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Schwarz, gelb, grün, rot, knallrot: Die neue Farbenlehre

Die Einen haben gedacht, an Rot-Rot-Grün gehe kein Weg vorbei. Denn Rot-Rot-Grün sei der Reflex darauf, dass es in Deutschland eine strukturell linke Mehrheit gebe. Die Anderen denken jetzt, an Schwarz-Gelb, Schwarz-Grün, Schwarz-Gelb-Grün gehe in Deutschland auf lange Sicht auch kein Weg vorbei. Denn die Mehrheit in Deutschland sei, wir ahnen es schon, strukturell bürgerlich.

Was aber ist bürgerlich, was ist links in diesem Kontext? Liegt den Etiketten ein gemeinsamer Maßstab für das zugrunde, was man für richtig und was man für falsch hält? Oder geht es im wesentlichen doch um eine Stimmungslage, die mal eher nach links, mal eher ins Beharrende driftet?

Wahrscheinlich gilt das zweite: Beim näheren Hinsehen entpuppt sich der neue Hang zum Bürgerlichen als Abstoßungsreaktion auf Oskar Lafontaine. Und die vermeintlich linkslastige Mitte entlarvt sich als das Bedürfnis einer ältlichen Gesellschaft, noch ein paar Jährchen auf Kosten der Zukunft zu leben.

Und so verhalten sich auch die Parteien. Wenn der neue Konservativismus als bloßes Beharren auf hergebrachten Verhaltens- und Verbrauchsmustern interpretiert werden kann, dann wundert es einen nicht mehr, dass die Union und die FDP vom Bürgergeld übers Schonvermögen bis zu den Zuverdienstgrenzen beginnen, sich ein neues Sozialstaatsmodell zu eigen zu machen. Eines, das mit dem Prinzip von Leistung, Gegenleistung und Fürsorge nur im Notfall nur noch wenig zu tun hat.

Und es wundert einen auch nicht mehr, dass die Grünen es gelegentlich erträglicher finden, mit den Liberalen zusammenzugehen als mit der Linken. Denn hier entsteht ein Konservativismus links der Mitte, in dem sich alle treffen können.

Zuerst erschienen bei www.carta.info

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