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Merkel in der Klemme zwischen Westerwelle und Seehofer

Schnulzenfilme lieben das Sujet – zwei Männer, eine Frau. Endlose Varianten, endloser Streit, Emotionen ohne Ende. Wer in diesen Tagen die Politik beobachtet, fühlt sich an diese Konstellation erinnert. Merkel und ihre Männer – was für ein Spektakel! Ist der eine (Westerwelle) mal ruhig, teilt der andere (Seehofer) aus. Und umgekehrt. Und wieder anders rum. Immer geht es darum, wer die meiste Aufmerksamkeit bekommt und die meisten  – natürlich politischen – Punkte macht.

Noch schweigt Merkel zu dem ganzen. Alles andere wäre auch lächerlich. Genauso wie die Ansage von Horst Seehofer, man wolle sich demnächst zu einen „Sechs-Augen-Gespräch“ im Kanzleramt treffen. Schon das verwundert: Das ist doch wohl Routine, dass sich die drei Parteichefs der regierenden Koalition in regelmäßigen Abständen treffen, oder? Doch der CSU-Vorsitzende muss das dann noch ungefragt weiter überhöhen: Nein, einen „Krisen-Gipfel“ würde er das nicht nennen. Einen „Krisen-Gipfel“?

Da handelt es sich doch wohl eher um die erneute und kontinuierliche Selbstinszenierung von Horst Seehofer vor dem für ihn wichtigen Treffen der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth. Sein FDP-Pendant Guido Westerwelle hatte das dieses Mal bei seinem Parteitreffen in Stuttgart am Dreikönigs-Tag nicht notwendig, weil die FDP noch trunken von der neuen Machtfülle nach 11 Jahren Opposition ist. Doch das ist nur eine Momentaufnahme. Sobald die FDP-Werte wieder sinken, wird auch er dieses Spiel wieder mitmachen, wie die Vergangenheit so oft gezeigt hat.

Natürlich ist diese ständige Dramatisierung von Politik auch der Öffentlichkeit geschuldet und der Tatsache, dass die Schlagzeilen möglichst marktschreierisch daherkommen müssen. Doch die Struktur dieser Dreier-Koalition fördert dies ungemein: zwei Parteichefs der deutlich kleineren Parteien, die aber in ihrer Schwäche gleichstark sind – und eine Kanzlerin, die weiß, wie man Männer gegeneinander ausspielt. Weit schwieriger aber scheint zu sein, alle auf das gleiche Ziel einzuschwören.

Das ist die Grundlage für Streit, der alle Sachthemen überdauern wird. Auch wenn die Steuerfrage irgendwann endlich mal gelöst sein wird.

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5 Gedanken zu “Merkel in der Klemme zwischen Westerwelle und Seehofer;”

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    Angela Merkel hat zwei Probleme:
    1. Unverdient hohes Wahlergebnis der FDP als Folge der Großen Koalition und
    2. Sie hat keinen würdigen Koalitionspartner (die beiden Männer – Seehofer und Westerwelle – sind ziemlich kleinkariert und nicht mit der Größe von Stoiber, Weigel, Genscher, Kinkel, Steinbrück, Clement zu vergleichen).
    Also die Kanzlerin muss zunächst einmal ihre Partner zahm machen und erst danach konkrete Fragen vernünftig lösen. Parallel muss sie auch die von der CDU abgewanderten FDP-Wähler zurückholen. Was soll sie denn dafür tun? Im Moment kann sie nur Einziges machen, und zwar – gar nichts. Einfach schön abwarten und die beiden Männer sich blamieren lassen (sie haben das, übrigens, schon zu 99% geschafft). Dabei hat sie bestimmt keine Angst auch die CSU heute blamieren zu lassen, weil zur nächsten Wahl an der Parteispitze sicherlich der KTzuG steht. Bei der FDP ist aber keine Persönlichkeit zu erkennen.
    Also – wie immer alles gut kalkuliert und eine Nummer zu groß für ihre Kritiker.

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    In Deutschland ist man sich jetzt fast einig. Die Regierungskoalition hat Fehlstart gemacht. Sogar Leute von CDU und FDP sagen das. Viele traurig, viele hämisch.

    Aber Fehlstart ist doch nicht so schlimm. Ist wie beim Hundertmeterrennen. Ist man zu früh losgelaufen, wird das Rennen gestoppt und nochmal geschossen.

    Beim ersten Schuss ist Westerwelle auf Außenbahn zu früh losgelaufen und hat Rennabbruch erst nach Wochen mitgekriegt. Seehofer auf Innenbahn ist beim Startschuss gleich gestolpert, voll auf den Bauch geklatscht und sich verletzt. Merkel hat den Schuss gar nicht gehört und ist sitzen geblieben.

    Aber jetzt kommt Koalitionskrisengespräch. Man wird sich zusammensetzen und besprechen, was man beim Starten beachten muss. Wird schon gehen beim nächsten Mal. Dann Lektion 1 gelernt und bereit für Lektion 2.

    Thema für Lektion 2: Wie man läuft in gleiche Richtung.

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    Wo ist Jorge Amado, jetzt wo wir ihn brauchen ? Sein Buch „Dona Flor und ihre zwei Ehemaenner“ wurde spaeter ein internationaler Kunstfilm… Er wuerde Merkel als Walkuere darstellen(in ihrem Wagner-Bayreuth-Decolletage), Seehofer als alter Recken mit klirrender Ruestung und Wittelbachwappen auf dem Schild, und Westerwelle als kecker Waldkobold…

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    Sie schreiben: „zwei Männer, eine Frau. Endlose Varianten, endloser Streit, Emotionen ohne Ende. Wer in diesen Tagen die Politik beobachtet, fühlt sich an diese Konstellation erinnert. Merkel und ihre Männer – was für ein Spektakel!“

    Westerwelle ist ja bekanntlich homosexuell und ist folglich an Merkels Spektakel eher desinteressiert ;).

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