in Kaliningrad helfen sie nicht die Bohne.

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      Nachtrag: Wenn jemand den Titel Dichter und Denker verdient hat, dann die russische Kultur und was das einfältig-brutale angeht, der erste Mensch im Weltraum war Juri Gagarin, die russische Wissenschaft hat mehr vergessen, als andere jemals wissen werden. Aber die russische Staatsphilosophie ist nun mal das, was sie ist und die ist kein natürliches Ergebnis, sie wird den Menschen eingeprügelt. Die Russen haben etwas besseres verdient.

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        Dichter und Denker und einfältige Brutalität sind keine Gegensätze, wie die Deutschen zur Genüge bewiesen haben. Aber nicht nur sie. Es gibt kein „Kulturvolk“, das nicht Dreck am Stecken hätte. Da folge ich sogar den von mir sonst kritisierten Antiimperialisten. Je mehr man sich auf seine Kultur einbildet, desto eher rechtfertigt man sich selbst gegenüber seine Brutalität.

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    Gut, lieber Alan Posener, dass Sie kein Rechtspopulist sind, sonst könnten Sie jetzt als Verschwörungtheoretiker gelten, wenn Sie schreiben:

    „Dass die „Alternative für Deutschland“ vor allem eine Partei für Russland ist, verwundert auch nicht. Es gehört zur Strategie Moskaus, in ganz Europa völkische Kräfte zu fördern, um die Europäische Union und die Nato zu zersetzen und zu schwächen“

    Zum Fall Lindner:
    Irgendein Berater muss ihm gesteckt haben, dass seine stylischen Schwarz-Weiß-Fotos zwar gute Werbung für Herren-Oberhemden wären, aber dass Politik auch etwas mit Inhalten zu tun hat, wenn man nicht gerade Merkel heißt.

    Aber welche Inhalte soll der gute Mann denn bringen. Das Flüchtlingsthema ist ein Minenfeld. Die FDP könnte mal wieder die Abschaffung des Soli fodern, oder Abbau der kalten Progression.
    „Mehr Netto vom Brutto!“, vielleicht liegen noch Wahlplakate von 2013,2009, 2005,2002 rum. Gäähhnn!
    Bei anderen Themen liefe die FDP Gefahr, dass sich Merkel es schnappt, wie die „Ehe“-für-alle.
    Dann kam ein taktisch versierter Berater mit der Ukraine. Genial!. Mehrheitsfähig und weder Merkel noch Drehhofer können sich das Thema schnappen.
    Lindner als Aussenminister wird sich in guter schlechter FDP-Tradition natürlich an kein Wahlversprechen erinnern.

    Zum Thema Krim:
    Die Krim wird auf unabsehbare Zeit russisch bleiben. Dies wird der Westen irgendwann anerkennen müssen, aber nicht für lau. Insofern war der Verstoss Lindners nicht sehr geschickt. Aber was tut man nicht alles für ein paar Wählerstimmen.

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      Lieber Waldgänger, ich folge gern Ihren Gedankengängen. Aber die Behauptung, Russland fördere überall völkische Kräfte, ist keine Verschwörungstheorie, sondern bewiesene Tatsache. LePen wurde direkt von Moskau gefördert und tat ihm im Gegenzug den Gefallen, als Wahlbeobachterin der „Volksabstimmung“ auf der Krim zu bescheinigen, sie sei frei und fair gewesen. Sie können es nachlesen.

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    Nur mal ins Unreine gedacht: Nehmen wir an, Lindner hätte das genaue Gegenteil gesagt (also eine explizite Nichtanerkennung des Status quo und die Forderung nach einer Rückabwicklung der Annexion) – nur eben nicht bezogen auf Rußland und die Krim, sondern auf China und Tibet. Was wäre dann in den Gazetten los gewesen? Man kann davon ausgehen, daß die Wirtschaftsredakteure Lindner in der Luft zerrissen und ihm die grundlegende Qualifikation für die Vertretung deutscher Interessen abgesprochen hätten.

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      Schon möglich, Opa Krempel. Der Westen ist nicht sehr konsequent. Aber das schreibe ich ja: Wir können uns gegenüber Russland wenigstens Prinzipienfestigkeit leisten. Und es kommt der ganz egoistische, realpolitische Gesichtspunkt hinzu, dass Tibet weit weg ist, Kiew jedoch nur zwei Flugzeugstunden, und dass auch Staaten der EU wie Estland und Lettland von der Putin’schen Ideologie des Größeren Russland bedroht sind. Übrigens haben wir Verträge mit Russland geschlossen, die die territoriale Integrität der Ukraine garantieren – im Gegenzug hat die Ukraine ihre Atomwaffen abgegeben. Wenn wir die nicht einmal so honorieren, dass wir deren brutale Verletzung mit Sanktionen beantworten – wer sollte erstens unserem Wort trauen, und zweitens wer wäre so dumm, künftig auf Atomwaffen zu verzichten? Denn man kann annehmen, dass die Krim noch ukrainisch wäre, wenn Kiew die Bombe hätte.

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        „Wir können uns gegenüber Russland wenigstens Prinzipienfestigkeit leisten.“
        Heißt das im Umkehrschluß, wir können sie uns gegen China nicht leisten? Und wenn ja, warum nicht? – Des lieben Geldes wegen?
        Dann muß allerdings auch die Frage erlaubt sein, ob man überhaupt noch Prinzipien haben sollte. Die Besetzung Tibets ist in der westlichen Welt jedenfalls kein nennenswerter Grund, mit China zu streiten; eher sind es chinesische künstliche Inseln in rohstoffreichen Gewässern, die Unterstützung Nordkoreas oder die mit Dumping geförderten Exportüberschüsse. Die türkische Besetzung Nordzyperns ist nicht der entscheidende Stolperstein gewesen, der einem EU-Beitritt der Türkei entgegensteht (eine Räumung war nie Vorbedingung für die Aufnahme von Verhandlungen), und die Besetzung von Bergkarabach durch Armenien hat es in den letzten Jahren weder auf die Titelseiten der Zeitungen noch auf die Tagesordnungen der westlichen Regierungen geschafft. Und mit Verlaub: Armenien spielt politisch und militärisch bestenfalls in der dritten Liga; warum zeigt man nicht einmal dort Prinzipientreue? Leisten könnte man es sich.
        Ferner: Auch der Besitz von Nuklearwaffen sollte keine Garantie sein, daß sich ein Nachbarstaat nicht einmischt. Indien und Pakistan sind beides Nuklearmächte, und Pakistan versucht dennoch Einfluß auf den zu Indien gehörigen Teil Kaschmirs zu nehmen mit dem Ziel, ihn aus Indien herauszulösen. Es wäre töricht zu glauben, Putin hätte nicht auf die ethnischen Russen der Krim setzen können.

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        Lieber Opa Krempel, das Argument, wir könnten uns ja gegenüber Russland Prinzipienfestigkeit leisten, richtet sich gegen jene, die meinen, die Sanktionen richteten sich gegen unsere nationalen (gemeint ist: materiellen) Interessen. Ich lasse das Argument nicht gelten. Das heißt nicht im Umkehrschluss, dass ich Sanktionen dann nicht befürworten würde, wenn sie unseren materiellen Interessen widersprächen. Der Umkehrschluss ist nicht logisch. Nur: dann hätten die Gegner immerhin ein Argument, das ich in diesem Fall nicht gegeben sehe.

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        Was ist das Problem an Atomwaffen, solange schießwütige Sittenstrolche und Verbrecher ferngehalten werden? Atomwaffen sichern den Frieden zwischen West und Ost seit ihrer Erfindung.

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        @Lucas: Wenn Sie glauben, daß Atomwaffen den Frieden sichern, haben Sie die Jahrzehnte des Kalten Krieges womöglich im Tiefschlaf verbracht. USA und UdSSR haben einander aufs Messer bekämpft – oder vielmehr bekämpfen lassen, da sie auf Stellvertreterkriege ausgewichen sind, angefangen vom Koreakrieg bis zum AfghanistanKrieg der 1980er. Egal, wo es gerade heiß herging, hatten Sie westliche oder östliche Militärberater vor Ort, selbst in Gegenden wie Nicaragua, wo es außer (zugegebenermaßen gutem) Kaffee nicht besonders viel zu holen gibt. Die britischen Nuklearwaffen haben Argentinien nicht davon abgehalten, wegen der Falklandinseln einen Krieg zu riskieren, und Indien und Pakistan haben gegeneinander einen kurzen Krieg geführt, als beide schon über Atombomben verfügten.

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    Lieber Herr Posener,

    die Leser der WELT hören sich Ihre Märchen sicherlich gerne an. Hier können Sie gerne ehrlich sein.

    Die Pläne zum System-Change in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel war schon Anfang der 2000er Jahre bei den Geostrategen in den USA geplant, das ist doch kein Geheimnis, die Protagonisten geben das ja auch ganz offen zu.

    Wenn in 25 Jahren die Archive der westlichen Geheimdienste geöffnet werden, wird man erkennen, welchen Anteil diese an den „friedlichen Revolutionen“ hatten und wird ehrlich zugeben müssen, dass der Plan des System-Change, zumindest für die Menschen in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel, grausame Folgen hatte. Die Pläne für die ganzen Kriege lagen im Pentagon und in Langley schon lange vor den friedlichen Demonstrationen in Syrien vor, die Menschenrechtsverletzungen Assads waren dann nur noch der willkommene Anlass den Konflikt zu schüren, die ISIS über die sunnitischen Verbündeten mit Waffen zu beliefern etc. pp. Und jeder nicht ganz dumme Analyst, auch in den USA, wusste, oder hätte wissen müssen, dass dieser Krieg die Interessen Russlands tangieren würde, da Syrien eine strategische Partnerschaft mit Russland hat. Gäbe es diese Partnerschaft nicht und wäre, wie Sie richtig anmerken, Assad kein Alawit sondern Sunnit, hätte es diesen Krieg nie gegeben, dann dürfte Assad weiter die Menschenrechte mit den Füssen treten, wie all die anderen strategischen Partner der USA auf der arabischen Halbinsel, dürfte weiter seine Gefangenen foltern und CIA und BND dürften die so gefolterten weiter verhören, wie es nach 9/11 üblich war.

    Wir haben die Diskussion hier schon öfters gehabt und ich weiß, dass Sie wissen, dass ich nicht unrecht habe. Da hilft es auch nicht mir ständig Antiamerikanismus vorzuwerfen, das mache ich ja auch nicht, wenn Sie gegen den jetzigen amerikanischen Präsidenten argumentieren, das könnte doch eigentlich unter Ihrem Niveau sein.

    Mit besten Grüßen

    Ihr 68er

    P.S.: Ihr Hinweis auf die zweifelhafte Herkunft meiner Einleitung, ist nicht ganz unberechtigt. Als ich gestern meinen Kommentar schrieb, habe ich auch noch einmal mein Schulwissen über die punischen Kriege aufgefrischt. Damals ging es ja auch um die strategische Vorherrschaft rund ums Mittelmeer. Wie Cato, haben die Falken aus den Niederlagen im Irak, dem Desaster in Afghanistan, dem Chaos in Libyen und Ägypten nichts gelernt, sie halten an ihrem Ziel fest und werden die nicht-sunnitischen Staaten möglicherweise wirklich zerstören. Dann wird man sehen, ob Amerika danach auch das Schicksal Roms teilen wird.

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      Ich staune, 68er, wie Sie jetzt schon wissen, was wir Nichteingeweihten erst erfahren werden, wenn „die Archive geöffnet“ sind. Aber es geht, wie alle rief religiösen Menschen wissen, nichts über ein Geheimnis, das man anderen voraus hat.
      Spaß beiseite: ich wünschte, der arabische Frühling wäre ein amerikanischer Plan gewesen. Fakt ist, Obama wurde davon überrascht und wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte. Wie die Europäer auch.
      http://www.bpb.de/apuz/33128/a.....ssay?p=all

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        Sie meinen aber hoffentlich nicht diese Erdogan-Türkei. Das wollte ich nur schreiben. Sie Oppurtunist meinen aber die antisemitsch-antikommunistische-antifreimaurerische Erdogan-Türkei. Oder übersehe ich einfach immer noch eine große Revolution, also das was in der Türkei bei einem EU-Beitritt passieren würde? Ich sehe da nicht die großartigen wirtschaftlichen Vorteile, vielleicht können sie mir auf die Sprünge helfen? Was hab ich ganz persönlich davon? Oder meinen sie das auf einem Umwege eines EU-Beitritts die Erdogan-Türkei gestürzt werden könnte.

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        Lieber Herr Posener,

        wenn man die Geschichte der Einmischungen der USA in fremde Staaten kennt, muss man nicht religiös sein, um 1 und 1 zusammen zu zählen. Und wenn Obama wirklich keinen blassen Schimmer vom arabischen Frühling hatte, hätte er in seinem Urlaub 2010 besser mal die Dossiers seines Sicherheitsberaters gelesen als den neuen Roman von Jonathan Franzen.

        Ich finde das lustig. Das ist wie bei der NSA-Geschichte. Alle die vorher behauptet haben, die amerikanischen Geheimdienste würden im großen Maße das Internet abschöpfen, wurden von Ihnen als religiöse, antiamerikanische Verschwörungstheoretiker belächelt und als es dann ans Licht kam, meinten Sie, wenn ich mich recht erinnere, wer geglaubt habe, die NSA hätte diese effektiven verfügbaren Mittel nicht genutzt, sei naiv.

        Sie kennen Otpor und wissen, wie sich der Verein finanziert, Sie wissen, dass z. B. in Ägypten der Verein nicht ganz unbeteiligt war. Das geschah ganz offen und ist, wie Sie auch wissen, nur die Spitze des Eisberges. Dass man eine solche Revolution nicht planen kann, ist klar, man kann aber darauf hinarbeiten und die Stimmung entsprechend beeinflussen. Das ist der Job von CIA, MI6 und BND und bei uns spielen die parteinahen Stiftungen genauso mit, wie die diversen Think-Tanks, Lobby-Organisationen und NGOs in den anderen Ländern. Auch wenn ich es gefühlt schon 100mal geschrieben habe, die ersten Waffen, die die radikalisierten Studenten in Berlin bekamen, stammten von Peter Urbach, einem V-Mann des Berliner Verfassungsschutzes.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Urbach

        Sie kennen Gladio und die Verstrickungen von CIA und Nato. Den von Gladio mit organisierten Terrorangriff auf den Bahnhof von Bologna, etc. pp.

        http://www.spiegel.de/spiegel/.....97525.html

        Wer an die Unschuld der USA bei solchen Sachen glaubt, ist mir suspekter als religiöse Leute, die an die „unbefleckte Empfängnis“ glauben.

        Offensichtlich zielt Ihre Antiamerikanismus-Leier darauf ab, mich in ein schlechtes Licht zu rücken. Aber was heisst Antiamerikansimus eigentlich? Wie weit ist es von Antiamerikanismus zu unamerikanischen Umtrieben, welche man schon Brecht und Thomas Mann unterstellte? Was wollen Sie mir damit eigentlich vorwerfen? Ich verstehe Ihre Attacke formal durchaus, inhaltlich kann ich sie aber in keiner Weise nachvollziehen. Was amerikanisch ist und was unamerikanisch, hängt ja schwer vom Zeitgeist ab. Würde Trump das HUAC wieder einführen, wären Sie derzeit auch ein Kandidat um dort vorzutanzen, wenn Sie in den USA leben würden.

        Das ist die gleiche Masche wie bei der unseligen Gleichsetzung von Israelkritik und Antisemitismus. Das wird langsam langweilig.

        Noch ein paar kurz Sätze zu Lindner.

        Ihr Argument, 1,8 Prozent Warenausfuhr wären es nicht wert, auf die eigenen moralischen Werte zu verzichten, zeigt eigentlich ganz gut, Ihre Denke. Es geht tatsächlich nur solange um Menschenrechte und Demokratie, wie es das eigenen wirtschaftliche Interesse erlaubt. Ich glaube, Lindner sieht das nicht viel anders als Sie, aber ich finde er ist da ein wenig ehrlicher. Und im Gegensatz zu Ihnen sieht er nicht nur den derzeitigen niedrigen Warenstrom, sondern das tatsächlich nicht genutzten Handelspotential.

        Ich finde Linder im übrigen ganz spannend, denn wie der in der Öffentlichkeit rezipiert wird, erinnert auch ein wenig an Merkel. Schon der Wahlkampf in NRW war eigentlich eine Ein-Mann-Show und beim Bundestagswahlkampf wird es genauso kommen. Gestern habe ich auf einem Plakat gelesen:

        „Christian Linder
        Jetzt wieder verfügbar: Wirtschaftspolitik“

        Ich denke dann, klar, jetzt macht die Wirtschaft wieder Politik, und die FDP bedient ihre Klientel, Ärzte, Rechtsanwälte, die Hotellobby etc. pp. Abe der deutsche Michel glaubt immer noch die Mär von der wirtschaftspolitischen Kompetenz der FDP.

        Lindner könnte auch schreiben.

        „Wieder mehr Sachthemen: Christian Lindner!“

        Und die Leute würden ihn wählen ohne zu merken, was für ein Schaumschläger sie da gerade einseift.

        So long!

        Ihr 68er

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        Lieber Herr Posener,

        was soll das? Das ist unter Ihrem Niveau. Bei der AfD würden sie mich als Internationalisten steinigen. Nur weil die AfD die USA kritisiert, muss ich doch noch lange nicht alles gut finden, was NSA, CIA und Co. so in der Welt anstellen. Mit der Logik hapert es manchmal?

        Beste Grüße

        Ihr 68er

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    Lindner eifert halt der FDP-Ikone Genscher nach.
    Früher nannte man das Realpolitik, und die Welt ist gut damit gefahren, daß in Zeiten des Ost-West-Konflikts die Realpolitiker und nicht die Ideologen (auf beiden Seiten) das Sagen hatten.

    Noch eine Anmerkung zur „antiamerikanischen Brille“ die 68er angeblich aufhat:
    Setzen Sie einfach mal die proamerikanische Brille ab, Sie könnten die unselige Rolle der USA im nahen und mittleren Osten klar erkennen, angefangen schon 1953 mit dem Sturz des iranischen Premierministers Mossadegh (https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax).

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      Ach, Don Geraldo, sie glauben doch nicht, dass einer, der auf dem Internat von einem Exilperser politisiert wurde und schon 1970 durch die Straßen lief und rief „Tod dem US-Imperialismus, dem Hauptfeind der Menschheit!“ rief – dass so einer so naiv sein sollte, Mossadegh nicht zu kennen und insgesamt die teilweise naive, teilweise durchtriebene, zuweilen verbrecherische, oft nur dumme Politik der USA nicht als solche zu durchschauen? Allein das macht Putin nicht zu einer Alternative.

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    Ich finde es als zu früh, Lindner Rußlandnähe zu unterstellen. Den Vorwurf der Anbiederung sehe ich sogar als grob bösartig. Ich vermute eher, daß Lindner die Beziehungen zu Rußland als einen neuen kalten Krieg begreift und glaubt, daß die gleichen diplomatischen Mechanismen, die bis zum Zusammenbruch des Warschauer Pakts funktioniert haben, jetzt erneut erfolgreich seien könnten. So versuchte man damals durch „Anerkennung des Status Quo“ und dann durch „Wandel durch Annäherung“ eine Besserung der diplomatischen Beziehungen zu Moskau herbeizuführen. Ob Christian Lindner damit richtig liegt kann ich nicht beurteilen. Ich glaube aber nicht, daß es sich hier um eine reflexartige Moskautreue handelt, wie es bei einigen Abgeordneten der Linken der Fall ist.

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      Lieber Marc Satan, Ihr Namensvetter argumentiert klüger. Ich habe erstens Lindner keine Russlandnähe unterstellt, lesen Sie bitte genauer. Und zweitens beruhte der brüchige Friede im Kalten Krieg in der Tat auf der Anerkennung des Status Quo, wie er in Jalta und Potsdam ausgehandelt wurde. Nach 1989 beruht der Friede zwischen den großen Mächten auf der Anerkennung des Prinzips der Nichtantastbarkeit nationaler Grenzen. Die verletzt Putin grob. Wenn das anerkannt wird in der Ukraine, warum nicht auch in Georgien, später vielleicht in Estland oder Lettland? Welchen Vorteil könnte die Anerkennung der Verletzung des Status Quo bringen?

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    In den letzten 200 Jahren sind Millionen Deutscher (auch mit Napoleon) in Russland gefallen. Das deutsche Siedlungsgebiet hat sich halbiert – im Osten, wegen Russland.
    Die Deutschen sind mit dem Thema durch. Arschkriechen? Kann man so nennen. Vielleicht eher kollektives Trauma, sollte es so was geben.

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    Sie haben Recht, in allen Punkten. Und doch…
    Lassen wir mal die Frage, ob Sanktionen wirklich Politik oder Politik-Ersatz sind, einfach mal weg. Sanktion bewirken vieles, aber nie das, was sie sollen.
    In Deutschland ist es Konsens, dass Deutschland nie wieder in erster Reihe gegen Russland stehen darf. Es gibt ohne Frage eine unausgesprochene deutsche Staatsräson und die wird ohne Frage von den meisten geteilt. Lindner sagt da tatsächlich das, was gedacht wird. Es ist eine deutsche (mitteleuropäische?) Urangst vor den asiatischen Horden oder modern: der Eurasischen Option Russlands. Die Abwanderung nach China und die aggressive Rückkehr nach Europa. Ob er diese verhindert oder nicht, wird einer der Maßstäbe an einen deutschen Außenminister sein. Und das wiegt schwerer als ein isolierter Putin. Ich glaube, das treibt ihn.

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      Kann sein, Stevanovic. Umso schlimmer. Gerade beschließt der US-Kongress schärfere Sanktionen gegen Russland, und in Deutschland fahren wir die Trump-Linie des Anbiederns. Was sollte der Gewinn einer derart zerfaserten Politik sein?

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        Nicht wir fahren diese Linie, Herr Posener, sondern unsere Regierung 🙂

        Bitte verzeihen Sie mir diese Kleinlichkeit.

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    … lirum, larum, Löffelstiel, Lindner hin, Lindner her, wer glaubt, dass Putin/Russland die Krim, mit seiner Hafenstadt Sewastopol, den Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte, freiwillig aufgibt?

    Das Völkerrecht dürfte mit der Volksabstimmung für die Rückkehr [sic!] der Krim zu Russland, auf russischer Seite sein. Aber Volkswille, Demokratie und EU – sind ein Widerspruch. Was die selbsternannte ‚Elite‘ auch unverfroren zugibt.

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      Erst annektieren, dann abstimmen lassen, und derblondehans findet das „völkerrechtlich in Ordnung“. Warum wundert mich das nicht?

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        … werter Alan Posener, das Jammern der westlichen Nicht-Demokratie wird die Krim nicht von Russland lösen. Sanktionen schaden uns, den Deutschen, mehr als Russland. Das hat sogar die Ex mit bekommen. Die kritisiert nämlich die US-Sanktionsplänen gegen Russland, dass die auch Europa schaden, sei ‚befremdlich‘.

        Aber schreiben ‚wir‘ so: Es gab keine Annexion auf der Krim. Es gab ein innerstaatliches Referendum. Annexion ist die gewaltsame Aneignung von Land gegen den Willen eines Staates durch einen anderen Staat. Ein Referendum, eine Sezession und ein Beitritt zu einem anderen Land ist keine Annexion. Die Krim hat durch ein Referendum seine Abspaltung von der Ukraine vollzogen und in einem Antrag den Beitritt zu Russland erklärt. Sollte Russland das ablehnen? Da brauchte nix annektiert werden. Klar, das mag nicht gefallen, ist aber Realität.

        Kissinger: ‚Der Westen muss verstehen, dass die Ukraine für Russland niemals nur ein fremdes Land ist.‘

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        „Ein Referendum, eine Sezession und ein Beitritt zu einem anderen Land ist keine Annexion.“ Es kommt doch sehr auf die Reihenfolge an, wie die Saarländer wissen.

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        … werter APo, die Russen sind aus Deutschland abgezogen. Die Amerikaner sind, samt Atomwaffen und kriegsführenden Stützpunkten, noch da. Vertrag hin, Vertrag her. Ich habe, wie das deutsche Volk, keinen Vertrag mit den Amerikanern.

        Machen ‚wir‘ ein Referendum. Auch ein Referendum zur millionenfachen mohammedanischen Zwangsumsiedlung nach Deutschland und Europa. Das ist Demokratie. Fragen ‚wir‘ das deutsche Volk.

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        Ja, blonderhans, das deutsche Volk wird alle vier Jahre befragt und wählt nun einmal mehrheitlich Parteien, die unsere Mitgliedschaft in der Nato befürworten, ob Ihnen das passt oder nicht.
        Was die Zwangsumsiedlung von Muslimen betrifft, so war, als ich das letzte mal nachschaute, vor allem Russlands Verbündeter Assad dafür verantwortlich, nicht Donald Trump. Aber Sie können mich gern eines Besseren belehren, wenn Sie es besser wissen.

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        @APo

        … fällt mir nicht im Traum ein einen Lehrer zu belehren, bei denen gibt es gute und weniger gute. Ich glaube Sie merken es nicht. Auf der Krim kritisieren Sie Wahlen, in Deutschland ziehen Sie Wahlen als Argument.

        Was Ihre, nicht unsere, Befürwortung Deutschlands ‚Mitgliedschaft in der Nato‘ betrifft, das hat die Historie schon beantwortet.

        Russland, seine Verbündeten und die Machtkämpfe der Mohammedaner untereinander interessieren mich so viel, als ob mein Hamster der Tiger von Echnapur sei. Er ist es nicht.

        Allain – Merkels radikale Grenzöffnung ist ein historischer Rechtsbruch. DAHER!

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      Lieber 68er, wer „ceterum censeo“ sagt, stellt sich in eine unselige Tradition. Aber das nur nebenbei. Wenn Sie den Syrienkonflikt mal nicht durch die antiamerikanische Brille betrachten, dann werden Sie feststellen, dass es die Reaktion des Alawiten (und Verbündeten des Iran und Moskaus) Assad auf friedliche Demonstrationen war, die zur Eskalation in Syrien führte.
      Dass ein „68er“ dahin kommt, einen Mann wie Putin gegen einen Mann wie Obama zu verteidigen (der ja für die US-Politik gegenüber Syrien verantwortlich war), spricht Bände über die moralischen Irrwege, die zwangsläufig mit jeder ideologisch einseitigen Haltung verbunden sind.

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