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Mit solidarischem Gruß für den Schlächter!

 
Es ist erst wenige Tage her, da hat Baschar al-Assad eine bemerkenswert realitätsverleugnende Rede gehalten. Fast hundert Minuten lang dozierte der Diktator darüber, dass der Aufstand gegen ihn nichts anderes sei, als eine fiese Verschwörung übler ausländischer Kräfte. Und diese unterstützten diverse „Terroristen“ in Syrien, die wiederum nur das Ziel verfolgten, das ganze Land zu destabilisieren.
 
Wer konkret hinter diesen gemeinen Plänen stecke, wollte der Machthaber nicht verraten. Aber dank eines Aufrufs im Internet weiß man jetzt, um wen es sich handelt: die USA samt Nato und, na klar, Israel. Das liest sich unter www.freundschaft-mit-valjevo.de so: „Zehntausende Tote, eine traumatisierte Bevölkerung, eine weitgehend zerstörte Infrastruktur und ein zerfallener Staat: Das ist das Ergebnis des Krieges, den USA und Nato geführt haben, um den Reichtum Libyens plündern und das Land wieder kolonialisieren zu können. Jetzt bereiten sie offen den Krieg gegen die strategisch wichtigen bzw. rohstoffreichen Länder Syrien und Iran vor (…)“
 
Und wie aus dem Munde Assads heißt es weiter: Mit ständigen Kriegsdrohungen, dem Aufmarsch militärischer Kräfte an den Grenzen zu Iran und Syrien sowie mit Sabotage- und Terroraktionen von eingeschleusten ‚Spezialeinheiten’ halten die USA gemeinsam mit weiteren Nato-Staaten und Israel die beiden Länder in einem Ausnahmezustand, der sie zermürben soll.“ Was daraus folgt? Nieder mit den feigen Imperialisten! Hoch lebe die Solidarität mit Syriens Schlächter und Irans verbrecherischen Mullahs!
 
Nun könnte man das Ganze rasch als propagandistischen Unsinn abtun, von dem es ja bekanntermaßen eine ganze Menge gerade im Internet gibt. Was dann aber doch ziemlich übel aufstößt, ist die Tatsache, dass wieder einmal Bundestagsabgeordnete der Linkspartei zu den Unterzeichnern eines antiamerikanischen, antiwestlichen und antiisraelischen Pamphlets gehören. Darunter Dieter Dehm, seines Zeichens Verschwörungstheoretiker, und die Sprecherin für Internationale Beziehungen, Sevim Dagdelen.
 
Ein paar Spinnerte halt, könnten sich die vernünftigeren Genossen jetzt denken. Das Problem ist nur, dass Dagdelen behauptet, der Aufruf decke sich zu einhundert Prozent mit dem Programm der Linkspartei. Da schau her. Ausländische Mächte? Sabotage? Kriegsdrohungen? Angesichts des Leids der Syrer, die von ihrem eigenen Präsidenten niedergemetzelt werden und dagegen aufbegehren, wirken solche Aussagen wie blanker, menschenverachtender Zynismus. Wird Zeit, dass Gysi und Co. ein paar deutliche Worte finden.
 
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat schon mal unmissverständlich klar gemacht, was er von der Links-Draußen-Solidarität mit Assad und dessen Konsorten hält: „Diese unselige Tradition der Verteidigung von Schießbefehlen muss ein Ende haben.“ Irgendwie hat der Mann recht.

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2 thoughts on “Mit solidarischem Gruß für den Schlächter!

  1. avatar

    ….”antiamerikanischen, antiwestlichen und antiisraelischen Pamphlets….”

    Mit diesem “Argument” ließe sich jeder Unsinn der von dort genannten Staaten kommt, rechtfertigen. Was von dort kommt muss gut sein.

    Der Linke dieses zu unterstellen (“Mit solidarischem Gruß für den Schlächter!”) ist eine billige, oberflächliche, durchschaubare Anti-Linken-Propaganda.

    “CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat schon mal unmissverständlich klar gemacht,…”

    Auf den Nachdenkseiten” wird dieser Schwachsinn angemessen analysiert und kommentiert. Schauen Sie mal rein, es lohnt sich.

  2. avatar

    “Wird Zeit, dass Gysi und Co. ein paar deutliche Worte finden” ??? –

    Sie ist ja mit ‘Personaldebatten’ beschäftigt, die Linke, und hofft aktuell noch auf Kraft und Elan des Altmeisters Lafontaine. Arme Linke, so “kraftvoll” wirkt dieser gerade auch nicht, eher alt, müde und verbraucht. War halt doch ein anstrengendes Leben, so viele Posten, so viele Parteien, so viele…
    “Sekundärtugenden” waren und sind ihm von je her ein Greuel. Ob er’s für die ‘Linke’ reißen wird, im bevorstehenden Wahlkampf? Die Wählerstimmen schwinden jedenfalls, die der Wählerinnen erst recht…Recht haben sie!

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