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Warum ein Grüner Marshallplan gerade jetzt nötig ist

Die schrecklichen Bilder aus Japan, das Leid und die Verwüstung dort, werden uns noch lange begleiten. Wenn das, was dort geschehen ist, wenigstens einen Sinn bekommen soll, müssen wir daraus lernen. Anders als nach Tschernobyl vor 25 Jahren ist inzwischen eine echte Energiewende möglich.

Die Erneuerbaren Energien sind soweit entwickelt, dass sie großtechnisch herstellbar sind und die Preise kontinuierlich fallen. „Grid parity“, also vergleichbare Kosten wie die traditionellen Energieträger Öl, Kohle, Gas und Atom, ist beim Onshore-Windstrom bereits erreicht und bei den anderen Erneuerbaren Energien in Sicht. Um diese Strecke zu verkürzen, ist ein Grüner Marshallplan notwendig. Davon könnte Deutschland in vielerlei Hinsicht profitieren.

Bundeskanzlerin Merkel sollte das Moratorium nutzen, um die Grundzüge dieses Grünen Marshallplanes auszuarbeiten. Das generelle Ziel sollte sein, dass Deutschland als erste Industrienation komplett auf Erneuerbare Energien umstellt. Nicht erst 2050, sondern früher. Das ist möglich.

Und wie ein Gutachten des Umwelt-Sachverständigenrates der Bundesregierung erst im Januar 2011 gezeigt hat, ist es auch wirtschaftlich: Einmal gebaut, sind Erneuerbare Energien im Betrieb äußerst preisgünstig. Sonne und Wind sind gratis. Was kostet, ist die Infrastruktur, vor allem Anlagen und Transportnetze.

Je mehr gebaut wird, desto schneller sinken aufgrund des technischen Fortschrittes die Kosten für jedes neu installierte Kilowatt. So gehen die Kosten für die Erneuerbaren Energien im Lauf der Zeit zurück, während die von Öl, Kohle, Gas und Atom aufgrund ihrer Endlichkeit  immer weiter steigen werden.

Welches Potenzial die Erneuerbaren Energien haben, zeigen einfach physikalische Berechnungen. Sechs Stunden Sonnenenergie im Wüstengürtel dieser Erde reichen theoretisch aus, den Strombedarf global für ein ganzes Jahr zu decken.

In der Wüsten lassen sich problemlos große Sonnenwärmekraftwerke und Windfarmen einrichten. Der Strom wird dort mit traditionellen Dampfturbinen erzeugt – auch nachts, wenn Salzspeicher mit gebaut werden. Über Gleichstromleitungen kann er fast verlustfrei über tausende von Kilometern transportiert werden.

Die gesamte Technik ist bereits erprobt und steht in verschiedenen Teilen der Welt. Allerdings fast immer in Pilotkraftwerken – und deshalb zu Kosten analog denen eines Automobils vor Erfindung der Serienfertigung durch Henry Ford.

Um diesen Industrialisierungsprozess voranzutreiben, braucht es einen Grünen Marshallplan. Wir brauchen einen Henry Ford für die Windturbinenfertigung, für die Spiegelfertigung in der Solarthermie, für Photovoltaik-Platten, für den Netzausbau und die Verlegung von tausenden neuen Leitungskilometern.

Dies alles wird Geld kosten, aber es werden profitträchtige Investitionen sein. In der Solarthermie wären rund 50 Milliarden Euro notwendig, um in die Nach-Henry-Ford-Phase der industriellen Fertigung zu kommen. Fünf Milliarden Euro sind bereits verbaut.

Fehlen also 45 Milliarden Euro. Eine stolze Summe. Und dennoch nicht so besonders viel, wenn man allein die von Fukushima angerichteten Schäden weltweit aufaddiert.

Danach wäre die Branche in der Lage, jeden Tag ein Kraftwerk von 1 Gigawatt irgendwo im Wüstengürtel dieser Welt aufzustellen. Gelingt uns das in absehbarer Zeit, könnten wir 2050 den Energiehunger der ganzen Welt mit erneuerbaren Energieen stillen.

Und wie gesagt: Einmal installiert, sind die Betriebskosten zu vernachlässigen  – und auf jeden Fall deutlich geringer als alle Energieformen, für die endliche Rohstoffe benötigt werden.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit sind wir in der Lage, auch wirtschaftlich eine Zukunft mit Erneuerbaren Energien darzustellen. Die Technologien sind kurz vor dem Durchbruch in die Massenfertigung. Wir müssen nur noch „einen Schubs“ geben.

Mit einem Grünen Marshallplan wäre Deutschland das Land, das diesen globalen Impuls setzt. Es erfordert Anfangsinvestitionen, das ist klar. Doch die langfristigen Renditen nutzen uns, unseren Kindern und würden den Wohlstand in Deutschland auch im 21. Jahrhundert sichern.

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5 Gedanken zu “Warum ein Grüner Marshallplan gerade jetzt nötig ist;”

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    ERP Sondervermögen
    Wir haben da einen „Schwarzgeldfond“ der nach dem Muster des Marshall-Plans angelegt wurde.
    Wenn ich richtig informoert bin, sind da bei der Kfw ca. 14 Milliarden vorhanden, die für die verschiedensten“unsinnigsten“ Zwecke verwendet werden dürfen.Man hatte auch schon darüber nachgedacht, damit das Haushaltsdefizit zu verkleinern.

    Frau Heckel hat mich da auf eine glänzende Idee gebracht.

    Ob die meisten Bundesbürger darüber so gut informiert sind, wie über Herrn Guttenberg? Wohl kaum.

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    Margarethe Heckel schrieb: “Grid parity”, also vergleichbare Kosten wie die traditionellen Energieträger Öl, Kohle, Gas und Atom, ist beim Offshore-Windstrom bereits erreicht und bei den anderen Erneuerbaren Energien in Sicht.

    Leider halte ich das für nicht richtig. Denn die Windenergie wird zwar subventioniert abgenommen und vom Verbraucher teuer bezahlt, um anschliessend im Nirvana zu verpuffen, wenn z.B. nachts kein Bedarf besteht. Was fehlt ist die entsprechende Kapazität an Pumpspeicherwerken als Zwischenspeicher der Energie. Das haben die Schönredner der Politik leider nicht bedacht, als sie vom Energie-Mix träumten und Windrädchen aufstellten.

    Überidische Pumpspeicherwerke sind wegen des Flächenverbrauchs in Deutschland nur sehr begrenzt einsetzbar. Allerdings evaluiert RWE gerade die Machbarkeit und die Kosten von unterirdischen Pumpspeicherwerken. praktikabel.

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    Aber bitte nicht nur die üblichen Verdächtigen fördern. Dezentrale Lösungen nicht vergessen (unabhängig von politischen Entwicklungen). Ansonsten freue ich mich über den Artikel, weil ich mich mal freuen will und Kernfusion dauert – wenn’s denn klappt – noch bestimmt 40 Jahre.

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    Ein faszinierendes Vorhaben. Man sollte es versuchen. Das Gute an Sonnenkollektoren, Windrädern usw. ist ja auch, dass man sie problemlos wieder abbauen kann, wenn man sie nicht mehr braucht. Die AKWs und Endlagerstätten müssen dagegen so lange stehen bleiben und bewacht werden, bis alles verpufft ist. Was bekanntlich seine Zeit braucht.

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    @Frau Heckel: Leben wir im selben Land, oder habe ich Amnesie? Die Solarförderung wurde drastisch gekürzt, oder war das eine“Zeitungsente“.

    Das passt nicht besonders mit Ihren Ausführungen überein.

    „Und wie ein Gutachten des Umwelt-Sachverständigenrates der Bundesregierung erst im Januar 2011 gezeigt hat, ist es auch wirtschaftlich: Einmal gebaut, sind Erneuerbare Energien im Betrieb äußerst preisgünstig. Sonne und Wind sind gratis. Was kostet, ist die Infrastruktur, vor allem Anlagen und Transportnetze ….“

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