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Merkels Leitkulturdebatte

Wenn man sich fragt, was Thomas de Maizière geritten hat, die Diskussion um eine deutsche Leitkultur – oder wie mein Freund und Vorbild Henryk M. Broder es schon vor 17 Jahren nannte: „Leidkultur“ – wieder zu beleben, sollte man sich vergegenwärtigen, dass der Mann seine Zukunft schon hinter sich hat. Angela Merkel hält ihn für verzichtbar – etwa in einer Koalition mit den Grünen – und hat ihn vorgeschickt, um vor den Wahlen in Schleswig-Holstein und NRW die rechte Flanke der CDU abzudecken. Und siehe da, das Manöver funktioniert. Niemand redet mehr über die AfD. Alle reden über die Leitkultur.

Thomas de Maizière ist als Innenminister eine Katastrophe. Das gab die Kanzlerin klar zu erkennen, als sie die in seinen Zuständigkeitsbereich fallende Flüchtlingspolitik – Grenzkontrolle, Aufnahmelager, Registrierung, Überprüfung, Verteilung, Integration – ihm abnahm und ihrem effizienten Kanzleramtschef Peter Altmaier übertrug. Die Vor- und Nachgeschichte dieser Entmachtung kann man in Robin Alexanders exzellent recherchiertem Buch „Die Getriebenen“ nachlesen.

So gehört de Maizière aus Merkels Sicht zu den „expendables“; gelegentlich wird man für ihn wie für Stoiber und Öttinger irgendeine Aufgabe in Brüssel finden; bis dahin soll er sich nützlich machen. Zum Beispiel, indem er die „Leitkultur“-Debatte wieder anfacht. Das macht ihn für die Grünen wie für den linken Flügel der CDU – man denke etwa an den wackeren Ruprecht Polenz – unmöglich, sorgt aber – weil nun jeder, wirklich jeder eine Meinung zur Leitkultur hat, obwohl keiner, wirklich keiner weiß, was der von einem aus Damaskus stammenden Professor erfundene Begriff meint. Egal. Umso besser. Die Blätter füllen sich mit den Ergüssen von Kommentatoren und Kulturwissenschaftlern, man streitet sich heftig, ob der Handschlag zur Leitkultur gehört und ob man orthodoxe Juden, die Frauen nicht die Hand geben, aus der Leitkultur „ausgeschlossen“ sein sollen, wie Jens Spahn meint, und so weiter und so fort. Herrlich. Und keiner redet von der AfD.

Merkel hat gelernt. Sie hat die Taktik der AfD begriffen, durch gezielte Provokationen für mediale Aufmerksamkeit zu sorgen, und hat sie nun erfolgreich imitiert. Wäre die AfD clever, könnte sie entgegnen, dass eine Leitkultur-Diskussion überflüssig wäre, wenn de Maizières Partei nicht eine Million Menschen ins Land gelassen hätte, die – wie sagt mein Freund Alexander Gauland: „raum- und kulturfremd“ sind. Vielleicht sagt sie das auch. Aber es geht unter im Gekläff über die Leitkultur des Händeschüttelns. Die Öffentlichkeit zerlegt sich zuverlässig in zwei Lager – „geht gar nicht“ und „wird man doch noch sagen dürfen“ – und bis man der Debatte überdrüssig geworden ist, wird schon gewählt.

Ich sage, wie weiland Fritz Teufel: Wenn‘s denn der Wahrheitsfindung dient. Wenn’s hilft, die AfD klein zu halten, sollen sich meinetwegen die Leute übers Händeschütteln die Köpfe heiß reden. Jeder blamiert sich dabei, so gut er kann. Auch in Ordnung.

29 thoughts on “Merkels Leitkulturdebatte

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    „Thomas de Maizière ist als Innenminister eine Katastrophe. Das gab die Kanzlerin klar zu erkennen..“
    Bravo, jetzt fehlt nur noch jemand, der zu erkennen gibt, dass Angela Merkel als Kanzlerin eine Katastrophe ist.

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    „Unsere Staatsform ist die Republik. Wir dürfen machen, was wir wollen. Wir benehmen uns so ungezwungen, als es uns beliebt. Wir haben niemand von unsern Handlungen Rechenschaft abzulegen, als uns selbst, und das ist unser Stolz.“ Was Robert Walser seinen Schüler Fritz Kocher im Aufsatz „Das Vaterland“ 1904 schreiben ließ, hat der Innenminister de Maiziere 113 Jahre später noch einmal vorgebracht, nur ist die Sprache, in der er dies tut, nur noch schwer als Deutsch zu erkennen: „Wir sind eine of­fe­ne Ge­sell­schaft. Wir zei­gen unser Ge­sicht. Wir sind nicht Burka. (…) Wir sind Kul­tur­na­ti­on.“ Und was bei Robert Walser noch heiter war, ist dem Bürokraten („un­se­re Amts­spra­che ist Deutsch“) de Maiziere blutiger Ernst: „Un­se­re Na­tio­nal­fah­ne und un­se­re Na­tio­nal­hym­ne sind selbst­ver­ständ­li­cher Teil un­se­res Pa­trio­tis­mus. (…) Das Bran­den­bur­ger Tor und der 9. No­vem­ber sind zum Bei­spiel ein Teil sol­cher kol­lek­ti­ven Er­in­ne­run­gen.“ Dass diejenigen, zu deren kollektiven Erinnerungen der 9. November gehört, von Patrioten, die mit Fackeln durch das Brandenburger Tor zogen, gequält und ermordet wurden, ist nur eine Randnotiz wert: „Ja, wir hat­ten Pro­ble­me mit un­se­rem Pa­trio­tis­mus. Mal wurde er zum Na­tio­na­lis­mus, mal trau­ten sich viele nicht, sich zu Deutsch­land zu be­ken­nen.“ Hier ein paar antideutsche Demos, dort 2 Weltkriege mit Millionen Toten – dem de Maiziere ist das alles eins bzw. die deutsche Geschichte „ein Rin­gen um die Deut­sche Ein­heit in Frei­heit und Frie­den mit un­se­ren Nach­barn“, woran sich zwanglos ein „Be­kennt­nis zu den tiefs­ten Tie­fen un­se­rer Ge­schich­te“ anschließt. Und eben diese „tiefsten Tiefen“ führen de Maiziere in scheinbar lichte Höhen, nämlich dazu, „ein be­son­de­res Ver­hält­nis zum Exis­tenz­recht Is­raels“ zu erwähnen, wobei die Schwammigkeit des Begriffs „besonders“ vorsichtshalber alle Optionen offen lässt. (Und wer diese Aussage für überflüssig hält, schließlich zweifele ja auch Israel nicht das Existenzrecht Deutschlands an, sei daran erinnert, dass das Zerlegen souveräner Staaten – vgl. die Tschechoslowakei 1938 oder Jugoslawien 1991 – immer schon eine Spezialität deutscher Außenpolitik gewesen ist. Der Auftritt Gabriels in Israel könnte in dieser Tradition stehen.)
    Der Zweck dieses banalen und oft unfreiwillig komischen Textes („Was in Deutsch­land gilt, kann ge­nau­so in Frank­reich gel­ten. Um­ge­kehrt ist auch rich­tig: An­de­re Län­der, an­de­re Sit­ten.“) liegt indes in der Aggression nach innen, im Ausschluss derjenigen, denen bei der „Ver­bun­den­heit mit Orten, Ge­rü­chen und Tra­di­tio­nen“ einzig der ranzige Geruch von Urin und Erbrochenem in die Nase steigt.
    Und so sieht de Maiziere für diejenigen, „die zu uns ge­kom­men sind, die hier eine Blei­be­per­spek­ti­ve haben, die den­noch aber eine sol­che Leit­kul­tur weder ken­nen, viel­leicht nicht ken­nen wol­len oder gar ab­leh­nen“ folgerichtig voraus, dass „bei denen (…) die In­te­gra­ti­on wohl kaum ge­lin­gen“ werde. Mit dieser Drohung stellt er sich zwar gegen die Prinzipien der „Leitkultur“ („Zum Mehr­heits­prin­zip ge­hört der Min­der­hei­ten­schutz.“), doch hätte es diesen Satz gar nicht mehr gebraucht, um klarzumachen, dass „deutsche Leitkultur“ und Zivilisation soviel miteinander zu tun haben wie ein deutscher Innenminister mit aufgeklärtem Denken.

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    Daß ausgerechnet in Deutschland von Leitkultur oder pessimistischer von Leidkultur die Rede ist, dürfte daran liegen, daß von den drei Typen von Nationalismus, als Erwartungsbegriff von Nation (nicht im Sinne der Übersteigerung von nationaler Identifikation), mangels gemeinschaftlicher Geschichte, Intellektuelle von „Kulturnation“ sprachen. Zwei Momente spielten bei Bildung der vorgestellten Gemeinschaft (also nicht reale wie Familie oder Kleingruppen) der Nation eine Rolle: die politische Rationalisierung, die entweder beim staatszentrierten Nationstypus, der in der Forschung auch als territorialer Typuis bezeichnet wird und vor der Entstehung eines Weltmarktes schon die entsprechende Zentralsierung hatte und sich vom ethnischen Typus unterschied, der vor allem da entstand wo traditionell ein inhomgenes Imperium existierte.
    Die politische Rationalisierung konnte individualistisch sein oder holistisch, so daß im Grunde drei Grundtypen (als jeweils dominierend, nicht ausschließlich).
    Individualistisch und territorial war England der Demiurg des bürgerlichen Kosmos strukturiert.
    Holistisch und territorial war das, was am Ende in Frankreich sich durchsetzte.
    Holistisch und ethnisch hat vor allem Deutschland (wie Österreich) ein Beispiel gefunden.
    Dort war die gesamtstaatliche Einheit schwach, wenn auch wenige bestimmte kulturelle, soziale und sprachliche Gemeinsamkeiten immerhin exstierten, die sich allerdings durch die Expansion des revolutionären Frankreichs als Katylysator verstärkten. Weil keine territoriale Gemeinsamkeit existierte, das Territorium zerspittert war in viel Fürstentümer, war bei den deutschen Intellektuellen, die durchaus anfänglich frankophil waren von „Kulturnation“ die Rede und wenn von Leitkultur die Rede ist, so beruft man sich auf jene, um die nationalistische Identifikation zu erneuern, zumal die Feindbilder sich abschwächten. Der dominante Typus setzte sich allerdings nicht kulturell, sondern mit dem Schwerte durch, was bedeutete, daß es Propaganda benötigte, um nationelle Identifikation auch in die Köpfe zu bekommen, wobei die inner- und außerstaatliche Feindbestimmung durchaus, weil nur da beides zugleich ging, auf die Juden sich bezog, so daß auch dort wo der Antisemitismus latenter wurde, für die Gemeinschaftsbildung gern darauf zurückgegriffen wird. Heute weniger aggressiv, mehr durch Verbiederung der Politiker, wie wir sie von Merkel oder neuerdings von Schulz kennen. Auch wenn das idealtypische England und Frankreich Frühgeburten waren, die Regel scheint mir doch gerade nicht die terrirtorlal-staatsbürgerliche Nation die Regel zu sein, sondern diejenige, die gern als „Sonderweg“ diskutiert wird. Denn schwerlich kann man behaupten, daß die sog. nationale Identität sich nicht naturwüchsig aus einer bestimmten Staatsverfassung ergebe. Die Gewalt, die in allen Fällen notwendig war, um diejenigen die dazugehören und die nicht zu scheiden, wurde historisch – besonders bedingt durch die Shoah – verdrängt und auf den Staat projiziert, der durch ständige Angriffe auf Staat und Territorium, gegenwärtig zur Gewaltanwendung gezwungen ist. Unterschiedliche Gruppen, sei es Hezbullah, Hamas, al Quadi, der Islamische Staat vitalisieren und revitaliseren diesen Zwang, der in den europäischen Staaten latent ist und nur im Ausnahmefall aktiviert wird. Darum richtet sich der Nationalismus wesentlich gegen Israel, nicht etwa gegen den Islam, so daß Ideologie von Leitkultur und wirkliche Praxis immer mehr divergieren. so daß Bengel Gabriel und Biedermann Schulz gegen alle Wirklichkeit versuchen, Israel zu delegitimieren und ungern dabei erwischt werden. Aufklärung darüber wird zwar versucht, wenn auch die Menschen, die das versuchen, gehindert z.B. gehindert einen Film darüber genehmigt zu bekommen. Ausgerechnet Arte versucht die Sendung eines solchen Films einzustellen, wie Goetz Aly und neuerdings Alex Feuerherd triftig kritisierten. Offenkundig benötigt man für die Leitkultur-Impelementierung keine Antisemitismuskritik. Nun kommt die Rede von Leitkultur – wohl erstmals von Basam TIbi formuliert – mehr in eher nationellen und rechtschristlichen Unionskreisen vor, so daß auch hier von Verschwörungstheorien abzuraten ist. Solche Entwicklungen und Vorstellungen entstehen in einem antagonstischen Streit als Hintergrund-Dispostionen zu künftiger Praxis. Und das macht das auch so gefährlich. Daß Islamkritik, die zu üben geboten ist, auch durch im Dunkelfeld zwischen Rechtsrestaurativen Denken und Rechtsextremismus (etwa der AfD, Pegida) gerade hintertrieben wird, erscheint heute durchaus offen, wenn die Opfer des Islam, vor allem ja Muslime, im Namen des Islamismus verfolgt und diskriminiert werden. In diesem Dunkelfeld zeigt sich der wirkliche Grund in Fremdenfeindlichkeit, anstatt daß der Islam anhand allgemeiner Menschenrechte kritisiert.
    Wer da von Leitkultur spricht, mit dem nur die Fremden ausgegrenzt werden sollen, weil sie fremd sind, macht auch diesen wohl anfänglich gut gemeinten Begriff kaputt, vor allem auch wenn Menschen wie die Muslime auf ihre „Kultur“ reduziert werden, zu der sie mehrheitlich schon längst in Distanz geraten sind, was ja zur bekannten Spaltung in Liberalisierung und Fundamentalismus führt. Es sind die zwei Typen von Reaktion, wenn eine alte Ideologie – etwa der Islam aber auch für andere gilt das – fragwürdig geworden ist, Liberalisierung und durch diese auch verstärkt ein Fundamentalismus, der zwar modern ist, aber autoritär auf alte Werte sich bezieht.
    Mit der Leitkultur ist es wohl so, wie Adorno mal in „Ohne Leitbild“ schrieb, wenn man so etwas unbedingt haben will, dann in dieser Art:
    „Nicht minder verbürgt, wenngleich mehr der Sphäre von Witzblättern um 1910 zugehörig, ist ein Ereignis aus Ernsttal, dem Leiningenschen Besitz. Dort erschien eine Respektsperson, die Gattin des Eisenbahnpräsidenten Stapf, in knallrotem Sommerkleid. Die gezähmte Wildsau von Ernsttal vergaß ihre Zahmheit, nahm die laut schreiende Dame auf den Rücken und raste davon. Hätte ich ein Leitbild, so wäre es jenes Tier.“

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      „Islamkritik“, lieber Martin Blumentritt, ist genauso wenig „geboten“ wie „Israelkritik“. Von wem geboten, wem geboten? Ihre Analyse ist ansonsten nicht ganz falsch, wenn auch, wie üblich, zu lang, zu kompliziert. und ohne Standpunkt. Die Kultur wurde benutzt, um erstens die Katholiken auszugrenzen, zu marginalisieren und zu kriminalisieren – im Rahmen des „Kulturkampfs“, der ein Kampf darum war, die Religion des Staates an Stelle der Religion des Christentums zusetzen – und zweitens, im Kampf der „Kultur“ gegen die „Zivilisation“, den Hegemonialanspruch des deutschen Staates in Europa durchzusetzen. Eine unselige Tradition. „Liberté, égalité, fraternité; Vive la république, vive la France!“ Mehr braucht es nicht. Wer sich öffentlich und in seinen Handlungen dazu bekennt, kann privat und in Gedanken machen, was er oder sie will.

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        Israelkritik ist schlechtweg Antisemitismus, sofern sie über das hinausgeht, was man an jedem anderen Staat als Staat oder Nation zu kritisieren hätte. Da allerdings wäre Israel in der Reihenfolge der letzte Staat, an dem Kritik zu üben wäre, weil es eine defensive Staatsgründung war gegen den nahezu globalen Antisemitismus.
        Woran sich Leser gewöhnen müssen, wenn ich etwas formuliere, ist meine – nicht bloß Idiosynkrasie, sondern sachlich begründete – Abneigung gegen Standpunktsdenken, weil ein Standpunkt die Regel hat, wie das Wort „Punkt“ besagt, ein geistiger Horizont mit dem Radius gleich Null ist. Im mechanizistischen Zeitalter wurde ja der Massenpunkt (paradox genug, weil was Punkt ist keine Masse haben kann) als mathematische Fiktion gebildet und daher stammt auch die Rede von Repulsion und Attraktion der Materie, die dann auch auf die entstehenden antagonistischen Gesellschaften übertragen wurde. Standpunkte wären so ausschließend und führen in Streit über Kampf bis zum Krieg, wenn sie praktisch werden. Ich ziehe vor in Auseinandersetzungen, wenn sie nicht gerade antinomisch sind, nicht kondradiktorisch sondern konträr, die Äußerungen äußerst ernst zu nehmen, allein um die regulative Idee der Wahrheit willen. (Das Gegenteil von Talkshow-Art) Denn selbst die mir am meisten abwegig erscheinende Auffassung kann (gar muß) ein Korrektiv an der Einseitigkeit meiner eigenen sein, sofern sie sich nicht selber widerspricht oder ganz vorbei geht. Das paßt hier auch gerade zum Thema.
        Für den Gedanken an „Kulturkampf“ bin ich besonders dankbar (das letzte Mal hatte ich mich damit beschäftigt, als ich die Sozialisation von Carl Schmitt betrachtete), denn jener Gedanke bringt mich zum Denken, hier, wie das mit Formeln ist, die der Islamkritik entgegengesetzt werden („Der Islam gehört zu D“). Gerade der Kulturkampf Bismarcks belegt, daß dies eine doch sinnlose Äußerung war. Der Kulturkampf begann im Königreich Preußen, wurde fortgesetzt im deutschen Kaiserreich gegen das Papsttum Pius IX. Wie Sie ja sicher besser als ich wissen, hatte das 1. vatikanische Konzil das Unfehlbarkeitsdogma proklamiert. Die Polemik dagegen ging dann ja gegen die Hörigkeit gegenüber den „hinter den Bergen“(ultra monte), so daß man das Ultramontanismus nannte. Bis heute sehen wir allerdings die Ergebnisse des Kulturkampfes, etwa wenn wir heiraten, dann müssen wir zu den damals eingeführten Standesämtern, nicht in die Kirche, wenn die Ehe anerkannt werden soll. Trotz Gründung der altkatholischen Kirche spaltete damals die katholische Kirche sich nicht und so ganz setzte sich ein Ausschluß der Kirche aus dem Staat nicht durch. Aber bewahrheitet hat sich tatsächlich der damalige Auspruch Bismarcks im Reichstag : „Nach Cannosa gehen wir nicht.“ durchaus. Es waren Anfänge der Trennung von Staat und Kirche. Es war zwar keine Freiheit von Religion, sonder Religionsfreiheit, geblieben, so wie einst schon Marx sich ausdrückte.
        Schon die innerislamische Islamkritik z.B. des Persers Ibn al-Muqaffas wollte rechtens, wie ich finde, das Gesetz vom religiösen Bereich befreien und das Bereich politisch kontrollieren. Die Mutazila lehrten die Erschaffenheit des Korans und eröffneten eine, wenn auch eingeschränkte Kritik an den nichtkoranischen Schriften als Menschenwerk, so daß es immerhin eine relative Freiheit von Religionsgesetzen geben sollte. Wo es Islamkritik gab, waren es die besten Zeiten des Islam und viel spricht dafür, daß das auch wieder so werden könnte. Das heutige Problem ist, daß in der islamischen Theologie auch der Terror legitimiert wird und Inhalte vermittelt werden, die ihn begünstigen.
        So wie wir kein christlicher Staat sind und sein wollen, so erst recht wollen wir keine islamischen Elemente im Staat haben. Und besonders destruktiv ist es die Muslime, die in der Regel besser sind als ihre Kultur, genau auf diese zu reduzieren, von der sie partiell oder ganz sich ohnehin in Distanz befinden.
        Eine Entwicklung, wie sie die Juden im Übergang 18.-19. Jh. hatten, aufgrund der Krise, in die die durch die Durchsetzung der Nationalstaatsidee, also des Nationalismus gerieten, geht ja wohl nicht. Die Ansätze von Religionisierung oder Konfessionaliseriung nach Vorbild des Protestantismus bei den Juden, dürften auch kein Vorbild für die Muslime sein (vgl. L.Banitzky, How Judaism Became a Religion 2011). Noch bei Mendelsohn finden wir Banitzky zufolge (S.28) eine Einheit von Partikularismus und Universalismus, da er ja am angelsächsischen religiösen Pluralismus orientiert war. 1776 wurde das in den USA verwirklicht. Im Deutschem Raum war ja mehr Frankreich das Vorbild und leider nicht die USA, also war es der berühmte „Verbesserungs“-Diskurs, der die Religionsierung begleitete. Besser wäre es wohl in amerikanischer Manier gewesen. Eine Einheit von Partikulaismus und Universalismus – wie schon Lessing wußte ist das ja im Grund im Judentum grundgelegt – hätte so etwas wie den der Leitkultur in einem harmlosen Sinne drin, also nicht so eine Art Esperanto-Universalismus.
        Ich erinnere mich auch an die Abtreibungsdiskussionen vor allem der 80er Jahre, wo selbst katholische Ethiker durchaus defensiv argumentierten, daß auch christliche Theoretiker im Diskurs um die Abtreibung genauso wie alle anderen mitsprechen dürfen sollen. (Bitte keine Abtreibungsdiskussion jetzt, es geht um das Strukruelle) Auch Muslime dürfen und sollten dürfen bei gesellschaftlichen Prozesse wie alle anderen Menschen mitreden dürfen, nach meiner ethischen Auffassung einer negativen Moralphilosophie, die ebsagt, daß was falsch ist immer genau gesagt werden kann, aber nur selten, was richtig. Besser als das unverstandene Gerde über Leitkultur, wäre vielleicht an Lessings Ringparabel zu erinnern, vor allem dem Richterspruch:
        “ Denkt ihr, daß ich Rätsel
        Zu lösen da bin? Oder harret ihr,
        Bis daß der rechte Ring den Mund eröffne? –
        Doch halt! Ich höre ja, der rechte Ring
        Besitzt die Wunderkraft beliebt zu machen;
        Vor Gott und Menschen angenehm. Das muß
        Entscheiden!“
        Wer vor Gott und Menschen dann unangenehm erscheint, hat ja wohl definitiv den falschen RIng (möglicherweise sind ja alle drei falsch), das sollte sich Lessing zufolge ja dann heraustellen, aber doch nicht durch Nicht-Kritik. D.h. selbstverständlich ist der Islam zu kritisieren, wenn daran etwas falsch ist, nicht bloß in einer allgemeinen Relgionskritik, die Feuerbachsche war z.B. dann doch christlich und antisemitisch und gerade nicht universell, weil sie die aufgehobene christliche präferierte, sondern die auch die partikulären Idee an ihnen selbst mißt und mit dem Leitgedanken eines Universalismus, aber eben nicht abstrakten Esperanto-Univeralismus. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und die Kichen zu Pferdeställen machen, liquidiert nimmt den Charakter von (religiösen) Glauben „Jauchzer der bedrängten Kreatur“ zu sein und damit auch einen Anspruch auf menschliche, nicht bloß bürgerliche Emanzipation. Auch darum, lieber die gezähmte Wildsau von Ernsthal, die ihre Zahmheit vergaß, wegen der vielen „Respektspersonen“, wo wir dann auch beim Islam wieder angekommen sind. Wie alles, ist auch der keineswegs von Kritik auszunehmen, wie sich heute so einige denken. Denn darin steckt ja schon Rassismus genug, man nimmt Muslime dann nicht mehr ernst, wenn man ihnen die Kritik vorenthält.

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        Lieber Martin Blumentritt, Sie mögen Standpunkte ablehnen, aber Sie würden Ihrem ideal der Auseinandersetzung mit offenem Ausgang näher kommen, wenn Sie sowohl kommentierend wie auch in Ihren Beiträgen sich an die Leitlinie halten würden: ein Text, ein Gedanke. Schon dieser Kommentar überfordert mich.
        Nur so viel: Beim „Kulturkampf“ ging es eben nicht, wie Sie behaupten, um die Trennung von Staat und Kirche, sondern um den Versuch der Unterwerfung der Katholischen Kirche unter den preußischen Staat, der seinerseits eine Staatsreligion hatte, nämlich den Protestantismus.
        https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article138938807/Gehoert-der-Katholizismus-zu-Deutschland.html

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        Nachtrag: Die Theorie der Zwei Kulturen oder die Aufspaltung von Kultur und Zivilisation (im deutschen Sprachraum haben die Begriffe ohnehin eine andere Bedeutung als im Englischen und weil in Namen von Zivilisation Deutschland wegen zweiter Kriege und einer Massenvernichtung kritisiert wurde, mögen die deutschen Theoretiker den Zivilisationsbegriff ohnehin nicht, dazu der Vorspann von N.Elias Theorie der Zivilisation.
        Freuds Kulturbegriff „all das, worin sich das menschliche Leben über seine animalischen Bedingungen erhoben hat“ und daß er verschmäht „Kultur und Zivilisation zu trennen“ weiß, daß „beide Richtungen der Kultur“… „nicht unabhängig voneinander“ sind. Die Beschwörung von Kultur (im deutschen Sinne) erscheint mir ohnmächtig und ist ohnehin unabtrennbar vom Zerfallcharakter der Zivilisation. Abgetrennt von dem, was man Zivilisation als technisch-wissenschafliches Reich nennt, ist auch Leitkultur ohnmächte, so es sie überhaupt geben kann.

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        Herr Blumentritt, Ihre Bemerkung, ein Standpunkt wäre ein geistiger Horizont mit dem Radius gleich Null, ist zwar amüsant, aber falsch. Wer gerne wandert, weiß, dass man nur einen Standpunkt hat und haben kann. Je nachdem, wo man sich befindet, kann der aber einen tollen Rundumblick bieten. ein Standpunkt ist eine bestimmte Perspektive. Mehr ist nicht drin. Man kann sich zwar einbilden, dass mehr drin ist, aber dann täuscht man sich. Man muss sich mit seiner punktuellen und obendrein endlichen Existenz begnügen. Mir geht es so wie dem Herrn Posener: Ich habe – als Abwechslung zur Erwerbsarbeit – versucht, ihren Marx durchzukauen und konnte das nicht runterschlucken. Entweder ist der Marx zu zäh oder ich habe zu schwache Beißwerkzeuge. Vielleicht schaffe ich es, wenn ich Zeit finde – das ist aber derzeit nicht abzusehen.

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        „Nur so viel: Beim „Kulturkampf“ ging es eben nicht, wie Sie behaupten, um die Trennung von Staat und Kirche, sondern um den Versuch der Unterwerfung der Katholischen Kirche unter den preußischen Staat, der seinerseits eine Staatsreligion hatte, nämlich den Protestantismus.“
        „Da ist was dran.“(W.Brandt) Was die Shakespeare-Interpretation „intentional fallacy of action“ nennt, daß Vorsatz und Absicht selten der wirklichen Handlung entsprechen, ist auch in der Geschichte so. Sie formulieren den Vorsatz, ich interessierte mich für das Ergebnis, das ja mager war. Zum einen bekam das Zentrum höhere Wahlergebnisse, so weit war das nicht so erfolgreich. Geblieben sind allerdings – das meinte ich – die Momente von Trennung vn Kirche und Staat (und die Fähigkeit erstre in dieser Hinsicht zu kontrollieren) teilweise bis heute: z.B. staatliche Schulaufsicht und Zivilehe. Die Maigesetze 1873, die ihre formulierte Absicht versuchten umzusetzen, wurden aber von den meisten Katholiken nicht befolgt, obwohl Bischöfe und andre Geistliche zu Gefängnis verurteilt wurden, der Widerstand verstärkte sich. Auf der anderen Seite wurden die geistlichen Orden aufgehoben, mit der Einschränkung: nicht die Krankenpflege. Unter Leo XIII. wurde der Kulturkampf abgebaut, Milderungsgesetze verabschiedet 1886f und die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan wieder. Das 2.Deutsche Kaiserreich war am Ende innenpolitisch geschwächt. Das Bleibende ist eine relative Trennung von Kirche und Staat, ein im Vergleich zu anderen Staaten gemilderten Laizismus.
        Den Artikel (Gehört die katholische Kirche zu Deutschland) – an den hatte ich wohl unbewußt gedacht – finde ich interessant. Da wird der Lothar de Maizière wohl auch Ratschläge für seinen Kulturkampf finden, aber der mäßige Erfolg sollte ihm auch erklärt werden. Und daß hierzulande islamische Institionen mit Geldern islamischer Staaten, gar von Islamisten, gefördert werden, spricht ja auch dafür, daß Kulturkampf nötig ist. Aber bitte nicht mit dem deutschen Kulturverständnis, ich schlage vor, das von Freud, was ich zitierte, zu nehmen. Soweit man da überhaupt von Rassismus reden kann, eher ist es ordinäre Fremdenfeindlichkeit, richtet sich in der Regel nicht gegen das, was an Fremden fremd ist, sondern daran, daß sie genau das Gleiche tun, was auch Deutsche tun oder tun wollen, lieber hätte man sie exotischer, um „etwas Eigenes“ zu haben (Loriot). Also Kampf gegen die Finanzierung und Steuerung von Instituionen durch sei es Saudi-Arabien sei es die Türkei.

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    Herr Ziegler, die (Leit-) Kultur, von der hier die Rede ist, missverstehen Sie hier gerade als das Produkt der Künste und Wissenschaften.
    Tatsächlich ist aber doch all das gemeint, worauf sich eine Gesellschaft als das gemeinsam Verbindliche einigen kann. Dieses Gerüst geteilter Vorlieben,Werte und Gepflogenheiten ist etwas, das die Zivilgesellschaft im Idealfall miteinander aushandelt und das Produkt aller an diesem Prozess Beteiligten ist. Und wie alle prozesshaften Unterfangen kann auch die sog. Leitkultur nicht ein für allemal festgeschrieben werden, sondern unterliegt, wie die Gesellschaft selbst, ständigen Veränderungen. Ob das unser Innenminister schon verstanden hat, ist zu bezweifeln. Und ob sich eine Gesellschaft überhaupt auf eine gemeinsame Leitkultur verpflichten lassen mag, ist ebenso fraglich.

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      Kultur jenseits von Wissenschaften und Kunst? Missverstehen? – Die Franzosen haben am Sonntag gezeigt, was das sein könnte: Kultur jenseits von Wissenschaften und Kunst. So reagiert eine Grande Nation in der Mitte Europas auf die populistische Pöblerin. Die, die am lautesten von Kultur schwadronieren, haben selber am wenigsten. Aber in Bautzen und Deutschland geht es immer nur um das Gefühl, nicht Herr im Haus zu sein. Das ist eine echte Macke. Das Problem ist weniger, dass das dumm, unkultiviert, hässlich oder gefährlich ist – v.a.D. ist es psychologisch bedenklich. Die Leute sind voller Angst und Wahn.

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        Nochmal zu Kultur jenseits von Wissenschaft und Kunst: Ich bin der Ansicht, dass hier vor allem auch die Ernährungsgewohnheiten und das Wetter eine Rolle spielt. Gerade aktuell kann man sehen, in welche Stimmungslagen ein kalter Mai führen kann. Bei der Ernährung spielt vor allem die Qualität der Basisprodukte eine Rolle: Brot, Käse, Milch, Wurst, Saft… In Frankreich hatte ich immer den Eindruck, dass wirklich alles besser schmeckt, was man auch kauft. Solange man nicht im Hypermarché bei ELeclerc einkauft. Hier bin ich vorsichtig optimistisch: Die Produktqualität in Deutschland ist durch die vielen Kiezmärkte mit regionalen Produkten und die Bioläden -trotz der kulturlosen Kritik durch die „Liberalen“ – in Deutschland etwas gestiegen. Dadurch steigt auch etwas die Lebensart (= Kultur jenseits von Wissenschaft und Kunst). Auch der Boom der (meist primitiven) Kochshows bringt was, die Leute werden dadurch sensibilisiert. Sensibilität ist eine Grundvoraussetzung für Kultur. Kultiviert ist man, wenn man jemandem, dem dies unangenehm ist, eben nicht die Hand gibt. Wenn man dies rechtzeitig erkennt und sich danach richtet.

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    Ja, als Machterhaltungstrick von Merkel und ihrem image stab ist es gelungen,doch wieso fallen
    alle linken und liberalen Blätter so platt wieder darauf rein, statt sich mal zu überlegen
    welche Leitkultur sie täglich seit den Landtagswahl siegen der AFD und die grossen Wahlsiege von Le Pen und UKip und Orban und Trump und Putin doch ständig als europäisch-demokratische-
    westliche Leitkultur zu erhalten versuchen.Für mich gehörte zu einer europäischen Leitultur nach
    1945 immer eine Haltung und Eintreten und Wissen gegen den Antisemitismus und Faschismus
    und nationalen Chauvinismus wie seit den 60gern und 70gern dann auch ein Eintreten und
    ein Mentalitätswandel gegen Seximus und Vorurteile gegen Minderheiten-es werden Millionen
    für den Erhalt der demokratischen Leitkultur bei der Bundeszentrale für politische BIldung und im Familienministerium ausgegeben, wieso ist das denn alles nötig, wenn angeblich Habermas
    und das Grundgesetz reichen? Klar über Bildungsmotivation und Konflitklösungsfähigkeiten zu reden, wie das heute bei der Pluralität in Deutschland erhalten und weiter entwickelt werden soll,da gäbe es ne Menge zu streiten..denn das Personal und die Weiterbildung für die,
    die sich als Pegida oder Rechtsextreme oder als linke Gewalttäter ,Salafisten oder ähnlich orientierte Flüchtlinge daneben benehmen und denen ein demokratisches Denken fehlt an vielen Stellen,das Grundgesetz erzeugt keine Mentalitäten, es soll deren Grundlage sein,aber wie wird
    es denn ohne Orientierungen gefüllt, nur durch das langsam leere Beschwören von Weltbürgertum und Toleranz und Vielfalt? Natürlich treten alle die, die für Macron und gegen Le Pen morgen wählen werden, für eine europäische Leitkultur oder eben eine demokratische ein,
    die auf die SPrüche und tricks weder der AFD noch von LE Pen hereinfällt und sich für
    den Erhalt der euroäische Institutionen, die reformiert werden müssen, engagiert

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      Ich finde, liebe Eva, zur Leitkultur gehört es auch, Texte so zu formatieren, dass man sie lesen kann.

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    Ich hab mir diesen Quark mit der Leitkultur gar nicht erst angetan. Das kennt man schon aus Roland Kochs Zeiten und hat keine Lust mehr auf das aufgewärmte und abgestandene Zeug. Sich über Leitkultur den Kopf zerbrechen ist eine Art Therapieform für Leute mit wackliger Identität, die nicht wissen was sie mit sich anfangen sollen. Die fühlen sich dann irgendwie besser, wenn sie glauben, sie würden irgendeine Kultur vertreten, praktischerweise ohne irgendetwas zu dieser Kultur je beigetragen zu haben. Ein Freund von mir, gebürtiger Bautzener, meinte neulich, da könne er nicht mehr hinfahren, da wäre alles voller Nazis und schweigenden Mehrheiten. Was für eine Kultur. Von Künstlern oder Wissenschaftlern, Leuten, die also tatsächlich was zur Kultur beizutragen haben, hab ich noch nichts gehört, was irgendwie für diese Leitkultur sprechen würde.
    – Und ich bin froh, dass Sie Ihr Vorbild noch nicht erreicht haben.

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    Erfolgreiche Politik ist, wenn die eigenen Themen im Mainstream angenommen werden. Ein sicheres Zeichen dafür ist, Machttaktiker, wie Merkel, greifen diese auf.

    Das war bei den Grünen mit dem Atomausstieg so und so ist es bei der Leitkultur mit der AfD.

    Die AfD ist damit thematisch in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mit dem Thema verhält es sich diesmal wie mit dem Sack Flöhe, sie bekommen es, anders als damals bei Merz, nicht mehr eingefangen.

    Ob es die AfD kleinhalten wird, wage ich deshalb zu bezweifeln. Sicher ist nur, dass die Machttaktikerin Merkel mit diesem Schritt die AfD als gesellschaftliche Größe anerkennt und sich zukünftige Koalitionen nicht verbaut.

    Ich halte es daher eher für einen Schritt, der die AfD politisch stabilisiert und der CDU damit mitte-rechts Mehrheiten sichert.

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    … oder so, Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) über ‚dschihadistische Weltenbummler‘, die mohammedanischen Kopfabschneider: ‚Es sind unsere Söhne und Töchter. Ein Großteil wurde hier geboren. Sie sind in unsere Schulen gegangen, in unsere Moscheen, in unsere Sportvereine. Wir tragen für deren Radikalisierung Verantwortung‘.

    Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken.

    Es gäbe wichtigeres über das zur Bundestagswahl gesprochen werden muss: ‚Sheich Ahmad Abu Quddum von der jordanischen Tahrir Party, erörtert den Dschihad gegen Deutschland, gelobt Israel zu vernichten und verspricht die Dschizya (Kopfsteuer) allen Nicht-Muslimen aufzuerlegen.‘

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      Klar, Links und Islamismus sind eh Verbündete im rassistischen Krieg gegen Deutsche (nicht etwa Papierchendeutsche).

      Und die Islamisten sind nicht „unsere“ Kinder, sondern die der Invasoren: ein Kätzchen, das zufällig im Hundekorb geboren wird, ist noch lange kein Hündchen.

      Es gibt genügend Literatur hierzu. Lesen Sie nur einmal Bat Ye’or. 🙂

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        Linkenhasser, „Bat Ye’or“ wurde mir vor einigen Jahren in Jerusalem vorgestellt, interessanterweise von Leuten, die Sie zu hassen vorgeben, nämlich einigen jungen Antideutschen. Die Dame ist leider verrückt.

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        Sind Sie sich dessen sicher, Herr Posener?

        Ich finde, Bat Ye’ors Theorie – und als solche betrachte ich ihre Worte auch – hätte doch einiges für sich. Ich fände diese Theorie durchaus diskussionswürdig, auch wenn sich letztendlich herausstellen sollte, daß sie unzutreffend ist…

        Man braucht die Dame doch nicht gleich als „verrückt“ zu beschimpfen, nur weil man ihre (zugegebenermaßen äußerst kontroverse) Theorie, die sie im Buch „Eurabia“ aufgestellt hat, für unsinnig hält 🙁

        Nur meine 2 Cent 🙁

        Und was die Antideutschen angeht: mit Völkermördern ist nicht zu verhandeln, egal ob sie einer meschuggenen Pseudoideologie, die den neomarxistischen Fiebersümpfen am Main entstieg, anhängen oder nicht. Völkermord ist Völkermord und bleibt es auch, ohne mildernde Umstände – egal, wer das Opfer ist.

        Da kann es doch sein, daß ich zufällig etwas mit diesen … gemeinsam habe, so wie auch Tätigkeiten wie Atmen, Essen oder Trinken 🙂

        Noch mal 2 Cent von mir 🙂

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    „Wackerer“ in Zusammenhang mit R.P.: Herrlich.

    Das mit dem Handschlag ist nicht überall wichtig. Häufig wird gar kein Handschlag praktiziert, unter Jugendlichen beispielsweise. Aber: Wenn sich die Lehrerin am ersten oder letzten Schultag die Hand geben lässt und der muslimische Junge verweigert, ist das mindestens integrationsfrei, wenn nicht beleidigend. Tritt das jemand mal wieder los, ist die Frage, ob es etwas in Richtung Änderung bewegt.
    Burka: Sollte verboten werden. Kürzlich durch die Medien gegangen: Der Fall einer Schülerin in Osnabrück. Integration geht nur über Kontakte. Die Burka isoliert, auch Touristen, und wird nur wegen zahlungskräftiger Saudis bislang nicht untersagt.

    Die Diskussion kann nie genug geführt werden. Wo sie endet, ist eine Frage. In einem Land jedoch, dass sich so mit Dreck bekleckert hat wie Deutschland, ist es natürlich schwierig, eine verbindliche Kultur aufzubauen, die aber auch für Migranten wichtig wäre als Leitplanke. Migranten können sich nicht am 9. November oder am 27. Januar orientieren. Es brächte auch nichts, sie, wie Herr Schuster vorgeschlagen hat, KZ’s besichtigen zu lassen, denn sie sind daran nicht schuld. Wenn man ihnen die Obligation auferlegt, diese Staatsschuld mit zu tragen, muss man das deutlich genug sagen: Du wanderst in ein Land ein, das sich definiert über seine übergroße Schuld, und du trägst sie mit, indem du hier lebst, und da gibt es kein Vertun, denn es ist eine Staatsschuld, die die heutigen Deutschen auch nicht verursaacht haben, aber mit tragen.

    Besser wäre auf jeden Fall in meinen Augen, zunächst einen wirklich säkularen Staat aufzubauen ohne Kirchensteuern und dann erst die Kultur zu definieren, die sich seit Voltaire!, also der Aufklärung, entwickelt hat, und herauszufinden, was das Wertvolle daran ist. Wenn man bis zu Galilei zurückgeht, sieht man ganz klar, dass es Wissenschaft, Künste und Musik sind, der Buchdruck, die Testamentübersetzungen, die Vielfalt in Kunst und Musik, der Widerstand gegen die Kirche, einmal unter Galilei und Zeitgenossen, die die Lügen dick hatten, dann wieder unter Locke, Diderot, Voltaire, Schiller! und Zeitgenossen. Der Widerstand eines Yücel ist Moderne und Kultur, und Yücel gibt sicherlich jedem die Hand. Die Debatte selbst ist Kultur seit Galilei und einigermaßen typisch, dass Brecht sich für den Wissenschaftler interessiert hat. Somit wäre zur Integrationsschulung die Lektüre und das Besprechen von Brechts Galileo Galilei m.E. viel wichtiger als ein KZ-Besuch. Wichtiger wäre auch die Kenntnis von Voltaires Aufenthalten in der Bastille und der Bezug zu den Verhältnissen in islamischen Staaten, zu türkischen Oppositionellen oder auch zu Badawi in SA.

    Man darf sich nicht von ländlichem Denken und Imamen so den Schneid abkaufen lassen, wie das hier passiert. Es sollte nicht geschehen, dass Weihnachtsmärkte in Wintermärkte umbenannt werden oder über Kirchenglocken und Beleuchtung in christlicher Formgebung im Advent diskutiert werden muss. Das ist nicht Kultur, sondern gewachsenes Brauchtum, ca. 1500 Jahre gewachsen mit einem Weihnachtsbaum, der deutlich jünger ist, aber jedem etwas bedeutet. Hier bin ich von säkular automatisch zu Weihnachten gerutscht, denn Weihnachten, wie es ist, ist ein gemischtes, vornehmlich säkulares Fest voller Licht und Geschenke. Der religiöse Background liefert letztlich nur den Kern der Entstehung. Es hat also beides und gehört dezidiert zu uns, wobei es nicht exklusiv sein muss (die drei Weisen).

    Die Diskussion selbst aber sollte ein Dauerbrenner sein und Wahlen jedes Jahr staatfinden ;-), damit es mehr Debatten gibt. Debatten sind gut. De Maizière greift zu kurz. Unsere europäische Kultur mit ihrer Verschiedenheit an lokalen Traditionen ist viel größer und bemerkenswerter als seine paar Schlagworte. Und nicht zu vergessen: Sie ist auch bedeutend größer als der Kapitalismus, der daran nur Anteil hat. Es wird eine Jahrhundertaufgabe werden, die europäische Kultur vor Zugriffen sowohl des Raffgeiers als auch des Mittelalterlichen zu schützen.

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      Sehnse, Oleander, Sie fallen darauf rein. Kann man nichts machen.
      Als ich ein junger Mann war, gab es den Paragrafen 175, Jens Spahn wäre ins Gefängnis gelandet. Nun sagt er anderen Leuten, wie es kulturell langgeht und will ihnen bis in die Begrüßungsformalitäten hinein Vorschriften machen. Das kann man als Leitkultur bezeichnen, aber dann ist Leitkultur nur ein andrer Begriff für Schizophrenie.

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        Ich glaube kaum, dass ich auf etwas hereinfalle. Die Diskussion ist überfällig und wird bleiben. In ganz Europa ist sie lange überfällig. Ihr Ausbleiben in der duckmäuserischen Mitte hat doch dazu beigetragen, dass sich jetzt überall Linke und Rechte gegenüber stehen, in Italien, in Griechenland, in Frankreich, wo die Mitte in der Vorwahl abgewählt wurde. Es ist höchste Zeit, dass sich Politiker um die Befindlichkeiten ihrer Bürger kümmern und nicht nur um Ränder.
        Wir sind angeblich (nachvollziehbar) etwa fünfzehn Jahre zurück:
        https://www.welt.de/politik/ausland/article164298931/Mit-einem-Pim-Fortuyn-wuerde-die-AfD-triumphieren.html

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        Lieber Oleander, die einen haben Kultur, die anderen reden darüber.

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      Die Leitkultur soll ja nicht als Verhaltenskanon für Deutsche dienen. Dann wäre es ja tatsächlich etwas übergriffig, im besten Fall ein neuer Knigge. Die Leitkultur soll Migranten als Orientierung dienen. Die Diskussion verfolge ich seit Jahren, ich glaube seit über 30 Jahren. Kohl wollte Geld zahlen, wenn Gastarbeiter nach Hause gehen, ein Flopp. Ungefähr da verstanden viele Leute, dass die Gäste bleiben. Und seit 30Jahren ist nichts, aber so überhaupt nichts, dieser Debatte an Orientierung entwachsen, außer der Erkenntnis, dass eine überwältigende Mehrheit meiner indigenen Freunde keine Ahnung hat, wer Caspar und die Kreidefelsen sind. Das hilft bei der Orientierung der Migranten nicht weiter, aber, solange damit Druck von der indigenen Seele genommen wird, haben die Überlegungen ja durchaus einen therapeutischen Wert.

      Letztlich geht es ja nicht darum, Voltairs Kopftuchmädchen Freiheit und Kultur beizubringen, sondern die Göre wieder los zu werden.

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