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Warum Benedikt XVI nicht vor dem Bundestag reden sollte

Warum sollte Benedikt XVI nicht vor dem Bundestag sprechen? Er wäre schließlich nicht der erste und nicht der schlimmste Dunkelmann, der zu den Abgeordneten des deutschen Volks gesprochen hat. Man denke etwa an Wladimir Putin.

Aber die Tatsache, dass der Bundestag etwa beim Gasmann Putin nicht den Mut hatte, Gesicht zu zeigen, ist kein Grund, sich beim Kirchenmann Benedikt genauso feige zu benehmen. Benedikt ist kein Demokrat. Er ist ein Kritiker der Demokratie. Das darf er sein, aber dann darf, ja sollte der Bundestag ihm sagen, was ein demokratisches Parlament davon hält.

Der deutsche Papst vergleicht das Europa des einundzwanzigsten gern mit dem Rom des fünften Jahrhunderts, in dem sein Lehrmeister Augustinus wirkte. Auf die Parallele zwischen dem Imperium Romanum und der Europäischen Union spielt auch Ratzingers gewählter Name „Benedikt“ an. Er bezieht sich auf Benedikt von Nursia, der knapp hundert Jahre nach Augustinus zum Ergebnis gelangte, das von allen Seiten bedrängte christliche römische Reich sei nicht mehr zu verteidigen und sich mit seinem Mönchsorden aus dem öffentlichen Leben zurückzog. Wie Augustinus und Benedikt von Nursia vor anderthalb Jahrtausenden sieht Joseph Ratzinger heute überall Vorzeichen des Untergangs: „Europa scheint in dieser Stunde seines äußersten Erfolgs von innen her leer geworden“, erklärte er 2004 vor dem Italienischen Senat in Rom: „Diesem inneren Absterben entspricht es, dass auch ethnisch Europa auf dem Weg der Verabschiedung begriffen erscheint. (…) Der Vergleich mit dem untergehenden Römischen Reich drängt sich auf, das als großer geschichtlicher Rahmen noch funktionierte, aber praktisch schon von denen lebte, die es auflösen sollten, weil es selbst keine Lebenskraft mehr hatte.“

Europa „verabschiedet sich ethnisch“ und „lebt von jenen, die es auflösen“ werden? Man könnte auch mit Thilo Sarrazin sagen: Europa schafft sich ab. Zuwanderung ist für Ratzinger nicht ein Zeichen dafür, dass unser Wohlstand und unsere Freiheit attraktiv sind, sondern Zuwanderung ist ein Zeichen dafür, dass wir „keine Lebenskraft mehr“ haben.

Warum ist das so? Als Kern der „Krise der europäischen Kultur“ nennt Ratzinger die „Diktatur des Relativismus“. Den Kampf gegen diese Diktatur hat er zum zentralen Thema seines Pontifikats gemacht, und es ist wichtig, kurz dabei zu verweilen. Weil er einen Wahrheitskern enthält. Tatsächlich ist die Demokratie, wenn man so will, die Diktatur des Relativismus. Wer für die Demokratie eintritt, setzt sich dafür ein, dass jede Meinung geäußert werden darf und dass sich alle möglichen Parteien um die Macht im Staat streiten. Man darf keine Hassreden schwingen und nicht zu Gewalt aufrufen, aber sonst ist so ziemlich alles erlaubt. Was nicht erlaubt ist, das ist die Beendigung dieses Relativismus, die Aufhebung der Spielregeln der Demokratie. Eine Partei, die das erklärte Ziel hat, den anderen Parteien den Zugang zur Macht zu verbieten oder die freie Meinungsäußerung zu unterbinden, darf nicht kandidieren, selbst wenn – ja gerade wenn – die Mehrheit hinter ihr steht. Was Demokraten nicht wollen, ist die Diktatur der Wahrheit. Egal ob das die Wahrheit einer Minderheit oder die einer Mehrheit ist.

Die will aber Benedikt.

Und die Wahrheit ist seine Wahrheit.

In der Diskussion mit Jürgen Habermas forderte Joseph Ratzinger ein Nachdenken darüber, „ob nicht die Vernunft unter Aufsicht gestellt werden“ müsse; eine Ratzinger-Formulierung, die man sich – wie die „ethnische Verabschiedung“ Europas – sozusagen auf der Zunge zergehen lassen sollte, um sich ihrer Implikationen bewusst zu werden. Denn wer würde wohl diese Aufsicht stellen? Die Vorstellung einer Art Vernunft-Zensur ist mit der verfassungsmäßigen Ordnung der Bundesrepublik unvereinbar.

Der Westen müsse sich die Frage stellen, so Ratzinger in der Diskussion mit Habermas weiter, ob die „europäische Säkularisierung ein Sonderweg sei, der einer Korrektur bedürfe“. Auch das ist ein direkter Angriff auf die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik.

Die von Ratzinger geforderte Korrektur der Säkularisierung sieht so aus, dass „die Lehre von den Menschenrechten um eine Lehre von den Menschenpflichten und von den Grenzen des Menschen ergänzt werden“ müsste. Abgesehen davon, dass die Menschenrechte keine „Lehre“ sind, sondern unveräußerlicher Besitz jedes Menschen und Ergebnis seiner verfassungsmäßig garantierten Würde; abgesehen davon, dass die Pflichten und Grenzen der Bürger im bürgerlichen Gesetzbuch längst festgehalten sind; abgesehen davon, dass es Ratzinger selbst war, der als Chef der Glaubenskongregation verfügt hat, das bürgerliche Gesetzbuch in Bezug auf sexuellen Missbrauch nicht gelten zu lassen, sondern das Kirchenrecht; abgesehen davon also, dass diese Formulierung den Mann als bigotten Nichtwisser entlarvt: Wer sollte diese Grenzen der Menschenrechte formulieren?

Der Teheraner Wächterrat lässt grüßen.

Ich übertreibe? Nur leicht. 2008 hat Benedikt die Pius-Brüder wieder in die Kirche aufgenommen. Als Skandal galt damals, dass sich unter den vier Pius-Bischöfen auch der Antisemit und Holocaust-Leugner Williamson befand. Mindestens ebenso skandalös sind aber die politischen Vorstellungen dieser Brüder. So ist der deutsche Distriktobere der Bruderschaft Franz Schmidberger, für den die Schändung eines Kreuzes ein schwereres Verbrechen ist als die Terroranschläge von 9/11, Befürworter eines theokratischen Staates, in dem die Gewalt „nicht vom Volke“ ausgeht, „sondern von Gott (…)“, und in dem deshalb an die Stelle der Parteien „jene christlichen Männer treten, die sich durch sittliche Reife und Lebenserfahrung, durch Gerechtigkeitssinn und Sorge um das Gemeinwohl auszeichnen“ – da haben wir also den Wächterrat. Dieser Gottesstaat müsse „falsche Religionen und Kulte verbieten“, also vermutlich alles außer dem Katholizismus, ebenso wie Abtreibung, Euthanasie, den Vertrieb von empfängnisverhütenden Mitteln und die zivile Eheschließung. Er müsse „Gotteslästerung, Homosexualität und Pornographie aus dem öffentlichen Leben verbannen“ und „den vorehelichen und außerehelichen Beziehungen“ den Kampf ansagen. Es versteht sich fast von selbst, dass Schmidbergers Idealstaat die Todesstrafe – vermutlich auch für Kreuzesschändung – wieder einführen, die „Tyrannei des Großkapitals und der Großbanken“ brechen, „Freimaurerlogen schließen“ und Geheimgesellschaften“ – sprich jede Opposition, die notwendigerweise „geheim“ arbeiten musste – verbieten, dafür aber „die Liebe zur Erde, zur Natur, zum Volk, zur Arbeit, zur Heimat mit ihren Bräuchen und Traditionen, zu ihrer Kultur und ihrer Geschichte“ pflegen und die „Entwurzelung des Menschen, die Landflucht und das Gedränge in den Großstädten“ überwinden würde. Willkommen im Klerikalfaschismus. Vielleicht hat Benedikt XVI wirklich nichts von Williamsons Neigung zur Holocaustleugnung gewusst (obwohl ich das nicht glaube); dass die Pius-Bruderschaft ein nicht bloß konservativer, sondern erzreaktionärer Verein ist, in dem antisemitisches und antidemokratisches Gedankengut gepflegt und verbreitet wurde, das wusste und weiß er allerdings genau. Und das stört ihn offensichtlich nicht.

(Übrigens werden die von der Piusbruderschaft in Deutschland betriebenen vier Schulen mit über einer Million Euro pro Jahr vom Staat unterstützt. Das scheint unsere Politiker nicht zu stören.)

Fazit: Ein Mann, der die Liberalität, den Pluralismus und den Säkularismus abschaffen, die Demokratie und die Vernunft kontrollieren will, darf aufgrund unserer Liberalität vor dem Bundestag sprechen. Manchmal fragt man sich, ob Benedikt mit seiner Kritik an der Diktatur des Relativismus nicht doch Recht hat. Es sollte Grenzen geben.

 

Übrigens:

http://itunes.apple.com/de/book/wir-sind-gegenpapst!/id463172482?mt=11

 

 

 

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106 Gedanken zu “Warum Benedikt XVI nicht vor dem Bundestag reden sollte;”

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    @Liebe Kerstin: Den Grund, warum Sie nicht mit Realnamen posten, den hatten Sie mir bereits persönlich genannt, absolut akzeptabel.

    Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis EJ auch Sie enttarnt!!!!!!!!!!!!!!
    Nämlich dann, wenn Sie einmal nicht seiner Meinung sein sollten.

    Decamerone war kein Rechter, kein Linker und auch kein Troll, eher lupenreiner Demokrat. Trotzdem, warten Sie`s mal ab!

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    @Stresemann: Ihren Artikel Vom Heiligen Zeitgeist habe ich jetzt gelesen. Immer wieder muss ich mit Befremden feststellen, dass in den Medien gern mit Unterstellungen gearbeitet wird. Wer kritisiert, dass der Papst im Bundestag spricht, ist atheistisch dünnhäutig. Stimmt nicht! Allerdings muss ich hier anmerken, die Rede des Papstes im Bundestag war eine Provokation. Es kam schlimmer als ich es erwartet hatte.

    Hier noch einmal zu Erinnerung:
    Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt. Von dieser meiner internationalen Verantwortung her möchte ich Ihnen einige Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats vorlegen. (Papstrede)

    Ich denke derartige Belehrungen benötigen wir nicht. Ich habe viel Respekt vor gläubigen Menschen, erwarte aber gleichzeitig Respekt gegenüber dem Staat, in dem ich lebe. Leider bezieht sich die ganze Diskussion um den Papstbesuch auf Kleinigkeiten und Nichtigkeiten. Dabei wird das Wesentliche übersehen:
    Der Inhalt der Rede selbst und an welchem Ort diese vorgetragen wurde.
    Mich interessieren Zölibat und die Sexualmoral der Katholiken überhaupt nicht. Soll jeder glücklich werden, wie er will. Wie es mit der Ökumene weiter geht, ist auch Kirchensache. Im Falle von Kindesmissbrauch erwarte ich, dass dieser auch mit staatlichen Mitteln untersucht und gegeben falls verurteilt wird. Ich bin auch nicht Intolerant gegen die Religionen, meine Kinder waren in einem ökumenischen Kindergarten sehr gut betreut, wir haben sehr schöne Stunden miteinander verbracht. Religionskritik gegen den Islam ist für mich auch möglich, sofern diese Religionskritik nicht mit Rassismus verbunden ist. Ansonsten sollte sich jede demokratische Gruppe in die Meinungsbildung einbringen und dann auch demokratisch gefällte Entscheidungen akzeptieren.

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    @ Kerstin

    Ja, Langzeitarbeitslosigkeit, Bildung, Steuern etc. sind die Themen, die nicht nur diskutiert, die auch praktisch angegangen werden müssen, aber meine Dulcinea und unsere Kinder fordern auch ihr Recht.

    Es wäre z.B. interessant einmal durchzurechnen, wie teuer es unsere Volkswirtschaft kommt, dass durch die Arbeitszeitverdichtung immer mehr Menschen krank werden, wie viel die Antimobbing- und Antiburnoutprogramme kosten, die in vielen Unternehmen und auch in der öffentlichen Verwaltung eingeführt werden, anstatt die Arbeit gerechter zu verteilen und die 30-Stundenwoche anzustreben. Dafür bräuchte man aber genug gut ausgebildete Menschen. Stattdessen halten wir unsere Jugend mit OECD-testierter Gründlichkeit dumm. Und es sind meistens nicht die Menschen in sozialen Notlagen, die unsere Gesellschaft bedrohen, sondern die Menschen, die Angst haben, ihren kleinen oder großen Reichtum zu verlieren.

    finis

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    Geschätzte Kerstin,

    es macht immer weniger Sinn hier im Blog an der Diskussion teilzunehmen. Zunächst diskutierten, alle wortreich, ob der Papst im Bundestag reden darf, aber nachdem er dann seine Rede gehalten hat, wurde es hier – Sie ausgenommen – doch weitgehend einsilbig und unkonkret.

    Was Herr Posener heute in seinem Artikel geschrieben hat, ist eine feine Analyse der Rede, die diese eigentlich gar nicht verdient hat.

    In einem anderen Blog habe ich ein Zitat gelesen, nachdem die Menschen dann am lautesten klatschen, wenn der Redner eine Menge scheinphilosophisches Geschwurbel vorträgt und ab und an banalste Wahrheiten einflicht, damit dem unbedarften Zuhörer das schöne Gefühl vermittelt wird, er könne einem „so weisen Mann“ wenigstens teilweise folgen.

    Ein Phänomen, das Herrn Turtur, dem allseits beliebten Scheinriesen zu ähneln scheint:

    http://www.youtube.com/watch?v=XKVe4aJIyC8

    Etwas enttäuschend ist an Poseners Beitrag nur, dass er nicht darauf eingeht, dass der vom „Papst“ zitierte jüdische Rechtsphilosoph Hans Kelsen in den 20er Jahren aus seinem Amt als Verfassungsrichter verdrängt wurde, weil er den Einfluss der Kirchen auf das staatliche Recht zurückdrängen wollte, und jüngst – wohl auch auf drängen katholischer Kreise – der kirchenkritische Staatsrechtler Horst Dreier erst gar nicht zum Richter des Bundesverfassungsgericht gewählt worden ist.

    Daher kann man aus meiner Sicht, die Rede im Bundestag nicht isoliert betrachten sondern muss auch das auf Bitten des Papstes stattgefundene Treffen mit den Richten des Bundesverfassungsgericht einbeziehen, um zu erkennen, dass die Rede keine freundliche Mahnrede des lieben Onkel Ratzingers an unsere Politiker war sondern ein gezielter Angriff auf die säkularen Strukturen unserer Gesellschaft.

    Ich bin dann mal weg.

    Es hat Spaß gemacht, mit Ihnen zu diskutieren. Vielleicht trifft man sich ja mal in einem anderen Blog. Frau Groda weiß, wo ich stecke.

    Herzliche Grüße

    Ihr 68er

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    @68: Die Rede des Papstes beschäftigt mich noch immer.

    Warum nur lobte er die ökologische Bewegung? Nein, er machte nicht Propaganda für eine bestimmte politische Partei.

    Er sagte:
    „Ich würde sagen, daß das Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jahren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt, den man nicht überhören darf und nicht beiseite schieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet. “

    Und dann:
    „Wenn in unserem Umgang mit der Wirklichkeit etwas nicht stimmt, dann müssen wir alle ernstlich über das Ganze nachdenken und sind alle auf die Frage nach den Grundlagen unserer Kultur überhaupt verwiesen. Erlauben Sie mir, bitte, daß ich noch einen Augenblick bei diesem Punkt bleibe. Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten. Wir müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten. Ich möchte aber nachdrücklich einen Punkt noch ansprechen, der nach wie vor weitgehend ausgeklammert wird: Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. (aus der Papstrede)

    Obwohl der Papst die Wörter PID und Abtreibung nicht gesagt hat, hat er in meinen Augen eindeutig Stellung bezogen. Er sagte: „Es gibt die Ökologie des Menschen.“ Wir alle sollen uns auf die Grundlagen der Kultur (sicher die christliche Kultur) besinnen, wenn etwas mit unserem Umgang mit der Wirklichkeit nicht stimmt. Er erwartet einen Schrei nach frischer Luft.

  6. avatar

    @68: Oh wie schön, eine ganze Tagesschau ohne Papst. Wie sich die Bilder gleichen: lachende Gesichter, Massenaufläufe, Ansprachen voller Zitate von Lehren, Reden über die Wahrheit und einstudierte Gesten.

    Waren Sie schon mal am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig? Wie verführbar Menschen sind und welche Folgen es immer wieder für ganze Völker hatte, sollten wir doch auch aus dem Geschichtsunterricht kennen.

    Deshalb halte ich Misstrauen für unbedingt notwendig. Welche Rolle die Religionen in der Politik einnehmen sollen, darüber muss noch weiter diskutiert werden. Jeder ist für sich selbst verantwortlich und muss seinen eigenen Gewissen folgen und dabei bitte auch die Interessen von Anderen berücksichtigen. Mache ich auch so.

    Wichtig finde ich, dass wir uns endlich der eigentlichen Arbeit von Politik widmen: Lösen von Problemen in Europa und in Deutschland die Steuer-, Bildungs- und Gesundheitspolitik. Menschen in sozialen Notlagen und ohne Hoffnung sind viel leichter verführbar, deshalb müssen die Probleme von Langzeitarbeitslosigkeit und deren Folgen gelöst werden.

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    @68: Es gibt noch eine Stelle in der Rede des Papstes, die ich herausgreifen will:

    „Ich sage das gerade im Hinblick auf Europa, in dem weite Kreise versuchen, nur den Positivismus als gemeinsame Kultur und als gemeinsame Grundlage für die Rechtsbildung anzuerkennen, alle übrigen Einsichten und Werte unserer Kultur in den Status einer Subkultur verwiesen und damit Europa gegenüber den anderen Kulturen der Welt in einen Status der Kulturlosigkeit gerückt und zugleich extremistische und radikale Strömungen herausgefordert werden.“

    Wer sagt uns, was Kultur ist? Sind Gespräche mit anderen Kulturen nur möglich, wenn wir ein christliches Europa sind? Ich denke die Grundlagen internationaler Politik sollten die Erklärung der Menschenrechte sein. Will er uns Angst machen, indem wir glauben sollen, dass die „sogenannte“ Kulturlosigkeit extremistische und radikale Strömungen herausfordern? Diese Strömungen haben doch viel mehr Ursachen, als er uns glauben machen will. Zum Beispiel wäre da auch religiöser Fundamentalismus zu nennen.

    Der Papst stand vor einem demokratisch gewählten Parlament und hat in seiner Rede erklärt: Eure Demokratie funktioniert nicht, ich habe die bessere Lösung. Die Abgeordneten haben geklatscht.

    Diese Rede ist schwer zu verstehen, wenn man nicht gerade Philosophie und Geschichte studiert hat. Jetzt erwarte ich aber, dass über den Inhalt laut nachgedacht wird. Dafür ist es für mich auch notwendig, dass die Katholiken Position beziehen und wirklich für sich selbst eintreten.

    Das Lobbying der Kirche passiert doch schon länger. Ob nun das Ehegattensplitting, PID oder andere Entscheidungen, überall spielt religiöser Einfluss eine Rolle. Dabei ist es völlig egal, ob es an der heutigen Lebenswelt vorbei geht oder nicht. Natürlich muss darüber gestritten werden, es kann doch aber kein vorgefertigtes Dogma bestehen.

    Wenn man bedenkt, dass ein Fachmann wie Professor Horst Dreier nicht zum Bundesverfassungsgericht berufen wurde und unter welchen Bedingungen, dann frage ich mich ernsthaft, wer zieht hier eigentlich die Fäden im Land.

    Die Demokratie muss gelebt werden.

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    @Moritz Berger: Lassen wir ihn doch seine rechte tibetanische Gebetstrommel weiterschlagen lassen, allerdings ohne feedback!!

    So soll es natürlich nicht sein. Unter dem Gesichtspunkt frage ich mich nach der Rede des Papstes im Bundestag: Ob ich nicht vielleicht meinen Toleranzbegriff überprüfen sollte. Ich war ja von Anfang an gegen die Rede des Papstes im Bundestag, doch glaube ich langsam auch, dass er sich diebisch freut, dieses Forum für diese Rede erhalten zu haben.

    Jeder Verantwortliche muss sich bei der Rechtsbildung die Kriterien seiner Orientierung suchen. Im dritten Jahrhundert hat der große Theologe Origenes den Widerstand der Christen gegen bestimmte geltende Rechtsordnungen so begründet: ‚Wenn jemand sich bei den Skythen befände, die gottlose Gesetze haben, und gezwungen wäre, bei ihnen zu leben, dann würde er wohl sehr vernünftig handeln, wenn er im Namen des Gesetzes der Wahrheit, das bei den Skythen ja Gesetzwidrigkeit ist, zusammen mit Gleichgesinnten auch entgegen der bei jenen bestehenden Ordnung Vereinigungen bilden würde. (Rede)

    Es sieht war zunächst aus, wie ein Geschichte aus der Vergangenheit und der Papst bevorzugt ja diese Zeit als Inspiration. Allerdings frage ich mich: Ist dies jetzt eine Aufforderung zum Widerstand gegen die derzeitige Rechtsordnung?

    Er sagt:

    Wir Deutsche wissen es aus eigener Erfahrung, daß diese Worte nicht ein leeres Schreckgespenst sind. Wir haben erlebt, daß Macht von Recht getrennt wurde, daß Macht gegen Recht stand, das Recht zertreten hat und daß der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde – zu einer sehr gut organisierten Räuberbande, die die ganze Welt bedrohen und an den Rand des Abgrunds treiben konnte. ….</i/

    Dann folgt:

    Aber daß in den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht, das Mehrheitsprinzip nicht ausreicht, ist offenkundig….

    Hitler ist nicht durch das Mehrheitsprinzip an die Macht gekommen.

    Er sagt:

    Wo die positivistische Vernunft sich allein als die genügende Kultur ansieht und alle anderen kulturellen Realitäten in den Status der Subkultur verbannt, da verkleinert sie den Menschen, ja sie bedroht seine Menschlichkeit. (Papstrede)

    Wie kommt er nur darauf? Ist unsere Menschlichkeit bedroht, wenn wir uns in unserem Rechtssystem von diesen Gedanken leiten lassen:

    „… das Strafrecht nur diesem freiheitlichen Gesellschaftsvertrag dienen solle. Das Rechtssystem solle daher nicht zur Strafe, Vergeltung oder zur Durchsetzung religiöser Gesetze angewandt werden. Die einzigen zulässigen Urteile seien solche, die dem Gesellschaftsvertrag nützten, das heißt, Bestrafung sollte andere vor Verbrechen abschrecken und Verbrecher davor, rückfällig zu werden.“ (nach Beccaria entnommen aus Marcia Pally: Lob der Kritik)

    Und dem folgt die nächste Frage: Wo war denn die Menschlichkeit im letzten Jahrhundert? Sicher es gab auch christliche Menschen, die geholfen haben, doch viele haben zu- und weggesehen.

    Sehe ich Gespenster?

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    @Burkhard Wahle

    >Das Dilemma ist klar: Wenn keiner mehr widerspricht, verbucht er das als Sieg; wenn nur noch emotionale Bullshit-Kommentare kommen, wie gerade von Moritz Berger, genauso.<

    Den blonden Hans, (vielleicht ist er auch noch blauäugig) habe ich mehr oder weniger bykottiert. Da aber hier ein Appell von Alan Posener, ihn und sein rechtextremistisches Gelabbere zu ignorieren und ihn letztlich in seiner Hamsterrolle totlaufen zu lassen, war mein bullshit Kommentar nicht so sehremotional sondern eher pragmatisch.
    Lassen wir ihn doch seine rechte tibetanische Gebetstrommel weiterschlagen lassen, allerdings ohne feedback!!

    Das wäre für das Lösung des Dilemmas.

    Oder haben Sie einen anderen Vorschlag?

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    @Liebe Rita E. Groda: Es gibt noch einen weiteren Grund, warum ich meinen richtigen Namen hier nicht aufschreibe: Persönlichkeitsrechte Dritter. Ich hoffe Sie verstehen das.

    Jetzt brauche ich erst einmal eine Pause. Ich habe so viel Neues gelesen, dass ich mich erst einmal sortieren muss.

    Liebe Grüße Kerstin

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    @justrecently: Hat der Papst auch nicht behauptet, oder? (Ihre Frage)

    Der Papst sagt in seiner Rede:
    … Von dieser Überzeugung her haben die Widerstandskämpfer…

    Dabei spricht er nicht explizit von christlichen Widerstandskämpfern, sondern von Widerstandkämpfern ohne Unterscheidung ihrer religiösen Einstellung, für mich sehr interessant für einen Mann des Wortes. Welche Überzeugung hat er im Abschnitt beschrieben?

    „.. wenn er im Namen des Gesetzes der Wahrheit, das bei den Skythen ja Gesetzwidrigkeit ist..“

    Was ist das Gesetz der Wahrheit? Wenn ich es recht verstehe, ist es Gottes Wahrheit. Diese Überzeugung haben Atheisten nicht. Meine Familie war ausschließlich der Menschlichkeit verpflichtet.

  12. avatar

    @ Kerstin

    Und noch ein schöner Text zum Thema Ratzinger/Carl Schmitt und Kelsen:

    gleisbauarbeiten.blogspot.com/2011/09/ratzinger-blues.html

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    Die katholische Kirche hat den Faschismus in Spanien und Italien aktiv unterstützt. In Deutschland hat sie ihn zumindest geduldet.

    Der selbsternannte „Heilige Vater“ ist ein widerlicher, verlogener Heuchler.

  14. avatar

    Meine Familie und viele andere Widerstandskämpfer waren Atheisten, sie brauchten keinen Gott, um gegen das Unrecht im Nationalsozialismus in den Widerstand zu gehen.

    Hat der Papst auch nicht behauptet, oder?

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    @ Kerstin

    Wenn man die Rede des Papstes besser verstehen will, sollte man sich auch darüber nachdenken, wieso er gerade den Hans Kelsen als Antipoden seiner rechtsphilosophischen Thesen heranzieht.

    Hier finden Sie etwas über den Menschen Hans Kelsen:

    http://derstandard.at/12671321.....e-Heimkehr

    Und hier u.a. etwas über die Quellen, die Prof. Ratzinger in seiner Rede angegeben hat:

    http://religionsphilosophische.....enediktxvi

    Nach meiner Einschätzung geht es darum den Einfluss der Kirchen auf die weltlichen Rechtssysteme zu erhalten. Interessant ist dabei auch, wie katholische Kreise es in einer einzigartigen Aktion geschafft haben, dass der „Kelsenadept“ Prof. Horst Dreier nicht zum Richter des Bundesverfassungsgerichts gewählt wurde:

    http://www.welt.de/politik/art.....litik.html

    http://www.zeit.de/2008/07/Dreier

    Honi soit qui mal y pense

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    @68: Ich sitze über dieser Rede und frage mich: Wie meint der Papst diese Passage?

    „Im 3. Jahrhundert hat der große Theologe Origenes den Widerstand der Christen gegen bestimmte geltende Rechtsordnungen so begründet: „Wenn jemand sich bei den Skythen befände, die gottlose Gesetze haben, und gezwungen wäre, bei ihnen zu leben …, dann würde er wohl sehr vernünftig handeln, wenn er im Namen des Gesetzes der Wahrheit, das bei den Skythen ja Gesetzwidrigkeit ist, zusammen mit Gleichgesinnten auch entgegen der bei jenen bestehenden Ordnung Vereinigungen bilden würde …“

    Von dieser Überzeugung her haben die Widerstandskämpfer gegen das Naziregime und gegen andere totalitäre Regime gehandelt und so dem Recht und der Menschheit als ganzer einen Dienst erwiesen.“ Quelle: http://www.bundestag.de/kultur...../rede.html

    Soll ich jetzt glauben, dass die katholische Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus im Widerstand war? Das wäre eine Umdeutung der Geschichte.

    Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erkannten die katholischen Bischöfe in einem Hirtenwort vom 23. August 1945 die Mitschuld der katholischen Kirche an den Verbrechen des Nationalsozialismus an.“ Quelle: http://www.dhm.de/lemo/html/na.....index.html

    Meine Familie und viele andere Widerstandskämpfer waren Atheisten, sie brauchten keinen Gott, um gegen das Unrecht im Nationalsozialismus in den Widerstand zu gehen.

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    @EJ „Absolut geniale Papst-Rede!“
    Sehe ich auch so: Benedikt hat mit „linken“ Aspekten katholischer Moral („Gerechtigkeit“) abwesenede linke Abgeordnete beschämt, die Grünen ebenso mit seinen ökologischen Bezügen („Fenster wurden aufgestoßen..Verantwortung für die Welt /Schöpfung etc..“), sowie einen ganz wunden Punkt angesprochen: „Der Mensch kann sich nicht selbst erschaffen“! Der Wissenschaft ins Stammbuch geschrieben, daß sie (z.B. mittels Gentechnik) nicht zuviel Einfluss auf die Evulotion nehmen darf (da es sonst zu einem genetischen Informationskollaps kommt). Beschämend für die Wissenschaft, solches von außen, von einem Papst gesagt zu bekommen.
    Mit seiner Rede hat er hat seine Kirche perfekt im Diskurs positioniert bzw. wieder ins Gespräch gebracht.
    Benedikts in jeder Hinsicht treffenden Analysen dürfen aber nicht darüber hinweg täuschen, daß er seit Jahrzehnten daran arbeitet, seine Kirche wieder zu fundamentalistischen Werten unzuerziehen, das II. Vaticanum konservativ-restriktiv umzudeuten und damit faktisch rückgängig zu machen. Die Rehabilitation der Piusbrüder ist kein „Versehen“. Seine Stellungnahmen zur Ökumene werden ein Gradmesser dafür sein – wir werden sehen, wäre schön, wenn ich mich irren würde.

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    @ Jean-Luc: Ich bin mit Dieter Hildebrandt befreundet und habe das buch schon. Auch mein Vater war gegen den Wiederaufbau, allerdings aus anderen Gründen als D.H.. Er nannte die Sprengung einen „Akt der Barbarei“, und darin waren wir uns immerhin einig. Ein andermal mehr dazu. Grüße an alle aus Göteborg.

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    „Aber die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Quelle: http://www.bundestag.de/kultur...../rede.html

    Ich dachte, er war als Staatsoberhaupt eingeladen.

    @EJ: Also, wer wirbt schon mit den Nebenwirkungen?

    @Don Camillo: Kerstin: “[Bis hier her und nicht weiter.]” … stand das nicht an dem Zaun, den Sie überwinden wollten…?

    Wenn ich denn darf und der auf der anderen Seite dies auch will. Dafür gibt es dann Türen und Einladungen. Wer zu mir als als Gast kommt, sollte auch ein paar Pflichten kennen. Schmutzige Schuhe, Beleidigungen und feindliche Gedanken sind unerwünscht.

    Es ging mir um Persönlichkeitsrechte, außerdem habe ich Verständnis gezeigt für die Situation Alan Poseners. Der Artikel mit dem Troll, von 68er eingestellt, war interessant.

    Also Alan Posener bitte einen Hinweis schicken, falls ich zum Troll werde.

  20. avatar

    Die Rede des Papstes war weniger, als sich manche erhofften, allerdings viel mehr als ich erwartete.
    Daß viele einige Passagen nicht verstanden haben, das konnte man an der Konzentration mancher Abgeordneten sehen!

    EJ scheint die wichtigsten Passagen gut verstanden zu haben, daher wundert es mich nicht besonders, daß er sich nicht so opportunistisch gibt, wie ……..
    Herr Posener dürfte es tatsächlich nicht besonders leicht haben.

    Daß es in Deutschland nicht nur möglich war, die Reformation zu beginnen, sondern auch gegen den Papst zu demonstrieren, das zeigt, daß wir durchaus entwicklungsfähig sind, auch in puncto Demokratie.
    Berlin glich heute eher eine Partymeile, als einem Land voller Fundamentalisten aus allen Lagern.

    Was für ein wunderbares Land wir langsam werden, man muß sich nicht mehr schämen, für die Deutschen ……….

    A pedibus usque ad caput – vom Kopf bis zu den Füßen, kein übles Land.

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    @EJ

    Zugegeben, das Thema der Rede war nicht schlecht gewählt und ich stimme Prof. Ratzinger zu, wenn er anmahnt, dass über das Thema der Begründung des Rechts eine Diskussion in Gang gesetzt werden sollte.

    Inhaltlich muss ich – und wird wohl auch Herr Posener – dem Oberhaupt der Katholiken in einigen Teilen widersprechen. In einer Gesellschaft, in der ich leben möchte, sollte das Rechts sich nicht von einer göttlichen Schöpfung ableiten müssen. Ausgangspunkt können nur die Menschen in ihrem „natürlichen“ Umfeld sein mit ihrer bescheidenen Vernunft. Ob die Welt die Schöpfung eines Gottes ist oder nicht, darf bei der Frage, was Recht oder gerecht ist, nicht von Belang sein. Denn eine Rechtsfindung die auf eine göttliche Schöpfung baut, würde immer die ausschließen, die an die Existenz eines Schöpfers nicht glauben können oder wollen.

    Die Suche nach dem Recht und der Gerechtigkeit muss daher andere Wege, vernunftgeleitete Wege gehen. Ansätze gibt es hier einige, seien es die Diskursethischen von Habermas oder die vertragsheoretischen von John Rawls. Das Spannende dabei ist, dass man mit diesen Ansätzen zu ähnlichen Ergebnissen gelangt wie bei einem Begründungsversuch über einen barmherzigen und gütigen Gott.

    Bei einem Diskurs unter Gleichen grenzt man die Nichtgläubigen allerdings nicht aus und zwingt ihnen auch keine Prämissen auf, an die sie nicht glauben können oder wollen. Bei einem solchen Diskurs sollte man auch die Glaubenden respektieren.

    Problematisch wird es aber dort, wo der Papst sich auf die Skythen bezieht. Das klingt auf den ersten Blick historisch harmlos, doch in bestimmten katholischen Kreisen wird dieser Hinweis wohl als Aufruf zum zivilen Ungehorsam verstanden werden. Wenn man weiß, was der Papst als natürlich bzw. unnatürlich hält, wird man übersetzen dürfen, dass z. B. unser weltliches Recht der Gleichgeschlechtlichen von Katholiken nicht geachtet werden muss. Gänzlich gefährlich wird die Argumentation, wenn man sie auch auf andere Religionen anwendet, die z.B. noch die Steinigung oder das Menschenopfer mit natürliche Wahrheiten begründen wollen.

    Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch die bekannte Argumentation Ratzingers, dass die Zeit des Nationalsozialismus gezeigt habe, dass eine Zeit ohne Gott in die Barbarei führe. Tatsächlich hat sich aber auch Hitler auf eine göttliche Schöpfung bezogen, allerdings nicht auf eine christliche, und sah sein Wirken durch die göttliche Vorsehung geleitet. Wer daran glaubt, dass ein Gott ein Volk besonders bevorzugt hat, gelangt mit Ratzingers Theorie schnell zu einem unmenschlichen Rechtssystem.

    Und wenn man noch weiter geht und sich die Strukturen in der katholischen Kirche ansieht, wie dort z.B. die Frauen oder die Nichtchristen als Ungleiche behandelt werden, wenn man sich das schreiende Unrecht anschaut, das dort mitunter herrscht, wundert man sich, mit welcher Chuzpe dieser Herr glaubt, uns die „Leviten lesen“ zu müssen. Denn tatsächlich ist Recht, dass sich aus einer Transzendenz herleiten will, meist ein von einer kleinen Peergroup kreiertes Zerrbild von einem von ihnen zuvor definierten Gott oder Popanz, das dazu dient, die eigenen Anschauungen für allgemeingültig zu erklären.

    Von der Hand Ratzingers, die mit dem einen Finger mit einem gewissen Recht auf uns und unsere Politiker zeigte, waren mindestens drei auf ihn selbst und seine Kirche gerichtet.

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    Benedikt XVI. heute im Bundestag:

    Jeder Verantwortliche muss sich bei der Rechtsbildung die Kriterien seiner Orientierung suchen. Im dritten Jahrhundert hat der große Theologe Origenes den Widerstand der Christen gegen bestimmte geltende Rechtsordnungen so begründet: ‚Wenn jemand sich bei den Skythen befände, die gottlose Gesetze haben, und gezwungen wäre, bei ihnen zu leben, dann würde er wohl sehr vernünftig handeln, wenn er im Namen des Gesetzes der Wahrheit, das bei den Skythen ja Gesetzwidrigkeit ist, zusammen mit Gleichgesinnten auch entgegen der bei jenen bestehenden Ordnung Vereinigungen bilden würde.’

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    @68 er: Wie wichtig sich(es) manche Leute nehmen, besonders die Süddeutsche Zeitung.

    Ein Freund von mir, Jurist und sogar trotzdem noch intellektuell, schrieb einen sehr seriösen Beitrag, auf den wir gewartet hatten.
    Er wurde vom „Troll Filter“ abgelehnt, bzw. nicht gesendet, weil das fürchterliche Wort“Analyse“ darin vorkam und der „Troll-Filter“ dies von Anus ableitete und es als Beschimpfung erkannte. Darüber lacht man noch heute sehr laut und ausgiebig!
    Soviel zu der angeblichen Mühe von Deutschen Redakteuren bei bedeutenden Zeitungen!

    Das hier ist ein Blog, hier werden keine lebensnotwendigen Entscheidungen für Land und Leute getroffen.
    Das ist Wichtigtuerei, keine Sorge um Trolle, was hier proklamiert wird.

    Nachdem ich hier mit richtigem Namen poste und dazu auch noch mich keinem Diktat unterwerfe, wird es garantiert nicht lange dauern, bis auch ich als Troll eingestuft werde, falls hier dieselben Zensurmodalitäten gelten, wie bei der Süddeutschen.
    Dort erledigen die Zensur Praktikanten und danach ist sie auch.

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    Wenn Alan Posener auch nach der Papst-Rede noch bei seiner Nein-These bleiben will, muss er sich ganz schön auf den Hosenboden setzen. Jedenfalls dann, wenn er nicht allzu blamabel gegen den Papst abfallen will.

    APOs Argumentation war bisher der Argumentation der überwiegenden Zahl z.B. der (ablehnenden) Abgeordneten weit überlegen. Die wollten den Papst lediglich deshalb nicht im Parlament sehen, weil er bestimmte Vorstellungen vertritt – vor allem zur Sexualmoral und zur Stellung der Frau in der Gesellschaft. Diese Vorstellungen werden aber auch z.B. in Teilen der CDU vertreten, ohne dass deswegen deren Parlamentsausschluss o.ä. gefordert würde.

    APO hat im Gegensatz dazu dem Papst – keineswegs unplausibel, Stichwort: „Diktatur des Relativismus“ – eine prinzipielle Ablehnung des Parlaments bzw. der Demokratie unterstellt. Mal schauen, ob APO das auf der Basis der Papst-Rede noch immer so leicht/i> kann. Ich bin gespannt.

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    Anstatt als Antwort auf die Tat eines Einzeltäters das Trollen in Zeitungen zu verbieten sollte im Trolland lieber das das Schießen mit halbautomatischen Waffen in Schützenvereinen verboten werden.
    Denn der Sohn eines Diplomaten hat seine Treffsicherheit in Schützenvereinen geschult. Eine norwegische Bucht heißt genau wie er. Leider weiß ich nicht, ob er Angehöriger einer angesehenen Familie ist .

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    Worüber man auch einmal diskutieren sollte, wäre die Berichterstattung der ARD über den Papstbesuch. Wie ich gerade gesehen habe, berichtet die ARD heute von 15:55 bis 20:45 nonstop.

    Sogar die Tagesschau wurde um eine 3/4 Stunde verlegt.

    Eine Nummer kleiner hätte es wohl auch getan.

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    @ 68er

    Genau das ist der Punkt: Seit Breivik sind Trolls nicht mehr einfach nur links liegen zu lassen. – Dass die norwegischen Zeitungen so drastische Konsequenzen gezogen haben, war mir nicht bekannt. – Danke für den Hinweis!

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    @Don Camillo: Ihre Worte haben mich zumindest sehr nachdenklich gemacht. Ihr Hinweis auf die Fehlerhaftigkeit und auch die Selbstgerechtigkeit der Menschen.

    Auch meine Oma hat ein Jahrhundert gesehen, die ersten Autos, die ersten Flugzeuge, zwei Weltkriege, einige Kinder beerdigt.

    Sie hätte bestimmt dezent darauf hingewiesen, daß die Pharisäer den Barabas wollten und nicht Jesus.
    Ich bin zwar der Ansicht, daß der Papst nicht in den Bundestag gehört,
    Aber, man hat dort schon Schlimmere gehört. Unsere Regierungschefin hat in beim Thema Kindesnißbrauch gerügt, eine Diskussion im Bundestag über dieses Thema, mit dem Papst, wäre mal was ganz Neues.

    Käme „Aunt Lissi“ oder William und Kate den Bundestag besuchen, würde man einen Gutteil der Deutsche wieder als glühende Monarchistenanhänger erleben.

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    Wenn einem die eigene Feigheit vor Augen geführt wird, dann macht das immer Kopfschmerzen.

    Ein Trojanisches Pferd ist Blondi beileibe nicht, es sei denn, man ist nicht ganz verblödet. Meine Energien hat er noch nie gebunden, da ich ihn nur seltenst zum Gesprächspartner auserkor.

    Ansonsten, siehe oben, meine Grundsatzerklärung. Ich gehöre nicht zu den Subalternen und profilneurotische Primadonnern, besonders männlich, gehen mir allmählich ganz schön auf die Nerven.

  30. avatar

    Liebe @Rita E. Groda: Ich diskutiere gerne mit Ihnen, auch wenn ich gestehen muss, dass Sie mir manchmal Kopfschmerzen bereiten. Das hatte ich schon im Zusammenhang mit Henryk M. Broder geschrieben:
    Gegen die eigenen Schranken im Kopf hilft aber keine Entspannungsübung, das schmerzt auch manchmal.

    @Don Camillo: Wenn die Menschen an nichts mehr glauben, dann wird dieser fehlende Glaube durch andere “Wahrheiten” ersetzt. (Ihr Zitat)

    Hier würde ich mich gern Wolf Biermann anschließen.

    „Ich glaube nicht an Gott! Ich glaube an etwas noch Absurderes: Ich glaube an den Menschen!“ Rolf Biermann: http://www.welt.de/print/die_w.....schen.html

    Menschlichkeit geht für mich vor Bildung. Bildung kann nicht schaden, oft ist es wichtig zu wissen, auf wen sich die Wahrheitsverkünder berufen.

    … mit dem Rom des fünften Jahrhunderts, in dem sein Lehrmeister Augustinus wirkte.

    „Als das Christentum schließlich im Römischen Reich zur offiziellen Religion erklärt wurde, führte die Regierung strikte Gesetze ein, die bestimmte sexuelle Handlungen als heidnische Relikte verboten. Besonders Homosexuelle und andere Menschen, die von der christlichen Sexualmoral abwichen, wurden als Kapitalverbrecher bezeichnet und öffentlich hingerichtet.“ Quelle: http://www2.hu-berlin.de/sexol.....igion.html

    Niemand verbietet den Papst in Kirchen und auf öffentlichen Plätzen zu reden.

    Bis hier her und nicht weiter.

    hätte es für mich auch in der Politik heißen müssen. Wir haben eine säkulare Demokratie und diese soll erhalten bleiben.

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    „Feindliche Elemente“, die aus Rom kämen, mit diesen Worten musste sich meine Oma auseinandersetzen. Oma wurde 99 Jahre alt und ist seit 15 Jahren dort, wo wir alle hin müssen. Sie hörte die Worte aus ihrem Dampfradio, gesprochen vom damaligen Reichsminister für Volksaufklärung Joseph Goebbels. Oma hat ihren Enkeln diese Wort bewahrt. Sie hat sie immer mit der Erläuterung verbunden: Wenn die Menschen an nichts mehr glauben, dann wird dieser fehlende Glaube durch andere „Wahrheiten“ ersetzt.

    Oma hat nur vier Jahre Volksschule gesehen. Ich glaube nicht, dass sie jemals ein Buch gelesen hat. Das einzige Buch, von dem sie sprach, war die Bibel. Oma war „mittelmässig“. Sie hat ihre Kinder erzogen und ist dem Spruch gefolgt: Man müsse durch Fleiss und Arbeit „redlich“, wie sie immer sagte, sein Brot verdienen.

    Ihre Familie hatte, zu dem Zeitpunkt, als die Worte fielen, schon einmal ihr Vermögen verloren. Dass ihr der ´haircut` oder der ´Guthabenschnitt` ein zweites mal bevorstand, hat sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst. Dass es nicht beim Verlust des kompletten Vermögens bleiben würde, konnte sie damals nicht erahnen. Im Anschluss an den verlorenen Krieg, hat sie nicht nur ihr Vermögen verloren, sondern wurde von den neuen Mächten aus ihrer Heimat vertrieben. Hab und Gut hatte sich auf, ich meine es waren 20 kg, zu beschränken. Mit halbwüchsigen Kindern und ohne neues Ziel wurde sie in den Westen verbannt.

    Oma hatte nie irgendwelche Feinde. In ihrer Mittelmäßigkeit hat sie nie nach ihrem „Recht“ gerufen. Ganz im Gegenteil, sie war für andere da und hat im wahrsten Sinn des Wortes ihr letztes Stück Brot mit Anderen geteilt.

    Oma würde erschrecken, würde ich ihr aus diesen Tagen berichten könnte. Sie würde mir von Phärisäern und Schriftgelehrten erzählen.

    —-

    Ich habe aber auch einen Enkel, der heißt Jonathan. Er ist jetzt schon vier Jahre alt und hat letzte Woche eine kleine Nichte bekommen. Das neu angekommene Mädchen schaute sich Jonathan skeptisch an und meinte: „Wenn Die mal so alt ist, wie ich, dann wird das auch ein Mensch!“

    —-

    Warum leugnen wir unsere Mittelmäßigkeit, warum stehen wir nicht zu unserer Fehlerhaftigkeit, warum können wir nicht mehr sein wie die Kinder, warum sind wir nicht Mensch? Hat uns die Schule, hat uns unser Wissen, zu dem gemacht, was wir sind, die fragwürdige Fähigkeit verliehen, Menschen bis ins letzte zu differenzieren und dann unser ´berechtigtes Urteil` zu fällen?

    Es tut mir leid, Herr Posener, wenn ich den ge- und erlebten Beispielen den Vorzug vor Ihrem Geschriebenen gebe. Es ist schön, wenn jemand eine Oma hat….und Enkel. Meine besten Lehrmeister.

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    Freunde

    .. keine Panik. Ich bin ohnehin mehr ‚losgeworden‘ als ich es erhofft hatte. Sicher – ich werde noch lernen müssen. Und Sie alle werden verdauen und erkennen müssen.

    @EJ

    Römer 12: 19

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    @Rita E. Groda: Sie haben Recht, die Freiheit ist ein sehr hohes Gut.

    Die Freiheit und Demokratie anzunehmen und darin zu leben, ist eine Sache, sie als schützenswertes Gut zu begreifen etwas anderes.

    Eine Diktatur der Wahrheit braucht natürlich einen umfassenden Schutz, denn es steht ja geschrieben: Die Partei, die Partei, die hat immer Recht! , die einen nennen es Wächterrat, die anderen eben Stasi.

    So kann es sein, es steht plötzlich völlig ungebeten ein Mitarbeiter dieser Instanz (Stasi) vor ihrer (meiner) Haustür. Ich weiß, was von mir erwartet wird, habe es oft genug in der Schule gehört: Die DDR muss gegen ihre Feinde geschützt werden.

    Zunächst erfolgt die Versicherung der Staatstreue, dann wird die Notwendigkeit aufgezeigt, die man dann als gelernter Staatsbürger bestätigt. Ein Beispiel hat der nette Mann dann auch gleich mitgebracht: „Rausgeschmissen“ http://www.bstu.bund.de/DE/Wis....._node.html

    Das eigenhändige Anfertigen von Wandzeitungen ist natürlich nicht erlaubt, könnte ja der Staatswahrheit widersprechen.

    Das ich gerade einen Antrag zum Besuch (Geburtstag) meiner Oma im Westen gestellt hatte, war in meinen Augen kein Zufall. Neinsagen bedeutet natürlich wieder das Aufgeben von Rechten und Privilegien. Mangelnde Bereitwilligkeit wird eben bestraft, auch der Besuch der EOS (Gymnasium) oder die Erfüllung eines Berufswunsches ist vom Wohlverhalten abhängig.

    Ich habe dann Nein gesagt.
    Nach vielen Widrigkeiten durfte ich doch mit meiner Oma Geburtstag feiern. Ein Gefühl dieses Ausgeliefertsein und das sich ähnliche Dinge wiederholen könnten, ist geblieben.

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    Grundsatzerklärung: Wie im richtigen Leben scheint sich auch dieser Blog zum“Intrigantenstadel“ zu entwickeln.

    Zu den relevanten Sachverhalten:

    Meiner unmaßgeblichen Meinung nach, sollte es in einem demokratischen Blog weder Ausgrenzungen geben noch Ignorieren anderer Meinungen.

    Eine persönliche Sache zwischen zwei Diskutanten ist alleine deren persönliche Sache. Was zwischen Herrn Posener und Alt 68-er war ist alleinig deren Sache.
    Erst auf den gestrigen Vorwurf von Herrn Wahle hin habe ich auf den Blog von Alt 68-er geschaut, und überhaupt erstmalig gelesen, wie die eine Seite den Vorgang dargelegt hat. Die andere Seite kenne ich nicht, und kann darum keine Stellung dazu nehmen.
    Wie kann also die Behauptung entstehen man grenze jemand aus, wenn jemand nicht mehr in Erscheinung tritt? Ich kannte die Gründe der Abwesenheit von Alt-68-er bis gestern nicht, hatte mich lediglich über dessen Abwesenheit gewundert.
    Persönlich goutiere ich die Monothematik auf dessen Blog nicht, was mich nicht davon abhalten kann ihn als gelegentlichen Gesprächsparter zu schätzen.
    Das zu diesem Thema endgültig, Kropka, Amen.

    Desweiteren, ich diskutieren hier gerne und zwar mit jedem. Ich wünsche aber keine weitere Erörterung meiner Demokratiefähigheit, diese ist bereits jahrzentelang erprobt und bewiesen.

    Ich sehe mich nur meinem Gewissen gegenüber in der Pflicht, und dies ausschließlich. Gegen weitere Belehrungen und Manipulationen bin ich immun.

    Sollte dieser Standpunkt hier nicht mehrheitsfähig sein, bitte ich um Benachrichtigung, dann können Sie mich gerne ausgrenzen, bzw. gehe ich gerne von alleine.

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    Liebe @Rita E. Groda: Vermutlich hatte jeder einen anderen Grund zu schweigen. Ich war gerade in einem Gespräch und hätte es auch fortgeführt. Ich kenne den Blog von Alt68er, da ich aber in letzter Zeit mehr mit Deutschland und Europa beschäftigt war, habe ich mich eher weniger mit Israel beschäftigt.

    Gleichzeitig fand ich es gut, dass Alan Posener gesagt hat: Bis hier her und nicht weiter.

    Es ist sein Blog. Im Rückblick auf meine Jugend habe ich mir manchmal gewünscht, ich hätte die Möglichkeit gehabt oder gekannt, zu sagen:
    Bis hier her und nicht weiter.
    So stand ich an vielen Orten und habe deutsche Schuld aufgeladen bekommen, bis ich es nicht mehr ertragen konnte. Manchmal hat mein Körper mir die richtige Richtung gezeigt. Ich habe in dem Filmvorführsaal einen Fluchtweg gesucht, sah aber keine Möglichkeit. Später konnte ich mich nicht erklären, manche Reaktionen waren sicher verstörend für meine Umwelt, gleichzeitig hat auch nie jemand genau nachgefragt. Jetzt ist es o.k.

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    @ EJ: Ihre rhetorische Frage, lieber EJ, verstehe ich sehr gut, habe ja selber einige Male mit dem blonden Hans die Klingen gekreuzt. Das Dilemma ist klar: Wenn keiner mehr widerspricht, verbucht er das als Sieg; wenn nur noch emotionale Bullshit-Kommentare kommen, wie gerade von Moritz Berger, genauso.
    Im Idealfall werden wir hier alle klüger, indem wir Argumente austauschen und unsere eigene starke Meinung einer Prüfung unterziehen. Beim blonden Hans (hallo blonder Hans!) habe ich seit längerem, eigentlich von Anfang an, den Eindruck, dass es ihm nur ums recht behalten und um Demagogie geht. Wir verbrauchen zu viel intellektuelle und emotionale Energie, wenn wir uns auf solche fruchtlosen Debatten einlassen. Schauen Sie seinen ersten Kommentar zu Poseners Text an: da zaubert er das Thema Euthanasie aus dem Hut, rein instrumentell, nur um irgendwo anzugreifen, mit Poseners Text hat das gar nichts zu tun. Genauso die Zitatdatenbank vom Versicherungmakler: Zitate nur noch als Bewaffnung des Diskurskanonenboots, Kontext egal, Treffer versenkt. Schmutziger Waffenhandel, unseriöse Quelle, nichts dahinter, Eigentor.
    Habe beschlossen da nicht mehr mitzuspielen. Da gefällt sich einer in der Rolle des Trojanischen Pferdes und freut sich diebisch über jeden, der sich aufregt und sich mit dem schleichenden Diskursgift auseinandersetzt als wäre es Götterspeise.
    Ich verweigere nicht die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen, und seien sie weit rechts außen, und wollte das auch nicht empfehlen, wohl aber eine Teilnahme am Ich-hab-doch-recht-Spiel.
    Liebe Frau Groda, ich bewundere Sie für Ihr angebotenes Opfer, rate aber aus obigen Gründen ab.
    @ Frau Groda: Nein, ich wusste nicht, wer Alt 68er ist/war, wollte auch keine pauschale Zustimmung zu seinen Abhandlungen, auch nicht zu dem von Ihnen zu recht inkriminierten Ausfall ausdrücken, aber letztlich war er hier doch ein von vielen gern gesuchter Gesprächspartner. Nun ist er einfach weg. Ich war immer schon für Klarnamen, schließlich werden wir hier nicht von Marketingleuten ausgeforscht und von keiner Stasi observiert. Oder ist das eine naive Annahme?
    Beste Grüße, B. Wahle

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    @Kerstin
    Ich erkenne in dem, was Sie schreiben etwas sehr Wichtiges, wenn nicht das Wichtigste überhaupt für eine freiheitliche Diskussion / Gesellschaft: Reden / Schreiben, wie einem der Schnabel gewachsen ist, ohne gleich Angst haben zu müssen, sofort in die eine oder andere Schublade (rechts, links, vorwärts, rückwärts) gesteckt zu werden. So erhellend EJs Stilanalysen sind, so wollen wir (vermute ich) doch keine neue Inquisition. Ein Tea-Party-Fan ist nicht automatisch nur „rechts“ oder gar rechtsradikal, ebensowenig, wie Matthias Matussek oder Henryk M. Broder. Genau hinzugucken lohnt sich auf jeden Fall und der rückwärtsgewandte Bildungsdünkel und Rassismus eines Thilo Sarrazin ist als solcher ins diesem Blog so benannt worden, was mich selber u.a. hat hier auch landen lassen. Um so wichtiger erscheint mir gerade hier, Poster wie derblondehans, alt68er, Dr. Strebel nicht komplett zu vergraulen, weil bisher den Eindruck hatte, daß diese mehr Fragen als Antworten mitbrachten, auch wenn es manchmal ein bißchen viel war. Übrigens ist David Berger auch nicht mehr da..

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