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Amal – Stadt der Hoffnung

An einem verregneten Wochenende im Oktober trafen sich am Werbellinsee am Rande der Schorfheide die Parteivorsitzenden aller im Bundestag vertretenen Parteien unter strengster Geheimhaltung zu einer Krisensitzung. Eingeladen hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel. In einem von der Presse abgeschotteten Nobelhotel wollte sie den Spitzen der anderen Parteien eine kühne Idee verkünden, die sich ihr Stab unter Leitung des „Flüchtlingskommissars“ Peter Altmaier ausgedacht hatte – frei nach dem Motto: Ungewöhnliche Situationen verlangen nach ungewöhnlichen Lösungen. Der Vorschlag, den sie unterbreitete, ist wahrhaft revolutionär, weil er mit einem zentralen Axiom der Integrationspolitik in unserem Land radikal bricht. Bisher galt die Lehrmeinung, dass Integration von Menschen aus fremden Kulturen in unsere Gesellschaft nur gelingen könne, wenn sie in unserer Mitte leben und sich nicht in Ghettos unter Ihresgleichen zurückziehen und sich dadurch von den Deutschen abschotten. Berlin-Neukölln, Duisburg-Marxloh und Dortmund-Nordstadt gelten in diesem Diskurs immer als die abschreckenden Beispiele für „verlorene Quartiere“.

Altmaier und seine Crew schlugen der illustren Runde nun das genaue Gegenteil vor. Sie wollen den Flüchtlingen aus Syrien ermöglichen, eine eigene Stadt zu gründen und darin weitgehend selbstverwaltet zu leben. Der Vorschlag steht so quer zu allem, was bisher als unumstößlich galt, dass die Kanzlerin die Notwendigkeit sah, die anderen demokratischen Parteien vorab in die Diskussion einzubinden, bevor der Vorschlag das Licht der Öffentlichkeit erblickt.

Die Idee einer eigenständigen homogenen syrischen Siedlungsgemeinschaft samt „Hauptstadt“ hatte dem Planungsstab ein Historiker nahegebracht. Er hat die Planer daran erinnert, dass es schon einmal in der deutschen Geschichte die erfolgreiche Integration einer fremden, kulturell und sprachlich homogenen Volksgruppe gegeben hat: die der französischen Hugenotten im 16./17. Jahrhundert. Sie wurden von den damaligen adligen Herrschern nicht ins Land gerufen, um sich mit den Deutschen zu vermischen. Sie sollten vielmehr leere Landstriche bevölkern und sie mit ihrem Handwerkerfleiß und ihren Ideen zu blühenden Landschaften entwickeln.

Das Vorhaben gelang: Im Jahre 1597 gründeten die Hugenotten die Hanauer Neustadt, 1604 den Saarbrücker Stadtteil Dudweiler. Im Jahre 1685 flohen nach der Aufkündigung des Edikts von Nantes auf einen Schlag 20.000 Hugenotten nach Deutschland und ließen sich in Brandenburg-Preußen nieder. Die Einwohnerzahl Berlins nahm schlagartig um ein Drittel zu. Auch in anderen Teilen Deutschlands gründeten die Hugenotten eigene Siedlungen. All diese Regionen erlebten in der Folge einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung.

Die Erfahrungen mit der Immigration der Hugenotten ist viel erhellender als das Beispiel, das in der gegenwärtigen Debatte immer als erfolgreiche Einwanderungsgeschichte bemüht wird. Anders als bei der Integration der Flüchtlinge aus den im Krieg verlorenen Ostgebieten nach 1945 waren die Hugenotten wirklich Fremde, der deutschen Sprache nicht mächtig und auch mit einem anderen kulturellen Background versehen. Sie in Deutschland heimisch gemacht zu haben, ist ein großer Erfolg und kann durchaus als Beispiel für die heutige Masseneinwanderung dienen.

Vor allem die Integrationspolitik Preußens ist vorbildlich. Am 8. November 1685 erließ der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg  das „Edikt von Potsdam“. Darin wird den Hugenotten die freie und vom Staat geschützte Niederlassung in Brandenburg zugesichert. Sie werden mit den Privilegien ausgestattet, die sie zum wirtschaftlichen Neustart benötigen: Befreiung von Steuern und Zöllen, Subventionen für Handwerksbetriebe und Fabriken. Sogar die Pfarrer sollten durch den Staat bezahlt werden. Die Gründung des Französischen Gymnasiums in Berlin war Ausdruck des Bildungsprivilegs, das der Kurfürst den Franzosen in seinem Herrschaftsgebiet zugestand. Der Kurfürst gründete sogar ein eigenes Regiment der Hugenotten in seiner Armee. Mehr Integration geht nicht.

Dieses historische Vorbild vor Augen, ist im Planungsstab der Kanzlerin die unorthodoxe Idee gereift, den Syrern die Gründung einer eigenen Stadt zu gestatten, Die neue Stadt soll „Amal“ heißen, was im Deutschen Hoffnung bedeutet. Die neuen Bürger bekommen Grund und Boden in Erbpacht für die Dauer von 99 Jahren. Außerdem erhalten sie die Privilegien, die es ihnen ermöglichen, einen eigenen kleinen Wirtschaftsaufschwung ins Werk zu setzen: Steuerbefreiung für 10 Jahre, danach eine Steuer-Flat von 15% zur Etablierung einer Sonderwirtschaftszone. Um den Wirtschaftsaufschwung in Gang zu setzen, werden die Normen der Gewerbeordnung und das Gesetz über den gesetzlichen Mindestlohn für 10 Jahre suspendiert. Ziel ist es, möglichst viele kleine Geschäfte zu gründen, in denen die Bürger der neuen Stadt Arbeit finden. Sie sollen so früh wie möglich dem Hartz IV-System entrinnen und sich durch eigener Hände (und eigenen Kopfes) Arbeit ernähren.

Wo könnte die syrische Stadt gegründet werden? Es gibt in Deutschland Landstriche, die sich rapide entvölkern. Die Regionen mit dem größten Schwund an Menschen sind der Elbe-Elster-Kreis im Südwesten von Brandenburg und das Mansfelder Land im Südosten des Harz (Sachsen-Anhalt). Dort könnte die Stadtgründung am störungsfreisten geschehen, weil die dann vermutlich einsetzende Abwanderung von Teilen der autochthonen Bevölkerung zu verschmerzen wäre und weil diese Regionen einen wirtschaftlichen Aufschwung bitter nötig hätten. Den Bürgern, die nicht bleiben wollen, würde eine finanzielle Wechselperspektive in andere Teile der Republik eröffnet werden. Es würde sicher auch – so die Überlegungen des Planungsstabes – viele Deutsche geben, die freiwillig in die Region ziehen, um die Syrier bei ihrer Stadtgründung zu unterstützen. Es sollte ja eine deutsche Stadt werden, in der das Grundgesetz und die deutschen Gesetze gelten. Da kann ideelle und praktische Entwicklungshilfe, aber auch Amtshilfe durch Experten, nicht schaden, um rechtsstaatliche Institutionen und eine funktionierende Verwaltung aufzubauen. Die demokratischen Entwicklungshelfer könnten dabei auf die reichhaltigen Erfahrungen zurückgreifen, die beim Umbau der Verwaltung in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung 1990 gesammelt wurden. Damals gab es auch Patenschaften zwischen Bundesländern und Städten.

Wie muss man sich das gesellschaftliche Leben in Amal vorstellen? Es würde funktionieren wie bei einer Stadtgründung im Hochmittelalter. Nachdem der adlige oder klerikale Herrscher das Stadtgründungspatent vergeben hatte, legten die Bürger los. Sie bauten
Wohnhäuser, Gewerbebetriebe, Schulen, Krankenhäuser und Verwaltungsgebäude. Sie wählten die Organe der Selbstverwaltung: Bürgermeister und Rat der Stadt. Dabei mussten sie stets die Vorgaben des Herrschers – rechtlicher und finanzieller Art – beachten. Ansonsten waren sie in ihren Entscheidungen frei. Für Amal würde das gleiche gelten. Innerhalb der vom Grundgesetz und den Gesetzen von Bund und Land gesetzten Grenzen kann sich die Stadt frei entwickeln. Ratsam wäre, dass ein Verwaltungskommissar der Bundesregierung die Entwicklung der Stadt überwacht. Er müsste vor allem darauf achten, dass die bürgerlichen Grundrechte (Rede-, Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit sowie die Gleichberechtigung von Mann und Frau) im täglichen Leben verwirklicht werden. Die Wahl der städtischen Gremien muss nach den Regeln der geltenden Gemeindeordnung vonstattengehen. In den Schulen gelten die Lehrpläne des Bundeslandes, in dem Amal liegt. Da die Stadt aus einer homogen syrischen Gemeinschaft besteht, würde neben dem Deutschen Arabisch als zweite Unterrichtssprache eingeführt. Die Schulen wären also mit   Europaschulen oder bilingualen Schulen vergleichbar. Wenn es genügend Abiturienten gibt, wäre die Gründung eine Fachhochschule oder einer kleinen Universität möglich.

Wichtiges Gründungspostulat ist der freie Zu- und Wegzug der Bürger. Wem es in Amal nicht gefällt, kann die Stadt verlassen und sich woanders niederlassen. Er geht dann allerdings der Vorteile, die er in der Stadt genossen hatte, z.B. der Steuerfreiheit, verlustig. Wer in die Stadt ziehen will, weil er am spannenden Experiment der Stadtgründung teilhaben will, kann das tun. Erwünscht wäre eine multikulturelle Durchmischung. Dann wäre in Deutschland das einmalige Experiment möglich, dass sich Deutsche in eine für sie fremde Umgebung und Kultur einfügen müssen.

In den USA, dem Einwanderungsland schlechthin, gilt es nicht als anstößig, wenn die eingewanderten Ethnien sich in homogenen Siedlungsgebieten niederlassen, in denen sie bald die Mehrheit der Bewohner stellen. Chinatown im New Yorker Stadtteil Manhattan hat 100.000 chinesische Bewohner. In Miami (Florida) gibt es „Little Havanna“, ein Viertel, in dem fast ausschließlich Exil-Kubaner wohnen. Auch andere Einwanderer-Gruppen wie Russen, Ukrainer oder Inder bilden homogene Siedlungen. Das Band, das alle – Einheimische und Einwanderer – zusammenhält, ist das Nationalgefühl als US-Bürger. Alle sind stolz darauf, Amerikaner zu sein, auch wenn sie in Odessa, Nanking oder Bombay geboren sind.

Vielleicht wird in Amal ein neues deutsches Nationalgefühl entstehen, das sich dann die Stuttgarter, Gelsenkirchener und Regensburger zu eigen machen. Dann wäre die Mission der syrischen Stadtgründung mehr als erfüllt.

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36 Gedanken zu “Amal – Stadt der Hoffnung;”

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    Zitat KJN: „Sie fordern eine ‚gemeinsame Bewältigung des ‚Problems’‘, womit Sie das Problem Rassismus meinen“

    Nee, da hab ich mich schlecht ausgedrückt… An der Stelle meinte ich das ‚Flüchtlingsproblem‘, das aus meiner Sicht aber – da haben Sie mich richtig verstanden – hauptsächlich deshalb ein so großes Problem ist, weil die Debatten darüber oft einen rassistischen Tenor haben und das Wahlvolk bei jedweden Willkommensgesten von Seiten der Politiker*innen am Rad dreht. Die Ansätze, die ich bevorzuge um dieses Problem (jetzt meine ich wieder den Rassismus) zu benennen und dagegen anzugehen, stammen aus dem Bereich der ‚cultural studies‘, die sich von den ansonsten dominierenden sozialpsychologischen Ansätzen mehr oder weniger stark abgrenzen (u. a. auch durch die Verwendung des ‚Rassismus‘-Begriffes anstelle von ‚anti-migrantischen Vorurteilen‘ oder ‚Fremdenfeindlichkeit‘).
    Natürlich ist die Psyche eines jeden Menschen von gewissen Gesetzmäßigkeiten bestimmt, die zu Vorurteilen gegenüber ‚Anderen‘ oder ‚Fremden‘ führen (dazu gehört z. B. das ‚Priming‘: https://de.wikipedia.org/wiki/Priming_(Psychologie)). Die Frage ist jedoch, wie diese Menschen überhaupt erst zu ‚Anderen‘ und ‚Fremden‘ werden… Da spielen aus meiner Sicht gesellschaftliche Diskurse eine entscheidende Rolle. Wie dem auch sei: Von den besagten psychischen Mechanismen kann sich keine und keiner von uns lossagen und insofern stecken in uns allen vermutlich ‚kleine Rassistin*innen‘, gegen die wird uns bei der Wahrnehmung und Beurteilung von Dingen tagtäglich wehren müssen.
    Krasse Formen der rassistischen Diskriminierung sollten m. E. aber nicht alleine auf allgemeine Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Psyche zurückgeführt werden. Tut man das doch, so büßt man dadurch einiges an Kritikfähigkeit ein. Wären wir alle von Natur aus übelste Rassist*innen, so könnten wir ja nur sehr bedingt etwas dagegen unternehmen. Ebenso falsch wäre es aus meiner Sicht jedoch, das Problem zu pathologisieren und auf einzelne, angeblich ‚kranke‘ Persönlichkeiten abzuwälzen. Die logische Konsequent daraus wäre es, diesen ‚armen Menschen‘ mit ihren irrationalen ‚Ängsten‘ zu helfen (wobei ihre Opfer oft in Vergessenheit geraten). Auch könnten wir uns dann, als ‚normale‘ und ‚gesunde‘ Menschen, ja ganz leicht davon lossagen und in Sicherheit wiegen. Anknüpfungspunkte für rassistische Denkschemata und Bewertungsmuster werden in gesellschaftlichen Diskursen aus meiner Sicht jedoch tagtäglich geliefert. Wir werden dabei oft in einer Weise angesprochen, dass wir uns mit den angebotenen Positionen identifizieren, wodurch wir dann letztendlich rassistische Praxen und Ideologien am Leben halten (ohne uns darüber notwendiger Weise bewusst zu sein).
    So halte ich wie gesagt die hierzulande dominierende Form der nationalen Identifikation (die Definition des Deutsch- Seins auf Basis der Idee der Abstammungsgemeinschaft) an sich schon für latent rassistisch. Das heißt aber keineswegs, dass nur ‚Rassist*innen‘ ein solches Verständnis aufweisen.
    Was Ihre Überzeugungen hinsichtlich eines liberalen, toleranten Verhältnisses gegenüber menschlicher Differenz angeht, bin ich etwas vorsichtig, da ich durch die Lektüre von ‚cultural studies‘-Vertreter*innen in der Beziehung etwas vorbelastet bin. ‚Politiken der Differenz‘ werden dort insgesamt misstrauisch beäugt, da diese die bestehenden Machtverhältnisse aus Sicht der Autor*innen meist unbewusst stützen. So hält Stuart Hall (selbst schwarzer Brite jamaikanischen Ursprungs) wenig davon, wenn sich antirassistische Bewegungen um den Gedanken gruppieren: „[W]ir sind schwarz, weil es genetisch so ist, aber wir sind gut und nicht schlecht“. Denn, so Hall: „Dies basiert auf einer falschen philosophischen Prämisse. Es ist zwar Tatsache, daß wir gut oder schlecht sind, aber das hat überhaupt nichts mit unserer genetischen Struktur zu tun. […] [E]s ist reiner Zufall, dass wir unterschiedlich aussehen, auch wenn das eine soziale Bedeutung hat. Rasse und Rassismus sind bis heute ein sozialer Diskurs, der physische Unterschiede zur Konstruktion und Legitimation von Machtbeziehungen nutzt. Man könnte genauso leicht eine rassistische Gesellschaft um blaue Augen herum kreieren“ (Stuart Hall, 1998, Kulturelle Identität und Rassismus, S. 155). Ich weiß also nicht, ob wir nicht oftmals an Stellen Differenz vermuten/konstruieren, wo letztendlich gar keine fundamentalen Unterschiede bestehen (was nicht heißen soll, dass ich kulturelle Unterschiede generell für nicht existent oder schlecht halte).

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    Wir können alles drehen und wenden bis es passend gemacht wurde, aber die genetischen Unterschiede sind eine Tatsache. Andreas Vonderach hat dazu einiges geschrieben.
    Es lohnt sich nicht über Rassismus nachzudenken, wenn A zehn Liegestütze machen kann, während B an die 50 schafft, spielt die Rassismusdebatte eine untergeordnete Rolle. Es kommen mehrheitlich junge Männer in dieses Land, mit einer hundertprozentig anderen Kultur. Eine komplette Parallelwelt. Die deutsche Politik so zu gestalten, damit die Deutschen Platz machen müssen, ist Wahnsinn. Die Migranten werden eine solche Handlungsweise nicht für ihre eigenen Länder in Betracht ziehen können, deshalb der Respekt gegenüber der Würde der Europäer sich in Grenzen halten wird.
    Europa wird gerade erobert, während die Westeuropäer in größenwahnsinniger Manier und einem Erlösungssendungsbewußtsein glauben den Ewigen Frieden verwirklichen zu können. Daran kann ich nicht glauben. Es widerspricht der evolutionären Geschichte.
    Der Syrer, um nur ein Beispiel zu nennen, wird zuerst für seine eigene Sippe kämpfen. Hat auch in diesem Fall mit Rassismus nichts zu tun. Syrien wird nicht kleiner, nur weil ein paar Millionen Syrer ausgewandert sind. Die Zielvölker dieser Auswanderung müssen Land abgeben, seitens der jeweiligen Politik ein Verrat an ihren eigenen Völkern. Dieser Verrat ist das sichtbarste Symbol der Schwäche dieser Völker, und die Migranten (eher Invasoren, wenn auch unbewaffnet) wissen diese Schwäche zu nutzen. Geldabschöpfung und kulturelle Verdrängung in einem.

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    @LF
    Vorschieben muss ich, daß ich von dem, was Sie vermutlich studieren und auf das Sie sich beziehen, nicht wirklich Ahnung habe.
    Sicher ist Rassismus ein gesellschaftliches Problem. Aber heißt das, der Einzelne ist unschuldig daran? Oder anders herum: Kommen wir überhaupt ohne Vorurteile klar?
    Ich denke so: Wenn Vorurteile, die ich zum schnellen Handeln brauche, überhand nehmen, d.h. ich nur noch darauf sehe, wo mein Gegenüber anders sein könnte, klingt das doch alles sehr danach, daß ich mich in einer bedrohten Lage sehe.
    Ich kann mich nun nur bedroht fühlen oder tatsächlich bedroht sein. Sie postulieren, daß ‚wir‘ genug Platz hätten für alle, Sie fordern eine „gemeinsame Bewältigung des ‚Problems'“, womit Sie das Problem Rassismus meinen.
    Das Problem würde ich gar nicht in Anführungszeichen setzen und ich sehe es im Gegensatz zu Ihnen durchaus auch als individuelles Problem an und finde es schon richtig, jemanden, der obsessiv um tatsächliche oder vermeintliche Unterschiede zwischen den Rassen oder Ethnien kreist, als Rassisten (oder Antisemiten) zu bezeichnen und damit ein persönliches Defizit anzuzeigen. Nämlich das Defizit mangelnder Selbstreflexion über die eigene Angst, oder andere Beweggründe. Betonung auf ‚freien Willen‘ und Selbstverantwortung. Der Rassist ist ein schwacher oder sich selbst als schwach empfindender Mensch und sucht Schutz in der ‚eigenen‘ (so definierten) (Volks)gemeinschaft.
    Es gibt aber, und da stimme ich Ihnen unbedingt zu, gesellschaftliche Verhältnisse, die sich infolge nachlässiger oder verfehlter Politik ausbilden oder dadurch begünstigt werden: Nämlich eine ständiger simulierter oder tatsächlicher Kampf um Ressourcen, Wohnraum, Arbeitsplätze, Bildung, Status. Und gerade in einer modernen, egalitären Gesellschaft mit sehr ähnlich ausgebildeten Fähigkeiten (Babyboomer) wird oft genug – z.B. in Unternehmen – die Konkurrenz geschürt, wenn auch nicht direkt. Personaler fragen gerne und ausgiebig, „ob man denn zum Team passe“, wenn die Qualifikation unwichtig, weil vorhanden ist. Und sehen Sie sich die Führungskräfte in Dax-Unternehmen an: Mehrheitlich über 185 m. Ich will damit sagen, wenn es keine inhaltlichen Gründe für Distinktion gibt, wird auf Äußeres rekurriert. Aber wie gesagt, ich bin kein Soziologe und will nur sagen, daß nach meiner Einschätzung Rassismus in den Hintergrund tritt, wenn die Menschen Arbeit, Sinn, gemeinsame Themen, gemeinsame Interessen haben. Wieder gilt: Its the economy, stupid. Flüchtlinge, oft selber Rassisten, treffen auf eine sehr ausdifferenzierte Gesellschaft mit Verlustängsten. ‚Amal‘ wäre so ein, wie ich immer noch finde, diskussionswürdiges Projekt.
    Was Frau Margolina geschrieben hat,

    http://starke-meinungen.de/blo.....#more-5108

    auch das was ich darunter geschrieben habe, hat diese Aussagen doch schon vorweggenommen, finde ich.

    Zu dem, was Sie am Schluss zum ‚Deutschen Geist‘ geschrieben haben: Wir hatten das Thema ‚Rassen‘ schon mal, genauso, wie das Thema ‚Geschlechter‘: In (Ihrem) sehr berechtigten Ansinnen, den Blick von den Unterschieden zwischen Menschen, ja auch Menschengruppen auf die gemeinsame (biologische) Art- oder Gattungsbezeichnung (?) homo sapiens und vor allem dessen Würde zu richten, sollte man als Liberaler nicht einebnen (die Geschlechter, die Völker). Liberal heißt für mich auch, die Unterschiede mindestens zu akzeptieren, wenn nicht gar interessant zu finden, wie das z.B. zwischen Frauen und Männern ist.

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    @ ‚Deutscher Geist‘: Aus naturwissenschaftlicher Sicht gibt es keine ‚Rassen‘ oder ‚Ethnien‘. Beides sind rein kulturelle Kategorien (mit fragwürdigem Gehalt). Wenn Sie dennoch ‚rassische‘ oder ‚ethnische‘ Unterschiede zwischen Menschen konstruieren und diese derart naturalisieren, dass Sie sie als gottgegeben bezeichnen, dann liegt der Rassismus in Ihrer Betrachtungsweise und nicht in der ‚Schöpfung‘. Inwiefern Macht generell rassistisch sein soll, leuchtet mir nicht ein (nach der bekanntesten Definition von Max Weber handelt es sich dabei ja um „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“ [Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie, 1. Halbband, Tübingen 1921/1980, S. 28. ]).
    In einer Welt ohne Feinde leben wir ganz bestimmt nicht! Gerade mit Blick auf den Libanon wird das deutlich. Mir ist auch bewusst, dass die Geflüchteten im Libanon nur durch die Hilfen der Vereinten Nationen überleben können. In Europa (fern von der Hissbolah und anderen islamistischen Organisationen) wären die Menschen aber sicherlich besser aufgehoben (auch in unserem eigenen Interesse).

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    @LF
    Nach dieser Rassismus-Definition wäre Gott auch ein Rassist. Denn die Diskriminierung der Schöpfung beginnt schon bei der Zeugung. Somit bestimmt die Natur über Zusammenführung und Trennung; und nicht ihre unsinnig zusammengebastelte Einstellung.
    Logisches Denken Fehlanzeige. Den Libanon als Beispiel zu nennen, das Gemetzel auszublenden, ist lesbarer Beweis den Lebenskampf noch nicht verstanden zu haben. Aber Sie hätten in einer Welt ohne Rassismus auch keine Macht, denn Machtausübung wäre letztendlich auch diskriminierend.
    Sie schaffen es nur schwach zu bleiben. Aber Sie schaffen es nicht für alle. Leben wir jetzt in einer Welt ohne Feinde?!

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    @LF
    Das war ja mal eine ehrliche Antwort, ist man von Linken nicht gewohnt. Ich bin übrigens auch kein großer Steuerzahler, ich will diesen Stasi-Staat nicht unterstützen. Aber ich bin frohgemut, dass mit Leuten wie Ihnen und ihren linksradikalen Freunden, diese DDR 2.0 bald am Ende sein wird. Ihr Linken seid eine Minderheit, ihr seid faul, ihr seid destruktiv. Und da die vielen moslemischen Männer keine syrischen Ärzte sind, wie ihr behauptet, wird dieser Spuk bald vorbei sein. Die linken Deutschlandhasser wollen mit den Refutschies das neue (Anti)Deutschland bauen? Da hatte ja die DDR ein tragfähigeres Konzept.

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    @ KJN: Sie haben letztendlich Recht, dass ich in meinen Kommentaren mal wieder zu ‚Diskurstaktiken‘ gegriffen habe, die polarisierend sind, was meinem eigentlichen Anliegen zuwider läuft. Möglicherweise habe ich Sie und Stevanovic bewusst missverstanden. Ich habe auch keinen Grund, Sie beiden als ‚Rassisten‘ zu bezeichnen (das war mitnichten meine Intention). Eigentlich halte ich es insgesamt für kontraproduktiv, sich über einzelne ‚Rassist*innen‘ aufzuregen, da die Phänomene, die mir ein Dorn im Auge sind, dadurch fälschlicherweise auf individueller Ebene verortet werden. Ich habe keine Ahnung, ab wann jemand als ‚Rassist*in‘ zu bezeichnen ist und halte Diskussionen darüber meistens für müßig, da es mir gar nicht um einzelne Persönlichkeiten geht. Das war also eine falsche Wortwahl meinerseits, die ich kurz später schon bereut habe ;-).
    Das Problem das ich sehe und gegen das ich mich ‚in klassenkämpferischer Manier‘ aufzubäumen versuche, heißt ‚Rassismus‘ und bezeichnet in erster Linie ein gesellschaftliches Verhältnis, nicht eine individuelle Einstellung. Mein Verständnis des Begriffs entspricht ungefähr dem von Philomena Essed, wonach
    „[d]er Rassismus […] eine Ideologie, eine Struktur und ein Prozeß [ist], mittels derer bestimmte Gruppierungen auf der Grundlage tatsächlicher oder zugeschriebener biologischer oder kultureller Eigenschaften als wesensmäßig andersgeartete und minderwertige ‚Rassen‘ oder ethnische Gruppen angesehen werden“ und „[i]n der Folge […] vom Zugang zu materiellen und nicht-materiellen Ressourcen ausgeschlossen werden“ (http://www.lisum.berlin-brande.....ed_def.htm).
    Meines Erachtens ist der alltägliche Rassismus in unserer Gesellschaft tatsächlich hauptverantwortlich dafür, dass so viele Menschen buchstäblich ausgegrenzt werden, indem man sie im Mittelmeer ertrinken lässt oder in den Hungertod schickt, und dass zugleich einige unserer Mitbürger*innen symbolisch ausgegrenzt werden, indem vielen deutschen Staatsbürger*innen mit ‚nicht-deutschen‘ Wurzeln tagtäglich vermittelt wird, nicht ‚deutsch‘ zu sein und nicht dazuzugehören – mit dementsprechenden Folgen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt (d. h. letztendlich auch wieder ‚faktischer Diskriminierung‘).

    Dagegen versuche ich vorzugehen, indem ich mich und Andere im Hinblick auf rassistische Stereotypisierungen und fragwürdige Verständnissen nationaler Identität hinterfrage. Dass solche Diskussionen oftmals auf rein persönlicher Ebene landen, liegt in der Natur der Sache (niemand freut sich leider über einen gediegenen Rassismusvorwurf ;-)), ist zugegebener Maßen oft genug aber auch meine Schuld (wenn ich mich z. B. über die „zahlreichen Rassist*innen“ und nicht den ‚Rassismus‘ hierzulande echauffiere). Ich gebe Ihnen also teilweise Recht: Der Krieg um solche Nebenschauplätze ist unnötig. Ein „Refugees welcome“-Plakat alleine bringt auch noch nicht viel. Aufhängen kann ich mich an diesem Allgemeinplatz aber auch nicht, denn ich bleibe dabei: Wenn auf europäischer Ebene (in ferner Zukunft) mal eine Stimmung zustande kommt, die eine gemeinsame Bewältigung des ‚Problems‘ ermöglicht, dann könnten bei den derzeitigen Zahlen sämtliche Flucht- und Armutsmigrant*innen der Welt ihren Weg zu uns finden. Sie würden nur 10 Prozent der EU-Bevölkerung ausmachen (zur Erinnerung: Im Libanon sind es zurzeit 20 Prozent).

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    @LF

    … *rofl*, liebe*r*s ‚LFchen‘, Wut ist mir fremd. Eher liege ich auf den Boden, trommele mit Armen und Beinen vor Lachen, als dass ich wütend werde. Das hat noch nicht mal meine Frau geschafft.

    @KJN

    … zur ‚Sterbehilfe‘, leider ist mein Beitrag zu E.Q.s Sterbehilfe verloren gegangen. Ich versuche es hier noch einmal.

    … wie ‘langweilig’, werte Fr. E.Q., Ihre Euthanasie-Fantasien waren Teil der (national)sozialistischen Ideologie, mit mindestens 70.273 ermordeten Menschen, im vergangenen Jahrhundert.

    Erklären Sie doch, Fr. E.Q., zum Beispiel, warum ein an Alzheimer, ein physisch und psychisch erkrankter Mensch, meint, nun unbedingt sterben zu müssen? Zumindest sein Krankheitsbild bescheinigt ihm doch, nicht ganz bei Verstand zu sein. Oder? Und da wollen Sie nun – mit Würde – nachhelfen?

    Wie lange mag es noch dauern bis die Forschung diese Krankheit in den Griff bekommt? Aber bis dahin wollen Sie? … nun ja, wat die Lutheraner*innen doch für irrgläubige ‘Theologien’ verbreiten … ts, ts, ts.

    Ich glaub’ mein Hamster bohnert.

  9. avatar

    Err.:
    Was meinen Sie, wo wir wären, wenn wir nicht die Kirche(n), Religionen hätten, die gegen die ‘Weisheiten der Moderne’ halten würden.

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    Lieber LF, halten Sie bitte weiter gegen, mit Ihrer humanistischen Position. Es wird zuwenig gegengehalten gegen gefühllosen Irrsinn. Z.B. in der aktuellen Diskussion über die sog. oder tatsächliche Sterbehilfe. Was meinen Sie, wo wir wären, wenn wir nicht die Kirche(n), Religionen hätten, die gegen die ‚Weisheiten‘ halten würden. Gut so, meine ich wirklich. Aber mit Ihrer Gruppen-Feindbildzuordnung..

    „Was Ihren Kommentar zu KJN’s Äußerungen angeht, so muss ich mich schon wundern, dass Sie hier jetzt auch zu denjenigen gehören, die jegliche Willkommensgesten gegenüber Geflüchteten – ja alleine schon den Spruch “Refugees welcome” – als zu ‘extremen Pol’ der politischen Auseinandersetzung verdammen.“

    ..konstruieren Sie sich – in typisch linker Klassenkampfmanier übrigens – Don Quichotte’sche Windmühlen, rechts oder links, lechts oder rinks. Woher wollen Sie denn überhaupt wissen, daß ich „“Refugees welcome” – als zu ‘extremen Pol’ der politischen Auseinandersetzung verdamme(n)„?

    http://starke-meinungen.de/blo.....ment-42294

    Zunächst hatten die Willkommens-Transparente z.B. in München doch gar nichts mit Politik, also links oder rechts zu tun – da wollten welche was gutes tun.
    Aber ein paar Kuscheltiere und linksprogrammatische ‚Willkommenskultur‘ reichen eben als Grundlage für eine Politik nicht aus. Man kann – wie Sie das tun- auch die, die da skeptisch für die Dauer sind, als Rassisten einsortieren (ich ja jetzt wohl auch?) – sie bewirken damit lediglich eine Selbstvergewisserung Ihrer und der ‚Gegenseite‘. Was ich mit Bipolarität meine sind weniger politische Radikalpositionen als Liebe- und Hassprojektionen völlig realitätsferner deutscher Idealisten. Und Merkel verkauft erstere in aller Welt als ‚Politik‘ mit der gleichen Scheinheiligkeit wie VW seine Autos in USA. Und Sie sehen, wie schnell derzeit (Asyl-)Gesetze geändert werden, wenn die Rechnung nicht aufgeht.
    Und deswegen muss ich dem blonden hans – und das ist nicht das erste Mal – zustimmen,

    „der Gutmensch ist das Feigenblatt menschenfeindlicher Politik“

    was Ihnen die Einsortierung meiner ‚generellen‘ politschen Position sicher erleichtern wird. Oder?

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    @ ‚derblondehans‘: Der Wutmensch ist die Speerspitze rassistischer Politik (um in Ihrer phrasendrescherischen Sprache zu bleiben…). „Der Gutmensch“, von dem Sie sprechen, ist eine genauso essentialistische Konstruktion wie ‚der Ausländer‘, den Sie in Ihren Beiträgen zu zeichnen versuchen. Aber lassen wir das… Diskussionen mit Ihnen haben hier nach meinem Eindruck noch niemanden weitergebracht. Mich jedenfalls nicht und Sie selbst offenbar auch nicht… Zumindest scheinen Sie sich unentwegt um das gleiche Bündel von Stereotypen zu kreisen. Dieser Horizont muss tatsächlich unbefriedigend sein, insofern kann ich Ihre Wut in gewisser Weise sogar verstehen!

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    @LF

    … was die Steuern betrifft, können Sie ganz beruhigt schlafen. Steuerpflichtig sind Sie ab Geburt. Schon wenn Sie, zum Beispiel, eine Schrippe kaufen, müssen Sie wissen, dass der ‚Wasserkopf‘ in Brüssel, u. ä., selbst die Queen und Ihr Bengel, die leben steuersubventioniert wie ein Hartz’er, nur auf anderem Niveau, ein Stückchen mit abbeißen. Guten Appetit.

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    Das ist mir gegenüber eine sehr berechtigte Frage, Gert Weller. Um ehrlich zu sein: Nein, ich krümme bisher keinen Finger für Flüchtlinge. Ich leiste noch nicht einmal einen steuerlichen Beitrag zu den staatlichen Hilfen. Da ich zurzeit noch damit beschäftigt bin, mein Studium auf dem schnellst- und zugleich bestmöglichen Wege durchzukriegen (um dann zumindest nicht mehr meinen Eltern auf der Tasche zu liegen), habe ich mit meinem sehr begrenzten Zeit-Budget bisher noch keine sinnvolle Möglichkeit gefunden, mich in dem Bereich einzubringen. Da ich keinerlei eigenes Geld verdiene, spende ich auch nicht.
    Das Einzige was ich ‚tue‘, ist mich seit Jahren einmal im Monat mit einer Asylgruppe von Amnesty zu treffen… Mehr als hier mal einen Stand aufzubauen und da mal ein paar Unterschriften zu sammeln kommt dabei allerdings nicht rum. Da ich kein Jurastudent bin, kann ich mich nur sehr bedingt einbringen, wenn es um konkrete ‚Fälle‘, bzw. um die meist rechtlichen Belange von Geflüchteten geht. Auf politischer Ebene betätige ich mich inzwischen auch nicht mehr, nachdem ich durch meine Arbeit bei den Jungen Liberalen gemerkt habe, dass man die programmatische Beschlusslage einer politischen Organisation in dem Bereich noch so sehr aufbessern kann – letztendlich fordert das auf politischer Ebene dann doch niemand ein (das ginge schließlich auch gar nicht bei den rassistischen Einstellungen des ‚Wahlvolks‘). Ob ich damit glücklich bin, bisher nur Forderungen zu stellen und andere (meist steuerzahlende) Menschen für ihre rassistischen Einstellungen zu verurteilen? Nein, das bin ich ganz gewiss nicht! Eine Alternative dazu sehe ich jedoch auch nicht.
    Kurz: Den Teil Ihres Vorwurfs mache ich mir selbst oft genug. Mit „Randale“ hatte ich in meinem Leben hingegen noch nie etwas am Hut. Im Gegenteil: Wenn in meinem (zugegebenermaßen zum Teil ‚linksradikalen‘) Freundeskreis über ‚Blockupy‘ oder Ähnliches diskutiert wird, stelle ich mich fast durchweg auf die Seite der Polizist*innen (ich schätze, als Richtersöhnchen fehlt einem einfach eine gewisse Staatsferne – ob man sich nun ‚liberal‘ dünkt oder nicht).
    Das sollte für Sie als Steilvorlage genügen, um jetzt noch mal ordentlich mit dem wutbürgerlichen Steuerzahlerknüppel draufzuhauen und „Doppelmoral“ oder sowas Ähnliches zu schreien… Was Sie nicht kapiert zu haben scheinen: Mir geht es überhaupt nicht darum, andere Menschen als ‚moralisch minderwertig‘ zu entlarven. Ich kann nur eben auch nicht besser schlafen, wenn ich mir sage, dass die meisten der zahlreichen Rassist*innen hierzulande (und anderswo) im Gegensatz zu mir doch immerhin Steuern zahlen.

  14. avatar

    @LF
    Helft ihr linken „Aktivisten“ auch im Flüchtlingsheim, oder habt ihr nur den Kampf gegen den deutschen Steuerzahler im Sinn. Das Video der verzweifelten Emma-Louise aus Hamburg, zeugt ja davon, dass die vielen linken Kämpfer mehr mit Randale auf den Straßen beschäftigt sind, als mit Helfen.

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    @ Stefanovic: Zum Überleben brauchen Menschen ja leider nicht nur Sicherheit, sondern auch Nahrung. In der Türkei erhalten die meisten Geflüchteten meines Wissens keinerlei staatliche Leistungen, insofern ist letzteres für sie dort nicht so leicht verfügbar (zumindest nur so lange das Budget es erlaubt). Das ist in Ländern wie Deutschland und Schweden anders. Die Überlebenschancen sind dort also auf Dauer höher (bevor die Flüchtlinge in der Türkei verhungern, gehen sie vermutlich wieder zurück in die Krisengebiete).
    Was Ihren Kommentar zu KJN’s Äußerungen angeht, so muss ich mich schon wundern, dass Sie hier jetzt auch zu denjenigen gehören, die jegliche Willkommensgesten gegenüber Geflüchteten – ja alleine schon den Spruch „Refugees welcome“ – als zu ‚extremen Pol‘ der politischen Auseinandersetzung verdammen.

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    @KJN

    „Und ich finde jede Spinnerei interessanter, als dieser ewige langweilige phantasielose bipolare deutsche Zustand, diesmal charakterisiert durch ‘Pegida’ und ‘refugees welcome’.“

    Stimmt.

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    @LF

    Die Frage ist nicht, warum die Menschen fliehen, sondern warum sie gerade nach Deutschland fliehen. Wenn es um das nackte Leben geht, könnten sie in der Türkei bleiben. Aber sie riskieren das gerade gerettete Leben in einem Schlauchboot um nach Griechenland zu kommen und riskieren nun auf der Balkanroute zu erfrieren. Sie setzten ihr endlich sicheres Leben aufs Spiel, weil sie eine Zukunft haben möchten, d.h. Erwartungen an Deutschland haben. Und Erwartungen kollidieren mitunter böse mit dem, was dann ist. Wenn wir die deutschen Erwartungen noch daneben stellen (zB Neo-Hugenotten)…

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    @Stevanovic
    Ja sicher, deutsche Selbstgespräche. Aber noch besser, als gar nichts zu reden. Noch besser wäre es natürlich gewesen, Frau Merkel hätte mal ein ehrliches Interview z.B. bei Al Jazeera über den Status dieses Landes gegeben.
    Ich kenne doch ein paar Einwanderer, die auch nach Jahrzehnten noch Anpassungsprobleme haben – sie wissen oft nicht, was wirklich von ihnen erwartet wird (mir geht es ja manchmal selber so – im eigenen Geburtsland). Und ich finde jede Spinnerei interessanter, als dieser ewige langweilige phantasielose bipolare deutsche Zustand, diesmal charakterisiert durch ‚Pegida‘ und ‚refugees welcome‘.

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    @ Stefanovic (Zitat: „Was die Million will, wenn sie es selber wissen, weiß eigentlich niemand. Würden die Menschen nicht überzogene Erwartungen haben, würden sie sich nicht in Schlauchboote setzen“).
    Ich halte das für eine ziemlich verquere Außenansicht! Haben Sie sich Berichte von Menschen aus Syrien zu Gemüte geführt? Wenn nicht, kann ich Ihnen den folgenden Artikel ans Herz legen (kaum zu fassen, wie ein Mensch so viel Leid erfahren kann): http://www.welt.de/wirtschaft/.....esung.html
    Etwas kürzer, aber nicht weniger eindrucksvoll ist auch dieser Bericht: http://www.humansofnewyork.com.....k-to-syria
    Bei den Bremer Stadtmusikanten hieß es: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Bremer_Stadtmusikanten#Literarische_Rezeption). Ich glaube, das trifft die Motivation und die „überzogenen Erwartungen“ der Million, von der Sie sprechen, ganz gut!

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    @KJN

    Zumal, im Moment führen wir doch eher deutsche Selbstgespräche. Was die Million will, wenn sie es selber wissen, weiß eigentlich niemand. Würden die Menschen nicht überzogene Erwartungen haben, würden sie sich nicht in Schlauchboote setzen.

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    @KJN

    Natürlich kann man verlangen, dass die Leute etwas aufbauen. Mit der flapsigen Bemerkung wollte ich drauf hinweisen, dass die Erwartungen, Projektionen und Spekulationen viel zu konkret sind. Jeder hat eine Stelle, die ihn juckt – Facharbeiter, Rente, Kultur, Abendland, Dynamik, Unternehmertum, Altenpflege etc – und alle hoffen, sich mit dem Thema Migration kratzen zu können. Ich weiß nicht, ob jede Erwartung überzogen ist, in der Summe ist das aber so ein bunter Strauß, dass Zwangsläufig die Kinderaugen in paar Jahren groß sein müssen. 1998 wurde von rot/grün zugegeben, dass es Einwanderung gibt. Die ersten Programme zur Integration wurden aufgelegt und paar Jahre später, als es nicht die gewünschten Ergebnisse gab (zB Projekt doppelte Staatsbürgerschaft), war die Integration schon gescheitert. Von dem Schock haben sich viele, die den Untergang des Abendlandes besingen, noch nicht erholt. Und die anderen glauben immer noch, es gäbe sichere Konzepte. Der Vergleich mit den Hugenotten ist mir etwas zu dick aufgetragen. Es werden viele Konzepte getestet werden müssen und es wird viele Probleme geben. Es wird ein schwieriger Weg und es gibt keine Agenda, die sicher abgefahren werden kann. Welche Ergebnisse wir in 10Jahren haben werden, kann niemand sagen. Auch Merkel nicht, selbst wenn sie es wöllte. Im Grunde ist das gerade eine Glaubenssache und ich nehme es niemanden Übel, der nicht daran glaubt. Es gibt keine Planungssicherheit und die Chancen stehen gut, dass Amal ein finsteres Drecksloch wird. Oder nicht.

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    Nein Stevanovic, man braucht von den Migranten eben nicht zu verlangen “ Kuhhörner bei Vollmond [zu] vergraben und für die anderen die Loreley im Kanon [zu] furzen“, wie Sie sich auszudrücken belieben. Und – so muss ich vermuten – viele Funktionsträger in der etablierten Großwirtschaft es tatsächlich verlangen, sondern wir dürfen das verlangen, was unsere Eltern und Großeltern in der Mehrheit noch drauf hatten, nämlich etwas aufzubauen. Wie z.B. in der Kölner Keupstr. wo ich, bzw. wir ab und zu essen gehen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Keupstra%C3%9Fe

    Ob die deutsche Gesellschaft allerdings bereit ist, das in größerem Umfang zuzulassen, oder gar zu wollen, da bin ich mit Ihnen skeptisch.

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    Ich bin aus Reflex gegen das Konzept einer eigenen Stadt. In der guten alten Zeit waren die Landeskinder vor dem Fürsten alle gleich. Heute gibt es das Konzept des Bürgers, der mit anderen interagiert, d.h. Staat macht. Irgendwie läuft mir die Neugründung diesem Gedanken zuwider. Zumal: Es gibt auf dem Balkan fast ein Dutzend Staaten, die seit einer Generation nach Geschäftsmodellen suchen (und sie nicht finden). Die Ergebnisse sind gerade in deutschen Turnhallen zu besichtigen. Warum sollte das bei Syrern in Sachsen-Anhalt funktionieren? Zumal Anhaltiner selbst nach einer Generation noch nicht flächendeckend ihren Platz im Westen gefunden haben.

    Der Vorschlag ist nicht abwegig, aber zu kompliziert und der Ausgang ist mehr als ungewiss.

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    Na klar, für die einen soll der Migrant Kuhhörner bei Vollmond vergraben und für die anderen die Loreley im Kanon furzen…

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    BvG: „Von was sollen die Syrer in Ostdeutschland denn leben?“
    Das fragt man sich, wenn man sich Arbeit außerhalb eines Großunternehmens oder dem Öffentlichen Dienst nicht mehr vorstellen kann.

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    @derblondehans, Nachtrag (… ooops? das bin ja ich?)

    Die Ex am 1. Dezember 2003 in Leipzig.

    ‚Es gilt das gesprochene Wort. Ein Beispiel: Manche unserer Gegner können es sich nicht verkneifen, uns in der Zuwanderungsdiskussion in die rechtsextreme Ecke zu rücken, nur weil wir im Zusammenhang mit der Zuwanderung auf die Gefahr von Parallelgesellschaften aufmerksam machen. Das, liebe Freunde, ist der Gipfel der Verlogenheit, und eine solche Scheinheiligkeit wird vor den Menschen wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen. Deshalb werden wir auch weiter eine geregelte Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung fordern.‘

    Das noch. Dies in mein Amerika! Präsident John F. Kennedy anno Schnee: ‚Die Vereinigten Staaten werden, und das weiß man in der Welt, niemals einen Krieg beginnen. Wir wollen keine Kriege. Auch jetzt gehen wir nicht davon aus, dass es zu einem Krieg kommen wird. Diese Generation der Amerikaner hat bereits genug, mehr als genug, Krieg, Hass und Unterdrückung erlebt. Wir sollten jedoch vorbereitet sein, falls andere diesen Wunsch hegen. Wir sollten wachsam sein, um einen solchen Krieg möglichst zu unterbinden. Wir sollten aber auch unseren Beitrag leisten, wenn es darum geht, eine Welt des Friedens zu errichten, in der die Schwachen sicher und die Starken gerecht sind. Weder stehen wir dieser Aufgabe hilflos gegenüber noch fehlt uns der Glaube an ihren Erfolg. Wir sind zuversichtlich und furchtlos, und wir engagieren uns weiterhin, und zwar nicht für eine Strategie der Vernichtung, sondern für eine Strategie des Friedens‘.

    Komplette Rede, Quelle!

    DAHER!

  27. avatar

    @derblondehans, Nachtrag (… ooops? das bin ja ich?)

    Die Ex am 1. Dezember 2003 in Leipzig.

    ‚Es gilt das gesprochene Wort. Ein Beispiel: Manche unserer Gegner können es sich nicht verkneifen, uns in der Zuwanderungsdiskussion in die rechtsextreme Ecke zu rücken, nur weil wir im Zusammenhang mit der Zuwanderung auf die Gefahr von Parallelgesellschaften aufmerksam machen. Das, liebe Freunde, ist der Gipfel der Verlogenheit, und eine solche Scheinheiligkeit wird vor den Menschen wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen. Deshalb werden wir auch weiter eine geregelte Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung fordern.‘

  28. avatar

    … Syrien hat 112,5 Einwohner pro km², Deutschland 227 Einwohner pro km².

    Schlage daher vor, die Syrer und andere, zum Beispiel, in Grönland, Spitzbergen oder auf die Falklandinseln, mit einer Bevölkerungsdichte von jeweils 0 [sic!] oder falls es den ‚Neusiedlern‘ dort zu kalt ist, in die Westsahara mit 2 Einwohner pro km², oder in Namibia mit 3 Einwohner pro km², anzusiedeln.

    Andernfalls empfehle ich das australische Einwanderungssystem. Bevölkerungsdichte in Australien: 3 Einwohner pro km².

    Ach ja, das noch: Mecklenburg/Vorpommern kommt ohne Mohammedanismus und den Sozialisten aus ‚Wessiland‘ ganz gut zurecht.

    Gäste und zahlende Urlauber sind jederzeit willkommen. Der Rest möge bleiben wo der Pfeffer wächst.

    Daher!

  29. avatar

    Wenn Muslime Hugenotten sind, ist die BRD wahrscheinlich ein absolutistischer Staat, Merkel eine Hohenzollern-Fürstin von Gottes Gnaden und unser Wirtschaftssystem der Kameralismus.

    Planungsdenken statt Freizügigkeit und Liberalismus. Von was sollen die Syrer in Ostdeutschland denn leben?

  30. avatar

    Ja, eigentlich könnte das doch so schön sein,
    wenn wir auch wie in den USA Ozeane als Grenzen hätten
    und einiges mehr,es könnte so schön sein, wenn die
    einwandernden Muslime aus Afghanistan, Pakistan, Syrien,Irak,Jemen, Lybien,den Hugenotten weitgehend
    vergleichbar wären,wenn sie ökologische Landwirtschaft,
    Handwerk, Mittelstand,freie Wissenschaften in Amal
    beleben würden und vor allem Moscheen bauen und beleben
    würden, die der Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt
    in Berlin in ihrer aufklärenden und integrierenden
    und Bildungsrolle ähnlich wären.Doch Sie schreiben nichts zu den
    Moscheegemeinden und Religionsfreiheit und
    Frauengleichberechtigung ,die bei ihnen anscheinend mit
    Burka und NIqab und Mädchen nicht in die Schule schicken etc, was zur Zeit alles in Flüchlingsheimen
    üblich ist,gut zusammen gehen kann. Ob dabei so etwas
    wie das Zusammenleben der Kulturen und Religionen in
    Aleppo und Damaskus erreicht wird, was es einst gab oder wie in Bagdad oder wie im holländischen Viertel in Potsdam,
    ist aber sehr fraglich.Ohne genauer über die Art des Islam zu reden und was in den Moscheen passiert oder
    im internet an islamischem Fundamentalismus kommen wir nicht weiter. Auch nicht, wenn wir in Füchlingsheimen Ehrenamtliche zulassen, die ständig ungestört als Fluchtursache den Westen und seine
    Waffenexporte und unser System angeben und beschimpfen.Bitte mehr an die Basis gehen,damit solche Träume sinnvoll sind, Eva Quistorp

  31. avatar

    Ja, eigentlich könnte das doch so schön sein,
    wenn wir auch wie in den USA Ozeane als Grenzen hätten
    und einiges mehr,es könnte so schön sein, wenn die
    einwandernden Muslime aus Afghanistan, Pakistan, Syrien,Irak,Jemen, Lybien,den Hugenotten weitgehend
    vergleichbar wären,wenn sie ökologische Landwirtschaft,
    Handwerk, Mittelstand,freie Wissenschaften in Amal
    beleben würden und vor allem Moscheen bauen und beleben
    würden, die der Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt
    in Berlin in ihrer aufklärenden und integrierenden
    und Bildungsrolle ähnlich wären.Da Sie nichts zu den
    Moscheegemeinden schreiben und Religionsfreiheit und
    Frauengleichberechtigung bei ihnen anscheinend mit
    Burka und NIqab und Mädchen nicht in die Schule schicken etc, was zur Zeit alles in Flüchlingsheimen
    üblich ist,gut zusammen gehen, Ob dabei so etwas
    wie das Zusammenleben der Kulturen und Religionen in
    Aleppo und Damaskus, was es einst gab oder wie in Bagdad oder wie im holländischen Viertel in Potsdam
    ist aber sehr fraglich.Ohne genauer über die Art des Islam zu reden und was in den Moscheen passiert oder
    im internet an islamischem Fundamentalismus kommen wir nicht weiter, auch nicht, wenn wir in Füchlingsheimen Ehrenamtliche zulassen, die ständig die ungestört als Fluchtursache den Westen und seine
    Waffenexporte und unser System angeben und beschimpfen.Bitte mehr an die Basis gehen,damit solche Träume sinnvoll sind,Eva Quistorp

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    Hugenotten waren Protestanten und kamen in ein protestantisches Land. Ich sehe hier einen Unterschied zur Einwanderung von Anhängern des Islam, der Jahrhunderte lang Feindreligion der europäischen Christenheit war.

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    Als Satire nicht schlecht. Sollte dieser Artikel allerdings keine Esoterik sein, dann sollte vielleicht ein Doktor konsultiert werden.

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