Pierre-Narcisse Têtu (1836-1878): Ein toter Wal wird von Wölfen gefressen. Bild: Public Domain
Zugegeben, ich komme aus einem Land, das für seine überbordende Tierliebe oft verspottet wird. Als erstes Land der Welt hatten wir eine Gesellschaft zum Schutz der Tiere vor Grausamkeit, sogar mit königlichem Patent. Übrigens noch vor der entsprechenden Gesellschaft zum Schutz der Kinder vor Grausamkeit.
Nicht Jimmy im Aquarium, aber so ähnlich. Bild von Bianca Van Dijk auf Pixabay
Dieser Text ist Fiktion. Das erkennt man schon daran, dass der Protagonist Jimmy heißt und nicht etwa ähnlich. Es wird versucht, einem Phänomen auf die Schliche zu kommen, das selbst Donald Trump, dem Tankrabatt und Diktator Kim den ersten Rang in der Live-Ticker-Hitparade streitig machte.
Am Samstag, 16. Mai 2026, meldete eine bekannte Publikation um 8.50 Uhr, dass es sich bei einem gefundenen toten Wal höchstwahrscheinlich um Jimmy handele, und begründet dies wissenschaftlich: „Laut Statistik kann es sich bei dem vor Anholt angespülten Walkadaver nur um den toten Timmy handeln.“ Fakten statt Spekulation. Das erwartet man von einem Medium, das nur der Wahrheit, und nichts als der Wahrheit, verpflichtet ist. Weiterlesen
Die Dashcam eines Autos zeigt den Angriff von Hamas-Terroristen am 7. Oktober 2023 auf einen Schutzraum des Kibbuz Re’im. Quelle: Wikimedia
Ich weiß nicht, ob ich der Erste bin, der dieses Wort verwendet, es erfunden hat. Aber ob nun ja oder nein, es ist ein Wort, das ich auf so vieles anwenden möchte, was man heute in den Medien sieht und liest. Ich definiere es als „die absichtliche Ermordung der Wahrheit“.
Das ist nicht dasselbe wie ein Fehler, der auf schlechte Kommunikation oder unzureichende Fakten, eine Fehlübersetzung oder eine unzuverlässige Quelle zurückzuführen ist. All das kann passieren; ein professioneller Journalist wird sein Bestes tun, um sicherzustellen, dass das, was geschrieben und veröffentlicht wird, so wahr wie möglich ist. Aber nun ja, es wird immer ein gewisses Maß an Selektivität geben, eine Entscheidung darüber, welcher Kontext relevant ist, redaktionelle Entscheidungen hinsichtlich des Einbeziehens oder Weglassens bestimmter Absätze. Das ist bedauerlich, aber normal. Man kann „die Wahrheit“ haben, ohne „die ganze Wahrheit“ zu kennen. Weiterlesen
Kein Kanzler hatte es je so schwer wie Friedrich „Mimimi“ Merz. Alle sind gegen ihn. Wo er doch der einzige Kanzler zweiter Wahl ist, also praktisch doppelt gewählt. Dann ist auch noch das Flugbenzin für seinen Privatjet knapp und teuer. Sollte es nicht auch für ihn Tankrabatt geben? Und Schutz vorm bösen DGB, den der Blog-Kollege Frank Schmiechen subito auflösen möchte?
Mein Mitleid ist kaum noch zu toppen. Nein, Spaß Ende: Was Merz auf dem DGB-Kongress gesagt hat, hätte einen viel lauteren Sturm der Entrüstung auslösen und Millionen Menschen auf die Strassen treiben müssen.
Seichtheit, Tüdeligkeit, Senilität!“ (Foto: Danny Birchall / FLICKR)
Liebe Genossinnen und Genossen, werte Funktionärinnen und Funktionäre, und alle, die gerade nicht in endlosen Workshops zur „sensiblen Kommunikation“ verschwunden sind: Es ist Zeit für den finalen Befreiungsschlag. Der DGB, dieser kolossale, ehrenwerte Riese der Arbeiterbewegung, ist an sein Ende gekommen. Aus einer Bewegung wurde ein bewegungsunfähiger Scheinriese. Aus der Unterstützung für gebeutelte Arbeiter und Arbeitnehmer ist eine Gefahr für unser Land geworden.
Das ist schon ein paar Jahre her, aber immer noch aktuell. Ich habe es wieder entdeckt und jetzt aufgeschrieben. Ich, im folgenden ich genannt, unterhalte mich mit Arnim Töpel. Im Folgenden Arnim genannt. Ein ganz wunderbarer Bluesmann, Pianist, Sänger, Kabarettist.
Musikkabarettist würde man ihn besser nicht nennen, das könne als Beleidigung aufgefasst werden in einer Zeit, in der unter diesem Etikett all zu viel Flachkarätiges tourt. Wir unterhalten uns also.
Arbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende Bärbel Bas. Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Kaum hatte Arbeitsministerin Bas im Bundestag darauf hingewiesen, dass die Flüchtlinge nicht in die Sozialsysteme einwandern, weil ihre Erwerbstätigkeit mit zunehmender Aufenthaltsdauer deutlich steigt, war der Gegenangriff da: Verharmlosung, Schönfärberei, Realitätsverweigerung. Die bekannte Dramaturgie.
Erst wird eine differenzierte Aussage entstellt, dann wird Empörung organisiert, und am Ende soll schon der Hinweis auf reale Integration als politischer Skandal erscheinen. Genau darin liegt das eigentliche Problem dieser Debatte. Nicht darin, dass über Schwierigkeiten gesprochen würde. Sondern darin, dass ein Teil der Debatte an Wirklichkeit gar nicht mehr interessiert ist, sondern sie zum eigenen politischen Vorteil verzerren will. Weiterlesen
Die These, die Linke trage Verantwortung für den Aufstieg der Rechten, hat Konjunktur. Zu Recht wird ihr widersprochen. Auch Ruprecht Polenz argumentiert in seinem Beitrag in diesem Blog, rechte Bewegungen seien keine bloße Reaktion auf linke Verirrungen, sondern eigenständige politische Projekte. Das stimmt. Und doch greift diese Sicht zu kurz.
Denn zwischen „Die Linke ist schuld“ und „Die Rechte handelt völlig unabhängig“ liegt eine unbequeme, aber entscheidende Realität: politische Wechselwirkungen. Weiterlesen
„Warum sind die Linken jetzt auch noch an den Rechten schuld?“ Diese Frage wurde mir bei einer Diskussion gestellt, zu der ich vom Berliner Theatertreffen eingeladen war. Hintergrund der Frage war die bis in Feuilletons von Zeit, Süddeutscher Zeitung und Spiegel vorgedrungene These, ohne linke Identitätspolitik, Gendern, political correctness und „Wokismus“ gäbe es das Erstarken der Rechten nicht. Mit anderen Worten: Hätte sich die Linke vernünftig verhalten, wäre alles in Butter.
So wird Kritik an der Rechten elegant gegen die Linke umgeleitet. Ja, die Linke hat Fehler gemacht und verdient Kritik. Aber ist sie deshalb an den Rechten schuld? Oder sind die Rechten eine autoritäre Bewegung mit eigenen Begründungen und eigenem Machtanspruch?
X? Pfui Teufel. Man macht es sich lieber auf Bluesky gemütlich. Das ist das X für Links-Kuscheleien. Hier die Charts. Ganz vorne: „Der Volksverpetzer“ und Jan Böhmermann.
Foto: Screenshot /Bluesky
SPD, Grüne und Linke verabschieden sich von X (früher Twitter). Zu viel Chaos, zu viel Hass und Hetze, heißt es als Begründung. Zum ersten mal hat Links die Diskurshoheit in einer wichtigen öffentlichen Sphäre eingebüßt. Die Schlacht auf X wurde verloren. Das schmerzt, also zieht man sich lieber zurück. X-Nutzer sagen einfach, was sie wollen, unterwerfen sich keinem Meinungsdiktat. Das ist immens wichtig für die Demokratie. Wer sich abmeldet, hat das nicht verstanden.
Ich lese mit einer gewissen masochistischen Regelmäßigkeit in sozialen Medien, Interviews und wohltemperierten westlichen Kommentarspalten von arrivierten Journalisten, Influencern und sonstigen Meinungsbildnern, der Krieg in der Ukraine sei ja regional begrenzt.
Gemeint ist damit meistens: Irgendwo im Osten schießt man aufeinander, dort ist Front, dort ist Krieg – und der Rest des Landes sei im Grunde eine etwas unordentlichere Variante Mitteleuropas, in der man sich mit einem Hauch Abenteuerlust weiterhin halbwegs unbehelligt bewegen könne.
Diese These wird bevorzugt von Menschen vertreten, deren intensivster Ukrainekontakt in einer Zugfahrt von Kyjiw zum Hotel, zwei Podiumsdiskussionen, einem Selfie vor Sandsäcken und einem moralisch aufgeladenen Rückfahrt bestand.