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Hurra: Rot-Grün wieder da. Hurra?

Schwarz-Gelb ist endgültig abgewählt. Rot-Grün kommt bald wieder, auch im Bund. Die schwarze Angela und die gelben Boys an ihrer Seite haben fertig. Das ist die Lehre aus dem Desaster der Union bei der Landtagswahl in NRW.

Von den Borussen lernen, heißt siegen lernen. Das gilt nicht nur für den Fusseck aus Dortmund, sondern alle Preußen. An deren Wesen soll das Reich genesen: gloria borussia. Was an Rhein, Ruhr und Lippe gilt, das gilt für das Land. Nun also Rot-Grün.

Fanfarenstöße? Hosianna-Rufe? Frühlingserwachen? Vom Eise befreit… Ein Ruck geht durch’s Land? Hurra-Schreie auf allen Plätzen? Kollektiver Orgasmus? Alles falsch. Nein, der Souverän gähnt. Und das liegt nicht an letzten Unwägbarkeiten.

Verhindern können die Renaissance von Rot-Grün nur noch die Nichtwähler und die Piraten. Für beide steht jener Teil der Wahlberechtigten, der ohnehin nur Stimmungen zugänglich ist. Grob gesagt, die Faulen und die Doofen. Folglich ist keine wirkliche Prognose möglich. Wenn die angestammte Politik weiter anödet, schneiden diese beiden gut ab.

Und das Glück eines roten Kanzlers wie in Frankreisch? Den Charme von Sozis im Amt haben jüngst Klaus Wowereit und Mathias Platzeck ruiniert. Die Herrscher von Berlin und Brandenburg können ihren neuen Flughafen nicht eröffnen, weil sie es nicht gebacken kriegen. Während die Planungschefs, die sie beaufsichtigen sollen, an Unis rumlungerten und sich eitel Titel besorgten, machten die Herren Aufsichtsräte mit dem roten Parteibuch Party: arm, aber sexy. Jedenfalls arm.

Rot-Rot oder Rot-Grün hält die Republik spielend aus, wenn die Jungs ihren Job machen. Der Wähler erträgt viel Gegacker, wenn die Hühner Eier legen. Das war schon immer die Sollbruchstelle der Sozialdemokratie: Teilhabe an der Macht heißt, es dann auch gebacken kriegen. Was man Konservativen verzeiht, verlangt man von jenen um so mehr, die sich moralisch erhaben fühlen.

Die Wunde, die die Regierung Schröder mit dem Hartz-Schwert in die eigene Anhängerschaft geschlagen hat, blutet nicht mehr, aber sie schmerzt. Sozialdemokratie ist nur mehrheitsfähig, wenn sie Industriepolitik kann.  Die Geschichte fragt nicht nach guten Vorsätzen, sondern danach, ob Politik wirklich gelungen ist. Das hat man jetzt Hannelore Kraft zugetraut.

Die Grünen leiden sehr darunter, wie die piefigen Großeltern der Piraten zu wirken. Sie haben den Nimbus der frühen Tage verloren. Einige Damen der Führungsriege haben figürlich den Umfang von Litfaßsäulen und noch immer Frisuren, wie man sie selbst in der Lausitz nicht mehr findet. Renate Künast ist noch in altem Kampfgewicht, überträgt aber eine Bitterkeit, die den Mädchen-Charme der frühen Jahre durch das Grimmige der bösen Alten ersetzt.

Und die Sozis kommen wieder mit einer Troika. Drei drittel Kanzlerkandidaten statt einem gescheiten. Man lässt sich durch Umfragen täuschen, die Bekanntheit messen, also das Gedächtnis der Leute, aber nicht Fähigkeit und Siegesgeschick. Weder der bräsige Büroleiter Schröders namens Steinmeier noch der hanseatische Oberlehrer namens Steinbrück werden die Herzen der Menschen gewinnen können.

Steinbrück wird wöchentlich neu durch ein PR-Blatt zum Kanzler ausgerufen, das früher eine seriöses Zeitung war, die ZEIT unter Kanzler-Forever Helmut Schmidt. Unerträglich. Mehrfach versuchte Schiebung. Wenn die SPD nicht die Kraft aufbringt, Sigmar Gabriel  ohne Wenn und  Aber ins Rennen zu schicken, hat sie schon verloren. Er ist ihre einzige Chance.

Norbert Röttgen, der Wahlverlierer aus Düsseldorf, der sich selbst ausgetrickst hat, zeigt, dass politische Intelligenz nicht mit Intrigen, sondern mit Charakter, nicht mit Kalkül, sondern mit Bauch und Lenden zu tun hat. Er ist ein Abgrund an Opportunismus und ein Spieler.  Schon unter Helmut Kohl suchte er zu erkunden, ob man die Grünen als Koalitionspartner gewinnen könne. Das hieß geheimnisumwittert Pizza-Connection.

Als Umweltminister hat er gerade die Energiewirtschaft erfolgreich zerschlagen. Die Energiewende war ein Kniefall vor dem grünen Zeitgeist. Deutschland verabschiedet sich aus dem Industriezeitalter. Unter einer bürgerlich-liberalen Bundesregierung. Man reibt sich die Augen.

Und solche Desaster werden die Rot-Grünen richten können? Auch den Schwachsinn der Energiewende? Jene, die nicht mal einen Flughafen fertigstellen können? Man darf Zweifel haben. Und Hoffnung. Noch ist das Gähnen der Wähler mehr als angemessen.

Ich erwarte, dass die ersten Wahlberechtigten sich aus Langeweile bücken und Steine aufheben, die sie zu werfen bereit sind. Ohne eine neue Begeisterung wird es nicht gehen, jedenfalls nicht im alten System.Wie haben die das eigentlich bei der Borussia gemacht? Geht doch. Gloria Borussia.

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9 Gedanken zu “Hurra: Rot-Grün wieder da. Hurra?;”

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    Steinbrück&Steinmeier und Co haben erst mit Gerhard Lupenrein ihre Nichtbefähigung gezeigt, dann Steinbrück verstärkt ab 2005 mit der roten Angie zusammen. Mittlerweile gähnt der Rezipient deswegen, weil er weiß, dass es bei den Blockparteien nichts zu jubilieren gibt. Die sind untereinander komplett so verzahnt und versifft,auch mit den Medien, dass der Bürger mit dem Gähnen aufhören sollte und aus seinem Garten wieder einen Kartoffelacker machen sollte oder Strickkurse besuchen sollte um das Energiesparmodell: “Thilos Pullunder” selbst stricken zu können.

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    Vielleicht gab’s einen ganz einfachen und profanen Grund, der den Ausschlag für das SPD/Grünen – Votum in NRW gab: Abschaffung der Studiengebühren (?).
    Bei der nächsten Wahl gibt ein anderer Grund den Aussschlag. Der Wähler subsummiert pragmatisch. Für Programmatiker und Ideologen wohl schwer zu ertragen. Und offensichtlich für die meisten Journalisten und Publizisten, die “Zeter, Mordio und Sittenverfall” von ihren “Kanzeln” kreischen. Für mich festzustellen: Ein erfreulicher Zuwachs an innerer Freiheit in D.

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    Das eben glauben die “Faulen” nicht:

    “In der Leipziger Volkszeitung stellte Altmaier klar, dass NRW nicht zwingend Bedeutung für den Bund habe. “Angela Merkel war unser größtes Zugpferd in diesem Wahlkampf. Sie hat die Menschen erreicht.”

    Merkel sei erwiesenermaßen die Politikerin, der die Deutschen am ehesten zutrauten, die Probleme dieses Landes zu lösen.”
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article106303654/Union-rechnet-gnadenlos-mit-Verlierer-Roettgen-ab.html

    Merkel macht apathisch. Sie vergeigt konservativ-liberale Werte. Die sog. Herdprämie soll davon ablenken, bzw. darf man annehmen, dass die CSU erkannt hat, wo es mangelt. Wie bei der Wahl in S-H, wo Rösler sich Kredit gab für den FDP-Erfolg (falsch), bildet sich die CDU ein, dass Frau Merkel am Untergang ihres Ziehsohns unschuldig wäre. Das kann gar nicht sein. Merkel und Röttgen waren eng genug verbunden.
    Das Interessanteste überhaupt wäre eine bundesweit antretende CSU. Die CDU könnte möglicherweise ihre Stimmen einzeln abzählen.
    Auch die Sprüche aus der CDU zum “faulen Griechenland” sind kein Ruhmesblatt. Frau Merkel wurde nicht nur in S-H und NRW angezählt, sondern auch in Griechenland und Frankreich. Cameron, der seine eigenen Probleme hat, besitzt einen guten Instinkt in diesem Punkt: Er hält sich die Deutschen vom Nacken.
    Ich frage mich inzwischen, ob jemand, der bis zum 35. Jebensjahr etwa keine Reisefreiheit hatte und danach im Tross verreiste, also abgeschirmt, und seine Urlaube in Templin verbringt, jemand, der – soweit ich weiß – nicht in einem anderen europäischen Land studiert hat, überhaupt etwas von Europa verstehen kann. Europas Inhalt geht über Dossiers, die man am Schreibtisch liest, hinaus. Unser(e) nächste(r) KanzlerIn sollte auch französisch sprechen.
    Außerdem denke ich, dass die wenigstens Menschen in Europa sich verkaufen lassen, dass Europa synonym mit dem Euro sei und somit mit Europas Banken. Unter Merkel/Schäuble ist der Kulturraum Europa mit seinen mentalen Unterschieden, die wir im Urlaub im Mediterranen durchaus genießen, inexistent.
    Insofern ist alles Herumreden Augenauswischerei.
    Wie Hollande sagte, bestimmt nicht Frau Merkel das Schicksal von Europa.
    Und die von Kocks als “Faule” Bezeichneten glauben ihr nicht, dass unsere mühsam errungenen Freiheiten nur als Großwirtschaft bestehen, als Freiheiten für die ganz Großen. Allein das Wort “alternativlos” lässt aufhorchen. Für alternativlos hielt sich auch die DDR.

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    @ Moritz Berger

    Als Bayern-Fan seit 1965 muss ich leider zugeben, dass die Borussia ein fantastisches Fußballjahr gespielt hat und dass zu erwarten ist, dass sie in den nächsten Jahren sich auf Augenhöhe mit den Bayern, von denen ich erwarte, dass sie sich auf den Herausforderer einstellen wird, duellieren. Fußball mit den Fußballgöttern, die aufsteigen und fallen, ist ja die Religion der Göttin Fortuna. Was daraus für die Politik ableitbar ist, steht in Frage. Aber es ist wohl unbestritten, dass Uli Hoeness, Karle Rummenige, Hans-Joachim Watzke und Jürgen Klopp seriöser sind als Merkel & Co. Sorry.

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    “Hauptstadtflugplatz” – das muss ich jetzt den Brasilianern beibringen: “Auch im Reich der UEBER-Euros weren Pharanonenbauprojekte verschlampt!” Denn, fuer die Weltfussball 2014 und die 2016 Olympiade – wird auch manches in Brasilien nicht puenktlich “startbereit” sein. Aber solange die Brasileiros eine deutsche “Love Parade” mit Todesopfer durch schlampige Organisation vermeiden – dann werden sie das alles doch einigermassen hinkriegen – wie vorher die Suedafrikaner und die Griechen vor ihnen…

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    “Die Grünen leiden sehr darunter, wie die piefigen Großeltern der Piraten zu wirken. Sie haben den Nimbus der frühen Tage verloren. Einige Damen der Führungsriege haben figürlich den Umfang von Litfaßsäulen und noch immer Frisuren, wie man sie selbst in der Lausitz nicht mehr findet. Renate Künast ist noch in altem Kampfgewicht, überträgt aber eine Bitterkeit, die den Mädchen-Charme der frühen Jahre durch das Grimmige der bösen Alten ersetzt.”

    O man. Richtig gut, der Absatz. Das Spritzigste, das ich zur kleinen Bundestagswahl gelesen habe. Aber warten! Die Bayern kommen wieder. Die sind aber auch rot, zumindest im Stadion.

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    Was, Sie reiben sich immer noch die Augen? Wie lange brauchen Sie denn eigentlich, um wach zu werden? Und diese Analyse, die fällt dann wohl im Halbschlaf einfach so, unter Umgehung der Großhirnrinde, aus Ihnen raus, oder wie?

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    @Klaus Kocks

    Von den Borussen lernen, heißt siegen lernen. Das gilt nicht nur für den Fusseck aus Dortmund, sondern alle Preußen.

    Lieber Herr Kocks,

    sind Sie schon zu lange in Ihrer Wahlheimat U-K.?

    Sollen wir jetzt alle Fusel trinken:

    Fuselzeugs = Fus(s)e(c)k = (früher für eine meist gern getrunkene Biermarke) HANS-A (HANSA-Bier)… Für eine so genannte Restausschüttung.

    Oder meinen Sie den Fu0ball aus Dortmund 🙂

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