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Der gute Herr Detjen und der böse Herr Klein

Man kann nicht behaupten, dass sich die öffentlich-rechtlichen Medien in der Diskussion um Achille Mbembe mit Ruhm bekleckern. Besonders befremdlich ist die Rolle von Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur. Kritiker Mbembes werden dort unwidersprochen diffamiert; und zwar immer wieder. Zuletzt tat sich Stephan Detjen mit einem Kommentar hervor, den man nur als unverschämt bezeichnen kann.

Detjen ist ja nicht irgendwer: Wikipedia zufolge ist er Chefkorrespondent des Deutschlandradios im Hauptstadtstudio Stephan Detjen ist Mitglied im Vorstand der Bundespressekonferenz,   im Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, im Kuratorium des Deutschen Studienpreises sowie in der Jury für den Medienpreis des Deutschen Bundestages. Sein Wort hat Gewicht. Umso schlimmer ist sein Kommentar, den ich im Wortlaut dokumentiere und Absatz für Absatz kommentiere.

Gibt es eine afrikanische Wissenschaft?

Seitdem der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, dem kamerunischen Historiker Achille Mbembe antisemitische Argumentationsmuster vorgeworfen hat, liegt das Werk Memebes und dazu eine ganze Forschungsrichtung, der Postkolonialismus, auf dem Seziertisch der Feuilletons. Es wird diskutiert, ob und wie afrikanische Wissenschaftler die Geschichte von Kolonialismus und Sklaverei in Beziehung zur Shoa setzen dürfen. Ein weites Feld.

Es wird eben nicht diskutiert, ob und wie afrikanische Wissenschaftler die Geschichte von Kolonialismus und Sklaverei in Beziehung zur Shoa setzen dürfen. Es geht überhaupt nicht um das, was „afrikanische“ Wissenschaftler dürfen oder nicht dürfen. Es wäre rassistisch anzunehmen, dass afrikanische Wissenschafter*innen etwas nicht dürfen, was europäische Wissenschaftler*innen dürfen. Und auch rassistisch umgekehrt anzunehmen, dass afrikanische Wissenschaftler*innen etwas dürfen, was europäische Wissenschaftler*innen nicht dürfen. Es gibt keine afrikanische, chinesische, amerikanische oder europäische Wissenschaft. Aussagen sind eben wissenschaftlich oder unwissenschaftlich, egal ob sie von Menschen mit weißer oder schwarzer, roter oder gelber Haut gemacht werden. In der Tat haben einige Theoretiker des „Postkolonialismus“ diesen Konsens aufgekündigt. Auch deshalb müssen sie kritisiert werden. Nicht wegen Relativierung der Shoa, sondern wegen Relativierung der Wissenschaft. 

Gibt es eine “Grenze des Sagbaren”?

Seit Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft“ (1951) wird die Geschichte von Kolonialismus und Sklaverei in Beziehung zur Shoa gesetzt. Das war und ist weder tabu noch gar verboten. Die Frage ist immer, wie diese Beziehung gesehen wird; ob die Inbeziehungsetzung wissenschaftlichen Kriterien standhält. Das ist schon bei Hannah Arendt nicht der Fall, aber es würde zu weit führen, das hier nachzuweisen. Darüber mag man auch vershciedener Meinung sein. Jedenfalls steht fest, dass Detjen schon zu Beginn seines Kommentars eine falsche Fährte legt. Mit Bedacht. Detjen weiter:

Felix Klein hat es (das „weite Feld“, AP) mit regierungsamtlicher Autorität beackert. Seine Forderung, Mbembe als Eröffnungsredner der Ruhrtriennale auszuladen, verbietet Mbembe nicht den Mund. Aber sie markiert eine Grenze des in Deutschland öffentlich Sagbaren. Öffentlich geförderte Musikfestivals, Kulturforen, Theater und Bildungseinrichtungen, also ein wesentlicher Teil der kulturellen und politischen Öffentlichkeit, sollen für Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle gesperrt werden, die Felix Klein mit dem Antisemitismus Vorwurf brandmarkt. Hier liegt das Problem.

Man kann diesen Absatz noch so oft lesen. Der Widerspruch bleibt: Seine Forderung, Mbembe als Eröffnungsredner der Ruhrtriennale auszuladen, verbietet Mbembe nicht den Mund. Aber sie markiert eine Grenze des in Deutschland öffentlich Sagbaren. Eben nicht. Sagen darf man in Deutschland alles. Auf jeden Fall darf Mbembe, der Darling des akademischen und politischen Establishments, weiterhin alle möglichen und unmöglichen Vergleiche anstellen. Er darf weiterhin sagen, der Holocaust sei das größte Desaster des 20., die Besatzung Palästinas der größte Skandal des 21. Jahrhunderts, was ein – sagen wir – gewagter Vergleich ist. Er darf weiterhin behaupten, Israels Politik gegenüber den Palästinensern sei schlimmer als die Apartheid, die wiederum mit dem Holocaust vergleichbar sei, weil die Israelis die Palästinenser als Müll betrachteten, der zu beseitigen sei. Er darf weiterhin unterstellen, die Israelis hätten den Nihilismus der Nazis internalisiert und seien dadurch zu Tätern geworden. Er darf weiterhin den Selbstmordattentäter verherrlichen als jemanden, der in seinem freiwillig gewählten Tod die künftige Freiheit seines Volkes vorwegnimmt. Und so weiter. Er darf auch weiterhin die BDS-Bewegung materiell und ideell unterstützen und in Südafrika weiterhin dafür sorgen, dass israelische Wissenschaftler*innen nicht an Kongressen teilnehmen dürfen. Und er darf seine deutschen Fans darüber belügen. Das alles ist sein gutes Recht. Und es ist nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht des Antisemitismusbeauftragten zu fragen, ob die deutsche Steuerzahler*in das belohnen soll. Von einer Grenze des Sagbaren ist also nicht die Rede. Sondern von einer Grenze des Förderungswürdigen.

Kennt Herr Detjen das Werk Achille Mbembes?

Für sein Verdikt im Fall Mbembe genügte dem Antisemitismusbeauftragten eine fragwürdige Exegese weniger Zeilen eines tausende Seiten umfassenden Gesamtwerks. Um seinen folgenreichen Vorwurf zu begründen, blendete Klein Kontexte der inkriminierten Passsagen aus und bog sie sich zurecht, bis das eigentlich Gesagte hinter der interpretierenden Zuspitzung kaum noch erkennbar war.

Vor dem Hintergrund einer Exegese tausender Seiten des Mbembe-Oeuvres haben viele Menschen, die auf jeden Fall fleißiger sind als Herr Detjen – erinnert sei an den „Seziertisch des Feuilletons“ und an die Artikel von FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube, vom Historiker Thomas Weber, ebenfalls in der FAZ, vom Historiker Ingo Elbe in der taz und auch an einige Artikel von mir in der WELT und hier auf SM – festgestellt, dass die von Klein benannte Stelle keineswegs eine isolierte Äußerung sei und dass die Passagen keineswegs „zurecht geboten“ waren, sondern dass Mbembe ein Israel-Problem hat, um es gelinde auszudrücken. Überdies begründete Klein seine Infragestellung der Einladung als Eröffnungsredner eines der wichtigsten deutschen Kulturfestivals nicht nur mit Mbembes antizionistischen und antisemitischen Äußerungen, sondern mit seiner Tätigkeit für die BDS-Bewegung, darunter auch den Boykott israelischer Akademiker´*innen, über die Mbembe gelogen hat.

Vergleich oder Dämonisierung?

Der von Mbembe mit Blick auf die Besatzungspolitik Israels verwendete Begriff von einem „israelischen Projekt“ sollte als Beleg dafür dienen, dass der Autor dem Staat Israel schlechthin das Existenzrecht abspreche. Dass Mbembe – wie neben vielen anderen auch ein ehemaliger Bundesaußenminister – die südafrikanische Apartheidpolitik und das israelischen Besatzungsregime vergleichend – nicht gleichsetzend – in Verbindung brachte, wurde als antisemitische Dämonisierung Israels verurteilt.

Es stimmt, dass Mbembe die Apartheid und das israelische „Besatzungsregime“ nicht gleichgesetzt hat. Er sagte: „(D)ie Auswirkungen des israelischen Projekts auf den palästinensischen Körper sind viel einschneidender als die relativ primitiven Operationen des Apartheidregimes in Südafrika zwischen 1948 und den frühen 1980er Jahren. (…) Das zeigt sich in seiner fanatischen Politik der Zerstörung, die darauf abzielt, das Leben der Palästinenser in einen Ruinenhaufen zu verwandeln oder in einen Abfallhaufen, der gesäubert werden soll. In Südafrika erreichten die Schutthaufen nie solche Ausmaße.“

Man merke, dass Mbembe hier nicht sagt, das Leben in den 1967 von Israel besetzten Gebieten sei vergleichbar mit dem Leben unter der Apartheid, was zwar auch Unsinn wäre, aber sozusagen der gewöhnlich Unsinn, den in der Tat auch ein Außenminister Sigmar Gabriel bei Gelegenheit verzapfte. Mbembe behauptet, das „israelische Projekt“, was auch immer er darunter verstehen will, habe das Ziel, das Leben der Palästinenser in einen zu beseitigenden Abfallhaufen zu verwandeln, und zwar aufgrund einer fanatischen Politik der Zerstörung.

Wenn man gleichzeitig weiß, dass Mbembe die Apartheid und den Holocaust vergleicht – nicht gleichsetzt: beide seien nämlich Ausdruck des „kolonialen Trennungswahns“, wenngleich von verschiedener Größenordnung und in einem verschiedenen Kontext; dann ergibt sich eine Vergleichsskala jenes Trennungswahns, bei der das „israelische Projekt“ irgendwo zwischen Holocaust und Apartheid angesiedelt ist. Darf man das behaupten? Selbstverständlich. Sollte jemand, der solchen Unsinn verzapft, von offizieller Seite geehrt werden? Selbstverständlich nicht.

Nur Stephan Detjen versteht das nicht.

Der deutsche Diskursraum und die Israel-Lobby

In einem wissenschaftlichen oder feuilletonistischen Diskurs gibt es alle Freiheit, Mbembe und die geschichtsphilosophischen Analogien der Postkolonialismus-Forschung kritisch zu hinterfragen. Felix Klein sagt, er betrachte es als seine Aufgabe, Diskussionen darüber anzustoßen. Doch was er tat, war etwas anderes. Klein nutzte sein staatliches Mandat für den Versuch, einen international renommierten Wissenschaftler aus einem deutschen Diskursraum zu verbannen.

Den „deutschen Diskursraum“ gab es vorher nicht; das ist der eigentliche Skandal. Mbembe wurde von höchsten Regierungsstellen und Institutionen hofiert, mit Preisen und Ehrungen überhäuft. Offensichtlich hatte sich niemand die Mühe gemacht, sein Werk zu lesen. Oder man war heimlich mit den antisemitischen Passagen einverstanden und freute sich, dass ein „afrikanischer Wissenschaftler“ das sagte, weil man sich im Zweifelsfall darauf zurückziehen könne, es sei rassistisch, einem Schwarzen Antisemitismus vorzuwerfen. Detjen bedient sich, wie wir gleich sehen werden, genau dieser abgeschmackten Argumentation. Doch vorher muss natürlich der Vorwurf der „Israel-Lobby“ kommen:

Der Regierungsbeauftragte machte sich damit eine Strategie von Lobbygruppen zu eigen, die einen entgrenzten Antisemitismus-Begriff instrumentalisieren. Politisch oder wissenschaftlich begründete Kritik an der israelischen Besatzungspolitik soll auf diese Weise systematisch delegitimiert werden.

Mitnichten. Was an Mbembes Kritik politisch oder wissenschaftlich begründet ist, weiß allein Herr Detjen. Er weigert sich nämlich, selbst überhaupt dazu Stellung zu nehmen. Es ist bekannt, dass Detjen gegen den BDS-Beschluss des Bundestags opponierte, was sein gutes Recht ist. Aber immer nur andere vorschieben mit der bekannten Floskel „Man wird ja noch sagen dürfen …“, ist extrem feige.

Der Fall Mbembes illustriert, dass es dabei längst nicht mehr nur um evidenten Antisemitismus geht. Das Bundesinnenministerium, in dem Klein mit seinem Amt angesiedelt ist, vermied es in einer gewundenen Stellungnahme, den direkten Antisemitismus-Vorwurf gegen Mbembe zu wiederholen. Stattdessen erklärte der Sprecher des Ministeriums, es müsse – Zitat – : „als problematisch angesehen werden (…), wenn die Verbrechen des Holocaust in Zusammenhang gebracht werden mit anderen geschichtlichen Zusammenhängen“. Die Formulierungen Achille Mbembes könnten „im deutschen Diskurs (…) anders wahrgenommen werden als in anderen Ländern.“ Wohl wahr.

Ja. Es geht längst nicht mehr um „evidenten Antisemitismus“, der für manche Deutsche erst bei sechs Millionen beginnt, bei Gasöfen und Krematorien; oder bei den Karikaturen von gestern (und gelegentlich von heute in der „Süddeutschen Zeitung“), wo es um Hakennasen und Geldsäcke, Weltkontrolle und Gottesmord geht. Es geht darum, dass der Antisemitismus immer wieder seine Gestalt verändert, ohne seinen Kern zu ändern: Vorgestern religiös begründeter Antijudaismus, gestern „Rassenantisemitismus“, heute Antizionismus und Israelhass. Und dieser Antisemitismus ist nicht akzeptabler, wenn er aus schwarzen Mündern kommt.

Die sind schwarz, die dürfen das

Eine Geschichte ist der Wert eines Austauschs mit Teilen der Welt, die über Generationen nur als unterworfene Kolonien oder Adressaten von Entwicklungspolitik wahrgenommen wurden. In der Rechtsfertigungslogik des Bundesinnenministeriums aber werden schon der bloße Perspektivwechsel und die Konfrontation mit unterschiedlichen Wahrnehmungen zur gefährlichen Bedrohung eines deutschen Erinnerungskanons.

Die Bundesregierung macht damit eine intellektuelle Abschottung Deutschlands zum politischen Programm. Als diskursiver Schrankenwärter setzt sich der Antisemitismusbeauftragte ein und versucht, ein in Deutschland gewachsenes Geschichtsbild gegen Irritationen von außen zu immunisieren. Politische Staatsraison wird so zur Zivilreligion und der Antisemitismusbeauftragte ihr Hohepriester. Der geschichtswissenschaftlich begründete Satz von der Einmaligkeit des Holocausts wandelt sich zu einer doktrinären Glaubenslehre, die mit staatlicher Autorität gegen häretische Hinterfragung verteidigt wird, als handele es sich um ein geistiges Eigentum der Bundesrepublik Deutschland. Während die Regierung einerseits den akademischen und kulturellen Dialog mit der südlichen Welt propagiert, treibt sie im Namen des Kampfes gegen den Antisemitismus zugleich eine Selbst-Provinzialisierung voran.

Diese Passage ist interessant, weil sie die einzige halbwegs originelle Argumentation im ganzen Kommentar enthält. Bei näherem Hinsehen ist sie natürlich nicht stichhaltiger als der gesamte traurige Rest, aber die Behauptung, der in Deutschland erreichte Konsens hinsichtlich der Bewertung des Holocaust mache das Land „provinziell“, ist immerhin neu. Bislang waren die Deutschen geneigt, sich selbst wegen ihrer gelungenen „Vergangenheitsbewältigung“ und „Kultur des Gedenkens“ auf die Schulter zu klopfen. Nun erfahren wir: Wenn wir daraus Schlüsse ziehen und die Sicherheit des Jüdischen Staats zur deutschen Staatsräson erklären, die Hetze gegen Israel bekämpfen, unangemessene und beleidigende Vergleiche ablehnen – dann sind wir „provinziell“. Dass der wichtige akademische und kulturelle Dialog mit der südlichen Welt bedeutet, die in machen Teilen dieser „Welt“, von Kairo bis Kapstadt, Teheran bis Tanger herrschende Dämonisierung des Jüdischen Staates nicht nur – wie allzu oft  geschehen – stillschweigend hinzunehmen, sondern zu honorieren: Das freilich soll die Grenze des Sagbaren permanent ver-rücken. Im Übrigen ist nichts dümmer als die Behauptung, der Postkolonialismus sei ein originäres Produkt „der südlichen Welt“. Er ist ein Produkt von Berkeley und Oxford, der Freien Universität Berlin und der Sorbonne: Er ist eine Ideologie, die nichts, aber auch gar nichts beigetragen hat zum wohlergehen der Menschen in jener „südlichen Welt“, deren Elite den Postkolonialismus benutzt, um von der eigenen Korruption, Brutalität, Unfähigkeit und Menschenfeindlichkeit abzulenken.

Felix Klein: Rassistischer Tugendwächter?

Felix Klein kommt in der vor zwei Jahren geschaffenen Funktion des Antisemitismusbeauftragten die Verantwortung zu, Profil und Wirkung des neuen Amtes zu prägen. Sein Vorgehen im Fall Mbembe könnte indes eine weit über das Thema Antisemitismus hinausgehende Wirkung haben. Andere Interessenverbände fordern die Regierung auf, weitere Beauftragte für den Kampf gegen andere Übel unserer Zeit wie Extremismus und Rassismus einzusetzen. Wenn das Beispiel Felix Kleins Schule machte, entstünde neben Verfassungsschutzbehörden, Staatsanwaltschaften und Gerichten ein paralleles Tugendwächterwesen, das nach jeweiliger Opportunität definiert, wer heute Rassist, morgen Antisemit und übermorgen Extremist ist. Niemand bräuchte sich dann noch zu wundern, wenn der Antisemitismusbeauftragte als erster auf der Anklagebank des Rassismusbeauftragten einer solchen Regierung landen würde.

Die Klage über „Tugendwächter“ kam bisher eher von rechts und richtete sich gegen „Gutmenschen“, die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, gegen den „Genderwahn“, die „Schwulenlobby“, die „MeToo“-Bewegung und „Fridays for Future“, die natürlich in Detjens Aufzählung fehlen. Nun wandert der Begriff nach links, ohne irgendetwas von seiner vor Ressentiment triefenden Gemeinheit einzubüßen. Dass am Ende zumindest suggeriert wird, Klein sei Rassist, ist so unterirdisch, dass man geneigt ist zu glauben, Detjen meine es nicht so, dass er vielmehr weiß, Klein sei kein Rassist, dass aber Antisemiten dieses Argument gegen ihn wider besseres Wissen verwenden würden. Dass sie behaupten würden, er wolle afrikanischen Wissenschaftlern das Wort verbieten, die Perspektive der südlichen Welt nicht akzeptieren, den Menschen, die über Generationen nur als unterworfene Kolonien oder Adressaten von Entwicklungspolitik wahrgenommen wurden seine eurozentrische Sicht der Dinge aufzwingen. Und das alles nur im Interesse der Strategie bestimmter Lobbygruppen, die hinter den Kulissen die Strippen ziehen. Aber wer wäre in Deutschland so gemein?

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19 Gedanken zu “Der gute Herr Detjen und der böse Herr Klein;”

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    Das Buch Irrwege http://www.querverlag.de/irrwege/ ist das Buch zum Fall Mbembe und seiner Helfer. Vor ein paar Monaten erschienen ist es sehr aktuell und beinhaltet sechs Kapitel von fünf Autoren, welche sich mit PoCo, BDS, linkem Antisemitismus, Said, Butler und einigen Deutschen auseinandersetzen. Es ist von Insidern geschrieben, welche ihre Pappenheimer kennen. Ein Examplar steht in der jüdischen Bib in der Fasanenstrasse in Berlin.

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    Danke für diesen Beitrag, nicht nur über die Causa Mbembe zu dir nun alles wesentlich gesagt sein dürfte, sondern auch in Bezug zur Universalität von Wissenschaft und Menschenrechten. Diese Sichtweise gerät immer mehr unter Beschuss und am Ende werden es gerade Minderheiten sein, die unter der Preisgabe allgemeiner Rechte und Standards am meisten leiden werden.

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    Eine kurze Vorbemerkung: Wenn Schwarze Menschen sind und das sind sie ohne Zweifel, dann sind sie auch zum Rassismus fähig, wie alle andere Menschen auch. Die Hautfarbe ist etwas Äußerliches, wer Menschen danach beurteilt, bewußt oder unbewußt, ist einfach dumm. —
    “… Einmaligkeit des Holocausts wandelt sich zu einer doktrinären Glaubenslehre, die mit staatlicher Autorität gegen häretische Hinterfragung verteidigt wird, als handele es sich um ein geistiges Eigentum der Bundesrepublik Deutschland…”, tut mir leid, aber m.A. nach ist es tatsächlich ein geistiges Eigentum Ds, denn D war der Erfinder und der eigentliche Ausführer. Auch wenn es von anderen Nationen viel Hilfe bekam. Judenfeindlichkeit war ja in Europa weit verbreitet und man hat die Gelegenheit und Möglichkeit ausgenutzt. Aber die Absicht der Verwirklichung ist in D entstanden (Wannsee-Konferenz). Und es war Ds Regierung, die Regierung eines der fortgeschnittensten Länder der Welt, die Mitten des 20. Jh. sich entschloß, einer Menschengruppe, deren ein Teil in D lebte, von denen D überwiegen Nutzen hatte, das Menschsein abzusprechen und ihre Mitglieder vom Säugling bis zum Greis auszurotten. Nicht nur in D selbst, sondern überall dort, wo sie einmarschiert sind. Und nach dem “Endsieg” auf der ganzen Welt. Das war der Plan. Und das ist einmalig, denn es gab bei keinem anderen Völkermord einen solchen Plan. Das war nie und nimmer zu erwarten von einer Nation, zu der die halbe Welt zu lernen ging. —
    Das damit zu vergleichen, wie die israelis mit den Palästinenser umgehen, – wohlverstanden, ich habe weder gegen Vergleiche was, noch was dagegen, daß man Israel kritisiert – doch, das zeugt für mich von einer tiefgehenden Unkenntnis der Geschichte beider Völker, von einer tiefgehenden Unkenntnis ihrer heutigen Gesichte, (also seit 100 Jahren ca.), von einer totalen Unkenntnis der Gedankenwelt beider Völker.
    lg
    caruso

  4. avatar

    ..was Sie, 68er, aber auch meinen könnten, ist dass sich das Denken selber natürlich um kulturell geprägte Vorstellungen und Emotionen arrangiert. Es gibt da ein sehr erhellendes Buch drüber (Luc Ciompi: Die emotionalen Grundlagen des Denkens). So entstehen (Hypo)Thesen, Theorien, aber auch Ideologien. Und es IST eben die Kernaufgabe richtiger Wissenschaft, diese stets überprägten Annahmen auf eine höhere Ebene möglichst allgemeingültig ‘objektive‘ Aussagen zu heben. Dazu gehört als einzige akzeptierbare Haltung Willen zum Diskurs und Ergebnisoffenheit. Alles andere ist wissenschaftlich unseriös. Ob nun diese ‚objektiven‘ Aussagen alle immer ihre uneingeschränkte Gültigkeit er- und behalten ist damit auch noch nicht gewährleistet. Aber genau das ist der „unteilbare“ Charakter und das Niveau dieser Tätigkeit.

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    Der Antisemitismusbeauftragte, der Felix Klein, soll die von der Bevölkerung am meisten verachteste Person sein, der Judenführer fordert rotzfrech:

    DEUTSCHLAND: Zentralratspräsident gegen BDS – Tachles 27.04.20

    Schuster fordert Rauswurf der Direktorin der Ruhrtriennale.

    Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, sieht keine Veranlassung, irgendwelche Zugeständnisse zu machen gegenüber Vertretern der anti-israelischen BDS-Bewegung. Die «Jerusalem Post» zitierte Schuster wie folgt: «Ich habe kein Verständnis für die Einladung von Achille Mbembe als Eröffnungsredner an der Ruhrtriennale – auch wenn der Anlass nun wegen des Coronavirus abgesagt worden ist». Schuster forderte ferner die Organisatoren der Ruhrtriennale auf, Stefanie Carp zu feuern, die Direktorin des Anlasses, die seit Jahren imme wieder BDS-Sprecher als Redner an das Festival eingeladen hatte, um Israel zu kritisieren. Der Zentralratspräsident sagte ferner, Mbembe vertrete die Ansicht, Israel benehme sich schlimmer als die frühere Apartheid-Regierung in Südafrika. Das sei, sagte Schuster, historisch falsch und inakzeptabel. Schuster kritisierte auch Mbembes Aufsätze und Artikel, in welchen er sich zur Behauptung versteigen würde, Israels Interaktion mit den Palästinensern im Rahmen des israelisch-palästinensischen Konflikts sei «schlimmer als der Holocaust». Damit würde der verhinderte Redner sich selber disqualifizieren. «Ich frage mich, was die Direktorin sich dachte, als sie ihn einlud. Offensichtlich hat ihre Haltung sich überhaupt nicht geändert». Er könne nicht länge verstehen, fasste der Zentralratspräsident zusammen, dass sie weiterhin Direktorin der Ruhrtriennale sei, und «ich appelliere an die Zuständigen, endlich die nötigen Schlussfolgerungen zu ziehen».

    Jacques Ungar

    https://www.tachles.ch/artikel/news/zentralratspraesident-gegen-bds

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      Haben Sie einen Beleg für ihre Behauptung, Felix Klein sei die am meisten verachtete Person in Deutschland?

  6. avatar

    Hallo Herr Posener,

    ein interessantes Thema, da es nicht ganz so einfach ist, wie Sie es versuchen darzustellen.

    Historisch gesehen ist die Wissenschaft der letzen 500 Jahre vor allem eine weisse Wissenschaft des Westens. Und wie ich Sie glaube verstanden habe, möchten Sie an dieser festhalten und möchten auch, dass die Menschen, die z. B. aus dem afrikanischen Kulturkreis kommen, diese “a priori” anerkennen. Wenn das dann von der Gegenseite als postkoniale Attitüde empfunden wird, kann ich das durchaus nachvollziehen.

    Unsere “rationale Wissenschaft” hat in den letzten Jahrzehnten doch einige Erkenntisse zutage gefördert, die darauf hinweisen, dass die Möglichkeit besteht, dass von uns angeblich bewusst gefällte Entscheidungen gar nicht bewusst von uns getroffen wurden, sondern unterbewusst und nur nachträglich, um den Schein der Selbstbestimmung zu wahren?, nachtäglich rationalisiert werden.

    Weil die “exakten Wissenschaften” uns im Alltag so sehr helfen und unser tatsächliches Leben so viel einfacher machen, ist es bequem zu glauben, dass diese unser gesamtes Leben bestimmen und “a priori” richtig sind. Aber nur wer bereit ist, den eigenen Wissensstand als vorläufig und hinterfragungsbedürftig anzuerkennen, bewahrt sich davor, in einer Sackgasse zu landen. Eine ausführliche – für mich nachvollziehbare – Begründung für diese These hat Paul Feyerabend in seinen Büchern “Aganist Method” und “Sience in a Free Society” geliefert. Wie gesagt, es ist oft einfacher, den eigenen “Wissensstand” als alleinrichtig zu betrachten, da man dann schnell Schubladen und Etikette hat, mit denen man glaubt, sich die Welt handhabbar und erklärbar zu machen. Zu einem fairen und herrschaftsfreien Diskurs führt das aber selten.

    Ich glaube, es gibt sowohl rationale als auch nicht rationale Gründe, mit denen man Mbembe wegen seiner Haltung zum Israel-Palestina-Konflikt kritisieren kann. Da ich mich mit seinen Thesen nicht näher beschäftigt habe, kann ich da keine persönliche Einschätzung geben, ob ich Ihrer oder der Auffassung von Herrn Detjen zuneige.

    Bei der Frage, ob Menschen aus dem afrikanischen Kulturkreis Ihr Diskursverhalten nachvollziehbar als postkolonialistisch empfinden können, tendiere ich doch sehr dazu, dies zu bejahen.

    Auch habe ich erhebliche Zweifel, dass Ihr Diskursverhalten selbst redlich und durchgängig rational ist, wenn ich mir die Bebilderung Ihres Beitrags ansehe. Zugegeben, das Bild ist thematisch passend, es zeigt aber nur die eine Seite des Konflikts. Es gibt auch Bilder von Opfern des Hebronmassakers aus dem Jahre 1994 oder – allerdings nur in schwarz-weiss – Bilder der Nakba oder des Irgun-Attentats auf das King David Hotel. Sie bedienen hier absichtlich und einseitig die emotionale, d.h. eher unterbewusste Entscheidungsebene. Das ist Ihr gutes Recht und führt wahrscheinlich bei den meisten Lesern auch zu dem gewollten zustimmenden Effekt. Redlich und diskursethisch korrekt ist es meiner Meinung nicht und beweist für mich vielmehr, dass der Vorwurf an den Gegenüber, er argumentiere “irrational”, weniger redlich aus funktional motiviert ist.

    Nun denn, ich habe mich gefreut, dass Sie heute einen neuen Text in die Runde geworfen haben. Leider habe ich derzeit wenig Zeit, um mich mitMbembe zu beschäftigen, finde das Thema der kulturellen, wissenschftlichen und politischen Emanzipation der postkolonialen Kutluren und Gesellschaften aber äusserst spannend. Und wie ich Sie kenne, würden unsere Gedanken zu diesem Thema gar nicht so weit auseinanderliegen, wenn wir das Thema vom Israel-Palästina-Konflikt losgelöst diskutieren würden.

    Beste Grüße

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      Lieber 68er, da Sie nicht auf Mbembe eingehen, was ich nachvollziehen kann, werde ich nicht auf Ihre Ausführungen zu Israel eingehen.

      Wichtiger und alarmierender sind Ihre Ausführungen zum Relativismus. Ich merke an, dass Paul Feyerabend, der Philosoph des “Anything Goes”, den Sie zitieren, wie Sigmund Freud, der den Anteil des Un- und Vorbewussten an unserem scheinbar rationalen Verhalten offenlegte, beide Europäer waren in der Tradition der “westlichen” Wissenschaft. Also DER Wissenschaft. Die Länder, die erfolgreich den Wohlstand ihrer Völker gehoben haben, ich denke an China, Taiwan, Hongkong, Japan, Singapur, Malaysia, sind auch die Länder, deren Führung begriffen hat, dass es nur eine Wissenschaft gibt, die zufällig (vielleicht nicht zufällig, aber das ist eine andere Geschichte) in Mesopotamien und Griechenland entstand, von den Arabern konserviert und weiterentwickelt und schließlich in Europa und Amerika zur Blüte gebracht wurde. Vielleicht wird in Zukunft ein anderer Erdteil Hüter dieser kostbaren Flamme sein.
      Und auch die Philosophie der Aufklärung, die in der Konsequenz zur allgemeinen Erklärung der Menschenrechte führte, ist allgemeingültig, egal ob das ein Palästinenser, Kameruner oder Deutscher leugnet. Denn wir wollen nicht vergessen, dass es zuerst die Deutschen waren, die behaupteten, es gebe eine “arische” Moral, die über dem “jüdischen” Christentum und der “jüdischen Menschheitsduselei” stünde. Die Wurzel liegt bei Friedrich Nietzsche. Und dass es heute die “Identitären” sind, die ebenfalls behaupten, die Menschen seien nun einmal kulturell und moralisch so verschieden, dass ihnen ein Zusammenleben nicht zugemutet werden könne. Geben wir die Einheit von Wissenschaft, Philosophie und Moral auf, geben wir die gemeinsame Menschheit auf.

    2. avatar

      Ich würde da Alan Posener unbedingt zustimmen, was auch ein Grund dafür ist, weswegen ich jeglichen Aktivismus von Akteuren, die sich auf ‚Wissenschaft‘ berufen, (Scientists for Future, ‚Feministische Wissenschaft‘ usw.), also alles, was mit einer (per se) ‚Haltung‘ bzw. Prämisse überprägt ist, sehr kritisch sehe. Wissenschaft muss ergebnisoffen sein.

  7. avatar

    Interessant, wie Detjen beiläufig – genau wie Mbembe – den Antijudaismus einfließen lässt. Beide bedienen sich aus dem Arsenal, Mbembe (ua) mit der Mär vom rachsüchtigen Gott, Detjen jetzt mit der Behauptung, die „Einmaligkeit des Holocaust“ werde zur „doktrinären Glaubenslehre“, und die wiederum werde von – einem Papst? Ratsvorsitzenden? – „Hohepriester“ oktroyiert.

    Was „Hohepriester“ meint, was mitschwingt in diesem Vergleich, lässt sich bei der nächsten Aufführung der Matthäuspassion nachhören, DLF-Kultur wird sie sicherlich bringen: Am Ende sind es „die Juden“, die Mbembe ans Kreuz nageln.

  8. avatar

    Vielen Dank, dass Sie sich die Mühe gemacht haben herauszuarbeiten, warum Herr Detjens Kommentar einfach eine Unverschämtheit ist.

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    Sehr geehrter Herr Posener, darf ich Ihnen meinen Offenen Brief an den Hörfunkrat von heute morgen mitteilen? Dankbar für Ihre Kritik. Freundlichst Halina Bendkowski

    Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
    Sehr geehrte Damen und Herren im Hörfunkrat im Deutschlandradio,
    sehr geehrter Herr Detjen, sehr geehrter Herr Klein,
    sehr geehrte Mitlesende- to whom it may concern to forward…

    Es ist der Chefkorrespondent des Deutschlandfunks in Berlin, Herr Stephan Detjen, früher Chefredakteur des Deutschlandfunks in Köln, der in seinem Kommentar vom 23.5.2020:
    Streit um Historiker Mbembe – Antisemitismusbeauftragter als diskursiver Schrankenwärter
    alle Richtlinien der Berichterstattung, die in den Programmgrundsätzen des Deutschlandradios festgelegt sind, bewusst missachtet hat.

    In der laufenden Debatte zwischen Herren Felix Klein, dem Antisemitismusbeauftragten und Herrn Mbeme, geht es den Kritikern, nicht nur im Deutschlandradio darum, Herrn Klein in seiner Aufgabe, den Antisemitismus zu bekämpfen, zu schwächen oder gar, wie gefordert, seines Amtes zu entheben.

    Dagegen hat die internationale Vereinigung SPME ( Scholars for the Peace in the Middle East) protestiert.
    mena.watch.com/scholars-for-peace-in-the-middle-east-kritisieren-achille-mbme/

    Aber es fällt auf, dass fast überall immer nur die Solidaritätsbekundungen für Herrn Mbeme zitiert werden, so auch von Herrn Detjen praktiziert.

    Schon öfter habe ich mich an das Deutschlandradio gewandt, um z.B. die parteiliche Einseitigkeit der Israelberichterstattung zu kritisieren.
    Das Gut der „Meinungsfreiheit“ braucht mir niemand zu erklären. Er oder sie möge sich bitte nur selber daran halten, vor allem was die Minima der fairen Berichterstattung zu Israel betrifft.
    Man kann sich gut vorstellen, wie ein Chef, wie Herr Detjen auf die Meinungsbildung im Deutschlandradio einwirkt.
    Entsprechend hörbar ist auch das Ergebnis.
    Immer werden die gleichen KritikerInnen, wie Moshe Zimmermann/ Zuckermann, Eva Illouz und zuletzt Susan Neiman
    (https://www.deutschlandfunk.de/susan-neiman-ueber-antisemitismus-man-muss-den-staat-israel.911.de.html?dram:article_id=477066)
    angefragt, um den Fragenden immer wieder die gleichen erwünschten Antworten zu liefern.

    Herr Detjen, der den Anti BDS Beschluss 2019 im Bundestag, scharf als falsch kommentiert hat, ist nicht überraschend, auch gegen den Antisemitismusbeauftragten, Herrn Klein aktiv. Es soll ihn sein Amt kosten.
    Wir unerhörten KritikerInnen aber hoffen, dass Herr Klein seiner Aufgabe gerecht wird, den Kampf gegen den Antisemitismus in diesem Land so ernst zu nehmen, wie es sich gehört. Er möge sich bitte nicht, von schrankenlosen Kritikern, wie Herr Detjen einer ist, als “diskursive Schrankenwärter” in eine falsche Zugrichtung, dem Sackbahnhof des deutschen Antisemitismus, abdrängen lassen.

    Nicht Herr Klein sollte gehen, sondern Herr Detjen in seinem Amt als Chefkorrespondent vom Hörfunkrat hinterfragt werden.

    Inhaltlich ist auffällig, dass alle, die sich generell postkolonial -zurecht- orientieren, im Antizionismus aber ihrem, wie auch immer ge-bildeten Antisemitismus, ohne Schranken und ohne Nachdenken frönen können. Trotz der erklärten deutschen Staatsräson, wird insbesondere in öffentlich-rechtlichen Institutionen, wie dem Deutschlandradio, der Bundeszentrale für Politische Bildung (!) und den Akademien das Missverständnis gepflegt, Antizionismus sei nicht antisemitisch begründet.

    Diese Spur zu verfolgen wäre u.a.- zuvörderst die Aufgabe öffentlich-rechtlichen Nachdenkens.

    Warum z.B. die empirische Antisemitismusforscherin in Berlin(!), Prof.Dr. Monika Schwarz-Friesel,TU-Berlin nicht angefragt wird oder zitiert wird, wenn es um Antisemitismus geht, bitte ich alle, die ihren Text lesen, sich durch Lektüre verständlich zu machen.

    Wer so denkt, mordet wieder. Gedenkrede zum 75-Jahrestag der Befreiung des KZ Mauthausen. In: Die Presse.
    http://www.gegendenantisemitismus.at/11052020.php

    Ich bitte hiermit alle RepräsentantInnen im Hörfunkrat um Antwort und alle Mitlesenden um eine öffentlich-verantwortliche Debatte, die auch die zahlreichen KritikerInnen, von denen ich weiss, bewusst mit einbezieht.
    Freundlichst
    Halina Bendkowski

  10. avatar

    Tja.

    Nachdem ich aus reiner Neugier (okay, und Freude am polemischen fetzen) zwei Jahre lang Protagonisten der Culture Wars in den USA gefolgt bin (pars pro toto rechts Milo Y und links Lindy W) bin ich schon lange zu dem von Ihnen gezogenen Schluss gekommen:

    “… ohne irgendetwas von seiner vor Ressentiment triefenden Gemeinheit einzubüßen.”

    So ist (und war das) bei politischem Aktivismus immer. Die einzig halbwegs stichhaltige Verteidigung von “Progressiven” für ihre Seite dieser Unsäglichkeit ist “Aber sie/er/es meinen es doch nur gut”. Was die Sache für mich nur noch schlimmer macht – gut gemeint ist zu häufig das exakte Gegenteil von gut gemacht.

    Jetzt hat einen der Säulenheiligen des linksliberalen, geisteswissenschaftlich – hmmm, geschulten? – akademischen Bildungsbürgertums mal beissende Kritik getroffen. Die Reaktionen darauf, u.a. von Ihnen publizistisch begleitet, sind exakt genauso erbärmlich wie die PEGIDA-Rentnerreaktion auf alles, was denen gegen den Strich geht. Der Unterschied? Zugunsten der PEGIDA-Rentner spricht, dass die meisten von ihnen weder über die Bildungs- noch Intelligenzvoraussetzungen progressiver Intellektueller verfügen. Was die Reaktionen nur noch erbärmlicher macht.

    Aber das konnte man wissen. Popper hat völlig zu Recht jede Theorie, die sich gegen Kritik immunisiert, indem Kritikern automatisch und reflexhaft mangelnde Fähigkeit oder böse Absicht unterstellt wird, ins Reich der Metaphysik verwiesen, vulgo “Glauben” genannt. Und sehr viele Vertreter jenes Hohlweltkonstrukts namens “postkoloiniale Studien” haben jetzt bewiesen, dass sie nicht nur dahin gehören, sondern dahin gehören wollen.

    Manchmal wünschte ich mir, ich wäre 20 Jahre jünger. Ich hätte nie einen leichter zu schlagenden Aktivismusgegner gefunden denn die heutige “Progressive Left” :-).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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