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Wie geschwächt ist Angela Merkel?

Ausgerechnet Philipp Rösler! Das von seinem eigenen Generalsekretär ausgerufene Nicht-Alpha-Tier hat der mächtigsten Frau der Welt die erste wirkliche Niederlage seit der NIederlage bei der Kanzlerkandidatur gegen Edmund Stoiber beigebracht?

So sieht es auf den ersten Blick aus. Rösler – und hinter ihm die Strippenzieher Rainer Brüderle und Wolfgang Kubicki – haben Merkel gezwungen, Joachim Gauck als neuen Bundespräsidenten zu akzeptieren. Das ist erst mal in der Tat ein spektakulärer Erfolg einer Partei, die nun seit Monaten in Umfragen zwischen zwei und drei Prozent der
Wählerstimmen dümpelt.

Aber ist es auch der Start für die notwendige Aufholjagd, um in den nächsten Wahlen wenigstens wieder an die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen?

Es ist nicht überraschend, dass der schleswig-holsteinische FDP-Landesvorsitzende Kubicki seine Finger mit ihm Spiel hatte: Dort wird demnächst gewählt, und es sieht alles nach einem Sieg des SPD-Herausforderers Thorsten Albig aus. Sollte Rot-Grün keine Mehrheit haben, stünde nun die FDP für eine so genannte Ampel zur Verfügung. Wenn sie es denn überhaupt ins Parlament schafft, könnte Kubickis Planung so aufgehen.

Gilt das aber auch für den Bund? Wären die früheren FDP-Wähler mit der Aussicht auf eine Ampel wieder zu gewinnen? Das dürfte in hohem Maß vom SPD-Kanzlerkandidaten abhängen. Steinbrück ja, Steinmeier möglicherweise, Gabriel nein.

Dieser Perspektivenwechsel der FDP gilt mindestens ebenso auch für die Union. Dort ist der Ärger über den Alleingang der FDP nachhaltig – und wird so schnell auch nicht vergehen. So pragmatisch wie Angela Merkel ist, dürfte sie ihre Niederlage inzwischen verarbeitet haben und nach dem Guten im Schlechten gesucht haben.

Davon gibt es einiges: Schon zuvor war eine erneute Große Koalition eine der wahrscheinlicheren Optionen für den Ausgang der Bundestagswahl 2013. In den CDU-, aber auch in den CSU-Gremien und auf der zweiten und dritten Ebene war diese Option immer sehr viel unbeliebter als bei Merkel selbst, die gute Erinnerungen an diese Zeit hat. Durch das “untreue” Verhalten der FDP wird sie eine neuerliche Große Koalition nun viel leichter in der Union durchsetzen können, sollten die Wahlergebnisse das denn so ergeben.

Eine ähnliche Überlegung gilt, sollte es für Schwarz-Grün reichen. Nach dem Spektakel vom Sonntag ist die FDP keineswegs mehr als Koalitionspartner der Union gesetzt. Auch Unionisten, die keine Fans von Schwarz-Grün sind, werden sich nun mit dieser Option intensiver beschäftigen. Und die Fans von Schwarz-Grün haben neue Argumente dafür.

Und sollte sich die FDP nun tatsächlich wieder berappeln und ein gutes Stück des Weges bis zur Fünf-Prozent-Hürde schaffen, wäre es letztendlich auch wieder Angela Merkel, die nach der Wahl davon profitieren würde: Reicht es dann erneut für Schwarz-Gelb, geht die Koalition so weiter. Für Merkel dürfte dabei vor allem zählen, dass die Kanzlerin weiter Angela Merkel heißt. Und dafür könnte dieser vergangene Vorwahlsonntag durchaus die Grundlage gelegt haben.

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2 thoughts on “Wie geschwächt ist Angela Merkel?

  1. avatar

    Der frühere Zentralratsvorsitzende der Juden, Ignatz Bubis, hat dem früheren FDP-Vorsitzenden Kinkel mal folgenden Spruch über Helmut Kohl zugeschrieben: “Der Dicke lässt uns sicher nicht hängen!” Das charakterisiert ein Verhältnis, das Lichtjahre entfernt von Merkels/Springers systematischer Demütigung und Demontage der FDP und Röslers Frosch-Gerede ist.

    Regieren ist mehr als nur penetrante Dominanz- und Machthaber-Schauspielerei. Gut regieren kann der, der unter anderem belastbare persönliche Beziehungen zu knüpfen weiss. Das ist der natürliche Anführer des Regierungsteams. Insofern passen die Grünen wirklich besser zu Merkels CDU, denn da hat es noch mehr aufgeblasene Dampfplauderer und Luftnummern, die vor eingebildeter Wichtigkeit beinahe platzen.

  2. avatar

    Liebe Frau Heckel!
    Ihren einleitenden Satz “Ausgerechnet Philipp Rösler! Das von seinem eigenen Generalsekretär ausgerufene Nicht-Alpha-Tier hat der mächtigsten Frau der Welt die erste wirkliche Niederlage seit der NIederlage bei der Kanzlerkandidatur gegen Edmund Stoiber beigebracht?”

    empfinde ich ganz anders. Wahre Größe ist, wenn man über seinen Schatten springen kann. Es fehlt mir noch der/die AutorIn, der/die das mal herausarbeitet. Es ist das erste Mal, das ich Angela Merkel bewundere. Ihre sonstigen machttaktischen Spielchen lassen mich kalt und beeindrucken nur den Michel/Untertan. Sie hat nachgegeben im Sinne des Landes. Jetzt kann man nur hoffen, dass Joachim Gauck ein guter Bundespräsident wird. Er hat es jetzt schon schwer. Diese Mischung aus Vorschusslorbeeren und Demontage ist eine schwere Bürde.

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