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Farbe bekennen: Die Union und die Frauenquote

Das wird sehr interessant, wenn heute zwei CDU-Ministerpräsidenten im Bundesrat für die feste Frauenquote stimmen. Mit der Saarländerin Annegret Kramp-Karrenbauer und dem sachsen-anhaltinischen Regierungschef Rainer Haselof ermöglichen ausgerechnet zwei CDU-Politiker, dass sich nun auch der Bundestag mit der Frauenquote beschäftigen muss.

Ob sie dort durchgeht, ist ungewiss. Und es ist auch nicht so wichtig wie die Frage, wie die Unionsfraktion sich dazu verhalten wird. Denn sowohl CDU als auch CSU sind gespalten in der Frage, ob es eine feste Quote für Frauen in Aufsichtsräten geben soll. Nicht wenige der Unionsfrauen unterstützen hier Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und ihren Aufruf für eine gesetzliche Regelung. Und nur wenige der Männer trauen sich, offen Stellung für Kristina Schröder einzunehmen, die auf eine flexible Quote setzt.

Tatsache ist, dass alle Appelle an freiwillige Regelungen bisher kaum etwas gebracht haben. Deutschland hinkt hinter fast allen industrialisierten Ländern hinterher, was die Vertretung von Frauen in den Topgremien der Wirtschaft angeht. Auch  die heute im Bundesrat zur Abstimmung stehende Regelung ist vergleichsweise zahm: 20 Prozent der Aufsichtsratsposten müssen bis 2018 mit Frauen besetzt sein, 40 Prozent dann bis 2023. Das ist noch weit hin.

Daran wird kein Unternehmen untergehen, auch nicht die in männlich dominierten Branchen. In Norwegen war die Übergangszeit weit kürzer, und betrug nur einige Jahre.

Auch drängt sich der Eindruck auf, dass Parteien hier mit zweierlei Maß messen: Quoten sind in diesen Organisationen vollkommen normal. In der CDU gibt es eine – wenn auch nicht offen ausgesprochene – implizite Quote für die jeweiligen Landsmannschaften und für die politischen Flügel. Nicht gerade selten führt das zu Kandidaten, die zwar die Quotenbedingungen erfüllen, aber in dem gewählten Amt nicht unbedingt glänzen.

Feste Frauenquoten aber scheinen so ähnlich zu sein wie der Untergang des Abendlandes. Warum eigentlich? Weil sie die Entscheidungsfreiheit einengen? Von wem? Wozu?

Diesen Fragen wird sich die Unionsfraktion nun stellen müssen, wenn der Bundesrat eine verbindliche Frauenquote beschließt und das Thema damit an den Bundestag verweist. Im Sinne der Demokratie wäre es wünschenswert, dass es zu einer namentlichen Abstimmung kommt – und jeder Volksvertreter und jede Volksvertreterin so Farbe bekennen muss.

 

 

 

 

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7 thoughts on “Farbe bekennen: Die Union und die Frauenquote

  1. avatar

    Hier steht es. Daher würde nur eine Quote überhaupt Sinn ergeben, die dich am Prozentsatz “derjenigInnen” orientiert, die überhaupt in diese Richtung studiert haben minus einiger, die wegen Selbstständigkeit oder Familie ganz ausgeschieden sind, meistens freiwillig:

    Das Blöde am Geschlechterunterschied ist, dass er sich nicht nur im sozialen Verhalten zeigt. Leider manifestiert er sich auch in der Wahl der Studienfächer und damit bei einer Karriereentscheidung, die für die weitere Zukunft so wichtig ist wie kaum eine sonst. 72 Prozent der Studienanfänger in den Kultur- und Sprachwissenschaften sind weiblich, auch in der Pädagogik liegt der Anteil bei über 70 Prozent.

    Überall dort hingegen, wo es um Zahlen und das Interesse an Technik geht, dominieren die Männer. Unter den Studenten der Ingenieurwissenschaften machen Frauen gerade mal 20 Prozent aus; in der Informatik liegt der Frauenanteil bei 13 Prozent, im Maschinenbau bei neun. Weil in Deutschland noch immer ein erheblicher Teil des Wohlstands in Unternehmen erarbeitet wird, wo besondere Deutsch- oder Literaturkenntnisse nicht wirklich weiterhelfen, liegt hier für die Befürworter der Quote naturgemäß ein Ärgernis.
    http://www.spiegel.de/politik/.....58319.html

    Ein Gedanke kam mir noch dazu: Dass WW seinen LG nicht mit in islamische Länder nimmt, und dass ein Mann bei Wirtschaftssondierungen in solchen Ländern sicherlich mehr ausrichtet als eine Frau. Da das Wachstum sich mittel-und langfristig wohl in solche Regionen verlagern wird, fragt sich auch in diesem Punkt, wie sinnvoll eine Quote ist.

  2. avatar

    @Parisien
    (2.Versuch)
    “hier ist etwas verschoben”
    Bereits sehr lange. Sehen Sie mal hier!
    Männer werden also in Phantasien in Säure aufgelöst oder mit Schusswaffen gejagt. Martin Mosebach hat auf den Ursprung der Witze hingewiesen.
    Wenn Menschen wegen unveränderbarer, in der Person liegender Eigenarten fortlaufend verunglimpft werden – wie nennt man das landläufig?
    Der SM-Redaktion ist die die klare Bezeichnung solchen Tuns und der Urheberin bzw. Verbreiterin juristisch zu heiß. Sie wird ihre Gründe haben.

    PS: Es besteht ein Unterschied zwischen dem oralen Absondern von Blondinen-“Witzen” und dem systematischen Verbreiten solchen rassistischen Drecks.
    Sollte der link nicht mehr vorhanden sein, ich habe ihn kopiert.

  3. avatar

    Der link:
    Es ist ein anderer, düsterer Tonfall, mit dem “The End of Men” anhebt. Drei Viertel der 7,5 Millionen Jobs, die in der jüngsten Rezession in den USA verloren gingen, waren Männerjobs, die meisten im produzierenden Gewerbe. Statt Arbeit, die Muskelkraft verlangt, sind laut Hanna Rosin in der Informationsgesellschaft “soziale Intelligenz, offene Kommunikation und die Fähigkeit, still zu sitzen und aufzupassen” gefragt, “alles mindestens nicht Stärken von Männern. Fertigkeiten in der Tat, die Frauen leicht zu fallen scheinen”.
    http://www.welt.de/politik/aus.....r-ein.html

  4. avatar

    @ KJN
    Wie wär’s, wenn sich Politikerinnen dort ein Alterspöstchen schaffen wollen?
    Es gibt nur eins: Die Firmen müssen die Qualifiziertesten nehmen. Wenn sie dann zu viele Männer haben, müssen sie das vor Gericht durchfechten. Das betrifft andere Quoten genauso. Wie Sie sagen: “Überhaupt: Unternehmen werden gegründet, um Geld zu verdienen und nicht, um die Gesellschaft zu revolutionieren oder irgendwelche Gender-Phantasien zu realisieren und der Werktätige geht aus genau dem gleichen Grund arbeiten.”

    Dem Danke an Frau Heckel (quotenlos hochgekommen!) kann ich mich anschließen.
    Übrigens fände ich es konsequent, wenn die Quote käme, dass auch eine Quote für Gymnasium und Universität gefordert wird: Und zwar: 50% Jungen.
    Um sich zu vergegenwärtigen, was sich da genau abspielt, sollte man den Bericht der “Welt” über das Buch von Hanna Rosin lesen. Als Zierde ein Photo, vermutlich der Buchtitel, auf dem ein Stiletto-Absatz in ein schmerzverzerrtes Männergesicht tritt. Würde ein Männerschuh in ein Frauengesicht treten, gäbe es einen Aufschrei. Hier ist etwas schwer verschoben.

  5. avatar

    @Frau Heckel
    Ihr Beitrag wir mit Missachtung gestraft?
    Mit Verlaub, wen soll das auch interessieren?
    Ich glaube, diese ganze Stellvertreter-Politik elitärer Schreibtisch-Zirkel, Pizza-Connections und was es da sonst noch so gibt, wird in Zukunft vermehrt missachtet werden:
    Das Thema “Quoten” interessiert weder Schlecker-Frauen, noch erfolgreiche Unternehmerinnen. Das ist etwas für Karrieristinnen bei irgendwelchen Gender-Initiativen, der Telekom, in Behörden und bestimmten anderen Großunternehmen – und höchstwahrscheinlich auch nur für einen kleinen Teil davon, nämlich denen, die sich von solcherart Bürokratie etwas versprechen.
    Überhaupt: Unternehmen werden gegründet, um Geld zu verdienen und nicht, um die Gesellschaft zu revolutionieren oder irgendwelche Gender-Phantasien zu realisieren und der Werktätige geht aus genau dem gleichen Grund arbeiten.
    Norwegen/Skandinavien? Sehen Sie sich die Geschichte der Frauenrolle im protestantische Skandinavien an, dann wird vieles klar. Wer in Deutschland mehr Frauen in Vorstandsetagen will, sollte die “Rabenmutter” abschaffen.

    Trotzdem Danke für Ihren tollen Blog (muss ja auch mal gesagt werden) und herzliche Grüße

  6. avatar

    Liebe Frau Heckel, damit Sie wenigstens einen Kommentar kriegen, konfrontiere ich Sie mit einer Frau, die keine Quote brauchte und bräuchte, weil sie die richtige Mischung hat: Herz und Intelligenz:

    “Es scheint, als sei der Teil der Weltbevölkerung, der von sich sagen würde, humanistisch zu sein, tolerant und offen gegenüber allem, was den eigenen Horizont übersteigt, gewachsen. Halten doch die Bildung und der Wohlstand zaghaft auch in entlegenen Orten Einzug. Doch die anderen Gruppen wachsen eben auch, die Fanatiker, die Hassprediger, die Homophoben, die Beschränkten. Die Zahl der Arschgeigen wächst prozentual zu den anderen dreimal schneller, wie es scheint. Weil Idioten immer lauter sind.

    Wir, die verlotterten Westbürger

    Es wäre falsch aufzugeben, zu glauben, wir hätten alles versucht, um in Frieden mit anderen Religionen und Kulturen zu leben. Wir betreiben die Abgrenzung von Amerika (immer wieder betont die Presse, dass der Film des letzten Anstoßes aus den USA kommt, als ob das nicht vollkommen egal wäre. Als ob die USA nicht für dasselbe stünden wie wir: für Demokratie) ebenso wie die Ablehnung Israels. Wir zeigen ernsthaft, dass wir auch die Juden unter uns nicht unterstützen, diskutieren über ihre Vorhäute.

    Vielleicht müssen wir, der böse, der verlotterte Westbürger, noch nachsichtiger sein, noch ruhiger. Nur nicht provozieren. Doch: Wann er sich provoziert fühlt, entscheidet der Bär. Der blöde Film wird vergessen werden, doch was wird Fanatiker als nächstes wütend machen? Es ist, als hätten wir einen tobsüchtigen Verwandten im Nebenzimmer sitzen, als liefen wir über ein Minenfeld. Ruhig sein? Laut sein? Entschuldigen wir uns ständig, weil Politiker Diktatoren unterstützt haben? Nach dem Sturm der Empörung, nach der Ermordung von westlichen Botschaftsangestellten in islamischen Ländern von wem auch immer, entschuldigen sich die deutschen Politiker wieder, in unser aller Namen. Dabei kennt jeder Menschen, die permanent um Verzeihung bitten, und sei es nur für ihre Anwesenheit, und kann sie nicht ernst nehmen.”
    http://www.spiegel.de/kultur/g.....56912.html

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