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Wenn der Jugendwahn zu Ende geht

Na endlich:  Jeder vierte Betrieb will künftig auch Ältere einstellen, meldet eine neue Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Und schon vor einigen Tagen haben die Arbeitsagenturen verkündet, dass keine Gruppe am Arbeitsmarkt so sehr von der guten Konjunktur profitiert wie die Älteren.
Das passt – und es ist überfällig. Wir brauchen in Deutschland eine Revolution darüber, wie wir über das Alter denken. Denn fast alle Vorurteile über das Altern sind falsch.Ab 50 geht es nicht abwärts, sondern es beginnt die glücklichste Zeit im Leben eines Menschen. Dies bestätigt jede neue Studie zu diesem Thema. Es gilt weltweit, ob in Argentinien, Kenia oder hierzulande. Die Leistungsfähigkeit nimmt nicht ab, sie ändert sich: Ältere sind vielleicht nicht so schnell wie jüngere, aber viel erfahrener.
Was bislang allerdings abgenommen hat, waren die Möglichkeiten, die Ältere hatten.  Weitergebildet wurden die Jungen, die Chefposten bekamen die Um-die-40-Jährigen. Schließlich signalisierte die fatale Frühverrentungspolitik der letzten zwei Jahrzehnte doch klar und deutlich: Wir brauchen Euch Alte nicht, ihr seid unnütz!
Diese vom früheren CDU-Arbeitsminister Norbert Blüm hauptverantwortlich in Gang gesetzte Weg-mit-den-Älteren-Politik steht nun kurz vor ihrem endgültigen Aus. Sie war zutiefst heuchlerisch, gab sie doch vor, den Älteren „Gutes tun zu wollen“. Doch für die meisten brachte der erzwungene, wenn auch oft von hohen Abfindungen und Renten ohne Abschläge versüßte Abgang nicht den Traum vom lustigen Rentnerleben.

Stattdessen stellte sich nach den ersten Reisen und der Wohnungsrenovierung  oft tödliche Langeweile ein und  ein bitteres Gefühl des Nicht-mehr-Gebrauchtwerdens.
Das ändert sich nun in dem Maße, wie der demografische Wandel am Arbeitsmarkt zu spüren sein wird. Der große Gewinner dabei sind die Arbeitnehmer, vor allem, wenn es sich um Fachkräfte handelt. Wer Ältere für sich gewinnen will, wird eine Vielzahl flexibler Arbeitsmodelle anbieten müssen, von denen auch die Jüngeren profitieren. Wer Ältere halten und fit halten will, muss sich um Gesundheitsprävention kümmern, die auch den Jüngeren zugutekommt.
Noch können sich viele Firmen vor diesen elementaren Einsichten drücken, weil sie den anderen mit höheren Löhnen einfach die Fachkräfte wegkaufen. Doch früher oder später wird die Alterung der Gesellschaft auch bei ihnen ankommen.

Im Vorteil aber werden diejenigen sein, die sich jetzt schon darauf einstellen – mit der weitest gehenden Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse, altersgemischten Teams, einer ordentlichen Gesundheitsprävention. Vor allem aber mit der Einsicht, dass wir ein neues Bild vom Alter brauchen. Und dem Stolz, genau daran mitzuarbeiten.

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8 Gedanken zu “Wenn der Jugendwahn zu Ende geht;”

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    August 30, 2011Marcussorry to say but where are the so celald austrian ski stars like Walchhofer, Raichl etc? I think only the second line of austrians skiteam signed this-shame! kr  

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    @ Roland Ziegler: Nicht „Kindlichkeit“ erscheint in CANA DULCE CANA BRAVA – die vier „Octogenarios“ interpretieren kuenstlerisch die Bemerkungen eines Zuckerrohranbauers in der Karibik vor einem Jahrhundert, ueber die Konvertierung des Zuckerrohrs. Dabei immitieren sie den „rustikalen“ Hinterwaedlertonfall. Die Choristen und Saenger laecheln verstaendig – denn natuerlich wird dieser „Hinterwaeldlertonfall“ als komisch empfunden. „Cana Brava“ ist der „Brunnen vor dem Tore“ der Dom. Rep. und wurde 1934 von Tono Abreu als Reklamemelodie fuer eine Rumreklame im Radio gedichtet. Danach wurde es ein tanzbarer Merengue. 1984 arrangierte Carlos Piantini „Cana Brava“ fuer die Philharmoniker. Sieh youtube Video MERENGUE SINFONICO CANA BRAVA, und CANA BRAVA HOSTOS. Der Merengue wurde jetzt auch von London Symphonic Orchestra produziert unter „Treasures of the Caribbean“ – die Symphonie fuer Saxophon von Bienvenido Bustamante. Aber bessere Versionen sind in youtube Videos als MIGUEL VILLAFRUELA TOCA BIENVENIDO BUSTAMANTE (Chile Philharmonie), und REMY VARGAS TERCER MOVIMIENTO (Dom. Rep Philharmonie).

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    @Jan Z. Volenz: Leary spricht nicht übers Alter, sondern übers Erwachsensein. Die vier singenden Herren in dem schönen Merengue-Song haben sich viel Kindliches bewahrt, sind aber in einem auch für Sie bemerkenswerten Alter. Beides – Kindlichkeit und hohes Alter – passt gut zusammen.

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    Timothey Leary, der U.S. Professor und „Guru“ der Jugendrevolte vor vierzig Jahren, meinte: „Avoid terminal adulthood!“ = Vermeide Endstatium-Erwachsensein!“ Deutschland ist ein Land in welchen der Mensch schnell „veraltet“. In manchen Gesellschaften werden Menschen nie „alt“. Hier ein perfektes Beispiel – aus der Karibik. Sieh das youtube Video unter CANA DULCE CANA BRAVA – mit den vier singenden Herren gekleidet in Smokings – alle vier sind ueber 80, der ganz links, Joseito Mateo ist 1920 geboren und war schon ein beruehmter Merenguestar in den 1940ziger. Das Video stammt von 2008 – als er 88 war… Auch die drei Anderen sind in diesem „Alter“.

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    „Das ändert sich nun in dem Maße, wie der demografische Wandel am Arbeitsmarkt zu spüren sein wird“….

    Zwischen den Zeilen wird hier dennoch eines deutlich: Der Markt orientiert sich am jungen, männlichen, gesunden ArbeitnehmER….. Nur wenn’s damit hakt, entsinnt MAN sich der Frauen, der Mütter gar … und … der ‚Alten‘. Dann plötzlich werden/ und wurden schon flexible Arbeitzeitmodelle etc. möglich. Nicht verkehrt – gesellschaftlicher Wandel aber sieht anders aus: Bewusstseinswandel um seiner selbst willen, eine Utopie? Ich fürchte, JA!

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    @Stefan Buchenau
    Absolut richtig, zusammen mit Ihnen wird vielen anderen auch nichts anderes übrig bleiben als bittere Ironie, wenn nicht genau das Umdenken einsetzt, was Frau Heckel anmahnt. Sie sprechen von Ihrem (großen) Arbeitgeber; die öffentlich rechtlichen Arbeitgeber sind keinen Deut besser.
    Man hat diesen Fehler – Geringschätzung von Erfahrung, Angst vor „mangelnder Flexibilität“ der Älteren – jahrzehntelang gemacht, jedenfalls, seit dem ich arbeite. So wie ich das beobachtet habe – und ich war an so einigen Einstellungen beteiligt – war nie der Grund für Bevorzugung der Jüngeren der etwas höhere Lohn für Ältere, sondern immer so etwas wie Angst von Konkurrenz oder mangelnder Lenkbarkeit.
    Nicht nur im Nachhinein erscheint mir diese ganze in den 80er, 90er, 00er Jahren üblich gewordene Personalpolitik und Unternehmenskultur genau so bar jeglichen Realitätsbezugs, wie menschlich nicht nachvollziehbar. Gut, daß wenigstens heute dem einen oder anderen auffällt, daß der König eigentlich nackt war und in vielen Fällen noch ist.

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    Arbeitsmarkt für Ältere? Dass ich nicht lache! Ich bin 60 Jahre alt, arbeite als Erzieher mit sehr auffälligen Kindern, also in starkem Lärm und mit fast täglichen körperlichen Auseinandersetzungen. Ich habe, anlässlich meines Geburtstags, mal meinen Arbeitgeber (einen der größten bundesweit) gefragt, ob ich nicht vielleicht eine altergerechtere Tätigkeit…? Mit der Erfahrung aus 38 Berufsjahren (nicht nur in diesem Bereich) dachte ich tatsächlich, das müsst doch zu machen sein. Denkste! Gibt es nicht, tut uns leid. Frührente kann ich mir, bei unseren bekannt üppigen Löhnen nicht leisten, also werde ich wohl irgendwo den Hausmeister oder den LKW Fahrer machen müssen.

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