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Aleida Assmann verhunzt Marx und Shakespeare

Als Karl Marx und Friedrich Engels das Kommunistische Manifest mit den Worten beginnen ließen: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“, da war diese Anspielung auf William Shakespeares „Hamlet“ erstens originell und zweitens durchaus hinterlistig.

Denn nachdem sie feststellen, dass „alle Mächte des alten Europa sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet“ hätten, „der Papst und der Zar, Metternich und Guizot, französische Radikale und deutsche Polizisten“; nachdem sie bemerken, dass es keine Oppositionspartei gebe, „die nicht von ihren regierenden Gegnern als kommunistisch verschrien worden wäre“ und die nicht „den fortgeschritteneren Oppositionsleuten sowohl wie ihren reaktionären Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des Kommunismus zurückgeschleudert hätte“, folgern Marx und Engels, dass „der Kommunismus bereits von allen europäischen Mächten als eine Macht anerkannt“ werde. Und dass es darum an der Zeit sei, „dass die Kommunisten ihre Anschauungsweise, ihre Zwecke, ihre Tendenzen vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen vom Gespenst des Kommunismus ein Manifest der Partei selbst entgegenstellen.“

Groß.

Heute ist „Ein Gespenst geht um in …“ herabgesunken zu einer Floskel, verwendet von drittklassigen Journalisten und zweitklassigen Akademikern, wenn sie nicht wissen, wie sie ihre viertklassigen Artikel sonst einleiten sollen. Meistens, da sie weder „Hamlet“ noch das „Manifest“ kennen, wollen sie mit dieser Einleitung sagen: „Alle Welt redet von XYZ, dabei gibt es das gar nicht.“ Oder trifft nicht zu. Es ist eben bloß ein Gespenst. Während Marx und Engels meinten, alle Welt schimpft über uns, also sind wir wohl eine Macht. Wie das sehr reale Gespenst bei „Hamlet“, das am Ende das ganze dänische Königshaus in den Tod stürzt.

Mit Bestürzung sehe ich, dass nun auch Aleida Assmann Marx und Shakespeare verhunzt, was doch verwundert, da sich Assmann als Expertin für das „kulturelle Gedächtnis“ ausgibt, und da „Hamlet“ neben „Faust“ das für das deutsche kulturelle Gedächtnis wohl einflussreichste Drama der Literaturgeschichte darstellt, wofür nicht zuletzt das Zitieren des Gespensts im „Manifest“ ein Beleg ist. (Wer Näheres erfahren will, soll das Kapitel „Shakespeare und der deutsche Geist“ in meiner Shakespeare-Biographie lesen.)

Einen auch sonst sehr verworrenen Beitrag für die „Berliner Zeitung“, in dem sie unter anderem behauptet, von einem Kollegen „symbolisch exekutiert“ worden zu sein, leitet Frau Assmann wie folgt ein: “Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst des Antisemitismusvorwurfs. Dieser Vorwurf wird verkörpert durch den neuen Antisemitismus-Beauftragten Felix Klein ‚für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus‘. Er tritt in der Rolle Hamlets auf und befindet: Etwas ist faul in diesem Staat. Was alles faul ist, wird mithilfe des Antisemitismusvorwurfs täglich an die Oberfläche befördert.“

Hm. Ob ein Vorwurf ein Gespenst sein kann, die Frage wollen wir den Philologen überlassen. Neulich schrieb der amerikanische Historiker Michael Rothberg im Online-Magazin des Goethe-Instituts: „Ein Gespenst geht um in Deutschland, das Gespenst des Vergleichs.“ Wenn ein Vergleich ein Gespenst sein kann, dann kann es wohl auch ein Vorwurf. Und bekanntlich gehen auch Tränen auf Reisen.

Egal. Dann aber schreibt Assmann, der Vorwurf – also das Gespenst – werde „verkörpert durch Felix Klein“. Das ist Unsinn. Gespenster werden nicht „verkörpert“. Darum sind sie ja gerade Gespenster. Aber gut, nehmen wir an, Klein ist das Gespenst und geht wie der ermordete Dänenkönig Nacht für Nacht in Helsingör-Deutschland um. Erstens ist die Botschaft des Königs wahr, auch wenn sie das bestgehütete offene Geheimnis am Hofe ist: Er wurde ja von seinem Bruder vergiftet, der ihm Thron und Ehefrau raubte. Zweitens aber: Wer ist der Hamlet, dem das Gespenst Felix Klein seine angeblich falsche Botschaft vom nach wie vor bestehenden Antisemitismus ausrichten will?  Nun, das ist merkwürdigerweise auch Felix Klein, denn, so Assmann: „Er tritt in der Rolle Hamlets auf und befindet: Etwas ist faul in diesem Staat.“ Also ist Klein zugleich das Gespenst UND Hamlet. UND außerdem ein Dritter, nämlich der Mann, der sagt: Etwas ist faul in diesem Staat. Denn das ist, wie jeder, der „Hamlet“ gelesen hat, weiß, nicht Hamlet, sondern Horatios Freund Marcellus. Felix Klein ist also eine Art unheilige Dreifaltigkeit.

Wie gesagt, einem Volontär verzeihe ich allerlei Metaphernverhunzerei und Zitatendurcheinander. Einer Kulturwissenschaftlerin nicht. So geht das nicht. Nicht einmal der Hass auf Felix Klein rechtfertigt es, so mit William Shakespeare umzugehen.

Übrigens hat Klein mit der nötigen Ruhe auf Assmann geantwortet. Da ist weder von Exekutionen noch Gespenstern die Rede, sondern von Fakten.

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93 Gedanken zu “Aleida Assmann verhunzt Marx und Shakespeare;”

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    Was auch immer, lieber Roland Ziegler, Jazz oder Purcell oder ob ich meinen Wagen noch 5 oder 15 Jahre fahren darf: Es geht letztlich immer um das Maß der Fremd- oder Selbstbestimmung, die Politik und Wirtschaft uns zugestehen und womit Einschränkungen der persönlichen Entscheidungsfreiheit begründet werden. Und jeder, der bisher vielleicht gehofft hatte, die ‘Grünen’ würden uns von dem befreien wollen, was früher ihre Wählerklientel als Konsumzwang bezeichnet hat, sollte spätestens nach Göring-Eckhards Schwärmerei für das große Drehmoment der Batterieautos aufgewacht sein. Und von Statussymbolen bzw. dem Zwang Nachbarn oder fremde Leute damit zu beeindrucken kann ich mich selber befreien – das ist kein ‘Zwang’. Der wird eher versucht, durch diese oder jene Vorwurfshaltung aufzubauen: Kaufst du kein E-Auto, gefährdest du das Klima. Zögerst du Neuanschaffungen hinaus, gefährdest du die Wirtschaft und/oder den technischen Fortschritt. Dazu gibt es viele Beispiele, aber ich will die Geduld des Moderators durch weiteres o.t. nicht überstrapazieren.

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      Mag sein, lieber KJN. Die Leute reden in erster Linie darüber, was in ihren Augen richtig oder falsch ist. Die werden Ihnen immer gerne sagen, was Sie alles falsch machen und dass man besser genau so sein und handeln sollte wie sie. Jeder möchte Vorbild sein und Bescheid wissen. Das ist ganz normal und hat mit Politik nichts zu tun. Sind es nicht die E-Autos, ist es irgendwas anderes, das geändert werden muss. Vielleicht das Bewusstsein? Schlimmstenfalls ist es der Rasen oder das Unkraut, das in Ihrem Garten wächst.
      In der Politik ist es so, das jede Partei, die einen Blumentopf gewinnen will, das Gefühl (weniger den Verstand) ansprechen muss, etwas für die Sicherheit und die Wirtschaft zu tun. Z.B. “Bessere Ausrüstung für Polizisten!” oder “Einen – nur einen – Flugzeugträger!” Oder: “Kauft E-Autos!” Mit jeweiligen Begründungen, was passieren würde, wenn das nicht geschähe. Niemand gewinnt eine Wahl, wenn er den Leuten Konsumverzicht predigt. Bei den Grünen ist Konsumverzicht gelegentlich mit im Paket. Man hat verstanden, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen können und dass es Probleme mit Ressourcen und Schäden gibt. Aber ohne “grüne Technologien”, bei denen die Wähler in Zukunftsträume geraten, hätten die auch keine Chance.

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    … weil es einfach gut tut – ;- ) – Alexander Wendt zu Assmann und anderen Sozialisten:

    ‘Assmann bringt es fertig, innerhalb weniger Monate einem Autor, von dessen neuen Roman sie keine Zeile kennt, beides anzudichten und seinem Verlag zu empfehlen, ihn fallen zu lassen – und gleichzeitig die „Blickerweiterung auf den Holocaust“ durch einen Ideologen zu preisen, der Israel mit dem NS-Regime vergleicht und palästinensischen Selbstmordattentätern Sprachgirlanden windet.’

    … jo, mehr davon. 😉

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    Frau Assmann kann gerne mal mit Kippa oder Israelfähnchen durch mein Dorf laufen, vielleicht bekommt der Begriff „Einschüchtern“ oder die Wendung „Atmosphäre der Angst“ für sie eine neue Bedeutung. Ich mag nicht mehr Leute hören, die schön erklären können, warum das alles irgendwo Sinn macht und die im schlimmsten Falle mal angezickt werden, um dann loszujammern.

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      „Auch angesichts der Tatsache, wie eng die Folgen des Völkermords der Nazis mit der Besetzung von Palästina verknüpft sind, täten die Deutschen gut daran, zu hinterfragen, was ihr Anteil an dieser anhaltenden Ungerechtigkeit sein könnte.“
      Viele europäische Staaten wären froh, nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit zu bekommen, die die PLO bekommen hat. Jeder kannte Abdallah Frangi (obwohl er manchmal nur schwer zu verstehen war), niemand kannte den Botschafter Polens oder Sloweniens. Von der materiellen Hilfe ganz zu schweigen. Die multidirektionalen Vergleiche haben dazu geführt, dass Auschwitz eine popkulturelle Chiffre geworden ist und Israel zum Dauerbeispiel für alles Übel. Es ist nicht so gekommen, wie Herr Rothberg sich das vorstellt. Ich verstehe die gute Absicht, aber es bleibt ein Nullsummenspiel. Aufmerksamkeitsökonomie, ich glaube, so was gibt es.

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      Wenn Sie nicht wissen, weshalb Sie Angst haben sollten vor Wladimir Putin und Xi Jinping, lieber Stefan Trute, dann empfehle ich Ihnen, einen Blick in die Ostukraine und nach Hongkong zu werfen.

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        Lieber Alan Posener, das geht “uns” so wenig oder so viel an wie El Salvador, Chile unter Allende und all die anderen Schweinereien, die im Namen der “Freien Welt” begangen worden sind.
        @Stevanovic
        Russland und China betreiben Großmachtpolitik. Etwas, das “der Westen” bzw die USA wie selbstverständlich für sich beansprucht. Siehe eben Nord Stream 2. Und nein, ich mache da keinen Unterschied zwischen “Demokratie” und “Diktatur”. Machen VW, Deutsche Bank und unsere “Rüstungsschmieden” ja auch nicht.

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        Lieber Stefan Trute, sie schreiben: “Und nein, ich mache da keinen Unterschied zwischen “Demokratie” und “Diktatur”.” Das ist aber ein Fehler. Denken Sie das zu Ende.

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        “Lieber Stefan Trute, sie schreiben: “Und nein, ich mache da keinen Unterschied zwischen “Demokratie” und “Diktatur”.” Das ist aber ein Fehler. Denken Sie das zu Ende.”
        Mit dem Satz, den ich danach schrieb, lieber Alan Posener, wollte ich diese Haltung als das kennzeichnen, was sie ist: zynisch. Dabei muss man auch nicht ausschließlich auf die Geschäftsinteressen deutscher Unternehmen in China oder Russland abstellen. Man kann hier beispielsweise auch auf den “Flüchtlingsdeal” mit der Türkei verweisen, mit dem das Problem nicht gelöst, sondern nur Zeit erkauft worden ist.
        Zur angeblichen Bedrohung durch Russland: Ich fühle mich durch Russland nicht bedroht. Ich kenne auch niemanden in meinem Umfeld, der sich bedroht fühlt. Und vergleichen Sie bitte die Verteidigungsausgaben der NATO-Mitgliedsländer, die ja nach übereinstimmender Auffassung derselben noch viel zu gering sind, mit denen Russlands. Wenn in Teilen der politisch Handelnden sowie der veröffentlichten Meinung schon eine Bedrohungslage durch Russland diagnostiziert wird, muss doch die Frage erlaubt sein, ob es nicht nachvollziehbar sei, dass in Russland umgekehrt ein Gefühl der Bedrohung durch das Ausgreifen der westlichen Bündnissysteme nach Osteuropa entstanden ist.

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        Lieber Stefan Trute, sie schreiben: “Ich fühle mich durch Russland nicht bedroht. Ich kenne auch niemanden in meinem Umfeld, der sich bedroht fühlt.” Das ist so schlagend, als würde jemand in der AfD sagen: “Ich fühle mich nicht durch den Klimawandel bedroht. Und ich kenne auch niemanden in meinem Umfeld, der sich bedroht fühlt.” die Antwort ist in beiden Fällen: Follow the science.

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        “Follow the science.” Ist die Bedrohung Europas, Deutschlands durch Russland ein einstweilen gültiger wissenschaftlicher Befund? Das würde ich bezweifeln.
        Wann hat Russland zuletzt Deutschland überfallen?

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        Lieber Stefan Trute, Ihre Schlussfrage ist vermutlich rhetorisch gemeint. Bis 1990 war ganz Osteuropa von “Russland”, also der Sowjetunion, besetzt. Das sind gerade mal 30 Jahre her. Nun hat das Land damals eine historische Niederlage erlitten, aber es ist Putins erklärtes Ziel, diese Niederlage rückgängig zu machen. Russland ist heute das Zentrum der europäischen Reaktion. Es gibt keine rechtspopulistische Partei, die nicht von Moskau gefördert würde. Russland ist, wie Stevanovic in seinem Kommentar so eindringlich nachweist, militärisch dem Westen nicht gewachsen, weshalb ja Putin darauf setzt, die Einheit des Westens mit politischen Mitteln zu untergraben. Die russische Einmischung in die Brexit-Kampagne ist ebenso Fakt wie die Einmischung in den US-Wahlkampf; die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas ist so besorgniserregend wie die Abhängigkeit von chinesischer Technik in Sachen 5G.

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        “Die russische Einmischung in die Brexit-Kampagne ist ebenso Fakt wie die Einmischung in den US-Wahlkampf; die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas ist so besorgniserregend wie die Abhängigkeit von chinesischer Technik in Sachen 5G.”
        Mit allem haben Sie recht, Herr Posener! Russland betreibt Großmachtpolitik, und dem Westen wäre es sicher angenehmer, die russischen Gasvorkommen würden von Shell oder Exxon ausgebeutet. Ist aber nicht so. “Wir” sind ja nun auch von solch noblen Staatswesen wie Saudi-Arabien oder Libyen oder der Türkei (Flüchtlingsdeal”) abhängig, und unter welchen Bedingungen “unsere” seltenen Erden abgebaut werden, interessiert “uns” auch nicht sonderlich. Politische Einflussnahme durch Moskau? Klar, Russland ist Großmacht und verhält sich auch so. BND, CIA und andere westliche Geheimdienste tun das umgekehrt auch. Die politische Ordnung in Europa bis 89 war das Resultat des 2.WK. Es ist symptomatisch, dass Europa die Schuld daran nun nicht mehr nur Deutschland, sondern auch der SU in die Schuhe schiebt. Passt halt gut ins Bild des Aggressors. Wäre vielleicht anders, wenn “wir” einen Flüchtlingsdeal mit Russland hätten und die Russen sich auch sonst botmäßiger verhielten. Nochmal: Ich heiße das alles nicht gut, schon gar nicht die Zusammenarbeit Russlands mit deutschen Nazis. Aber bitte messen Sie doch nicht mit zweierlei Maß!

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        Lieber Stefan Trute, ich messe nicht, wie Sie unterstellen,mit zweierlei Maß. Es gibt gute Menschen, die Böses tun, und es gibt böse Menschen, die liebe Familienväter sind. Das muss man auseinander halten. Und man muss auch Demokratien, wie unvollkommen auch immer, und Diktaturen auseinander halten. Um ein Beispiel jenseits (scheinbar jenseits) unseres Themas zu wählen: Wenn sich im Iran Explosionen ereignen, die dem Atomprogramm der Mullahs schaden und die vermutlich vom Mossad ausgelöst werden, dann ist es etwas Anderes, als würden die Revolutionsgarden Israels Reaktor im Negev angreifen. Ich sage “scheinbar”, weil Russland und China Hauptverbündete des Iran sind. Ich lehne diese Länder nicht deshalb ab; wir unterstützen ja Saudi-Arabien, wie Sie anmerken. Aber es ist eben ein Unterschied, ob zwei Diktaturen wie China und Russland eine Theokratie wie den Iran unterstützen, oder ob das Bündnis der Demokratien – die Nato – aus diesem Grund die Gegner des Irans unterstützen. Der Feind meines Feindes ist immer noch mein Bastard. Wer mit dem Maßstab absoluter Moral misst, wird in der Politik am Ende faktisch diejenigen unterstützen, die gar keine Moral haben.

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        … überall wo sich Amerikaner zurückziehen, macht sich Ideologie breit. Das ist ein Fakt. Sollte Donald Trump Douglas Macgregor nach Deutschland schicken, werde ich mich für einen Gouverneursposten in MV zur Verfügung stellen. 😉

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      Oh, lieber Truthe, das ist doch ganz einfach: Als die chinesische Regierung nicht nur die Uiguren in Lagern hielt, sondern auch Zwangsabtreibungen landesweit vornahm, waren die Löhne in China noch niedrig. Da mussten die Familien der Hingerichteten die Patronen noch selbst bezahlen, was ja durchaus dem Verbraucherprinzip entspricht. Die Investitionen gingen erst nach dem Massaker 89 erst richtig los, denn Investoren lieben Stabilität. Gute Globalisierung. Jetzt sind die Produktionskosten und Wohlstand in China gestiegen und naja, pfui, böse Globalisierung. Unsere Freunde, die Golfmonarchen, reinvestieren ihr Geld dagegen in die Radikalisierung europäischer Muslime und sorgen so für ausgeglichene Zahlungsströme. Da können auch 15 von 19 9/11 Terroristen Saudis sein. Die Russen bauen ihre Waffen selbst, die Golfdiktaturen kaufen sie bei uns ein. Yukos wurde von der Börse genommen, Aramco ist an die Börse gegangen. Wenn Sie wissen wollen, warum Sie gerade jetzt vor China oder Russland Angst haben sollen, während gestern noch alles in bester Ordnung war, oder warum wir die Führer der Freien Welt mit der Taschenlampe in den Hintern von Terror-Diktaturen suchen müssen, schauen sie überall hin, nur nicht nach Hongkong oder die Ostukraine.

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        Das, lieber Stevanovic, ist mir entweder zu hoch oder – wenn ich es richtig verstehe – zu eindimensional.

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        Ja, lieber Stevanovic. Das ist Großmachtpolitik. Mal ist man Handelnder mal Objekt. Allein, moralisch braucht “der Westen” niemandem etwas vorzuwerfen.

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        In den letzten 30 Jahren hätten der Ausbau des Marktes genauso in Osteuropa oder Südamerika erfolgen können, hat er aber nicht. Zu viel Verwaltung, Bürokratie, Umweltschutz und der ganze Sozialmist – weil in China eben all das fehlte, haben Demokratien diese Diktatur aufgepumpt, gerade weil sie eine Diktatur ist. Und nun könnte man daraus lernen und etwa in die Ukraine investieren. Passiert aber auch nicht, weil es ja noch genug Diktaturen in Fernost gibt, Vietnam zum Beispiel. Je demokratischer ein Schwellenland wird, desto unattraktiver wird es, zB in Hinblick auf Gewerkschaften und Arbeitsschutz. In Brasilien war Bolsonaro Investors Liebling, als Rousseff durch einen Plot gestürzt wurde, hat sich hier kein Finger gerührt, genau deswegen. Dafür wurde in Venezuela instinktsicher ein Rechter ohne Rückhalt als „unser“ Mann aufgebaut, entsprechend ist die Unterstützung für „unsere“ Sache. Wenn autoritäre Regime als eine kluge Alternative erscheinen, dann deswegen, weil westliche Demokratien sie zu einer klugen Alternative machen. Die mission civilisatrice ist ein ordinärer cash grab geworden. In der Ukraine wird nur Bidens Sohn durch ehrliche Arbeit reich, die Ukrainer flüchten, sobald sie können. Wo wäre Russland heute, wenn dort in den 90ern nicht nur Jelzin geschmiert, sondern wie in China Produktionen aufgebaut worden wären? Putin ist das Produkt dieser Zeit. Und weil wir nichts anzubieten haben, ist die alternative zu Putin nicht ein offenes Russland, sondern ein weitaus rechteres Regime. Welches Zukunftsbild stellt der Westen in der Ukraine denn aus? Nach 2(!) ukrainischen Aufständen für eine Westbindung. Deswegen macht es Sinn, dass mit NS2 Deutschland die russische Stabilokratie stützt und nicht auf einen faschistisch/orthodoxen Irren wartet. Die Demokratisierung des Irak hat uns den IS, Terror, eine iranische Großmacht und Flüchtlinge eingebracht. Wir wären hier wahnsinnig, das Model mit Russland zu wiederholen. Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Was dem einen sein Saudi, ist dem anderem sein Putin. Wenn Deutschland noch Panzer bauen würde, um Polen verteidigen zu können, wäre es insgesamt tatsächlich ein Akt von mehr Verantwortung übernehmen. Genug Geld hätten wir am überteuertem US-Gas ohnehin gespart. Und durch die Flüssiggas-Terminals sind wir nicht erpressbar, aber darum geht es ja auch nicht.

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      Ok, ich muss mich entschuldigen, ich kann es doch nicht lassen:

      https://www.foi.se/en/foi/news-and-pressroom/news/2020-07-06-international-in-depth-analysis-of-russian-a2-ad-capabilities.html
      Es gibt aus der Fachwelt deutliche Zweifel an der Stärke Russlands. Leider habe ich nicht den Report, sondern nur die Zusammenfassungen gelesen. Zusammenfassend kann man sagen, dass Russland nicht in der Lage wäre, die Luftstreitkräfte der NATO aus einem Gebiet herauszuhalten, schon gar nicht im Baltikum. Womit die Wunderwaffen wie der Armata-Panzer auch schnell relativ sind. Geschweige denn, eine Truppe im feindlichen Gebiet logistisch zu versorgen. Jedes Expeditionskorps Richtung Riga ist nach 48 Stunden ein Selbstmord-Kommando. Apropos Wunderwaffe: Wo war die russische Luftabwehr in Libyen oder Syrien? Kein Gegner für türkische Drohnen. Welche Flugzeuge haben den britischen Luftraum verletzt?
      https://augengeradeaus.net/2018/01/neue-fotos-russischer-bomber-von-den-briten/
      Russland hat ca. 20 Stück davon. Im Kriegsfall würden die nicht mal Rügen erreichen, geschweige denn die britische Insel. Russland hat keine Kapazitäten, die Vögel gegen unsere Luftabwehr zu schützen.
      Wo haben denn die russische Armee wirklich was vollbracht?
      Russland war in der Ukraine erfolgreich, weil die ukrainische Armee im Osten übergelaufen ist. Und der Teil, der sich gewehrt hat, ist in Organisation und Ausrüstung eher mit den Taliban vergleichbar, aber überhaupt nicht mit der professionellen polnischen Armee. Russland war in Syrien mit 30-40 Kampfflugzeugen erfolgreich, weil Al Quaida keine Luftabwehr hat. Das war so mutig und heldenhaft von der russischen Luftwaffe wie das Abknallen der Büffelherden. Die Türkei hat eines ihrer Flieger mit dem ersten Schuss runtergeholt. Und? Eben, nichts.
      In Wahrheit geht die russische Armee jeder direkten Auseinandersetzung mit einer westlichen Armee konsequent aus dem Weg. Dort, wo sie sich mit westlicher Kriegstechnik anlegt, tut sie es nur da, wo unsere Freunde von Golf westliche Waffen an unausgebildete Milizen verteilt haben. Nicht in einem Konflikt der letzten 30 Jahre gab es eine russische Waffe, die einen militärischen Einsatz des Westens auch nur verzögern konnte. Und was machen wir?
      https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/nato-manoever-trident-juncture-glaubwuerdige-abschreckung-15856692.html
      Oh, scheinbar sind unsere Jungs doch nicht unfähige Trottel, sondern haben wirklich was drauf.
      Von den russischen Wahlmanipulationen sind weniger als 100.000$ an Facebook-Anzeigen übriggeblieben, gegen 250.000.000$, über das 2500fache der Clinton Kampagne. Nur nicht sein kann, was nicht sein darf, dass Hilary gegen Trump verliert, deswegen sprangen in einem Akt historischer Realitätsverweigerung die liberalen Kräfte auf diesen Unsinn auf.

      Die größten Propagandisten Putins, die das Märchen des mächtigen russischen Bären unermüdlich in der ganzen Welt verbreiten, sitzen im Westen. Wenn ein russischer Waffenverkäufer einen Milizenführer über den Tisch ziehen will, braucht er ihm nur die westliche Zeitungen zu zeigen, die machen das beste und effektivste Marketing im Prawda-Stiel, so dass ich mich manchmal echt frage, auf welcher Seite sie eigentlich stehen.

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        Der neue Botschafter der USA wird als Kriegsheld des Golfkrieges bezeichnet. Das war einer von denen, die in ihren state-of-the-art Abrams-Panzern viel zu todesverachtend und mutig waren, um die feige Kapitulation der fliehenden irakischen Rekruten anzunehmen. In so einer Welt kann dann auch eine Vollpfeife wie Putin mit seinen Wunderwaffen ein toller Hecht shakespearischer Größe sein.

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        Völlig korrekte Analyse der russischen Fähigkeiten – in einem echten konventionellen Krieg.

        Den die Russen genau deshalb ja auch nirgendwo führen. Aber wenn sie – wie in der Ukraine und potentiell im Baltikum – Teile der Bevölkerung für die eigene Sache mobilisieren können und mit minimalem eigenen Militäreinsatz als Kraftmultiplikator wirken, sieht die Sache eben anders aus. Dann ist Abschreckung nur möglich, wenn sie glaubwürdig ist – und wäre ich Balte (oder Pole), würde ich von der hohen Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass z.B. Deutschland sich kollektiver Verteidigung einfach verweigern würde. Versteckt hinter hohlen Diplomatiephrasen, selbstverständlich.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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        Mit welchem angedachten oder schon gekauften Waffensystem würden Sie am liebsten gegen die russische Softpower oder eben zur Patisanenjagd in den baltischen Sümpfen antreten: dem schweren Kampfpanzer, dem wendigen Kampfjäger oder doch lieber auf den Flugzeugträger warten? Gegen soziale Unruhen und asymmetrische Kriegsführung sollen Mittelstreckenraketen ja der letzte Schrei sein.

        Das alles ist eine Simulation von Veranwortung.

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        Lieber Stevanovic, wir brauchen weniger Panzer und mehr Flugzeugträger. (Wir haben keinen einzigen.) Wir brauchen mehr KSK, mit weniger Rechtsextremen drin. Was bedeutet, dass es in der Mitte der Gesellschaft mehr Bereitschaft geben muss, über Militärisches nachzudenken. Wir müssen endlich eine Diskussion darüber führen, wie die Nato oder die EU mit einem Failed State wie Libyen auch militärisch umgeht. Und so weiter. Zwei Prozent BIP ist in der Tat eine Simulation von Verantwortung, wenn sie nicht einher geht mit einer Diskussion darüber, was militärisch machbar ist und gemacht werden muss.

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        Ich möchte und werde mich hier in diesem Strang nicht weiter einmischen, habe aber soeben gelesen, dass wir mehr Flugzeugträger brauchen (mindestens einen). Als Kind wollte ich mal einen haben, als Bausatz, habe aber da schon keinen bekommen. Anders als viele andere will ich jertzt keinen mehr. Ein echter kostet 2 Milliarden Euro. Ich bin mit einer Million Euro komplett für mein Leben versorgt und mehr als zufrieden, was das Geld angeht. D.h. es können 2000 Leute – etwas gestreckt sogar 4000 Leute – von den Kosten eines Flugzeuträgers ihr gesamtes Leben von der Geburt bis zum möglichst späten Ableben (etwas Anlagegeshcick vorausgesetzt) gut und gerne leben, wie es so schön 0heißt. DAS ist es etwas, was “wir” brauchen können, aber nicht einen Flugzeugträger.

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        4000 Leute lebenslang fürs Nichtstun bezahlen oder einen Flugzeugträger bauen, der die Sicherheit von Hunderttausenden, ja Millionen schützt: ein “no-brainer”, wie die Amerikaner sagen.

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        …ich kann mir schon vorstellen, welche Gegenreden dazu entworfen werdne. Ich bitte vorab zu bedenken, dass wir ohne Flugzeugträger nicht überrollt, überrannt oder übermannt werden. Bislang. Das ist die gesicherte Faktenlage und alles andere Spekulation.

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        Nein. Aber unsere Handelswege könnten gekappt werden durch Piraten, ggf. im Auftrag einer anderen Macht handelnd. Islamisten könnten unsere Ölquellen überrennen. Flüchtlingslager könnten gekapert und zu Terrorzentren ausgebaut werden. Die Unfähigkeit, unsere Verbündeten zu schützen, könnte sie bewegen, sich andere Schutzherren zu suchen. Und so weiter und so fort. Und irgendwann sind wir dann doch “übermannt”. Ein wenig Fantasie hilft schon bei strategischen Entscheidungen.

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        Fun Fact: Unter den infizierten Mitarbeitern von Tönnies gab es keine Schwarzen, das waren alles Osteuropäer. Unter den Prostituierten sind Osteuropäerinnen auf Platz 1 (laut Bild). Auf den Baustellen malochen überproportional viele Osteuropäer und, wenn von ausbeuterischen Werksverträgen gesprochen wird, (die notwendig sind, um die Armen in Deutschland mit Kottelets oder sauberen Fenstern zu versorgen), sind das auch Osteuropäer. Das westliche Gesundheitswesen baut die Zukunft auf billige Osteuropäer, das sagen alle Gesundheitsminister recht unverblümt. Die Leute sind nicht blöd, die sind arm, aber keine Analphabeten, die sehen das. Ein guter Teil der russischsprachigen Balten war auf das nationalistische Geklüngel der Indigenen (stark abgekürzt) gar nicht angewiesen. Die sind ausgewandert, UK war ein beliebtes Ziel. Mit Brexit und Corona werden sich einige Versuchsaufbauten nun ändern. An der Grenze zu Russland leben russische Esten, auch wenn ihnen die Staatsbürgerschaft verweigert wird. Sie haben weniger Einkommen und auch deutlich weniger Aufstiegschancen. Würde so etwas in Berlin mit arabischen Migranten zweiter Generation passieren, gäbe es wohl breiten Protest, aber geschenkt. Das einzige, was hier helfen würde, wäre eine Perspektive, nämlich den Kampf der Systeme zu gewinnen. Das in Estland ist ein Konflikt mit Ansage und Zeitschalter. Die einzige Perspektive zurzeit ist der unkomplizierte Weg in die Diaspora und den gehen die Leute. Gilt für den Balkan, das Baltikum und auch zum Teil in Mittelosteuropa. Wenn dieser Weg versperrt wird, wird der Druck steigen. Europa ist ein one-trick-pony, deswegen unterstützt der Kreml alles in Europa, was gegen Migration ist (Brexit, FN, FPÖ, Salvini). So kompliziert ist es gar nicht und, um das zu beenden, nützt uns kein Flugzeugträger dieser Welt. Bevor wir Tschingderassabum in Belutschistan machen, betreibe ich liebe eine defizitäre Produktionsanlage im Osten Estlands und bringe so Wohlstand. Das wäre Machtprojektion gegenüber dem Kreml. Dolle Raketen hat der auch, das kann er aber nicht. Und wir müssten vor den magischen Harry Potter Fähigkeiten Putins keine Angst haben.
        Aber dann müssten wir hier für Fensterputzen und Kottelets mehr bezahlen, wir müssten die heimischen Pflegekräfte besser bezahlen, der Glaspalast würde auch etwas mehr kosten, die Zulieferteile wären nicht mehr so billig und wir würden nicht Teile vom BIP über der heimischen Produktion ausschütten. Ja, Flugzeugträger vor Madagaskar können auf einmal furchtbar viel Sinn machen.

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        Kurzer Nachtrag: Wenn die soziale Lage im Baltikum überkocht, brauchen wir genau die Rechtsradikalen in der KSK. Da sind wir weder Brunnenbohrer noch Streitschlichter, da gehen wir selbst auf Bandenbekämpfung. Ethnische Säuberung kann ein sehr schmutziges Geschäft sein.

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        Das ist aber Whataboutism, lieber Stevanovic. Die Wirtschaftsredaktionen sind auch deshalb eine Gefahr, weil sie alle in Treue fest hinter Nord Stream 2 stehen und der Ansicht sind, man könne mit China wie mit einer normalen kapitalistischen Macht Handel treiben.

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        Lieber Herr Posener, daran, Leute “fürs Nichtstun” – oder jedenfalls für sich nicht refinanzierende Dinge – zu bezahlen, sollten Sie sich gewöhnen – die Automatisierung der Arbeitswelt wird fortschreiten. Das wird Alltag werden.
        Die Idee, Piraten in Schnellbooten mit Flugzeugen vom Flugzeugträger für 2 Milliarden Euro (nur der Flugzeugträger) in Schach zu halten, scheint mir zumindest ein “Small Brainer” und nichts für schwache Nerven schwäbischer Hausfrauen. Zumal der Flugzeugträger ja nicht überall sein kann, oder wieviel Flugzeugträger kalkulieren Sie für unsere Handelsrouten? Dort, wo der Flugzeugträger schwimmt und sichert, machen die Piraten eine Pause. Auf der anderen Seiter von Afrika wird jedoch munter weiter gekapert, als gäbe es keinen Flugzeugträger. Es sei denn, wir bauen einen zweiten Flugzeugträger und schicken ihn dorthin. Usw.
        Alles, was Sie aufzählen, besteht aus lauter “könnte”. Klar könnte das passieren. Und noch vieles andere, für das man keinen Flugzeugträger braucht. Die Welt könnte sich z.B. weiter erwämen, da braucht man dann auch das eine oder andere Milliärdchen, z.B. um Deiche zu bauen. Woher nehmen wir die, wenn wir Flugzeuge und Flugzeugträger bauen?

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        Lieber Roland Ziegler, die Welt wird sich erwärmen. Da ist kein “könnte” angebracht. Und das wird Verwerfungen allerlei Art mit sich bringen, denen kein Deich gewachsen ist. Unter anderem Terror, Bürgerkriege, Raubzüge, deren Bekämpfung immer auch eine militärische Komponente hat. (Wer schützt die Deiche, die wir bauen?) Sie haben selbst angedeutet, wie riesig allein schon die Aufgabe des Kampfs gegen die Piraterie ist. Wenn die USA allein 11 atomgetriebene Riesenflugzeugträger haben, Europa aber nur 4 ältere (Frankreich 1, Spanien 1, Italien 2) hat, dann stimmt etwas nicht. Wer nicht die Fähigkeit besitzt, Macht zu “projezieren”, wie es heißt, ist eben machtlos.

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        Das ist kein whataboutism, das ist ein Muster. Für die Golfmonarchen WM und Flugzeugträger, für die anderen Mindestlohn und Sanktionen. Der Weltgeist oder die unsichtbare Hand des Marktes oder andere animistische Gottheiten…kein Ahnung. Bei uns nennt man das Prostitution.

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        @Alan Posener: In der Tat. Bei der Piraterie wäre eine Schar gepanzerter Partouillen- bzw. Schnellboote, ausgerüstet mit moderner, kleinkalibriger Computer- und Waffentechnik, als Eskorte sinnvoll. So wie man eben Karawanen schützt. Sowas kostet auch was und ich bin bereit, meine Steuergelder dafür einsetzen zu lassen – falls der Verdacht durch eine fachkundige Analyse erhärtet wird. Nicht aber, um einen fetten Flugzeugträger zu finanzieren, für den Fall, dass es Verwerfungen gibt, die man mithilfe von Flugzeugen vom Flugzeugträger aus verhindern oder reparieren kann. Dies halte ich für sehr unwahrscheinlich. Dafür reicht mir ein “könnte” nicht aus und ich kann nur sagen und entspr. votieren: “Nicht mit meinem Geld”.
        Es ist ja nicht so, dass es einen akuten Waffenmangel hier, andernorts in Europa oder wenigstens vor der Küste von Afrika gäbe. Es gibt bereits Waffen, alte, neue, aus allen möglichen Waffenschmieden, die machen vollkommen ausreichende Verwüstung. Mehr braucht man nicht. Da muss man nicht aufsatteln. Und wenn die Militärs was anders sagen, dann ist das eine Lebenskonstante, so wie die Bauern jammern oder die Autoindustrie sich dem Untergang nähert.

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        Lieber Roland Ziegler, ich bin kein Agent der Werften und überdies kein Militärexperte. Sie mögen Recht haben, und es kann sein, dass die USA zu viel Geld in Flugzeugträger stecken. Da müsste ich mich erst kundig machen. Es stimmt natürlich auch, dass Bauern, Handwerker und Militärs nie genug bekommen. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Guten – und das sind wir – nicht stark genug sind gegenüber den Barbaren. Wenn der IS mit ein paar Pickups Syrien und den halben Irak überrennen können und wir sie nicht anders los werden als mithilfe fragwürdiger Verbündeter und einer noch fragwürdigeren (aber außer von mir nicht hinterfragten) Bombenkampagne, dann stimmt irgendetwas nicht.
        https://www.welt.de/debatte/kommentare/article178743790/Syrien-Im-Kampf-gegen-IS-sind-nicht-alle-Mittel-gerechtfertigt.html

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        …ich bin schon dafür, den Faktenbestand im Realismus mit Fantasie und Visionen anzureichern. Aber möglichst keine Angstvisionen. Die normalen, optimistischen Visionen kosten schon viel Geld. Die Angstvisionen noch mehr. Und etwas Geld müssen wir auch zum Leben übrig behalten. Wenn es ohne Angstvisionen nicht geht, dann solche, die wirklich gut begründet sind und deren Wahrscheinlichkeit man in den Realismus sozusagen eingemeinden kann. Also nicht Sicherheit um jeden Preis, je höher desto besser.

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        …mit diesen kryptischen Worten wollte ich sagen: Waffen machen bumm, dann sind Dinge kaputt und Leute tot. Mehr können die nicht. Da entsteht nichts, es keine Entwicklung, gibt keine Perspektive, außer dass man das Gefühl bekommt, vor anderen Leuten oder Staaten sicherer zu sein. Sicher ist man dann auch nicht. Ich verstehe, dass es ohne Waffen nicht geht. aber es sind ja welche da. Auch die teuren, modernen Waffen machen nur bumm und Dinge kaputt und Leute tot. Das konnten die alten auch (von kleinen, schnellen, unauffälligen Hightech-Einheiten vielleicht abgesehen). Flugzeugträger gibt es, es muss nicht jedes Land einen haben. Man sollte auch keine Symbolpolitik mit Flugzeugträgern machen (“Wieviel habt ihr? Keinen?” *Gelächter) Eine vernünftige Zukunftsinvestition sieht anders aus.

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        Die Fürsten und Könige des Mittelalters haben Schlösser und Burgen gebaut, die Kardinäle den einen oder anderen Wolkenkratzer, wie die Versicherungsgesellschaften heute und das Machtsymbol der Nationalstaaten ist der Flugzeugträger. Alle hätten sich nicht halten können, wenn die Controller das Sagen gehabt hätten – im Gegenteil: Die Fürsten hätten sich ohne Finanzdienstleister, wie Fugger & Co nicht halten können, sie wären schlichtweg nicht ernst genommen worden. Das isz die bittere Wahrheit und wir neigen immer dazu, davon auszugehen dass das heutzutage gaaanz anders funktionieren würde, was es aber nicht tut. Der Fortschritt in den Köpfen und Herzen ist eine ziemlich lethargische Nacktschnecke und eine Politik und Gesellschaft, die das nicht verstanden hat, titscht besinnungslos durch die Weltgeschichte. Satte Unterschichten haben noch nie eine Ordnung aufrecht gehalten und wer das auch nur Millimeterweise verändern will, muss verstehen, dass Wohlfahrt teurer ist sich politisch nur weniger nutzen lässt, als Machtsymbolik. Womit auch der prinzipielle Unterschied zwischen Betriebs- und Volkswirtschaft erklärte wäre. Wer Flugzeugträger abschafft und mit dem Geld das bedingungslose Grundeinkommen einführen will, sollte einen kurzen Moment mal darüber nachdenken, welchen neuen Machtstrukturen und Abhängigkeiten er/sie/es damit den Weg frei machen könnte.

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        Die Schlussfolgerung finde ich richtig, ohne dass ich Ihre Vorüberlegungen so teile.

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        Die Piraten sind ein schlechtes Beispiel, Fregatten erfüllen den Schutz schon ganz gut, gerade wenn Schiffe im Konvoi fahren. Flugzeugträger sind weder gegen Russland noch Piraten wirklich geeignet. Es gibt aber Situationen, in denen man Flugzeugträger braucht. Ich glaube unser Thorsten Haupts ist einer der wenigen hier, die gedient haben, der könnte mehr Ahnung haben, ich schwadroniere nur. Ein Einsatzort wäre zum Beispiel der Jemen. Zur unser aller Überraschung gibt es im Jemen interne Konflikte, die schon lange gehen. Es gibt dort aber auch die Iraner, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Konflikt anfachen und unsere wahhabitischen Freunde, die mit Söldner am Boden und mit überwältigender Luftwaffe erfolgreich die Zivilbevölkerung terrorisieren und aushungern. Und nicht nur das, die hochentwickelten Luftabwehrsysteme können sie auch nicht richtig bedienen, wie der Treffer an der Raffinerie zeigt. Jetzt könnte es passieren, dass die Huthis eine Allianz zusammen bekommen, die den Konflikt zumindest beruhigen könnte und eine Erleichterung für die Zivilbevölkerung wäre. Das wäre aber ein Rückschlag für die hegemonialen Ambitionen unserer wahhabitischen Freunde, die mit Libyen und Syrien, vielleicht demnächst mit Ägypten/ Äthiopien, schon am Rand ihrer inkompetenten Kapazitäten operieren. Ein Prestigegewinn für das Mullah-Regime wäre es auf jeden Fall. Die internationale der Mudschahedin kostet nicht nur Kleingeld, die Islamisierung Südosteuropas wird zwar von „privaten“ Spendern getragen, was halt so in der Gegend als privat gilt, das Geld stammt aber auch aus dem laufenden Betrieb. Unsere wahhabitischen Freunde haben hohe Kosten. Und da kommt unser Flugzeugträger ins Spiel. Wir könnten sie effektiv entlasten und die eritreischen und somalischen Söldner am Boden unterstützen. Wir könnten den Aufbau eines Jemen ohne Golfmonarchen verhindern und ein deutliches Zeichen setzen, dass ohne unsere wahhabitischen Freunde im Nahen Osten nichts geht. In der Zwischenzeit können die sich im nächsten Konflikt verheddern und dafür brauchen wir einen zweiten Flugzeugträger. Und wo es ganz spannend wird: in Libyen unterstützen unsere Freunde von der VAE die Truppen Haftars mit eigenen! Truppen. Die VAE ist schlappe 2000km von Libyen entfernt, hat 10Millionen Einwohner, so ein Einsatz schlaucht, sie werden aber von den Saudis unterstützt. Ach ja, und den Russen, lustig, nicht wahr? Die Europäer, besonders Italien, unterstützen die international anerkannte Regierung. Jetzt könnte man denken, die Europäer verhängen gegen die VAE Sanktionen, wegen Destabilisierung und Zusammenarbeit mit Putin dem Schrecklichem und so. Weit gefehlt. Unser Fußball braucht das Geld. Ich glaube das nennt sich Investorenschutz. Und an diesem Versuchsaufbau wird kein deutscher Flugzeugträger etwas ändern, das Problem ist nicht die militärische Hardware. Von Libyen bis Afghanistan setzen wir auf die Wahhabiten als Ordnungsmacht. Es wäre nicht unsere Machtprojektion, es wäre deren. Die bosnischen Muslime versuchen mit viel Kraftaufwand, die Wahhabiten herauszuhalten. Es ist ein Witz der Geschichte, dass wir auf der einen Seite über Euroislam reden und auf der anderen Seite die mit Waffen und Knowhow unterstützen, die alles dafür tun, dass unsere liberale Ordnung untergeht und die nächsten Kriege in Europa vorbereitet werden. Und wir waren noch nicht mal am Punkt, wo es um Zusammenhänge zwischen Al Quaida/IS-Propaganda und „privaten“ Sponsoren geht, auch wenn hunderte Europäer bei Anschlägen ums Leben gekommen sind. Nein, das sind nicht unsere Bastarde, das sind unsere Gegner.

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        Lieber Stevanovic, ich teile Ihre Einschätzung nicht, aber das würde zu weit führen. Nur so viel: ein Staat von zehn Millionen arbeitsscheuen Menschen, der außer dem bald überflüssigen Erdöl nichts besitzt, bedroht uns nicht. Natürlich wären wir lieber, wie früher, mit dem Iran verbündet, das geht auch den Israelis so, aber man kann sich seine Verbündeten nicht aussuchen. Je weniger Hardware man selbst hat, desto abhängiger ist man von Klienten vor Ort. Macron wird in Beirut als Retter gefeiert, man verlangt geradezu die Übernahme durch Frankreich, und zu Recht, aber da Frankreich die hardware nicht besitzt, seine mission civilatrice im Libanon zu erfüllen und nebenbei dafür zu sorgen, dass dort weiterhin eine Million syrische Flüchtlinge vom Trip nach Europa abgehalten werden, wird es bei warmen Worten bleiben, während Syrien und die Hisbollah nach wie vor die Macht ausüben.

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        https://www.welt.de/wirtschaft/article213022332/Nord-Stream-2-USA-bedrohen-deutschen-Hafen-Sassnitz-mit-wirtschaftlicher-Vernichtung.html

        Das ist kein whataboutism, es ist ein Muster. Sollte irgendein Militär oder Wirtschaftskapitän der VAE auf einer Sanktionsliste wegen der militärischen Zusammenarbeit mit Russland in Libyen stehen, habe ich mich geirrt. Welcher Druck würde wohl ausgeübt werden, wenn Ted Cruz seinen Kumpels am Golf aus der Patsche helfen muss und wir einen Flugzeugträger in der Nähe haben? Das Problem ist nicht die Hardware.
        PS: Danke, dass Sie die Unterhaltung laufen lassen.

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        Lieber Alan Posener, der Konjunktiv “könnte” [sich erwärmen, die Atmosphäre] erscheint mir im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Prognosen wesentlich seriöser, als Ihr behauptender Futur “wird”. Gar nichts “wird” mit Sicherheit. Es ist wahrscheinlich, dass es so sein wird, genauso, wie es wahrscheinlich ist, dass es mal wärmer ‘war’. Z.B. auf der Insel Grönland, die ihren Namen auch nicht von ‘ungefähr’ sondern – wahrscheinlich – genau deswegen hat. Und dass der Klimawandel “Verwerfungen” produziert, kann man mit guten Gründen behaupten, genauso, wie mit guten Gründen behauptet werden kann, dass er positive Effekte haben wird. Der Konjunktiv gehörte zu einer Zeit, als sich noch viele Menschen tatsächlich für wissenschaftliche Arbeit interessierten und nicht ‘Follow the Science’ befohlen wurde, guter und empfohlener wissenschaftlicher Sprachgebrauch, der als feines understatement einen gewissen Distinktionswillen gegenüber ‘Gläubigen’ markierte. Ich finde es schade, dass auch bei Ihnen diese bessere (!) Zeit entgültig vorbei zu sein scheint.

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        Lieber KJN, es gibt in der Tat einen Unterschied zwischen dem wissenschaftlichen Sprachgebrauch und jenem der Politik und des Journalismus, und es ist unsinnig, wenn man sich gegenseitig diesen Gebrauch vorwirft. Hier jedenfalls bewegen wir uns im Bereich des politischen Journalismus, und bestimmte salvatorische Formeln der Wissenschaft tragen wenig zur Klärung bei. Nach allem, was wir wissen, war es in der Vergangenheit zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Stellen der Erde wärmer als heute; was die Folgen für die Menschen weltweit damals waren, wissen wir nicht und können es gar nicht wissen, deshalb ist es fahrlässig, von “positiven Effekten” zu reden. Der Treibhauseffekt ist ein Fakt, zigtausendmal experimentell nachgewiesen, wir verdanken ihm überhaupt, dass diese Erde für uns bewohnbar ist; dass wir durch seine künstliche Verstärkung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Atmosphäre erwärmen werden, ja, das die Folgen jetzt schon bemerkbar sind, müssen Politik und Journalismus als Fakt unterstellen; die Politik, weil sie handeln muss, der Journalismus, weil er lesbar bleiben muss, und weil es weniger Platz gibt als in wissenschaftlichen Zeitschriften. Im Journalismus bedeutet “könnte” eben “könnte auch nicht”, 50:50. So steht die Wette aber beim Klimawandel eben nicht.

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        Die Amerikanisch-Saudische Freundschaft gab es schon Jahrzehnte vor der Staatsgründung Israels und die Internationalen Mudschahedin-Brigaden wurden von den USA unterstützt, als Israel noch ein kompletter no-go für die war. Als die Evangelikalen auf den Trip mit Armageddon gekommen sind, haben die USA die Saudis schon steinreich gemacht. Israel kann sich seine Verbündeten nicht aussuchen. Die USA schon.
        https://www.welt.de/politik/ausland/plus213023356/75-Jahre-nach-Hiroshima-Neue-Sehnsucht-nach-der-Atombombe.html
        „In den Verhandlungen mit Saudi-Arabien über den Export ziviler Nukleartechnik war das Weiße Haus laut US-Medienberichten sehr zuvorkommend, den Saudis den Betrieb des ganzen Brennstoffkreislaufes zu ermöglichen – eine wichtige Voraussetzung für den Sprung in ein militärisches Programm. Kronprinz Mohammed Bin Salman hatte 2018 angekündigt, das Land werde sich um eine eigene Bombe bemühen, falls der Iran zur Atommacht werde.“
        …oder MBS vielleicht eine Line zu viel zieht. Oder im Fass Salzsäure endet und ein Cousin mit Palästinaschwäche an die Macht kommt. Wo soll das im israelischen Interesse sein? Die Wahrung israelischer Interessen ist ein positiver Kollateralschaden und die Israelis müssen mit dem arbeiten, was da ist. Das ist so ziemlich das einzige positive, was aus dieser Verbindung Die USA arbeiten mit dem, der das meiste Bimbes in den Lobby-Kreislauf pumpt und die Golfstaaten sind ohne Frage spendabel. Musste nicht gerade der spanische König, der Held der Demokratie, aus dem Land flüchten, weil er von Saudis geschmiert wurde? Korruption, Fanatismus und Elend. Und als Belohnung eine Atombombe. Aber Sanktionen für Hafenmitarbeiter, initiiert von einem Lobbyisten der amerikanischen Gasindustrie.
        Was Ihrem Artikel in der Zeit nicht widerspricht. Sie haben bündig zusammengefasst, was in Deutschland lief. Es ist richtig, die Romantik weg zu lassen. Aber dann sieht auch die US-Seite nicht besonders glaubwürdig aus. Es geht um Cash. Ohne NS2 verdienen die US am Gas und die ukrainische Elite verdient genug Geld, Leute wie Bidens Sohn zu schmieren und Wohnungen im Westen zu kaufen……und gaaaaanz Hinten irgendwo, spielt dann auch Russland eine Rolle.

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        Nein, lieber Stevanovic, das ist zu plump. Sicher wollen die Amerikaner LNG nach Europa exportieren. so wie Russland Gas (und auch LNG). Die Frage ist nicht, was die wollen, sondern was wir wollen. Diversität der Quellen oder einseitige Abhängigkeit?

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        Nur eine Bemerkung noch zum Konjunktiv: Bei der Erderwärmung ist es nicht so, dass die Erde sich erwämen könnte. Hier ist der Konjunktiv sehr irreführend. Sondern es ist so, dass sie sich erwärmt. Seit längerer Zeit schon, schnell und heftig. Dies ist durch Messungen gesicherte (nicht durch Prognosen erwartete) Faktenlage. Wo der Konjunktiv angebracht ist, ist zu sagen: Die Erwärmung könnte sich fortsetzen. Oder: Sie könnte aufhören. Genauso wie: Die Sonne könnte morgen aufgehen. Oder: Sie könnte morgen nicht aufgehen. Beides ist möglich.

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        Na, lieber Roland Ziegler, die Sonne wird zu 99.99 Prozent morgen aufgehen. Ob ich das erleben werde, steht vielleicht bei 85 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Erderwärmung fortsetzt, wenn man der Atmosphäre weiter Treibhausgase zusetzt, liegt sicherlich ähnlich hoch wie die, dass ich den morgigen Tag erlebe (und das Jahr 2050 nicht mehr). Auf der Grundlage wäre es fahrlässig, wenn die Politik nicht so tun würde, als habe sie es mit gesicherten Fakten zu tun.

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        Lieber Alan Posener, erstens, meine Beispiele aus dem Mittelalter (“Vorüberlegungen”) habe ich in der Tat etwas schräg – falsch gewählt. Ein Bezug auf die historische Militärtechnik wäre treffender gewesen, um zu meinen Schlussfolgerungen in diesersache, die Sie teilen, zu kommen.
        Zweitens: Der CO2-Betrag Treibhauseffekt ist qualitativ experimentell erwiesen (wenn man Klimapaläontologie als experimentelle Wissenschaft sehen will). Quantitative Prognosen sind erheblich unsicherer. Wichtiger für mich hier und worauf ich hinaus wollte, ist jedoch die Rezeption von Aussagen von Wissenschaftler und da geht es mir nicht darum, dass ich mir von Journalisten wünsche, dass sie salvatorische, stets politisch korrekt Abgewogenes niederschreiben – von Wissenschaftlern selber sollte man aber schon erwarten können, das sie noch wissen, in welcher Rolle sie auftreten und nicht wie der Astrophysiker Harald Lesch im ZDF auftreten und die Existenz von Geschlechtern negieren oder wie Schellnhuber und Nachfolger Klimaaktivismus betreiben. Hier würde ich mir schon vom Journalismus wünschen, da mal genauer hinzusehen. Aber ich kann dieses sicher nicht verlangen, weswegen ich Sie bitte mein “schade” nicht falsch zu verstehen.
        Wenn allerdings z.B. Wissenschaftler, die sich mit Weinbau beschäftigen, so wie ein Professor aus Kaiserslautern auf die doch sehr klare und eingegrenzte Frage, ob der Klimawandel positive Effekte auf den Weinbau in Deutschland haben könnte, seine Antwort mir (ich zitiere sinngemäß):”Die Klimaerwärmung ist so schlimm, dass man nichts positives daran sehen darf..”, dann läuft m.E. etwas falsch. Wenn Roland Ziegler in seinem Beitrag von “könnte” im Bezug auf die Klimaerwärmung spricht, bemüht er sich um in meiner Wahrnehmung um wohltuende Distanz, die heutzutage verloren geht und das ist deswegen nicht kritikwürdig, sondern eine Tugend, die gerade im Journalismus verloren zu gehen scheint. Man denke auch an die Umdeutung dessen, was Hans-Joachim Friedrichs mal gesagt hat, nämlich sich als Journalist nicht mit einer Sache gemein zu machen, durch linke Fernsehmoderatorinnen, die meinen daraus ableiten zu können ‘Haltung’ einzufordern. Und wenn selbst Wissenschaftler ihre Distanz zum Untersuchungsgegenstand vermissen lassen (Scientists for Future), ist das eine sehr bemerkenswerte Entwicklung. Ich denke meine Kritik daran ist etwas anderes, als von Ihnen salvatorische Klauseln einzufordern.

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        Oh, Entschuldigung für den schlecht getippten Beitrag. Hektik. Nur noch ein Gedanke zu NS2. Ich kann mich natürlich total irren. Der weiße Elefant ist für mich Polen. Die Zusammenarbeit funktioniert gut, weil es gute Institutionen gibt, auch im Rahmen der EU. Das gegenseitige Vertrauen, dass das so bleibt, ist nicht besonders groß. Es gibt da ja eine Vorgeschichte. Sollte von außen mal kein Gas kommen, hat Polen eine Schlagader der deutschen Energieversorgung quer durchs Land laufen. Und dann könnte Polen den Wunsch verspüren, über Reparationen zu sprechen. Auf der anderen Seite möchte Polen die US im Land ja nicht nur wegen Russland. Ich glaube der Aspekt ist weit hinter den Finanzen der eigentliche strategische Grund. Und…ganz ehrlich… für Deutschland ist das der wahrscheinlichste Konflikt mit jemandem in der Nachbarschaft. Und deswegen ist NS2 eine Patrioten- Pipline und deswegen gibt es keine Parteien mehr. Ob jemand Polen zugeneigt ist oder nicht.

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        Naja, subkutan ist das für Deutschland überhaupt kein Spaß, sondern die Geschäftsgrundlage, die Geschichte eines Viertels des eigenen Volkes einfach zu vergessen. Man redet halt unter drei Bier nicht drüber. Polen ist nachtragend (ja
        da war wohl was) und bei der Frage, ob Deutschland Polen (Leitung durch Polen) oder Polen Deutschland (NS2) vertrauen soll, gibt es eine große Mehrheit, die auf polnisches Vertrauen und deutsche Solidarität setzt. Mit der PiS dürfte die Frage, ob man Polen eine Erpressung zutraut, wohl beantwortet sein. Eine Lösung wäre NS2 zu bauen (Rückversicherung für Deutschland) und den US den Umzug nach Polen zu bezahlen (Rückversicherung für Polen). Mit freiem Rücken lässt es sich leichter solidarisch sein. Nur so als Idee.

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      Ich bin heute anhänglich und bin auch am Thema hängengeblieben:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Russisches_Heer
      Die überwältigende Zahl an russischen Panzern ist der T-80. Das war das Flaggschiff korrupter Diktatoren wie Saddam, das aber von den Abrams-Panzer regelmäßig von der Platte geputzt wurde, das letzte mal ist ein Jahrzehnt her. Was der Westen an Waffen hat, wurde entwickelt, um das Ding zu pulverisieren und ja, das klappt wunderbar. Alle älteren Panzer wurden von Israel beim Überfall an Jom Kippur schon vor 50 Jahren eingetütet und das von Sho’t Kal – Panzern, die auf dem britischen Centurion basieren, der für den 2. Weltkrieg zu spät entwickelt wurde. So richtig altes Zeug. Bleiben die T-90, davon hat Russland 600Stück. Von der Krim bis Wladiwostok. Polen hat fast 300 Leopard 2, die wurden ausgerüstet, genau diesen aufzuhalten. Die Wunderwaffe Armata, T14, sind keine 100, wegen der westlichen Luftüberlegenheit würden, die unter vollem Beschuss operieren…und untergehen. Eine Bedrohung des Westens durch konventionelle Waffen existiert nicht. So wenig wie eine Umklammerung Russlands durch die NATO. Ein paar Luftlandebahnen in Asien und die genannte polnische Panzerwaffe sind dann doch etwas zu dürftig, um im Gegenzug Moskau zu erreichen. Wer eine Invasion beginnt, wird sie verlieren.
      Ja, das ist alles Sandkastengeneralität. Schon klar. Es ist der Versuch der science zu follown. Und bevor man es aber für notwendig erachtet, 2% vom BIP einer Industrie einfach zu schenken, ist die Frage, wofür eigentlich, doch gar nicht mal so doof. Wenn wir die fehlenden 0,7% in eine Soft Power in der Ukraine stecken würden…würden alle Geldverschwendung rufen. Obwohl wir dem Clown im Kreml damit richtig weh tun würden. Die höheren Rüstungsausgaben könnten wir mit dem Gebläse über das Mittelmeer pusten und wären genau so sicher. Wenn etwas nicht einsatzfähig ist, dann wegen Missmanagement und nicht, weil wir zu wenig Geld ausgeben. Es geht nicht um unsere Sicherheit, sondern um einen großen Raubzug einer Lobby.
      Es ist ein riesiger Popanz, der hier aufgeführt wird. Putin braucht den Nimbus der Gefährlichkeit, um 3. Welt-Länder an der Peripherie und Russlandfans zu beeindrucken. Westliche Angst und nackte Oberkörper, das betreffende Publikum mag Moschusduft. Unsere Rüstungsindustrie braucht Geld. Tattaaa- und dann macht der Unsinn einen Sinn. Leider auch nur dann. Die Bundeswehr ist in einem schlechten Zustand, weil im Grunde genau das alle wissen und mit eingepreist haben. Unwürdig und blamabel, ja. Gefährlich? Naja. Es ist peinlich gegenüber Polen, die im Grunde bis Frankreich die Hauptverteidigungslinie sind. Und das ließe sich heute schon leicht ändern.
      https://de.wikipedia.org/wiki/9K720
      Die können von Kaliningrad Warschau, vielleicht Berlin erreichen. Sind sie konventionell bestückt, sind sie wirksam wie Saddams Scud, d.h. gar nicht. Sind sie atomar bestückt, ist Moskau 15 Minuten später ausgelöscht. Damit leben wir nun seit 70 Jahren.

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        Nachtrag: Solange es keinen Krieg gibt, ist jede Armee eine semi-sozialistische Einrichtung. Vollversorgung, Geldverteilung, Zeitverschwendung. In den USA sogar Gesundheitsversorgung. An der Armee hängen nicht nur Soldaten, auch ihre Familien, Gemeinden, Fabriken etc. Gegen diese Phalanx an Lobbyisten und Interessengruppen die Erkenntnis durchzusetzen, dass der Feind vielleicht den Aufwand nicht wert ist, ist unmöglich. Denn damit sagt man den Leuten, dass ihr jetziges Leben unnötig ist. Und so macht für alle Sinn, den Feind immer weiter aufzublähen, ihn zu überhöhen und immer weiter zu überschätzen. Das ist ein Selbstläufer. Lobbyisten sind nicht nur die bösen Rüstungsfirmen. In der Bewertung der russischen Möglichkeiten sind wir schon nach an der Hysterie, einer für viele Leute, große und kleine, profitablen Hysterie.

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        Ich glaube, lieber Stevanovic, die Probleme der Bundeswehr liegen weniger in der Fähigkeit, ggf. einen russischen Großangriff abzuwehren, der heute genau so unwahrscheinlich ist wie seit dem Selbsteinmauern 1961. Die Probleme liegen eher darin, Kriege an der Peripherie effektiv zu führen; dort, wo Russland mit relativ geringem Einsatz große Erfolge erringt.

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      Lieber Stefan Trute, diese Frage beantworte ich Ihnen aus meiner Sicht sehr einfach an einem konkreten Beispiel: Während wir hier in der mehr oder weniger freien Welt mit Stickoxiden, Feinstaub, Klimazielen und Gendersternchen die Muße haben, uns zu beschäftigen, lässt der Stabilokrat Burevestnik-Raketen in die Atmosphäre schießen, in denen ein offener Reaktor mit Brennstäben im Bereich der Kernschmelze heißen Wasserstoff herausblasen. Bisweilen würden verstrahlte Mitarbeiter in Badewannen vom Testgelände getragen. Trump wollte ihm damit seine Grenzen aufzeigen, in dem er darauf hinwies, dass es auch in Russland Umweltaktivisten gäbe. Nebenbei: Greenpeace übrigens handzahm in der Angelegenheit. Will sagen: Er kann ganz anders ‚durchregieren‘ – gegen sein eigenes Volk und damit auch gegen uns. Und das kann der Chinese sowieso. Und es geht um Kapitalismus und Realismus und auch um die Frage ob kein Kapitalismus überhaupt realistisch sein kann.

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        ..wobei ich auch, wie Stevanovic, falls ich ihn richtig verstanden habe, Putin für ein kleineres Übel, bzw. nicht den ‚worst case‘ halte. Im Management-Sprech würde man wohl sagen, man muss da ‚prozessorientiert‘ denken. Und das gilt z.B. auch für den Umgang mit ‚unseren‘ Halunken in Saudi Arabien. Zynisch? Ja, aber was ist zynischer? Die Realität, also die Gefährdung unserer individualistischen Lebensform aus vordergründigen, letztlich durch (Kriegs-)Müdigkeit bedingten, moralischen Gründen ausblenden oder unsere Vorstellungen taktisch klug zu verteidigen? Putin ist nicht der Schlimmste und man kann von mir aus auch mit den Taliban Tee trinken, aber man muss schon wissen, was man will. Und die alte römische Erkenntnis, wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg, hat nach wie vor Gültigkeit. (Ich habe es aufgegeben, lateinisch zu zitieren, das geht bei mir meistens daneben.)

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        ..habe das noch vergessen: Natürlich ist das ärgerlich, wenn sich Trump so massiv in Geschäfte deutscher Firmen einmischt. Souveränität und so. Imperialismus. Aber was machen unsere Grünen und linken und feministischen Imperialist*innen denn weltweit so? Wie viele Firmen, die vor Ort Arbeitsplätze schaffen, damit die Familien, z.B. In Bangladesh etwas zu beißen haben, werden boykottiert. Ganze Volkswirtschaften, z.B. Auf Tropenholz basierend, werden ruiniert. Ach – das ist was andres? .. Sehen Sie..

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    Bei Assmann muss ich immer daran denken, das Sie sehr wahrscheinlich in den 70er Jahren viel Zeit in Ägypten verbracht hat. Währent Ihres Studiums der Ägyptologie. Hierbei könnte es sein, das Sie vieleicht, hier und dort, in antisemitische Kreise gelangt wäre. Just an idea. maybe…..you never know.

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        Ich bin nicht monothematisch. Denken Sie , in Ihrer Egomanie, es geht nur um Sie? Im Gegensatz zu Ihnen geht es mir um Die Sache und nicht um das Ego. Aber das werden Sie im Ihrem Alter nicht mehr ablegen können. Also schreiben Sie weiter.

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        Nein, ich denke nicht, dass es um mich geht. Sie nerven mittlerweile alle. Sie geben sich als Jude aus und schreien überall etwas von Antisemitismus. Dabei sollten Sie sich lieber mit der Geschichte Ihrer Familie im Dritten Reich beschäftigen. Sie haben ein psychisches Problem, das habe ich Ihnen schon mehrfach gesagt, und Sie werden hier keine Hilfe erfahren.

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    Zu viele Deutsche, beiderlei Geschlechts, ungebildet und gebildet, ob aus Bielefeld (Aleida Assmann) oder aus Luenen, neigen bei Worten wie „Antisemitismus“ oder auch Antisemitismusbeauftragter“ zu einer Reaktion, als waeren sie mit einem Strauch Riesenbaerenklau – in voller Bluete – kollidiert.
    Geister existieren nur in der Phantasie, in der sie von Schriftstellern, Journalisten und Schauspielern erweckt werden koennen, und tauchen sie auf, wie bei Shakespeare sogar in fuenf Stuecken, dann haben sie oft nur wenig Zeit die ganze Geschichte zu erzaehlen und ein Dialog endet mitunter kurz nach „May sweep to my revenge“.
    Dass Marx („Die Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte“ – er kannte die Deutsche Bahn AG noch nicht!) mit Geistern startet, was am Ende der Passage bekannterweise in „Voelker hoert die Signale“ endet, macht sie auch nicht realer, so dass das Ansinnen auch als „Voelker ueberhoert die Signale“ gedeutet werden kann. Ein Manifest, also etwas offenkundiges, benoetigt keine Geister.
    Bei Aleida Assmann und ihrer geschwungenen Antisemitismuskeule schwanke ich noch zwischen den Interpretationen „ruin“ und „balls up“. Ob ein Vorwurf ein Gespenst sein kann, ja am Ende sogar einen realen Namen hat, die Nicht-Existenz nun dank journalistischer Finesse eine ladungsfaehige Anschrift und eine Steuer-ID besitzt (hier Herr Klein), deutet eher darauf hin, dass Aleida Assmann das mit dem „angel‘s share“ zu woertlich genommen haben koennte.
    Die faelschlich empfundene Antisemitismuskeule ist immer reine Phantasie (so wie Geister reine Phantasie sind), waehrend der Antisemitismus real existiert, ja sogar von Ungeistern aus der Flasche gelassen werden kann. Fuer alle Deutschen gilt, dass es keine Flucht in die Metapher gibt. Zu real ist die Geschichte, zu real die Opfer, zu real die Tat. Frau Assman versteigt sich voellig unnoetig in ein nur wenig passendes Buehnenbild, was dann allein auf ihren emotionalen Zustand beim Schreiben schliessen laesst, waehrend das eigentliche Ansinnen erfolgreich verhunzt wird. Auch eine Leistung.

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    Die versuchte Rettung meines Lieblingdramatikers vor Verhunzung – ich halte Shakespeare für den “grössten” Schriftsteller der bekannten Menschheitsgeschichte – ist zwar vorhersehbar vergeblich, aber ich rechne Sie Ihnen, verehrter Herr Posener, besonders hoch an.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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      Vorsicht. Shakespeare ist nachweislich ein toter, weißer Mann, der Juden und Schwarze schlecht darstellte, den Pöbel verachtete, Franzosen lächerlich machte, die Sklaverei rechtfertigte … usw.

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      Bruhahahaha. Wenn man das als Masstab nimmt (ja, ich weiss, die USA und GB sind auf dem Weg dahin), dann gute Nacht Kultur. Ich bin ja ein alter Reaktionär – aber auf die Idee, die Kultur so stark einzuschränken, sind schon in den achtzigern des letzten Jahrhunderts nur noch ein paar ultra-konservative Christen und ein paar linksradikale Spinner gekommen.

      Interessiert mich persönlich nicht – ich erwarte von niemandem, dass er überall gross und noch weniger, dass er seiner Zeit überall voraus war. Schriftsteller, die die Anforderungen an einen modernen Jesus erfüllen, sind aller Wahrscheinlichkeit nach unlesbar.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

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        Lieber Thorsten Haupts, die Einschränkung von Kultur und Wissenschaft durch derzeit linksextremistische Eiferer, die Postkolonialisten und die Ökotaliban sehe ich schon länger als ein sehr ernstes Problem an und sie verändert auch in den Köpfen von Nichteiferern vieles, die aus Vorsicht ihre Unbefangenheit verlieren und verstummen. Dazu ein mittlerweile rares Fundstück mit einem etwas irreführenden Titel aus dem ÖR-Rundfunk:

        https://www.swr.de/swr2/wissen/jenseits-der-hasstiraden-plaedoyer-fuer-eine-neue-debattenkultur-swr2-wissen-aula-2020-07-26-100.html

        Ich versuche, dennoch Altlinke und Altgrüne, wie vielleicht auch Frau Assmann mit milderem Blick zu sehen, weil ihre Motivationen ja nicht ganz unbegründet waren. Es wäre m.E. sehr viel gewonnen, wenn gerade Altlinke und Gründungsgrüne, denen ich noch einen differenzierten Blick zutraue, die derzeitige Entwicklung nicht als ‚Sieg‘ verbuchen würden, sondern sich gegen diesen unsäglichen Bildersturm und auch zu erwartende riesige ökologische und geographische Kollateralschäden z.B. durch Pumpspeicherkraftwerke stellen würden. Und, nebenbei bemerkt: Dass nicht alles etwas mit Juden, Israel und Antisemitismus zu tun hat.

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        KJN; …’und auch zu erwartende riesige ökologische und geographische Kollateralschäden …

        … jo, Klaus, nicht zu fassen; Energie zum ‘Nulltarif’. Die ‘grüne Kobold-Ideologie’, ‘Merkel-Füsik’ und Genossen werden pulverisiert. ‘Wir’ hatten das in etwa – 2012. ff im thread. Nun ist es (fast) so weit. 😉

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        @KJN, Nachtrag

        Schluss mit den grünen Sperenzchen! v. Hans-Werner Sinn

        ‘Wir müssen jetzt sehen, dass wir durchkommen, dass wir unseren Wohlstand halbwegs retten. Da müssen auch die grünen Sperenzchen auf den ideologischen Spielwiesen unserer Gesellschaft ein Ende haben. Was wir brauchen, ist eine verantwortliche Klimapolitik, die sich den ökonomischen Gesetzmäßigkeiten stellt und mit Augenmaß und im Hinblick auf ihre Wirksamkeit und Kosteneffizienz betrieben wird, eine Politik, die begreift, dass internationale Alleingänge der Europäer oder gar der Deutschen vollkommen sinnlos sind. Wir brauchen keine Ersatzreligion. Die Wirtschaftspolitik, die die Bundesregierung im Verein mit der EU gegen die deutsche Automobilindustrie betreibt, halte ich für verheerend, falsch und gefährlich – und für klimapolitisch vollkommen nutzlos. Wir machen unsere Automobilindustrie kaputt, und wir tun das auch noch mit einer Formel für die Berechnung des CO2-Ausstoßes einer Automobilflotte, die einen großen Rechenfehler beinhaltet, der fast an eine bewusste Täuschung der Öffentlichkeit grenzt, die von ähnlicher moralischer Dimension ist wie die Täuschung, die die Automobilfirmen mit ihren Abschaltvorrichtungen vorgenommen haben.’

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        Die deutsche Automobilindustrie machte in den letzten Jahren trotz güner Sperenzchen folgende Umsätze:

        https://de.statista.com/statistik/daten/studie/160479/umfrage/umsatz-der-deutschen-automobilindustrie/

        Es sieht nicht danach aus, als würde sie kaputtgehen. Die Umstätze wachsen beständig. Was wollen sie denn, sollen sie noch mehr und noch schneller wachsen?

        Und ständig ist es bei Ihnen “fast” so weit, das nervt, sofern man es nicht souverän überliest. Seit Anbeginn Ihrer Kommentare erfreuen Sie sich daran, dass wir nur noch einen winzigen Schritt vor dem unvermeidlichen Ziel – der Absetzung der Merkelregierung – entfernt sind. Nach dem Motto: Wartet! Hoffet! gleich, gleich ists soweit! – Natürlich wird es irgendwann keine Merkelregierung mehr geben. Aus Altersgründen. Danach wird nicht das kommen, von dem Sie sich und uns immer einreden wollen, dass es nur einen winzigen Schritt entfernt wäre und nun – fast- da wäre. Es wird überhaupt nicht kommen.

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        Lieber hans, sollte ich mich in meiner Skepsis gegenüber Kernfusionsreaktoren geirrt haben, wäre mir das sehr recht. H.W. Sinn stimme ich in allen Punkten zu. Ich finde, seine Äußerungen haben in letzter Zeit sehr an Klarheit und Unabhängigkeit gewonnen.

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        @R.Z.

        … werter R.Z., nehmen Sie das von mir geschriebene ‘(fast)’ in english, dann heißt das – übersetzt – ‘schnell’. Ich glaub’, ich hatte schon mal geschrieben, dass Sie, als Philosoph, scheinbar andere oder gar keine Vorstellungen von Raum und Zeit haben. Und allein das ist erstaunlich. Sei denn Sie sind ‘System-Philosoph’ in Marxismus/Leninismus … mhm?

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        Lieber Roland Ziegler, Ihren Unmut kann ich verstehen, insofern er sich auf eine argumentationsfreie Anti-Merkel-Rhetorik, die Zustimmung des Adressaten voraussetzt, bezieht. Der Wunsch, Merkel und die gegenderte CDU möge endlich abtreten, ist emotional und bezieht sich auf Reizworte wie ‚Alternativlos‘, ‚Wir schaffen das‘ usw. Emotionen fallen aber nun auch nicht vom Himmel oder werden im Antaios-Verlag produziert sondern haben Auslöser, die nicht nur in der Mann-mit-Hut-Haftigkeit „bestimmter Männer“ (Posener in der ‚Welt) liegen, sondern Gründe haben, also Alarmlämpchen, mit aller Gefahr der Übersensibilität. Die Alarmlämpchen eines Theodor W. Adorno und vieler 68er-Intellektueller waren bisweilen auch übersensibel, haben aber richtig den ‚Muff der 1000 Jahre‘ detektiert. Kurz: Diese „Gefühle“ sind also nicht „falsch“, wie Sie mal hier schrieben. (Sowas schreiben eigentlich nur über-jetzt-und-alles-Zukünftige-Bescheidwisser, was ich Ihnen jetzt mal nicht unterstelle.) Plädieren Sie für mehr Sachlichkeit, könnte ich das eigentlich unterschreiben, aber dann könnten wir uns jegliche Diskussion in diesem Diskutierclübchen (btw – wo ist eigentlich die Liste der letzten Diskussionsbeiträge geblieben?) auch sparen und es hier bei dem Hinweis von Alan Posener belassen, dass Aleida Assmann den Begriff ‚Gespenst‘ etwas unterkomplex verwendet hat. (Und ich hätte es beim Thema ‚Klima‘ bei dem nüchternen Hinweis belassen können, dass die im Raum stehende Behauptung, das CO2 würde Jahrhunderte oder gar Jahrtausende in der Atmosphäre ‚gespeichert‘, sich allein schon durch die Betrachtung der Jahreszeitlichen Schwankungen der Keeling-Kurve als falsch erweist.) Aber so funktioniert nun mal Diskussion und Austausch nicht.
        Übrigens muss ich auch bisweilen schlucken, z.B. bei dem von Stevanovic zitierten..

        „Auch angesichts der Tatsache, wie eng die Folgen des Völkermords der Nazis mit der Besetzung von Palästina verknüpft sind, täten die Deutschen gut daran, zu hinterfragen, was ihr Anteil an dieser anhaltenden Ungerechtigkeit sein könnte.“

        .. was ich angesichts der absolut frivolen Verquirlung von völlig unterschiedlichen Sachverhalte wirklich schlimm finde, aber man kann sich auch ‚dran halten‘ (Betonung auf ‚dran‘), wie man hier im Rheinland spricht.

        Zu den Gewinnen der Autoindustrie:
        Mitnahmeeffekte kurz vor der Aufklärung der Sachverhalte: Nach mir die Sintflut.
        Noch mal ein paar Jahre 3t-Stadtpanzer produzieren und die NO2-Emissionen wegschummeln.

        Zu der Kritik der Grünen an der Kernfusion:
        Mitnahmeeffekte kurz vor der Aufklärung der Sachverhalte: Nach mir die Sintflut.
        Nochmal ein bisschen Aufschub für die Windkraft- und Photovoltaik-Klientel erschummeln.

        Zu Merkel:
        Mitnahmeeffekte kurz vor der Aufklärung der Sachverhalte: Nach mir die Sintflut.
        Nochmal ein bisschen Nebel versprühen, damit weiterhin ‚Politik auf (demoskopische) Sicht‘ betrieben werden kann.

        ff. etc. pp.

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        Seit 2008 Mitnahmeeffekte? Gut, warum nicht: Man nimmt ein bisschen Gewinne mit und kauft sich davon z.B. eine Yacht. Warum nicht. Das ist dann ein sehr angenehmer Mitnahmeeffekt, aber was soll dann das Motto “Nach mir die Sintflut”, soll das irgendwen einschüchtern, entlasten oder ablenken von der Tatsache, dass man immer wieder, jedes Jahr, mitnimmt, ohne dass die Sintflut kommt? Was jetzt ein bisschen die Mitnahmeeffekte schmälert, ist schon wieder nicht die Sintflut, nicht die grünen Sperenzchen, sondern Corona. Herr Sinn erzählt Unsinn, mit Verlaub.

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        …zur Verdeutlichung: In der aufgeführten Statisktik geht es um Umsätze der Autioindustrie. Die wachsen einfach stetig, nicht nur seit 2008 (da beginnt nur diese Stastistik). Das sich daraus ergebende Bild hat mit Mitnahmeeffekten nicht das geringste zu tun. Natürlich ist dieses Umsatzwachstum kein Naturgesetz und es kann sich auch anders entwickeln. Aber jetzt und hier, vor dem Hintergurnd der Coronakrise vom Untergang der Autoindustrie zu reden und dies den Grünen in die Schuhe zu schieben kann nur ein machtpolitisches Manöver sein.

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        Mit ‚Mitnahmeeffekte‘ und ‚nach mir die Sintflut‘, lieber Roland Ziegler, meinte ich, dass die jeweiligen Akteure und Unternehmer – von VW über sog. Grüne bis Merkel ein nicht dauerhaft tragfähiges – es hat sich derzeit das aus der Forstwesen stammende Wort ‚nachhaltig‘ dafür eingebürgert – Geschäftsmodell mehr haben und erhebliche Kollateralschäden in Kauf nehmen. Kollateralschäden für Autokäufer, Natur und Bürger. Ein allgemeines Phänomen also, wo es wert wäre, mal nachzuhaken. Man kann natürlich auch weiterhin hochfrequent um Klima-, Corona-, Feinstaub-, Stickoxid-, Gleichstellungs-, usw. Themen rotieren, bis man/ frau/divers vollends gaga wird und wie z.B. WELT online leider auch nicht müde wird, nur wird mir dann auch klar, warum Länder, wie Russland und China gar keine schlagkräftigen Armeen mehr brauchen, die sie ja nicht haben, wie ich hier gerade gelernt habe. Der Mitnahmeeffekt wird dann darin bestehen, Europa dahin mitzunehmen, wohin sie wollen. Mir langsam auch egal und dieses ‚egal‘ ist allerdings ein Virus dass sich wirklich schnell verbreitet und ganze Zivilisationen auf dem Gewissen hat.

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        Die Automobildindustrie braucht von Zeit zu Zeit neue Kaufanreize und neue Produke, und da kommen ihr die Grünen mit dem Spritsparen und der E-Mobilität gerade recht. Stellen Sie sich nur mal vor, jedes Auto hält 30 Jahre lang, die Technologie bleibt immer dieselbe, sie ist ausgereift – was bedeutet das dann für die Automobilindustrie? Wem soll die noch was verkaufen?
        Und nun wäre die Frage, wer der wahre Freund der Automobilindustrie ist. Die neuartigen “grünen” Technologien, die längst noch nicht ausgereift sind, so dass man sich in 5 Jahren also das nächste Auto anschaffen wird? Oder Sie, der 30 Jahre lang mit demselben Auto über die Straßen rollen will und sich über die Zukunft der Autoindustrie sorgt?

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        Absolut, Roland Ziegler, der wahre Freund der bisherigen Industrie und derer, die unter Wachstum größtmöglichen Materialdurchsatz und Ressourcenverschwendung verstehen, ist die Mode, der möglichst schnell wechselnde Zeitgeist und die Wegwerfmentalität. Ich habe ein wenig den Endruck, als wenn Sie mich so verstehen, als wolle ich das verteidigen.. Au contraire! Ich habe auch H. W. Sinn nicht so verstanden, dass er das verteidigt, er sagte nur, dass die EU-Grenzwerte unrealistisch sind und da hat er recht und er sagte, dass die Autoindustrie das versuchte, zu umgehen (und übrigens nicht nur VW, auch Renault und FIAT) und ich sage, die SUVs sind für viele Leute, die offensichtlich noch besser einparken können, als ich, sehr sexy und um diese Leute bedienen zu können, muss eben geschummelt werden, damit die Umsätze weiterhin aufwärts gehen. Und genau das halte ich für kein betriebswirtschaftlich ‚nachhaltiges‘ Geschäftsmodell, sondern für unseriös. Aber ich halte es auch für kein Menschheitsverbrechen. Und ja, ich will meinen Stern-Diesel so lange wie es geht fahren, bzw. wie es der Industrie-Gehilfe TÜV zulässt und würde mir wünschen, das wäre so lange, wie eine Boeing 747 fliegt, weil es einfach das beste Auto der Welt ist, denn ich kann ungestört in mäßiger Lautstärke Bach und Purcell hören und ich würde mir wünschen, ich könnte alle paar Jahre zur Autoindustrie fahren und die würde mir dieses mir gehörende wunderbare Auto so wiederherstellen, wie es bei einer Boeing 747 möglich ist und m.E. bei meinem herrlichen Automobil auch. Ich sorge mich also weniger um die Autoindustrie, sondern um eine Technologie, die jetzt zugunsten eines ressourcenverschlingenden Monsters namens „Elektroauto“ nach Art der Kernkraft geopfert wird. Es wird so geschehen, aber ich muss es ja nicht gut finden. Die CO2-neutrale Verbrennungsmaschine mit Hydrazin z.B. produzieren dann eben andere und wahrscheinlich nicht so gut. Egal, Hauptsache das ideologische Gewissen stimmt. Jetzt wissen Sie auch, warum technikinteressierte Menschen immer so ultrarechts sind und AfD wählen.

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        Ich finde es schön, dass Sie Ihren Diesel so lange wie möglich fahren und dabei Bach und Purcell hören wollen. Eigenltich dachte ich, Sie hören Jazz? Was auch sehr schön ist. Ich selber fahre gar kein Auto (leihe mir bei Bedarf mal eins von Freunden).
        Ich glaube aber, dass dieses Verhalten, gar kein Auto zu fahren, den an die Wand gemalten “Untergang der Autoindustrie durch grüne Sperenzien” kaum aufhalten kann. Vielleicht sogar lässt sich das nicht-Auto-Fahren als “grüne Sperenzchen” abbuchen, d.h. das Normalverhalten eines heutigen Mitteleuropäers ist es, Auto zu fahrne, und wer kein Auto fährt, macht sich grüner Sperenzchen verdächtig. Welche zum Untergang der Autoindustrie führen.
        Wenn mein Beispiel also Schule machen sollte, könnte hier tatsächlich ein Problem für die Autoindustrie entstehen.

        Außerdem führchte ich, dass auch Ihr Verhalten, ewig Ihren Diesel zu fahren und dabei statt immerneue Popmusik Bach und Purcell zu hören, ebenfalls kein Verhalten ist, mit dem man sich jenem “Untergang” wirkungsvoll entgegenstemmen kann.
        Daher müssten Sie, sofern Ihnen wirklich etwas am Weiterbestehen der Autoindustrie gelegen ist, als erstes Ihren Diesel verschrotten und ein Elekroauto kaufen. Um dann in 5 Jahren ein Wasserstoffauto zu kaufen. Usw.

        Nur deswegen habe ich mich überhaupt zu Wort gemeldet: Die Vorstellung, die Grünen würden mit ihren grünen Technologien den Untergang der Autoindustrie heraufbeschwören, welcher gar nicht stattfindet, sich nirgends nachweisen lässt und durch die grünen Technologien ja gerade verhindert wird, diese Vorstellung, die Herr Sinn hier eingebracht hat, stellt die reale Sachlage derart multidimensional auf den Kopf, dass die kognitive Dissonanz für mich zu groß wurde.

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